<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Michael Brake &#187; Konferenz</title>
	<atom:link href="http://michaelbrake.de/tag/konferenz/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://michaelbrake.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Thu, 31 Jan 2019 00:16:17 +0000</lastBuildDate>
	<language></language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Die Gesellschaftskonferenz</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2014/05/08/die-gesellschaftskonferenz/</link>
		<comments>http://michaelbrake.de/2014/05/08/die-gesellschaftskonferenz/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 May 2014 17:31:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[re:publica]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://michaelbrake.de/?p=1934</guid>
		<description><![CDATA[Die re:publica in Berlin ist längst mehr als Geek- und Internetveranstaltung. Es geht um den Fortschritt – und wie wir mit ihm umgehen. (aus der taz vom 8. Mai 2014) Mit ihren 350 Einzelveranstaltungen, meist läuft ein Dutzend parallel, ist]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die re:publica in Berlin ist längst mehr als Geek- und Internetveranstaltung. Es geht um den Fortschritt – und wie wir mit ihm umgehen.<span id="more-1934"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Impressionen-von-der-republica-2014/!138115/" target="_blank">taz</a> vom 8. Mai 2014)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica2014_u__bersicht.jpg"><img class="size-full wp-image-1936 aligncenter" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica2014_u__bersicht.jpg" alt="republica2014_u__bersicht" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Mit ihren 350 Einzelveranstaltungen, meist läuft ein Dutzend parallel, ist die <a href="http://www.re-publica.de/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a> das Internet im Kleinen: Es gibt hier keine lineare Erzählung, keine kollektive Kongressrezeption, keine fertigen Ergebnisse, dafür viele Prozesse und noch mehr Dialoge. Das Überangebot sorgt für Überforderung, kaum wird etwas langweilig, verlassen viele Leute den Raum. Ist es nebenan nicht vielleicht viel spannender? Es ist ein Impressionsgewitter, ein permanenter Input-Overload, von dem man manchmal erst Jahre später weiß, was er einem eigentlich gebracht hat.</p>
<p>–––</p>
<p>Das Überthema Überwachung schwebt bei der ersten re:publica nach Snowden über allem. Den großen Aufschlag macht dabei Sascha Lobo, der durch die NSA-Affäre, die er gar nicht als „Affäre“ verniedlicht sehen will, vom Interneterklärbären zum Internetmahner geworden ist. 70 Minuten lang <a href="http://www.re-publica.de/session/rede-zur-lage-nation" target="_blank" shape="rect">redet er den Zuhörern ins Gewissen</a>, verurteilt die Nichtbereitschaft, die wenigen hart arbeitenden Internet-Lobbygruppen finanziell zu unterstützen, die Müdigkeit, die sich bei diesem Thema längst eingestellt hat, als wäre das Problem gelöst, nur weil es seit einem Dreivierteljahr bekannt ist. Die Regierung verurteilt er auch und bekommt langen Applaus.</p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Es gibt verschiedene Gruppen hier: Die Leute aus Hackerkontexten mit bunten Haaren und sehr fortschrittlichem Genderverständnis. Die Abgesandten aus den Start-ups und Agenturen, Menschen mit gut sitzender Kleidung und jungen, unfertigen Gesichtern. Klassische 40-plus-Businesstypen mit Anzügen und Umhängetaschen. Blasse übergewichtige Nerds, die selbst von deutschen Fernsehfilmregisseuren als zu klischeehaft abgelehnt würden. Und ein großer Rest von Twenty- und Thirty-somethings, der aussieht wie überall in Berlin. Auf dem Hof bleiben diese Gruppen oft unter sich, in den Veranstaltungen diskutieren sie miteinander.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Sehr lobenswert ist die synchrone Untertitelung der Reden auf der Hauptbühne. Also die Idee ist lobenswert, in der Umsetzung wird aus „Pracmatism“ schon mal „Prague mytism“, aus dem NSA-Spähprogramm „Prism“ wird „Prison“ und aus „Godzilla“ ein „bug“. Auf dem Hof erzählt jemand, manche der Reden würden mit automatischer Spracherkennung untertitelt, andere von Menschen. Wenn das stimmt, erkennt man zumindest den Unterschied nicht mehr. Hallo, Zukunft.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Der Veranstaltungsort ist ein ehemaliger Postbahnhof, der Innenraum ist gigantisch weitläufig, manche Säle sind nur von Vorhängen getrennt. Damit man sich nicht gegenseitig stört, finden diverse Veranstaltungen mit Funkkopfhörern statt, wie „Silent Disco“, nur ohne tanzen. Das sieht lustig aus, aber man gewöhnt sich schnell dran – wenn die Dinger nur die Ohren nicht so heiß machen würden. Was auch die Kopfhörer nicht verhindern können, ist das Phantomklatschen: tosender Applaus an völlig falschen Stellen, von der anderen Seite des Vorhangs.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Die Kopfhörer wurden übrigens von einer Bank gespendet. Ohne Sponsoren geht es nicht, erst recht nicht bei den Eintrittspreisen. Im Foyer steht ein ganzes Messestanddorf aus weißen Kisten, eine Schuhfirma ist mit dabei, diverse Start-ups, Baden-Württemberg gleich zweimal. Größere Partner kriegen Veranstaltungsslots, einer hat den bemitleidenswerten David Hasselhoff auf die Bühne gezerrt. Den wichtigsten Sponsoren wird bei der Begrüßung gedankt: „Unser größter Partner ist wieder Daimler, diesmal mit dem Schwerpunktthema Mobilität.“ Die Leute lachen. „Äh, ja, also eMobility.“ Das schönste Sponsorengimmick aber haben alle Teilnehmer in ihren Kongresstaschen: eine Packung Kekse in Form von Facebook-Like-Daumen.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Noch ein paar Zahlen: 6.000 Besucher sind da, 1.000 mehr als letztes Jahr. 40 Prozent von ihnen sind Frauen, bei den Speakern sieht es genau so aus. Über 324.000 von diesen Gratiskeksen wurden verteilt. Und es waren rund 600 Journalisten da, der häufigste Vorname bei den Männern: Michael. Ähem.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Den besten Kaffee mit den kürzesten Schlangen gibt es in der Jazz-Bar gleich hinterm Eingang. Nur das mit dem Kassiersystem funktioniert nicht so richtig: Es ist ein iPad-Interface, das irgendwie mit der Analogkasse verbunden ist, die aber nicht dann aufgeht, wenn sie soll. „Die ist einfach zu schnell für das Scheißding“, sagt eine chefartige Person. Kurz danach kommen 15 Bons auf einmal aus dem Drucker. Man entscheidet sich dann, den Kaffeekonsum mit einer Strichliste zu dokumentieren.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Die Keynote halten </span><a style="line-height: 1.5;" href="http://www.re-publica.de/search/node/yes%20men" target="_blank" shape="rect">die Yes Men</a><span style="line-height: 1.5;">, die ihre Kommunikationsguerilla-Methode vorstellen: im Namen großer Organisationen falsche Pressemitteilungen rausgeben oder bei Tagungen Vorträge halten – und dabei immer genau so weit gehen, dass die Leute es noch glauben. Sie zeigen ihren Auftritt bei einer Homeland-Security-Konferenz, auf der sie einen Vortrag über die Abschaffung der fossilen Energien in den USA bis 2030 gehalten haben und wo ein Vertreter des fiktiven Indianerstamms der Wanabis es geschafft hat, dass die Zuschauer einen Rundtanz aufführen. Großes Gelächter im re:publica-Saal. Lustig wäre es jetzt, wenn ein Video von uns in einem halben Jahr auf einer Tea-Party-Konferenz gezeigt wird und dieselben Männer dann erzählen, sie hätten sich auf einer linksliberalen deutschen Netzkonferenz als „Yes Men“ ausgegeben und Quatsch erzählt.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Man sollte, man müsste hier so viel mehr über die Inhalte schreiben, allein, es würde den Rahmen sprengen – doch die meisten Veranstaltungen kann man sich ohnehin auch nachträglich </span><a style="line-height: 1.5;" href="http://youtube.com/user/republica2010" target="_blank" shape="rect">auf YouTube</a><span style="line-height: 1.5;"> anschauen, vieles steht auch in unseren</span><a style="line-height: 1.5;" href="http://taz.de/republica-2014-der-2-Tag/!138033/" target="_blank" shape="rect">Tageszusammenfassungen</a><span style="line-height: 1.5;">. Deswegen hier bloß noch eine Empfehlung: Der Vortrag </span><a style="line-height: 1.5;" href="http://www.re-publica.de/session/unsinn-stiften-performative-aufklaerung-vortrag-im-sinne-des-katersalons" target="_blank" shape="rect">„Unsinn stiften als performative Aufklärung“</a><span style="line-height: 1.5;">, in dem Christiane Frohmann den Unterschied von Entweder-oder- und Und-Menschen erklärt, die Schönheit von computergeneriertem Spam zeigt und brillante Bögen schlägt, von der Aufklärung zu „Serial Mom“, von der Toteninsel zum Cthulhu-Mythos, von Kafka zu Hitlerkatzen.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Im Hof: „Wie war die Party?“ – „Das war keine Party. Das war einfach nur so ein bisschen Chill-out.“ Woanders im Hof: „Die Party, ja, die war nach objektiven Gesichtspunkten wahrscheinlich Mist. Aber ich komm ja nicht hier her, um zu geiler Musik zu tanzen, sondern um mich mit interessanten Leuten zu unterhalten. Also ich hatte viel Spaß.“</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Die re:publica käme ihrem Ziel, eine Gesellschaftskonferenz zu werden, immer näher, sagt Johnny Haeusler bei der Eröffnung. Sie hat es längst erreicht. Denn es geht nicht nur um Bezahlmodelle für Online-Journalismus, um Internethumor jenseits von Katzen, um Wikileaks oder Programmieren, es geht genauso auch um die Geschichten der Pen+Paper-Rollenspiele, um Einhörner, um Cyborgs, um das Leben nach der Apokalypse oder um den Streit der Sprachprogressiven (die mit dem Gender Gap und dem N-Wort) und der Sprachkonservativen (die das alles total albern finden).</span></p>
<p>Denn die re:publica ist keine Technologieveranstaltung, sie ist nicht mal eine Internetveranstaltung. Ihre Klammer ist breiter, es geht um Fortschritt: Wie er sich strukturell darstellt und gestalten lässt, wie wir mit ihm umgehen und was er mit der Gesellschaft und den Individuen macht. Was die Menschen hier eint, ist ihre geistige Bereitschaft, Veränderung als etwas Positives zu begreifen und die Zukunft als Chance zu sehen. Als etwas, an dem wir alle mitarbeiten können.</p>
<p>–––</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Foto: re:publica / Sandra Schink / <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://michaelbrake.de/2014/05/08/die-gesellschaftskonferenz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Von Mondfahrzeugen und ASCII-Kühen</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/</link>
		<comments>http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 May 2013 19:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Nullen und Einsen]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[Arial]]></category>
		<category><![CDATA[ASCII Cows]]></category>
		<category><![CDATA[Buchdruck]]></category>
		<category><![CDATA[Diedrich Diederichsen]]></category>
		<category><![CDATA[Digits]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Zuse]]></category>
		<category><![CDATA[Mond]]></category>
		<category><![CDATA[re:publica]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>
		<category><![CDATA[Zucker]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://michaelbrake.de/?p=1743</guid>
		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe. (aus der taz vom 24. Mai 2013) Anmerkung: Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe.<span id="more-1743"></span> (aus der taz vom 24. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkung: <em>Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe Zusammenfassung meiner Tagesberichte von der re:publica 2013: <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a></em>.</em></em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1745" alt="republica-2013 Kopie" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg" width="620" height="465" /></a></p>
<p>Anfang Mai war wieder re:publica. Über 300 Referenten kamen zur Internetkonferenz nach Berlin, es gab zehn parallel bespielte Räume, unzählige Panels, Workshops, Get-Togethers &#8211; der Versuch einer allgemeingültigen Zusammenfassung wäre so sinnvoll, wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln. Oder sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausdenken zu wollen. Denn es gibt 5.000 re:publicas, für jeden Besucher eine. Aber jeder kann sich am Ende die gleiche Frage stellen: Was habe ich eigentlich gelernt?</p>
<p><b>1. Das iPhone gab es im Film schon 1995.</b> In „Johnny Mnemomic“ mit Keanu Reeves kommt ein &#8220;Thompson iPhone&#8221; vor.</p>
<p><b>2. Die Wikipedia hat 41 Chapter. </b>Das neueste: Armenien. Die einzige andere Organisation, die ich kenne, die sich in Chapter gliedert, sind Rockerbanden.</p>
<p><b>3. „Kulturpessimismus ist wie Nackte abbilden.“</b> Was das heißt, weiß ich nicht, aber Diedrich Diederichsen hat es gesagt.</p>
<p><b>4. Binge Viewing nennt man es, eine Serienstaffel in einem Rutsch zu schauen.</b></p>
<p><b>5. Wenn man einen Stern malt und den oberen Zacken weglässt und dafür einen Kringel draufsetzt, ist es ein Mensch. </b>Und wenn man ganz viele untere Zacken malt und oben ganz viele Kringel draufsetzt, hat man eine anonyme Masse. Einfach mal probieren!</p>
<p><b>6. Es ist also doch möglich, die re:publica mit WLAN zu versorgen. </b>Damit fällt endlich auch der älteste blöde Witz der Veranstaltung weg („Haha, eine Internetkonferenz ohne Internet“).</p>
<p><b>7. Digits macht wunderbaren Synthpop.</b></p>
<p><b>8. „Die Quanten sind sehr schwer zu handeln, das wird noch eine ganze Weile dauern.“</b> – Horst Zuse, Informatiker und Sohn von Konrad Zuse, über Quanten-Computing.</p>
<p><b>9. Als der Buchdruck noch ganz neu war, haben Mönche alle Exemplare einer Auflage einzeln auf Fehler durchgesehen. </b>Sie konnten das Konzept, dass diese Bücher automatisch alle gleich aussehen müssen, nicht nachvollziehen. Ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber die Geschichte ist so schön, dass sie bitte einfach wahr sein soll.</p>
<p><b>10. „Die Schriftart Century Gothic verbraucht 30 Prozent weniger Tinte als Arial.“</b> Diese wichtige Information steht in dem ansonsten ziemlich egalen Buch „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“.</p>
<p><b>11. Zucker ist historisch gesehen keine wichtige Energiequelle.</b> Die Pflanzenzucht dafür kam erst in der Neuzeit auf.</p>
<p><b>12. Auf dem Mond dauert ein Tag 29 Tage und es gibt 250 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. </b>Das ist wichtig, wenn man ein Gefährt bauen will, das auf dem Mond mindestens 500 Meter fährt, um den Google Lunar X-Prize von 30 Millionen Dollar zu gewinnen.</p>
<p><b>13. Die Katzen der Pre-WWW-Ära waren die ASCII Cows.</b></p>
<p><b>14. Sascha Lobo hat während der New-Economy-Zeit viel Zeit und Geld in eine Plattform gesteckt, wo man Benzin downloaden konnte. </b>Hat nicht funktioniert. Trotzdem sei es immer gut, wenn man einfach mal macht, statt zu reden, sagt Lobo. Er zum Beispiel hat sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausgedacht. Das sieht so aus: (#)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Katzen der ASCII-Ära</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/</link>
		<comments>http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 May 2013 19:07:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[ASCII Cows]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Heller]]></category>
		<category><![CDATA[Cyberpunk]]></category>
		<category><![CDATA[Digits]]></category>
		<category><![CDATA[Erlehmann]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Schwenzel]]></category>
		<category><![CDATA[Hacker]]></category>
		<category><![CDATA[iPhone]]></category>
		<category><![CDATA[Johnny Haeusler]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[LOLCats]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Bauer]]></category>
		<category><![CDATA[Meme]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Seemann]]></category>
		<category><![CDATA[re:publica]]></category>
		<category><![CDATA[Weltverbesserung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://michaelbrake.de/?p=1732</guid>
		<description><![CDATA[Hackerromantik, Vorschläge zur Weltverbesserung und Mönche von gestern: Der dritte Tag der Internetkonferenz Re:Publica vom Geek-Rand aus betrachtet. (veröffentlicht auf taz.de am 9. Mai 2013) Anmerkungen: Hier geht es zu Tag 1 und Tag 2 der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp zusammenfassende Print-Kolumne]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Hackerromantik, Vorschläge zur Weltverbesserung und Mönche von gestern: Der dritte Tag der Internetkonferenz Re:Publica vom Geek-Rand aus betrachtet.<span id="more-1732"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-3-Tag/!115973/" target="_blank">taz.de</a> am 9. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkungen: Hier geht es zu <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a></em> und <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a></em> der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp zusammenfassende <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a> aller Tage.</em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/asciicows.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1740" alt="asciicows" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/asciicows.jpg" width="620" height="300" /></a></p>
<p>Am letzten Tag der re:publica ist die ganze Luft ist voll mit diesen weißen flauschigen Flocken, die sich immer im Mai aus irgendwelchen Bäumen über Berlin ergießen. Und auch die Konferenz ist wie in Watte gepackt. Alle haben sich schon etwas runtergefahren, die Räume sind leerer, viel mehr Leute trinken am Nachmittag bereits Bier, ein paar Drohnen sirren durch die Luft, und ständig laufen Menschen mit Rollkoffern vom Gelände, nicht viele, aber regelmäßig, wie dicke Tropfen aus einem undichten Wasserhahn.</p>
<p>Um die nominellen Headliner in Saal 1 – Cory Doctorow erklärt die Notwendigkeit von Digital Rights Management, Anne Wiezorek dekliniert durch, <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/aufschrei-was-von-der-twitter-aktion-gegen-alltagssexismus-bleibt-a-898896.html" target="_blank" shape="rect">was #aufschrei gebracht hat</a> oder nicht, und es gibt eine Live-Schalte zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=29tk6vQXV64" target="_blank" shape="rect">Ai Weiwei</a> – sollen sich Andere kümmern. Wie bereits am <a href="http://www.taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/%21115847/" target="_blank" shape="rect">Montag </a>und <a href="http://www.taz.de/Netzkonferenz-republica-2-Tag/%21115920/" target="_blank" shape="rect">Dienstag</a> bewege ich mich lieber an den Geek-Rändern der re:publica. Und das habe ich heute dabei gelernt.</p>
<p><strong>1. Das iPhone gab es im Film schon 1995.</strong> In <a href="http://www.imdb.com/title/tt0113481/?ref_=ttqt_qt_tt" target="_blank" shape="rect">Johnny Mnemomic</a> zählt Keanu Reeves auf: „Sogo 7 Data Gloves, a GPL stealth module, one Burdine intelligent translator … Thompson iPhone.“ Das ist eines der zahlreichen Filmbeispiele, die Keren Elazari in ihrem Vortrag „Take a ride on the Cyberpunk Express train“ zeigt. So viel Enthusiasmus und Verve wie Elazari haben nicht viele Redner gezeigt. Mitreißend stellt sie dar, welchen Einfluss das Cyberpunk-Genre auf die Entwicklung des Hackers hatte, erzählt vom Werdegang der Hacker-Subkultur, von der DefCon und der Electronier Frontier Foundation, von „V for Vendetta“, Captain Crunch, Hacktivism und Cryptopartys.</p>
<p>Spätestens mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stuxnet" target="_blank" shape="rect">Stuxnet</a>-Vorfall 2010, bei dem iranische Atomanlagen virtuell attackiert wurden, seien wir nun in die „Cyberwarfare Area“ eingetreten, sagt Elazari, die fünfte Art des Krieges neben dem Land-, See-, Luft- und Weltraumkrieg. Und auch die fiktiven weiblichen Hackercharaktere, die Elazari als Vorbild dienten, stellt sie vor: Trinity aus der „Matrix“-Reihe und Angelina Jolie als Acid Burn in „Hackers“.</p>
<p><strong>2. „Die Schriftart Century Gothic verbraucht 30 Prozent weniger Tinte als Arial.“ </strong>Diese wichtige Information steht in dem Buch „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“, dessen <a href="http://weltverbessern.net/" target="_blank" shape="rect">Webseite</a> der erste Treffer bei der Googlesuche von „Die Welt verbessern“ ist. Der zweite Treffer ist <a href="http://www.attac-netzwerk.de/halle/tipps-zum-weltverbessern/" target="_blank" shape="rect">Attac Halle</a>, und danach bricht Felix Schwenzel seinen Vortrag <a href="http://www.re-publica.de/sessions/10-vorschlaege-um-welt-verbessern" target="_blank" shape="rect">„10 Vorschläge um die Welt zu verbessern“</a> ab und fängt von vorn an.</p>
<p>Es ist ein unterhaltsamer, manchmal lustiger, manchmal auch kluger Vortrag über alles Mögliche, aber je länger er dauert, desto zerfranster wird er, und die achte Sascha-Lobo-Anspielung ist auch nicht besser als der dritte. Weltverbesserungsideen beruhen fast immer auf Angst und Schuldgefühlen, lernen wir; dass der gute Wille auch eine schlechte Seite hat, und dass es in den meisten deutschen Städten unsinnig ist, Wasser zu sparen, weil die Wasserwerke inzwischen selbst Wasser durch die Rohre jagen, um sie sauberzuhalten.</p>
<p>„Es gab mal einen brasilianischen Lehrfilm, der die Leute erziehen wollte, in die Dusche zu pinkeln, um Wasser zu sparen. Das können wir hier auch. Aber nicht, um Wasser zu sparen“, sagt Schwenzel. Er sagt auch: „Also ich mag Sascha Lobo ja wirklich gerne, aber das mit dem Pathos ist Quatsch, glaube ich.“ Und was laut Schwenzel definitiv nicht verkehrt sein kann beim Weltverbessern: ein Apfelbäumchen pflanzen.</p>
<p><strong>3. Digits macht wunderbaren Synthpop</strong>. Den Auftritt des Kanadiers bei der Party am Ende kriegt bloß fast niemand mit, weil er drinnen versteckt wird.</p>
<p><strong>4. Die Katzen der ASCII-Art-Ära waren Kühe. </strong>Denn lange vor LOLCats und all den lustigen Memen der letzten Jahre, ja sogar schon vor dem Internet an sich, gab es <a href="http://instinct.org/cows/ascii-cows1.html" target="_blank" shape="rect">ASCII-Cows</a>. Sie sind genau so vergessen wie das<a href="http://knowyourmeme.com/memes/ate-my-balls" target="_blank" shape="rect"> „Mr. T Ate My Balls“-Meme</a> der 90er. Zwei frühe Beispiele vom Panel <a href="http://www.re-publica.de/sessions/internet-meme-geschichte-forschungsstand-kontroversen" target="_blank" shape="rect">„Internet-Meme: Geschichte, Forschungsstand, Kontroversen“</a> von Christian Heller und Erlehmann.</p>
<p>Hier wird auch von einer Evolution des Internets als Verbreitungsraum von Memen (macht euch keine Hoffnung, dass ich hier noch erkläre, was Meme sind, es gibt Google) gesprochen. In den frühen 90ern musste man immer noch selbst Webseiten aus selbstgestricktem HTML aufsetzen, wenn man Inhalte verbreiten wollte, inzwischen gibt es zahlreiche Memräume mit eingebauten viralen Mechanismen, wie etwa das Retweeten bei Twitter.</p>
<p>Danach geht es noch um Imageboards – auch „Facebook, so ein Fotosharingforum“ wird erwähnt – und um Meme-Erklärseiten, aber es bleibt doch alles ein wenig unbefriedigend deskriptiv und lexikalisch. Letztlich war die Veranstaltung nur eine Art Teaser für das vermutlich Ende Juni erscheinende <a href="http://www.oreilly.de/catalog/internetmemekgger/" target="_blank" shape="rect">Memforschungsbuch</a> der Referenten. Bis dahin bleibt erstmal hängen, dass Meme auf finnisch Meemi heißen.</p>
<p><strong>5. Als der Buchdruck noch ganz neu war, haben eifrige Mönche alle Exemplare einer Buchauflage nochmal einzeln auf Fehler durchgesehen.</strong> Sie konnten das Konzept, dass diese Bücher automatisch alle gleich aussehen <em>müssen</em>, einfach nicht nachvollziehen. Ob das wirklich stimmt, weiß <a href="http://mspr0.de/" target="_blank" shape="rect">Michael Seemann</a> zwar nicht, aber seine Geschichte ist so schön, dass sie bitte einfach wahr sein soll.</p>
<p>Kathrin Passig hatte es schon etwas früher am Tag ausgesprochen: Die Entscheidung der re:publica-Macher, den Platz für eigene Gespräche zwischen den Konferenzsälen weitaus größer zu machen als die Räume selbst, ist richtig. Die besten Dinge hört man eben hier. In der Luft ist jetzt noch mehr von dem Baumflauschzeug, das … ach, ich google das jetzt einfach mal: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pappelflaum" target="_blank" shape="rect">Pappelflaum</a> ist das also. Danke, Internet.</p>
<p><strong>6. Adenosin gibt dem Körper das Signal: Du wirst gerade müde.</strong>Koffein unterdrückt Adenosin für eine begrenzte Zeit. In <a href="http://www.re-publica.de/sessions/richtig-essen-richtig-schlafen-und-lasst-mate-weg-besser-leben-fuer-geeks" target="_blank" shape="rect">Besser Leben für Geeks</a> ging es um Ernährungs- und Lebenstipps im Fahrwasser der Quantified-Self-Bewegung. Die Informationsdichte von Matthias Bauer ist enorm hoch: Zucker ist historisch gesehen keine wichtige Energiequelle, die Pflanzenzucht dafür ist erst in der Neuzeit aufgekommen. Fructose wird insulinunabhängig verstoffwechselt – in der Leber. Die Ernähungswissenschaft lag nach dem Zweiten Weltkrieg am Boden, weil die meisten der führenden Köpfe Deutsche und Österreicher waren – das hat Folgen bis heute.</p>
<p>Der so gesunde Saft „glücklicher Äpfel von sonnenbeschienen Hängen“ hat anteilig mehr Fructose als Cola, und fast so viel Zucker. Die Süße von Club Mate stammt wiederum vom Glucose-Fructose-Sirup – der wird hergestellt aus Mais- oder Weizenstärke, die wiederum meist aus Monokulturen stammt, von „gleichgeschalteten einreihigen Zwergmaispflanzen“. „Echtes Getreide“ – nicht Reis, Mais, Hirse – „hat kein Interesse vom Menschen gegessen zu werden“ und wehrt sich mit seinen Klebereiweißen, die bei den meisten Menschen den Darm angreifen.</p>
<p>Die Kurzfassung: Zucker und Koffein sind nicht gut, Getreide essen ist Quatsch, Fleisch und Fett sind viel gesünder als ihr Ruf, Massentierhaltung ist natürlich trotzdem schlecht, und die Menschheit hat durch Monokulturen und die Abhängigkeit von Kunstdünger mittelfristig ein Riesenproblem.</p>
<p><strong>7. Im re:publica-WLAN wurden 1,7 Terabyte Daten bewegt.</strong> Und es war wirklich bis zum Ende stabil, was den Technikern den größten Applaus bei der Abschlussveranstaltung einbrachte. Weitere verlesene Fun Facts beim Finale: 6.800 verschiedene Geräte waren online auf der re:publica, davon 66,9 Prozent von Apple. Der Live-Stream-Router der re:publica heißt Regina. Und 2,5 Kilometer Kabel wurden verlegt, was mir extrem wenig vorkommt. <em>(Edit: Tage später wurde ich darauf hingewiesen, dass 2,5 Kilometer nur die Länge der </em>extra<em> verlegten Netzwerkkabel ist. So kommt es hin)</em></p>
<p>So halssteif die Eröffnung war, so beschwingt ist die Verabschiedung. Johnny Haeusler kann vermutlich wenig besser als so etwas sonnig wegmoderieren – vielleicht gerade noch Internetkonferenzen organisieren. Das haben er und der Rest des Teams dieses Mal jedenfalls wieder unter Beweis gestellt – egal, wieviel politische Impulse nun konkret von der re:publica ausgegangen sind.</p>
<p>Was man hier, ein gewisses Interesse an gewissen Themen vorausgesetzt, in drei Tagen gebündelt an Impulsen bekommt, auch und gerade zu Dingen, von denen man vorher noch gar nichts wusste, ist großartig. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=TAQhxBXbNhE" target="_blank" shape="rect">Am Ende singen dann viele Hundert Menschen gemeinsam „Bohemian Rhapsody“</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Von Schweißen bis Antarktis</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/</link>
		<comments>http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 May 2013 19:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bratwurst]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Kate Miltner]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[LOLCats]]></category>
		<category><![CDATA[Mondfahrzeug]]></category>
		<category><![CDATA[Politiker]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[re:publica]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://michaelbrake.de/?p=1731</guid>
		<description><![CDATA[Die Klassifikation der LOLCat-Lover, bratwurstessende Politiker und das Ende der Arbeit: der zweite Tag der Internetkonferenz „re:publica“. (veröffentlicht auf taz.de am 8. Mai 2013) Anmerkungen: Hier geht es zu Tag 1 und Tag 3 der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Klassifikation der LOLCat-Lover, bratwurstessende Politiker und das Ende der Arbeit: der zweite Tag der Internetkonferenz „re:publica“. <span id="more-1731"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank">taz.de</a> am 8. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkungen: Hier geht es zu <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a> und <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a> der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp zusammenfassende <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a></em> aller Tage. Der letzte Punkt war, stellenweise 1:1, ebenfalls Teil einer Kolumne. Mit <a href="http://michaelbrake.de/2013/06/19/man-sollte-kraftvoll-zubeissen/" target="_blank">Constantin Alexander</a> und <a href="http://michaelbrake.de/2013/08/08/ich-spreche-lolspeak/" target="_blank">Kate Miltner</a> habe ich zu ihren Themen längere Interviews geführt.</em></p>
<p>Am zweiten Tag der Internetkonferenz re:publica in Berlin <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.internetkongress-republica-zetsche-spottet-ueber-google-auto.d2349fe7-5e15-463d-8e0a-a7caf9dd0518.html" target="_blank" shape="rect">lästerte Daimler-Chef Dieter Zetsche</a> über das Google-Auto. Im Beisein der kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez wurden die <a href="http://thebobs.com/deutsch/category/2013/?only_winners=true" target="_blank" shape="rect">The-Bobs-Awards</a> für Online-Aktivismus der Deutschen Welle <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-Bobs-fuer-Online-Aktivisten-1858557.html" target="_blank" shape="rect">verliehen</a>. Und Telekom-Manager Jan Krancke <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/re-publica-netzneutralitaet-a-898553.html" target="_blank" shape="rect">stellte sich mehr oder weniger der Kritik</a>, dass sein Konzern den Abbau der Netzneutralität vorantreibt.</p>
<p>Alles Ereignisse, die es nicht in diesen streng subjektiven Tagesüberblick geschafft haben. Denn wie schon für den <a href="http://www.taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank" shape="rect">Montag</a> gilt, dass es 5.000 individuell verschiedene re:publicas gibt, das hier ist nur eine davon. Die Grundfrage bleibt aber die gleiche: Was konnte man auf der re:publica lernen?</p>
<p><strong>1. Niemand sieht beim Bratwurstessen so wenig scheiße aus wie Gerhard Schröder.</strong> Und das ist wichtig als Politiker, denn dauernd muss man sich mit der Wurst fotografieren lassen – auf Volksfesten wird sie einem angeboten, ablehnen geht nicht, und überhaupt demonstriert sie wie kaum sonst etwas Volksnähe und Bodenständigkeit.</p>
<p>Nur leider sind die Dinger heiß, fettig und es ist unmöglich, sie würdevoll zu essen. Der Journalist Constantin Alexander hat deswegen eine <a href="http://www.re-publica.de/sessions/anwendungsorientierte-analyse-volkstuemlicher-lebensmittel-politischen-berichterstattung-od" target="_blank" shape="rect">„Anwendungsorientierte Analyse volkstümlicher Lebensmittel in der politischen Berichterstattung“</a> vorgestellt. Stoiber, Steinbrück, MacAllister – sie alle fallen durch beim Wurstverzehr. Ein weiterer Tipp von Alexander, der in einem <a href="http://peoplebitingintobratwurst.tumblr.com/" target="_blank" shape="rect">Tumblr</a> Wurstesserbilder sammelt: Haltung bewahren. Denn die Wurst muss zum Mund, nicht der Mund zur Wurst.</p>
<p><strong>2. Ein Gigabyte Daten nimmt das Google Car jede Sekunde auf.</strong>Und rund 3,5 Millionen Menschen in den USA verdienen ihren Lebensunterhalt als Fahrer. Sie könnten bald durch Maschinen überflüssig gemacht werden, so wie auch zahllose Fabrikarbeiter.</p>
<p>Doch auch vermeintlich sichere Berufe sind in Gefahr, die Mustererkennung im Big-Data-Bereich könnte Arbeitsbereiche von Anwälten und Diagnoseärzten betreffen. Und selbst an der Abschaffung von Sportjournalisten wird gearbeitet, die recht schematisch ablaufenden Spielereignisse könnten Computer bald selbst erkennen und dann mit den passenden Textbausteinen und Synonymen beschreiben – manch einer sagt allerdings, das wäre längst passiert.</p>
<p>Die Debatte, was das für Folgen hat, ist das Thema von Johannes Kleskes Vortrag <a href="http://www.re-publica.de/sessions/ende-arbeit-wenn-maschinen-uns-ersetzen" target="_blank" shape="rect">Das Ende der Arbeit</a>. Dabei gibt es zwei Lager: Neo-Ludditen wollen wie die Maschinenstürmer von einst dagegen ankämpfen, dass Maschinen uns erst die Arbeitsplätze wegnehmen und uns am Ende so kontrollieren. Die andere Seite sagt sich: Wir können uns der Zukunft nicht widersetzen, also sollten wir sie umarmen. Sie imaginiert ein digitales Athen: Eine Zeit, ähnlich der griechischen Antike, wo die Bürger ihren Alltag mit Politik, Kunst, Philosophie verbringen konnten, weil Sklaven ihnen die Arbeit abgenommen haben. Diese Sklaven sollen dann Maschinen sein.</p>
<p>Johannes Kleske fordert als Mittelweg den <a href="http://www.golem.de/news/mensch-vs-maschine-wir-brauchen-den-kritischen-geek-1305-99139.html" target="_blank" shape="rect">kritischen Geek</a>. Manch einer wird es aber lieber mit Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke halten, der sagte: „The goal of the future is full unenployment, so we can play.“</p>
<p><strong>3. Es gibt drei Sorten LOLCat-Fans: Die Meme Geeks, die Cheezfrenz und die Casual User.</strong> Das ist eine der Erkenntnisse von <a href="http://www.re-publica.de/users/kmiltner" target="_blank" shape="rect">Kate Miltner</a>, die ihre Masterarbeit tatsächlich das berühmteste aller Meme geschrieben hat: über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lolcat" target="_blank" shape="rect">LOLCats</a>. Die Meme Geeks waren dabei die Vorreiter, sie sind jung, meistens männlich und machten LOLCats groß.</p>
<p>Doch dann kamen die Cheezfrenz, eher Frauen mittleren Alters, die sich über <a href="http://icanhas.cheezburger.com/" target="_blank" shape="rect">I can haz Cheeseburger?</a> und andere Seiten austauschen und die LOLCats wesentlich weniger aggressiv interpretieren. Einige Meme Geeks wandten sich gelangweilt ab, andere kämpfen einen erbitterten Streit mit den Cheezfrenz aus, wobei es unter anderem darum geht, wer besser LOLspeak sprechen kann. Den Casual Usern ist das alles egal, sie schauen sich nur die Ergebnisse der LOLCat-Bilderproduzenten auf der Arbeit an und freuen sich darüber.</p>
<p><strong>4. Auf dem Mond dauert ein Tag 29 Tage und es gibt 250 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht.</strong> Das ist wichtig, wenn man ein Gefährt bauen will, das auf dem Mond mindestens 500 Meter fährt, um den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Lunar_X-Prize" target="_blank" shape="rect">Google Lunar X-Prize</a> von 30 Millionen Dollar zu gewinnen. Zwei Mitglieder vom deutschen Team <a href="http://https//www.facebook.com/PartTimeScientists" target="_blank" shape="rect">Part-Time Scientists</a> haben auf der re:publica ihr Projekt <a href="http://www.zeit.de/digital/2013-05/republica-raumfahrt" target="_blank" shape="rect">vorgestellt</a>.</p>
<p>Ihr kleiner Roboter Asimov Jr. hat dabei auch eine integrierte Kamera für 3D-Aufnahmen. Projektintern wurde diskutiert, ob man eine Farbkamera brauche, wo doch auf dem Mond eh alles grau sei – am Ende entschied man sich für Farbe. Außerdem ist der Mond voll mit sehr feinem Staub, also muss Asimov Jr. sehr gut versiegelt sein. Denn dort oben gibt es keinen ADAC-Pannendienst, sagt Karsten Becker, der wie auch sein Ko-Referent Robert Böhme genau so aussieht und spricht, wie man sich in den USA deutsche Ingenieure vorstellt: Heftiger Akzent, helles Hemd, Jeans und ein Humor, der, siehe oben.</p>
<p><strong>5. Binge Viewing nennt man es, eine US-Serienstaffel mehr oder weniger  in einem Rutsch zu schauen.</strong> Wusstet ihr sicher alle, ich erfahre es erst abends im Hof beim Biobier. Und direkt danach, dass der Macher von True Blood ADD hat, was sich aber nicht einwandfrei begooglestätigen lässt. Und dann noch, dass Netflix eigene Serien produziert (also <em>das</em> wusstet ihr nun aber wirklich alle). Worüber man halt redet in den re:publica-Pausen: über TV-Serien. Wie überall sonst. Offen bleibt die Frage, wann es wohl mehr US-Netflix-Accounts gibt als US-Bewohner, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Virtual_Private_Network" target="_blank" shape="rect">VPN</a> sei dank.</p>
<p><strong>6. Von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwei%C3%9Fen" target="_blank" shape="rect">Schweißen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis" target="_blank" shape="rect">Antarktis</a> liegen in der Wikipedia höchstens sechs Klicks.</strong> Eisenzeit – Frühgeschichte – Nordamerika – Arktischer Ozean – Arktis.  „Wir wollen nur kurz was bei Wikipedia nachschlagen und fünf Stunden später stellen wir fest, wir wissen jetzt alles über Quantenbotanik, aber nicht, wie wir da hin gekommen sind“, sagt Sebastian Vollnhals, einer der beiden Moderatoren von <a href="http://www.re-publica.de/sessions/six-degrees-wikipedia" target="_blank" shape="rect">„Six Degrees of Wikipedia“</a>, das aus der Not ein Spiel gemacht hat: Zwei Kandidaten müssen in möglichst wenigen Schritten und möglichst wenig Zeit von einem Begriff zum anderen kommen, dafür gibt es Punkte nach einem System, das man vielleicht verstanden hätte, wenn man von Anfang an dabei gewesen wäre.</p>
<p>So wird der Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arthrose" target="_blank" shape="rect">Arthrose</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_%28Deutschland%29" target="_blank" shape="rect">Einkommenssteuer (Deutschland)</a> beschritten, von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Time_Rush" target="_blank" shape="rect">Big Time Rush</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_der_Ringe" target="_blank" shape="rect">Der Herr der Ringe</a> schafft es einer in sechs Schritten und 70 Sekunden. Weil bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisen" target="_blank" shape="rect">Eisen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_Bescherung" target="_blank" shape="rect">Schöne Bescherung</a> auf der Bühne nichts passiert, probiere ich es am eigenen Computer und finde den Weg Eisen – Erdöl – Hannover – Weihnachtsmarkt – Advent – Weihnachten – Heiliger Abend – Bescherung – Schöne Bescherung. Während die Halbfinalisten den Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heesters" target="_blank" shape="rect">Johannes Heesters</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mom_I%27d_Like_to_Fuck" target="_blank" shape="rect">Mom I&#8217;d Like to Fuck</a> suchen, gehe ich zurück in den Hof.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sternenmensch und Schweinehälften</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/</link>
		<comments>http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 May 2013 18:51:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[Diedrich Diederichsen]]></category>
		<category><![CDATA[Johnny Haeusler]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Marx-Allee]]></category>
		<category><![CDATA[Kathrin Passig]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Zuse]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpessimismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mass Customization]]></category>
		<category><![CDATA[Mercedes Bunz]]></category>
		<category><![CDATA[Netzgemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[re:publica]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Lobo]]></category>
		<category><![CDATA[Sketchnotes]]></category>
		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>
		<category><![CDATA[WLAN]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://michaelbrake.de/?p=1730</guid>
		<description><![CDATA[Die kleinste Wikipedia der Welt, der Mittelweg der künstlichen Dummheit und Diederichsens Weisheiten: Was man am Tag 1 der „re:publica“ lernen konnte. (veröffentlicht auf taz.de am 7. Mai 2013) Anmerkung: Hier geht es zu Tag 2 und Tag 3 der re:publica 2013]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die kleinste Wikipedia der Welt, der Mittelweg der künstlichen Dummheit und Diederichsens Weisheiten: Was man am Tag 1 der „re:publica“ lernen konnte.<span id="more-1730"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank">taz.de</a> am 7. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkung: <em>Hier geht es zu</em> <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a> und <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a></em> der re:publica 2013 und hier die sehr knapp zusammenfassende <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a></em> aller Tage.</em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/loborepublica2013.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1739" alt="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/loborepublica2013.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Über 300 Referenten, zehn parallel bespielte Räume, unzählige Panels, Workshops, Get-Togethers, Gespräche. Der Versuch einer allgemeingültigen Zusammenfassung des ersten Tages der Internetkonferenz <a href="http://www.re-publica.de/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a>, die bis zum 8. Mai in Berlin stattfindet, ist so sinnvoll wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln. Oder sich ein einziges Logo für das gesamte Internet ausdenken zu wollen.</p>
<p>Es gibt nicht eben eine, sondern 5.000 re:publicas, für jeden Besucher eine, je nach Tagesplan, Vorlieben und Begegnungen. Aber jeder kann sich am Ende des ersten Tages die gleiche Frage stellen: Was habe ich heute eigentlich gelernt? Und genau das habe ich auch getan.</p>
<p><strong>1. Es ist also doch möglich, einen Riesenkongress mit Internet zu versorgen. </strong>Ich hätte es nicht mehr geglaubt, aber zum ersten Mal hält auf der re:publica das WLAN und damit fällt endlich auch der älteste blöde Witz der Veranstaltung weg („Haha, eine Internetkonferenz ohne Internet“). Neu dafür: Schlangen. Schlangen am Einlass, bis auf die Straße, über eine Stunde müssen die Besucher am Vormittag warten. Schlangen am einzigen Capuccino-Stand. Schlangen am Frauenklo. Über den Frauenanteil muss man sonst aber keine Worte mehr verlieren, der war auch schon in den vergangenen Jahren höher als in jedem Internetklischee vorgesehen.</p>
<p><strong>2. Eröffnungsreden sind langweilig. Immer. </strong>Das ist auch kein Vorwurf, sondern eine Tatsache und da kann Johnny Haeusler, einer der vier Veranstalter, am Abend vorher noch so <a href="http://twitter.com/spreeblick/status/331160269722095616" target="_blank" shape="rect">vielversprechend twittern</a>. Es kommt dann so: Stage-Moderator Max stellt sich als Clown vor und das den Rest des Tages unter Beweis. Andreas Gebhard dankt allen Sponsoren, muss er, ist trotzdem öde<strong> </strong>und<strong>„</strong>Finanzblogging, ganz spannendes Thema“, also bitte.</p>
<p>Haeusler selbst erklärt, mit YouTube sei „eine neue Netzgeneration am Start“. Markus Beckedahl weckt das Publikum kurz mit lauten deutlichen, aber auch nicht direkt neuen Worten zur Netzneutralität auf. Und Tanja Haeusler sagt, dass das Kongressmotto „IN/SIDE/OUT“ eigentlich jedes Jahr das Motto sei und gibt so indirekt zu, wie austauschbar es ist. Dann bringt sie mit „Herzlich willkommen zu Hause“ zumindest einen merkenswerten Satz. Und es geht los.</p>
<p><strong>3. Man kann bei Wikipedia keine Schweinehälften bestellen.</strong>„Das passiert, wenn die Leute mit dem Internet telefonieren wollen“, sagt Pavel Richter, Vorstand von <a href="http://www.wikimedia.de/wiki/Hauptseite" target="_blank" shape="rect">Wikimedia Deutschland</a>. Menschen lesen etwas in der Wikipedia und rufen dann die Nummer im Impressum von <a href="http://www.wikipedia.de/" target="_blank" shape="rect">www.wikipedia.de</a> an. Das mit den Schweinehälften ist eines der <a href="http://www.re-publica.de/sessions/wikipedia-wo-user-geblockt-artikel-geloescht-und-reputationen-zerstoert-werden-0" target="_blank" shape="rect">„10,5 Geheimnisse der Wikipedia“</a>, ein Panel, das zwar launisch ist, aber auch ein wenig enttäuschend – zu sehr ist es nur eine Vorstellung der Wikimedia-Struktur und -Projekte, und das auch noch etwas verhaspelt vorgetragen.</p>
<p>Was ich aber dennoch gelernt haben: Anders Breivik hat die norwegischen Wikipedia-Artikel mehrerer Könige verfasst. Wikipedia ist eine der fünf größten Webseiten der Welt (wenn man Pornos rausrechnet). Je nach Jahr und Lexikon ist der Rhein 1.320, 1.360 oder 1.225 Kilometer lang – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein#cite_note-len-1" target="_blank" shape="rect">die deutsche Wikipedia sagt</a>: 1.238 Kilometer.</p>
<p>Die Wikipedia hat 41 Chapter, das neueste: Armenien (die einzige andere Organisation, die ich kenne, die sich in Chapter gliedert, sind Rockerbanden). Die kleinste Wikipedia der Welt war die im nordnigerianischen Dialekt <a href="http://kr.wikipedia.org/wiki/Main_Page" target="_blank" shape="rect">Kanuri</a>, derzeit läuft gegen sie aber ein Löschverfahren. Und überhaupt werden jeden Tag rund 800 Artikel gleich wieder gelöscht, von 1.200 täglich verfassten.</p>
<p>Und dann gab es noch die Geschichte um <a href="http://https//www.taz.de/Was-macht-eigentlich--Genosse-Stalin/%2170725/" target="_blank" shape="rect">„Stalins Badezimmer“</a>. Angeblich war das ein DDR-Name der Berliner Karl-Marx-Allee, das hat sich ein Journalist bei einer Flasche Rotwein ausgedacht und 2009 in den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Allee#Kurioses" target="_blank" shape="rect">Wikipedia-Artikel</a> geschrieben. 2011 konnte man es dann nicht mehr löschen – weil es längst in zahlreichen Medien und Reiseführern stand, die aus der Wikipedia abgeschrieben hatten und nun als Quellen herangezogen wurden. Erst als der selbe Journalist seine Erfindung in einer Zeitung zugab, wurde diese Ente wieder zurechtgerückt.</p>
<p><strong>4. Nutzer können erkennen, was sie wollen, aber sie können nicht erzeugen, was sie wollen.</strong> Diese Weisheit sollte beherzigen, wer im Feld der Mass Customization erfolgreich sein will. Also das, was vor Jahrzehnten mit individualisiert bestickten Handtüchern aus dem Moderne-Hausfrau-Katalog begann, in den 90ern mit selbstzusammenstellbaren Nikesneakern weiterging und inzwischen dank Internet zum individuellen <a href="http://www.mymuesli.com/" target="_blank" shape="rect">Müslimix</a> geführt hat.</p>
<p>Das heißt: Es ist besser, man setzt den Leuten durch Algorithmen erzeugte Produkte vor, die sie verwerfen können, als wenn man ihnen einen Stift und ein weißes Produkt gibt und sagt: Mach mal! Ausgesprochen hat das Kathrin Passig, die durch ihr als Spaßprojekt gestartetes Zufallsshirt eher nebenbei in den Mass-Customization-Bereich vordrang.</p>
<p>Hier werden T-Shirts semizufällig generiert, mit gemeinfreien Cliparts, Schriften und vorgefertigten Sätzen, in denen einzelne Satzteile zufällig bestimmt werden. „Den Mittelweg der künstlichen Dummheit“ nennt Passig dieses halbautomatische Verfahren. Und zum Schluss wird noch die Frage nach einer „Grammatik der Gegenstände“ aufgeworfen, mit der auch Customized Möbel möglich wären. (<em>Disclosure: Ich bin mit Kathrin Passig befreundet, deswegen ist Zufallsshirt auch nicht verlinkt.</em>)</p>
<p><strong>5. Wenn man einen Stern malt und den oberen Zacken weglässt und dafür einen Kringel draufsetzt, ist es ein Mensch. </strong>Und wenn man ganz viele untere Zacken malt und oben ganz viele Kringel draufsetzt, hat man eine anonyme Masse. Das kann jeder. Und wenn man mehrere von diesen Tricks beherrschst, kann man Vorträge auch mit kleinen Zeichnugen statt mit rein schriftlichen Notizen zusammenfassen und so Wissen ansprechender festhalten.</p>
<p><a href="http://www.re-publica.de/sessions/sketchnotes" target="_blank" shape="rect">Sketchnotes</a> nennt sich der Workshop dazu, wir Teilnehmer malen uns dann gegenseitig, ohne aufs Blatt zu gucken. Wir lachen über das entstandene Krikelkrakel. Wir lernen einfache Dinge zu Speedlines und Schatten. Wir visualieren ein Video. Dann ist die Stunde rum und ich bin endlich wach. Das mit dem Sternenmensch funktioniert übrigens wirklich. Einfach mal ausprobieren.</p>
<p><strong>6. „Kulturpessimismus ist wie Nackte abbilden“.</strong> Was das bedeutet, weiß ich nicht, denn ich habe kurz nicht aufgepasst. Genau wie „Das führt natürlich zur Entropie, aber bis dahin haben alle viel Spaß“ und „Die Subkultur hat andere Probleme als das Internet“. Aber es klingt toll. Und ist von Diedrich Diederichsen, über den Nilz Bokelberg auf Facebook schreibt: „Bei Diedrich Diedrichsen wünsch ich mir immer, dass ich den so als Papagei auf meiner Schulter sitzen haben könnte und der mir 24 Stunden popkulturelle Zusammenhänge ins Ohr reinerklärt.“</p>
<p>Diederichsen war <a href="http://www.re-publica.de/sessions/immer-internet" target="_blank" shape="rect">der Gast von Mercedes Bunz</a>, die immer da ist bei der re:publica und dieses Mal eigentlich <a href="http://www.taz.de/Buch-Die-Stille-Revolution/!114751/" target="_blank" shape="rect">ihr neues Buch</a> vorstellen soll, aber stattdessen eigentlich nur Stichwortgeberin ist für Diederichsen. Als Oberthema wabern Kulturpessimismus und die Frage „Macht Google/macht das Internet uns dumm?“ durch den Raum – eine weit verbreitete Sorge, die Bunz ernst nehmen will, auch wenn das auf der re:publica wohl die wenigsten tun.</p>
<p>Und Diederichsen spricht: Es müsse nichts mehr erklärt werden durch das Internet, denn die Leute könnten ja nachschlagen – und das sei ja toll. Schon Friedrich Heubach habe sich 1987 in „Das bedingte Leben“ negativ über Stadtzeitschriften und Kontaktanzeigen ausgelassen – das könnte man heute immer noch lesen und einfach „Internet“ einsetzen.  Der Satz „Irgendwann kann ich im Supermarkt mit meinem guten Aussehen bezahlen“ sei wahr geworden. Die Leute müssten sich mehr dekorieren, weil die Musik es nicht mehr tue. Sie müssten der Musik zur Kenntlichkeit verhelfen.</p>
<p>Und schließlich: Das Internet sei die völlige Neuorganisation von Raum und Materie – Bunz: Reden wir nicht viel zu wenig darüber? – Diederichsen: In den Anfangstagen, 1995, wurde ja nur über sowas geredet, jetzt gilt das als esoterisch.</p>
<p><strong>7. Die Wurzeln des Internets liegen nicht in einer Garage, sondern in einer guten Stube.</strong> Und auch nicht im Silicon Valley, sondern in der Wrangelstraße in Berlin. Dort baute Konrad Zuse 1937 den Z1, den ersten Computer der Welt und die ganze Familie half mit, sein Vater sägte mit Laubsäge Bleche, 30.000 brauchte man davon.</p>
<p>Erzählt wird das alles von Zuses Sohn Horst, selbst Informatikprofessor, der offiziell über <a href="http://www.re-publica.de/sessions/geschichte-des-computers" target="_blank" shape="rect">„Die Geschichte des Computers“</a> reden soll, aber in Wirklichkeit die Geschichte seines Vaters erzählt, Karikaturen zeigt, die Zuse Senior als Schüler zeichnete, später Zuse 1995 auf der Cebit mit Bill Gates. Und irgendwann gibt es ein Foto von einer Kneipe in Berlin-Wilmersdorf und Horst Zuse sagt „Da sitze ich mit meiner Frau, beim vierten Bier“ und schon sehen wir sein Arbeitszimmer, wo er nach seiner Pensionierung den <a href="http://www.horst-zuse.homepage.t-online.de/horst-zuse-z3-html/z3-einordnung.html" target="_blank" shape="rect">Z3</a> von 1941, den „ersten funktionsfähigen Gleitkommarechner“ nachbaute. Der steht nun direkt neben dem re:publica-Gelände im Deutschen Technikmuseum. Verrückt.</p>
<p>Böse sein kann man Horst Zuse für so viel Selbstbezogenheit aber nicht, denn er spricht so entwaffnend einfach wie Klaus Wowereit, flucht seinen Computer an („Na, come on!“), zeigt am Ende ein Foto von seinem Vater am Schreibtisch, wie der seinem PC eine lange Nase macht. Auf die Frage, wann wir denn soweit sind mit Quanten-Computing, sagt Zuse. „Die Quanten sind sehr schwer zu händeln, das wird noch eine ganze Weile dauern.“</p>
<p><strong>8. Sascha Lobo hat während der New-Economy-Zeit viel Zeit und Geld in einer Plattform gesteckt, wo man Benzin downloaden konnte.</strong> Hat nicht funktioniert. Das war aber ohnehin nur ein Fun Fact in seinem <a href="http://www.re-publica.de/sessions/ueberraschungsvortrag-ii" target="_blank" shape="rect">Überraschungsvortrag</a> am Abend. Lobo kämpft mit der Technik, lästert über die Piratenpartei, zeigt jede Menge Hundefotos, lispelt (wie stets und ausschließlich bei der re:publica) und will schließlich das Wort „Netzgemeinde“ ehrenretten.</p>
<p>Er habe sich „mit dem Begriff Netzgemeinde angefreundet wie mit einem dreibeinigen blinden Hund. Sind wir eben die Netzgemeinde. Machen wir das beste draus.“ Und was ist diese Netzgemeinde nun? Eine „Hobbylobby für das freie, offene und sichere Internet (in den Grenzen von 1999)“. Danach setzt Lobo zum programmatischen Teil an, fordert Wut und Pathos im Kampf für Netzneutralität und andere Ziele. Und predigt: „Netzpolitik ist in erster Linie Politik und nur ganz ganz ganz wenig Netz.“</p>
<p>Denn die Netzgemeinde glaube zu sehr zu wissen, was gut und richtig ist und will davon kein My abweichen, was ein Fehler ist. Man müsse sich uns auf politische Art mit Anderen verbinden. „Ich fordere euch auf, zu machen“, sagt Lobo am Ende. Und zeigt, was er das letzte Jahr über gemacht hat: Er hat sich nämlich <a href="http://internet-logo.org/" target="_blank" shape="rect">ein einziges Logo für das gesamte Internet</a> ausgedacht. (<em>Disclosure: Ich bin auch mit Sascha Lobo befreundet, andere mögen seinen Vortrag schlechter oder toller gefunden haben. Oder ihn einfach aus Prinzip ablehnen.</em>)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
