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	<title>Michael Brake &#187; Provinz</title>
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		<title>Rächer in eigener Sache</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Oct 2013 19:35:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit Online]]></category>
		<category><![CDATA[Coming-of-Age]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Clowes]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein weiterer Comic über Außenseiter und die Kleinstadthölle? Nicht nur. In Daniel Clowes&#8217; „Der Todesstrahl“ entdeckt ein Antiheld seine Superkräfte – mit fatalen Folgen. (veröffentlicht auf zeit.de am 22. Oktober 2013) Andy. „Welcher Andy?“ „Kenne ich gar nicht.“ „Ist der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein weiterer Comic über Außenseiter und die Kleinstadthölle? Nicht nur. In Daniel Clowes&#8217; „Der Todesstrahl“ entdeckt ein Antiheld seine Superkräfte – mit fatalen Folgen.<span id="more-1667"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2013-10/todesstrahl-graphic-novel" target="_blank">zeit.de</a> am 22. Oktober 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/todesstrahl-comic2-540x304-1.jpg"><img alt="todesstrahl-comic2-540x304 (1)" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/todesstrahl-comic2-540x304-1.jpg" width="620" height="348" /></a></p>
<p>Andy. „Welcher Andy?“ „Kenne ich gar nicht.“ „Ist der überhaupt noch auf der Schule?“ „Ich glaube, wir hatten mal einen Kurs zusammen, aber er sagt nie was.“ „Das ist ne Null.“ „Schwuchtel.“ „Der hält sich für was Besseres. Ist er aber nicht, so viel steht fest.“</p>
<p>Andy also. Ein Niemand. 17 Jahre alt, schlaksig, Allerweltsfrisur, Allerweltsgesicht. Die Hauptfigur von Daniel Clowes&#8217; Graphic Novel <em>Der Todesstrahl</em> ist weder besonders witzig, noch besonders hübsch, sportlich, klug oder warmherzig. Mit moderner Musik kann Andy nichts anfangen, sein Zimmer hält er sauber und aufgeräumt, weil er es so mag. Seine Eltern sind tot, er lebt er mit seinem in die Altersdemenz abgleitenden Großvater zusammen, eine Haushälterin schaut hin und wieder vorbei. Auch Louie, Andys einziger Freund, der immerhin Dynamik und Eigenschaften besitzt, wenn auch keine guten.</p>
<p>Das Ganze spielt im Jahr 1973 und könnte eine weitere Geschichte werden über Außenseiter, die Kleinstadthölle, Langeweile und Teenagerzwänge. Doch dann raucht Andy zum ersten Mal im Leben eine Zigarette. Erst wird ihm schlecht, er bekommt Schweißausbrüche, dann ist er für kurze Zeit superstark. Und plötzlich ist <em>Der Todesstrahl</em> ein Comic über Außenseiter, die Kleinstadthölle, Langeweile, Teenagerzwänge – und über Superhelden. Ein weiterer Beitrag zum beliebten Subgenre der Superhelden-Dekonstruktion, das von den epischen <em>Watchmen</em> bis hin zum <a title="Artikel auf ZEIT ONLINE" href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-04/flash-preussen" target="_blank">depressiven <em>Flash Preußen</em></a> und zur Kino-Actionkomödie <em>Kick-Ass</em> reicht.</p>
<p>Seine Superkräfte, so lernt Andy bald, sind die Folge von Hormonen. Der Vater, ein berühmter Wissenschaftler, hatte sie ihm als Kind verabreicht. Der Sohn sollte nicht ebenso ein Sozial-Versager werden wie er selbst. Andy hat auf einmal eine Chance – doch er weiß mit seiner Macht wenig anzufangen. Sein Freund und Einflüsterer Louie schon eher, er will Andys Superkräfte für seine Rachephantasien einsetzen, an den üblichen Schulschlägern ausleben oder damit Mädchen beeindrucken. Es will nur alles nicht so recht klappen.</p>
<p>Fatal wird es, als Andy eine weitere Hinterlassenschaft seines Vaters erhält: Eine Pistole wie aus einem alten Science-Fiction-Film, die Dinge und Lebewesen nachhaltig und rückstandsfrei beseitigt – aber nur, wenn Andy selbst abdrückt. Der Todesstrahl: kein wirklich geeignetes Werkzeug für jemanden, dessen Moral allenfalls dafür reicht, ein Rächer in eigener Sache zu sein.</p>
<h6>Zersplitterung als ästhetisches Prinzip</h6>
<p><span>All das erzählt Daniel Clowes in Minikapiteln zwischen einer halben und vier Seiten Länge. Das ist soweit nicht ungewöhnlich, Narration funktioniert in vielen Fällen durch die Auswahl und Kompilation von kürzeren und längeren Momenten. Clowes aber macht diese Zersplitterung zum ästhetischen Prinzip, er inszeniert jede Episode wie einen einzelnen Comic, stets mit eigenem Titelschriftzug. Manchmal zeichnet er die Panels winzig, reduziert die Gesichter auf Punkt-Punkt-Komma-Strich, dann wieder knallen dem Leser DIN-A4-seitengroße Figuren entgegen. </span></p>
<p><em><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/todesstrahl_1.jpg"><img class="alignright" alt="todesstrahl_1" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/todesstrahl_1.jpg" width="310" height="421" /></a>Der Todesstrahl</em> ist ein vielgestaltiges Retrofestival, eine Hommage an die 50-Cent-Comicheftchen vergangener Jahrzehnte, irgendwo zwischen Pulp und Pop Art, mit einer atemberaubend abgestimmten matten Kolorierung. Manche Seiten wirken wie auf vergilbtem Papier gedruckt, der Produktionsstandard des Buches ist überhaupt hoch und die handgeletterten Buchstaben von Michael Hau sitzen punktgenau.</p>
<p>So sehr die Ästhetik schmeichelt, so sperrig ist der Inhalt. Die vielen Fragmente machen es mitunter schwer zu durchschauen, was wirklich geschieht und was Vorstellungen und Hirngespinste des neurotischen Andy sind. Die Stimmung ist beklemmend und disparat, die Ahnung, alles müsse unweigerlich in eine Katastrophe münden, begleitet den Leser von der ersten Seite an.</p>
<p>Clowes zu lesen ist anstrengend. Seine egoistischen Figuren mit ihren Minderwertigkeitskomplexen, ihrem Zynismus und der verklemmten Sexualität können furchtbar nerven. Und geben Raum zum Nachdenken.</p>
<p><strong>Daniel Clowes: Der Todesstrahl; Reprodukt, Berlin 2013; 48 Seiten, 20 €</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Der Reggaeclub aus dem Güllegürtel</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Oct 2013 17:36:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anderswo]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<description><![CDATA[Rasta Vechta hat den Durchmarsch aus der dritten Liga in die Basketball-Bundesliga geschafft. Dort setzt man auf vertrautes Personal – und einen guten Namen. (aus der taz vom 2. Oktober 2013) Zum 13-Uhr-Training ist auch der Zoll gekommen. Dabei haben die Besucher]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Rasta Vechta hat den Durchmarsch aus der dritten Liga in die Basketball-Bundesliga geschafft. Dort setzt man auf vertrautes Personal – und einen guten Namen. <span id="more-1620"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Basketball-Bundesligist-Rasta-Vechta/!124793/" target="_blank">taz</a> vom 2. Oktober 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/SC_Rasta_Vechta_logo.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1626" alt="SC_Rasta_Vechta_logo" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/SC_Rasta_Vechta_logo.jpg" width="620" height="349" /></a></p>
<p>Zum 13-Uhr-Training ist auch der Zoll gekommen. Dabei haben die Besucher in den dunkelgrünen Overalls gar kein Interesse an den Wurfübungen der Basketballer von Rasta Vechta. Sie sind hier, um die Arbeitsgenehmigungen der Handwerker zu überprüfen. Ein Routinetermin.</p>
<p>Denn kurz vor dem ersten Bundesligaspiel in Vechtas Vereinsgeschichte ist der Rasta Dome noch eine Baustelle. Es werden Stuhlreihen angeschweißt, im VIP-Bereich wird der Boden gebohnert, ein Praktikant und ein FSJler tragen die Papierbahnen der Werbebanden vom Spielfeld.</p>
<p>Der Hallenausbau auf über 3.000 Zuschauerplätze ist verpflichtend für den Aufsteiger in die Basketball-Bundesliga (BBL). Sechs Meter wird die Halle dafür breiter gemacht und ein neuer Oberrang eingezogen. Die neuen Standkorbanlagen sind bereits installiert, die LCD-Displays für die Spielstände gerade mit dem Schiff aus China angekommen. „So dick war der Stapel mit den Auflagen“, sagt Manager Alexander Müller und deutet einen halben Meter hohen Papierberg in der Luft an.</p>
<p>Dabei hatte man die Halle erst im Sommer 2012 gebaut, in bloß fünf Monaten. Da war Vechta erstmals in die ProA, die zweithöchste deutsche Liga, aufgestiegen. Die Mannschaft galt als Abstiegskandidat, verlor die ersten drei Spiele – und schaffte danach den Durchmarsch in die BBL. Der vorläufige Höhepunkt eines Wegs, der in den späten 70ern als AG des Vechtaer Gymnasiums Antonianum begann.</p>
<h6>Fünf Spieler aus Liga drei</h6>
<p>In die neue Spielzeit geht Vechta gleich mit sieben Spielern aus dem Aufstiegskader, fünf waren sogar schon in Liga drei dabei. Ein ungewöhnliches Wagnis im Hire-and-fire-Sport Basketball, das Trainer Pat Elzie aber gern eingeht: „Der Großteil der Jungs hat sich das verdient“, sagt er. Dabei setzt Elzie vor allem auf Spielmacher Richard Williams, 2013 in der ProA zum wertvollsten Spieler gewählt.</p>
<p>Hinzu kommen Neuzugänge wie der aus der kanadischen Profiliga gewechselte 130-Kilo-Center Isaac Butts. „Er bringt die Masse mit, die wir in der BBL brauchen“, so Elzie. Butts soll unter den Brettern den 2,12-Meter-Mann Dirk Mädrich unterstützen, der beide Aufstiege mitgemacht hat und als einer von nur drei Rasta-Spielern BBL-Erfahrung hat. „Er ist unser Leitwolf, er hat einen unglaublichen Wurf für seine Größe“, sagt Coach Patrick Elzie über Mädrich.</p>
<p>Die Offensive, die in der ProA 91 Punkte pro Spiel machte, scheint gerüstet. „Aber man muss in der Ersten Liga gut verteidigen, da gibt es ein ganz anderes Niveau als in der ProA“, sagt Pat Elzie, „und wir müssen unsere Fehler minimieren.“ 22 Ballverluste wie bei der Niederlage im vorletzten Testspiel gegen Ligakonkurrent Bayreuth wird man sich im Auftaktspiel am 3. Oktober in Trier bestimmt nicht leisten können.</p>
<h6>Teamgeist über alles</h6>
<p>Elzie selbst ist unbestritten der Vater des Erfolgs: Seit 1984 arbeitet er, von kurzen Stationen in Syrien und Zypern abgesehen, als Spieler und Trainer in Deutschland, vor dreieinhalb Jahren kam er nach Vechta. Der 53-Jährige vereint eine natürliche Autorität mit Herzlichkeit. Man nimmt ihm ab, wenn er immer und immer wieder das Mantra sämtlicher Außenseiter der Sportwelt beschwört und den Teamgeist als große Stärke von Rasta Vechta herausstellt: „Zusammen ist alles möglich. Bei uns können mehrere Spieler Top-Scorer sein und den entscheidenden Wurf nehmen.“</p>
<p>Ein weiterer Trumpf des Vereins ist sein Name. Rasta ist kein Sponsor, es geht tatsächlich um Reggaemusik: 1979 wollte die Basketball-AG vom Antonianum einen Verein gründen, und als über den Namen beraten wurde, lief „Rastaman Vibrations“ von Bob Marley.</p>
<p>Heute sichert der Teamname Medienaufmerksamkeit und Vermarktungspotenzial, man wirbt mit „Rasta ist der geilste Club der Welt“, die Cheerleader nennen sich die „Marleys“. Sogar in der größten Tageszeitung Jamaikas stand schon ein Artikel. Deswegen hat sich Vechta in der Liga von Namensungetümen wie den New Yorker Phantoms Braunschweig auch bewusst gegen ein Namenssponsoring entschieden. „Weil wir das nicht wollen“, sagt Manager Alexander Müller.</p>
<h6>Tiefschwarze Heimat</h6>
<p>Der FC St. Pauli der BBL ist Vechta dennoch nicht, denn Rastas Heimat hat mit Alternativkultur wenig zu tun. Vechta liegt zwischen Oldenburg und Osnabrück und bildet mit dem Nachbarkreis Cloppenburg eine katholische Insel in den Weiten der niedersächsischen Tiefebene. Hier erreichte die CDU bei der Bundestagswahl über 60 Prozent, hier liegt die Geburtenrate deutlich über und die Arbeitslosenquote deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die Region boomt. „Güllegürtel“ wird sie auch genannt. Riesige Hühner- und Schweinemastbetriebe prägen das Bild.</p>
<p>Auch Stefan Niemeyer ist auf diese Weise wohlhabend geworden. Dem Mäzen und langjährigen Vereinspräsidenten von Rasta gehört ein Futtermittelunternehmen. Niemeyer ist ein bulliger, hemdsärmeliger Mann, der sich nach der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz mit den Sponsoren – der lokale Versicherer, die lokale Landessparkasse, seit neuestem ist auch der lokale Energieversorger dabei – das Jackett so schnell wie möglich wieder auszieht.</p>
<p>Vorher hatte er zufrieden erklärt, dass der Aufstieg nicht nur ein positiver Ausrutscher war: „Wir haben das feste Ziel, Basketball auf diesem Niveau in Vechta zu etablieren.“ Warum auch nicht? Rastas Vorbereitung verlief mit sieben Siegen und zwei Niederlagen erfolgreich. Das Team wurde früh zusammengestellt und ist entsprechend eingespielt. Und mit einem Etat von rund 1,5 Millionen Euro liegt man zwar im unteren Ligadrittel, aber auch nicht abgeschlagen am Ende der BBL.</p>
<p>Deswegen hat auch Coach Pat Elzie große Ziele: „Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen“, sagt er. „Wir wollen möglichst früh mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Die Spieler haben die Qualität. Aber es wird eine knüppelharte Saison.“</p>
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