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	<title>Michael Brake</title>
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		<title>The Death Star Conspiracy</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 19:15:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Endlich Gegenöffentlichkeit zur Star-Wars-Propaganda: Ein Aufklärungsfilm wirft neues Licht auf die Ereignisse rund um die Zerstörung des Todessterns. (taz.de vom 22. März 2013) Es ist der Tag, der das Imperium erschüttert. Danach ist nichts mehr, wie es war. Eine Gruppe Terroristen, die sich auf der guten Seite der Macht wähnt, fliegt mit einfachen Kleinmaschinen gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Endlich Gegenöffentlichkeit zur Star-Wars-Propaganda: Ein Aufklärungsfilm wirft neues Licht auf die Ereignisse rund um die Zerstörung des Todessterns. <span id="more-1363"></span>(<a href="https://www.taz.de/!113296/" target="_blank">taz.de</a> vom 22. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/2013/03/22/innen-gepresst-drausen-frei-wild/starwars_diewahrheit_video/" rel="attachment wp-att-1364"><img class="aligncenter size-full wp-image-1364" alt="starwars_diewahrheit_video" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/starwars_diewahrheit_video.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Es ist der Tag, der das Imperium erschüttert. Danach ist nichts mehr, wie es war. Eine Gruppe Terroristen, die sich auf der guten Seite der Macht wähnt, fliegt mit einfachen Kleinmaschinen gegen ein Monument imperialer Baukunst – und zerstört es.</p>
<p>Doch kann es wirklich sein, dass die Flugabwehr komplett versagt? Kann man mit einem Flieger wirklich so genau den neuralgischen Punkt eines Bauwerks treffen, dass es kollabiert? Oder steckt dahinter ein hochrangiges Mitglied der imperialen Führungselite, das den vermeintlichen Terroranschlag nur mit Hilfe von Strohmännern fingiert hat und den Tod von Tausenden Menschen hinnimmt, um seine innenpolitische Machtposition zu stärken? Ist alles nur ein „Inside Job“?</p>
<p>Diese Fragen sind bis heute ungeklärt. Und zwar gleich in zwei Fällen: Beim Kollaps des World Trade Centers am 11. September 2011 in New York und bei der Vernichtung des Todessterns vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Während sich um 9/11 aber bereits zahllose Aufklärer – von bösen Zungen oft als „verrückte Verschwörungstheoretiker“ verleumdet – im Internet kümmern, wird die Aufklärung rund um die Vorkommnisse im Todesstern bis heute von der gleichgeschalteten Mainstreammedienmaschine totgeschwiegen.</p>
<p>Das einzige öffentliche Dokument, das sich damit beschäftigt, ist der semifiktive Kinofilm „Star Wars“ aus dem Jahr 1977, der aber einen grausam verzerrten Blick auf die Geschehnisse bietet: Hier werden die Terroristen, zu denen auch der vermeintliche Todespilot Luke Skywalker zählt, als Rebellen heroisiert. Doch was passierte wirklich an diesem denkwürdigen Tag?</p>
<p>Das zeigt nun das siebenminütige Werk <a href="http://www.youtube.com/watch?v=2dvv-Yib1Xg" target="_blank">„</a><a href="http://www.youtube.com/watch?v=2dvv-Yib1Xg" target="_blank">Luke&#8217;s Change: an Inside Job“</a>, eine liebevolle Anspielung auf den 9/11-Lehrfilm <a href="http://www.youtube.com/watch?v=yyiwOJ2pnGg" target="_blank">„Loose Change“</a>. Auch in der Aufmachung – Kamerafahrten über Fotografien –, Musikauswahl und Sprachduktus haben sich die Macher von „A Luke&#8217;s Change“ am großen Vorbild orientiert.</p>
<p>Viele fragwürdige Fakten werden erstmals offengelegt. Die unfassbar geringe Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit einem Torpedo so genau trifft, dass der Todesstern zerstört wird. Das ungewöhnliche Verhalten Darth Vaders, dem einzigen Überlebenden und Kommandanten des Todessterns, der die Kampfstation kurz vor ihrer Zerstörung in einem einfachen TIE-Fighter verlässt. Die offensichtlich suspekte Familienkonstellation – Darth Vader ist, wie kaum jemand weiß, der <i>Vater</i> von Luke Skywalker. Die Vorkommnisse um den Planeten Alderaan, in die Leia, die Schwester Luke Skywalkers verwickelt war. Und vieles mehr.</p>
<p>Es sind erstmal nicht mehr als Fragen, die gestellt werden. Aber waren es wirklich Luke Skywalkers Torpedos, die den Todesstern pulverisieren? Denn kann es wirklich sein, dass ein einfacher Bauernjunge, der nie eine militärische Ausbildung genossen hat, die bestbewachteste Kampfstation aller Zeiten zerstört, die zufällig seinem Vater gehört, der wiederum der einzige Überlebende der Katastrophe ist? Die Entscheidung, liebe Leser, liegt bei Ihnen.</p>
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		<title>Innen gepresst, draußen Frei.Wild</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 07:22:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In einer flickenteppichhaften Inszenierung wurden am Donnerstag über 20 Echos verliehen, die meisten an die Toten Hosen. Die Kontroversen um Frei.Wild blieben außen vor. (veröffentlicht am 22. März 2013 auf taz.de) Wie kann man es nur schon auf den ersten Metern so dermaßen verhühnern? An zwei sehr sichtbaren Seilen schwebt Moderatorin Helene Fischer ins Berliner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>In einer flickenteppichhaften Inszenierung wurden am Donnerstag über 20 Echos verliehen, die meisten an die Toten Hosen. Die Kontroversen um Frei.Wild blieben außen vor. <span id="more-1360"></span>(veröffentlicht am 22. März 2013 auf <a href="https://www.taz.de/Echo-Verleihung-in-Berlin/!113253/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/2013/03/22/innen-gepresst-drausen-frei-wild/echo2013/" rel="attachment wp-att-1365"><img class="aligncenter size-full wp-image-1365" alt="echo2013" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/echo2013.jpg" width="620" height="422" /></a></p>
<p>Wie kann man es nur schon auf den ersten Metern so dermaßen verhühnern? An zwei sehr sichtbaren Seilen schwebt Moderatorin Helene Fischer ins Berliner Palais am Funkturm, schlägt einige ungelenke Salti, singt eine unheimlich biedere Version von „Let Me Entertain You“ und begrüßt, auf dem Boden angekommen, das Publikum allen Ernstes mit „Tja, der Echo. Das ist schon eine ganz besondere Musikpreisverleihung.“</p>
<p>Tja, haha. Das ist er wirklich. Liegen ihm doch bei den Nominierungen, man kann nicht oft genug daran erinnern, keinerlei künstlerische Kriterien zu Grunde, sondern ausschließlich die Chartsplatzierungen der vergangenen 12 Monate. „Der-Teufel-scheißt-auf-den-größten-Haufen“-Preis wäre ein passenderer Name.</p>
<p>Was für Probleme dieses Verfahren mit sich bringen kann, bekamen die Echo-Veranstalter vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI) vor zwei Wochen zu spüren: Die automatische Nominierung der Südtiroler Rockband Frei.Wild führte dazu, dass die ebenfalls in der Kategorie „Rock/Alternative national“ aufgestellten Kraftklub und MIA. ihre <a title="„Ich will nicht nach Berlin“" href="http://michaelbrake.de/2013/03/06/ich-will-nicht-nach-berlin/" target="_blank">Teilnahme absagten</a>, weil sie Frei.Wild zu nah an rechtem Gedankengut sehen.</p>
<p>Anderthalb Tage wogten Empörungswellen, vor allem auf den Facebook-Seiten der Betroffenen, danach entschloss der BVMI sich, <a href="http://https//www.taz.de/Echo-Nominierungen/!112419/" target="_blank" shape="rect">Frei.Wild wieder auszuladen</a> – damit der Musikpreis nicht von einer politischen Diskussion überlagert würde, so die Begründung. Man wolle für die Zukunft auch <a href="http://https//www.taz.de/Diskussion-um-FreiWild/!112468/" target="_blank" shape="rect">die Nominierungsrichtlinien überdenken</a>.</p>
<h6>Mahnwache der NPD</h6>
<p>Von diesem Vorlauf ist am Abend der Verleihung nur noch vor dem Palais am Funkturm etwas zu spüren. Dort veranstaltet die NPD eine Mahnwache für Frei.Wild – knapp 15 Gestalten stehen verloren herum, ohne Fahnen oder Transparente, aber von doppelt so vielen Polizisten bewacht.</p>
<p>Auf der anderen Straßenseite hingegen feiern sich Frei.Wild. Die vier Musiker baden in ihren Fans, mehrere hundert sind gekommen. Sie halten Plakate hoch und tragen weiße Shirts mit der Aufschrift „Frei.Wild gegen Rassismus und Extremismus“ (die Fans, nicht die Band), daneben steht ein Truck mit der Aufschrift „Leckt uns am Arsch“. Wie auch immer die Ausladung vom Echo zu bewerten ist: Dem Zusammenhalt zwischen Frei.Wild und ihren Anhängern hat die Geschichte sicher gut getan.</p>
<p>Nach drinnen dringt das alles nicht vor. Nur ein Wort fällt: „Kontrovers“ sei die Kategorie ja gewesen, so die Preisüberreicherin Katie Melua. Sagt aber nicht, warum, und vergisst vor lauter Aufregung auch noch, die anderen Nominierten vorzulesen, was sonst in keiner Kategorie passiert. Ein Zufall? Dann ein ziemlich unglücklicher. Unheilig bekommt schließlich den Preis. Die Band hatte sich vorher als einziger Nominierter der Kategorie komplett aus dem Streit herausgehalten.</p>
<h6>Überblick verloren</h6>
<p>Ansonsten verliert man bei den 27 sich zum Teil überlappenden Kategorien – beste Künstler, beste Alben, beste Bands, Newcomer, national und international, Pop, Rock, Schlager, Volksmusik, undsoweiter – spätestens nach der vierten den Überblick. Gerade waren Pur und Boss Hoss noch die Nominierten bei der „Besten Band national“ (Gewinner: Tote Hosen), dann sagt Hartmut Engler von Pur in einem Einspieler-Filmchen an, dass Boss Hoss jetzt den Preis für die beste Künstlerin vergeben.</p>
<p>Die verleihen dann den Preis an Ivy Quainoo, die Gewinnerin genau jener Casting-Show, in der Boss Hoss selbst in der Jury saßen – zusammen mit Rea Garvey, der seinerseits als bester Künstler nominiert ist und direkt anschließend in einem Einspieler … willkommen in der äußerst überschaubaren Welt des deutschen Spitzenpop.</p>
<p>Das Spielchen, dass jeder Nominierte auch mal Presenter ist, in einem Einspielerfilmchen vorkommt und häufig auch noch als Live-Act, zieht sich durch den gesamten Abend, mit dem Höhepunkt, dass Moderatorin Fischer selbst zwei Echos bekommt. Es ist einer der wenigen Momente, wo man sie überhaupt mal auf der Bühne sieht: Fast alle Programmpunkte werden durch Einspieler, Laudatoren oder durch Olli Briesch, der nur als Stimme aus dem Off vorkommt, übernommen.</p>
<p>So wird die flickenteppichartige Beliebigkeit, die Musikpreisen im Allgemeinen und dem Echo im Speziellen ohnehin anhaftet, ins fast Unerträgliche gesteigert. Alles läuft wie auf Speed, es schmeckt auch ähnlich metallen. Die Kunst des Timings, die Magie der Pause, des Tempowechsels, des Innehaltens scheint der Regie fremd zu sein – was auch wenig Wunder nimmt, wenn zahllose Kategorien und rund ein Dutzend Live-Acts in drei Stunden gepresst werden. Die meisten Preise gewinnen übrigens die Toten Hosen, aus sieben Nominierungen werden vier Echos.</p>
<h6>Keine magischen Momente</h6>
<p>Die „magischen Momente“, die von der zu keinem Zeitpunkt locker wirkenden Helene Fischer in einer Moderation beschworen werden, schafft man mit derart hochgetakteter Professionalität natürlich nicht. Es gibt sie allenfalls im Kleinen: Roman Lob („Radio-Echo“) und Lena Meyer-Landrut („Bestes Video“) zeigen sich wirklich ergriffen von ihren Preisen, Deichkind („Electronic/Club/Dance“) schaffen mit einer mitgebrachten Laudatiovorleserin ein kleines dadaistisches Element.</p>
<p>Max Raabe wiederum schummelt mit seinem nonchalanten Näselbass wirklich ein wenig Glamour und Witz in die Veranstaltung („Sie werden es bemerkt haben, die größten Chancen hat man heute Abend, wenn man entweder aus Düsseldorf kommt oder eine Pandamaske trägt. Die größten Chancen hat also ein Panda, der aus Düsseldorf kommt“). Und Campinos frei gehaltene Laudatio auf Led Zeppelin, die einen Lebenswerk-Echo international bekommen, ist gelungen und aufrichtig.</p>
<p>Genau wie die umfangreiche Ehrung von Hannes Wader für sein Lebenswerk national. Zum Thema Frei.Wild sagt Wader allerdings genausowenig wie alle anderen, er hat auch gar keine Zeit dafür. Dafür gelingt ihm das letzte Bonmot des Abends: „Ich guck mir das morgen alles in Ruhe auf YouTube an.“</p>
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		<title>Vertrocknete Zimmerpflanzen</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Mar 2013 20:11:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Alltägliche und die Architektur: Dem crowdfunding-finanzierten Magazin „Stadtaspekte“ gelingt es, beides in seltener Zugänglichkeit zu verbinden. (aus der taz vom 12. März 2013) „Stadtleben findet unter Fremden statt“, sagte der Soziologe Zygmunt Baumann. „Die Stadt ist ein vages System“, sagt Benedikt Crone, stellvertretender Chefredakteur von Stadtaspekte, dessen erste Ausgabe im Januar erschienen ist. „Die dritte Seite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Alltägliche und die Architektur: Dem crowdfunding-finanzierten Magazin „Stadtaspekte“ gelingt es, beides in seltener Zugänglichkeit zu verbinden. <span id="more-1315"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Das-neue-Magazin-Stadtaspekte/!112593/" target="_blank">taz</a> vom 12. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/stadtaspekte_cover_.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1316" alt="stadtaspekte_cover_" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/stadtaspekte_cover_.jpg" width="310" height="414" /></a>„Stadtleben findet unter Fremden statt“, sagte der Soziologe Zygmunt Baumann. „Die Stadt ist ein vages System“, sagt Benedikt Crone, stellvertretender Chefredakteur von <em>Stadtaspekte, </em>dessen erste Ausgabe im Januar erschienen ist.</p>
<p>„Die dritte Seite der Stadt“ lautet der Untertitel des Magazins – was eine Anspielung auf den feuilletonistischen Ansatz der Seite 3 vieler Zeitungen sein soll, aber eben auch jenen Graubereich beschreibt, der sich auftut zwischen dem offensichtlichen ersten Eindruck, den wir von einer Stadt haben, und dessen ähnlich abziehbildhaftem Negativ. Ein Raum, den es zu erkunden lohnt, um anschließend über das „außergewöhnlich Alltägliche“ zu schreiben, das man ihn ihm findet.</p>
<p>Stadtaspekte tut genau dies, berichtet aus Detroit, Tiflis, Hamburg, Mumbai, Kaiserslautern, Toronto … und, ja, auch aus Berlin, wenngleich es nicht das hundertste Berlinheft sein will. Von vergleichbaren Magazinen wie arch+ unterscheidet sich <em>Stadtaspekte</em> wiederum durch die Zielgruppe: Explizit richtet es sich nicht an ein Fachpublikum. Es will jargonfrei in Textarbeit und Bildsprache bleiben, die Stadt durch ihre Bewohner zum Sprechen bringen und Themen aus professionellen Diskursen lesbar machen.</p>
<h6>Zugänglich und vielseitig</h6>
<p>Dieser Anspruch wird eingelöst, die Texte sind zugänglich und vielseitig: Da ist eine Annäherung in acht Teilen an den zwischen Groß-U-Bahnhof, Fußgängerpassagen und Stadtraum zerfleddernden Wiener Karlsplatz. Ein Beitrag über den wegweisenden Fotoband des Architekten Erich Mendelsohn, der in den 1920er Jahren die neuen urbanen Möglichkeiten der in die Höhe wuchernden Großstädte der USA gleichermaßen staunend und kritisch dokumentiert hat.</p>
<p>Es gibt Überlegungen zu Flaggen an Balkonen im öffentlichen Raum und zum nach der Wende re-designten Stadtwappen von Ludwigsfelde, es gibt Fotostrecken von vertrockneten Zimmerpflanzen und von Gated-Community-Bewohnern in Kapstadt.</p>
<p>Sprachlich ist nicht alles so hochwertig wie das aufgeräumte Layout und die farbentsättigten, auf mattem Papier gedruckten Fotografien. Die häufige Subjektivität der Texte schlägt mitunter ins Banale um – wie etwa der schlampig übersetzte Bericht eines Japaners über seine Erkundung Bremens mit den Geruchssinn oder die Erzählungen einer Geocacherin aus Mainz.</p>
<p>Was hingegen über die Berliner Sonnenallee als Repräsentationsort arabischen Lebens und über eine Eckkneipe im Food-Court von Karstadt am Hermannplatz im Heft steht, sind die wohl klügsten Gedanken, die man über die inzwischen stark überstrapazierte Gentrifizierungskampfzone Nordneukölln seit langem lesen konnte.</p>
<h6>Viermal verschobener Starttermin</h6>
<p>Über ein Jahr hat die Arbeit an der ersten <em>Stadtaspekte-</em>Ausgabe gedauert, viermal wurde der Starttermin verschoben. Das 11-köpfige Team von jungen Akademikern aus verschiedenen Disziplinen, das sich über einen Aufruf der Gründer Jürgen Cyranek und Constantin Engel fand, musste erst einmal gemeinsam Magazinmachen lernen – und Geld sammeln.</p>
<p>Neben wenigen Anzeigen und den Verkaufserlösen – Heftpreis ist 7,90 Euro, die Erstauflage liegt bei 8.000 Exemplaren – wurde <em style="font-size: 13px;">Stadtaspekte</em>zu bedeutenden Teilen durch Crowdfunding im Internet finanziert. Über 5.000 Euro kamen auf <a style="font-size: 13px;" href="http://www.startnext.de/stadtaspekte" target="_blank" shape="rect">startnext</a> zusammen, eine Person spendete sogar 500 Euro und erhielt zur Belohnung einen Artikel über ihre Lieblingsstadt – Bern – im zweiten Heft, das zum Thema „Grauzonen“ im Juni erscheinen soll.</p>
<p>Bis dahin versorgt <em>Stadtaspekte</em>seine Leser im Internet, unter anderem mit der täglichen Linksammlung <a href="http://www.stadtaspekte.de/?page_id=58" target="_blank" shape="rect">„Stadt um zehn“</a>. Ursprünglich war <em>Stadtaspekte</em>ohnehin als reines Online-Magazin geplant, inzwischen ist das keine Alternative mehr, wie Redakteurin Christina Riesenweber selbstbewusst begründet: „Weil es das wert ist. So ein Heft ist ein halbes Jahr da und die Themen verdienen es, dass man sich die Zeit für sie nimmt und sie nicht nach zwei Wochen wieder verschwinden.“</p>
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		<title>„Ich will nicht nach Berlin“</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Mar 2013 14:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kraftklub zieht seine erste Echo-Nominierung zurück. Man will nicht in einer Reihe mit Frei.Wild stehen, denen eine rechte Gesinnung nachgesagt wird. (veröffentlich am 6. März 2013 auf taz.de) Der erste Plattenvertrag. Die erste Tournee. Der erste Festivalauftritt. Die erste Goldene Schallplatte. Die erste Charts-Topplatzierung. Und schließlich: die erste Echo-Nominierung. So oder ähnlich verlaufen Karrieren vieler deutscher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kraftklub zieht seine erste Echo-Nominierung zurück. Man will nicht in einer Reihe mit Frei.Wild stehen, denen eine rechte Gesinnung nachgesagt wird. <span id="more-1321"></span>(veröffentlich am 6. März 2013 auf <a href="http://taz.de/Kraftklub-boykottiert-Echo-Verleihung/!112296/">taz.de</a>)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kraftklub.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1323" alt="kraftklub" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kraftklub.jpg" width="620" height="415" /></a></p>
<p>Der erste Plattenvertrag. Die erste Tournee. Der erste Festivalauftritt. Die erste Goldene Schallplatte. Die erste Charts-Topplatzierung. Und schließlich: die erste Echo-Nominierung. So oder ähnlich verlaufen Karrieren vieler deutscher Nachwuchsmusiker, so verlief auch die Karriere der Chemnitzer Band Kraftklub, die mit einer Mischung aus Indie und Sprechgesang seit drei Jahren immer erfolgreicher werden und Anfang 2012 mit ihrem Debütalbum „Mit K“ auf Platz 1 der deutschen Albumcharts landeten.</p>
<p>Jetzt gibt es aber einen Bruch, einen selbstbestimmten: Am Mittwoch hat Kraftklub auf seiner Facebook-Seite <a href="http://www.facebook.com/kraftklub/posts/10151453314944754" target="_blank" shape="rect">bekanntgegeben</a>, dass sie ihre erste Echo-Nominierung wieder – es gibt dafür eigentlich gar kein richtiges Verb – zurückgeben: „Wir haben unsere Plattenfirma gebeten, dafür zu sorgen, daß unsere Nominierung für den Echo in der Kategorie &#8216;Rock/Alternativ National&#8217; zurückgezogen wird. Wir möchten nicht weiter in einer solchen Reihe genannt werden“, schreiben sie.</p>
<p>Diese Reihe der Nominierten in der offiziell sperrig benannten Kategorie „Künstler/Künstlerin/Gruppe/Kollaboration Rock/Alternative National“, liest sich folgendermaßen: Die Ärzte, Frei.Wild, Kraftklub, MIA., Unheilig. Was nicht stimmt an der Reihe? Es geht um Frei.Wild.</p>
<p>Nun macht die Südtiroler Band zum einen recht konventionelle Rockmusik, mit der sie unter anderem auf der WM-Fanmeile 2010 in Berlin und beim Wacken Open Air aufgetreten ist. Zum anderen steht sie wegen ihrer Texte und wegen der Vergangenheit von Sänger Philipp Burger im Verdacht, nationalistisch bis rechts zu sein.</p>
<h6>Fragwürdige Vergangenheit</h6>
<p>Burger, der bis 2008 Mitglied der rechtsliberalen, FPÖ-nahen Südtiroler Partei „Die Freiheitlichen“ war und früher in der italienischen Rechtsrockband Kaiserjäger spielte, hat sich mehrfach öffentlich von einer rechten Gesinnung Frei.Wilds distanziert, die Band besteht darauf, unpolitisch zu sein. Angesichts von Textzeilen wie „Kreuze werden aus Schulen entfernt /Aus Respekt vor den andersgläubigen Kindern“ und „Das ist das Land der Vollidioten / Die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat“ (aus „Das Land der Vollidioten“) bleiben aber Zweifel.</p>
<p>Für Kraftklub offenbar ausreichend, so dass sie der Echo-Verleihung am 21. März in Berlin fernbleiben. „Obwohl wir uns gefreut haben zusammen mit Mia., Die Toten Hosen, Unheilig, und Die Ärzte nominiert gewesen zu sein. Schade um die schöne Aftershowparty …“, steht in ihrem Facebook-Statement. Passenderweise heißt die erste Single-Auskopplung aus dem Album „Mit K“: „Ich will nicht nach Berlin“.</p>
<p>Die Echo-Preisträger werden nicht nach künstlerischen Kriterien nominiert, sondern auf Grundlage der Plattenverkäufe. Im Herbst stand „Feinde deiner Feinde“, das achte Album von Frei.Wild, auf Platz zwei der deutschen Albumcharts. Der Bundesverband Musikindustrie, der den Echo ausrichtet, war für ein Statement leider nicht zu erreichen.</p>
<p>Im Februar hatte es bereits eine Kontroverse um Frei.Wild gegeben: Sie <a href="http://www.visions.de/news/17994/With-Full-Force-Frei-Wild-sagen-ab" target="_blank" shape="rect">sagten ihren Auftritt beim Rockfestival „With Full Force“ ab</a>, nachdem zuvor mehrere Kooperations- und Sponsoringpartner des Festivals, unter anderem die Musikzeitschrift Visions und Jägermeister, mit Boykott gedroht hatten.</p>
<p>Den Rückzug von Kraftklub kommentierten Frei.Wild auf ihrer eigenen <a href="http://www.facebook.com/Frei.Wild/posts/165668286919093" target="_blank" shape="rect">Facebookseite</a> spöttisch: „Da warens nur noch 4 … Wir haben nach langem Überlegen unsere Plattenfirma, die wir selber sind :) gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass nach der Nominierung für den Echo in der Kategorie &#8216;Rock/Alternativ National&#8217; genug Bier auf der Aftershowparty steht.“</p>
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		<title>Beende deine Jugend</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Mar 2013 20:32:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Heavy Metal“ ist das Thema der finalen Ausgabe des Comickunst-Magazins „Orang“. Die Macher sind erwachsen geworden, sie müssen jetzt Geld verdienen. (aus der taz vom 2. März 2013) Das Finale ist schön verstörend. Ein hilfloser Supermarktleiter muss mit ansehen, wie alle seine Waren verschimmeln und seine Stammkunden sich in Zombies verwandeln. Zwei Skater werden von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>„Heavy Metal“ ist das Thema der finalen Ausgabe des Comickunst-Magazins „Orang“. Die Macher sind erwachsen geworden, sie müssen jetzt Geld verdienen. <span id="more-1327"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Indiecomic-Anthologie-Orang/!112089/" target="_blank">taz</a> vom 2. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/content_size_orang_cover.jpeg"><img class="alignright size-full wp-image-1330" alt="content_size_orang_cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/content_size_orang_cover.jpeg" width="310" height="356" /></a>Das Finale ist schön verstörend. Ein hilfloser Supermarktleiter muss mit ansehen, wie alle seine Waren verschimmeln und seine Stammkunden sich in Zombies verwandeln. Zwei Skater werden von einem Gespenst durch eine Aufzuchtstation für E-Gitarren geführt. In einer albtraumhaften Überwachungsdystopie werden Arbeiter der Königin zum Fraß vorgeworfen.</p>
<p>„Heavy Metal“ ist das Thema der zehnten und letzten Ausgabe der Anthologie <em><a href="http://www.orang-magazin.net/" target="_blank" shape="rect">Orang</a>,</em> eines der wichtigsten deutschen Sammelpunkte für zeitgenössische Comickunst. Wie alle Ausgaben versammelt sie rund fünfzehn exklusiv gezeichnete Kurzgeschichten. Zeichenstil wie Storytelling sind markant, experimentell, nicht immer zugänglich.</p>
<p>„Zum künstlerischen Anspruch gehört durchaus, dass wir vom Leser einen gewissen Blick für Grafik erwarten, und die Bereitschaft, mitzuarbeiten und nicht nur zu konsumieren“, sagt <em>Orang-</em>Herausgeber Sascha Hommer. Aber es muss sich schon aus sich selbst heraus erklären: „Wir haben nie Sachen genommen, die man nur versteht, wenn man den Künstler kennt oder noch irgendeinen Text dazu lesen muss.“ Deswegen verzichtet die <em>Orang</em> auch komplett auf Artikel oder andere Erklärungen, abgesehen von den englischen Übersetzungen der deutschen Comictexte.</p>
<h6>Hamburger Comicschule</h6>
<p>Gegründet hat Hommer die <em>Orang</em> 2002, als Student an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Jener Hochschule, die unter der Professorenschaft von Anke Feuchtenberger seit Jahren aufregende Comiczeicher hervorbringt, gerade erst überzeugte Lukas Jüliger mit seinem Debüt „Vakuum“.</p>
<p>Der damals 24-jährige Hommer hatte sich oft darüber beschwert, dass es zu wenig eigeninitiierte Projekte der HAW-Studenten gab. „Bis dann Klaas Neumann zu mir meinte: Ja wenn alles so scheiße ist hier und die Leute zu wenig machen, dann mach’s doch selber.“ Er tat es, gemeinsam mit Neumann, den Namen <em>Orang</em> hatte Hommer aus dem Backpackerurlaub mitgebracht. „’Orang‘ ist indonesisch für ’Mensch‘ und erschien mir passend, weil es in Deutschland eigentlich wie ein Kunstwort aussieht, aber eine verborgene Bedeutung hat, die dann einige doch kennen.“</p>
<p>In den ersten Ausgaben, die noch als kopierte DIN-A4-Magazine erschienen, sammelte sich der spätere Zeichnerstamm: Arne Bellstorf, Till Thomas, Klaas Neumann, Line Hoven, Verena Braun, Hommer selbst. Schritt für Schritt ging es voran: Die Auflagen stiegen, das dritte Heft zierte ein Klappcover mit Siebdruck, mit der vierten Ausgabe wechselte man zum Offsetdruck, ab der fünften waren internationale Gäste dabei, und seit der Nummer sechs wurde man beim deutschen Indiecomic-Vorzeigeverlag Reprodukt verlegt – wo auch heute noch erhältliche Restauflagen vertrieben werden.</p>
<p>Dass nun Schluss ist, liegt schlicht daran, dass die <em>Orang-</em>Generation erwachsen geworden ist. Mehrere Zeichnerinnen und Zeichner haben Hamburg verlassen oder können neben ihren eigenen Projekten auch nicht mehr die Zeit für exklusive unbezahlte Geschichten aufwenden, mehrfach fällt das Wort „Brotjobs“, wenn Hommer von den gewandelten Lebensumständen erzählt. „Früher war <em>Orang</em> das wichtige Projekt, auch um sich selber zu featuren“, sagt er. Doch das Verhältnis habe sich umgedreht: „Die eigenen Projekte sind inzwischen viel größer und laufen automatisch, während <em>Orang </em>immer klein bleibt, man dafür immer kämpfen muss.“</p>
<p>So sind letztlich vor allem er und Arne Bellstorf verblieben, eine „funktionierende Organisationseinheit“ zwar, aber mit den Diskussionen und gemeinsamen Redaktionssitzungen fehlt ein elementarer Bestandteil des <em>Orang</em>-Produktionsprozesses. Denn das sollte <em>Orang</em> immer sein: ein Labor, in dem man sich trifft und diskutiert. Und weil die HAW-Dozenten ihre Studenten im Zweifel unterstützen mussten, „haben wir eben versucht, das Gegenteil zu machen und immer in die Wunde zu fassen“. Es ging darum, sich selbst zu trainieren, „dass man so ein bisschen Abstand hat von der eigenen Arbeit und das einen das auch nicht verletzt“.</p>
<h6>Schwere Suche nach Comics</h6>
<p>Zugleich, sagt Hommer, würde es für ihn immer schwerer, aufregende Comics zu finden. Auch das ist wieder eine Frage des Älterwerdens und kein Qualitätsproblem, wie er betont – der Drang, Geschichten unbedingt publizieren zu müssen, lässt nach. „Als wir jünger waren, war vieles für uns noch neu. Dieser Enthusiamus ist inzwischen eingeebnet“, so Hommer. „Außerdem habe ich bei der neuen Welle von rund zehn Jahre jüngeren Zeichnern zunehmend Schwierigkeiten zu unterscheiden: Was ist gut und was ist nicht gut? Weil es nach anderen Codes funktioniert.“ Im Moment gebe es international etwa viele Zeichner, die viel mit 80er-Jahre-Retroästhetik und Remineszenzen auf bestimmte Computerspiele und Fernsehserien arbeiten.</p>
<p>So endet also ein Teil des gemeinsamen Wegs der HAW-Generation der frühen nuller Jahre. Traurig macht Hommer das alles nicht. „Ich habe da überhaupt kein sentimentales Gefühl und finde es ehrlich gesagt eher befremdlich, wenn Leute in meinem Alter schon anfangen, ihre Studentenzeit zu romantisieren“, sagt er. „Außerdem hat das Magazin auch vieles eingelöst, wozu es da war.“</p>
<p>Das allerwichtigste Ziel, sich selbst beizubringen, wie man Bücher macht, hat man erreicht, genau wie die Etablierung einer Comic-Anthologie, die Vernetzung von deutschen und internationalen Autoren und auch, neue Zeichnerinnen und Zeichner beim Durchbruch zu unterstützen, wie etwa Moki, Marijpol, Till Thomas und den Chinesen Yan Cong. Zudem sind einige Aufgaben inzwischen auch weggefallen, heute ist es für deutsche Zeichner viel einfacher, auch im Ausland verlegt zu werden – eine Entwicklung, an der <em>Orang</em> einen maßgeblichen Anteil hat.</p>
<p>Entsprechend ist die Lücke, die das Ende von <em>Orang</em> reißt, betrauernswert, aber nicht letal. Die gute Verlagsarbeit von Avant, Reprodukt und Edition Moderne, das vierteljährliche Schweizer <em>Strapazin,</em> die jährliche, nur von Frauen gestaltete Anthologie <em>Spring </em>und Comicfestivals wie etwa Erlangen oder Hamburg sorgen weiterhin für viel Vernetzung und Bewegung in der deutschen Alternativcomicszene.</p>
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		<title>Mehr Kirschblüten fürs Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Mar 2013 20:04:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Snapchat-App bringt die süße Vergänglichkeit des Moments zurück ins digitale Leben. Mit ihr verschickte Fotos verschwinden nach Sekunden.(aus der taz vom 1. März 2013) Im Dezember war ich in Indonesien und hatte dort zwangsläufig auch mit Backpackern zu tun. Wie immer sprach man darüber, wo man schon war und wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Snapchat-App bringt die süße Vergänglichkeit des Moments zurück ins digitale Leben. Mit ihr verschickte Fotos verschwinden nach Sekunden.<span id="more-1307"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!111928/" target="_blank">taz</a> vom 1. März 2013)</h3>
<p>Im Dezember war ich in Indonesien und hatte dort zwangsläufig auch mit Backpackern zu tun. Wie immer sprach man darüber, wo man schon war und wo man noch hinfährt. „Wir waren vorgestern in der Tempelanlage Sowieso“, sagte eine. „Wir haben voll gute Fotos gemacht.“ – „Als Nächstes fahren wir zu Vulkan XY“, sagte eine andere. „Ich hoffe sehr, dass wir da viele gute Bilder machen können.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/snapchat.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1309" alt="snapchat" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/snapchat.jpg" width="300" height="299" /></a>Vielleicht bin ich zu alt oder habe etwas falsch verstanden. Ich mache eigentlich dann Fotos, wenn ein Ort, an dem ich bin, sich als toll erweist. Aber ich suche mir doch nicht die Orte, an die ich fahre, danach aus, ob man tolle Fotos machen kann. Henne. Ei. Häh? Wenngleich ich das natürlich auch von mir kenne: Man kann so beschäftigt damit sein, das perfekte Bild von irgendwas zu machen, dass man anschließend vergisst, sich das Irgendwas auch ohne Kamera anzugucken. Man hat ja das Foto! Das dann die nächsten 20 Jahre im „Unsortierte Fotos 2012“-Ordner liegt.</p>
<p>Dass die Speicherbarkeit des Moments den Moment selbst verdrängt, ist nun überhaupt nicht neu. „Menschen machen Fotos von dem Sommer / damit bloß niemand misstrauisch zweifelt / zu beweisen, dass er wirklich da war (…) Menschen machen Fotos gegenseitig / in dem Glauben, dass jene Momente / für alle Zeiten lebendig blieben“, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=avBgObEb99M" target="_blank" shape="rect">sangen die Goldenen Zitronen</a> 1994, und das war auch bloß ein texttreues Cover eines Kinks-Songs von 1968. Aber im Zeitalter des digitalen Fotografierens und öffentlichen Teilens ist das alles besonders augenfällig. [An dieser Stelle bitte einen Witz über <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Lustobjekte/!94467/" target="_blank" shape="rect">Instagram-Fotos von kalt gewordenem Essen hindenken</a>.]</p>
<p>Und genau deswegen ist <a href="http://www.snapchat.com/" target="_blank" shape="rect">Snapchat</a> so toll. Snapchat ist eine Smartphone-App, mit der man Freunden Bilder und sehr kurze Videos schicken kann, die sich nach spätestens 10 Sekunden Anschauen selbst löschen. Es lohnt gar nicht, sich irre viel Mühe mit dem Foto zu geben. Gleichzeitig wird der Moment des Anschauens wirklich wieder zu einem Moment – den in den meisten Fällen einzig der Absender und der Empfänger exklusiv teilen.</p>
<p><em>Mono no aware</em> nennt man in Japan die Ergriffenheit über die Vergänglichkeit der Dinge, die Kirschblüte ist der bekannteste Ausdruck dieses Prinzips. Es wäre toll, wenn das ganze Internet ein bisschen kirschblütiger wäre. Seit Wochen unangerührte Mails und geöffnete Browsertabs mit Texten, die man „unbedingt später lesen will“, könnten ruhig heimlich verschwinden. Oder alte Chatprotokolle, die von unglücklich Verliebten noch 200-fach gelesen und kaputtinterpretiert werden.</p>
<div>
<p>Mein erster empfangener Snap war übrigens ein Foto von Sascha Lobo, aufgenommen von Sascha Lobo. Mein zweiter versendeter war ein Katzenfoto. Dann bekam ich ein Bild, auf das groß und rot JETZT WIRD’S META gekritzelt stand, es zeigte den Facebookkommentarstrang unter meinem Aufruf, mir Snaps zu schicken. Aus Kalifornien erfuhr ich 15 Minuten später, dass man Snapchat dort schon seit ein paar Tagen wieder langweilig findet. Verdichteter kann man den Hype Cycle einer Internetanwendung wohl nicht erleben.</p>
</div>
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		<title>Ich bin der langweiligste Mensch der Welt!</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Feb 2013 18:24:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist Sommer, es ist heiß, es ist Adoleszenz: Der Comic-Zeichner Lukas Jüliger erzählt in seinem herausragenden Debüt „Vakuum“ eine surreale Coming-Of-Age-Geschichte. (veröffentlicht auf zeit.de) Ihr Duft. Es ist ihr Duft, der alles überdeckt. Auch am nächsten Tag noch, während alle nur darüber reden, dass Ben Fimming eine Matratze in den Wald getragen und sich selbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Es ist Sommer, es ist heiß, es ist Adoleszenz: Der Comic-Zeichner Lukas Jüliger erzählt in seinem herausragenden Debüt „Vakuum“ eine surreale Coming-Of-Age-Geschichte.<span id="more-1255"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2013-02/Lukas-Jueliger-Vakuum/komplettansicht" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/KR_130208_Lukas_Jueliger_vakuum_05.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1256" alt="KR_130208_Lukas_Jueliger_vakuum_05" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/KR_130208_Lukas_Jueliger_vakuum_05.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Ihr Duft. Es ist ihr Duft, der alles überdeckt. Auch am nächsten Tag noch, während alle nur darüber reden, dass Ben Fimming eine Matratze in den Wald getragen und sich selbst umgebracht hat, nachdem er das beliebteste und hübscheste Mädchen der Schule betäubt, gefesselt und vergewaltigt hat, kann er nur an ihren Duft denken. Wie am Abend zuvor, als sie zusammen schweigend eine DVD geschaut hatten: Sie, das elfenhafte Mädchen aus der Stufe tiefer, und er, der schlaksige, unsichere Icherzähler aus “Vakuum”, dem fantastischen Comicdebüt von Lukas Jüliger.</p>
<div>
<p>Es ist der zarte Beginn einer Liebe am Ende einer Jugend. „Bald kamen die Ferien. Dann kamen die Prüfungen. Und dann waren wir hier fertig.“ Dann endet die Schulzeit und damit auch das Teenagerleben in der Kleinstadt, mit der Mutter im Einfamilienhaus und Sho, dem einen besten Freund. Ein Leben, in der Rumhängen und Zeit totschlagen wie bei so vielen Jugendlichen zu den wichtigsten Beschäftigungen gehören. „Ich bin der langweiligste Mensch der Welt!“, klagt die namenlose Hauptfigur ihrer Mutter. „Was erzähle ich ihr, was ich so mache? Rumliegen? Ich habe keine Hobbys.“</p>
</div>
<p>Doch das lange Warten der Adoleszenz, das Warten darauf, dass das Leben losgeht, dass endlich etwas passiert, wird jäh und heftig unterbrochen. „Wenn du dich irgendwann mal getraut hättest, mich anzusprechen – was hättest du gesagt?“, fragt also auf einmal dieses Mädchen mit den Mandelaugen, den schwarzerkaterfarbenen Haaren und dem Kleid über dem schlanken Körper. Am Abend treffen sie sich bei ihr, schauen auf dem Bett die DVD, neben ihnen die Staffelei des Mädchens und ein altes Puppentheater. Und dann – muss sie gehen, mitten in der Nacht. Wohin verrät sie nicht.</p>
<h6>Die falschen Drogen genommen</h6>
<p>Jetzt passiert etwas, jetzt passiert sogar sehr viel. Zu den Gedanken an den Duft des rätselhaften Mädchens und zu Ben Fimmings plötzlichen Tod kommt der sich zunehmend krasser äußernde Wahnsinn von Sho, der einige Monate zuvor die falschen Drogen genommen hatte. Es wird Sommer, es wird heiß, es stimmt irgendetwas nicht, und trotzdem machen alle immer weiter, wie in einem bedrängenden Traum, aus dem man nicht erwachen kann.</p>
<p>Das Mädchen – „Ihr Name klang nach Sommer“ – ist schon bald wieder da. Wieder taucht sie plötzlich auf, und wieder muss sie plötzlich weg. &#8220;Mädchenkram&#8221;, erklärt sie danach. „Es fühlte sich an, als hätte ich das Ende eines Films verpasst“, denkt der Erzähler. Doch irgendwann folgt er ihr heimlich und spätestens an dieser Stelle schlägt die trotz aller Absonderlichkeiten realistische Erzählung von <em>Vakuum</em> ins Übernatürliche um. Was aber kein Bruch ist, sondern nur eine logische Verdichtung der surrealen Atmosphäre.</p>
<p>Zwei Jahre hat Lukas Jüliger, 1988 geboren, an <em>Vakuum</em> gearbeitet, und dafür sein Studium an der HAW Hamburg unterbrochen, der Schule, aus der schon Arne Bellstorf, Sascha Hommer, <a title="Die Farbe des Pols" href="http://michaelbrake.de/2012/06/01/die-farbe-des-pols/" target="_blank">Simon Schwartz</a> und weitere wichtige Protagonisten der deutschen Indiecomic-Szene hervorgingen. Es hat sich gelohnt. Mit allen Mitteln schafft Jüliger eine dichte, aber auch zerbrechliche Stimmung. Sein Stil ist souverän, ein fließender und dennoch klarer Strich mit vielen Schraffuren, koloriert in stark entsättigten Tönen, blau, hellgrün, ocker, beige, hellbraun, alles fast grau.</p>
<h6>Raum für Seitenblicke</h6>
<p>Dazu kommen die Details, die kleinen skurrilen Gegenstände im Hintergrund, der Raum für Blicke nach links und rechts. Die Protagonisten sind sich trotz der ungewöhnlichen Story glaubhaft, weil Jüliger sie ernst nimmt – allein die Mutter des Hauptcharakters dürfte zu den normalsten und vernünftigsten Elternfiguren zählen, die man in Jugendgeschichten finden kann.</p>
<p>Auch die Dialoge sitzen. „Glaubst du, er hat sie betrachtet?“, fragt das Mädchen etwa, sie meint den Vater der vergewaltigten Schulschönheit, der seine Tochter, gefesselt und mit verbundenen Augen, im eigenen Haus gefunden hatte. „Stand er einfach eine Weile da und hat angesehen, wie so vor ihm lag? Seine perfekte, schöne achtzehnjährige Tochter&#8230;“ &#8211; „Sie hätte ihn irgendwann gerochen. Aftershave.“ &#8211; „Wow! Ich bin beeindruckt.“ &#8211; „Was? Wovon?“ &#8211; „Von deinem Weltwissen. Männer riechen nach Aftershave und Frauen nach Blumen.“</p>
<p>Coming-of-Age-Geschichten wird es immer geben. Aber selten hat eine so deutlich gezeigt, was in diesem Genre noch alles möglich ist wie diese düsterzarte Außenseiterliebesgeschichte.</p>
<p><strong>Lukas Jüliger: Vakuum; Reprodukt, Berlin 2013; 112 S., 20 €</strong></p>
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		<title>Die Software, die Verrückte macht</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Feb 2013 19:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Als Freiberufler kommt man an ELSTER, der elektronischen Steuererklärung, nicht vorbei. Wenn man mit ihr fertig ist, möchte man ein paar Finanzämter anzünden. (aus der taz vom 1. Februar) Anders als fast alle Menschen mache ich Steuererklärungen eigentlich ganz gerne: Honorare und Auslagen in Excel-Tabellen sammeln, übertragen und zusammenzählen ist wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Als Freiberufler kommt man an ELSTER, der elektronischen Steuererklärung, nicht vorbei. Wenn man mit ihr fertig ist, möchte man ein paar Finanzämter anzünden.<span id="more-1238"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!110153/" target="_blank">taz</a> vom 1. Februar)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/elsterheader.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1242" alt="elsterheader" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/elsterheader.jpg" width="620" height="116" /></a></p>
<p>Anders als fast alle Menschen mache ich Steuererklärungen eigentlich ganz gerne: Honorare und Auslagen in Excel-Tabellen sammeln, übertragen und zusammenzählen ist wie Zen. Und Formulare, die klar vorgeben, an welche Stelle man welche Ziffer schreiben soll, sind eine angenehme Kontrastbeschäftigung zu leeren Word-Dokumenten, in denen man an jeder Stelle jedes Zeichen schreiben darf. Wo also ist das Problem?</p>
<p>Das Problem heißt <a href="http://www.elsteronline.de/eportal/" target="_blank" shape="rect">ELSTER Online</a>, die – knickknack, Akronym! – ELektronische STeuerERklärung. Ein Zeichen der deutschen Finanzämter, im Online-Zeitalter angekommen zu sein, ein Angebot… nein, eben gerade KEIN Angebot. Jedenfalls nicht, wenn man als Freiberufler Umsatzsteuervoranmeldungen und -erklärungen machen muss. Die gehen nämlich nur noch mit Elster. Auf Papier ist es verboten. Verboten! Und Elster ist die Hölle, die digitale Version vom „Haus, das Verrückte macht“, aus „Asterix erobert Rom“, speziell wenn man einen Mac nutzt (was unter Freiberuflern gar nicht so selten vorkommt, wie man hört).</p>
<p>Schon die Registrierung besteht aufgrund der absurden Sicherheitsmaßstäbe von Elster aus einem mehrteiligen Verfahren, das einen 20-stelligen Aktivierungscode und einen Brief und eine weitere PIN beinhaltet – Holm Friebe hat diesen Wahnsinn schon 2006 in der Berliner Zeitung <a href="http://www.berliner-zeitung.de/newsticker/die-aktivierung-des-basispakets-elster-online,10917074,10435212.html" target="_blank" shape="rect">dokumentiert</a>.</p>
<p>Danach muss man ein Zugangszertifikat im .pfx-Format auf dem Computer abspeichern, das man, wenn man sich ein Quartal später erneut anmelden will, natürlich nicht mehr wiederfindet. Außerdem kann man sich das selbstgewählte Passwort, wenn man es nicht mehr weiß, auch nicht zumailen lassen. Man muss dann das gesamte Registrierungsverfahren von vorn starten. Immerhin hat man unendlich viele Eingabeversuche.</p>
<p>Selbst wenn man alles parat hat, läuft Elster nie (in Worten: nie!) auf Anhieb. Denn es basiert auf Java, fordert grundsätzlich immer die alleraktuellsten Versionen von allem ein, das Konzept „Abwärtskompabilität“ ist nicht bekannt. Bei meinem letzten Versuch der Umsatzsteuerquartalsanmeldung fürs Q4 2012 – das war am 10. Januar, am gleichen Tag empfahl übrigens das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Internetnutzern, Java wegen schwerwiegender Sicherheitslücken zu deaktivieren – lief Elster in meinen drei Browsern nicht.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/eliaselster.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1241" alt="eliaselster" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/eliaselster.jpg" width="620" height="203" /></a></p>
<p>Man könnte in so einem Moment natürlich <a href="http://www.elster.de/nmIQ/avatar_faq.jsp" target="_blank" shape="rect">ELIAS</a> fragen, den – höhö, zwinkerzwinker – ELster-Informations-ASsistenten. Aber Elias ist ein dummer Roboter, der aussieht wie einer dieser MS-Office-Assistenten (erinnern Sie sich noch an <a href="http://www.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,1991915_1991909_1991755,00.html" target="_blank" shape="rect">Clippy</a>, die sprechende Büroklammer?) und genauso unnütz ist.</p>
<p>Und die Umsatzsteuerjahreserklärung kann ich mit Elster Online gar nicht erst machen. Dafür braucht man das dazugehörige Offline-Programm und das gibt es nicht für Macs. Für das Steuerjahr 2011 wurde mir nach circa zehn Telefonaten mit dem Finanzamt noch als Ausnahmegenehmigung eingeräumt, es doch auf Papier abzugeben. Für 2012 muss ich vermutlich <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lIiUR2gV0xk" target="_blank" shape="rect">Passierschein A38</a> vorlegen. Oder einen Windows-Rechner kaufen.</p>
<p>Das papierlose Büro galt jahrzehntelang als Utopie. Dank Elster wissen wir, dass es eine Diktatur sein wird.</p>
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		<title>Swergie!!!</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jan 2013 15:26:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über eine PR-Einladung auf eine Fashionweekparty. (aus der taz vom 21. Januar 2013) Ich wurde zu einer schwedischen Fashion-Week-Party im Radialsystem eingeladen, von einer PR-Agentur. Es muss ein Versehen sein, ein Adressendreher oder so, denn ich verstehe überhaupt nichts von Mode. Aber egal, F. und ich sind früh da, holen uns die ersten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>BERLINER SZENE über eine PR-Einladung auf eine Fashionweekparty.<strong> <span id="more-1201"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2013%2F01%2F21%2Fa0170&amp;cHash=7566b7fb55143283a9dabc95bc870d1a" target="_blank">taz</a> vom 21. Januar 2013)</strong></h3>
<h3><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/fashionweek_swergie.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1202" title="fashionweek_swergie" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/fashionweek_swergie.jpg" width="620" height="618" /></a><br />
</strong></h3>
<p>Ich wurde zu einer schwedischen Fashion-Week-Party im Radialsystem eingeladen, von einer PR-Agentur. Es muss ein Versehen sein, ein Adressendreher oder so, denn ich verstehe überhaupt nichts von Mode.</p>
<p>Aber egal, F. und ich sind früh da, holen uns die ersten Complimentary Drinks und informieren darüber eine gemeinsame Freundin via Facebookmobilchat. Sie ist auf Kur und bei ihr ist seit zwei Stunden Nachtruhe, außerdem hat sie gerade erfahren, dass der Mann einer Freundin mit einem Flugzeug in Mexiko verunglückt ist. Kann man denn heutzutage nicht mal mehr bedenkenlos in ein Sportflugzeug steigen?!? Der große Raum im Radialsystem füllt sich, wir kürzen über den Catwalk zu einer freien Stelle ab und dann singt schon das erste von mehreren Karin-Dreijer-Andersson-Soundalikes, über uns ein Mobilé aus Kronleuchtern.</p>
<p>Statt Kurschatten gibt es nur Kurpfuscher und die Anwendungen sind ein Witz, meldet der Facebookchat. Überall hängen Harlekine an den Wänden, und Paulo-Coelho-Sprüche. Selbst die Therapeutin spricht in Autoaufklebern! Bei uns tragen dafür sämtliche Männer Bärte und Beanies. Der Moscow Mule heißt Stockholm Mule und unser Drink, angeblich ein Cape Cod, schmeckt wie Solero-Eis. Wir verpassen die Modenschau, ich habe noch nie eine gesehen!, weil wir im einer orientalischen Shishaplüschlandschaft nachempfundenen Raucherbereich auf neue Drinks warten. Wer wusste alles, dass Absolut Vodka aus Schweden kommt?</p>
<p>Die Party war übrigens von Swergie. Swergie. Geile Sache. Ich weiß nicht genau, was Swergie ist oder macht, aber, hey: Swergie, love it! Oder was ich eigentlich sagen will: Liebe PR-Hasen, bitte ladet mich weiterhin zu allem ein, wo es Complimentary Drinks und bizarre Menschen gibt. Swergie! brake@taz.de. Swergie! Bitte. Danke. Swergie!!!</p>
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		<title>Er hat kein Ziel, aber er geht los</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jan 2013 01:55:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Comic „Der geheime Garten vom Nakano Broadway“ entdeckt ein Mann seine Heimatstadt Tokio neu. Dabei überzeugen nur die Zeichnungen. (aus der taz vom 15. Januar 2013) Das Serendipitätsprinzip – benannt nach einem persischen Märchen über die drei Prinzen von Serendip, einem alten Namen Sri Lankas – beschreibt die zufällige Entdeckung von etwas Schönem, nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Im Comic „Der geheime Garten vom Nakano Broadway“ entdeckt ein Mann seine Heimatstadt Tokio neu. Dabei überzeugen nur die Zeichnungen. <span id="more-1208"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Flaneur-Comic-aus-Japan/!108989/" target="_blank">taz</a> vom 15. Januar 2013)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1209" title="nakanocover" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/nakanocover.jpg" width="310" height="442" />Das Serendipitätsprinzip – benannt nach einem persischen Märchen über die drei Prinzen von Serendip, einem alten Namen Sri Lankas – beschreibt die zufällige Entdeckung von etwas Schönem, nach dem man gar nicht gesucht hat. Diese Kulturtechnik kann man zwar nicht gezielt anwenden, aber aktiv unterstützen, indem man sich treiben lässt. Das hyperverlinkte Internet ist ein guter Ort dafür, aber eigentlich eignet sich auch die Stadt, in der man lebt, hervorragend. Einfach losgehen – unterwegs wird man schon irgendwas entdecken.</p>
<p>Auf diese Weise ist auch „Der geheime Garten vom Nakano Broadway“ entstanden. Der heute 27-jährige Autor Masayuki Kusumi begab sich für seine acht Episoden auf mehrere Spaziergänge durch Tokio. Keine Vorab-Recherche, keine empfohlenen Routen, kein Zeitdruck waren dabei die Regeln. Seine Erlebnisse lässt er ein Alter Ego rekapitulieren: Jouji Uenohara, Mitte 30, Abteilungsleiter in einem Marktforschungsunternehmen, kinderlos, verheiratet.</p>
<p>Der Diebstahl des geliebten Fahrrades zwingt Uenohara zum ersten Spaziergang, danach lässt er sich immer bewusster auf seine Touren ein. Kleine Reisen in die kleinen Welten, die Tokios alte Viertel, Ladenzeilen und Nachbarschaften noch immer bilden. Und er findet dort tolle Dinge: in einem Laden kann er eine Replika der Edison-Glühbirne von 1879 kaufen, in einem anderen Geta-Sandalen mit Fahrradreifensohlen, er trifft Hunde und alte Schulfreunde, findet ein Buch aus seiner Schulzeit, das er endlich zu Ende liest.</p>
<h6>Endloser innerer Monolog</h6>
<p>Die Liebe für Abseitiges und Details, ein bewusster Verzicht auf eine Story. Eigentlich könnte alles stimmen in „Der geheime Garten vom Nakano Broadway“ – und dann stimmt leider gar nichts. Schuld daran ist der endlose innere Monolog von Jouji Uenohara, der unfassbar bieder und altklug ist.</p>
<p>In einer schablonenhaften Nostalgie bedauert er permanent, dass alles nicht mehr so ist wie früher („Mir gefällt es nicht, dass die Stadt immer weiter in den Himmel hineinwächst“), erfreut er sich ganz grauenvoll bewusst an den kleinen Dingen des Alltags („Eine Boutique und ein Trockenfischgeschäft Seite an Seite. Das hat Charme!“) oder ergibt sich einfach nur in Banalitäten („Lustig. Der Bus wirkt wie ein Spielzeug. Aber es fahren eine Menge Leute mit“).</p>
<p>Das ist natürlich schön für Uenohara und sicherlich eine Leistung für einen leitenden Angestellten, der jetzt so langsam entdeckt, dass das Leben mehr bietet als Arbeit („Ich sollte mich mehr um mich sorgen. ’Morgen früh raus‘, nicht sehr spannend.“) – aber für alle, die das schon länger wissen, eher egal und fremdschämbehaftet, so, wie wenn Teenager die einfachsten Dinge der Welt als exklusive Entdeckungen vorbringen.</p>
<h6>Den Text komplett ausblenden</h6>
<p>Deswegen funktioniert das Buch letztlich am besten, wenn man den Text komplett ausblendet und sich nur von den wirklich schönen Bildern Jiro Taniguchis leiten lässt. „Der geheime Garten vom Nakano Broadway“ ist bereits die achte Carlsen-Veröffentlichung des 1947 geborenen Zeichners, der mit „Vertraute Fremde“ unter anderem die Preise der Comicfestivals von Angoulême oder auch Erlangen gewann.</p>
<p>Taniguchis Zeichnungen sind unverkennbar japanisch, gleichwohl aber von frankobelgischen Traditionen beeinflusst. Sein unheimlich feiner Strich hält hochrealistisch Augenblicke in fotohafter Qualität fest, seine Bilder zeichnen sich durch Klarheit, Eleganz, Aufgeräumtheit und Detailversessenheit aus.</p>
<p>Dumm bloß, dass die langweiligen Gedanken Uenoharas in sehr großzügige Sprechblasen verteilt wurden – und so die meisten der Zeichnungen zukleistern. Und dumm auch, dass Carlsen eine fatale Fehlentscheidung bei der Produktion getroffen hat: Konzipiert wurde die Geschichte nämlich als Fortsetzungsfolgen für das großformatig erscheinende japanische Comicmagazin <em>Tsuhan Seikatsu</em>. Carlsen übernahm aber die auf dieser Grundlage angefertigte Taschenbuch-Version des Buches, um den Verkaufspreis geringer zu halten.</p>
<p>So aber ist der Detailreichtum in den Bildern Taniguchis nur mit einiger Anstrengung zu erfassen. Und da hilft es dann auch nicht mehr, dass Carlsen dem Band Produktionsnotizen Kusumis zu den einzelnen Routen angehängt hat, was man sich in dieser Ausführlichkeit viel häufiger wünschen würde. Anstelle von „Der geheime Garten vom Nakano Broadway“ ist lieber ein langer Spaziergang zu empfehlen. Aber ohne Stadtplan!</p>
<p><strong>Jiro Taniguchi, Masayuki Kusumi: „Der geheime Garten vom Nakano Broadway“. Aus dem Japanischen von Sachiko und Achim Stegmüller. Carlsen, Hamburg 2012, 104 Seiten, 12 Euro</strong></p>
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		<title>Bedrückende Collagen vom Krieg</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Jan 2013 02:14:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Grandios illustriert, etwas platt beschrieben: Der Journalist David Schraven und Zeichner Vincent Burmeister haben eine Comicreportage über Afghanistan geschaffen. (veröffentlicht auf zeit.de) Man kann das Vorhaben zunächst nur gutheißen: Da tun sich ein Journalist (David Schraven) und ein Comiczeichner (Vincent Burmeister) zusammen und arbeiten ein aktuelles Nachrichtenthema auf, in Form einer grafischen Reportage. Das alles so packend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Grandios illustriert, etwas platt beschrieben: Der Journalist David Schraven und Zeichner Vincent Burmeister haben eine Comicreportage über Afghanistan geschaffen. <span id="more-1225"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2013-01/david-schraven-kriegszeiten/komplettansicht" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kriegszeiten.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1227" alt="kriegszeiten" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kriegszeiten.jpg" width="620" height="307" /></a></p>
<p>Man kann das Vorhaben zunächst nur gutheißen: Da tun sich ein Journalist (David Schraven) und ein Comiczeichner (Vincent Burmeister) zusammen und arbeiten ein aktuelles Nachrichtenthema auf, in Form einer grafischen Reportage. Das alles so packend und klar geschrieben wie gezeichnet, dass auch nicht explizit politische Menschen einen Zugang finden und bis zum Ende dranbleiben können. Und dann ist es auch noch kritisch. So sieht doch mal politische Aufklärung aus.</p>
<p>Das aktuelle Thema ist der Krieg, den Deutschland seit mehr als zehn Jahren in Afghanistan führt<a href="http://www.zeit.de/schlagworte/orte/afghanistan/index" target="_blank"> </a>und der längst verloren ist. Ganz genau: Krieg. Nicht Einsatz oder Mission. Genau das ist eine der beiden Hauptanklagen von <em>Kriegszeiten</em>: Wie die deutsche Öffentlichkeit von den verschiedenen Bundesregierungen systematisch mit einer verdrucksten Rhetorik von „Friedensmissionen“ und „Entwicklungshilfe in Uniform“ geblendet wird – und so die Transformation der Bundeswehr zu einer Armee, die auch nach Afghanistan weitere Kriege in der Welt führen wird, ganz nebenbei und ohne laute öffentliche Debatte abläuft.</p>
<p>Der zweite Anklagepunkt: Die internationale Einsatzleitung hat keine Strategie, keine Vorstellung davon, wie sie dieses komplexe Land Afghanistan, mit seinen Stämmen, seiner konfliktreichen Vergangenheit, seiner Geografie befrieden kann. Stattdessen wurschtelt man sich von Operation zu Operation, lässt sich mit Verbrechern ein und erkauft sich die Sympathie der Bevölkerung durch millionenschwere Infrastruktur- und Polizeiausbildungsprogramme. „Diese Männer haben die Russen besiegt – wir erklären ihnen Straßensperren“, sagt einer der deutschen Soldaten. Doch Afghanen könne man nicht kaufen, sagt eine alte Weisheit, sondern nur mieten.</p>
<h6>Truppenbesuche und Interviews</h6>
<p>Nach Arne Jyschs fiktiver Geschichte <em>Wave and Smile</em> ist <em>Kriegszeiten</em> bereits die zweite von Carlsen verlegte Comic-Auseinandersetzung mit dem Afghanistankrieg innerhalb eines halben Jahres. Dem Buch liegen umfangreiche Recherchen zugrunde, David Schraven las tausende Aktenseiten, besuchte die deutschen Truppen vor Ort, führte Interviews mit Soldaten. Die erzählen von Lagerkoller und vom Brunnenbauen („Bis zu fünfzig Deutsche sichern vier Albaner“), aber auch von Anschlägen auf Panzerfahrzeuge und der „Operation Halmazag“, einer tagelangen, sorgsam vorbereiteten Schlacht der internationalen Truppen gegen die Taliban.</p>
<p>Diese Gesprächsprotokolle bilden das Gerüst von <em>Kriegszeiten</em>, das mit den Anschlägen des 11. September 2001 einsetzt, dem offiziellen Auslöser für den Afghanistankrieg, und sich dann, mit zum Teil größeren Sprüngen, bis ins Jahr 2010 vorarbeitet. Ergänzt werden die exemplarischen Schilderungen von Hintergründen, Analysen und ein paar direkten Anmerkungen von David Schraven, der auch mehrfach selbst in Vincent Burmeisters Zeichnungen auftaucht. Die sind grandios: einerseits realistisch, andererseits haben sie durch ihre starken Schwarz-Weiß-Kontraste und die markante Farbgebung in flächigen Ocker-, Orange- und Erdtönen eine unheimlich hohe Ausdruckskraft. Abstrakte Zusammenhänge und Hintergründe werden in atemberaubenden Collagen visualisiert.</p>
<p>Der 42-jährige Autor David Schraven schrieb in den vergangenen zwanzig Jahren unter anderem für die <em>taz</em>, die <em>Süddeutsche</em> - und die <em>Neue Zürcher Zeitung</em>. Er gründete 1996 das &#8220;Nachrichtenbüro Zentralasien/Kirgisien&#8221;, war Wirtschaftsreporter der Welt und gewann den Wächterpreis, heute leitet er das Rechercheressort der WAZ-Gruppe. Schraven ist das, was man einen kritischen Journalisten nennt. Einer der aufdeckt, der mahnt.</p>
<h6>Effektvolle Anklagen</h6>
<p>Das tut er auch in <em>Kriegszeiten</em>. Sicherlich berechtigt, doch sind manche der Anklagen und Fragen in bester Michael-Moore-Rhetorik eher effektvoll als zielführend. „Irgendwen macht den Krieg sehr reich. Aber macht das Afghanistan sicher?“ ist so eine Stelle. Oder auch: „Tatsächlich wurde der Afghanistaneinsatz zum Thema der deutschen Innenpolitik. Gleichrangig mit der Schließung von Zechen oder der Erhöhung von Hartz IV um fünf Euro. Es geht um Wahlen… dabei starben in Afghanistan deutsche Soldaten.“</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/2013/01/11/bedruckende-collagen-vom-krieg/kriegszeitencover/" rel="attachment wp-att-1226"><img class="size-full wp-image-1226 alignleft" alt="kriegszeitencover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kriegszeitencover.jpg" width="200" height="282" /></a>Das bleibt so stehen. Nun darf und soll man natürlich auch kritische Fragen stellen, ohne die Antworten zu wissen. Außerdem kann man auf 128 Comicseiten sicherlich nicht den gesamten Afghanistankonflikt analysieren. Aber trotzdem wirken die Auswahl und das Arrangement der Fakten, Szenen und Aussagen mitunter ziemlich plakativ und so ist zumindest eine Front klar in diesem unübersichtlichen Krieg: Auf der einen Seite stehen geltungssüchtige, inkompetente Politiker, die ohne Sensibilität für die Umstände vor Ort eine fatale Außen- und Verteidigungspolitik betreiben. Und auf der anderen Seiten stehen, als Opfer dieser Planlosigkeit, die deutschen Truppen an der Front, von denen sich Schraven bewusst kaum distanziert.</p>
<p>Im Nachwort schreibt er: „Es gibt viele tausend tapfere Soldaten, die den Mut haben, den Auftrag des deutschen Parlamentes in Zentralasien, fern der Heimat, zu erfüllen. Sie kämpfen für uns.“</p>
<p><strong>David Schraven, Vincent Burmeister: Kriegszeiten; Carlsen, Hamburg 2012; 128 S., 16,90 €</strong></p>
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		<title>Der heilige Sankt Mega Man</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jan 2013 19:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens.(aus der taz vom 4. Januar) Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem Soundtrack ihrer Jugend, der einzig wahren Musik – hängen geblieben sind. Die ihr Haupthaar auch bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens.<span id="more-1239"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!108401/">taz</a> vom 4. Januar)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1097" alt="megaman mit smiley" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg" width="620" height="388" /></a></p>
<p>Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem Soundtrack ihrer Jugend, der einzig wahren Musik – hängen geblieben sind. Die ihr Haupthaar auch bei Zweidrittelglatze noch rebellisch lang tragen, mit ihrer Lederjacke verwachsen sind und nicht die geistige Beweglichkeit besitzen, sich elektronische Musik auch nur probeweise anzuhören.</p>
<p>Dabei bin ich genauso. Bloß, dass meine Helden nicht Bob Dylan und Jim Morrison heißen, sondern Super Mario, Mega Man und Guybrush Threepwood. Sozialisiert als Nintendo-Fanboy in der ersten Hälfte der 90er Jahre und längst mit meinem Kapuzenpullover und den Skate-Sneakers verwachsen (dabei kann ich gar nicht skaten), bleiben für mich die einzig wahren Videospiele die aus der 8-Bit-Ära, in denen man noch jeden Pixel einzeln erkennen kann.</p>
<p>Denn je fotorealistischer Grafik werden wollte, desto egaler wurde sie auch. Beziehungsweise sie wurde erst mal vor allem schlechter, weil eine miese Simulation der Wirklichkeit viel weniger hermacht als die offensichtliche Abstraktion der 8-Bit-Ästhetik.</p>
<p>Inzwischen sehen Computerspiele zwar aus wie Filme – und Filme wie Computerspiele –, was sehr well-made ist, aber halt auch überhaupt nicht spezifisch. Erst die geringe Bildpunkteauflösung zwang die 8-Bit-Characterdesigner ja zu einem eigenen Ausdruck, zur erhöhten Ikonografie. Nicht von ungefähr sind die bis heute bekanntesten Computerspielfiguren die aus den 70ern und 80ern.</p>
<div>
<p>Damit bin ich nicht allein: Das ganze Internet ist voll mit Fan-Art und Ver-8-Bittungen von altem und neuem Popkulturgut. Dazu kann man <a href="http://www.thinkgeek.com/product/9352/" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Krawatten</a>, <a href="http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20080123221520" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Uhren</a>, <a href="http://gizmodo.com/269301/stolen-pixel-jewelry-proves-valkryrie-needs-bling-more-than-food?tag=gadgetspixelization" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Halsketten</a> und <a href="http://www.tallgrassbeer.com/8bit.html" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Bier</a> kaufen, Space Invaders werben auf Aufklebern gegen <a href="http://riesenmaschine.de/index2.html?nr=20060130122143" target="_blank" shape="rect">Antisemitismus</a>, und sogar Google Maps wurde für einen Tag komplett auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=rznYifPHxDg" target="_blank" shape="rect">Pixeloptik</a>umgestellt. Na gut, es war der 1. April. Aber trotzdem.</p>
<p>Und dann war ich vor ein paar Wochen bei Ikea. Eigentlich brauchte ich bloß so ein Abwaschabtropfdings (MAGASIN). Aber in der Spielwarenabteilung blieb ich an PYSSLA hängen. Eine große Plastikbox, gefüllt mit Tausenden Bügelperlen. Genau: Das sind kleine bunte Plastikzylinder mit einem Loch, mit denen man auf der Matrix eines Steckbretts Muster zusammenpuzzeln kann. Überbügelt man das fertige Bild – mit Backpapier dazwischen, wichtig! – verklebt die eine Seite der Zylinder und man kann sie vorsichtig von der Steckplatte lösen.</p>
<p>Nun habe ich weder Kinder noch einen gesteigerten Bedarf an Saftglasuntersetzern oder Namensschildern an meiner Tür. Und eigentlich auch ausreichend Hobbys, ja sogar Freunde. Aber diese Perlen und die Matrix … auf einmal ergab alles einen Sinn. Ich setzt mich noch am gleichen Abend in die Küche, schloss meine neuen Lampen (LEDBERG) an und puzzelte einen Mega Man. Er sah toll aus! Na ja, ich musste ihn etwas stauchen und statt hellblau war er lila, denn ich hatte nur 29 mal 29 Pixel Arbeitsfläche und eine unzureichende Farbpalette. Aber er lebte! In meiner Küche!</p>
<p>Am nächsten Tag kaufte ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Bügeleisen.</p>
</div>
<p><em>Aufmerksame Leser erkennen, dass ich diesen Anfang in <a href="http://www.taz.de/!83923/" target="_blank">diesem Text hier</a> schonmal verwendet hatte. Der verlinkte Text erschien nur online, die Kolumne hier sollte nur in der Printausgabe erscheinen. Aber durch einen Absprachefehler war sie dann doch online und, naja, Remixkultur, egal.</em></p>
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		<title>Krieg und Spiele</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Dec 2012 18:43:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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		<description><![CDATA[Das alternative Computermagazin „WASD“ will den Games-Journalismus à la Warentest beenden und Geschichten erzählen. Luft nach oben ist da noch. (aus der taz vom 18. Dezember 2012) „Oft liest sich deutscher Gamesjournalismus noch so, als würden dort Staubsaugerroboter getestet“, sagt Christian Schiffer. Und bringt damit eine zuletzt häufig geäußerte Kritik auf den Punkt. Während Computerspiele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das alternative Computermagazin „WASD“ will den Games-Journalismus à la Warentest beenden und Geschichten erzählen. Luft nach oben ist da noch. <span id="more-1261"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Computermagazin-WASD-/!107594/" target="_blank">taz</a> vom 18. Dezember 2012)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/wasd_cover.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1262" alt="wasd_cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/wasd_cover.jpg" width="620" height="229" /></a></p>
<p>„Oft liest sich deutscher Gamesjournalismus noch so, als würden dort Staubsaugerroboter getestet“, sagt Christian Schiffer. Und bringt damit eine zuletzt häufig geäußerte Kritik auf den Punkt.</p>
<p>Während Computerspiele in Sachen Umsatz und Verbreitung seit Jahren andere Branchenzweige der Unterhaltungsindustrie einkassieren, verläuft ihre Emanzipation zum Kultur- und Feuilletongut schleppend. Nicht zuletzt, weil der Mainstream-Spielejournalismus bis heute sehr technisch und deskriptiv geblieben ist und die Frage vernachlässigt, was die Spiele eigentlich über uns aussagen – und was sie mit uns machen.</p>
<p>Also hat Christian Schiffer etwas dagegen getan. Im Sommer erschien die erste Ausgabe der <em><a href="http://wasd-magazin.de/" target="_blank">WASD</a>,</em> die der freie Radiojournalist („Zündfunk“) in seiner Freizeit produziert hat, mithilfe von vielen freien Autoren. Seit Donnerstag liegt das zweite Heft vor.</p>
<p>Die <em>WASD</em> will anders sein: „ohne Prozentwertungen, ohne Tabellen, ohne Stiftung-Warentest-Attitüde und Spielspaßgraphen“, heißt es in der Selbstbeschreibung. Im Taschenbuch-Format, auf edlem Munken-Papier gedruckt, mit einer aufgeräumten grafischen Anmutung und einem Preis von 14,50 Euro ist sie eher Buch als Magazin. „Bookzine“ nennt Schiffer das.</p>
<h6>Keine Stiftung Spieletest</h6>
<p>Die zweite Ausgabe hat „Select System – Games und Politik“ als Schwerpunkt: Es geht um die Kooperationen von Spieleindustrie und Militär. Es geht um die Frage, ob man in Politsimulationen überhaupt moralisch handeln kann – etwa anhand des Spiels „Hidden Agenda“ von 1988, in dem man den Machthaber eines kleinen Staates spielt und infolge von massiver US-Gegenpropaganda bald verwerfliche Entscheidungen treffen muss, wenn man sich an der Macht halten will.</p>
<p>Es geht um den Shitstorm gegen die Bloggerin Anita Sarkeesian, die Sexismus in der Gamerszene thematisiert hatte, und es gibt ein Interview mit den Machern der GaymerCom, einer schwulen Spielemesse. Dazu kommen – das dann schon – einige Spielevorstellungen und im hinteren Teil eine „Spielwiese“ mit allgemeinen Texten.</p>
<p>Den eigenen Anspruch, auch ein Magazin für Nicht-Gamer zu sein, erfüllt die <em>WASD</em> bei alldem allerdings nur bedingt. Schon der Titel ist ein Code, er steht für die typische Buchstabenkombination von Computerspielen mit Tastatursteuerung. Und auch sonst versuchen die Autoren nicht großartig, den Einsteigerleser mitzunehmen. Die Texte sind meist essayistisch, oft mit persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen an erste Spielerfahrungen, immer um kluge Gedanken bemüht (mal gelingt das, mal wirkt es aufgesetzt) und sich in ihrer Form recht ähnlich.</p>
<p>Was auch der wesentlichste Kritikpunkt an <em>WASD</em> ist: In Sachen Komposition und Rhythmus ist noch viel Luft nach oben. Viele ähnliche Texte folgen ohne erkennbares Muster aufeinander, es kommt mehrfach zu Themenüberschneidungen.</p>
<h6>Zwei Level geschafft</h6>
<p>Ein längerer Leitartikel, Kolumnen oder andere kleinteilige Elemente würden dem Heft guttun, dafür könnte man sich die ausgedachten Interviews mit Barack Obama und Bowser, einer Figur aus den „Super Mario“-Spielen, gerne sparen. Wenngleich die aktuelle Ausgabe eine deutliche Steigerung zur noch bestellbaren ersten darstellt. Dort ging es unter dem Motto „Tasty Trash“ um besonders schlechte Computerspiele, die ja eigentlich doch nicht schlecht sind – was eine lustige Idee für einen Text ist, aber eben nicht für ein Dutzend.</p>
<p>1.200 Exemplare des ersten Heftes wurden bisher verkauft, bei 3.000 liegt die Auflage der zweiten Ausgabe, für die erstmals Autorenhonorare gezahlt wurden. Das Risiko der Produktionskosten trägt Schiffer dennoch allein, der Vertrieb läuft händisch, per Onlinebestellung und Postversand.</p>
<p>Werbung gibt es nicht. „Der Spielejournalismus der Zukunft testet nicht, sondern erzählt Geschichten über die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und popkulturellen Zusammenhänge der Gameskultur“, so Schiffer. Zwei Level hat er schon geschafft.</p>
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		<title>Ich und meine Googlegänger</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/12/07/ich-und-meine-googleganger/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2012 02:17:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Nullen und Einsen]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wenn man Michael Brake heißt, ist man nicht allein im Netz. Aber was sind das eigentlich für Leute, mit denen man sich den Namen und die Googletreffer teilt? (aus der taz vom 7. Dezember 2012) Ich habe es geschafft. Ich bin die Nummer 1. Und die Nummer 2, 3, 6, 7, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wenn man Michael Brake heißt, ist man nicht allein im Netz. Aber was sind das eigentlich für Leute, mit denen man sich den Namen und die Googletreffer teilt?<span id="more-1214"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!107068/" target="_blank">taz</a> vom 7. Dezember 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1217" title="michaelbrakegooglebildersuche" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/michaelbrakegooglebildersuche.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Ich habe es geschafft. Ich bin die Nummer 1. Und die Nummer 2, 3, 6, 7, 8, 9 und 10 noch dazu. Die Disziplin: <a href="https://www.google.com/search?q=michael+brake" target="_blank">Egogoogeln</a>. Meine Konkurrenz: Groß, denn Michael Brakes gibt es dank meines Langweiler-Vornamens (von 1950 bis 1980 in der Top Ten der beliebtesten deutschen Jungsnamen) einen Batzen, und auf Englisch funktioniert mein Name ja auch (wie mir auch neue Bekanntschaften gern erklären: „Haha, du heißt ja Meikel Bräyk, wie lustig“ – danke, war mir nie aufgefallen).</p>
<p>Egogoogeln hat einen schlechten Ruf, wegen Eitelkeit und so. Aber als freier Journalist darf ich das, immerhin stellt mein Name ein gewisses Kapital dar und da will man ja sehen, wo man steht. Um das auszuprobieren, habe ich die Filter Bubble meines persönlichen Browserseitenverlaufs verlassen und bin in ein Internetcafé gegangen. Und, tada: acht Plätze in den Top Ten, tatsächlich michaelbrake.de auf der 1, dahinter mehrere Übersichts- und Profilseiten aus dem Medienbereich, außerdem ein taz-Artikel, von dem ich nicht weiß, warum genau er es geschafft hat. Es geht um <a href="http://www.taz.de/!82905/" target="_blank">die Auslosungstöpfe der Fußball-EM</a>.</p>
<p>Das aber war nicht immer so. Bis vor kurzem hatte ich einen hartnäckigen Konkurrenten: <a href="http://urologie-brake-offenburg.de/" shape="rect" target="_blank">Dr. Michael Brake</a>, Inhaber einer urologischen Praxis in Offenburg und Oberkirch, hielt dank hoch gerankter Branchenbucheinträge mehrere Top-Ten-Plätze. Jetzt steht er nur noch auf der 4 und der 17. Auch Dr. Frank-Michael Brake aus Hagen ist auf Platz 16 und 20 zurückgefallen.</p>
<p>Googlegänger – eine Verwortspielung des englischen Germanismus Doppelgänger – heißen solche Leute. Neben den Ärzten sind das bei mir die beiden prominentesten Michael Brakes: ein Filmkomponist, der in der Internet Movie Database <a href="http://www.imdb.de/name/nm1827861/" shape="rect" target="_blank">über 80 Einträge</a> bei Musikschnitt hat, unter anderem für „How I met your mother“. Und ein Soziologe, der 1985 das Buch <a href="http://www.amazon.com/Comparative-Youth-Culture-ebook/dp/B000FBFJJQ" shape="rect" target="_blank">„Comparative Youth Culture“</a> geschrieben hat.</p>
<p>Diverse andere Googlegänger habe ich dank der absurden Präsenz meiner eigenen Webseite (ich habe offenbar einen grünen SEO-Daumen, it’s magic) komplett aus den Trefferlisten verdrängt: den <a href="http://www.scp07-ah.de/cms/news.php?show=3-2009" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der bis Mitte 2010 in der Ü50-Fußballmannschaft des SC Paderborn spielte („Den Ausgleich vergab Michael Brake nach tollem Solo und Zuspiel von Ben Schlootköter freistehend aus 8 Metern“). Den <a href="http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-schmeisst-die-Strassenhaendler-raus" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der laut einem Bericht in der <em>Neuen Presse</em> Ende 2011 seine Straßenhändler-Lizenz für Hannovers Fußgängerzone verloren hat. Auch den <a href="http://my.opera.com/elevationsresortscam/blog/michael-brake-the-manager-and-salesperson-2" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der mit seiner Scheinfirma Five Star Global Management in einen millionenschweren Vorschussbetrug rund um ein fiktives Ferienressort verwickelt war („Michael Brake is another one of Andre Muran’s con men that were used to steal peoples hard earned money.“). Den <a href="http://www.theaucklander.co.nz/news/shore-rowers-win-juniors-gold-eye-rio/1532605/" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der als neuseeländische Ruderhoffnung zu den Olympischen Spielen 2016 will. Den <a href="http://www.cbc.ca/news/story/1999/11/15/nf_brake991115.html" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der 1999 wegen des Totschlags an seinem eigenen Sohn zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde („Brake killed the baby when he hit him in the head with his hand.“).Und den Michael Brake, von dessen Tischfußballniederlage mit Jens Schulz es ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=x6Zo-ETS3wk" shape="rect" target="_blank">YouTube-Video</a> … ach nein, das bin ja auch ich.</p>
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		<title>„Die Bibel ist so einseitig“</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Nov 2012 19:43:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Comiczeichner Tom Gauld hat die Geschichte von David und Goliath aus Sicht des Riesen erzählt. Ein Interview über Außenseiter, Humor und Roboter.(aus der taz vom 19. November 2012, PDF) taz: Herr Gauld, wenn Zeitreisen möglich wären – wohin würden Sie reisen? Tom Gauld: Wenn es nur zu Besuch wäre, würde ich nach London zur Zeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Comiczeichner Tom Gauld hat die Geschichte von David und Goliath aus Sicht des Riesen erzählt. Ein Interview über Außenseiter, Humor und Roboter.<span id="more-1139"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Der-Comiczeichner-Tom-Gauld/!105744/" target="_blank">taz</a> vom 19. November 2012, <a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/S13-taz2-19112012.pdf">PDF</a>)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1146" title="tomgauld_goliath" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_goliath.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p><strong>taz: Herr Gauld, wenn Zeitreisen möglich wären – wohin würden Sie reisen?</strong></p>
<p><strong>Tom Gauld:</strong> Wenn es nur zu Besuch wäre, würde ich nach London zur Zeit von Heinrich VIII. reisen. Oder würde ich mir die Dinosaurier anschauen? Hmmm.</p>
<p><strong>Sagen wir, Sie haben drei Reisen frei.</strong></p>
<p>Dann will auch ein paar Dinosaurier und Steinzeitmenschen sehen. Obwohl, ich habe die Zukunft vergessen. Okay: Ich nehme Dinosaurier, Henry VIII. und die Zukunft. Das wird hart genug.</p>
<p><strong>Auch in Ihren Comics und Illustrationen reisen Sie in andere Welten, normalerweise treten hier vier Figurensorten auf: Fabelwesen, Roboter, Menschen aus der Zukunft und Menschen aus vergangenen Zeiten. Warum ist die Welt von heute kein Thema für Sie?</strong></p>
<p>Ich mag es einfach, mit meinen Comics eine ganz neue Welt zu schaffen, die in sich schlüssig ist. Sodass man hingehen und sie besuchen kann. Deswegen finde ich das Hier und Jetzt nicht so spannend.</p>
<p><strong>Was Sie von vielen anderen Independent-Comiczeichern unterscheidet, für die es im Moment kaum ein anderes Thema zu geben scheint als ihren Alltag und ihre direkte Umgebung.</strong></p>
<p>Alltägliche Geschichten, die in einer alltäglichen Welt passieren, interessieren mich nicht so. Und genauso wenig Märchengeschichten, die in einer Märchenwelt spielen. Aber ich mag die Verbindung von fantastischen Welten, Robotern, dem ganzen Zeug mit normalen Dingen. Bei mir sind die Dinge, die passieren, ja beinahe banal.</p>
<p><strong><img class="alignright size-full wp-image-1143" title="tomgauld_monster" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_monster.jpg" alt="" width="310" height="438" />Das trifft auch auf Ihr erstes längeres Comic „Goliath“ zu, das die biblische Geschichte von Goliath und David neu erzählt – aus der Sicht des Riesen. Die meisten der 96 Seiten verbringt dieser mit Warten. Wie kamen Sie auf diese Idee?</strong></p>
<p>Es ist schon schwer genug, Ideen zu haben, und da ist es nett, eine kleine Starthilfe zu bekommen, indem man auf Vorhandenes aufbaut – deshalb war recht klar, dass ich eine bestehende Geschichte aus einem anderen Blickwinkel nacherzählen würde. Außerdem nutze ich gern visuell leicht voneinander zu unterscheidende Figuren. In diesem Fall dachte ich an einen großen und einen kleinen Charakter und kam so auf die Geschichte von David und Goliath. Und da war mir schon beim Lesen klar, dass ich eine Graphic Novel daraus machen würde.</p>
<p><strong>Warum?</strong></p>
<p>Die Bibelgeschichte ist so einseitig! Goliath ist nicht einmal ein richtiger Charakter, er ist nur eine Serie von Maßangaben. Sie erzählen, wie groß er ist, wie lang sein Speer ist, wie viel das Ende des Speers wiegt und woraus seine Rüstung gemacht ist – aber sonst ist er total leer. Was gut für mich war, denn auf diese Art konnte ich ihn und seine Sicht beschreiben, ohne dem Original zu widersprechen. Er musste nur groß und all die anderen Sachen sein.</p>
<p><strong>Sie füllen die Leerstellen, indem Sie aus Goliath einen sehr zurückgenommenen, introvertierten Charakter machen. Er hat bei der Armee der Philister einen eigentlich unspektakulären Job als Schreiber und wird erst durch seinen karrierewütigen Hauptmann zum vermeintlich unbesiegbaren Kämpfer aufgebaut. Eine eher traurige Gestalt.</strong></p>
<p>Zunächst denkt bei der Geschichte von David gegen Goliath jeder an den Kampf eines kleinen Jungen gegen einen Riesen. Doch wenn man genauer hinschaut, kämpfen eigentlich ein kleiner Junge und der allmächtige Schöpfer des Universums gemeinsam gegen einen Riesen, und dann realisiert man, wer hier eigentlich der Underdog ist. „Goliath“ ist eine Tragödie, denn in dem Moment, wo die Geschichte beginnt, weiß man, dass er verlieren wird.</p>
<p><strong>Comiczeichner scheinen generell ein Herz für Außenseiter zu haben. Woran liegt das?</strong></p>
<p>Ich glaube, letztlich geht es in der Kunst immer um den Underdog. Eine Geschichte über einen Helden, der heldenhafte Dinge macht und am Ende gewinnt, ist nicht so spannend. Und Comiczeichner? Nun, wir sind nicht alle antisoziale Robert Crumbs, die sich verstecken und den ganzen Tag masturbieren. Aber: um ein Comic zu machen, muss man viel Zeit allein verbringen, in seiner eigenen kleinen Welt am Schreibtisch. Was wohl dazu führt, dass Comics – zumindest meine – häufig von Leuten handeln, die keine Konfrontationen mögen. Das ist ja auch die Tragödie von Goliath: Dass er niemals die Kontrolle übernimmt und für seine Rechte aufsteht. Deswegen nimmt es ein böses Ende für ihn.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1145" title="tomgauld_robotbully" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_robotbully.jpg" alt="" width="620" height="372" /></p>
<p><strong>Obwohl „Goliath“ eine Tragödie ist, hat es auch einen elegischen, sehr zurückgenommenen Humor, der in vielen Ihrer anderen Arbeiten noch deutlicher wird. Versuchen Sie gezielt lustig zu sein oder passiert das einfach?</strong></p>
<p>Ich weiß noch, als ich am College war und mich an Arbeiten versucht habe, die beklemmend oder wütend sein sollten. Die wurden dann immer entweder lustig oder ein bisschen lustig – oder langweilig. Irgendwann habe ich realisiert, dass es an meinem Blick auf die Welt liegen muss und alles, was ich mache, eine humoreske Note hat. Niemals „Lustig, haha, Crazyness“, aber eben ein unauffälliger Humor, der ein bisschen traurig und ein bisschen komisch zugleich ist.</p>
<p><strong>So etwas gilt hier als typisch britischer Humor. Oder ist es ein schottischer Humor?</strong></p>
<p>Ich glaube schon, dass der Humor aus Nordengland und Schottland noch ein wenig trockener und schwärzer ist. Mehr dead-pan – wie Buster Keaton, verziehe niemals das Gesicht!</p>
<p><strong>Wo in Ihren Arbeiten kommt das Schottische sonst noch durch?</strong></p>
<p>Ich bin auf dem Land aufgewachsen, an einem ziemlich abgelegenen Ort, und habe viel Zeit damit verbracht, draußen mit meinem Bruder zu spielen. Und so ähnlich ist das oft auch in meinen Comics: zwei Charaktere an einem verlassenen Ort, wie dem Mond, der Wüste oder der Wildnis.</p>
<p><strong>Was hat Sie noch beeinflusst?</strong></p>
<p>Als Kind war ich besessen von Lego. Und von den „Star Wars“-Filmen. Diese Szene, in der die Jawas auf einem Wüstenplaneten Luke Skywalker und seinem Onkel Roboter verkaufen wollen, und die sind alle rostig, kaputt, richtig beschissen, muss tief in meinem Gehirn verankert sein. Deswegen zeichne ich so viele alte Roboter.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1144" title="tomgauldchart" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauldchart.jpg" alt="" width="620" height="372" /></p>
<p><strong>Wie sieht es mit Marvin aus, dem depressiven Roboter aus der Roman-Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams?</strong></p>
<p>Das Buch habe ich tatsächlich nie gelesen. Nur mal angefangen, aber hat mich nicht gefesselt. Ich kann mit zu viel Wortwitz einfach nicht viel anfangen, wenn alles betont schlau geschrieben ist, wirft mich das eher aus der Story. Und so geht es mir auch mit Douglas Adams: Er ist mir einfach ein bisschen zu clever.</p>
<p><strong>Glauben Sie denn, dass wir noch hyperintelligente Roboter auf der Erde erleben?</strong></p>
<p>Ich denke schon, dass es irgendwann passieren wird. Allerdings klappt das nie so wirklich gut mit hyperintelligenten Robotern, nicht wahr? Sie drehen dann immer durch und versuchen, die Welt zu zerstören. Also vielleicht ist das keine so gute Sache.</p>
<p><strong>Normalerweise zeichnen Sie Illustrationen und kleinere Geschichten – hat die Arbeit an einem ganzen Band Spaß gemacht? Oder war es ätzend?</strong></p>
<p>Es hat auf jeden Fall sehr lange gedauert. Bei den kurzen Strips, etwa meinen Sachen für den<em>Guardian,</em> denke ich: Wenn jemand es nicht mag, hat es ihn nur zehn Sekunden gekostet, es zu lesen. Und nächste Woche gibt es etwas Neues. Wer sich aber „Goliath“ kauft und es liest, zeigt viel mehr Bereitschaft. Deswegen sollten es nicht irgendwelche Wegwerf-Witze werden, sondern eine befriedigende Erzählung. Das war ganz schön schwierig, aber ich habe viel gelernt und werde definitiv noch mal was Längeres machen. Was dann hoffentlich einfacher wird.</p>
<p><strong>Wissen Sie schon, worüber?</strong></p>
<p>Ich habe einige Ideen, aber bin mir noch nicht sicher, wie es aussehen wird. Es ist gut möglich, dass es wieder in der Vergangenheit spielt. Und es wird ein Bär darin vorkommen.</p>
<p><em><strong><img class="alignleft size-full wp-image-1140" title="tomgauld_portrait" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_portrait.jpg" alt="" width="131" height="132" />Tom Gauld, </strong>36, Comiczeichner und Illustrator, wuchs in Schottland auf und lebt heute in London. Er zeichnet unter anderem Cartoons für den </em>Guardian<em>, die er auf einem <a href="http://myjetpack.tumblr.com/" target="_blank">Tumblelog</a> veröffentlicht. Bände mit kürzeren Arbeiten veröffentlichte Gauld in seinem eigenen Verlag <a href="http://www.cabanonpress.com/" target="_blank">Cabanon Press</a>. Seine erste Graphic Novel „Goliath“ erschien bei Drawn &amp; Quarterly und liegt seit September bei Reprodukt auch auf Deutsch vor. <a href="http://www.tomgauld.com/" target="_blank">www.tomgauld.com</a></em></p>
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		<title>Der fünftschlechteste Schwertkämpfer</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Nov 2012 20:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Tom Gauld zählt zu den interessantesten Comiczeichnern seiner Generation. In seinen Werken trifft die viktorianische Zeit auf Strichmännchen und Futurismus. (veröffentlicht auf zeit.de) Ein Steinzeitjäger holt einen Steinzeitwandmaler von dessen Höhle ab. Wie es läuft, will der Jäger wissen. „Ach, frag nicht“, sagt der Maler, woraufhin sie ein Bier trinken gehen. Ein Vogel fragt eine Maus, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Tom Gauld zählt zu den interessantesten Comiczeichnern seiner Generation. In seinen Werken trifft die viktorianische Zeit auf Strichmännchen und Futurismus.<span id="more-1157"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-11/tom-gauld-portraet/komplettansicht" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1161" title="16_noisy" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/16_noisy.jpg" alt="" width="620" height="435" /></p>
<p>Ein Steinzeitjäger holt einen Steinzeitwandmaler von dessen Höhle ab. Wie es läuft, will der Jäger wissen. „Ach, frag nicht“, <a href="http://www.google.de/imgres?hl=de&amp;safe=off&amp;sa=X&amp;tbo=d&amp;tbm=isch&amp;tbnid=gbc6ayzSDWSbaM:&amp;imgrefurl=http://www.webomatica.com/wordpress/2007/05/07/comic-notes-hunter-and-painter/&amp;docid=TxFIGkwSmP_S5M&amp;imgurl=http://www.webomatica.com/wordpress/images/blog/h_p.gif&amp;w=402&amp;h=280&amp;ei=M3myUJvHIsrOsgbch4HwBQ&amp;zoom=1&amp;iact=hc&amp;vpx=485&amp;vpy=158&amp;dur=324&amp;hovh=129&amp;hovw=186&amp;tx=132&amp;ty=96&amp;sig=108970239823992411294&amp;page=1&amp;tbnh=129&amp;tbnw=186&amp;start=0&amp;ndsp=15&amp;ved=1t:429,r:2,s:0,i:91&amp;biw=1221&amp;bih=662" target="_blank">sagt der Maler</a>, woraufhin sie ein Bier trinken gehen.</p>
<p>Ein Vogel fragt eine Maus, wann sie Vorräte für den Winter sammeln will. „Wenn ich das hier gelesen habe“, sagt die Maus, die Joyce&#8217; <em>Ulysses</em> unterm Arm trägt. <a href="http://www.tomgauld.com/index.php?/portfolio/guardian-letters/" target="_blank">Auf dem nächsten Bild</a> liegt sie tot im Schnee.</p>
<p><a href="http://www.tcj.com/small-human-ordinariness-an-interview-with-tom-gauld/gauldarstrip-2/" target="_blank">Zwei Skelette</a> auf einem Pferdekarren voller Totenköpfe klagen einer Krähe, wie monoton ihr Alltag ist. „Ach, ihr Skelette seid immer so negativ“, sagt die Krähe schließlich. „Das ist nicht gut für euch.“</p>
<p>Drei Szenen aus den Zeichnungen von Tom Gauld. Während eine ganze Generation von Independent-Comiczeichnern sich mit ihrer eigenen Biografie und ihrem, meist urbanen, Umfeld auseinandersetzt, zieht sich Gauld lieber in seine eigene Welt zurück. Die ist vielfältig, aber durchaus konsistent, gleichermaßen beeinflusst vom viktorianischen Zeitalter und alten Gemälden wie von Steampunk-Retrofuturismus und Science Fiction. Roboter und große haarige Monster leben in Gaulds Kosmos, auch Steinzeitmenschen, Ritter und Menschen mit Raketenrucksäcken trifft man hier. Sie stehen oft zu zweit oder dritt in kargen Landschaften herum und sagen wenig oder nichts.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1164" title="17_lakemonster" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/17_lakemonster.jpg" alt="" width="310" height="310" />„Wenn Helden- und Märchengeschichten in Märchenwelten geschehen, interessiert mich das nicht besonders“, sagt Gauld. „Und wenn ganz normale Sachen in unserer ganz normalen Welt passieren, auch nicht.“ Also verbindet er die beiden Ebenen und versieht sie mit einem tiefgründigen Humor und kluger Beobachtungsgabe – wie auch bei seiner ersten Graphic Novel <em>Goliath</em>, die im Spätsommer in Deutschland bei Reprodukt erschienen ist.</p>
<p>Es erzählt die Geschichte von David und Goliath von der anderen Seite: Goliath ist ein einfaches Mitglied der Armee der Philister, ein stiller, nachdenklicher Mann, der, Selbstaussage, „fünfschlechteste Schwertkämpfer meiner Einheit. Ich mach den Schreibkram. In Verwaltung bin ich ziemlich gut.“ Erst sein Hauptmann sieht in ihm das Mittel, die Feinde zu demoralisieren und schickt den hilflosen Goliath an die vorderste Front, wo er viele der 96 Buchseiten wartet, gemeinsam mit seinem Schildträger.</p>
<p>„Zunächst denkt bei der Geschichte von David gegen Goliath jeder an den Kampf eines kleinen Jungen gegen einen Riesen“, sagt Gauld. „Doch wenn man genauer hinschaut, ist es eigentlich der Kampf eines kleinen Jungen und des allmächtigen Schöpfer des Universums gegen einen Riesen. Und dann bemerkt man erst, wer hier der Underdog ist.“ Wobei es Gauld wichtig ist, dass er David nicht zum Bösewicht macht. „Es ist nicht so, dass Goliath nun der Gute ist und David der Böse. Sie beide sind auf ihre Art Opfer des Systems, und wenn es einen Antagonisten gibt, dann eher den Hauptmann.“</p>
<p><em>Goliath</em> ist Gaulds erste lange Erzählung. Sonst zeichnet der 36-Jährige, der in London lebt, vor allem Cartoons und Kurzgeschichten, von denen er eine Auswahl bei seinem eigenen kleinen Verlag <a href="http://www.cabanonpress.com/" target="_blank">Cabanon Press</a> veröffentlicht hat. Auch Buchcover und -illustrationen gehören zu Gaulds Arbeitsbereich. Seit sieben Jahren steuert er Woche für Woche einen Comicstrip zur Literaturbeilage des <em>Guardian</em> bei.</p>
<p>Hier <a href="http://myjetpack.tumblr.com/" target="_blank">tobt er sich auf der Meta-Ebene</a> aus: Mal verarbeitet er die Brontë-Schwestern zu einem Mario-Brothers-artigen Videospiel, mal imaginiert er die Straße, in der Tom Waits aufgewachsen ist, mal zeigt er eine Serie von Cricketbuch-Covern. Für jede Zeichnung hat er exakt 24 Stunden und ein festgelegtes Thema. Das gefällt ihm. „Ich könnte über 900 Millionen verschiedene Dinge einen Comic machen, aber dann sagen sie mir: Es geht um Jane Austen.“</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1162" title="tomgauld_3dfriends" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_3dfriends.jpg" alt="" width="620" height="371" /></p>
<p>Deadlines helfen ihm, bestätigt Gauld, und die Ideenfindung sei das Schwerste an seiner Arbeit. „Eigentlich liebe ich alles am Comicmachen: Ich liebe es zu zeichnen, das Seitenlayout zu machen, sogar das Lettering und die Kreuzschraffuren. Das kann ich alles genießen, denn dann habe ich den Denkprozess bereits hinter mir – da verbringe ich viel Zeit mit meinem Skizzenbuch und versuche, Teile zusammenzufügen und Sachen geschehen zu lassen.“ Auch wenn man sich das schwer vorstellen kann, wirkt es doch so, als gäbe es die Welten und Wesen, die Gauld darstellt, wirklich irgendwo und er nähme nur die Rolle des dokumentierenden Betrachters ein.</p>
<p>Beeinflusst haben Gauld die Comiczeichner Chris Ware, <a title="Ein Fassbinder plus ein halbgarer Nabokov" href="http://michaelbrake.de/2011/01/11/ein-fassbinder-plus-ein-halbgarer-nabokov/" target="_blank">Daniel Clowes</a>, die Bücher von Magnus Mills und P. G. Woodhouse, zudem hat er als Kind gern mit Lego und <em>Star-Wars</em>-Figuren gespielt. Besonders betont Gauld aber den US-amerikanischen Illustrator Edward Gorey, dessen Arbeiten er während seiner Zeit am Royal College of Art entdeckte und die ihm zeigten, dass „Comics nicht aussehen müssen wie die miesen Fanzines und Superheldengeschichten, die ich bisher kannte“. Er liebe die ausdruckslosen Charaktere, den schwarzen Humor und die Atmosphäre in Goreys Bildern, sagt Gauld: „Jede Zeichnung ist wie eine Mitteilung von einem seltsamen anderen Ort.“</p>
<p><img class="alignleft  wp-image-1165" title="Goliath_Cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Goliath_Cover.jpg" alt="" width="174" height="241" />Reduktion und Understatement sind gleichermaßen Konstanten in Gaulds Arbeiten. Auch stilistisch: Er zeichnet mit präzisem, sehr klarem Strich und meistens nur zweifarbig. Den Charakteren wachsen staksige Arme und Beine aus ihren tropfenförmigem Leibern, in ihren runden Köpfen sieht man oft nicht mehr als zwei Augenpunkte, die von Gauld gern genutzten Supertotalen verstärken die Anmutung von Strichmännchen. Dadurch wirken seine ohnehin melancholischen Figuren unwillkürlich harmlos, aber auch ein wenig schüchtern und verloren, selbst die Monster und die vermeintlichen Bösewichte.</p>
<p>Warum das so ist? „Vermutlich, weil ich nicht wirklich glaube, dass Menschen wirklich böse sind und meine Comics ja generell davon handeln, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.“ Deswegen habe er auch noch nie etwas mit einem echten Bösewicht geschrieben. „Es wäre interessant, das mal auszuprobieren.“</p>
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		<title>Die besten GEHEIMTIPPS aus dem Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Nov 2012 20:15:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Ein Buch, das aus einer ausgedruckten Liste von Internetadressen besteht? Gibt es! Und angeblich ist es sogar die bessere Alternative zu Google. Klar. (aus der taz vom 9. November 2012) Endlich Herbst. Endlich wieder Laub, Kürbisse, Champions League. Und endlich wird in den Buchläden die neue Auflage des „Web-Adressbuchs für Deutschland“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Ein Buch, das aus einer ausgedruckten Liste von Internetadressen besteht? Gibt es! Und angeblich ist es sogar die bessere Alternative zu Google. Klar. <span id="more-1175"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!105218/">taz</a> vom 9. November 2012)</h3>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1177" title="webadressbuch" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/webadressbuch.jpg" alt="" width="200" height="287" />Endlich Herbst. Endlich wieder Laub, Kürbisse, Champions League. Und endlich wird in den Buchläden die neue Auflage des „Web-Adressbuchs für Deutschland“ verkauft, die 16. inzwischen, „Mit den besten GEHEIMTIPPS aus dem Internet“. Das Buch ist eine Emulation der späten Neunziger: Die Titelschrift mit Schatteneffekt, der Umschlaghintergrund mit Farbverlauf und Clipart-Fernglas, im Editorial wird „viel Spaß beim Surfen auf der Datenautobahn“ gewünscht – eigentlich fehlt nur noch eine beigelegte CD-ROM mit 50 Gratisstunden AOL.</p>
<p>Ja, Sie haben das richtig verstanden: Es handelt sich wirklich um eine ausgedruckte Liste von Internetadressen. „Die Redaktion testet, bewertet und vergleicht jedes Jahr aufs Neue alle (!) Web-Seiten“, verspricht der Herausgeber. Alle! Wie viele es wohl gerade gibt? Die „6.000 wichtigsten“ finden sich jedenfalls sortiert in Rubriken, mit Dreizeiler, URL und Register. Das Buch soll die bessere Alternative zu Google sein, denn endlich sparen wir uns „das ewige Herumsurfen und Durcharbeiten der Trefferlisten in Suchmaschinen“. Ohne Suchfunktion. Klar.</p>
<p>Nun ist gegen kuratiertes Internet erst mal nichts einzuwenden, und beim ersten Durchblättern scheinen die meisten Themen sinnvoll abgedeckt, sogar <a href="http://www.abgeordnetenwatch.de/" shape="rect" target="_blank">Abgeordetenwatch</a>, <a href="http://www.crackajack.de/" shape="rect" target="_blank">Nerdcore</a> und <a href="http://www.mundraub.org/" shape="rect" target="_blank">Mundraub</a> sind dabei. Aber, hey: Ist ja eigentlich auch nicht so schwer. Die Redaktion hatte schließlich auch <a href="http://www.google.de/" shape="rect" target="_blank">Google</a> (Seite 456: „Google findet schnell und zuverlässig relevante Web-Seiten, Bilder und Nachrichten mit der preisgekrönten Stichwortsuche“) und jede dritte Adresse ist einfach der Suchbegriff mit einem .de oder .org dahinter.</p>
<p>An der bescheuerten Aufgabe, die 6.000 wichtigsten Adressen auszusuchen, scheitert das Buch natürlich. Vimeo und Soundcloud fehlen, dafür gibt es eine Seite mit „Infos aller Art zum Amiga-Betriebssystem“. Celle hat gleich drei Einträge, Indonesien keinen einzigen, und wenn es noch irgendeinen Zweifel daran gibt, dass die Macher keinen Bezug zum Internet haben: Zwölf Hundeseiten sind gelistet, aber nur drei Katzenseiten. Nach welchen „Kriterien“ es die Webshops für Zäune, Perücken, Zimmerbrunnen usw. ins Buch geschafft haben, möchte man auch lieber nicht wissen (eine „Farbige Screenshot-Abbildung Ihrer Web-Seite inkl. Premium-Texteintrag“ <a href="http://www.web-adressbuch.de/aufnahme_antrag/default.aspx?schritt=1" shape="rect" target="_blank">kostet 599 Euro</a>, nur mal nebenbei).</p>
<p>Trotzdem gibt es eine Zielgruppe: Menschen, die Angst vorm Internet haben, aber zu jung sind, um „damit jetzt gar nicht mehr anzufangen“. Die ihren Kindern jeden Artikel zum Thema Cyber-Kriminalität aus der Lokalzeitung ausschneiden. Und die Google-Treffer nicht von Google-Kleinanzeigen unterscheiden können. Für sie wurde alles auf eine potemkinsch anmutende Seriosität gebügelt: Der Herausgeber trägt stolz ein „Dipl.-Pol.“ und gleich vorne werden jede Menge Safer-Surfing-Gütesiegel vorgestellt, darunter das vom Web-Adressbuch-Verlag selbst erfundene Jodeldiplom „Zertifizierte Web-Seite“ (auch hier kostet der Mitgliedsbeitrag 599 Euro im Jahr).</p>
<p>Auch aufgeführt ist natürlich die Eigenseite <a href="http://www.web-adressbuch.de/" shape="rect" target="_blank">www.web-adressbuch.de</a>. Eine Website, die ein Buch vorstellt, in dem Internetadressen stehen, die aber auf der Seite nicht zu finden sind – irgendwas ist mit der Zukunft in den vergangenen Jahren ziemlich schiefgelaufen.</p>
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		<title>Alphaalpakas und tanzende Hunde</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Nov 2012 13:48:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Gebloggtes]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Der größte Hund steht vor dem Eingang. Er ist aus Hüpfburggummi und seine Pfote thront auf einer aufblasbaren Riesenkatzenfutterdose. Daneben verkaufen Männer Überraschungstüten für Katzen, Stückpreis 10 Euro. Es ist Heimtiermesse, zum achten Mal in Berlin, zum zweiten Mal im Velodrom. In den Gängen mischt sich der Tierfuttergeruch von Zoohandlungen mit Kaffee und Bockwurst. Es ist eine Welt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-1120" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tiermesse_4.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Der größte Hund steht vor dem Eingang. Er ist aus Hüpfburggummi <span id="more-1108"></span>und seine Pfote thront auf einer aufblasbaren Riesenkatzenfutterdose. Daneben verkaufen Männer Überraschungstüten für Katzen, Stückpreis 10 Euro. Es ist Heimtiermesse, zum achten Mal in Berlin, zum zweiten Mal im Velodrom.</p>
<p>In den Gängen mischt sich der Tierfuttergeruch von Zoohandlungen mit Kaffee und Bockwurst. Es ist eine Welt, in der T-Shirts mit großen Wolfsmotiven noch genauso unironisch getragen werden wie Animal Prints, und die deswegen seltsam fremd wirkt in der reduzierten Waschbetonästhetik des Velodroms. Eine Welt von Menschen, die etwas, das eine große Mehrheit als fröhlichen Zeitvertreib versteht, zu ihrem Hauptlebensinhalt gemacht hat.</p>
<p>Ich laufe hohe Treppen hinab, bis in den Innenraum, wo ich zum ersten Mal eine Bahnradbahn in echt sehe, die Neigung in den Kurven ist irre, wie eine Wand. Auf der großen Aktionsfläche tanzt eine Frau mit ihrem Hund, oder zumindest heißt die Disziplin Dogdance, im Hintergrund läuft ein Schlagermedley. Die Frau hebt die Hand, der Hund hebt die Pfote, die Frau wackelt mit dem Po, der Hund wackelt mit, die Frau macht Pirouetten, der Hund läuft durch die Beine, „Das ist doch gar nicht schlecht für einen so alten Hund“, sagt der Mann am Mikrofon mit komischer Betonung.</p>
<p>Tiere sind hier vor allem in Showrollen zu sehen, beim Kaninhop, beim Hundefrisbee oder bei der Rassekatzenschau. Ansonsten stellen Tierspsychologen aus und Hundefotografen, es gibt wahnsinnig viel Zubehör zu Messepreisen, Hundekörbe, Gummiknochen, Leinen, Terrarien und ganze Kratzbaumwälder. Immerhin, am Eingang findet man Aras aus Bochum und hier unten im Innenraum stehen ein paar Alpakas aus dem Havelland herum, braunwollige Huftiere mit irgendwie zu kleinen Köpfen und zu langen Hälsen. Ihr Besitzer nötigt eine Putzfrau zum Anfassen des Alphaalpakas. Es hat weißes Fell und trägt einen Indiohut.</p>
<p>Am einem benachbarten Stand gucke ich mir die Blattschneideameisen an, sie tragen kleine grüne Ecken, die größer sind als sie selbst. Ein Ameisen-Starterset umfasst eine Königin und einige Arbeiterinnen, mittels Röhren und abnehmbaren Pfropfen lässt sich das Gehege erweitern, theoretisch kann man sich die ganze Wohnung zum Ameisengehege machen. Toll!</p>
<p>Nachdem ich den Ameisen lange genug zugeschaut habe, gehe ich zur Katzenschau.</p>
<p><img title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tiermesse_10.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p><img title="tiermesse_1" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tiermesse_1.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p><img title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tiermesse_9.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
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		<title>Bügelperlen</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Oct 2012 00:02:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fotos]]></category>
		<category><![CDATA[Games]]></category>
		<category><![CDATA[Gebloggtes]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Freitag war ich bei Ikea und habe mir ein neues Hobby gekauft. Außerdem tolle Lampen, also im Prinzip vier ganz einfache LED-Leisten, aber ich hatte ja keine Ahnung! (Eigentlich habe ich nach einem Bett geguckt und habe ein Geschirrabtropfdings gekauft, egal) Am Samstag war ich dann bei Karstadt und habe mir das erste Bügeleisen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag war ich bei Ikea und habe mir ein neues Hobby gekauft.<span id="more-1094"></span> Außerdem tolle Lampen, also im Prinzip vier ganz einfache LED-Leisten, aber ich hatte ja keine Ahnung! (Eigentlich habe ich nach einem Bett geguckt und habe ein Geschirrabtropfdings gekauft, egal)</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1096" title="IF" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman.jpg" width="620" height="465" /></p>
<p>Am Samstag war ich dann bei Karstadt und habe mir das erste Bügeleisen meines Lebens gekauft. Ein gelbes, von Philips, das zu meiner Überraschung automatisch angeht, wenn man den Stecker anmacht, weswegen ich jetzt fast einen Bügeleisenabdruck auf meinem Küchentisch habe, wer sehr genau hinschaut, kann ihn erkennen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1099" title="megaman4" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman4.jpg" width="620" height="465" /></p>
<p>Success!</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1100" title="Bild 4" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Bild-4.jpg" width="620" height="205" /></p>
<p>Am Sonntag habe ich dann einen Watchmen-Smiley für <a href="http://texastee.tumblr.com/" target="_blank">Nadine</a> nachträglich zum Geburtstag gemacht.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1097" title="megaman mit smiley" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg" width="620" height="388" /></p>
<p>Jetzt brauche ich dringend weitere Farben und mehr Fläche, die meine Farbpalette ist viel zu limitiert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1098" title="smilley-stillleben" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman3.jpg" width="620" height="678" /></p>
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		<title>Der Nerd mit dem Röntgenblick</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2012 00:13:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Lektionen in Goldfarming: Im dicht recherchierten Actionthriller „Error“ analysiert Neal Stephenson virtuos die Mechanismen der digitalen Welt. (aus der taz vom 16. Oktober) Die letzten 100 Seiten herrscht Krieg. Ein kleinteiliger, zermürbender Stellungskrieg im schroffen Grenzgebirge zwischen British Columbia und Idaho, mit gerade einmal rund zwanzig Beteiligten. Dschihadisten, christlich-fundamentalistische US-Hinterwäldler, Geheimdienstmitarbeiter und mehrere durch eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Lektionen in Goldfarming: Im dicht recherchierten Actionthriller „Error“ analysiert Neal Stephenson virtuos die Mechanismen der digitalen Welt. <span id="more-1087"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/Neal-Stephensons-Buch-Error/!103662/" target="_blank">taz</a> vom 16. Oktober)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1089" title="Stephenson_NError_hoch" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Stephenson_NError_hoch.jpeg" alt="" width="310" height="471" />Die letzten 100 Seiten herrscht Krieg. Ein kleinteiliger, zermürbender Stellungskrieg im schroffen Grenzgebirge zwischen British Columbia und Idaho, mit gerade einmal rund zwanzig Beteiligten. Dschihadisten, christlich-fundamentalistische US-Hinterwäldler, Geheimdienstmitarbeiter und mehrere durch eine Verkettung von Zufällen in diesen Schlamassel geratene Personen, darunter ein ungarischer Programmierer und eine chinesische Teeverkäuferin, kämpfen in dieser Schlacht, die mit überwältigender Präzision beschrieben wird, wie so vieles in diesem Buch.</p>
<p>Die Ursache für das blutige Finale von Neal Stephensons „Error“ ist ein Phänomen, das sich Goldfarming nennt – und das es wirklich gibt. Es ist eines dieser vielen irren Geschäftsmodelle, die nur die evolutionäre, alle Nischen ausnutzende Energie des Kapitalismus hervorbringen kann: In Multiplayer-Online-Games, das bekannteste davon ist „World of Warcraft“, erspielen sich Menschen – zu bedeutenden Teilen asiatische Teenager – in Akkordarbeit Gold und Gegenstände, um das alles dann in der echten Welt für echtes Geld zu verkaufen. Fünf Dollar für eine seltene Axt sind für Gamer in den USA, die in ihrer knappen Zeit ihren Spielspaß optimieren wollen, ein Taschengeld. Für einen Chinesen sind sie ein Tageslohn.</p>
<p>Heute soll sich das jährliche Goldfarming-Marktvolumen im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Die Spielehersteller dulden das Phänomen allenfalls als Nebeneffekt, die chinesische Regierung wollte es schon 2009 unterbinden. Schlagzeilen, laut denen chinesische Häftlinge von ihren Wärtern zum Goldfarmen gezwungen wurden, sind sicher mit dafür verantwortlich. In den USA verbot eBay 2007 den Verkauf von World-of-Warcraft-Gütern.</p>
<p>Definitiv ein Thema für ein Buch. Bereits vor zwei Jahren legte Cory Doctorow, Autor, Digital-Rights-Aktivist und in den USA populärer Blogger bei <a href="http://boingboing.net/" shape="rect" target="_blank">boingboing.net</a>, seinen Jugendroman „For the Win“ vor. Darin beschreibt er, wie sich ausgebeutete Goldfarmer gegen ihre Bosse erheben, eine Gewerkschaft gründen und gleichzeitig die Spielefirmen reinlegen. „For the Win“ ist rasant geschrieben, mit vielen klugen Einblicken in ökonomische Zusammenhänge, leidet aber unter etwas zu viel Pathos und deutlich zu wenig sprachlicher Finesse.</p>
<p>Da spielt „Error“, das am Dienstag auf Deutsch erscheint, schon einige Gewichtsklassen höher. Autor Neal Stephenson wurde Anfang der neunziger Jahre dank „Snow Crash“ und „Diamond Age“ zu einem der wichtigsten Vertreter des Cyberpunks, jenem düsteren, antiutopischen Subgenre der Science-Fiction, das vor rund einem Vierteljahrhundert seine kurze Blütezeit hatte und beispielsweise William Gibsons Roman „Neuromancer“ und Ridley Scotts Film „Blade Runner“ hervorbrachte.</p>
<p>In „Snow Crash“ skizzierte Stephenson mit dem Multiversum eine 3-D-basierte Online-Community und griff dem 15 Jahre später gehypten Second Life vor – auch die Verwendung von „Avatar“ für das Online-Selbst geht auf das Buch zurück. Neben einer actionreichen Story um einen Pizzalieferanten/Schwertkämpfer steigt Stephenson hier tief in Linguistik, Meme-Theorie und sumerische Mythologie ein.</p>
<h6>Turing-Maschinen und Nanotechnologie</h6>
<p>„Diamond Age“ handelt von einer interaktiven Kinderfibel, aber auch von Turing-Maschinen, Nanotechnologie, Materie-Compilern und der Macht der Informationsfreiheit. In beiden Büchern wird überdies eine anarchokapitalistische Gesellschaftsform beschrieben, in der Staaten nicht mehr aus zusammenhängenden Territorien bestehen, sondern aus vielen winzigen, über den ganzen Erdball versprengten Einzelteilen.</p>
<p>Eine derart visionäre Kraft hat „Error“ bei weitem nicht, ist nicht einmal Science-Fiction im klassischen Sinne, sondern spielt in einem alternativen Jetzt. Dort beginnt das Buch mit einer wuchtigen Ouvertüre, einer Schießübung am Rande einer Thanksgiving-Familienfeier im ländlichen Iowa, bei der mit Richard und Zula Forthrast die beiden wichtigsten der diversen Hauptfiguren eingeführt werden.</p>
<p>Richard, Endfünfziger, hochintelligenter Einzelgänger und Entrepreneur, ist das schwarze Schaf des Forthrast-Clans. In den Siebzigern floh er vor seiner Armeeeinberufung nach Kanada und wurde durch Haschischschmuggel reich, inzwischen besitzt er ein Schloss mit angeschlossenem Skiresort und hat mit T’Rain eines der erfolgreichsten Online-Rollenspiele überhaupt erfunden – ein Spiel, in dem der Nebeneffekt des Goldfarmings zum Hauptprinzip gemacht wird.</p>
<p>Zula, Richards Nichte, wurde als eritreisches Flüchtlingskind vom Forthrast-Clan adoptiert und kommt nach der Familienfeier bei T’Rain als Programmiererin unter. Sie ist ein stolzer und in vielerlei Hinsicht starker Frauencharakter – nicht der einzige in diesem Buch und in Stephensons Romanen überhaupt.</p>
<h6>Decodierung gegen Cash</h6>
<p>Auslösendes Element für rund tausend Seiten Spannung ist nun ein Computervirus – „Reamde“, so lautet übrigens auch der englische Originaltitel des Buches. Reamde hackt sich via T’Rain in die Rechner der Spieler ein und verschlüsselt dort Dateien. Das Lösegeld für eine Decodierung, T’Rain-Gold im Wert von 73 Dollar, muss persönlich im Spiel hinterlegt werden.</p>
<p>In der T’Rain-Welt hat das zur Folge, dass auf einmal Zehntausende Spieler in ein eigentlich unscheinbares, von einer Gruppe Chinesen kontrolliertes Gebirge aufbrechen. Natürlich kommen bald auch Räuber dorthin, die den Spielern das Lösegeld vorher abnehmen wollen, und Söldner, die den Spielern wiederum anbieten, sie vor den Räubern zu schützen, und im ganzen Durcheinander bekommt ein ohnehin tobender Koalitionskrieg in T’Rain eine neue Wendung.</p>
<p>In der echten Welt gelangt das Virus derweil auf den Rechner eines russischen Mafioso. Der schwört, die Verursacher zu töten, und setzt so eine Kettenreaktion in Gang, die neben Zula und Richard noch rund ein Dutzend weiterer Haupt- und Nebencharaktere bis zur letzten Seite in Atem hält. Nicht alle werden überleben.</p>
<p>In seinem Wesen ist „Error“ also ein Actionthriller, doch Stephensons weitschweifende Nebengedanken geben dem Buch Tiefe. Neben den Hintergrundgeschichten seiner Protagonisten beschreibt er auch die Firmenpolitik von T’Rain äußerst detailliert und durchaus amüsant. So wird ein junger Autist mit Programmier- und Geologie-Kenntnissen ausfindig gemacht, der in der Lage ist, „echte“ Berge zu programmieren – also nicht Designerberge, bei denen unter einer dünnen Pixeltextur nichts mehr ist, sondern das Ergebnis einer Simulation von mehreren Milliarden Jahren Plattentektonik, vulkanischer Aktivität und Wetter. Und als zwei Fantasyautoren angestellt werden, um die noch leere Welt mit einer Geschichte zu füllen, zerstreiten sie sich schon beim ersten Treffen: Mehrere Seiten lang belehrt der Oxford-Professor den amerikanischen Pulp-Literaten über die korrekte Verwendung von Apostrophen in der fiktiven Sprache T’Rains.</p>
<h6>Rechercheintensives Detailreichtum</h6>
<p>Dieser rechercheintensive Detailreichtum ist typisch für den 52-jährigen Stephenson, der eine Art Universalgelehrter ist. Sein Vater war Professor der Elektrotechnik und seine Mutter Biochemikerin, er selbst studierte Physik und Geografie. In seinem über 3.000 Seiten starken „Barock-Zyklus“ thematisierte Stephenson die Entstehung der Wissenschaften und des heutigen Geldverkehrssystems im ausgehenden 17. Jahrhundert, in „Cryptonomicon“ widmete er sich den Kryptologiesystemen im Zweiten Weltkrieg. Für dieses Buch wurde eigens ein Verschlüsselungsalgorithmus entwickelt.</p>
<p>Heute arbeitet Stephenson unter anderem als Wissenschaftsjournalist und beschäftigt sich in seinem Project Hieroglyph damit, wie Forscher und Science-Fiction-Autoren gemeinsam eine stärkere visionäre Kraft entwickeln können.</p>
<p>In „Error“ geht es daher nie nur darum, wie die Dinge sind, sondern vor allem, wie sie funktionieren, seien es internationale Flugrouten, Farbschemata oder Schusswaffen, auch in die zahlreichen Actionsequenzen und Verfolgungsjagden wird immer noch eine zweite, analysierende Ebene eingezogen. Dieser Drang, immer die den Dingen zugrunde liegenden Mechanismen abzubilden, macht „Error“ so stark. Das – und die ambivalenten Charaktere, der wendungsreiche Plot und die Sprachmacht Stephensons.</p>
<div>
<p><strong>Neal Stephenson: „Error“</strong><strong>. Aus dem Englischen übersetzt von Juliane Gräbener-Müller, Nikolaus Stingl</strong><strong> Manhattan Verlag, 1.024 Seiten, 24,99 Euro</strong></p>
</div>
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		<title>Optimiert von A.A.A.A.A.A. bis Z</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Oct 2012 15:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Nullen und Einsen]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat Suchmaschinenoptimierung groß gemacht – doch es gibt sie schon viel länger. Man muss nur mal ins Telefonbuch schauen. (aus der taz vom 12. Oktober) Das Survival of the Fittest wird fälschlicherweise oft als Überleben der Fittesten verstanden. Dabei geht es um „to fit“, also passen: Nicht die stärkste Art überlebt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat Suchmaschinenoptimierung groß gemacht – doch es gibt sie schon viel länger. Man muss nur mal ins Telefonbuch schauen. <span id="more-1077"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!103416/" target="_blank">taz</a> vom 12. Oktober)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1079" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/telefonbuch_spam_aaaa.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Das Survival of the Fittest wird fälschlicherweise oft als Überleben der Fittesten verstanden. Dabei geht es um „to fit“, also passen: Nicht die stärkste Art überlebt, sondern die, die sich am besten auf ihre Umgebung einstellt.</p>
<p>Im Internet ist es ganz ähnlich. Es werden nicht zwingend die schönsten und hilfreichsten Seiten von den gängigen Suchmaschinen (also der einen gängigen halt) oben gelistet, sondern diejenigen, die die beste Symbiose mit dem PageRank-Algorithmus (Fun Fact: Dieser Algorithmus ist nicht nach dem englischen Wort für Seite, sondern nach einer Person benannt) und den Webcrawler-Programmen eingehen.</p>
<p>S.E.O., Search Engine Optimizing, heißt die Branche, die all diese Vorgänge analysiert und auszunutzen versucht. Ein Beruf, der 0,3 Punkte auf der „Ich bin ein sinnvolles Mitglied unserer Gesellschaft“-Skala von 1 bis 10 hat und damit nur knapp hinter den Leuten liegt, die als Hot Dog oder Handy verkleidet Flugblätter verteilen.</p>
<p>Nun wurde Suchmaschinenoptimierung zwar durch das Internet groß, aber nicht dort erfunden. Auch der Händler mit dem knallrosa Ladenschild und der Eiswagen mit der lustigen Melodie triggern unsere körpereigenen Crawler, mit denen wir unablässlich die Kohlenstoffwelt nach interessanten Inhalten scannen: Auge und Ohr.</p>
<p>Lebensmittelhersteller geben einiges Geld für Produktentwicklung aus – und danach noch viel viel mehr, um im Supermarkt im für sie optimal erscheinenden Regalsegment platziert zu werden. Für Radiostationen war es in der Analogradio-Ära vermutlich von Vorteil, wenn sie am Anfang oder Ende des UKW-Bereichs lagen. Den Frequenzsucher nur einmal beherzt an den Anschlag zu reißen, ist bequemer, als den Lieblingssender irgendwo im 94,7-Bereich herauszufummeln. Und zur Zeit von Telefonwählscheiben hatte ein Taxiunternehmen mit der Nummer 22122 eine bessere Marktposition als eins mit der 99899.</p>
<p>Der fortgeschrittenste Prä-Internet-S.E.O-Wettkampf wurde allerdings in Telefonbüchern ausgefochten. Eine Möglichkeit: ganz vorne stehen – oder ganz hinten (eine Option, die bei Google wegfällt). Der allererste Eintrag im aktuellen Berliner Papiertelefonbuch lautet entsprechend „A. A. A. A. E. Merchandise Corporation &amp; Werbeproduktions-GmbH“, wobei die Leerzeichen und Punkte eine wichtige Rolle spielen, denn die „AAA Argusauge Security GmbH“ steht erst auf der zweiten Seite, weit hinter der „A S Frucht GmbH“.</p>
<p>Der zweite Trick ist, nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern bis zu dreihundert unterschiedliche Nummern anzumelden, um in der unendlichen Kleinteiligkeit der Telefonbuchbleiwüste sofort ins Leserauge zu springen.</p>
<p>Doch auch im Telefonbuchverlag beschäftigt man sich offenbar mit S.E.O.-Abwehr und hat die diffuse Kategorie „Sonstige Einträge“ geschaffen. Hierhin werden Namensungetüme wie „a a a a a a a a a a a a a a absichernder allgemeiner Schlüsseldienst e.K.“ oder „! ! ! ! 0-0h Schlüssel, Schlüsseldienst, Schlüsselnotdienst Tag &amp; Nacht e. K.“ verbannt, neben Firmen, die ganze Spalten mit leicht variierenden 0800er-Nummern füllen.</p>
<p>Mit Evolution hat dieses Nummernghetto natürlich nichts zu tun. Aber manchmal müssen Suchmaschinenbetreiber eben Gott spielen.</p>
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		<title>30 Jahre Zeichenzoo</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/09/19/30-jahre-zeichenzoo/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Sep 2012 19:29:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 19. September 1982 lernten die Satzzeichen lachen. Heute können Emoticons noch viele Sachen mehr. Wir hätten aber noch ein paar Wünsche. (aus der taz vom 19. September 2012, mit Daniel Schulz) Es gibt nicht so furchtbar viele Phänomene der Alltagssprache, deren Urheber und Geburtszeitpunkt eindeutig festzulegen sind. Wann etwa hat zum ersten Mal jemand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Am 19. September 1982 lernten die Satzzeichen lachen. Heute können Emoticons noch viele Sachen mehr. Wir hätten aber noch ein paar Wünsche.<span id="more-1176"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Geburtstag-der-Emoticons-/!101921/" target="_blank">taz</a> vom 19. September 2012, mit Daniel Schulz)</h3>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-1181" title="30jahreemoticon" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/30jahreemoticon.jpg" alt="" width="620" height="234" /></h3>
<p>Es gibt nicht so furchtbar viele Phänomene der Alltagssprache, deren Urheber und Geburtszeitpunkt eindeutig festzulegen sind. Wann etwa hat zum ersten Mal jemand „Wayne Interessierts“ gesagt? Wer erfand ROFLMAO? Und wen dürfen wir, wenn erst mal die Revolution gesiegt hat, dafür an die Wand stellen, dass er sich „Zum Bleistift“ ausgedacht hat?</p>
<p>Bizarr eindeutig ist es hingegen bei den <a href="http://https//www.taz.de/index.php?id=bildergalerie&amp;tx_gooffotoboek_pi1[srcdir]=SMILEY-Geburtstag" shape="rect" target="_blank">Emoticons</a> – für unsere älteren Leser: Das sind diese kleinen Zeichenfolgen in Internetkommunikation und SMS, die Smiley-Gesichter ergeben, wenn man den Kopf um neunzig Grad nach links kippt. Am Vormittag des 19. September 1982 schrieb der spätere Informatikprofessor Scott Fahlman in ein Diskussionsforum der Carnegie Mellon University von Pittsburgh, dass er sich ein Witzkennzeichner ausgedacht hätte:</p>
<p>&nbsp;</p>
<pre>19-Sep-82 11:44</pre>
<pre>Scott E Fahlman :-)</pre>
<pre>I propose that the following character sequence for joke markers:</pre>
<pre>:-)</pre>
<pre>Read it sideways. Actually, it is probably more economical to mark things</pre>
<pre>that are NOT jokes, given current trends. For this, use</pre>
<pre>:-(</pre>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was 1982 so schlicht begann, hat sich inzwischen zu einem umfangreichen Zeichenzoo entwickelt. Was kann man nicht alles darstellen. Weinen:<strong> :,-(</strong> Lachen: <strong>:-D</strong> Zunge rausstrecken: <strong>:b</strong> Einen Mann mit Turban und Vollbart: <strong>@:{D</strong> Einen Biber mit Sonnenbrille und Schirmmütze: <strong>dB=</strong> – sogar Ironie wollen viele Leute mit dem allgegenwärtigen <strong>;-)</strong> verbildlichen können, ohne zu verstehen, dass Ironie ja eben genau nicht so funktioniert, dass man es dazusagen muss.</p>
<p>In Japan bildete sich später eine Parallelkultur, bei der man den Kopf nicht drehen muss. Hier schauen einen die Emoticons direkt ins Gesicht, wenn sie lachen: <strong>^_^</strong> oder weinen: <strong>T_T </strong>oder verwirrt sind: <strong>o_O</strong> – und schau, da, eine Miezekatze! <strong>=^.^=</strong></p>
<p>Wobei die Emoticons nur noch selten in ihrer reinen, textbasierten Form zu finden sind, Messenger, Internetforen und Handys wandeln sie automatisch zu kleinen bunten, im schlimmsten Fall sogar animierten Grafiken um. Irgendwo auf der Welt wird es von der Industrie bezahlte Emoticon-Designer geben. Dafür wurde das Internet nicht gegründet!</p>
<p>Gleichzeitig treten aber immer noch Situationen auf, für die es eben genau keine Emoticons gibt. Hier muss dringend nachgebessert werden! Sieben Emoticons, die der Welt noch fehlen:</p>
<p><strong>7. Das Flausch-Emoticon:</strong> „Brauche Liebe, nehme aber auch unkritische Zustimmung.“</p>
<p><strong>6. Das Falsches-Fremdwort-Emoticon:</strong> „Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Emoticon gerade richtig verwendet habe, also nagel mich nicht drauf fest. Ich wollte halt eines von den coolen Kindern sein.“</p>
<p><strong>5. Das Esstisch-Emoticon:</strong> „Gibst du mir mal eben das Salz rüber?“ (wenn man gemeinsam im Restaurant sitzt und sich via WhatsApp unterhält)</p>
<p><strong>4. Das Guttenberg-Emoticon:</strong> „War diese geniale Idee gerade wirklich von dir oder hast du die irgendwo abgeschrieben?“</p>
<p><strong>3. Das Obama-Emoticon:</strong> „Äh, ja, ich weiß auch nicht, wie ich das jetzt hinkriegen soll. Aber hey: die Alternative ist noch viel schlechter.“</p>
<p><strong>2</strong><strong>. Das Falsches-Fenster-Emoticon:</strong> „Huch, ich habe gerade etwas sehr Peinliches geschrieben, weil ich die Chatfenster vertauscht habe. Lass uns bitte nicht drüber reden und so tun, als wäre es nicht passiert.“</p>
<p><strong>1. Das Piratenpartei-Emoticon:</strong> „Ich habe mir dazu noch keine Meinung gebildet, mein interner Liquid-Feedback-Vorgang läuft noch.“</p>
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		<title>Piraten oder Ninjas?</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Sep 2012 23:23:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Nullen und Einsen]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Pünktlich zum „International Talk Like a Pirate Day“ scheint eine der ältesten Fragen des Internets endlich geklärt. (aus der taz vom 14. September 2012) Avast! Am Montag wurde die deutsche Piratenpartei sechs Jahre alt. Das ist schön für sie, sie wäre dann jetzt bereit für die Einschulung. Und kommenden Mittwoch steht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Pünktlich zum „International Talk Like a Pirate Day“ scheint eine der ältesten Fragen des Internets endlich geklärt.<span id="more-1025"></span> (aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!101612/" target="_blank">taz</a> vom 14. September 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1031" title="The_Secret_of_Monkey_Island_SE_Vergleich_2_low" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/The_Secret_of_Monkey_Island_SE_Vergleich_2_low.jpeg" alt="" width="619" height="274" /></p>
<p>Avast! Am Montag wurde die deutsche Piratenpartei sechs Jahre alt. Das ist schön für sie, sie wäre dann jetzt bereit für die Einschulung. Und kommenden Mittwoch steht gleich der nächste piratenrelatierte Feiertag an: der <a href="http://www.talklikeapirate.com/" target="_blank">International Talk Like a Pirate Day</a>, 1995 in der Piratenhochburg (Geheimwissen!) Oregon erfunden.</p>
<p>An diesem Tag sollen alle Menschen Piratisch reden, englisches Piratisch natürlich, deutsches Piratisch kann man ja nicht ernst nehmen (na gut, englisches auch nicht, aber das versteht man jedenfalls nicht so gut, das ist wie mit peinlichen Songtexten). Und es ist auch ganz einfach: man muss einfach nur irgendwo in jeden Satz ein Avast, Arrr, Aye oder Savvy einbauen und mit „Ahoy, Matey“ grüßen. Feinheiten wie die Frage, ob man „Arrrr“ vor, hinter oder vor <em>und</em> hinter einer adverbialen Bestimmung des Ortes verwenden sollte, regeln sich automatisch nach dem dritten Rum.</p>
<p>Um sich warmzulesen, lassen sich auch <a href="http://https://www.google.com/webhp?hl=xx-pirate" target="_blank">Google</a> und Facebook auf Piratenenglisch einstellen. „Gefällt mir“ heißt dann „Arrr, This be pleasin‘ to me eye“, aus „Teilen“ wird „Blabber t’ yer mates“ und aus „Profilbild bearbeiten“ „Mend the Jolly Rogger“, überm Chat steht „Parley, Thar’ be“, der „August“ heißt „Arrrgust“ und so weiter. Damit kann man schon mal einen Tag Spaß haben, und danach noch die Sprachoptionen Leetspeak und Upside Down ausprobieren. ʇɥǝıssnɐ ƃıʇsnl ǝıʍpuǝƃɹı ɥɔnɐ ɥɔılɹüʇɐu sɐʍ</p>
<p>Google, Facebook, die deutschen Wähler – auf einmal lieben alle die Piraten, in der <a href="http://www.venganza.info/" target="_blank">Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters</a> gehören sie sogar zu den zentralen Glaubensinhalten, hier wurde International Talk Like a Pirate Day zum Feiertag erhoben. Es scheint fast so, als wäre eine der ältesten und beinah in Vergessenheit geratenen Fragen der Internetgeschichte unbemerkt entschieden worden, und das mit einem komplett überraschenden Ausgang. Die Frage nämlich, wer besser ist: Piraten oder Ninjas?</p>
<p>Dabei ist es doch eigentlich einfach. Piraten mögen Musketen besitzen, aber was bringt ihnen das, wenn sie von den praktisch unsichtbaren Ninjas enthauptet werden, noch bevor sie den ersten Schuss abgeben können?</p>
<p>Und auch sonst: Piraten sind laut, reden und singen gerne. Ninjas sind superleise, reden nur das Nötigste und töten Leute, die singen. Piraten tragen alberne bunte Kostüme. Ninjas tragen schwarz mit Kapuze, können Kung Fu und coole andere Moves. Piraten sind wie Hunde. Ninjas sind wie Katzen. Die einzigen Pluspunkte fürs Team Pirat sind Monkey Island und Captain Jack Sparrow, aber das ist sicher auch nur irgendein Irrtum.</p>
<p>Doch trotz dieser für jeden offensichtlichen Überlegenheit ist es tatsächlich still geworden um die Ninjas. In den Achtzigern waren sie noch die Stars von Kinofilmen (American Ninja), Comics (Ninja Turtles) und Computerspielen (Ninja Gaiden), jetzt haben sie den Piraten die Medienöffentlichkeit überlassen, und was die daraus machen, sieht man ja gerade ganz gut .</p>
<p>Sogar die Website der <a href="http://ninjapartei.de/" target="_blank">Ninjapartei</a> (ja, die gibt es, also die Seite) ist inzwischen nur noch eine Umleitung zur Piratenpartei. Aber man muss deshalb nicht glauben, dass die Piraten gewonnen hätten. Die Ninjas sind nicht verschwunden. Ihr könnt sie nur nicht sehen.</p>
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		<title>Der Wüstenfalke trifft auf Batman</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Sep 2012 14:41:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Verleger Volker Hamann erfüllt sich einen Jugendtraum: Mit Alfonz bringt er ein Magazin für den deutschsprachigen Comicraum heraus. (veröffentlicht auf zeit.de) Volker Hamann war 16, als er mit zwei Freunden sein erstes Comic-Magazin veröffentlichte. Es nannte sich Comic Reddition und war in klassischer Fanzine-Optik gehalten, schwarz-weiß, kopiert, mit Schere-Papier-Kleber-Layout. Die Komplettauflage von 32 Exemplaren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Verleger Volker Hamann erfüllt sich einen Jugendtraum: Mit <em>Alfonz</em> bringt er ein Magazin für den deutschsprachigen Comicraum heraus. <span id="more-1035"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-09/comic-magazin-alfonz" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1036" title="alfonzcover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/alfonzcover.jpeg" alt="" width="310" height="439" />Volker Hamann war 16, als er mit zwei Freunden sein erstes Comic-Magazin veröffentlichte. Es nannte sich <em>Comic Reddition</em> und war in klassischer Fanzine-Optik gehalten, schwarz-weiß, kopiert, mit Schere-Papier-Kleber-Layout. Die Komplettauflage von 32 Exemplaren lag in Dietschis Comicshop in Hamburg aus. Das war im Januar 1984.</p>
<p><a title="Der deutsche Disney" href="http://michaelbrake.de/2012/06/07/der-deutsche-disney/" target="_blank">Die <em>Reddition</em> gibt es heute noch</a>, etwa zweimal im Jahr erscheint sie, längst handelt es sich um professionell gemachte Hefte. Sie widmen sich seit geraumer Zeit monothematisch einem Schwerpunkt, meist comichistorischen Themen, etwa Rolf Kauka oder der Geschichte des italienischen Comics. Zusätzlich hat Hamann in seinem als Überbau gezimmerten „Verlag für graphische Literatur“, der Edition Alfons, über die Jahre auch noch Sachbücher herausgegeben und veröffentlicht seit 2011 gemeinsam mit Matthias Hofmann die jährliche Anthologie Comic-Report. Und um Geld zu verdienen, arbeitet der heute 44-Jährige beim Versandhändler Hummelcomic und schreibt als freier Mitarbeiter für Verlage wie Carlsen oder Splitter.</p>
<p>All das hat Hamann offenbar noch immer nicht ausgefüllt, so dass er sich nach knapp 30 Jahren Verlegertätigkeit seinen Jugendtraum ein zweites Mal erfüllt hat: Mit <em>Alfonz</em> ein General-Interest-Magazin für den deutschsprachigen Comicraum herauszugeben. Auch hier ist Matthias Hofmann Ko-Herausgeber und nach zwei digitalen, kostenlos downloadbaren Nullnummern (Ausgabe <a href="http://www.reddition.de/alfonz/pdf/alfonz_0a_neu.pdf" target="_blank">0a</a> und <a href="http://www.comic-report.de/alfonz_0b/admin/alfonz0b.pdf" target="_blank">0b</a>) erschien im Juli die offizielle Erstausgabe.</p>
<p>Als Zielgruppe nennt Hamann „Leser, die sich nur ein Mal pro Monat auf der Fahrt zur Arbeit ein Comicalbum für die S-Bahn kaufen“ wie auch„den Fan oder Sammler, der sich in allen Genres zu Hause fühlt und umfassend informiert werden will“. Um all diese Menschen zufrieden zu stellen, soll <em>Alfonz</em> „über sämtliche Spielarten von Comics aus allen Ländern gleichbedeutend“ berichten – sofern sie parallel zur aktuelle Ausgabe erscheinen oder sonstwie relevant erscheinen. Und ausdrücklich auch über Mangas, „die es unserer Meinung nach verdient haben, über die von Kindern und Jugendlichen mit so viel Begeisterung gelesenen Mainstreamtitel hinaus wahrgenommen zu werden“.</p>
<h6>Viele Formen, viele Themen</h6>
<p>Hohe Ansprüche, die in der Erstausgabe von <em>Alfonz</em> zu einem guten Teil erfüllt werden. Diverse journalistische Formen werden bedient, diverse Comic-Genres abgedeckt, die Mischung stimmt: Sie reicht vom großen Porträt über den spanischen Zeichner Vicente Segrelles, der durch seine in Öl gemalten Fantasycomics berühmt wurde, bis zu kleinen Protokollen, in denen Autoren über ihren Umgang mit Originalzeichnungen erzählen. Von einem Streitgespräch über das Dritte-Reich-verherrlichende Fliegercomic „Der Wüstenfalke“ bis zur Analyse des Neustarts des DC-Superheldenuniversum. Von einem Doppel-Interview mit dem Marsu-Kids-Zeichnerehepaar Didier Conrad und Wilbur bis zu Querschnittsthemen wie die Tour de France im Comic. Von einem Bericht vom Comicfestival Fumetto in Luzern bis zum Außenseiter-Manga „I am Hero“. Kolumnen vom französischen und US-Markt sowie kleinere Rezensionen bilden zusätzlich feste Rubriken.</p>
<p>Für Comicinteressierte sollte <em>Alfonz</em> damit sowohl Überraschungen als auch Anknüpfungspunkte bieten. Das Layout ist abwechslungsreich – auch wenn es keine Designpreise gewinnen wird, dafür ist es etwas zu bieder und unaufgeräumt – und man spürt auf fast allen Seiten die Liebe, mit der hier gearbeitet wurde, zum Heft und seinem Betrachtungsgegenstand.</p>
<p>Gibt es auch einen Haken? Leider ja, und nicht den kleinsten: Die Qualität der meisten Texte fällt bei alldem deutlich ab. Zumal wenn mittendrin der Popfeuilletonist Georg Seeßlenüber „das neue Supermedium Comic/Film“ schreibt, für seine Verhältnisse auch noch ziemlich zugänglich, und so die Fallhöhe deutlich definiert.</p>
<p>Wobei in den Texten keine klaren Fehler sind. Es ist nur handwerklich alles etwas schlicht. So wird nicht groß versucht, Comics oder ihre Entwicklungen in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen zu deuten oder daraus Trends abzuleiten. Das Magazin bleibt fast immer am Werk. Das Vokabular ist mitunter insiderisch oder durchsetzt von Bratwurstbegriffen, die es eigentlich nicht durch ein halbwegs strenges Redigat schaffen sollten: Da ist von der „agilen Vampirjägerin“ die Rede, bei der nach sieben Staffeln „der Ofen aus“ war, da zeigt einer mit seinen bisherigen Comics, „wo der Hammer hängt“, anderswo ist „das Ende der berühmten Fahnenstange erreicht“, mal schlägt ein Buch „beim Lesen ein wie eine Bombe&#8221;, mal sind die Zeichnungen „nicht &#8216;der Burner&#8217;, wie es in neudeutschem Jugendsprech wohl heißt“.</p>
<h6>Ein professionelles Fanzine</h6>
<p>Und so ist Alfonz trotz der professionellen Aufmachung eben doch ein Fanzine. Aus der Szene für die Szene und für ein paar interessierte Außenstehende; für alle anderen ungefähr so interessant wie ein Metalmagazin oder ein Angelmagazin. Aber ein Fanzine mit Potenzial, zumal die Konkurrenz überschaubar ist, die meisten deutschen Magazine haben Spezialnischen gefunden: Zack veröffentlicht in erster Linie Comics und hat nur einen kleinen Infoteil. Die Sprechblase ist deutlich auf Klassiker ausgerichtet, das Schweizer Strapazin bearbeitet mit seinem Kunstbezug die feuilletonistischen Ränder der Comicwelt.</p>
<p>Bleibt als direkter Konkurrent die Comixene – ausgerechnet, hatte doch deren 1982 eingestelltes Original in den frühen Achtzigern Hamann und seine Schulfreunde zur Gründung der Reddition angeregt. Die seit 2003 erscheinende Drittinstanz der Comixene aber habe es aber „in der letzten Zeit nicht mehr geschafft, ihrem Anspruch, regelmäßig und aktuell über Comics zu berichten und zu informieren, gerecht zu werden“, sagt Volker Hamann. „Auch inhaltlich geht sie andere Wege als wir.“ Womit er meint, dass sie nicht immer das gesamte Comicspektrum im Heft abdeckt.</p>
<p>Ausgelegt ist <em>Alfonz</em> vorerst auf vier Hefte, falls die erste Ausgabe erfolgreich ist, wonach es laut Hamann momentan aussieht. Die Auflage beträgt 6.000 Exemplare, bei einem etwas eigentümlichen Preis von 6,95 Euro und einer Distribution, die zu einem Drittel über Comicspezialgeschäfte läuft, zu einem Großteil aber über den Presse- und Bahnhofsbuchhandel.</p>
<p>„Langfristiges Ziel ist es, dass wir <em>Alfonz</em> im Pressehandel erfolgreich platzieren und verkaufen können“, sagt Hamann. „Denn nur so gelingt es, neue Leser von den Qualitäten eines Comics überzeugen zu können.“</p>
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		<title>Brandenburg.</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Aug 2012 01:25:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fotos]]></category>
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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/DSC01509b.jpg" alt="" width="620" height="349" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-992" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/DSC01523b.jpg" alt="" width="620" height="349" /></p>
<p><img title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/DSC01503b.jpg" alt="" width="620" height="317" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-993" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/DSC01504b.jpg" alt="" width="620" height="349" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-988" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/DSC01519b.jpg" alt="" width="620" height="349" /></p>
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<p><img class="alignnone size-full wp-image-991" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/DSC01527b.jpg" alt="" width="620" height="349" /></p>
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		<title>Als ich einen Balrog erschuf</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 01:33:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von Likehuren und Hitlerkatzen, Kaffeetrends und dem Mario-Barth-Humor des Internets. Braucht Ihr noch mehr Buzzwords? Jetzt klickt schon, Ihr Luder! (aus der taz vom 17. August 2012) Es passierte auf einer Radtour durch Köln. Ich startete in Ehrenfeld, kam am berühmten Zentralmoscheeneubau vorbei, nudelte mich dann außenringseitig durch Industrie- und Bahnschienengebiete, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von Likehuren und Hitlerkatzen, Kaffeetrends und dem Mario-Barth-Humor des Internets. Braucht Ihr noch mehr Buzzwords? Jetzt klickt schon, Ihr Luder!<span id="more-1003"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!99801/" target="_blank">taz</a> vom 17. August 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1004" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/coffeetogo_nulleneinsen.jpeg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Es passierte auf einer Radtour durch Köln. Ich startete in Ehrenfeld, kam am berühmten Zentralmoscheeneubau vorbei, nudelte mich dann außenringseitig durch Industrie- und Bahnschienengebiete, bis ich Nippes erreichte. Auf der Neusser Straße war dann dieses Schild. „Coffee to go“ stand darauf und direkt darunter: „Jetzt auch zum Mitnehmen“. Haha. Lustig. Ich machte ein Foto. Und stellte es auf Facebook. Und zwar so, dass alle es sehen, liken und sharen können, nicht nur meine Freunde und Freundesfreunde.</p>
<p>Damit hatte ich einen Balrog geschaffen. Der erste, der das Foto likte, war Sascha Lobo. Der hat bei Facebook über 21.000 Abonnenten, die das mitkriegen konnten. Schnell kletterte der Gefällt-mir-Zähler auf 10, 20, 30. Bäm! Ich war glücklich. Denn, ja: Ich bin eine Likewhore. Jedes Mal, wenn oben links die kleinen weißen Ziffern auf rotem Grund aufpoppen und neue Ereignisse anzeigen, gibt mir das einen Kick.</p>
<p>In der taz-Onlineredaktion nennen wir Kollegen Klickhuren, wenn sie Beiträge absurd hochjazzen (dafür reicht in der Regel ein Tier- oder Nacktbild, oder in der Überschrift was mit Hitler oder Fäkalsprache; 100 Punkte wären das Bild einer Hitlerkatze und „Piraten wollen Aliensex legalisieren“). Likewhore sein ist das Gleiche, nur in einer anderen Währung. Endlich werden all die kleinen Alltagsbeobachtungen veredelt, belohnt und quantifiziert. Wobei man schnell nur noch Pointen online stellt oder was man dafür hält. Man will ja den Schnitt hoch halten.</p>
<p>Nachmittags ließen die Likes für das Kaffeefoto nach, dafür teilten auf einmal wildfremde Leute mein Foto. Mein Foto! Und ihre Freunde teilten es weiter und weiter. Ich konnte live mitzählen. 44. Reload. 45. Reload. 46. Hach. Als ich am nächsten Morgen bei 150 war, schaute ich mir die Shares mal an und merkte: Das sind fast nur Leute, mit denen ich gar nicht so viel zu tun haben wollen würde, so im echten Leben. Und auch sonst.</p>
<p>Erst da wurde mir klar, mit was ich gepunktet hatte. Bildergoogelt man den Spruch, kriegt man mehrere baugleiche Fotos ausgeworfen, eine Karikatur und sogar ein Buch mit dem Namen: „Kaffee to go – auch zum Mitnehmen!: Die verrücktesten und witzigsten Schilder“. Kaffeetrendwitze sind das, was Helmut-Kohl-Karikaturen in den Achtzigern waren, der Mario-Barth-Humor des Internets. Sichere Lacher, wie Witze über die FDP, Hipster oder Prenzlauer-Berg-Muttis.</p>
<p>Inzwischen sind es 93 Likes und 293 Shares, und insgesamt dürfte ich mehrere tausend Leute erreicht und manche davon sogar amüsiert haben. Und obwohl ich längst die emotionale Bindung zu meinem Foto verloren habe, bin ich doch ein wenig stolz. Ich hatte nicht nur etwas Vorhandenes weiterverbreitet, sondern tatsächlich selbst etwas geschaffen. Ich hatte meinen bescheidenen Beitrag zu der sich täglich weiter reproduzierenden Pointenmaschine Internet geleistet.</p>
<div>
<p>Danach konnte ich beruhigt vier 0-Like-Beiträge posten. Einen davon habe ich allerdings nachträglich heimlich wieder gelöscht. Wie sieht denn das sonst aus?</p>
</div>
<div id="adition_zone_artikel_co"></div>
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		</item>
		<item>
		<title>Miao, miao, Weltkatzentag!</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Aug 2012 15:23:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie die Katzen 2012 den Angriff eines anderen Flauschtieres geschickt weggeschnurrt haben. Und: Das beste Katzencomic der Welt. (veröffentlich auf taz.de) Endlich ist wieder Weltkatzentag, oder WKT, wie wir Katzeninsiderprofis sagen. Und es war ein aufwühlendes Jahr für die Katzen. Menschen machten sie zu Helikoptern. Andere nutzten sie als Drogenkuriere. Eine Katze überlebte einen 2-Stunden-Waschmaschinengang, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wie die Katzen 2012 den Angriff eines anderen Flauschtieres geschickt weggeschnurrt haben. Und: Das beste Katzencomic der Welt.<span id="more-1017"></span> (veröffentlich auf <a href="https://www.taz.de/Kolumne-zum-Weltkatzentag/!99124/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1018" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/weltkatzentag000.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Endlich ist wieder Weltkatzentag, oder WKT, wie wir Katzeninsiderprofis sagen. Und es war ein aufwühlendes Jahr für die Katzen. Menschen machten sie zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-HnwhGgsgXc" target="_blank">Helikoptern</a>. Andere nutzten sie als <a href="http://www.berliner-kurier.de/panorama/unfreiwilliger-drogenkurier-katze-schmuggelt-heroin-in-russischen-knast,7169224,16827424.html" target="_blank">Drogenkuriere</a>. Eine Katze überlebte einen <a href="http://www.welt.de/newsticker/news2/article106260136/Katze-in-Suedafrika-ueberlebt-fast-zweistuendigen-Waschmaschinen-Gang.html" target="_blank">2-Stunden-Waschmaschinengang</a>, der dickste Kater der Welt überlebte hingegen <a href="http://www.spiegel.de/panorama/uebergewichtiger-kater-meow-ist-tot-a-831956.html" target="_blank">nicht</a>.</p>
<p>Meine Katze Mono fing ihren ersten Vogel (<a href="http://michaelbrake.de/2012/08/08/mono-und-die-meise/" target="_blank">explizite Bilder</a>). Und auf der re:publica wurde es dann <a href="http://www.youtube.com/watch?v=m42G0iI4S5U#t=73m58" target="_blank">von Sascha Lobo ausgesprochen</a>: Katzen im Internet, abgestuft von AAA auf AA+. Igel und Eulen gleichzeitig aufgewertet. Die Ende der Hegemonie in Flauschdigitalien drohte.</p>
<p>Und auch ich war da schon längst der Eule verfallen. Der Sphinx der Lüfte, dem Vogel der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=m6mxInxtLsk" target="_blank">1.000 Gesichter</a>, einem verknautscht-verspulten Außenseitertier mit Superfeatures wie Pseudoohren und 270-Grad-Halsdrehfunktion. Ihr unaufhaltsam steiler Aufstieg war so unaufhaltsam und steil, dass schnell ganz Facebook vereult war und die Eulen schon im Frühjahr die Stars in einem <a href="http://https://www.youtube.com/watch?v=5xdh9ajfwX4" target="_blank">Lufthansa-Werbespot</a> waren.</p>
<p>Doch wie so viele Sachen, die ganz schnell ganz toll sind, war es genauso plötzlich wieder vorbei. Aus dem Nichts standen sie <a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/prismaeule.jpg" target="_blank">auf dem Titelblatt</a> der kostenlosen TV-Beilage <em>Prisma</em>, als „Kult“ – und durften sich in der Trendtierliste ganz weit hinten, irgendwo zwischen Berner Sennenhund und Antilope, einsortieren. Hätten Eulens es doch alles ein wenig langsamer angegangen. Vielleicht gibt es ja noch eine zweite Chance.</p>
<p>Bleiben die Igel. Die lieben Igel! Die haben sich angesichts des Eulenschocks auch erstmal zurückgezogen und halten ihre niedlichen Füßchen still. Und so sind die Katzen wieder die Alphatiere in diesem Internet, zu deren Ehren am 30. August in Minneapolis endlich das erste <a href="http://www.walkerart.org/openfield/programs/internet-cat-video-film-festival/" target="_blank">Internet Cat Video Festival</a> ausgerichtet wird – wer keine Zeit hat, kann sich mit <a href="http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2012-07/nicht-genug-cat-content-meowbify-katzifiziert-deine-lieblingsseite/" target="_blank">Meowbify</a> auch einfach alle Webseiten mit Katzenvideos zupflastern.</p>
<p>Doch zu Katzenvideos wurde ja vor einem Jahr <a href="http://www.taz.de/%2175734/" target="_blank">schon alles gesagt</a>, neu dazu gekommen ist nur die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZsMmCNK6vRk" target="_blank">Anfield Cat</a> aus dem Premier-League-Spiel Liverpool gegen Tottenham. Dieses Mal soll es hier um Katzencomics gehen, genauer: Die Rückübertragung des Katzenvideoprinzips in Comicform.</p>
<p>Da gibt es einmal die ziemlich berühmte Simon&#8217;s Cat, eine Erfolgsstory, die mit einem wirklich hübschen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=w0ffwDYo00Q" target="_blank">Animationsfilm</a> über eine Katze, die ihren Besitzer aufweckt, begann. Das schöne an dem Film ist, dass er halbwegs reduziert und realistisch (okay, abgesehen von dem Baseballschläger) zeigt, wie Katzen halt sind. Doch, ach: Die Verlockung einer auszuschlachtenden Humor-Marke machte Zeichner Simon Tofield schwach. Er machte immer mehr Filme und daraus auch noch Comicbücher, inzwischen gibt es vier davon, sie sind auch in Deutschland erschienen.</p>
<p>Hier gibt es armseliges Lustigkeitsgewitter statt präziser Beobachtung, antropomorphisierenden Quark, wie Garfield, aber ohne gute Pointen und unanimiert dann eigentlich auch gar nicht so gut gezeichnet – allenfalls brauchbar als Geschenk für Menschen, die sich selbst als der „Dosenöffner“ ihrer Katze vorstellen.</p>
<p>Wie bräsig das alles wirkt, merkt man vor allem, wenn man als Kontrast das wesentlich ältere <a href="http://www.chroniclebooks.com/titles/cat-getting-out-of-a-bag-and-other-observations.html" target="_blank">„Cat Getting Out of a Bag and Other Observations“</a> und seinen Nachfolger „Cats Are Weird“ daneben stellt, von Jeffrey Brown, der zuletzt das allein schon von der Idee her großartige <a href="http://www.chroniclebooks.com/titles/darth-vadertm-and-son.html" target="_blank">„Darth Vader and Son“</a> gezeichnet hat.</p>
<p>In drei mal drei Bildern pro Seite passiert meist sehr wenig: Katze putzt sich. Katze niest. Katze dreht sich im Kreis und legt sich hin. Katze bewegt sich durch die Küche. Katze versteckt sich. Katze gähnt. Zenhafte Szenen, hinreißend gezeichnet, in grobem, leicht expressionistichem Kohlestrich. Jeder Katzenmensch wird „Ja! Genau so ist es!“ rufen und Jeffrey Brown für seine Bilder lieben. Alle anderen werden sich langweilen.</p>
<p>Sollen sie halt. Sie haben es nicht besser verdient.</p>
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		<title>Mono und die Meise</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Aug 2012 14:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Fotos]]></category>
		<category><![CDATA[Gebloggtes]]></category>
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		<description><![CDATA[Es war ein Sonntagmorgen im Mai, ich musste zur Arbeit und stand im Bad. Vom Balkon hörte ich ein Rennen, ein Fauchen, ein Piepen und ein Miau.Ich dachte mir nichts dabei, bis ich sah, was passiert ist: Mono hatte eine Meise gefangen. Entweder hatte die sich ins Innere des Katzennetzes verirrt oder Mono hatte sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war ein Sonntagmorgen im Mai, ich musste zur Arbeit und stand im Bad. Vom Balkon hörte ich ein Rennen, ein Fauchen, ein Piepen und ein Miau.<span id="more-969"></span>Ich dachte mir nichts dabei, bis ich sah, was passiert ist: Mono hatte eine Meise gefangen. Entweder hatte die sich ins Innere des Katzennetzes verirrt oder Mono hatte sie irgendwie unten durchgefummelt.</p>
<p>Nun saß sie da und spielte mit dem halbtoten Vogel. Wenn Nauschka ihr zu nahe kam, knurrte sie. Ich versuchte, ihr die Meise wegzunehmen, um ein Foto zu machen, was nach kurzer Zeit dazu führte, dass Mono sie ins Maul nahm und in die Wohnung nahm. Das musste ja nun auch nicht sein, also dass sie den Vogel in meinem Bett auseinander nimmt, deswegen lief ich hinterher. Nach zehn Minuten Jagd hatte ich Katze und Vogel wieder auf dem Balkon.</p>
<p>Mono nutzte die kurze Ruhepause, um den Vogel in einem Bissen aufzuessen. Sie hatte wohl Angst, ich würde ihn ihr wieder wegnehmen. Ich war so stolz auf meine Katze.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="size-full wp-image-973 alignnone" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/00_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="312" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-976" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/01_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="453" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-972" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/02_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="402" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-975" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/03_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="385" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-974" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/04_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="484" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-970" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/05_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="424" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-971" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/07_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="465" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-977" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/08_totemeise.jpg" alt="" width="620" height="406" /></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Der schönste Tag</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jul 2012 01:26:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Gebloggtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist der letzte Tag von D. in der Stadt und sie hat den Teufelsberg noch nicht gesehen. Nach dem Aufstehen räumen wir ihre Dreimonatswohnung auf, die Vermieter sind in Spanien, weil dort ihr Kind auf die Welt kommen soll. Gemeinsam tragen wir Kisten mit Leergut die Sonnenallee hinab, wann kommt nur endlich diese Araltankstelle? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-927 alignleft" title="teufelsberg" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/teufelsberg.jpg" alt="" width="600" height="361" /></p>
<p>Es ist der letzte Tag von D. in der Stadt und sie hat den Teufelsberg noch nicht gesehen. <span id="more-926"></span>Nach dem Aufstehen räumen wir ihre Dreimonatswohnung auf, die Vermieter sind in Spanien, weil dort ihr Kind auf die Welt kommen soll. Gemeinsam tragen wir Kisten mit Leergut die Sonnenallee hinab, wann kommt nur endlich diese Araltankstelle? Zum Mittagsfrühstück essen wir Toast und Bruschetta vor dem Rathaus Neukölln, mit Eiskaffee. Überall diese Geranienrabatten, pink und orange! Es ist wie Urlaub in einer BRD-Provinzstadt. In den Achtzigern.</p>
<p>Erst gegen acht kommen wir am S-Bahnhof Grunewald an und laufen zum Berg. Dort ergebnislose Suche nach dem Loch im Zaun, bis auf einmal Leute erscheinen und das massive Kettenschloss am Autozufahrtstor aufmachen. Sie sagen, dass es seit Mai Geld kostet, den Teufelsberg zu besichtigen. 5 Euro. Pro Person. Wir unterschreiben irgendwas, zahlen, egal, wir wollen da jetzt rauf. Außerdem ist alles voller Mücken. Man muss immer in Bewegung bleiben!</p>
<p>Oben ist es so wunderschön wie immer. Post-Atomkrieg-Stimmung. Die Sonne geht über den Tälern des Grunewalds unter. D. malt etwas an eine Wand. Wir trinken Bier, rauchen und knutschen in der Echokammer.</p>
<p>Auf dem Rückweg ist das Tor wieder zugesperrt. Niemand ist zu sehen. Wir rufen. War das nur Fake mit den 5 Euro? Immer in Bewegung bleiben. Die Mücken. Das 3G-Netz ist auf einmal ausgefallen. Wie in so einem schlechten Horrorfilm. Wir finden eine lange Leiter mit Rollen. Wie bei Monkey Island! Als wir sie zum Tor schieben, kommen uns Leute entgegen. Sie erklären uns, wo das Loch im Zaun ist.</p>
<p>Es dämmert sehr, als wir den Berg runtergehen. Zwanzig Meter vor uns steht es etwas Großes am Weg. Es springt ins Gebüsch. Ein Wildschwein! Es ist nicht mehr zu sehen, grunzt aber laut. Es klingt nicht glücklich. D. klammert sich an mich. Sie hat doch sonst nie Angst. Warum jetzt? Ich will weitergehen</p>
<p>Es fürchtet sich genau so sehr wie wir, meine ich. Das kann uns töten, meint D. Aber zurück wollen wir doch auch nicht. Wir gehen langsam weiter. Wenn wir langsam gehen, denkt es, wir schleichen uns an, meint D. Hm.</p>
<p>Plötzlich laufen in einiger Entfernung zwei Füchse über den Weg. Füchse? Nein. Frischlinge, recht große schon. Die Bache im Wald grunzt mit Nachdruck. Und jetzt? Trotzdem gehen – sage ich. Hoffentlich queren keine weiteren Frischlinge, wenn wir genau an der Stelle sind – denke ich.</p>
<p>Wir gehen weiter. Es grunzt. Mehr nicht. Vorbei. Weil uns das Schwein den Weg nach rechts abgeschnitten hat, laufen wir zurück zum S-Bahnhof Heerstraße. Wir kabbeln uns ein wenig, ob ich auch Angst hatte. Nein, sage ich. Hast du aber gesagt, sagt D. Kann ich mich nicht dran erinnern, meine ich. Ich scheitere bei dem Versuch, ihr eine Riesenbärlauchpusteblume zu schenken, alle Samen fliegen weg.</p>
<p>Mit der S-Bahn fahren wir wieder in die Stadt herein. Na gut. Okay. Ich hatte auch ein wenig Angst.</p>
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		<title>Jeder kann malen!</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jul 2012 12:07:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anderswo]]></category>
		<category><![CDATA[Gebloggtes]]></category>

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		<description><![CDATA[(Im Zug nach Hannover. Vater, Typ Oliver Korittke, sieht recht verkatert aus. Tochter, etwa acht Jahre, eher so Pippi-Langstrumpf-Style.) Tochter: Was soll ich malen? Vater: Mal doch mal Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin. Nee, ich male keine Menschen. Und auch keine Tiere. Und keine Fabelwesen. Ich mal lieber eine Landschaft. Zum Beispiel einen Wald. Ja, mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>(Im Zug nach Hannover. Vater, Typ Oliver Korittke, sieht recht verkatert aus. Tochter, etwa acht Jahre, eher so Pippi-Langstrumpf-Style.)<span id="more-895"></span></em></p>
<p><strong>Tochter: Was soll ich malen?</strong></p>
<p>Vater: Mal doch mal Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin.</p>
<p><strong>Nee, ich male keine Menschen. Und auch keine Tiere. Und keine Fabelwesen. Ich mal lieber eine Landschaft. Zum Beispiel einen Wald.</strong></p>
<p>Ja, mal doch einen Wald.</p>
<p><strong>Und wie soll ich den Wald malen? Von oben? Oder von mittendrin? Oder &#8230;</strong></p>
<p>&#8230;</p>
<p><strong>Papa! Wie soll ich den Wald malen!? Von oben, von mittendrin &#8230;</strong></p>
<p>Von mittendrin. Von oben sieht das so langweilig aus.</p>
<p><strong></strong><em>(Das Mädchen malt einen Baum)</em></p>
<p><em></em><strong>Papa, Du sollst auch mitmalen.</strong></p>
<p><strong></strong>Nee, ich hab jetzt echt keinen Bock</p>
<p><strong></strong><strong>(<em>flüstert</em>) Sonst schrei ich ganz laut!</strong></p>
<p><strong></strong>Aber ich kann das nicht so gut. Wenn ich da jetzt was male, sieht das alles blöd aus.</p>
<p><strong></strong><strong>Dann sieht es halt blöd aus.</strong></p>
<p><strong></strong>Ich will aber nicht dein schönes Bild doofmalen.</p>
<p><strong></strong><strong>Dann mal ich es halt nochmal.</strong></p>
<p><strong></strong>Man kann auch gar nicht zu mehreren malen. Malen macht man alleine.</p>
<p><strong></strong><strong>Stimmt gar nicht! Man kann auch zu zweit malen, oder zu dritt oder zu viert&#8230;</strong></p>
<p><strong></strong>Mach dir mal ne Haarspange rein, damit du wieder aussiehst wie ein Mensch.</p>
<p><strong></strong><strong>Du sollst jetzt mit mir malen.</strong></p>
<p><strong></strong>Ich kann aber nicht malen.</p>
<p><strong></strong><strong>Jeder kann malen! Jeder kann malen! Das hat meine Kunstlehrerin gesagt.</strong></p>
<p><strong></strong>Als Kind habe ich gern gemalt. Aber durch den Kunstunterricht hatte ich keine Lust mehr. Da wurde einem immer gesagt, du sollst das malen und du sollst so malen. Dabei sollte man malen, worauf man Lust hat. Das kannst du deiner Kunstlehrerin mal sagen.</p>
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		<title>Einfach besser</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jun 2012 20:48:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[EM 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Joachim Löws Aufstellung funktioniert nicht. Mario Balotelli macht sich unsterblich. Deutschland verliert im EM-Halbfinale. Das war&#8217;s. (veröffentlich auf taz.de) Das Spiel: Das ist also der Abend, an dem Deutschland seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Und das deutlich. Dabei beginnen die Deutschen stärker: Eine frühe Chance von Hummels klärt Pirlo auf der Linie, gute Fernschüsse von Kroos und Khedira entschärft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Joachim Löws Aufstellung funktioniert nicht. Mario Balotelli macht sich unsterblich. Deutschland verliert im EM-Halbfinale. Das war&#8217;s.<span id="more-1009"></span> (veröffentlich auf <a href="http://www.taz.de/Deutschland-verliert-im-Halbfinale/!96363/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p><strong>Das Spiel:</strong> Das ist also der Abend, an dem Deutschland seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Und das deutlich. Dabei beginnen die Deutschen stärker: Eine frühe Chance von Hummels klärt Pirlo auf der Linie, gute Fernschüsse von Kroos und Khedira entschärft Buffon. Und Italien mit ungewohnten Flüchtigkeitsfehlern, Barzagli nach einem Missverständnis fast mit einem Eigentor. Bis in der 20. Minute Cassano auf dem linken Flügel Hummels vernascht, scharf flankt und Balotelli aus fünf Metern mit dem Kopf eindrückt. 1:0.</p>
<p>Jetzt kippt das Spiel. Deutschland verliert den Zugriff. Es ist wurstig. Es ist statisch. Zweimal warten freistehende Italiener noch mit dem Schuss so lange, bis deutsche Verteidiger im Weg stehen. Dann erreicht in der 36. Minute ein 30-Meter-Pass aus dem linken Halbfeld den komplett freistehenden Balotelli. Der geht einige Schritte und nagelt den Ball ins obere rechte Toreck. Top 5 der schönsten EM-Tore, mindestens.</p>
<p>Löw reagiert, für seine Verhältnisse früh: Schon zur Halbzeit bringt er Reus und Klose für die enttäuschenden Gomez und Podolski. Eine klare Belebung, vor allem Marco Reus bringt endlich Tempo ins deutsche Angriffsspiel. Aber wieder dauert die deutsche Drangphase nur circa 15 Minuten, danach kriegt Italien das Spiel besser in den Griff, nur noch eine wirklich gute Freistoßchance von Marco Reus gelingt.</p>
<p>In der 71. Minute die letzte Option: Müller für Boateng. Deutschland mit Dreierkette oder so – egal, es muss jetzt eh nur noch nach vorne gehen. Doch Deutschland hat nur viele kleinere Chancen, alle Italiener verteidigen genauso abgekocht, wie man das im Handbuch für Klischees gelernt hat. Und haben nebenbei noch große Konterchancen: Balotelli, Di Natale, Marchisio, Diamante schießen und vergeben das 3:0.</p>
<p>Dann die 92. Minute: Italiens Balzaretti mit Handspiel im Strafraum. Zurecht Elfmeter. Özil verwandelt sicher. Doch mehr geht nicht. Mehr geht einfach nicht, an diesem Abend.</p>
<p><strong>Der Moment des Spiels:</strong> Das 1:0. Der Moment, als die Deutschen den Glauben verloren haben. Sie sollten ihn nicht wiederfinden.</p>
<p><strong>Der Spieler des Spiels:</strong> Mario Balotelli. Spielte eine reife EM, machte gegen Irland ein schönes Fallrückziehertor, war gegen England sehr präsent. Seine große Show hebt er sich aber fürs Halbfinale auf. Er sucht immer den Abschluss und heute findet er zweimal das Tor: Kopfball, Fernschuss. Die Nerven verliert er auch nicht.</p>
<p><strong>Die Pfeife des Spiels I:</strong> Lukas Podolski. Kommt zurück in die Startelf, bringt wenig. Einmal gefährlich angespielt, aber ein Italiener ist vor ihm da. Löw lässt ihn zur Halbzeit draußen. Immerhin hat Podolski jetzt ein EM-Spiel in seinem Heimatland Polen gemacht. Schön. Für ihn.</p>
<p><strong>Die Pfeife des Spiels II:</strong> Holger Badstuber. Man darf bei einer Flanke auch hochsteigen. Dann hat man zumindest die Möglichkeit, ein Kopfballduell zu gewinnen. Muss man aber nicht. Dann macht Balotelli halt das 1:0.</p>
<p><strong>Schlussfolgerung: </strong>Joachim Löw wird ausgecoacht. Seine Aufstellung mit Gomez, Podolski und Kroos funktioniert nicht, gegen Balotelli ist die deutsche Innenverteidigung offenbar nicht richtig eingestellt, auch Pirlo wird nicht neutralisiert. Prandelli hat sein Team heute besser eingestellt. Und das ist ihm gegen Spanien auch zuzutrauen. Das Finale – es ist eine offene Angelenheit.</p>
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		<title>Das Cristiano-Ronaldo-Syndrom</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/06/27/das-cristiano-ronaldo-syndrom/</link>
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		<pubDate>Wed, 27 Jun 2012 17:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[EM 2012]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. (veröffentlicht auf taz.de) Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling, der eigentlich nichts drauf hatte, außer Brüste. Dabei gewann sie zwei Grand-Slam-Titel im Doppel und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. <span id="more-911"></span>(veröffentlicht auf <a href="https://www.taz.de/Kolumne-B-Note/!96173/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p>Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling, der eigentlich nichts drauf hatte, außer Brüste. Dabei gewann sie zwei Grand-Slam-Titel im Doppel und war im Einzel Weltranglisten-Achte, was jetzt nicht direkt schlecht ist.</p>
<p>Kournikovas Problem: Sie sah hervorragend aus und das auf eine Art, bei der jede Pore ihres Körpers sagte: „Seht her, wie attraktiv ich bin“. Solche Menschen müssen sich im Sport doppelt beweisen und permanent gegen den Verdacht anspielen, nur wegen ihres Aussehens berühmt zu sein. Sie haben das Cristiano-Ronaldo-Syndrom.</p>
<p>Der portugiesische Angreifer ist aktuell unzweifelhaft einer der besten Fußballer der Welt, er hat zuletzt 46 Saisontore in der spanischen Liga geschossen, auch einen großen Titel holte er schon: 2008 die Champions League. Gleichzeitig legt Ronaldo genauso unzweifelhaft viel Wert auf sein Aussehen, wird von zahlreichen Menschen attraktiv gefunden und schmiert sich Gel ins Haar (was gefühlt 80 Prozent aller unter 30-Jährigen Männer und 98 Prozent aller Profifußballer tun, der als besonders unprätentiös geltende Wayne Rooney transplantiert sich sogar Haare – aber egal).</p>
<p>Nun scheint Eitelkeit für viele Leute nicht mit Leistungsfähigkeit vereinbar zu sein. Bei jedem Fehlschuss, jeder Macke in Ronaldos Spiel fühlen sie sich bestätigt: Der Mann ist nichts als Hype. Als wenn Ronaldo nur auf dem Platz stehen würde, weil die Mannschaftsaufstellung von einem Teenagerinnen-Telefonvoting bestimmt wird, und nicht von leistungsorientierten Trainern.</p>
<p>Interessanterweise findet man Ronaldokritiker vor allem unter Menschen, die sich selbst für reflektiert halten. Das funktioniert so: Weil Ronaldo schön sein will, muss er oberflächlich sein. Um zu zeigen, wie unheimlich unoberflächlich man selbst ist, bewertet man Ronaldos Spiel besonders kritisch. Die Beurteilung von Spielfähigkeiten auf der Grundlage von Aussehen wird so zum Ausdruck von Tiefgründigkeit. Bemerkenswert.</p>
<p>Neben der Haargelsache wird übrigens auch Ronaldos Gestik im Allgemeinen und sein Freistoßanlauf im Speziellen gern kritisiert. Hierbei macht er fünf große Schritte rückwärts, um dann breitbeinig wie ein Cowboy stehenzubleiben. Reines Gegockel? Von wegen: Da hat jemand für sich herausgefunden, wie der optimale Bewegungsablauf sein muss und es in ein Ritual zur besseren Konzentration verpackt. Einen Sami Khedira würde man für solche Akribie loben. Ronaldo nicht.</p>
<p>Denn das Narrativ „Ronaldo ist ein überschätzter Schnösel“ hat sich längst so tief in die öffentliche Fußball-Wahrnehmung gebrannt wie „Italiener können nur mauern” (auch wenn Prandelli gerade das Gegenteil veranstaltet), „Deutschland hat immer Losglück” (Todesgruppe, hallo?) und „Engländer können keine Elfer” (obwohl, Moment, das stimmt ja wirklich).</p>
<div>
<p>Und deswegen ist auch egal, dass Ronaldo bei dieser EM in zwei entscheidenden Spielen der beste Mann auf dem Platz war, mit drei Toren und vier Aluminiumtreffern. Es braucht nur eine vergebene Großchance, nur ein in Superzeitlupengroßaufnahme gezeigter hadernder Blick, nur ein Übersehen des besser postierten Nebenmannes von Cristiano Ronaldo – und alle werden es mal wieder schon immer gewusst haben. Der Typ ist ne Wurst!</p>
</div>
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		<title>Der Mann mit der Mütze</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 16:36:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[EM 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic (aus der taz vom 12. Juni 2012) Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder Italiener handelt, sogar elegant, wenn es sich um Pep Guardiola handelt, sogar extremsuperelegant. Die zweite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic <span id="more-900"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&amp;dig=2012%2F06%2F12%2Fa0099&amp;cHash=6af9b14977" target="_blank">taz</a> vom 12. Juni 2012)</strong></h3>
<p>Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder Italiener handelt, sogar elegant, wenn es sich um Pep Guardiola handelt, sogar extremsuperelegant.</p>
<p>Die zweite Sorte setzt auf Trainingskleidung und erklärt damit: Wir sind ganz nah dran am Team. Wir rackern mit! Diese Trainer werden immer seltener, in den ersten sechs Spielen der EM setzte nur Polens Franciszek Smuda auf Polyester. Immerhin ist es überhaupt erlaubt, anders als in den europäischen Vereinswettbewerben, wo selbst Kapuzenpullimaus Thomas Schaaf und Oberkumpel Jürgen Klopp in Anzüge gezwungen werden.</p>
<p>Und dann gibt es noch Slaven Bilic, der im Spiel gegen die von Trapattoni (graues Sakko, blaue Krawatte) trainierten Iren auf eine Kombination setzte: Anzug unten, Mütze oben. Und nicht irgendeine Mütze, sondern das eleganteste Beanie, das sein Kleidungssponsor im Angebot hatte. Andere Trainer wagen höchstens, einen dicken Anorak über das Sakko zu ziehen, Bilic gibt den Business Punk. Slaven Beanic, quasi.</p>
<p>Dabei ist der Move nicht neu, auch vorher trug Bilic schon mal Mütze. Aber er zeigt: Die Kombination aus Business- und Streetwear sorgt immer noch für Irritationen, über 25 Jahre nach Joschka Fischers Turnschuhen, auch nach New Economy und Jahrzehnten des Casual Fridays.</p>
<p>Das erste Style-Ausrufezeichen der EM kommt also aus Kroatien. Herr Löw – kontern Sie!</p>
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		<title>Der große Flauschangriff</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jun 2012 17:17:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Nullen und Einsen]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat die Liebe entdeckt. Flausch ersetzt Rumgetrolle. Happiness auf Zuckerwattespeed, juchu! Oder doch bloß digitales Soma? (aus der taz vom 6. Juli 2012) Nicht gemeckert ist genug gelobt. Diese robuste Grundeinstellung der Niedersachsen, Berliner und Ostwestfalen gilt auch in weiten Teilen des Internets. Während es zahlreiche klar definierte Hassausdrucksformen gibt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat die Liebe entdeckt. Flausch ersetzt Rumgetrolle. Happiness auf Zuckerwattespeed, juchu! Oder doch bloß digitales Soma? <span id="more-905"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!94902/" target="_blank">taz</a> vom 6. Juli 2012)</h3>
<p><img class="size-full wp-image-907 alignnone" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/flauschangriff.jpg" alt="" width="620" height="417" /></p>
<p>Nicht gemeckert ist genug gelobt. Diese robuste Grundeinstellung der Niedersachsen, Berliner und Ostwestfalen gilt auch in weiten Teilen des Internets. Während es zahlreiche klar definierte Hassausdrucksformen gibt – den Rant, den Shitstorm, den Flame-War, die Trollerei – wird Respekt oder gar Zuneigung normalerweise nur technisch ausgedrückt: durch das Betätigen der Like-, Fav- und +1-Buttons, durch Trackbacks oder Verlinkungen. Meist aber gar nicht.</p>
<p>Seit rund einem halben Jahr aber etabliert sich aber eine Gegentechnik: Der Flausch. Flauschen kann trösten sein, eine Zuneigungsbekundigung, hippiehafte Happiness auf Zuckerwattespeed und noch vieles mehr. Speziell auf twitter wird mit dem Hashtag <a href="http://twitter.com/#!/search/realtime/#flausch" shape="rect" target="_blank">#flausch</a> viel Liebe in die Welt geblasen.</p>
<p>Im Internet groß gemacht hat den Begriff möglicherweise Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier, der in seinem eigenen Blog schon seit Mitte 2009 die Rubrik <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/flausch-am-sonntag-44/" shape="rect" target="_blank">Flausch am Sonntag</a> unterhält, dessen Flauschcontent sich aber wirklich auf pelzige oder wollige Tiere bezieht und nicht auf Kulturtechniken. Mindestens so lange steht „flauschen“ auch schon im Szenesprachenwiki des Online-Duden. Kurz vor Weihnachten 2011 rief dann jedenfalls Anatol Stefanowitsch <a href="http://plus.google.com/u/0/110709408825070411070/posts/CZmud1LN5hW" shape="rect" target="_blank">auf Google+</a> zu einem Flauschstorm für die drei Monate nach ihrem Wahlerfolg dezent unter Stress stehende Berliner Piraten-Landtagsfraktion auf.</p>
<p>Überhaupt kämpft die Piratenpartei an vorderster Flauschfront. Was einigermaßen logisch ist, denn deren Streitkultur ist Internet in siebenfacher Intensität und ein Piratenparteiamt auszuüben kein My-Little-Pony-Hof – deswegen gibt es eine <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Flausch" shape="rect" target="_blank">AG Flausch</a> (okay, es gibt auch eine AG Jagd), die unter dem Motto „Harmonie und yeah“ den inneren Parteifrieden aufrecht erhalten möchte und dafür unter anderem Bällebäder für Parteitage organisiert.</p>
<p>Und so ging es weiter. Ein Katzenfoto forderte im Februar <a href="http://fun.drno.de/pics/politik/kaputtflauschen.jpg" shape="rect" target="_blank">„ACTA kaputtflauschen“</a>. Die sorgenkritische <a href="http://twitter.com/#!/flauscheria" shape="rect" target="_blank">Flauscheria</a> twittert Wärmendes wie „Mein Flausch für euch ist ganz geschlechtsneutral für ALLE da &lt;3.“ Nach der Saarlandwahl im März schickte Piratensprecher Thomas Brück <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QOc52EtpvlM" shape="rect" target="_blank">in einer ARD-Runde</a> seiner erkrankten Spitzenkandidatin „einen herzlichen Flausch“ – was einen massiven Flausch-Ausschlag beim Analyse-Tool <a href="http://www.google.de/trends/?q=flausch&amp;ctab=0&amp;geo=de&amp;geor=all&amp;date=all&amp;sort=0" shape="rect" target="_blank">Google Trends</a> zur Folge hatte. Und Sascha Lobo stellte bei seinem <a href="http://www.spiegel.de/video/re-publica-sascha-lobo-haelt-einen-ueberraschungsvortrag-video-1194155.html" shape="rect" target="_blank">re:publica-Vortrag</a> Anfang Mai fest, dass seit 2011 im Internet nur noch „auf Nachfrage beleidigt wird“ und ersetzt seinen sonst üblichen Startrant durch einen Startflausch.</p>
<p>Doch während die einen sich noch an sich selbst beflauschen, hat anderswo längst eine Flauschdiskussion begonnen. „Leide unter Angoraphobie – Der Angst vor Flausch.“ <a href="http://twitter.com/DAS_OFF/status/209960284641701888" shape="rect" target="_blank">twittert</a> Löschkopf. Flausch wird aufgrund inflationärer Nutzung als hohle Pose kritisiert. <a href="http://the-gay-bar.com/2012/03/15/eine-kritik-des-flausch/" shape="rect" target="_blank">Oder als „Schmerztablette“ bezeichnet</a>, die Probleme in Watte packt, anstatt sie zu lösen – und letztlich sogar den Hatern hilft, weil viele ihre Diskussionskultur aufs Flauschen beschränken. Das <a href="http://antiprodukt.de/obey-the-flausch/" shape="rect" target="_blank">Antiblog</a> hält dagegen: „Kleine Flauschpflaster in Form von Aufmerksamkeitssekunden helfen oft schon weiter“. Und so weiter.</p>
<div>
<p>Wo die Debatte hinsteuert, ist völlig offen: Nicht geflauscht ist genug gemeckert? Oder doch: Nie wieder Flauschwitz!?</p>
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		<title>Endlich EM!</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jun 2012 16:35:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-891" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/endlichem.jpg" alt="" width="620" height="827" /></p>
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		<title>Der deutsche Disney</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jun 2012 17:42:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Comic-Magazin Reddition widmet seine aktuelle Ausgabe dem genialen Selbstvermarkter Rolf Kauka. Er wurde als Schöpfer und Verleger von Fix und Foxi bekannt. (aus der taz vom 7. Juni 2012) Das deutsche Entenhausen hieß Fuxholzen. Hier lebten Fix und Foxi mit Freunden und Familie – bis 1994 ihre Comicheftreihe, die in den Sechzigerjahren noch wöchentliche Auflagen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Comic-Magazin <em>Reddition</em> widmet seine aktuelle Ausgabe dem genialen Selbstvermarkter Rolf Kauka. Er wurde als Schöpfer und Verleger von Fix und Foxi bekannt. <span id="more-920"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Comic-Magazin-ueber-Verleger-Rolf-Kauka/!94795/" target="_blank">taz</a> vom 7. Juni 2012)</h3>
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<p><img class="alignright size-full wp-image-922" title="Reddition_56" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Reddition_56.jpg" alt="" width="300" height="424" />Das deutsche Entenhausen hieß Fuxholzen. Hier lebten Fix und Foxi mit Freunden und Familie – bis 1994 ihre Comicheftreihe, die in den Sechzigerjahren noch wöchentliche Auflagen von 400.000 verzeichnete, eingestellt wurde. Mehrere Wiederbelebungsversuche scheiterten.</p>
<p>Trotz einiger Auslandslizenzen blieben Fix und Foxi ein Phänomen, das nur im Kontext der von Bonn regierten BRD funktionierte – genau wie ihr Schöpfer Rolf Kauka, 1917 geboren, dem Idealtypus des Wirtschaftswunderunternehmers entspricht. Geschäftssinn, Skrupellosigkeit, Mut und Charisma zeichneten Kauka aus, in seinen markanten Editorials („Liebe Freunde …“) präsentierte er sich als der allgegenwärtige kreative Kopf seines Verlagsimperiums, das er nach Gutsherrenart führte und im Trial-and-Error-Verfahren immer weiter ausbaute – unter anderem gehörten <em>Tom und Biber</em> und das bis heute existierende <em>Bussi Bär</em> zum Kauka-Portfolio.</p>
<p>Dabei war Kauka kein begnadeter Zeichner, sondern, ähnlich wie Walt Disney, vor allem ein Entrepreneur und Selbstvermarkter. Seinen Erfolg verdankte er einem arbeitsteiligen Studiosystem, umfangreichem Merchandising und der urheberrechtlichen Ausbeutung seiner Mitarbeiter. Zudem brachte Kauka diverse frankobelgische (heutige) Klassiker, von <em>Gaston</em> bis <em>Lucky Luke,</em> nach Deutschland.</p>
<h6>Asterix im Kalten Krieg</h6>
<p>Wobei er es mit den Übersetzungen recht frei hielt – so frei, dass aus <em>Asterix und Obelix</em> eine von plumpen Kalter-Krieg-Anspielungen durchsetzte Erzählung über die Germanen „Siggi und Babarras“ wurde. Das passte gut zu dem als konservativ bis deutschnational geltenden Kauka. Seine Comics setzten auf Märchen- und Abenteuerstoffe, sein Fuxholzen verkörperte die bieder-heile Welt der süddeutschen Provinz.</p>
<p>Einen extrem detaillierten Einblick in das Schaffen Rolf Kaukas gibt die aktuelle Ausgabe des Comicmagazins <em>Reddition</em> (10 Euro). Die „Zeitschrift für Graphische Literatur“ erscheint seit 1984 meist zweimal pro Jahr, Herausgeber Volker Hamann war 15, als er sie als typisches Comic-Fanzine startete: mit zusammenkopierten Schwarz-Weiß-Seiten und einer Auflage von 32 Exemplaren. Stets wird genau ein Thema behandelt, wobei sich die <em>Reddition</em> der Aufarbeitung vergangener Jahrzehnte verschrieben hat, von Will Eisner über die Nouvelle Ligne Claire bis zum italienischen Comic.</p>
<p>„Magazin“ beschreibt dabei vor allem die äußere Erscheinungsform der<em>Reddition,</em> mit DIN-A4-Seiten, Vierfarbdruck und vielen Bildern. Inhaltlich handelt es sich eher um ein Fach- und Sachbuch für Freunde speziellen Kulturwissens, was mitunter schwierig ist: Ab und an kippt der Schreibstil von sachlich in trocken, und eine nerdhafte Präzision und Ausführlichkeit bei der Nennung von Personen, Zahlen und Verlagsbeteiligungen steht im Zweifel vor gutem Lesefluss. Auch die Beschränkung auf Fließtexte – es gibt keine Rubriken, keine Bildstrecken, keine kleinen Elemente oder andere Rhythmusgeber – macht das Heft nicht zugänglicher.</p>
<p>Das ist schade, denn die umfassende Charakterzeichnung Kaukas ist wirklich lesenswert, genau wie das Insiderwissen über Vorgänge und Verwerfungen im Kauka-Verlag oder die Analyse von Geschäftsmodellen und Marketingpraktiken – etwa der mehrfache Imagewechsel des Wolfs Lupo vom Schnorrer zum Mod zum Hippie und wieder zurück.</p>
<h6>Flickenteppichartige Bilderflut</h6>
<p>Ungewohnt ist auf den ersten Blick auch das Layout: Pro Seite sind mehrere kleine Bilder – Magazinseiten, Anzeigen, Merchandisingartikel und alte Fotos – neben und in den Text eingebunden. Diese Bilderflut wirkt zunächst flickenteppichartig und unruhig, ist aber Konzept: „Wichtig ist für mich, ebenso wie im Comic, die lineare und logische Abstimmung von Text und Bild“, sagt Volker Hamann. Die Artikel sollten „mit sinnvollen und möglichst unbekannten aussagekräftigen Beispielen“ illustriert sein.</p>
<div>
<p>Was gelingt: Hat sich das Auge erst mal an die kleinteiligen Seiten gewöhnt, sorgen die Zeitdokumente, auch dank ihrer heute eigentümlich erscheinenden Sprache, für die Atmosphäre, die den Texten oftmals fehlt.</p>
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		<title>Die halbierte Halbzeitpause</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 17:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[EM 2012]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor. (aus der taz vom 28. Juni 2012) Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien gegen Frankreich zu Mehmet Scholl. Huch! Wie konnte denn das passieren? So viele Highlights gab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor.</h3>
<h3><span id="more-1267"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-B-Note/!96221/" target="_blank">taz</a> vom 28. Juni 2012)</h3>
<p>Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien gegen Frankreich zu Mehmet Scholl. Huch! Wie konnte denn das passieren? So viele Highlights gab es in diesem Viertelfinalspiel doch gar nicht.</p>
<p>Es war halt wie immer: Statt das Spiel aufzubereiten, zeigt die ARD lieber die „Tagesthemen“. 7:26 Minuten lang durfte ein freundlicher junger Mann namens Ingo Zamperoni ein bisschen Weltgeschehen präsentieren. Rechnet man das ganze Gedöns der Trailer, Sponsorenpresenter und Respect-Clips weg, bleiben dann noch schmale fünf Minuten fürs Sportliche. Die Frage ist: Warum?</p>
<p>Denn natürlich ist es wichtig, was in Syrien und in Ägypten passiert. Und vielleicht auch ein Bericht vom Bundesverband der Deutschen Tafeln aus Suhl. Und mit viel Fantasie sind sogar die Viele-Nackte-Menschen-Skulpturen von Spencer Tunick wichtig. Aber das hätte man ja auch schon vorher in der „Tagesschau“ sehen können. Oder im ZDF. Oder auf dem Digitalkanal – you name it – tagesschau24.</p>
<p>Bei der „Sportschau“ gab es sowas lange Zeit auch, eine Mini-„Tagesschau“ mittendrin, keine zwei Minuten lang, aber die hatte zumindest eine Funktion: Sie teilte die Sendung in zwei Teile, sodass die ARD mehr Werbung schalten konnte. Musste man nicht gut finden, konnte man aber verstehen.</p>
<div>
<p>Bei der EM gibt es keine Gründe. Es gibt auch keine Pflicht: Problemlos könnte man „Tagesthemen“ und „Heute“ einfach im Anschluss und dafür in ganzer Länge zeigen – worauf man aber verzichtet, weil Waldi Hartmann und Markus Lanz mit ihren lustigen Fußballtalkrunden warten und dazwischengeklatschte Nachrichten den Audience Flow kaputt machen würden.</p>
<p>So bleibt es seit Ewigkeiten bei einer Lösung, die in ihrer Kompromisshaftigkeit öffentlich-rechtlicher nicht sein könnte, die weder Fußball- noch Nachrichtenbedürfnisse vernünftig abdeckt und für die es nur zwei Erklärungen gibt:</p>
<p>1. ARD und ZDF wollen den bildungsfernen Massen ihre wahnsinnige Infokompetenz vorgaukeln, während genau diese seit Jahren zusammengekürzt und auf lustige späte Sendeplätze verschoben wird. 2. Die Reduktion der Halbzeitberichterstattung soll den Mangel an Kompetenz in Sachen Fußballfragen bei quasi allen Beteiligten kaschieren. „Wir können ja gar nicht in die Tiefe gehen, in 5 Minuten. Hallo?“</p>
<p>PS: Parallel zum Samstags-Viertelfinale lief im ZDF das „Heute-Journal“ übrigens nicht um 21.45 Uhr, wie fast immer, sondern erst um 23.20 Uhr. Es musste verschoben werden, weil nach dem Krimi „Stubbe – von Fall zu Fall“ erst noch ein ganzer Bella-Block-Krimi laufen musste.</p>
</div>
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		<title>Keine toreschießende Wollmilchsau</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 11:58:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Solide Schwarzbrot-Qualität vom kicker, viele bunte Gimmicks beim Testsieger 11 Freunde – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der taz) Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg sitzt in einem alten Bunker, vielleicht unter dem Reichsparteitagsgelände, die kicker-Redaktion, mit der Außenwelt nur mittels eines Telegrafen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Solide Schwarzbrot-Qualität vom <em>kicker</em>, viele bunte Gimmicks beim Testsieger <em>11 Freunde</em> – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der <a href="https://www.taz.de/Sonderhefte-zur-Fussball-EM/!94447/" target="_blank">taz</a>)</h3>
<p><span id="more-709"></span></p>
<p><img class="alignleft" title="kicker-sonderheft" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kicker-sonderheft.jpg" alt="" width="200" height="277" />Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg sitzt in einem alten Bunker, vielleicht unter dem Reichsparteitagsgelände, die <em>kicker</em>-Redaktion, mit der Außenwelt nur mittels eines Telegrafen verbunden. Draußen dreht sich die Welt weiter, einflussreiche Magazindynastien werden gegründet und zerfallen wieder zu Staub, Fußball und Feuilleton nähern sich einander an, <em>11 Freunde</em> revolutioniert die Bildsprache des deutschen Fußballjournalismus. Und der <em>kicker</em> bringt halt ein Sonderheft zur Fußball-Europameisterchaft raus, das exakt so aussieht wie immer: gleiches Layout, gleiche Fotos, gleiche Inhalte.</p>
<p>Erst kommen detaillierte Texte zum deutschen Team inklusive Hotelporträt und Interviews mit Alt-Europameistern. Anschließend werden die restlichen 15 Mannschaften vorgestellt. Mit Texten zu Stärken, Schwächen und Wunschaufstellung, sehr sachlich und souverän, wenngleich ohne den totalen taktischen Tiefgang, sowie mit Mannschaftsfoto, ungefährem Kader (wie in allen Heften lag der Redaktionsschluss vor der Nominierungsfrist) und – das allerdings ist als Handreichung ein echtes Plus – kurzen Steckbriefen aller Spieler. Am Ende folgen noch unfassbar detaillierte Statistiken zur deutschen EM-Historie.</p>
<p>Auch sprachlich finden sich noch viele Reste aus der verblassenden Zeit des Bratwurstjournalismus: Da geht die Post ab, da werden Sachen wie aus dem Eff-eff gekannt, da gibt es Trainerfüchse und robuste Kerle. Nein, man wird beim <em>kicker</em> nicht ästhetisch umschmeichelt. Aber wer eine umfassende, seriöse und ironiefreie Vorbereitung auf die EM sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Achso:  irgendwo verstecken sich auch tatsächlich zwei Gimmicks – die ewige Stecktabelle und eine furchtbar unlustige Kolumne von Django Asül.</p>
<p><img class="alignleft" title="11freunde_05_365711889b" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/11freunde_05_365711889b.jpg" alt="" width="200" height="266" />„The icing on the cake“ nennt man im Englischen solche veredelnden Glitzi-Elemente, die nicht lebensnotwendig sind, für die man sich aber ein wenig Zeit und Liebe nehmen sollte. Und der <em>kicker</em> gleicht nunmal einem nahrhaften Kuchentrumm, auf den sich ein paar Puderzuckermoleküle verirrt haben – während umgekehrt die EM-Ausgabe von <em>11 Freunde</em> ein millimeterdünner Tortenboden ist, auf dem mehrere Kubikmeter Glasur thronen.</p>
<h6>Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken</h6>
<p>Unzählige Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken ziehen sich durch das Heft, darunter viel Fiktives, das meiste lustig, manches eher nicht. Gleichzeitig wird gar nicht erst versucht, alle wichtigen Informationen abzubilden oder alle Teams vorzustellen, auch das beiliegende Miniheft mit den Spielerkadern erfüllt nur eine Alibi-Funktion. Die <em>11 Freunde</em> müssen aufpassen, dass sie sich in ihrer Pose der ironischen Brechung nicht irgendwann komplett verheddern. Auch bei ihren Live-Tickern im Internet ist der Klamaukanteil mitunter nur noch schwer ertragbar.</p>
<p>Abgesehen davon machen sie aber, was sie am besten können: Jeder Turniertag wird zum Anlass für eine hintergründige Geschichte oder eine Bildidee genommen. Seien es Gruppenfotogalerien von polnischen Hooligans mit nackten Muskeloberkörpern, eine grandiose Analyse des Fußballsongs „Three Lions“ oder ein Interview, in dem Dänemarks Ex-Nationaltorwart Peter Schmeichel mit dem Big-Mac-Mythos vom EM-Sieg 1992 aufräumt – journalistisch und gestalterisch ist das <em>11-Freunde</em>-Heft mit Abstand das beste im Feld.</p>
<p>Eine Synthese zwischen beiden Philosophien versucht der österreichische <em>ballesterer</em>, der einen ähnlich kritischen Fankultur- und Lebenswelt-Ansatz wie <em>11 Freunde</em> vertritt. Nach dem klassischen kleinteiligen Magazin-Einstieg hat das Heft eine klare Struktur, jede Mannschaft wird mit einem doppelseitigen Text versehen, nur die Gastgeber Polen und Ukraine haben richtig lange Stücke bekommen.</p>
<p>Über die Details der Transformation des griechischen 4-2-3-1 in ein 4-5-1 beim Gegenpressing erfährt man hier zwar nichts, als geschmeidiger Einstieg ins Turnier aber funktioniert es gut. Und als Bonus gibt es die leicht verschobene Nachbarland-Perspektive und einige schöne Austriazismen.</p>
<h6>Viel Schland-Content bei Sport-Bild</h6>
<p>Mit im Rennen ist natürlich auch die <em>Sport-Bild</em>. Sie informiert ähnlich umfassend wie der <em>kicker</em>, mit vielen Statistiken und viel Schland-Content. Das Layout ist vielseitiger, dafür mit Werbung vollgekleistert, die Teamporträts sind fluffiger geschrieben, dafür taktisch bei weitem nicht so fundiert. Wer es schnell und leicht verdaulich mag – oder ein besonderes Interesse an den Social-Media-Aktivitäten der EM-Stars hat – dürfte das <em>Sport-Bild</em>- dem <em>kicker</em>-Sonderheft vorziehen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-712" title="ballesterer" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/ballesterer.jpg" alt="" width="200" height="267" />Das EM-Heft und zugleich die Erstausgabe des neuen, von Egmont Ehapa (<em>Micky Maus</em>) verlegten Magazins <em>Goal</em> dem Rest vorziehen sollte hingegen nur, wer ein Cristiano-Ronaldo-Poster haben will. Ansonsten stimmt hier praktisch nichts, von der kaum lesbaren Schrift und der hölzernen Sprache über den mangelnden taktischen Tiefgang und das wirre (aber sehr bunte!) Layout bis hin zur offenbar nicht vorhandenden Schlusskorrektur.</p>
<p>Echten Fußball-Nerds oder Menschen, die es werden wollen, sei schließlich die nur als E-Book veröffentliche EM-Vorschau des Blogs <a href="http://spielverlagerung.de/" target="_blank">spielverlagerung.de</a> empfohlen – ebenfalls eine Premiere. Wobei Book auch im Wortsinn gemeint ist, denn abgesehen von Mini-Grafiken der Teamaufstellung gibt es hier nur: Text. Seitenlang werden die taktischen Optionen, Stärken und Schwächen der Spieler und Teams analysiert, präziser und tiefgehender findet man das nirgends. Dazu kommen einige Hintergrundtexte und Porträts. Sprachlich ist das zwar manchmal etwas lang und umständlich, aber insgesamt doch ziemlich gefällig.</p>
<p>Kombiniert mit dem <em>11-Freunde-</em>Heft deckt das Spielverlagerungs-Buch dann auch am ehesten alle Wünsche nach Spaß und Ernst in der EM-Vorbereitung ab. Wer alles kompakt in einem Heft haben will, muss sich halt zwischen <em>kicker</em>, <em>Sport-Bild</em> und <em>ballesterer</em> entscheiden.</p>
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		<title>Die Farbe des Pols</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 12:52:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[fluter.de]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>

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		<description><![CDATA[War der erste Mensch am Nordpol ein Schwarzer? Simon Schwartz porträtiert in seiner Graphic Novel „Packeis“ den vergessenen Polarreisenden Matthew Henson. (veröffentlicht auf fluter.de). Wer war der erste Mensch am Südpol? Richtig: Roald Amundsen. War ja 2011 gerade erst das 100-jährige Jubiläum. Und wer war der erste Mensch am Nordpol? Das ist höchst strittig – offiziell [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>War der erste Mensch am Nordpol ein Schwarzer? Simon Schwartz porträtiert in seiner Graphic Novel „Packeis“ den vergessenen Polarreisenden Matthew Henson.<span id="more-722"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://www.fluter.de/de/111/buecher/10467/" target="_blank">fluter.de</a>).</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-725" title="packeis_breit" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/packeis_breit.jpg" width="620" height="278" /></p>
<p>Wer war der erste Mensch am Südpol? Richtig: Roald Amundsen. War ja 2011 gerade erst das 100-jährige Jubiläum. Und wer war der erste Mensch am Nordpol? Das ist höchst strittig – offiziell heißt es: Robert E. Peary im Jahr 1909. Doch Pearys Aufzeichnungen enthalten einige Ungereimtheiten, und die seines Konkurrenten Frederick Cook erst recht. Ein Name wird in diesem Zusammenhang hingegen nie genannt: Matthew Henson.</p>
<p>Dabei könnte der sogar noch einige Stunden vor seinem Expeditionsleiter Peary am Pol gewesen sein. Das Problem: Henson war Afroamerikaner. Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Kolonialismus die Welt prägte und die Sklavenbefreiung in den USA erst wenige Jahrzehnte zurück lag, stand schlichtweg außer Frage, dass ein Schwarzer den Nordpol erobern könnte. Schwarze traten im öffentlichen Leben praktisch nicht auf.</p>
<p>In seiner Graphic Novel „Packeis“ erzählt Simon Schwartz Hensons Geschichte in zahlreichen Rückblenden. Es ist eine Geschichte der Diskriminierung und der Ungerechtigkeit. Schwartz zeigt, wie Henson durch Rassismus früh zum Vollwaisen wird und wie er beginnt, die See zu bereisen. Wie Henson 1887 in Nicaragua erstmals Robert E. Peary auf einer Expedition begleitet und später auf allen seinen Polarentdeckungsreisen dabei ist. Wie Henson sich durch seine schnelle Auffassungsgabe, sein handwerkliches Geschick und seine Loyalität immer wieder unersetzlich macht – obwohl er von Peary in erster Linie als nützliches Werkzeug gesehen wird, um noch mehr Forscherruhm zu erlangen.</p>
<h6>Die Welt um 1900</h6>
<p>Aber auch die Rückschläge und Finanzakquisen Pearys sind ein Thema. Überhaupt wird ein umfassendes Bild der Zeit um 1900 gezeichnet, als Naturwissenschaftler die Vermessung der Welt vorantrieben und die halbe westliche Welt gebannt das Rennen um die Pole verfolgte. Zugleich liegt ein besonderer Fokus auf der Beziehung Matthew Hensons zu den Inuit, deren Sprache er schnell lernte: Für sie ist er Mahri Paluk, ein guter Dämon, der den Teufel besiegte.</p>
<p>Simon Schwartz, geboren 1982, scheint eine Vorliebe für historische Stoffe zu entwickeln. „drüben!“, seine Diplomarbeit an der Comiczeichner-Talentschmiede HAW Hamburg, handelt von der Geschichte seiner Eltern, die in der Endphase der DDR einen Ausreiseantrag stellten.</p>
<p>In seinem aktuellen Werk hat Schwartz seinen Stil auf atemberaubende Weise weiterentwickelt. Zwar sehen die Figuren mit ihren großen Augen und expressionistisch-vereinfachten Gesichtszügen weiterhin aus wie eine unbestimmte Mischung aus mittelamerikanischer Wandmalerei und den Charakteren alter Mosaik-Comics – wie schon in seinem Debüt –, doch ist ihnen jede Unbeholfenheit abhanden gekommen.</p>
<h6>Sog der Bilder</h6>
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<p>Mit seinem markantem Strich und einer klaren Farbgebung zieht Schwartz seine Leser und Leserinnen mit jeder Seite tiefer in einen Sog der Bilder. Er schafft komplexe visuelle Überleitungen zwischen den verschiedenen Zeitebenen, lässt die Hintergründe zwischen realistischen Darstellungen und ausdrucksstarken Mustern changieren, verschränkt die mythologische Darstellung Hensons als Inuit-Geist mit der modernen Welt der USA.</p>
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<p>Farblich ist „Packeis“ ausschließlich in flächigen Schwarz-, Weiß-, Grau- und Hellblautönen gehalten. Und so hart wie diese Kontraste sind auch Gut und Böse gezeichnet. Auf der einen Seite Robert A. Peary, der mit jeder Polarreise hinterlistiger, habgieriger, hakennasiger wird und im Schlussakkord alle Widersacher beiseite räumt. Auf der anderen Seite der grundgütige Henson, der sich klug an die Kultur der Inuit anpasst und Peary gegenüber doch stets loyal bleibt. Davon abgesehen gelingt es Schwartz aber, nur in geringen Dosen zu moralisieren.</p>
<p><img class="size-full wp-image-723 alignleft" alt="Packeis_Cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Packeis_Cover.jpg" width="200" height="270" />Trotz der umfangreichen Recherche nimmt er sich dabei einige künstlerische Freiheiten heraus – etwa indem er die beiden Ehefrauen Hensons zu einer vermengt. Eine ausführliche Zeittafel mit Originalfotografien am Buchende verleiht dem umwerfenden Bilderrausch eine finale Erdung. So ist „Packeis“ ein rundum gelungenes Werk.</p>
<p><strong>Simon Schwartz: Packeis (Avant-Verlag 2012, 176 S., 19.95 €)</strong></p>
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		<title>Enttäuschte Liebe</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 13:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über einen kurzen Flirt mit Hertha BSC. (aus der taz vom 12. Mai 2012)  Letzten Samstag hatte mich schlagartig eine unerklärliche Zuneigung zu Hertha BSC ereilt. Dieser zarte Spross musste gepflegt werden! Also ging ich mit einem Freund zum Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Olympiastadion &#8211; wo wir seit Jahren nur waren, wenn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/hertha_fortuna.jpg"><br />
</a>BERLINER SZENE über einen kurzen Flirt mit Hertha BSC. <span id="more-531"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2012%2F05%2F12%2Fa0256&amp;cHash=dccd001ec1" target="_blank">taz</a> vom 12. Mai 2012)</strong> <strong><br />
</strong></h3>
<p><img class="size-full wp-image-532 alignnone" title="hertha_fortuna" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/hertha_fortuna.jpg" alt="" width="620" height="350" /></p>
<p>Letzten Samstag hatte mich schlagartig eine unerklärliche Zuneigung zu Hertha BSC ereilt. Dieser zarte Spross musste gepflegt werden! Also ging ich mit einem Freund zum Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Olympiastadion &#8211; wo wir seit Jahren nur waren, wenn es galt, Werder Bremen beim Auswärtsspiel zu unterstützen.</p>
<p>Wir sind so pünktlich da, dass wir uns noch Wurst und Bier kaufen können. Als die Aufstellung vorgelesen wird, ist es fast voll. Ich rufe, na ja: spreche die Nachnamen mit. Hey, irgendwie ist das nach elf Jahren ja auch ein wenig <em>meine</em> Stadt. Und einen Verein, den Campino unterstützt, wer wollte den schon in der ersten Liga haben?</p>
<p>Hertha spielt besser. Hertha macht das 1:0. Neuer Spielstand? Hertha: EIIIIIIIIIINS. Düsseldorf: NUUUUUUUULLLL. Etwas schade ist, dass Fangesänge der Düsseldorfer immer nur mit Pfiffen übertönt werden, statt mit Gesängen. Aber jetzt nicht nörgelig werden. Ha-ho-he!</p>
<p>In der zweiten Hälfte fällt dann recht überraschend der Ausgleich. Egal. Weiter! Hinter uns rennt Polizei in den Oberrang. Ein Mann mit Blut im Gesicht wird abgeführt. Etwas mehr als 10 Minuten später macht Düsseldorf das 2:1, per Eigentor. Das Stadion ist still. Die Mannschaft reagiert nicht. Die Hertha-Ostkurve ist nicht mehr vorhanden. Eventuell ein Streik, weil sie Manager Preetz weghaben wollen? Die Fortuna-Fans hüpfen, sie singen &#8220;You&#8217;ll never walk alone&#8221;.</p>
<p>Noch drei Minuten. Die Leute verlassen das Stadion. &#8220;Immerhin ist der Preetz dann wirklich weg&#8221;, sagt hinter mir jemand. Der Stadionsprecher fordert zum Jubeln auf. Die Ostkurve bleibt stumm. Es ist zum Verzweifeln.</p>
<p>Vorbei. Chancen im Rückspiel: gegen Null. Im Stadion läuft &#8220;Bitter Sweet Symphony&#8221;. Ich nehme eine von den vielen kleinen Hertha-Fahnen mit, die vorhin noch geschwenkt wurden. Die können meine Katzen jetzt zerfetzen.</p>
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