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	<title>Michael Brake &#187; Wikipedia</title>
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		<title>Die Entdeckung der Fischkoppness</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Nov 2013 19:58:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von St. Petersburg zu Pu der Bär in weniger als fünf Schritten: Eine Reise auf den wunderbaren Wegen der Serendipidingsbums. (aus der taz vom 8. November 2013) Es gibt kein Wort, das ich so schlecht aussprechen oder aufschreiben]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN<img title="Weiterlesen …" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /> Von St. Petersburg zu Pu der Bär in weniger als fünf Schritten: Eine Reise auf den wunderbaren Wegen der Serendipidingsbums.</h3>
<h3><span id="more-1649"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!127066/">taz</a> vom 8. November 2013)</h3>
<p>Es gibt kein Wort, das ich so schlecht aussprechen oder aufschreiben kann wie Serendipität. Jedes Mal verdreht sich mein Gehirn und ich muss nachschlagen, ob es nun <a href="http://riesenmaschine.de/?nr=20121118013939" target="_blank" shape="rect">Serendipidität</a> heißt oder doch nur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipit%C3%A4t" target="_blank" shape="rect">Serendipität</a>. Ich versuche, es mir auf Englisch vorzusagen, aber scheitere nur noch mehr. Alles klingt falsch! Immer!</p>
<p>Dabei beschreibt das Wort doch etwas so Schönes: Das Zufallsfundprinzip, das Entdecken von Dingen, von denen man nicht mal wusste, dass es sie gibt, geschweige denn dass man nach ihnen gesucht hat.</p>
<p>Wikipedia ist dabei das junge Königreich der Serendipität. Neulich suchte ich, inspiriert von einer Erkundung der Ostsee auf GoogleMaps, nach der nördlichsten Millionenstadt der Welt. Das ist tatsächlich St. Petersburg, wie im Wikipedia-Beitrag <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%B6rdlichste_Orte_der_Erde" target="_blank" shape="rect">Nördlichste Orte der Erde</a> steht, der nicht nur auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdlichste_Orte_der_Erde" target="_blank" shape="rect">Südlichsten Orte der Erde</a> verweist (St. Petersburgs Gegenstück ist Melbourne), sondern auch auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nordizit%C3%A4t" target="_blank" shape="rect">Nordizität</a>.</p>
<p>Die Nordizität ist eine Erfindung des kanadischen Geographen Louis-Edmond Hamelin und beschreibt die Nördlichkeit („Fischkoppness“ jubelt M. im Facebookchat) eines Ortes anhand von zehn Faktoren, zu denen die Erreichbarkeit, die Eisartigkeit, das BIP und der Niederschlag zählen. Die maximale Nordizität eines Ortes ist 1.000, was aber nur der Nordpol erreicht (womit also ein niedriges BIP ein Anzeichen für Nordizität sein muss, das finde ich ziemlich südistisch).</p>
<p>Ich muss an das Lied <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fi92_ka9Mvk" target="_blank" shape="rect">„Die langweiligsten Orte der Welt“</a> denken, in dem „Das flachste Meer der Erde“ besungen wird, was wiederum, Kreise schließen sich, die Ostsee ist, an Pu der Bärs Expedition zum Nordpol, wo Christopher Robin sagt: „Ich nehme an, dass es auch einen Ostpol und einen Westpol gibt, obwohl man allgemein nicht gern über sie spricht“, ferner an den Rattenfänger von Hameln, und seit Tagen blitzt immer wieder das Wort „Geschiebemergel“ in meinem Kopf auf und verschwindet schnell wieder.</p>
<p>Es gibt ein Spiel, das diese ungeplante Wissensvermehrung zum, äh, Spiel macht: „The Six Degrees of Wikipedia“ (TSDoW), was auf Stanley Milgrams „The Six Degrees of Separation“ (bei uns bekannt als Kleine-Welt-Phänomen) genauso anspielt wie auf den Filmnerd-Schwanzvergleich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Six_Degrees_of_Kevin_Bacon" target="_blank" shape="rect">„The Six Degrees of Kevin Bacon“</a>. Ziel von TSDoW ist, mit möglichst wenig Klicks von einem Beitrag zu einem anderen zu kommen.</p>
<p>Auf der <a href="http://https//www.taz.de/Netzkonferenz-republica-3-Tag/!115973/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a> hatte ich es im Mai zum ersten Mal live gesehen, „Wir wollen nur kurz was nachschlagen und fünf Stunden später stellen wir fest, wir wissen jetzt alles über Quantenbotanik, aber nicht, wie wir dahin gekommen sind“, sagte der Moderator dort, und danach wurde der Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arthrose" target="_blank" shape="rect">Arthrose</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_%28Deutschland%29" target="_blank" shape="rect">Einkommenssteuer (Deutschland)</a> beschritten und von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisen" target="_blank" shape="rect">Eisen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_Bescherung" target="_blank" shape="rect">Schöne Bescherung</a>. Zwischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwei%C3%9Fen" target="_blank" shape="rect">Schweißen</a> bis <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis" target="_blank" shape="rect">Antarktis</a> liegen gerade einmal fünf Artikel: Eisenzeit -&gt; Frühgeschichte -&gt; Nordamerika -&gt; Arktischer Ozean -&gt; Arktis (da ist sie schon wieder!).</p>
<p>Gegangen bin ich, als es von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heesters" target="_blank" shape="rect">Johannes Heesters</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mom_I%27d_Like_to_Fuck" target="_blank" shape="rect">Mom I&#8217;d Like to Fuck</a> ging. Ich brauchte ein neues Bier. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
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		<title>So wie einst Jochen Schmidt</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Oct 2013 18:44:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über eine prominente Volleyballhalle (aus der taz vom 21. Oktober 2013) Jahrelang dachte ich, Jochen Schmidt, also der Lesebühnen-Schmidt, der Müller-haut-uns-raus-Schmidt, seit Neuestem auch der Schneckenmühle-Schmidt, also der Damals-im-Osten-war-ich-auch-zu-schüchtern-Frauen-anzusprechen-Jochen-Schmidt halt, hätte in meiner Volleyballhalle früher Schulsport gehabt. Die]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>BERLINER SZENE über eine prominente Volleyballhalle <span id="more-1650"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Berliner-Szenen/!125979/" target="_blank">taz</a> vom 21. Oktober 2013)</h3>
<p>Jahrelang dachte ich, Jochen Schmidt, also der Lesebühnen-Schmidt, der Müller-haut-uns-raus-Schmidt, seit Neuestem auch der Schneckenmühle-Schmidt, also der Damals-im-Osten-war-ich-auch-zu-schüchtern-Frauen-anzusprechen-Jochen-Schmidt halt, hätte in meiner Volleyballhalle früher Schulsport gehabt.</p>
<p>Die Halle gehört zum Heinrich-Hertz-Gymnasium an der Rigaer Straße und ist so klein, dass man an allen vier Feldseiten nur einen halben Meter Auslauf hat und der Ball dauernd an die Decke prallt, aber den Kurs besuche ich trotzdem furchtbar gern, schon seit zwölf Jahren jeden möglichen Montagabend. Er ist das einzige konstante Element in meinem Leben.</p>
<p>Als ich dann neulich mit M. chattete, erzählte sie von einem Tischfußballkurs an der FU. Wir kamen über die hohe Kursgebühr auf die generell hohen FU-Hochschulsport-Preise zur unterschiedlichen Sportstättenlage im Vergleich zur HU. Und ich erzählte von besagter Halle, in der aber ja – immerhin – früher auch Jochen Schmidt Schulsport hatte. Vermutlich wurde er dort immer als Vorletzter in die Mannschaften gewählt, also so würde er das jedenfalls erzählen. Und heute spielt er Fußball-Nationalmannschaft, nur die der Autoren zwar, aber immerhin.</p>
<p>Um sicherzugehen, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Hertz-Gymnasium_%28Berlin%29" target="_blank" shape="rect">wikipedierte</a> ich die Information aber noch mal und musste dann feststellen, dass das Hertz-Gymnasium erst 1993 in die Rigaer gezogen war. Schmidt hatte aber schon 1989 Abitur gemacht. Wikipedia, die alte Spielverderberkuh.</p>
<p>Obwohl … weiß man jetzt auch nicht, was bedeutender ist: die Idee einer Hertz-Schulen-Sporthalle an sich oder ihre profane gebäudliche Manifestation. Institutionell gesehen spiele ich ja schon dort Volleyball, wo Jochen Schmidt mal Schüler war. Genau wie übrigens Gregor Gysi, Jürgen Kuttner, Jakob Hein, Tamara Danz und Klaus Lederer, wie ich dank Wikipedia jetzt auch weiß.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/rudimeierkurs.jpg"><img class="size-full wp-image-1651 aligncenter" alt="rudimeierkurs" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/rudimeierkurs.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
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		<title>Von Mondfahrzeugen und ASCII-Kühen</title>
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		<pubDate>Fri, 24 May 2013 19:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe. (aus der taz vom 24. Mai 2013) Anmerkung: Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe.<span id="more-1743"></span> (aus der taz vom 24. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkung: <em>Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe Zusammenfassung meiner Tagesberichte von der re:publica 2013: <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a></em>.</em></em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1745" alt="republica-2013 Kopie" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg" width="620" height="465" /></a></p>
<p>Anfang Mai war wieder re:publica. Über 300 Referenten kamen zur Internetkonferenz nach Berlin, es gab zehn parallel bespielte Räume, unzählige Panels, Workshops, Get-Togethers &#8211; der Versuch einer allgemeingültigen Zusammenfassung wäre so sinnvoll, wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln. Oder sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausdenken zu wollen. Denn es gibt 5.000 re:publicas, für jeden Besucher eine. Aber jeder kann sich am Ende die gleiche Frage stellen: Was habe ich eigentlich gelernt?</p>
<p><b>1. Das iPhone gab es im Film schon 1995.</b> In „Johnny Mnemomic“ mit Keanu Reeves kommt ein &#8220;Thompson iPhone&#8221; vor.</p>
<p><b>2. Die Wikipedia hat 41 Chapter. </b>Das neueste: Armenien. Die einzige andere Organisation, die ich kenne, die sich in Chapter gliedert, sind Rockerbanden.</p>
<p><b>3. „Kulturpessimismus ist wie Nackte abbilden.“</b> Was das heißt, weiß ich nicht, aber Diedrich Diederichsen hat es gesagt.</p>
<p><b>4. Binge Viewing nennt man es, eine Serienstaffel in einem Rutsch zu schauen.</b></p>
<p><b>5. Wenn man einen Stern malt und den oberen Zacken weglässt und dafür einen Kringel draufsetzt, ist es ein Mensch. </b>Und wenn man ganz viele untere Zacken malt und oben ganz viele Kringel draufsetzt, hat man eine anonyme Masse. Einfach mal probieren!</p>
<p><b>6. Es ist also doch möglich, die re:publica mit WLAN zu versorgen. </b>Damit fällt endlich auch der älteste blöde Witz der Veranstaltung weg („Haha, eine Internetkonferenz ohne Internet“).</p>
<p><b>7. Digits macht wunderbaren Synthpop.</b></p>
<p><b>8. „Die Quanten sind sehr schwer zu handeln, das wird noch eine ganze Weile dauern.“</b> – Horst Zuse, Informatiker und Sohn von Konrad Zuse, über Quanten-Computing.</p>
<p><b>9. Als der Buchdruck noch ganz neu war, haben Mönche alle Exemplare einer Auflage einzeln auf Fehler durchgesehen. </b>Sie konnten das Konzept, dass diese Bücher automatisch alle gleich aussehen müssen, nicht nachvollziehen. Ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber die Geschichte ist so schön, dass sie bitte einfach wahr sein soll.</p>
<p><b>10. „Die Schriftart Century Gothic verbraucht 30 Prozent weniger Tinte als Arial.“</b> Diese wichtige Information steht in dem ansonsten ziemlich egalen Buch „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“.</p>
<p><b>11. Zucker ist historisch gesehen keine wichtige Energiequelle.</b> Die Pflanzenzucht dafür kam erst in der Neuzeit auf.</p>
<p><b>12. Auf dem Mond dauert ein Tag 29 Tage und es gibt 250 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. </b>Das ist wichtig, wenn man ein Gefährt bauen will, das auf dem Mond mindestens 500 Meter fährt, um den Google Lunar X-Prize von 30 Millionen Dollar zu gewinnen.</p>
<p><b>13. Die Katzen der Pre-WWW-Ära waren die ASCII Cows.</b></p>
<p><b>14. Sascha Lobo hat während der New-Economy-Zeit viel Zeit und Geld in eine Plattform gesteckt, wo man Benzin downloaden konnte. </b>Hat nicht funktioniert. Trotzdem sei es immer gut, wenn man einfach mal macht, statt zu reden, sagt Lobo. Er zum Beispiel hat sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausgedacht. Das sieht so aus: (#)</p>
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		<title>Von Schweißen bis Antarktis</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 19:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Klassifikation der LOLCat-Lover, bratwurstessende Politiker und das Ende der Arbeit: der zweite Tag der Internetkonferenz „re:publica“. (veröffentlicht auf taz.de am 8. Mai 2013) Anmerkungen: Hier geht es zu Tag 1 und Tag 3 der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Klassifikation der LOLCat-Lover, bratwurstessende Politiker und das Ende der Arbeit: der zweite Tag der Internetkonferenz „re:publica“. <span id="more-1731"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank">taz.de</a> am 8. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkungen: Hier geht es zu <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a> und <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a> der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp zusammenfassende <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a></em> aller Tage. Der letzte Punkt war, stellenweise 1:1, ebenfalls Teil einer Kolumne. Mit <a href="http://michaelbrake.de/2013/06/19/man-sollte-kraftvoll-zubeissen/" target="_blank">Constantin Alexander</a> und <a href="http://michaelbrake.de/2013/08/08/ich-spreche-lolspeak/" target="_blank">Kate Miltner</a> habe ich zu ihren Themen längere Interviews geführt.</em></p>
<p>Am zweiten Tag der Internetkonferenz re:publica in Berlin <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.internetkongress-republica-zetsche-spottet-ueber-google-auto.d2349fe7-5e15-463d-8e0a-a7caf9dd0518.html" target="_blank" shape="rect">lästerte Daimler-Chef Dieter Zetsche</a> über das Google-Auto. Im Beisein der kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez wurden die <a href="http://thebobs.com/deutsch/category/2013/?only_winners=true" target="_blank" shape="rect">The-Bobs-Awards</a> für Online-Aktivismus der Deutschen Welle <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-Bobs-fuer-Online-Aktivisten-1858557.html" target="_blank" shape="rect">verliehen</a>. Und Telekom-Manager Jan Krancke <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/re-publica-netzneutralitaet-a-898553.html" target="_blank" shape="rect">stellte sich mehr oder weniger der Kritik</a>, dass sein Konzern den Abbau der Netzneutralität vorantreibt.</p>
<p>Alles Ereignisse, die es nicht in diesen streng subjektiven Tagesüberblick geschafft haben. Denn wie schon für den <a href="http://www.taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank" shape="rect">Montag</a> gilt, dass es 5.000 individuell verschiedene re:publicas gibt, das hier ist nur eine davon. Die Grundfrage bleibt aber die gleiche: Was konnte man auf der re:publica lernen?</p>
<p><strong>1. Niemand sieht beim Bratwurstessen so wenig scheiße aus wie Gerhard Schröder.</strong> Und das ist wichtig als Politiker, denn dauernd muss man sich mit der Wurst fotografieren lassen – auf Volksfesten wird sie einem angeboten, ablehnen geht nicht, und überhaupt demonstriert sie wie kaum sonst etwas Volksnähe und Bodenständigkeit.</p>
<p>Nur leider sind die Dinger heiß, fettig und es ist unmöglich, sie würdevoll zu essen. Der Journalist Constantin Alexander hat deswegen eine <a href="http://www.re-publica.de/sessions/anwendungsorientierte-analyse-volkstuemlicher-lebensmittel-politischen-berichterstattung-od" target="_blank" shape="rect">„Anwendungsorientierte Analyse volkstümlicher Lebensmittel in der politischen Berichterstattung“</a> vorgestellt. Stoiber, Steinbrück, MacAllister – sie alle fallen durch beim Wurstverzehr. Ein weiterer Tipp von Alexander, der in einem <a href="http://peoplebitingintobratwurst.tumblr.com/" target="_blank" shape="rect">Tumblr</a> Wurstesserbilder sammelt: Haltung bewahren. Denn die Wurst muss zum Mund, nicht der Mund zur Wurst.</p>
<p><strong>2. Ein Gigabyte Daten nimmt das Google Car jede Sekunde auf.</strong>Und rund 3,5 Millionen Menschen in den USA verdienen ihren Lebensunterhalt als Fahrer. Sie könnten bald durch Maschinen überflüssig gemacht werden, so wie auch zahllose Fabrikarbeiter.</p>
<p>Doch auch vermeintlich sichere Berufe sind in Gefahr, die Mustererkennung im Big-Data-Bereich könnte Arbeitsbereiche von Anwälten und Diagnoseärzten betreffen. Und selbst an der Abschaffung von Sportjournalisten wird gearbeitet, die recht schematisch ablaufenden Spielereignisse könnten Computer bald selbst erkennen und dann mit den passenden Textbausteinen und Synonymen beschreiben – manch einer sagt allerdings, das wäre längst passiert.</p>
<p>Die Debatte, was das für Folgen hat, ist das Thema von Johannes Kleskes Vortrag <a href="http://www.re-publica.de/sessions/ende-arbeit-wenn-maschinen-uns-ersetzen" target="_blank" shape="rect">Das Ende der Arbeit</a>. Dabei gibt es zwei Lager: Neo-Ludditen wollen wie die Maschinenstürmer von einst dagegen ankämpfen, dass Maschinen uns erst die Arbeitsplätze wegnehmen und uns am Ende so kontrollieren. Die andere Seite sagt sich: Wir können uns der Zukunft nicht widersetzen, also sollten wir sie umarmen. Sie imaginiert ein digitales Athen: Eine Zeit, ähnlich der griechischen Antike, wo die Bürger ihren Alltag mit Politik, Kunst, Philosophie verbringen konnten, weil Sklaven ihnen die Arbeit abgenommen haben. Diese Sklaven sollen dann Maschinen sein.</p>
<p>Johannes Kleske fordert als Mittelweg den <a href="http://www.golem.de/news/mensch-vs-maschine-wir-brauchen-den-kritischen-geek-1305-99139.html" target="_blank" shape="rect">kritischen Geek</a>. Manch einer wird es aber lieber mit Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke halten, der sagte: „The goal of the future is full unenployment, so we can play.“</p>
<p><strong>3. Es gibt drei Sorten LOLCat-Fans: Die Meme Geeks, die Cheezfrenz und die Casual User.</strong> Das ist eine der Erkenntnisse von <a href="http://www.re-publica.de/users/kmiltner" target="_blank" shape="rect">Kate Miltner</a>, die ihre Masterarbeit tatsächlich das berühmteste aller Meme geschrieben hat: über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lolcat" target="_blank" shape="rect">LOLCats</a>. Die Meme Geeks waren dabei die Vorreiter, sie sind jung, meistens männlich und machten LOLCats groß.</p>
<p>Doch dann kamen die Cheezfrenz, eher Frauen mittleren Alters, die sich über <a href="http://icanhas.cheezburger.com/" target="_blank" shape="rect">I can haz Cheeseburger?</a> und andere Seiten austauschen und die LOLCats wesentlich weniger aggressiv interpretieren. Einige Meme Geeks wandten sich gelangweilt ab, andere kämpfen einen erbitterten Streit mit den Cheezfrenz aus, wobei es unter anderem darum geht, wer besser LOLspeak sprechen kann. Den Casual Usern ist das alles egal, sie schauen sich nur die Ergebnisse der LOLCat-Bilderproduzenten auf der Arbeit an und freuen sich darüber.</p>
<p><strong>4. Auf dem Mond dauert ein Tag 29 Tage und es gibt 250 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht.</strong> Das ist wichtig, wenn man ein Gefährt bauen will, das auf dem Mond mindestens 500 Meter fährt, um den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Lunar_X-Prize" target="_blank" shape="rect">Google Lunar X-Prize</a> von 30 Millionen Dollar zu gewinnen. Zwei Mitglieder vom deutschen Team <a href="http://https//www.facebook.com/PartTimeScientists" target="_blank" shape="rect">Part-Time Scientists</a> haben auf der re:publica ihr Projekt <a href="http://www.zeit.de/digital/2013-05/republica-raumfahrt" target="_blank" shape="rect">vorgestellt</a>.</p>
<p>Ihr kleiner Roboter Asimov Jr. hat dabei auch eine integrierte Kamera für 3D-Aufnahmen. Projektintern wurde diskutiert, ob man eine Farbkamera brauche, wo doch auf dem Mond eh alles grau sei – am Ende entschied man sich für Farbe. Außerdem ist der Mond voll mit sehr feinem Staub, also muss Asimov Jr. sehr gut versiegelt sein. Denn dort oben gibt es keinen ADAC-Pannendienst, sagt Karsten Becker, der wie auch sein Ko-Referent Robert Böhme genau so aussieht und spricht, wie man sich in den USA deutsche Ingenieure vorstellt: Heftiger Akzent, helles Hemd, Jeans und ein Humor, der, siehe oben.</p>
<p><strong>5. Binge Viewing nennt man es, eine US-Serienstaffel mehr oder weniger  in einem Rutsch zu schauen.</strong> Wusstet ihr sicher alle, ich erfahre es erst abends im Hof beim Biobier. Und direkt danach, dass der Macher von True Blood ADD hat, was sich aber nicht einwandfrei begooglestätigen lässt. Und dann noch, dass Netflix eigene Serien produziert (also <em>das</em> wusstet ihr nun aber wirklich alle). Worüber man halt redet in den re:publica-Pausen: über TV-Serien. Wie überall sonst. Offen bleibt die Frage, wann es wohl mehr US-Netflix-Accounts gibt als US-Bewohner, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Virtual_Private_Network" target="_blank" shape="rect">VPN</a> sei dank.</p>
<p><strong>6. Von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwei%C3%9Fen" target="_blank" shape="rect">Schweißen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis" target="_blank" shape="rect">Antarktis</a> liegen in der Wikipedia höchstens sechs Klicks.</strong> Eisenzeit – Frühgeschichte – Nordamerika – Arktischer Ozean – Arktis.  „Wir wollen nur kurz was bei Wikipedia nachschlagen und fünf Stunden später stellen wir fest, wir wissen jetzt alles über Quantenbotanik, aber nicht, wie wir da hin gekommen sind“, sagt Sebastian Vollnhals, einer der beiden Moderatoren von <a href="http://www.re-publica.de/sessions/six-degrees-wikipedia" target="_blank" shape="rect">„Six Degrees of Wikipedia“</a>, das aus der Not ein Spiel gemacht hat: Zwei Kandidaten müssen in möglichst wenigen Schritten und möglichst wenig Zeit von einem Begriff zum anderen kommen, dafür gibt es Punkte nach einem System, das man vielleicht verstanden hätte, wenn man von Anfang an dabei gewesen wäre.</p>
<p>So wird der Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arthrose" target="_blank" shape="rect">Arthrose</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_%28Deutschland%29" target="_blank" shape="rect">Einkommenssteuer (Deutschland)</a> beschritten, von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Time_Rush" target="_blank" shape="rect">Big Time Rush</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_der_Ringe" target="_blank" shape="rect">Der Herr der Ringe</a> schafft es einer in sechs Schritten und 70 Sekunden. Weil bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisen" target="_blank" shape="rect">Eisen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_Bescherung" target="_blank" shape="rect">Schöne Bescherung</a> auf der Bühne nichts passiert, probiere ich es am eigenen Computer und finde den Weg Eisen – Erdöl – Hannover – Weihnachtsmarkt – Advent – Weihnachten – Heiliger Abend – Bescherung – Schöne Bescherung. Während die Halbfinalisten den Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heesters" target="_blank" shape="rect">Johannes Heesters</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mom_I%27d_Like_to_Fuck" target="_blank" shape="rect">Mom I&#8217;d Like to Fuck</a> suchen, gehe ich zurück in den Hof.</p>
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		<title>Sternenmensch und Schweinehälften</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 18:51:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die kleinste Wikipedia der Welt, der Mittelweg der künstlichen Dummheit und Diederichsens Weisheiten: Was man am Tag 1 der „re:publica“ lernen konnte. (veröffentlicht auf taz.de am 7. Mai 2013) Anmerkung: Hier geht es zu Tag 2 und Tag 3 der re:publica 2013]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die kleinste Wikipedia der Welt, der Mittelweg der künstlichen Dummheit und Diederichsens Weisheiten: Was man am Tag 1 der „re:publica“ lernen konnte.<span id="more-1730"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank">taz.de</a> am 7. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkung: <em>Hier geht es zu</em> <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a> und <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a></em> der re:publica 2013 und hier die sehr knapp zusammenfassende <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a></em> aller Tage.</em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/loborepublica2013.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1739" alt="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/loborepublica2013.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Über 300 Referenten, zehn parallel bespielte Räume, unzählige Panels, Workshops, Get-Togethers, Gespräche. Der Versuch einer allgemeingültigen Zusammenfassung des ersten Tages der Internetkonferenz <a href="http://www.re-publica.de/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a>, die bis zum 8. Mai in Berlin stattfindet, ist so sinnvoll wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln. Oder sich ein einziges Logo für das gesamte Internet ausdenken zu wollen.</p>
<p>Es gibt nicht eben eine, sondern 5.000 re:publicas, für jeden Besucher eine, je nach Tagesplan, Vorlieben und Begegnungen. Aber jeder kann sich am Ende des ersten Tages die gleiche Frage stellen: Was habe ich heute eigentlich gelernt? Und genau das habe ich auch getan.</p>
<p><strong>1. Es ist also doch möglich, einen Riesenkongress mit Internet zu versorgen. </strong>Ich hätte es nicht mehr geglaubt, aber zum ersten Mal hält auf der re:publica das WLAN und damit fällt endlich auch der älteste blöde Witz der Veranstaltung weg („Haha, eine Internetkonferenz ohne Internet“). Neu dafür: Schlangen. Schlangen am Einlass, bis auf die Straße, über eine Stunde müssen die Besucher am Vormittag warten. Schlangen am einzigen Capuccino-Stand. Schlangen am Frauenklo. Über den Frauenanteil muss man sonst aber keine Worte mehr verlieren, der war auch schon in den vergangenen Jahren höher als in jedem Internetklischee vorgesehen.</p>
<p><strong>2. Eröffnungsreden sind langweilig. Immer. </strong>Das ist auch kein Vorwurf, sondern eine Tatsache und da kann Johnny Haeusler, einer der vier Veranstalter, am Abend vorher noch so <a href="http://twitter.com/spreeblick/status/331160269722095616" target="_blank" shape="rect">vielversprechend twittern</a>. Es kommt dann so: Stage-Moderator Max stellt sich als Clown vor und das den Rest des Tages unter Beweis. Andreas Gebhard dankt allen Sponsoren, muss er, ist trotzdem öde<strong> </strong>und<strong>„</strong>Finanzblogging, ganz spannendes Thema“, also bitte.</p>
<p>Haeusler selbst erklärt, mit YouTube sei „eine neue Netzgeneration am Start“. Markus Beckedahl weckt das Publikum kurz mit lauten deutlichen, aber auch nicht direkt neuen Worten zur Netzneutralität auf. Und Tanja Haeusler sagt, dass das Kongressmotto „IN/SIDE/OUT“ eigentlich jedes Jahr das Motto sei und gibt so indirekt zu, wie austauschbar es ist. Dann bringt sie mit „Herzlich willkommen zu Hause“ zumindest einen merkenswerten Satz. Und es geht los.</p>
<p><strong>3. Man kann bei Wikipedia keine Schweinehälften bestellen.</strong>„Das passiert, wenn die Leute mit dem Internet telefonieren wollen“, sagt Pavel Richter, Vorstand von <a href="http://www.wikimedia.de/wiki/Hauptseite" target="_blank" shape="rect">Wikimedia Deutschland</a>. Menschen lesen etwas in der Wikipedia und rufen dann die Nummer im Impressum von <a href="http://www.wikipedia.de/" target="_blank" shape="rect">www.wikipedia.de</a> an. Das mit den Schweinehälften ist eines der <a href="http://www.re-publica.de/sessions/wikipedia-wo-user-geblockt-artikel-geloescht-und-reputationen-zerstoert-werden-0" target="_blank" shape="rect">„10,5 Geheimnisse der Wikipedia“</a>, ein Panel, das zwar launisch ist, aber auch ein wenig enttäuschend – zu sehr ist es nur eine Vorstellung der Wikimedia-Struktur und -Projekte, und das auch noch etwas verhaspelt vorgetragen.</p>
<p>Was ich aber dennoch gelernt haben: Anders Breivik hat die norwegischen Wikipedia-Artikel mehrerer Könige verfasst. Wikipedia ist eine der fünf größten Webseiten der Welt (wenn man Pornos rausrechnet). Je nach Jahr und Lexikon ist der Rhein 1.320, 1.360 oder 1.225 Kilometer lang – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein#cite_note-len-1" target="_blank" shape="rect">die deutsche Wikipedia sagt</a>: 1.238 Kilometer.</p>
<p>Die Wikipedia hat 41 Chapter, das neueste: Armenien (die einzige andere Organisation, die ich kenne, die sich in Chapter gliedert, sind Rockerbanden). Die kleinste Wikipedia der Welt war die im nordnigerianischen Dialekt <a href="http://kr.wikipedia.org/wiki/Main_Page" target="_blank" shape="rect">Kanuri</a>, derzeit läuft gegen sie aber ein Löschverfahren. Und überhaupt werden jeden Tag rund 800 Artikel gleich wieder gelöscht, von 1.200 täglich verfassten.</p>
<p>Und dann gab es noch die Geschichte um <a href="http://https//www.taz.de/Was-macht-eigentlich--Genosse-Stalin/%2170725/" target="_blank" shape="rect">„Stalins Badezimmer“</a>. Angeblich war das ein DDR-Name der Berliner Karl-Marx-Allee, das hat sich ein Journalist bei einer Flasche Rotwein ausgedacht und 2009 in den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Allee#Kurioses" target="_blank" shape="rect">Wikipedia-Artikel</a> geschrieben. 2011 konnte man es dann nicht mehr löschen – weil es längst in zahlreichen Medien und Reiseführern stand, die aus der Wikipedia abgeschrieben hatten und nun als Quellen herangezogen wurden. Erst als der selbe Journalist seine Erfindung in einer Zeitung zugab, wurde diese Ente wieder zurechtgerückt.</p>
<p><strong>4. Nutzer können erkennen, was sie wollen, aber sie können nicht erzeugen, was sie wollen.</strong> Diese Weisheit sollte beherzigen, wer im Feld der Mass Customization erfolgreich sein will. Also das, was vor Jahrzehnten mit individualisiert bestickten Handtüchern aus dem Moderne-Hausfrau-Katalog begann, in den 90ern mit selbstzusammenstellbaren Nikesneakern weiterging und inzwischen dank Internet zum individuellen <a href="http://www.mymuesli.com/" target="_blank" shape="rect">Müslimix</a> geführt hat.</p>
<p>Das heißt: Es ist besser, man setzt den Leuten durch Algorithmen erzeugte Produkte vor, die sie verwerfen können, als wenn man ihnen einen Stift und ein weißes Produkt gibt und sagt: Mach mal! Ausgesprochen hat das Kathrin Passig, die durch ihr als Spaßprojekt gestartetes Zufallsshirt eher nebenbei in den Mass-Customization-Bereich vordrang.</p>
<p>Hier werden T-Shirts semizufällig generiert, mit gemeinfreien Cliparts, Schriften und vorgefertigten Sätzen, in denen einzelne Satzteile zufällig bestimmt werden. „Den Mittelweg der künstlichen Dummheit“ nennt Passig dieses halbautomatische Verfahren. Und zum Schluss wird noch die Frage nach einer „Grammatik der Gegenstände“ aufgeworfen, mit der auch Customized Möbel möglich wären. (<em>Disclosure: Ich bin mit Kathrin Passig befreundet, deswegen ist Zufallsshirt auch nicht verlinkt.</em>)</p>
<p><strong>5. Wenn man einen Stern malt und den oberen Zacken weglässt und dafür einen Kringel draufsetzt, ist es ein Mensch. </strong>Und wenn man ganz viele untere Zacken malt und oben ganz viele Kringel draufsetzt, hat man eine anonyme Masse. Das kann jeder. Und wenn man mehrere von diesen Tricks beherrschst, kann man Vorträge auch mit kleinen Zeichnugen statt mit rein schriftlichen Notizen zusammenfassen und so Wissen ansprechender festhalten.</p>
<p><a href="http://www.re-publica.de/sessions/sketchnotes" target="_blank" shape="rect">Sketchnotes</a> nennt sich der Workshop dazu, wir Teilnehmer malen uns dann gegenseitig, ohne aufs Blatt zu gucken. Wir lachen über das entstandene Krikelkrakel. Wir lernen einfache Dinge zu Speedlines und Schatten. Wir visualieren ein Video. Dann ist die Stunde rum und ich bin endlich wach. Das mit dem Sternenmensch funktioniert übrigens wirklich. Einfach mal ausprobieren.</p>
<p><strong>6. „Kulturpessimismus ist wie Nackte abbilden“.</strong> Was das bedeutet, weiß ich nicht, denn ich habe kurz nicht aufgepasst. Genau wie „Das führt natürlich zur Entropie, aber bis dahin haben alle viel Spaß“ und „Die Subkultur hat andere Probleme als das Internet“. Aber es klingt toll. Und ist von Diedrich Diederichsen, über den Nilz Bokelberg auf Facebook schreibt: „Bei Diedrich Diedrichsen wünsch ich mir immer, dass ich den so als Papagei auf meiner Schulter sitzen haben könnte und der mir 24 Stunden popkulturelle Zusammenhänge ins Ohr reinerklärt.“</p>
<p>Diederichsen war <a href="http://www.re-publica.de/sessions/immer-internet" target="_blank" shape="rect">der Gast von Mercedes Bunz</a>, die immer da ist bei der re:publica und dieses Mal eigentlich <a href="http://www.taz.de/Buch-Die-Stille-Revolution/!114751/" target="_blank" shape="rect">ihr neues Buch</a> vorstellen soll, aber stattdessen eigentlich nur Stichwortgeberin ist für Diederichsen. Als Oberthema wabern Kulturpessimismus und die Frage „Macht Google/macht das Internet uns dumm?“ durch den Raum – eine weit verbreitete Sorge, die Bunz ernst nehmen will, auch wenn das auf der re:publica wohl die wenigsten tun.</p>
<p>Und Diederichsen spricht: Es müsse nichts mehr erklärt werden durch das Internet, denn die Leute könnten ja nachschlagen – und das sei ja toll. Schon Friedrich Heubach habe sich 1987 in „Das bedingte Leben“ negativ über Stadtzeitschriften und Kontaktanzeigen ausgelassen – das könnte man heute immer noch lesen und einfach „Internet“ einsetzen.  Der Satz „Irgendwann kann ich im Supermarkt mit meinem guten Aussehen bezahlen“ sei wahr geworden. Die Leute müssten sich mehr dekorieren, weil die Musik es nicht mehr tue. Sie müssten der Musik zur Kenntlichkeit verhelfen.</p>
<p>Und schließlich: Das Internet sei die völlige Neuorganisation von Raum und Materie – Bunz: Reden wir nicht viel zu wenig darüber? – Diederichsen: In den Anfangstagen, 1995, wurde ja nur über sowas geredet, jetzt gilt das als esoterisch.</p>
<p><strong>7. Die Wurzeln des Internets liegen nicht in einer Garage, sondern in einer guten Stube.</strong> Und auch nicht im Silicon Valley, sondern in der Wrangelstraße in Berlin. Dort baute Konrad Zuse 1937 den Z1, den ersten Computer der Welt und die ganze Familie half mit, sein Vater sägte mit Laubsäge Bleche, 30.000 brauchte man davon.</p>
<p>Erzählt wird das alles von Zuses Sohn Horst, selbst Informatikprofessor, der offiziell über <a href="http://www.re-publica.de/sessions/geschichte-des-computers" target="_blank" shape="rect">„Die Geschichte des Computers“</a> reden soll, aber in Wirklichkeit die Geschichte seines Vaters erzählt, Karikaturen zeigt, die Zuse Senior als Schüler zeichnete, später Zuse 1995 auf der Cebit mit Bill Gates. Und irgendwann gibt es ein Foto von einer Kneipe in Berlin-Wilmersdorf und Horst Zuse sagt „Da sitze ich mit meiner Frau, beim vierten Bier“ und schon sehen wir sein Arbeitszimmer, wo er nach seiner Pensionierung den <a href="http://www.horst-zuse.homepage.t-online.de/horst-zuse-z3-html/z3-einordnung.html" target="_blank" shape="rect">Z3</a> von 1941, den „ersten funktionsfähigen Gleitkommarechner“ nachbaute. Der steht nun direkt neben dem re:publica-Gelände im Deutschen Technikmuseum. Verrückt.</p>
<p>Böse sein kann man Horst Zuse für so viel Selbstbezogenheit aber nicht, denn er spricht so entwaffnend einfach wie Klaus Wowereit, flucht seinen Computer an („Na, come on!“), zeigt am Ende ein Foto von seinem Vater am Schreibtisch, wie der seinem PC eine lange Nase macht. Auf die Frage, wann wir denn soweit sind mit Quanten-Computing, sagt Zuse. „Die Quanten sind sehr schwer zu händeln, das wird noch eine ganze Weile dauern.“</p>
<p><strong>8. Sascha Lobo hat während der New-Economy-Zeit viel Zeit und Geld in einer Plattform gesteckt, wo man Benzin downloaden konnte.</strong> Hat nicht funktioniert. Das war aber ohnehin nur ein Fun Fact in seinem <a href="http://www.re-publica.de/sessions/ueberraschungsvortrag-ii" target="_blank" shape="rect">Überraschungsvortrag</a> am Abend. Lobo kämpft mit der Technik, lästert über die Piratenpartei, zeigt jede Menge Hundefotos, lispelt (wie stets und ausschließlich bei der re:publica) und will schließlich das Wort „Netzgemeinde“ ehrenretten.</p>
<p>Er habe sich „mit dem Begriff Netzgemeinde angefreundet wie mit einem dreibeinigen blinden Hund. Sind wir eben die Netzgemeinde. Machen wir das beste draus.“ Und was ist diese Netzgemeinde nun? Eine „Hobbylobby für das freie, offene und sichere Internet (in den Grenzen von 1999)“. Danach setzt Lobo zum programmatischen Teil an, fordert Wut und Pathos im Kampf für Netzneutralität und andere Ziele. Und predigt: „Netzpolitik ist in erster Linie Politik und nur ganz ganz ganz wenig Netz.“</p>
<p>Denn die Netzgemeinde glaube zu sehr zu wissen, was gut und richtig ist und will davon kein My abweichen, was ein Fehler ist. Man müsse sich uns auf politische Art mit Anderen verbinden. „Ich fordere euch auf, zu machen“, sagt Lobo am Ende. Und zeigt, was er das letzte Jahr über gemacht hat: Er hat sich nämlich <a href="http://internet-logo.org/" target="_blank" shape="rect">ein einziges Logo für das gesamte Internet</a> ausgedacht. (<em>Disclosure: Ich bin auch mit Sascha Lobo befreundet, andere mögen seinen Vortrag schlechter oder toller gefunden haben. Oder ihn einfach aus Prinzip ablehnen.</em>)</p>
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		<title>Eine Zuflucht für verlorene Seelen</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Mar 2013 11:27:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit Lana, Lena, erogenen Zonen und der tollsten Iris-Heterochromie in der Berliner Kulturszene seit David Bowie. (aus der taz vom 26. März 2013) Fuck. Fuckfuckfuck. Es ist Donnerstag kurz vor Mitternacht, ich habe Kopfschmerzen, gerade wie im Wahn einen Text]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit Lana, Lena, erogenen Zonen und der tollsten Iris-Heterochromie in der Berliner Kulturszene seit David Bowie.<span id="more-1758"></span> </strong><strong>(aus der taz vom 26. März 2013)</strong></h3>
<p>Fuck. Fuckfuckfuck. Es ist Donnerstag kurz vor Mitternacht, ich habe Kopfschmerzen, gerade wie im Wahn einen Text fertig geschrieben und bin bei der Echoverleihung, also genauer: im Pressezentrum, wo sie erst die Stargäste an einer brüllenden Fotografenhorde vorbeigetrieben und danach die Preisverleihung auf einer großen Leinwand gezeigt haben. Und jetzt stelle ich fest, dass ich nicht auf die Aftershowparty gehen kann. Fuck.</p>
<p>Mir fehlt das richtige Bändchen, vom PR-Team ist nur noch die Praktikantin da und eigentlich hab ich es auch nicht verdient, dabei zu sein, denn auf dem roten Teppich, der in Wirklichkeit lila ist, hielt ich Rudolf Schenker für Peter Plate und den Sänger von Hurts für Dave Gahan.</p>
<p>Aber ich wollte doch auf der Party Lena del Rey abschleppen. Oder Lana Meyer-Landrut. Oder beide. Oder zumindest Freigetränke. Stattdessen fahre ich mit der letzten U-Bahn nach Hause. Fuck. Fuckfuckdoppelfuck.</p>
<p>Wenn das Wochenende schon so losgeht. Am Freitagabend habe ich immer noch Scheißlaune. Der Smartphoneakku ist fast alle, der Tabak ist krümelig und ich finde die bescheuerte Drecksgalerie in der doofen Schierker Straße nicht, weil nirgends ein Hinweis steht, dass die unten im Körnerpark ist. Der wurde übrigens unter Straßenniveau angelegt, damit es im Sommer angenehm kühl ist, erklärt mir M., die auch da ist. In der Wikipedia steht, der Park läge tiefer, weil er in eine Kiesgrube gebaut wurde. Aber M. ist dort im Kiez groß geworden und die Wikipedia nicht, also wem glaube ich wohl?</p>
<p>„Boah, hier sind so viele Frauen lesbisch!“, sagt irgendjemand. „Der Chef von der Thyssen-Krupp-Stiftung ist 99 und hat in der <i>Bild</i> gesagt, ich hör nicht auf“, sagt jemand anders. Die Ausstellung heißt „Erogenous Zone“, ich finde sie sehr lieblos und bin mir ziemlich sicher, dass das nicht bloß an meiner schlechten Laune liegt. Immerhin backt als Performance-Element eine mollige, nur mit einer Schürze bekleidete Frau mollige unbekleidete Teigfrauen, weswegen es die ganze Zeit gut riecht. Um Punkt zehn Uhr wird dann das Licht ausgemacht. Sind noch vierzig Leute im Ausstellungsraum, aber egal. Feierabend! Alle werden nebenan zur Party geschickt, hier braucht man kein Bändchen, hier will man aber auch keins.</p>
<p>Da fahre ich doch lieber in meine Lieblingsgalerie. Das Team Titanic fühlt sich an wie der „Drive“-Soundtrack, ein Ort, der verlorenen Seelen eine Zuflucht bietet. An diesem Abend vernissagiert Anna Kneer, sie hat eine Delegation Schweizer mitgebracht und ihre Mutter, die aussieht wie aus einem Lynchfilm. Kneer stellt kleinformatige wunderschöne Wolkenbilder aus, großformatige, äh, Farbflächendingse, mit blauen Kristallen überzogene Tiere, ein unverkäufliches ausgestopftes Frettchen. Die Galeristinnen mixen Drinks mit Titanic-Eiswürfeln, an einer Wand hängt eine Nasa-Eintrittskarte und mittendrin, mit der tollsten Iris-Heterochromie der Berliner Kulturszene seit David Bowie: Galeriehund Trotzki, halb Husky, halb Wolfshund, keine zwei Jahre alt, aber die Widerristhöhe eines Kutschpferdes und ein Kopf so groß wie meine beiden Katzen zusammen. Meine Katzen. Fuck. Ich habe ihren Geburtstag vergessen. Am vergangenen Montag sind sie vier geworden. Und warum fällt mir das gerade jetzt ein? Fuckfuckfuck.</p>
<p>Samstag ist alles viel besser, da gehe ich mit A. Schlittschuhlaufen. Wir stapfen durch die verlassenen Eiswüsten Hohenschönhausens, verirren uns in den Wellblechpalast, wo Eishockeyzwerge das „Gasag-U12-Turnier um den Clean-Rohr-Pokal“ ausspielen, und später zeigt A. mir, wie man rückwärts fährt, aber ich verstehe es nicht so ganz. Aber das macht mir nichts, denn A. ist schöner als Lena, Lana und alle anderen vom Echo zusammen. So geht es doch auch.</p>
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