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	<title>Michael Brake &#187; Arte</title>
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		<title>Wunderwelt im Wolkenzug</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Sep 2010 21:13:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit viel Hintergrundwissen und einer tollen Collagetechnik geht Arte „Auf Reisen mit Tim und Struppi“. Leider nerven die Banalitäten des Sprechers. (aus der taz vom 21. September 2010) Da hat Arte also mal eben ein neues Genre erfunden: die gefilmte Comic-Interpretationshilfe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit viel Hintergrundwissen und einer tollen Collagetechnik geht Arte „Auf Reisen mit Tim und Struppi“. Leider nerven die Banalitäten des Sprechers.<span id="more-1854"></span> (aus der taz vom 21. September 2010)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tim-und-struppi.20100921.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1856" alt="Auf Reisen mit Tim und Struppi: Tim in Tibet" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tim-und-struppi.20100921.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Da hat Arte also mal eben ein neues Genre erfunden: die gefilmte Comic-Interpretationshilfe. Und nichts Geringeres als Hergés „Tim und Struppi“, der Übercomic der frankobelgischen Tradition, wird in dieser Woche in fünf Teilen analysiert.</p>
<p>Vier Regisseure haben sich pro Folge je einen der 24 Bände vorgenommen, gemeinsam mit Tim geht es nach Ägypten, Indien, China, Marokko, Peru, Tibet. Vor 70 Jahren, als Reisen noch ein seltener Luxus war, brachte Hergé die Wunder fremder Kontinente in europäische Wohnzimmer. Heute wirken die Schauplätze auch deshalb exotisch, weil wir uns zugleich auf eine Zeitreise begeben, in eine Welt, die noch den Geist der Kolonialreiche atmet und durch die man mit Dampfschiff und Eisenbahn reiste.</p>
<p>Schritt für Schritt wird der Handlungsverlauf der Comicbände nachvollzogen, um immer wieder abzuschweifen, Hintergründe und Einordnungen – Comic-Exegese, Landeswissen, Zeitgeschichte – zu vermitteln. Die Aufnahmen der Originalschauplätze werden dabei mit den entsprechenden Comicpanels gegengeschnitten oder, und das ist wirklich ein tolles neues Seherlebnis, in einem Bild collagiert. Manchmal werden Hergés Zeichnungen bloß in Fenster, in Kofferinnenseiten, auf Hochhäuser und Tischflächen eingepasst. Oft aber verschmelzen die Bilder direkt mit dem Filmmaterial. Da haben die Locationscouts und die Bildbearbeiter saubere Arbeit geleistet, so wie insgesamt viel Liebe zum Detail und Geld in der Reihe steckt.</p>
<h6>Eine eigentümliche Mischung</h6>
<p>&nbsp;</p>
<p>Überhaupt hat Arte da eine eigentümliche Mischung gebastelt: Versatzstücke aus Reisereportagen, Geschichts- und Naturdokus, dazu Spielszenen, Ichperspektiven, Archivmaterial, üppige Landschaftsbilder, O-Töne von Experten und den Einwohnern der heutigen Schauplätze sowie Originaldokumente, alte Fotos und Bücher.</p>
<p>Und was erfahren wir nicht alles: dass die Figur des Professor Bienlein dem französischen Wissenschaftler Auguste Piccard nachempfunden wurde, dass ein Sprengstoffattentat auf eine Eisenbahn in der heute ausgestrahlten Folge „Der blaue Lotos“ einer historischen Begebenheit entspricht, die Japan als Grund für die Eroberung der Mandschurei nahm; dass Lamas zur Familie der Kamele gehören und dass der peruanische „„Wolkenzug“ von Lima nach Jauja die älteste Gebirgsbahn der Welt ist.</p>
<p>Bloß die Umsetzung könnte an manchen Stellen gern ein wenig straffer und dichter sein. Speziell die Versuche, mit der nacherzählten Comic-Handlung Spannung zu erzeugen, sind umständlich und eher missraten. Nicht zuletzt dank des Sprechertextes, der teilweise aus unheimlichen Banalitäten besteht – und passenderweise auch noch in einem kinderhörspielartigen, zwischen theatralisch, naiv und salbungsvoll changierenden Sprachduktus vorgetragen wird.</p>
<h6>Blabla. Jaja.</h6>
<p>„Seltsam! Tim und der Kapitän sind auf einmal ganz allein im letzten Wagen!“ – „Es ist kein Zufall, dass Hergés Geschichte in diesem Land spielt, durch das der Wind buddhistische Botschaften voller Reinheit und Mitgefühl trägt.“ &#8211; Blabla. Jaja.</p>
<p>Aber geschenkt. Wenn man nur irgendwas mit Comics oder den betreffenden Ländern anfangen kann, sollte man dieses innovative und äußerst vielseitige Stück Fernsehen unbedingt ausprobieren.</p>
<p>„<strong>Auf Reisen mit Tim und Struppi“; Arte, Mo., 20.9., bis Fr., 24.9., jeweils 19.30 Uhr</strong></p>
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		<title>Von beseelten Steinen und Waldgeistern</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Apr 2010 13:04:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In einer sechsteiligen Hommage widmet sich Arte dem japanischen Animationsfilmregisseur Hayao Miyazaki. Aber warum eigentlich erst jetzt? (aus der taz vom 8. April 2010) Eine retrofuturistische fliegende Insel, ein von Gottwesen bevölkertes Badehaus, ein archaischer Märchenwald aus der Shogun-Zeit, eine Endzeit-Erde, die von]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>In einer sechsteiligen Hommage widmet sich Arte dem japanischen Animationsfilmregisseur Hayao Miyazaki. Aber warum eigentlich erst jetzt?<span id="more-1822"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!50807/" target="_blank">taz</a> vom 8. April 2010)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/totoro_f.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1823" alt="Mein Nachbar Totoro" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/totoro_f.jpg" width="620" height="309" /></a>Eine retrofuturistische fliegende Insel, ein von Gottwesen bevölkertes Badehaus, ein archaischer Märchenwald aus der Shogun-Zeit, eine Endzeit-Erde, die von einem bizarr-schönen Giftpilzwald überwuchert wird, und ein bonbonbuntes Fantasiekönigreich aus dem frühindustriellen Europa, durch das ein Haus auf zwei Beinen stapft &#8211; so sieht es aus in der Welt von Hayao Miyazaki, des vielleicht bedeutendsten Animationsfilmregisseurs der Welt, dessen Filme in den letzten 30 Jahren stets zu den beliebtesten und bestbesuchten in ganz Japan gehörten.</p>
<p>Es ist etwas rätselhaft, warum Arte Miyazaki erst jetzt eine Werkschau widmet, bestehend aus sechs seiner zehn Filme, die bis zum 22. April immer montags und donnerstags um 20.15 Uhr gezeigt werden – wo sich der mittlerweile 69-Jährige doch gerade im comicaffinen Frankreich großer Beliebtheit erfreut. In Deutschland nahm die Öffentlichkeit erstmals 2002 Notiz von Miyazaki, als „Chihiros Reise ins Zauberland“ den Goldenen Berlinale-Bären gewann. In den vergangenen Jahren wurden dann zwar einige ältere Filme nachträglich ins Kino gebracht und auf Super RTL und RTL II gezeigt, doch Miyazakis neuestes Werk, „Ponyo – Das verzauberte Goldfischmädchen“, auf dessen Ausstrahlung Arte aus rechtlichen Gründen leider verzichten muss, fand trotz einer Wettbewerbsteilnahme in Venedig keinen deutschen Kinoverleiher.</p>
<p>Ein Jammer. Denn die Imaginationskraft Miyazakis ist einzigartig. In den von ihm geschaffenen Welten verschwimmen die Grenzen von Realität und Fantasie, bevölkert werden sie von einem Bestiarium sonderbarer Wesen, oftmals ambivalente Charaktere, die nicht dem klassischen Gut-Böse-Schema Hollywoods entsprechen – dabei sind es meist tapfere, tomboyhafte Mädchen, die Miyazaki auf Abenteuerreise schickt. Wie für Anime üblich, sprechen seine Filme Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Und transportieren nebenbei eine klare Haltung gegen Krieg und die fortschreitende Umweltzerstörung.</p>
<p>Kennzeichnend für Miyazakis Filme ist die Vermischung von westlichen und östlichen Bild- und Erzähltraditionen: Odysseus, Gullivers Reisen, Jules Verne, Lewis Carroll werden zitiert, dazu bedient Miyazaki sich aus dem prallen Fundus der japanische Sagenwelt, der Anime-Symbolik und beim Shintoismus, jenem animistischen, japanischen Volksglauben, in dem jeder Baum, jeder Fluss, jeder Stein beseelt sein kann. Besonders stark ist der Shinto-Einfluss dabei in „Mein Nachbar Totoro“, der heute Abend läuft, Miyazakis reduziertesten und schönsten Film.</p>
<p>Zwei Mädchen, sechs und zehn Jahre alt, freunden sich im ländlichen Japan der 50er-Jahre mit einem Eulenbärenkatzen-Waldgeist an, dem Herren eines gigantischen Kampferbaums. In 80 Minuten passiert so gut wie gar nichts und gerade deswegen ist dieser Film von zenhafter Eleganz, ein traumähnlicher Einblick in die Gedankenwelt von Kindern, kongenial begleitet von der Musik Joe Hisaishis, dem Leibkomponisten Miyazakis.</p>
<p>Im Anschluss folgt die etwas verschrobene Dokumentation „Der Tempel der tausend Träume“ über Miyazaki, seinen Kollegen Isao Takahata und ihre gemeinsamen Produktionsfirma Studio Ghibli. Hier kann man die Miyazaki-Werke dann auch mal mit den japanischen Originalstimmen hören – welche die allenfalls passable deutsche Synchronisation, auf die Arte leider zurückgreift, bei weitem übertreffen.</p>
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		<title>Robert T. Online und Hallo Spencer</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 22:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit „Der Blogger“ und „Yourope“ widmet sich Arte den Themen Europa, Jugend und Internet. Nichts für Nerds, aber für aufgeschlossene Durchschnittsuser. (aus der taz vom 8. Januar 2010) Abgedroschen, aber wahr: Europa wächst zusammen. Und dank Facebook und easyJet geht]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit „Der Blogger“ und „Yourope“ widmet sich Arte den Themen Europa, Jugend und Internet. Nichts für Nerds, aber für aufgeschlossene Durchschnittsuser. <span id="more-1859"></span>(aus der taz vom 8. Januar 2010)</h3>
<p>Abgedroschen, aber wahr: Europa wächst zusammen. Und dank Facebook und easyJet geht das noch schneller. Das Leben von Schülern und Studenten zwischen Helsinki und Lissabon unterscheidet sich längst nur noch in Nuancen, was man auch bei Arte gemerkt haben muss. Hier starten am Wochenende gleich zwei wöchentliche Magazine, die sich irgendwo in der Schnittmenge der Themenbereiche Europa, Jugend und Internet bewegen: „Der Blogger“ (Sa., 14 Uhr) und „Yourope“ (So., 17.45 Uhr).</p>
<p>„Yourope“ kommt dabei eher konventionell daher, mit Studio, Moderator und Einzelbeiträgen. Diese tragen unverkennbar die Handschrift von Kobalt Productions, den Ex-„Polylux“-Machern: Der Produktionsaufwand ist hoch, es wird mit zahlreichen Protagonisten und optischen Ideen gearbeitet, schnell geschnitten und viel inszeniert. Die Thesen sind immer ein wenig zu steil, die Analysen stets eine Spur zu holzschnittartig.</p>
<p>Natürlich ist das Social-Media-Berater-Studium in Birmingham „DER Studiengang der Zukunft“. Und natürlich sind die auch übers Internet organisierten Studentenproteste in Österreich so etwas wie die Neuerfindung der Basisdemokratie. Dazu kommen ein skurriler Trend (Social Networks für Haustiere) und ein wirklich gelungener Beitrag über das Phänomen der „Carrot Mobs“.</p>
<h6>Mentaldoping und Coworking</h6>
<p>In seiner Themenwahl ist „Yourope“ ganz gut auf Augenhöhe mit den aktuellen Debatten, in den kommenden Sendungen wird es um Mentaldoping mit Amphetaminen und Ritalin sowie um neue Arbeitsformen wie Coworking gehen. Okay: Wer wirklich im Internet wohnt, wird das alles schon 2008 in seinem Feedreader gelesen haben – aber diese Leute hat das Fernsehen sowieso verloren. Die aufgeschlossenen Durchschnittsinternetnutzer könnte man hingegen erreichen.</p>
<p>Dafür sollte die „Yourope“-Redaktion allerdings zusehen, dass sie die Einzelteile der Sendung noch besser zu einem Ganzen zusammenfügt. Dass die Erstausgabe unter dem Oberthema „Wie Social Networks unser Leben bestimmen“ steht, wird nicht wirklich klar – es hätte auch „Beliebiges aus dem Internet“ heißen können.</p>
<p>Und Moderator Andreas Korn („logo!“) ist auch keine große Hilfe: Hölzern und unbeholfen versenkt er Pointen, die eh schon keine sind („E-Democracy – wobei ,e&#8217; nicht für Igitt, sondern für &#8216;electronic&#8217;, also für elektronisch, steht“) und wirkt in etwa so lebendig wie Robert T. Online.</p>
<h6>Alles im Fluss</h6>
<p>Ganz anders sein französisches Gegenstück Anthony Bellanger, „Der Blogger“. Statt in einem sterilen Studio sitzt er in einem Großraumbüro und spricht direkt in die Kamera seines Laptops.</p>
<p>Souverän wie Spencer aus „Hallo Spencer“ schaltet er aus seiner Kontrollzentrale zu verschiedenen Korrespondenten, nach England, Tschechien, Finnland, unterbricht die Beiträge mitunter, um eine Grafik oder ein Video einzuspielen, und führt am Rechner ein Videointerview mit einer rumänischen Kollegin. Das Ganze hat einen ungewohnten Fluss, der allerdings gut funktioniert, was eben maßgeblich am charismatischen Bellanger liegt.</p>
<p>Die Anmutung ist reifer und authentischer als bei „Yourope“, da ist es auch verzeihlich, dass einer der Beiträge schon 2007 entstanden ist, was, wie die Redaktion versichert, eine absolute Ausnahme sein soll. Hilfreich ist zudem die Beschränkung auf ein überschaubares Thema, das dafür umso gründlicher angegangen wird: In der Pilotfolge ist dies der Umgang mit Schülergewalt.</p>
<p>Schülergewalt? Richtig: Das ist gar kein Onlinethema. Das Spektrum beim „Blogger“ ist breiter, das Internet ist weniger Inhalt als Medium, seine Möglichkeiten werden mit den Standardstilmitteln eines TV-Magazins verknüpft. In den kommenden Ausgaben wird es um Onlinespiele, Privatkundenbanken und Tempolimits gehen. Und sofern Arte diesen guten Eindruck durch die Synchronisation, die bei Redaktionsschluss noch nicht vorlag, nicht gleich wieder kaputt macht, kann man sich darauf freuen.</p>
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