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	<title>Michael Brake &#187; Birgit Weyhe</title>
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		<title>Schuften für den Bruderstaat</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2016 16:43:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Comic &#8220;Madgermanes&#8221; von Birgit Weyhe erzählt meisterhaft das traurige Schicksal vieler mosambikanischer Vertragsarbeiter der DDR. (veröffentlicht auf fluter.de) Jede Woche marschiert in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, eine Gruppe Menschen mit einer DDR-Fahne durch die Straßen. Sie demonstrieren, sie]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Comic &#8220;Madgermanes&#8221; von Birgit Weyhe erzählt meisterhaft das traurige Schicksal vieler mosambikanischer Vertragsarbeiter der DDR.<span id="more-2026"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://www.fluter.de/comic-madgermanes-ddr-vertragsarbeiter-mosambik">fluter.de</a>)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/madgermanes-teaser.jpg"><img class="size-full wp-image-2038 aligncenter" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/madgermanes-teaser.jpg" alt="" width="620" height="349" /></a><br />
Jede Woche marschiert in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, eine Gruppe Menschen mit einer DDR-Fahne durch die Straßen. Sie demonstrieren, sie wollen Geld. Geld, das sie in der DDR verdient haben, als es die noch gab. Madgermanes nennen sie sich, abgeleitet von „Made in Germany“, denn sie gehörten zu den insgesamt rund 20.000 Vertragsarbeitern, die zwischen 1979 und 1989 aus dem südostafrikanischen Land in die DDR entsandt wurden.</p>
<p>In Mosambik hatte 1975 die marxistische Miliz FRELIMO einen langen Befreiungskampf gegen die portugiesischen Kolonialherren gewonnen, war fortan alleinherrschende Partei der neuen Volksrepublik und knüpfte Verbindungen zu den jungen sozialistischen Bruderstaaten – wie der DDR. Arbeitskräfte wurden getauscht gegen Baumaschinen, Medikamente und andere Produkte – möglicherweise auch Waffen, denn in Mosambik herrschte seit 1977 ein 15 Jahre andauernder Bürgerkrieg, der Schätzungen zufolge bis zu eine Million Todesopfer forderte.</p>
<p>Die in Hamburg lebende Zeichnerin Birgit Weyhe hat aus den Lebensgeschichten der Madgermanes einen Comic gemacht, und es ist ein großartiges Buch geworden. Mit vielen Mosambikanern hat Weyhe gesprochen und ihre Geschichten am Ende auf drei fiktive Charaktere verdichtet: den schüchternen, strebsamen und FRELIMO-linientreuen José, den alle Toni nennen, weil die Deutschen das besser aussprechen können. Sein Zimmergenosse Basilio aus der Hauptstadt Maputo, ein lebensfroher Playboy, der das Beste aus dem Sozialismus herausholt und nicht wirklich an Morgen denkt. Und Anabella, Tonis vorübergehende Freundin, deren Familie schwer unter dem Bürgerkrieg gelitten hat und die sich letztlich als der stärkste der Charaktere erweisen wird.</p>
<p>Alle drei sind mit großen Träumen in die DDR gekommen: Lehrer, Ingenieur, Ärztin wollen sie werden. Stattdessen müssen sie auf dem Bau arbeiten und Wärmflaschen herstellen, sie sind Hilfsarbeiter. Sie leben in Wohnheimen und 60 Prozent ihres Lohns wird einbehalten und nach Mosambik geschickt, für die Zeit nach der Rückkehr. Auch sollen die Mosambikaner so wenig Kontakt wie möglich zur einheimischen Bevölkerung aufbauen – und schwangere Frauen werden sofort abgeschoben.</p>
<h6>Mehr oder weniger offener Rassismus</h6>
<p>Nacheinander erzählt Weyhe die drei Biografien, entblättert Schicht für Schicht die persönlichen Details und geschichtlichen Zusammenhänge. Sie erzählt von kultureller Identität und neuen Welten, von Ablehnung und Anpassung, vom mehr oder weniger offenen Rassismus durch die deutsche Bevölkerung, aber auch von guten und fruchtbaren Begegnungen mit Deutschen – wobei das für Toni, Basilio und Anabella jeweils etwas anderes bedeutet.</p>
<p>Wie schon in „Im Himmel ist Jahrmarkt“ (2013), in dem sie im großen Bogen die Geschichte ihrer beiden Großmütter erzählt, zeigt sich Birgit Weyhe als Meisterin in der Fiktionalisierung von gelebter Geschichte. Ihre Charaktere sind vielschichtig und absolut glaubhaft, ihr Storytelling verbindet kleine Details und Alltägliches, etwa Tonis erster Tag im Schnee, mit dem Blick für das große Ganze, ist dabei oft ernst, manchmal sogar drastisch, aber niemals schwer.</p>
<p>Auch die Bildebene gestaltet Weyhe vielseitig. Die recht harten, farbarmen Zeichnungen aus dem Alltag der Madgermanes durchbricht sie mit zahlreichen grafischen Elementen. Einerseits sind das Zeitdokumente aus der DDR und Mosambik: Briefmarken, Filmplakate, Wappen, Abzeichen, Markenprodukte. Andererseits aber auch illustrative Bilder von hoher assoziativer Kraft: Tiere, Blumen, Muster. Immer wieder findet Birgit Weyhe Wege, Stimmungen und Gefühle zu illustrieren, variiert Zeichenstile und Auftragstechnik. Dass sie dabei auch Anleihen an afrikanische Motiviken macht, erklärt sich nicht allein aus dem Stoff von „Madgermanes“: Birgit Weyhe selbst hat ihre Kindheit in Uganda und Kenia verbracht.</p>
<h6>Die Wende bringt das Ende</h6>
<p>Das Ende der DDR im Jahr 1989 ist auch für Toni, Basilio und Anabella eine Zäsur. Das wiedervereinigte Deutschland hat kein Interesse daran, die mosambikanischen Vertragsarbeiter – mit zu dem Zeitpunkt rund 15.000 Menschen mit Abstand die zweitgrößte Gruppe nach den Vietnamesen – im Land zu behalten („Die hatten schon ihre Türken“, kommentiert Basilio). Zudem wächst der offene Rassismus in den neuen Bundesländern.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/madgermanes-cover-260x367.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2039" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/madgermanes-cover-260x367.jpg" alt="" width="260" height="367" /></a>Die meisten müssen zurück nach Mosambik und komme doch nie richtig dort an: Was sie an den Werkbänken der DDR gelernt haben, bringt ihnen hier wenig bis nichts. Gleichzeitig haben sie sich vom einfachen Leben in ihrer Heimat entfremdet und vermissen die Annehmlichkeiten und Verbindlichkeiten des Lebens in Europa. Das Schlimmste aber: Von dem Geld, das sie verdient hatten und das in Mosambik auf sie warten soll, sehen die Madgermanes fast nichts. Weil ihnen das aber niemand glaubt, werden sie auch noch als geizig und arrogant betrachtet.</p>
<p>Wie so viele Migranten und Wanderer zwischen zwei Gesellschaften haben sie nun gar kein richtiges Zuhause mehr, viele von ihnen fassen nie wieder wirklich Fuß in Mosambik. Um ihren Lohn kämpfen sie bis heute.</p>
<p><strong>Birgit Weyhe: „Madgermanes“.</strong> Avant-Verlag, Berlin 2016, 240 Seiten, 24,95 Euro</p>
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		<title>Die Sache mit der Salatgurke</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jul 2013 00:11:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
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		<description><![CDATA[Lebensgeschichten in Bildern: „Mein Freund Dahmer“ von Derf Backderf über einen Mörder und Birgit Weyhes Familienstück „Im Himmel ist Jahrmarkt“. (aus der taz vom 30. Juli 2013) Es ist schwer auszumachen, wann Jeffrey Dahmer endgültig abgehängt wurde. Wann der Wahn]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Lebensgeschichten in Bildern: „Mein Freund Dahmer“ von Derf Backderf über einen Mörder und Birgit Weyhes Familienstück „Im Himmel ist Jahrmarkt“.<span id="more-1493"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Autobiografisches-in-Graphic-Novels/!120850/" target="_blank">taz</a> vom 30. Juli 2013)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/dahmerb.jpg"><img class="size-full wp-image-1498 aligncenter" alt="dahmerb" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/dahmerb.jpg" width="620" height="309" /></a></p>
<p>Es ist schwer auszumachen, wann Jeffrey Dahmer endgültig abgehängt wurde. Wann der Wahn aus Dahmer, der Außenseiterexistenz, wie es sie an jeder Highschool der USA mehrfach gibt, Dahmer, den Massenmörder machte, der zwischen 1978 und 1991 mehr als ein Dutzend junger Schwuler tötete und zum Teil verspeiste.</p>
<p>Derf Backderf, in den USA ein populärer Cartoonist, kümmert sich in „Mein Freund Dahmer“ nicht um die Morde des „Milwaukee Cannibal“, sondern um seine Jugend. Denn Backderf war auf der Revere Highschool in Akron, Ohio, noch am ehesten so etwas wie ein Freund von Jeff Dahmer. Wobei, Freundschaft? Backderf und seine eigentlichen Freunde verehrten Dahmer als eine Art Kultobjekt, weil er unnachahmlich gut Menschen mit spastischen Störungen imitieren konnte.</p>
<p>Dass Dahmer das durch Beobachtungen seiner schwer medikamentenabhängigen Mutter gelernt hatte, wusste indes keiner. Und dass seine Eltern sich permanent stritten und er mit dem Problem seiner aufkommenden, in der US-amerikanischen Provinz unmöglich auszulebenden Homosexualität alleingelassen wurde, zusätzlich zu seinen nicht eindeutig zu definierenden sozialen Defiziten, dass Dahmers Leben also schon früh eine Hölle war, die er nur mit massivem Alkoholkonsum auch während der Schulzeit ertrug – auch das kümmerte niemanden, keine Schüler, keine Lehrer, nicht einmal die Eltern.</p>
<p>Backderf arbeitet den Fall in kurzen Episoden auf, etwa Dahmers Versuche, tote Tieren in Säure aufzulösen, einen Angelvorfall, den missratenen Auftritt beim Abschlussball – aber auch kurze Zwischenhochs wie eine Klassenfahrt nach Washington, wo Dahmer es schaffte, einen Besuch im Büro des Vizepräsidenten zu organisieren. Backderf beherrscht sein Handwerk, seine Erzählweise ist unspektakulär, aber äußerst fesselnd, wie ein Film fährt die Pubertät Dahmers am Betrachter vorbei. Neben der persönlichen Ebene gelingt Backderf auch ein Stimmungsbild des Highschoollebens in der Midwest-Provinz in den späten 70ern.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kleiner-cover-dahmer-300.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1497" alt="kleiner-cover-dahmer-300" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kleiner-cover-dahmer-300.jpg" width="310" height="480" /></a>Erschienen ist „Mein Freund Dahmer“ bei Walde + Graf, das nach seinem Aufkauf durch den Aufbau-Verlag in den Anfang 2013 neu gegründeten Metrolit-Verlag integriert wurde. Metrolits bisheriges Graphic-Novel-Programm zeichnet sich durch Anspruch und eine gewisse Schwere aus, soziale und politische Themen dominieren. Es geht um Aussteiger, 68er, den Aufstand vom 17. Juni 1953. Erzählung und Inhalt gehen hier häufig vor Ästhetik, der Text ist wichtiger als die Grafik.</p>
<p>Mit dieser Ausrichtung ähnelt Metrolit dem kleinen Avant-Verlag, der schon seit über elf Jahren den schweren Weg geht, die immer noch kleine Leserschaft von ernsten Graphic Novels zu bedienen. Er setzt dabei allerdings stärker ästhetische Akzente. Gerade ist bei Avant ein ebenfalls autobiografisch orientierter Comic erschienen, wenngleich mit einem ganz anderen Hintergrund: Birgit Weyhe beschreibt in „Im Himmel ist Jahrmarkt“ keine medienbekannte Figur, sondern ihre eigene Familie.</p>
<h6>Recherche im Stilmix</h6>
<p>Wo bei Backderf die Nachrichtenmeldung von Dahmers Tod der Auslöser für seine Biografiearbeit ist, ist es bei Weyhe eine Hausaufgabe ihrer Tochter. Wo Backderf eine klare, stilistisch sehr comichafte, narrativ aber sachliche Bildsprache wählt, ist Weyhe illustrativer und arbeitet in ihren Bildern mit verschiedenen Stilen, mit Details und wilden Assoziationen.</p>
<p>Und wo Backderf akribisch Recherchen mithilfe von Zeitungsarchiven, FBI-Akten, alten Fernsehinterviews und persönlichen Gesprächen betrieben hat, die säuberlich im ausführlichen Anhang nachvollzogen werden können, hatte Weyhe nur einige alte Fotos und Anekdoten. Den Rest musste sie sich zusammenpuzzeln – Leerstellen hat sie im Zweifel mit plausibler Fantasie gefüllt.</p>
<p>Weyhe, Jahrgang 1969, beschreibt die Generation ihrer Großeltern, die zwischen 1894 und 1913 geboren wurden. Da ist Marianne, die Mutter des Vaters, sehr fortschrittlich für ihre Zeit: Mit den Nonnen in der Schule legt sie sich an, eröffnet ihren eigenen Hutmacherladen, hat als erste Frau in München einen Führerschein. Nur mit den Männern hat Marianne kein Glück, der Vater von Sohn Michael lässt sie früh im Stich – im Buch bleibt er ein Schatten, über den es nur eine Anekdote mit einer Salatgurke zu erzählen gibt.</p>
<p>Dann ist da Herta, die Mutter der Mutter, eine laute, derbe Berlinerin. Die Liebe ihrer Jugend darf sie nicht heiraten, der Vater, ein Fabrikbesitzer, droht mit der Enterbung. Ein Ungar mit Adelstitel muss es stattdessen sein. Herta lässt es über sich ergehen. Ihren zweiten Mann Edgar, 20 Jahre älter und Wehrmachtsoffizier, aber keiner von der schlimmen Sorte, lernt sie auf der Flucht vor der Roten Armee kennen. Edgar entpuppt sich nach dem Krieg als großzügiger Feingeist. Weyhes Erinnerungen an gemeinsame Cowboy-und-Indianer-Spiele werden gegen den Geiz von Oma Herta, die Ernährerin der Familie, gestellt.</p>
<h6>Unerfüllte Wünsche</h6>
<p>Als Bonusfigur wird noch Carl vorgestellt, der jüngere Bruder Edgars, der der jungen Birgit Weyhe als ein Ausbund an Strenge erscheint. Doch seine Biografie erklärt sein Wesen: Im Vorschulalter verweigert der militärisch geprägte Vater Carl die Liebe. Später muss er wegen seiner Homosexualität ins Zuchthaus. Zurück bleibt ein seelisches Wrack, hart zu seinen Mitmenschen, noch härter zu sich selbst.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Im_Himmel_ist_Jahrmarkt_Cover_web.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1496" alt="Im_Himmel_ist_Jahrmarkt_Cover_web" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Im_Himmel_ist_Jahrmarkt_Cover_web.jpg" width="310" height="435" /></a>Doch haben alle vier Leben ihre Traumata, ihre unerfüllten Wünsche, machen möglicherweise falsche Kompromisse. Neben den wichtigsten biografischen Ereignissen werden Anekdoten erzählt, etwa vom Schulranzenkauf mit Oma Herta, von einer Puppenverbrennungsaktion, von einer Reise von Oma Marianne und ihrer Schwester nach Uganda, wo Birgit Weyhe aufgewachsen ist. Besonders bemerkenswert ist, wie Weyhe das alles in Szene setzt.</p>
<p>Zwischen die einfachen Bilder, mit denen sie die Erzählebene vorantreibt und die ein wenig klobig daherkommen, mischt Weyhe zahllose Details und Symbole für die Innenansichten ihrer Charaktere. Texttafeln, Zeichnungen im Stil alter Biologielexika, organische Formen, Kleckse, expressionistische Fratzen, Holz- und Scherenschnitte, vieles in Weiß auf einem schwarzen Hintergrund. Eine grafisches Vielfalt, die auch beim dritten, vierten Lesen noch Entdeckungen verspricht.</p>
<p>Das alles macht „Der Himmel ist Jahrmarkt“ zu einer grandiosen Familienbiografie, die zugleich auch die deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre widerspiegelt. Doch der Band ist zugleich ein Appell: Schaut in eure Familien, ruft er aus, hört euch die Geschichten eurer Verwandten an, fragt, solange ihr noch könnt. Denn auch wenn dort keine Massenmörder herumlaufen, bietet doch beinahe jedes Leben eine spannende Geschichte, bietet Sehnsüchte und Wünsche, bietet Brüche, Zufälle und Richtungswechsel, gerade bei den Übriggebliebenen jener Generationen, die noch von den Weltkriegen betroffen waren.</p>
<p>Den Geschichtenerzählern dieser Welt wird ihr Stoff so niemals ausgehen.</p>
<p><strong>Derf Backderf: „Mein Freund Dahmer“. Aus dem Englischen von Stefan Pannor. Metrolit, Berlin 2013, 224 Seiten, 22,99 Euro; </strong><strong>Birgit Weyhe: „Im Himmel ist Jahrmarkt“. Avant, Berlin 2013, 280 Seiten, 22 Euro</strong></p>
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