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	<title>Michael Brake &#187; Sport</title>
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		<title>Mittelhochtief</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Dec 2013 19:44:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hammergruppe oder Losglück? Die deutsche WM-Gruppe ist keines von beidem. Der Sportboulevard kann dennoch zufrieden sein. (veröffentlich auf taz.de am 7. Dezember) Es ist schon putzig mit der deutschen Sportpresse, die so gern alle Ergebnisse und Ereignisse nur in schwarz oder]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Hammergruppe oder Losglück? Die deutsche WM-Gruppe ist keines von beidem. Der Sportboulevard kann dennoch zufrieden sein. <span id="more-1648"></span>(veröffentlich auf <a href="http://taz.de/Kolumne-Press-Schlag/!128950/" target="_blank">taz.de</a> am 7. Dezember)</h3>
<p>Es ist schon putzig mit der deutschen Sportpresse, die so gern alle Ergebnisse und Ereignisse nur in schwarz oder weiß wahrnehmen möchte. „Glück gehabt“ und „lösbare Aufgaben“, stand <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-auslosung-deutschland-gegen-ghana-usa-und-portugal-a-937239.html" target="_blank" shape="rect">im ersten Text auf Spiegel Online</a> direkt nach der Auslosung der Gruppen der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Bild.de sprach parallel hingegen von einer <a href="http://www.bild.de/sport/fussball/wm-2014/jogi-jetzt-kommen-deine-gegner-33707772.bild.html" target="_blank" shape="rect">„Hammer-Gruppe für Jogi“</a>, die bloß noch von der „Horror-Gruppe“ mit England, Uruguay und Italien getoppt wurde.</p>
<p>Was passiert war? Deutschland hatte, sowas kann ja mal passieren, mit Portugal, den USA und Ghana aus jedem der drei Töpfe zwar eines der besseren Teams zugelost bekommen, aber eben nicht genau dreimal das härteste. So ist man nun insgesamt in einer der stärksten Gruppen gelandet – wohl nicht so heftig wie die Gruppe B mit Holland, Spanien und Chile bzw. die England-Gruppe D, aber klar vor etwa der C-Gruppe mit Kolumbien, der Elfenbeinküste, Griechenland, Japan oder der E-Gruppe mit der Schweiz, Frankreich, Ecuador und Honduras.</p>
<p>Für Deutschland wird in dieser Konstellation jedes Spiel zu einer Herausforderung, aber, natürlich, ist die Mannschaft Favorit auf den Gruppensieg und der Achtelfinaleinzug ist insgesamt eine machbare Aufgabe – was angesichts der Lostopfzusammensetzung und der aktuellen Spielstärke der deutschen Elf übrigens noch kein Losglück ist, sondern eine Selbstverständlichkeit.</p>
<p>Glück offenbart diese Auslosung allerdings auf den zweiten Blick, wenn man einen Schritt weitergeht und sich mögliche Wege durch den KO-Baum des Turniers vorstellt. Da sieht man, dass mit Brasilien, Holland, Italien und Spanien vier der Mitfavoriten auf den Titel erst als Halbfinalgegner möglich sind, mindestens zwei von ihnen sich aber vorher schon hübsch gegenseitig aus dem Turnier genommen haben werden. Auch England, Uruguay, Mexiko und die Elfenbeinküsten, Chile und Kolumbien spielen in dieser Baumhälfte.</p>
<p>Auf der deutschen Seite sind Argentinien, das unberechenbare Frankreich und die allgemein als Geheimfavorit geltenden, aber ohne Turniererfahrung ausgestatteten Belgier die größten Namen, daneben traut man allenfalls noch Russland etwas zu. Dieser Weg würde – immer vorausgesetzt man scheidet nicht schon in Gruppe aus – vielleicht kein leichter sein, aber unfassbar steinig und hart ist er dennoch nicht.</p>
<p>Großes Losglück bedeutet die deutsche Gruppe übrigens auch für den deutschen Sportboulevard. Die USA mit Jürgen Klinsmann, Ghana mit Kevin-Prince Boateng, Portugal mit Cristiano Ronaldo – besser hätte es kaum laufen können, jedes Spiel lässt sich mit wunderbar mit Personality-Storys vor- und nachbereiten und auf lästige Dinge wie Spielsysteme und Taktik muss nicht weiter Rücksicht genommen werden.</p>
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		<title>Der Reggaeclub aus dem Güllegürtel</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Oct 2013 17:36:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rasta Vechta hat den Durchmarsch aus der dritten Liga in die Basketball-Bundesliga geschafft. Dort setzt man auf vertrautes Personal – und einen guten Namen. (aus der taz vom 2. Oktober 2013) Zum 13-Uhr-Training ist auch der Zoll gekommen. Dabei haben die Besucher]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Rasta Vechta hat den Durchmarsch aus der dritten Liga in die Basketball-Bundesliga geschafft. Dort setzt man auf vertrautes Personal – und einen guten Namen. <span id="more-1620"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Basketball-Bundesligist-Rasta-Vechta/!124793/" target="_blank">taz</a> vom 2. Oktober 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/SC_Rasta_Vechta_logo.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1626" alt="SC_Rasta_Vechta_logo" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/SC_Rasta_Vechta_logo.jpg" width="620" height="349" /></a></p>
<p>Zum 13-Uhr-Training ist auch der Zoll gekommen. Dabei haben die Besucher in den dunkelgrünen Overalls gar kein Interesse an den Wurfübungen der Basketballer von Rasta Vechta. Sie sind hier, um die Arbeitsgenehmigungen der Handwerker zu überprüfen. Ein Routinetermin.</p>
<p>Denn kurz vor dem ersten Bundesligaspiel in Vechtas Vereinsgeschichte ist der Rasta Dome noch eine Baustelle. Es werden Stuhlreihen angeschweißt, im VIP-Bereich wird der Boden gebohnert, ein Praktikant und ein FSJler tragen die Papierbahnen der Werbebanden vom Spielfeld.</p>
<p>Der Hallenausbau auf über 3.000 Zuschauerplätze ist verpflichtend für den Aufsteiger in die Basketball-Bundesliga (BBL). Sechs Meter wird die Halle dafür breiter gemacht und ein neuer Oberrang eingezogen. Die neuen Standkorbanlagen sind bereits installiert, die LCD-Displays für die Spielstände gerade mit dem Schiff aus China angekommen. „So dick war der Stapel mit den Auflagen“, sagt Manager Alexander Müller und deutet einen halben Meter hohen Papierberg in der Luft an.</p>
<p>Dabei hatte man die Halle erst im Sommer 2012 gebaut, in bloß fünf Monaten. Da war Vechta erstmals in die ProA, die zweithöchste deutsche Liga, aufgestiegen. Die Mannschaft galt als Abstiegskandidat, verlor die ersten drei Spiele – und schaffte danach den Durchmarsch in die BBL. Der vorläufige Höhepunkt eines Wegs, der in den späten 70ern als AG des Vechtaer Gymnasiums Antonianum begann.</p>
<h6>Fünf Spieler aus Liga drei</h6>
<p>In die neue Spielzeit geht Vechta gleich mit sieben Spielern aus dem Aufstiegskader, fünf waren sogar schon in Liga drei dabei. Ein ungewöhnliches Wagnis im Hire-and-fire-Sport Basketball, das Trainer Pat Elzie aber gern eingeht: „Der Großteil der Jungs hat sich das verdient“, sagt er. Dabei setzt Elzie vor allem auf Spielmacher Richard Williams, 2013 in der ProA zum wertvollsten Spieler gewählt.</p>
<p>Hinzu kommen Neuzugänge wie der aus der kanadischen Profiliga gewechselte 130-Kilo-Center Isaac Butts. „Er bringt die Masse mit, die wir in der BBL brauchen“, so Elzie. Butts soll unter den Brettern den 2,12-Meter-Mann Dirk Mädrich unterstützen, der beide Aufstiege mitgemacht hat und als einer von nur drei Rasta-Spielern BBL-Erfahrung hat. „Er ist unser Leitwolf, er hat einen unglaublichen Wurf für seine Größe“, sagt Coach Patrick Elzie über Mädrich.</p>
<p>Die Offensive, die in der ProA 91 Punkte pro Spiel machte, scheint gerüstet. „Aber man muss in der Ersten Liga gut verteidigen, da gibt es ein ganz anderes Niveau als in der ProA“, sagt Pat Elzie, „und wir müssen unsere Fehler minimieren.“ 22 Ballverluste wie bei der Niederlage im vorletzten Testspiel gegen Ligakonkurrent Bayreuth wird man sich im Auftaktspiel am 3. Oktober in Trier bestimmt nicht leisten können.</p>
<h6>Teamgeist über alles</h6>
<p>Elzie selbst ist unbestritten der Vater des Erfolgs: Seit 1984 arbeitet er, von kurzen Stationen in Syrien und Zypern abgesehen, als Spieler und Trainer in Deutschland, vor dreieinhalb Jahren kam er nach Vechta. Der 53-Jährige vereint eine natürliche Autorität mit Herzlichkeit. Man nimmt ihm ab, wenn er immer und immer wieder das Mantra sämtlicher Außenseiter der Sportwelt beschwört und den Teamgeist als große Stärke von Rasta Vechta herausstellt: „Zusammen ist alles möglich. Bei uns können mehrere Spieler Top-Scorer sein und den entscheidenden Wurf nehmen.“</p>
<p>Ein weiterer Trumpf des Vereins ist sein Name. Rasta ist kein Sponsor, es geht tatsächlich um Reggaemusik: 1979 wollte die Basketball-AG vom Antonianum einen Verein gründen, und als über den Namen beraten wurde, lief „Rastaman Vibrations“ von Bob Marley.</p>
<p>Heute sichert der Teamname Medienaufmerksamkeit und Vermarktungspotenzial, man wirbt mit „Rasta ist der geilste Club der Welt“, die Cheerleader nennen sich die „Marleys“. Sogar in der größten Tageszeitung Jamaikas stand schon ein Artikel. Deswegen hat sich Vechta in der Liga von Namensungetümen wie den New Yorker Phantoms Braunschweig auch bewusst gegen ein Namenssponsoring entschieden. „Weil wir das nicht wollen“, sagt Manager Alexander Müller.</p>
<h6>Tiefschwarze Heimat</h6>
<p>Der FC St. Pauli der BBL ist Vechta dennoch nicht, denn Rastas Heimat hat mit Alternativkultur wenig zu tun. Vechta liegt zwischen Oldenburg und Osnabrück und bildet mit dem Nachbarkreis Cloppenburg eine katholische Insel in den Weiten der niedersächsischen Tiefebene. Hier erreichte die CDU bei der Bundestagswahl über 60 Prozent, hier liegt die Geburtenrate deutlich über und die Arbeitslosenquote deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die Region boomt. „Güllegürtel“ wird sie auch genannt. Riesige Hühner- und Schweinemastbetriebe prägen das Bild.</p>
<p>Auch Stefan Niemeyer ist auf diese Weise wohlhabend geworden. Dem Mäzen und langjährigen Vereinspräsidenten von Rasta gehört ein Futtermittelunternehmen. Niemeyer ist ein bulliger, hemdsärmeliger Mann, der sich nach der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz mit den Sponsoren – der lokale Versicherer, die lokale Landessparkasse, seit neuestem ist auch der lokale Energieversorger dabei – das Jackett so schnell wie möglich wieder auszieht.</p>
<p>Vorher hatte er zufrieden erklärt, dass der Aufstieg nicht nur ein positiver Ausrutscher war: „Wir haben das feste Ziel, Basketball auf diesem Niveau in Vechta zu etablieren.“ Warum auch nicht? Rastas Vorbereitung verlief mit sieben Siegen und zwei Niederlagen erfolgreich. Das Team wurde früh zusammengestellt und ist entsprechend eingespielt. Und mit einem Etat von rund 1,5 Millionen Euro liegt man zwar im unteren Ligadrittel, aber auch nicht abgeschlagen am Ende der BBL.</p>
<p>Deswegen hat auch Coach Pat Elzie große Ziele: „Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen“, sagt er. „Wir wollen möglichst früh mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Die Spieler haben die Qualität. Aber es wird eine knüppelharte Saison.“</p>
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		<title>Einfach besser</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jun 2012 20:48:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Joachim Löws Aufstellung funktioniert nicht. Mario Balotelli macht sich unsterblich. Deutschland verliert im EM-Halbfinale. Das war&#8217;s. (veröffentlich auf taz.de) Das Spiel: Das ist also der Abend, an dem Deutschland seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Und das deutlich. Dabei beginnen die Deutschen stärker:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Joachim Löws Aufstellung funktioniert nicht. Mario Balotelli macht sich unsterblich. Deutschland verliert im EM-Halbfinale. Das war&#8217;s.<span id="more-1009"></span> (veröffentlich auf <a href="http://www.taz.de/Deutschland-verliert-im-Halbfinale/!96363/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p><strong>Das Spiel:</strong> Das ist also der Abend, an dem Deutschland seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Und das deutlich. Dabei beginnen die Deutschen stärker: Eine frühe Chance von Hummels klärt Pirlo auf der Linie, gute Fernschüsse von Kroos und Khedira entschärft Buffon. Und Italien mit ungewohnten Flüchtigkeitsfehlern, Barzagli nach einem Missverständnis fast mit einem Eigentor. Bis in der 20. Minute Cassano auf dem linken Flügel Hummels vernascht, scharf flankt und Balotelli aus fünf Metern mit dem Kopf eindrückt. 1:0.</p>
<p>Jetzt kippt das Spiel. Deutschland verliert den Zugriff. Es ist wurstig. Es ist statisch. Zweimal warten freistehende Italiener noch mit dem Schuss so lange, bis deutsche Verteidiger im Weg stehen. Dann erreicht in der 36. Minute ein 30-Meter-Pass aus dem linken Halbfeld den komplett freistehenden Balotelli. Der geht einige Schritte und nagelt den Ball ins obere rechte Toreck. Top 5 der schönsten EM-Tore, mindestens.</p>
<p>Löw reagiert, für seine Verhältnisse früh: Schon zur Halbzeit bringt er Reus und Klose für die enttäuschenden Gomez und Podolski. Eine klare Belebung, vor allem Marco Reus bringt endlich Tempo ins deutsche Angriffsspiel. Aber wieder dauert die deutsche Drangphase nur circa 15 Minuten, danach kriegt Italien das Spiel besser in den Griff, nur noch eine wirklich gute Freistoßchance von Marco Reus gelingt.</p>
<p>In der 71. Minute die letzte Option: Müller für Boateng. Deutschland mit Dreierkette oder so – egal, es muss jetzt eh nur noch nach vorne gehen. Doch Deutschland hat nur viele kleinere Chancen, alle Italiener verteidigen genauso abgekocht, wie man das im Handbuch für Klischees gelernt hat. Und haben nebenbei noch große Konterchancen: Balotelli, Di Natale, Marchisio, Diamante schießen und vergeben das 3:0.</p>
<p>Dann die 92. Minute: Italiens Balzaretti mit Handspiel im Strafraum. Zurecht Elfmeter. Özil verwandelt sicher. Doch mehr geht nicht. Mehr geht einfach nicht, an diesem Abend.</p>
<p><strong>Der Moment des Spiels:</strong> Das 1:0. Der Moment, als die Deutschen den Glauben verloren haben. Sie sollten ihn nicht wiederfinden.</p>
<p><strong>Der Spieler des Spiels:</strong> Mario Balotelli. Spielte eine reife EM, machte gegen Irland ein schönes Fallrückziehertor, war gegen England sehr präsent. Seine große Show hebt er sich aber fürs Halbfinale auf. Er sucht immer den Abschluss und heute findet er zweimal das Tor: Kopfball, Fernschuss. Die Nerven verliert er auch nicht.</p>
<p><strong>Die Pfeife des Spiels I:</strong> Lukas Podolski. Kommt zurück in die Startelf, bringt wenig. Einmal gefährlich angespielt, aber ein Italiener ist vor ihm da. Löw lässt ihn zur Halbzeit draußen. Immerhin hat Podolski jetzt ein EM-Spiel in seinem Heimatland Polen gemacht. Schön. Für ihn.</p>
<p><strong>Die Pfeife des Spiels II:</strong> Holger Badstuber. Man darf bei einer Flanke auch hochsteigen. Dann hat man zumindest die Möglichkeit, ein Kopfballduell zu gewinnen. Muss man aber nicht. Dann macht Balotelli halt das 1:0.</p>
<p><strong>Schlussfolgerung: </strong>Joachim Löw wird ausgecoacht. Seine Aufstellung mit Gomez, Podolski und Kroos funktioniert nicht, gegen Balotelli ist die deutsche Innenverteidigung offenbar nicht richtig eingestellt, auch Pirlo wird nicht neutralisiert. Prandelli hat sein Team heute besser eingestellt. Und das ist ihm gegen Spanien auch zuzutrauen. Das Finale – es ist eine offene Angelenheit.</p>
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		<title>Das Cristiano-Ronaldo-Syndrom</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jun 2012 17:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. (veröffentlicht auf taz.de) Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. <span id="more-911"></span>(veröffentlicht auf <a href="https://www.taz.de/Kolumne-B-Note/!96173/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p>Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling, der eigentlich nichts drauf hatte, außer Brüste. Dabei gewann sie zwei Grand-Slam-Titel im Doppel und war im Einzel Weltranglisten-Achte, was jetzt nicht direkt schlecht ist.</p>
<p>Kournikovas Problem: Sie sah hervorragend aus und das auf eine Art, bei der jede Pore ihres Körpers sagte: „Seht her, wie attraktiv ich bin“. Solche Menschen müssen sich im Sport doppelt beweisen und permanent gegen den Verdacht anspielen, nur wegen ihres Aussehens berühmt zu sein. Sie haben das Cristiano-Ronaldo-Syndrom.</p>
<p>Der portugiesische Angreifer ist aktuell unzweifelhaft einer der besten Fußballer der Welt, er hat zuletzt 46 Saisontore in der spanischen Liga geschossen, auch einen großen Titel holte er schon: 2008 die Champions League. Gleichzeitig legt Ronaldo genauso unzweifelhaft viel Wert auf sein Aussehen, wird von zahlreichen Menschen attraktiv gefunden und schmiert sich Gel ins Haar (was gefühlt 80 Prozent aller unter 30-Jährigen Männer und 98 Prozent aller Profifußballer tun, der als besonders unprätentiös geltende Wayne Rooney transplantiert sich sogar Haare – aber egal).</p>
<p>Nun scheint Eitelkeit für viele Leute nicht mit Leistungsfähigkeit vereinbar zu sein. Bei jedem Fehlschuss, jeder Macke in Ronaldos Spiel fühlen sie sich bestätigt: Der Mann ist nichts als Hype. Als wenn Ronaldo nur auf dem Platz stehen würde, weil die Mannschaftsaufstellung von einem Teenagerinnen-Telefonvoting bestimmt wird, und nicht von leistungsorientierten Trainern.</p>
<p>Interessanterweise findet man Ronaldokritiker vor allem unter Menschen, die sich selbst für reflektiert halten. Das funktioniert so: Weil Ronaldo schön sein will, muss er oberflächlich sein. Um zu zeigen, wie unheimlich unoberflächlich man selbst ist, bewertet man Ronaldos Spiel besonders kritisch. Die Beurteilung von Spielfähigkeiten auf der Grundlage von Aussehen wird so zum Ausdruck von Tiefgründigkeit. Bemerkenswert.</p>
<p>Neben der Haargelsache wird übrigens auch Ronaldos Gestik im Allgemeinen und sein Freistoßanlauf im Speziellen gern kritisiert. Hierbei macht er fünf große Schritte rückwärts, um dann breitbeinig wie ein Cowboy stehenzubleiben. Reines Gegockel? Von wegen: Da hat jemand für sich herausgefunden, wie der optimale Bewegungsablauf sein muss und es in ein Ritual zur besseren Konzentration verpackt. Einen Sami Khedira würde man für solche Akribie loben. Ronaldo nicht.</p>
<p>Denn das Narrativ „Ronaldo ist ein überschätzter Schnösel“ hat sich längst so tief in die öffentliche Fußball-Wahrnehmung gebrannt wie „Italiener können nur mauern” (auch wenn Prandelli gerade das Gegenteil veranstaltet), „Deutschland hat immer Losglück” (Todesgruppe, hallo?) und „Engländer können keine Elfer” (obwohl, Moment, das stimmt ja wirklich).</p>
<div>
<p>Und deswegen ist auch egal, dass Ronaldo bei dieser EM in zwei entscheidenden Spielen der beste Mann auf dem Platz war, mit drei Toren und vier Aluminiumtreffern. Es braucht nur eine vergebene Großchance, nur ein in Superzeitlupengroßaufnahme gezeigter hadernder Blick, nur ein Übersehen des besser postierten Nebenmannes von Cristiano Ronaldo – und alle werden es mal wieder schon immer gewusst haben. Der Typ ist ne Wurst!</p>
</div>
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		<title>Der Mann mit der Mütze</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 16:36:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic (aus der taz vom 12. Juni 2012) Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic <span id="more-900"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&amp;dig=2012%2F06%2F12%2Fa0099&amp;cHash=6af9b14977" target="_blank">taz</a> vom 12. Juni 2012)</strong></h3>
<p>Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder Italiener handelt, sogar elegant, wenn es sich um Pep Guardiola handelt, sogar extremsuperelegant.</p>
<p>Die zweite Sorte setzt auf Trainingskleidung und erklärt damit: Wir sind ganz nah dran am Team. Wir rackern mit! Diese Trainer werden immer seltener, in den ersten sechs Spielen der EM setzte nur Polens Franciszek Smuda auf Polyester. Immerhin ist es überhaupt erlaubt, anders als in den europäischen Vereinswettbewerben, wo selbst Kapuzenpullimaus Thomas Schaaf und Oberkumpel Jürgen Klopp in Anzüge gezwungen werden.</p>
<p>Und dann gibt es noch Slaven Bilic, der im Spiel gegen die von Trapattoni (graues Sakko, blaue Krawatte) trainierten Iren auf eine Kombination setzte: Anzug unten, Mütze oben. Und nicht irgendeine Mütze, sondern das eleganteste Beanie, das sein Kleidungssponsor im Angebot hatte. Andere Trainer wagen höchstens, einen dicken Anorak über das Sakko zu ziehen, Bilic gibt den Business Punk. Slaven Beanic, quasi.</p>
<p>Dabei ist der Move nicht neu, auch vorher trug Bilic schon mal Mütze. Aber er zeigt: Die Kombination aus Business- und Streetwear sorgt immer noch für Irritationen, über 25 Jahre nach Joschka Fischers Turnschuhen, auch nach New Economy und Jahrzehnten des Casual Fridays.</p>
<p>Das erste Style-Ausrufezeichen der EM kommt also aus Kroatien. Herr Löw – kontern Sie!</p>
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		<title>Keine toreschießende Wollmilchsau</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jun 2012 11:58:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Solide Schwarzbrot-Qualität vom kicker, viele bunte Gimmicks beim Testsieger 11 Freunde – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der taz vom 5. Juni 2012) Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Solide Schwarzbrot-Qualität vom <em>kicker</em>, viele bunte Gimmicks beim Testsieger <em>11 Freunde</em> – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der <a href="https://www.taz.de/Sonderhefte-zur-Fussball-EM/!94447/" target="_blank">taz</a> vom 5. Juni 2012)</h3>
<p><span id="more-709"></span></p>
<p><img class="alignleft" title="kicker-sonderheft" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kicker-sonderheft.jpg" width="200" height="277" />Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg sitzt in einem alten Bunker, vielleicht unter dem Reichsparteitagsgelände, die <em>kicker</em>-Redaktion, mit der Außenwelt nur mittels eines Telegrafen verbunden. Draußen dreht sich die Welt weiter, einflussreiche Magazindynastien werden gegründet und zerfallen wieder zu Staub, Fußball und Feuilleton nähern sich einander an, <em>11 Freunde</em> revolutioniert die Bildsprache des deutschen Fußballjournalismus. Und der <em>kicker</em> bringt halt ein Sonderheft zur Fußball-Europameisterchaft raus, das exakt so aussieht wie immer: gleiches Layout, gleiche Fotos, gleiche Inhalte.</p>
<p>Erst kommen detaillierte Texte zum deutschen Team inklusive Hotelporträt und Interviews mit Alt-Europameistern. Anschließend werden die restlichen 15 Mannschaften vorgestellt. Mit Texten zu Stärken, Schwächen und Wunschaufstellung, sehr sachlich und souverän, wenngleich ohne den totalen taktischen Tiefgang, sowie mit Mannschaftsfoto, ungefährem Kader (wie in allen Heften lag der Redaktionsschluss vor der Nominierungsfrist) und – das allerdings ist als Handreichung ein echtes Plus – kurzen Steckbriefen aller Spieler. Am Ende folgen noch unfassbar detaillierte Statistiken zur deutschen EM-Historie.</p>
<p>Auch sprachlich finden sich noch viele Reste aus der verblassenden Zeit des Bratwurstjournalismus: Da geht die Post ab, da werden Sachen wie aus dem Eff-eff gekannt, da gibt es Trainerfüchse und robuste Kerle. Nein, man wird beim <em>kicker</em> nicht ästhetisch umschmeichelt. Aber wer eine umfassende, seriöse und ironiefreie Vorbereitung auf die EM sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Achso:  irgendwo verstecken sich auch tatsächlich zwei Gimmicks – die ewige Stecktabelle und eine furchtbar unlustige Kolumne von Django Asül.</p>
<p><img class="alignleft" title="11freunde_05_365711889b" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/11freunde_05_365711889b.jpg" width="200" height="266" />„The icing on the cake“ nennt man im Englischen solche veredelnden Glitzi-Elemente, die nicht lebensnotwendig sind, für die man sich aber ein wenig Zeit und Liebe nehmen sollte. Und der <em>kicker</em> gleicht nunmal einem nahrhaften Kuchentrumm, auf den sich ein paar Puderzuckermoleküle verirrt haben – während umgekehrt die EM-Ausgabe von <em>11 Freunde</em> ein millimeterdünner Tortenboden ist, auf dem mehrere Kubikmeter Glasur thronen.</p>
<h6>Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken</h6>
<p>Unzählige Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken ziehen sich durch das Heft, darunter viel Fiktives, das meiste lustig, manches eher nicht. Gleichzeitig wird gar nicht erst versucht, alle wichtigen Informationen abzubilden oder alle Teams vorzustellen, auch das beiliegende Miniheft mit den Spielerkadern erfüllt nur eine Alibi-Funktion. Die <em>11 Freunde</em> müssen aufpassen, dass sie sich in ihrer Pose der ironischen Brechung nicht irgendwann komplett verheddern. Auch bei ihren Live-Tickern im Internet ist der Klamaukanteil mitunter nur noch schwer ertragbar.</p>
<p>Abgesehen davon machen sie aber, was sie am besten können: Jeder Turniertag wird zum Anlass für eine hintergründige Geschichte oder eine Bildidee genommen. Seien es Gruppenfotogalerien von polnischen Hooligans mit nackten Muskeloberkörpern, eine grandiose Analyse des Fußballsongs „Three Lions“ oder ein Interview, in dem Dänemarks Ex-Nationaltorwart Peter Schmeichel mit dem Big-Mac-Mythos vom EM-Sieg 1992 aufräumt – journalistisch und gestalterisch ist das <em>11-Freunde</em>-Heft mit Abstand das beste im Feld.</p>
<p>Eine Synthese zwischen beiden Philosophien versucht der österreichische <em>ballesterer</em>, der einen ähnlich kritischen Fankultur- und Lebenswelt-Ansatz wie <em>11 Freunde</em> vertritt. Nach dem klassischen kleinteiligen Magazin-Einstieg hat das Heft eine klare Struktur, jede Mannschaft wird mit einem doppelseitigen Text versehen, nur die Gastgeber Polen und Ukraine haben richtig lange Stücke bekommen.</p>
<p>Über die Details der Transformation des griechischen 4-2-3-1 in ein 4-5-1 beim Gegenpressing erfährt man hier zwar nichts, als geschmeidiger Einstieg ins Turnier aber funktioniert es gut. Und als Bonus gibt es die leicht verschobene Nachbarland-Perspektive und einige schöne Austriazismen.</p>
<h6>Viel Schland-Content bei Sport-Bild</h6>
<p>Mit im Rennen ist natürlich auch die <em>Sport-Bild</em>. Sie informiert ähnlich umfassend wie der <em>kicker</em>, mit vielen Statistiken und viel Schland-Content. Das Layout ist vielseitiger, dafür mit Werbung vollgekleistert, die Teamporträts sind fluffiger geschrieben, dafür taktisch bei weitem nicht so fundiert. Wer es schnell und leicht verdaulich mag – oder ein besonderes Interesse an den Social-Media-Aktivitäten der EM-Stars hat – dürfte das <em>Sport-Bild</em>- dem <em>kicker</em>-Sonderheft vorziehen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-712" title="ballesterer" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/ballesterer.jpg" width="200" height="267" />Das EM-Heft und zugleich die Erstausgabe des neuen, von Egmont Ehapa (<em>Micky Maus</em>) verlegten Magazins <em>Goal</em> dem Rest vorziehen sollte hingegen nur, wer ein Cristiano-Ronaldo-Poster haben will. Ansonsten stimmt hier praktisch nichts, von der kaum lesbaren Schrift und der hölzernen Sprache über den mangelnden taktischen Tiefgang und das wirre (aber sehr bunte!) Layout bis hin zur offenbar nicht vorhandenden Schlusskorrektur.</p>
<p>Echten Fußball-Nerds oder Menschen, die es werden wollen, sei schließlich die nur als E-Book veröffentliche EM-Vorschau des Blogs <a href="http://spielverlagerung.de/" target="_blank">spielverlagerung.de</a> empfohlen – ebenfalls eine Premiere. Wobei Book auch im Wortsinn gemeint ist, denn abgesehen von Mini-Grafiken der Teamaufstellung gibt es hier nur: Text. Seitenlang werden die taktischen Optionen, Stärken und Schwächen der Spieler und Teams analysiert, präziser und tiefgehender findet man das nirgends. Dazu kommen einige Hintergrundtexte und Porträts. Sprachlich ist das zwar manchmal etwas lang und umständlich, aber insgesamt doch ziemlich gefällig.</p>
<p>Kombiniert mit dem <em>11-Freunde-</em>Heft deckt das Spielverlagerungs-Buch dann auch am ehesten alle Wünsche nach Spaß und Ernst in der EM-Vorbereitung ab. Wer alles kompakt in einem Heft haben will, muss sich halt zwischen <em>kicker</em>, <em>Sport-Bild</em> und <em>ballesterer</em> entscheiden.</p>
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		<title>Die halbierte Halbzeitpause</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 17:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor. (aus der taz vom 28. Juni 2012) Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor.</h3>
<h3><span id="more-1267"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-B-Note/!96221/" target="_blank">taz</a> vom 28. Juni 2012)</h3>
<p>Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien gegen Frankreich zu Mehmet Scholl. Huch! Wie konnte denn das passieren? So viele Highlights gab es in diesem Viertelfinalspiel doch gar nicht.</p>
<p>Es war halt wie immer: Statt das Spiel aufzubereiten, zeigt die ARD lieber die „Tagesthemen“. 7:26 Minuten lang durfte ein freundlicher junger Mann namens Ingo Zamperoni ein bisschen Weltgeschehen präsentieren. Rechnet man das ganze Gedöns der Trailer, Sponsorenpresenter und Respect-Clips weg, bleiben dann noch schmale fünf Minuten fürs Sportliche. Die Frage ist: Warum?</p>
<p>Denn natürlich ist es wichtig, was in Syrien und in Ägypten passiert. Und vielleicht auch ein Bericht vom Bundesverband der Deutschen Tafeln aus Suhl. Und mit viel Fantasie sind sogar die Viele-Nackte-Menschen-Skulpturen von Spencer Tunick wichtig. Aber das hätte man ja auch schon vorher in der „Tagesschau“ sehen können. Oder im ZDF. Oder auf dem Digitalkanal – you name it – tagesschau24.</p>
<p>Bei der „Sportschau“ gab es sowas lange Zeit auch, eine Mini-„Tagesschau“ mittendrin, keine zwei Minuten lang, aber die hatte zumindest eine Funktion: Sie teilte die Sendung in zwei Teile, sodass die ARD mehr Werbung schalten konnte. Musste man nicht gut finden, konnte man aber verstehen.</p>
<div>
<p>Bei der EM gibt es keine Gründe. Es gibt auch keine Pflicht: Problemlos könnte man „Tagesthemen“ und „Heute“ einfach im Anschluss und dafür in ganzer Länge zeigen – worauf man aber verzichtet, weil Waldi Hartmann und Markus Lanz mit ihren lustigen Fußballtalkrunden warten und dazwischengeklatschte Nachrichten den Audience Flow kaputt machen würden.</p>
<p>So bleibt es seit Ewigkeiten bei einer Lösung, die in ihrer Kompromisshaftigkeit öffentlich-rechtlicher nicht sein könnte, die weder Fußball- noch Nachrichtenbedürfnisse vernünftig abdeckt und für die es nur zwei Erklärungen gibt:</p>
<p>1. ARD und ZDF wollen den bildungsfernen Massen ihre wahnsinnige Infokompetenz vorgaukeln, während genau diese seit Jahren zusammengekürzt und auf lustige späte Sendeplätze verschoben wird. 2. Die Reduktion der Halbzeitberichterstattung soll den Mangel an Kompetenz in Sachen Fußballfragen bei quasi allen Beteiligten kaschieren. „Wir können ja gar nicht in die Tiefe gehen, in 5 Minuten. Hallo?“</p>
<p>PS: Parallel zum Samstags-Viertelfinale lief im ZDF das „Heute-Journal“ übrigens nicht um 21.45 Uhr, wie fast immer, sondern erst um 23.20 Uhr. Es musste verschoben werden, weil nach dem Krimi „Stubbe – von Fall zu Fall“ erst noch ein ganzer Bella-Block-Krimi laufen musste.</p>
</div>
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		<title>Enttäuschte Liebe</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 13:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über einen kurzen Flirt mit Hertha BSC. (aus der taz vom 12. Mai 2012)  Letzten Samstag hatte mich schlagartig eine unerklärliche Zuneigung zu Hertha BSC ereilt. Dieser zarte Spross musste gepflegt werden! Also ging ich mit einem Freund]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/hertha_fortuna.jpg"><br />
</a>BERLINER SZENE über einen kurzen Flirt mit Hertha BSC. <span id="more-531"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2012%2F05%2F12%2Fa0256&amp;cHash=dccd001ec1" target="_blank">taz</a> vom 12. Mai 2012)</strong> <strong><br />
</strong></h3>
<p><img class="size-full wp-image-532 alignnone" title="hertha_fortuna" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/hertha_fortuna.jpg" alt="" width="620" height="350" /></p>
<p>Letzten Samstag hatte mich schlagartig eine unerklärliche Zuneigung zu Hertha BSC ereilt. Dieser zarte Spross musste gepflegt werden! Also ging ich mit einem Freund zum Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Olympiastadion &#8211; wo wir seit Jahren nur waren, wenn es galt, Werder Bremen beim Auswärtsspiel zu unterstützen.</p>
<p>Wir sind so pünktlich da, dass wir uns noch Wurst und Bier kaufen können. Als die Aufstellung vorgelesen wird, ist es fast voll. Ich rufe, na ja: spreche die Nachnamen mit. Hey, irgendwie ist das nach elf Jahren ja auch ein wenig <em>meine</em> Stadt. Und einen Verein, den Campino unterstützt, wer wollte den schon in der ersten Liga haben?</p>
<p>Hertha spielt besser. Hertha macht das 1:0. Neuer Spielstand? Hertha: EIIIIIIIIIINS. Düsseldorf: NUUUUUUUULLLL. Etwas schade ist, dass Fangesänge der Düsseldorfer immer nur mit Pfiffen übertönt werden, statt mit Gesängen. Aber jetzt nicht nörgelig werden. Ha-ho-he!</p>
<p>In der zweiten Hälfte fällt dann recht überraschend der Ausgleich. Egal. Weiter! Hinter uns rennt Polizei in den Oberrang. Ein Mann mit Blut im Gesicht wird abgeführt. Etwas mehr als 10 Minuten später macht Düsseldorf das 2:1, per Eigentor. Das Stadion ist still. Die Mannschaft reagiert nicht. Die Hertha-Ostkurve ist nicht mehr vorhanden. Eventuell ein Streik, weil sie Manager Preetz weghaben wollen? Die Fortuna-Fans hüpfen, sie singen &#8220;You&#8217;ll never walk alone&#8221;.</p>
<p>Noch drei Minuten. Die Leute verlassen das Stadion. &#8220;Immerhin ist der Preetz dann wirklich weg&#8221;, sagt hinter mir jemand. Der Stadionsprecher fordert zum Jubeln auf. Die Ostkurve bleibt stumm. Es ist zum Verzweifeln.</p>
<p>Vorbei. Chancen im Rückspiel: gegen Null. Im Stadion läuft &#8220;Bitter Sweet Symphony&#8221;. Ich nehme eine von den vielen kleinen Hertha-Fahnen mit, die vorhin noch geschwenkt wurden. Die können meine Katzen jetzt zerfetzen.</p>
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		<title>Das Ende ist nahe</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 00:08:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Frühjahr werden die Senderechte der Bundesliga neu versteigert. Und plötzlich droht angeblich der Tod der &#8220;Sportschau&#8221;. Schuld soll mal wieder das Internet sein. (aus der taz vom 4. Februar) Und da geisterte es mal wieder durch die Medien. &#8220;Das]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Im Frühjahr werden die Senderechte der Bundesliga neu versteigert. Und plötzlich droht angeblich der Tod der &#8220;Sportschau&#8221;. Schuld soll mal wieder das Internet sein. <span id="more-737"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Senderechte-der-Fussball-Bundesliga/!86986/" target="_blank">taz</a> vom 4. Februar)</h3>
<p>Und da geisterte es mal wieder durch die Medien. &#8220;Das Ende der Sportschau&#8221;. Ja, Wahnsinn! Unsere &#8220;Sportschau&#8221;. Eine Institution! Erst neulich wurde sie 50, eine Welle von Tordesmonats-Ernsthuberty-Nabendallerseits-Nostalgie rollte durch die Republik. Und jetzt soll sie plötzlich sterben? Was ist da los?</p>
<p>Das war Mitte Januar und das Bundeskartellamt hatte gerade etwas abgesegnet. Und zwar das Verfahren der Senderechteversteigerung der Fußball-Bundesliga für die Zeit von 2013 bis 2017 durch die Deutsche Fußball Liga (DFL). Die besondere Neuerung: Anders als bei der Rechterunde vor vier Jahren darf die sogenannte &#8220;zeitnahe Highlight-Berichterstattung&#8221; jetzt auch im Internet stattfinden – solange sie nach wie vor kostenlos angeboten wird.</p>
<p>Und ebenjene zeitnahe Highlight-Berichterstattung: das sind die Spielzusammenfassungen der fünf Samstagnachmittag-Spiele ab 18.30 Uhr. Das ist die &#8220;Sportschau&#8221;.</p>
<p>Umgehend machte die ARD Panik. Intendantin Monika Piel warnte, &#8220;dass die DFL einen großen Teil des Publikums ausschließt&#8221; – gemeint sind Zuschauer in ländlichen Regionen, die nicht ans Highspeed-Internet angeschlossen sind. Genau deretwegen hatte das Kartellamt 2008 noch anders entschieden. Inzwischen ist Deutschland aber so gut verkabelt, dass von einem &#8220;großen Teil&#8221; kaum noch die Rede sein kann. Dennoch: Landauf, landab wird seitdem vom Tod der &#8220;Sportschau&#8221; fabuliert.</p>
<p>Tatsächlich hat die ARD auf einmal Konkurrenz zu fürchten, die es im deutschen Fernsehmarkt zuletzt nicht gab, denn die großen Privatsenderverbünde konnte man mittels Gebührengeld ausstechen: 100 Millionen Euro ist der ARD die Highlight-Berichterstattung momentan wert, pro Jahr (zum Vergleich: Das Gesamtbudget von ZDF Neo liegt bei 30 Millionen Euro).</p>
<h6>Die Gewissensfrage</h6>
<p>Doch wie weit kann die ARD guten Gewissens mitbieten, sollte sich einer der großen Internet- oder Mobilfunk-Player – Google mit seiner Tochter YouTube, Vodafone und Yahoo sind im Gespräch – zum Einstieg entscheiden? Ist die Bundesliga wirklich Grundversorgung? Warum muss ein öffentlich-rechtlicher Sender überhaupt Geld für etwas ausgeben, das so populär ist, dass es ohnehin seinen Weg in deutsche Wohnzimmer finden würde?</p>
<p>Ob sich die ARD solche Fragen wird stellen müssen, steht aber auf einem anderen Blatt. Das Rechteverfahren, das bis Anfang Mai über die Bühne gehen soll, ist ein fragiles Gebilde aus zahllosen Einzellizenzen, Abhängigkeiten und Mitspielern.</p>
<p>Die DFL präsentiert sich dabei gern in einer Art Opferrolle, weil in England, Spanien und Italien mehr als doppelt so viel Geld fließt als die rund 420 Millionen Euro, die momentan insgesamt pro Jahr ausgeschüttet werden – was vor allem an der hierzulande schwach ausgeprägten Pay-TV-Affinität liegt. Um mehr rauszuholen, gilt es für die DFL nun, die besten Bieterkombinationen zu finden und medial ein wenig Panik zu stiften, um alle gegeneinander auszuspielen.</p>
<p>Über 30 interessierte Bieter soll es geben, 23 sogenannte Pakete werden in der aktuellen Runde verhandelt: Live- oder Highlight-Rechte, zeitnah nach Spielende oder später, Free- oder Pay-TV, für Internet, Fernsehen oder Mobile Devices. Wobei die DFL für die Highlight-Berichterstattung grob mit zwei Szenarien plant: Beim klassischen läuft die Bundesliga weiterhin in der &#8220;Sportschau&#8221;, beim modernen erst ab 21.45 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen – hier gilt Online first. Durch die neuen Möglichkeiten der Internet-Vermarktung hofft die DFL, die Erlöse zukünftig auf 450 bis 500 Millionen steigern zu können.</p>
<h6>Strategiewechsel von Sky</h6>
<p>Aber das sind nicht alle Überlegungen. Neben dem Reingewinn aus dem Rechteverkauf spielt auch die Zuschauerreichweite eine Rolle, um die zahllosen Trikot-, Banden- und Krawattenschildsponsoren zufriedenzustellen. Denn wenn keiner deren Werbung wahrnimmt, zahlen die Sponsoren auch weniger an die Vereine. Sprich: ein Internetplayer müsste die 100 Millionen der ARD weitestgehend refinanzieren plus einen Betrag X, weil für die kommenden Jahre, trotz wachsender Smartphone- und DSL-Durchdringung, noch von einer geringeren Reichweite als bei der &#8220;Sportschau&#8221; ausgegangen werden muss.</p>
<p>Dazu kommt ein Strategiewechsel von Sky. Der defizitäre Pay-TV-Anbieter hält die exklusiven Live-Fernsehrechte und ließ sie sich zuletzt rund 250 Millionen Euro kosten. Auch dieses Mal wird Sky darum mitbieten, Fußball ist ein wesentlicher Teil der Senderidentität. Doch während Sky in den vergangenen Jahren sogar noch Extra-Geld draufgelegt hätte, um die Bundesliga bis 22 Uhr aus dem Free-TV rauszuhalten und so sein eigenes Produkt exklusiver zu machen, ließ Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan jüngst verlauten, man hätte kein Problem mehr mit der &#8220;Sportschau&#8221;. Aus dieser Richtung kann die DFL für ein Online-first-Szenario in der Highlight-Berichterstattung also keine Mehreinnahmen erwarten.</p>
<p>Auch Kai Pahl, Autor des Sportmedien-Blogs <a href="http://www.allesaussersport.de/" shape="rect" target="_blank">allesaussersport.de</a>, glaubt aktuell nicht an ein solches Szenario. &#8220;Rein finanziell halte ich es für unwahrscheinlich, dass damit genügend verdient wird, um die Ausfälle im Sponsoring wieder gutzumachen&#8221;, sagt Pahl. &#8220;Auf der anderen Seite steht der taktische Zwang der DFL, Online für die Zukunft als lukrative Medienplattform aufzubauen. Eine Möglichkeit wäre es, um 21.45 Uhr zeitgleich mit dem Free-TV umfangreiche Kurzberichte für das Internet freizugeben.&#8221;</p>
<h6>Die Springerfrage</h6>
<p>Dass große Player wie Apple oder Google ausgerechnet auf dem deutschen Markt ins Sport-Broadcasting einsteigen, kann Pahl sich hingegen kaum vorstellen – das sei eher schon dem Axel Springer Verlag zuzutrauen. Der hat auf bild.de mit der Übertragung von Sportereignissen wie dem El Clásico zwischen Barcelona und Real Madrid bereits Erfahrungen mit der Infrastruktur gesammelt und könnte zahlreiche Synergie-Effekte mit dem konzerneigenen Medienzoo nutzen. Allzu hoch ist die Wahrscheinlichkeit auch hierfür wohl nicht, denn auch Springer dürfte noch keinen Plan haben, wie sich eine derartige Investition zum heutigen Zeitpunkt amortisieren könnte. Aber als Schlagzeile wäre das natürlich am allerschönsten: &#8220;<em>Bild</em> killt die Sportschau&#8221;.</p>
<p>Obwohl: Quatsch. Die &#8220;Sportschau&#8221; würde natürlich gar nicht sterben. Wie könnte sie? Sie hat schließlich auch das 15-jährige Moratorium überlebt, als die Bundesliga von 1988 bis 2003 erst bei RTL und dann auf Sat.1 lief. Sie ist die Dachmarke der gesamten Sportaktivitäten der ARD, von Olympia, Länderspielen und unzähligen Wintersport-Weltcups. Nein, die &#8220;Sportschau&#8221; würde nicht verschwinden. Sie würde sich nur ändern.</p>
<div>
<p>Denn ein Verlust der Bundesliga-Rechte wäre auch eine Chance für die ARD. Eine Chance, sich wieder an ihren Grundversorgungsauftrag zu erinnern – und daran, dass es neben Fußball noch Dutzende weitere Sportarten gibt, die viele Menschen in Deutschland betreiben und mögen, die aber nur genau alle vier Jahre mal im Fernsehen gezeigt werden. Und vielleicht gibt es so irgendwann wieder eine &#8220;Sportschau&#8221; mit Frauenhandball, Trabrennen und Rudern. Damit sollten auch Nostalgiker zufrieden sein: denn exakt diese Disziplinen waren Teil der allerersten &#8220;Sportschau&#8221; am 4. Juni 1961. Fußball wurde nicht gezeigt.</p>
</div>
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		<title>Demnächst auch in Ihrem Möbelmarkt</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 00:57:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNSEHEN Stewardessen präsentieren das Wetter in Bahrain, während Megamaschinen Island fressen. Oder so ähnlich. (aus der taz vom 16. Dezember 2013) Ein Bett wollte ich kaufen. Ich hatte nicht viel Geld. Also ging ich zu Möbel Kraft, einer Einrichtungskette der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNSEHEN Stewardessen präsentieren das Wetter in Bahrain, während Megamaschinen Island fressen. Oder so ähnlich. <span id="more-1585"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!83779/" target="_blank">taz</a> vom 16. Dezember 2013)</h3>
<p>Ein Bett wollte ich kaufen. Ich hatte nicht viel Geld. Also ging ich zu Möbel Kraft, einer Einrichtungskette der eher unteren Preiskategorie. Man kriegt hier Bettgestelle für 150 Euro, und damit der Einkauf zum Erlebnis wird, gibt es alles, was Ikea auch hat, bloß nachgebaut aus Pfeifenreinigern und buntlackiertem Pappmaché:</p>
<p>Ein trostloses Kinderland, vor dem ein sprechender Baum steht, ein Restaurant ohne Fenster und eine kleine Kaffeebar. Dort trank ich einen Latte macchiato und guckte mir auf einem Flachbildschirm an, wie eine Frau in Stewardessenuniform eine Wettervorhersage präsentiert.</p>
<p>Es lief N24. The Technikreportagensender-mit-Vormittagsnachrichtenstrecke formerly known as Vollzeitnachrichtensender. Es war irgendwie surreal. Warum das? Warum hier? Schnell vorm Sofakauf noch eine Reportage über den „Power Tower in Bahrain“ geschaut? Sich beim Küche-Aussuchen über „Mega-Maschinen“, die „Felsenfresser von Island“ oder „Britanniens Brücken“ informieren?</p>
<p>Irritierend war aber nicht nur die Senderauswahl, sondern dass da überhaupt ein Fernseher war. Ich war ja nicht in den USA, wo selbst in besseren Restaurants Bildschirme über der Bar hängen und ich am Schalter des Alamo-Autoverleihs am Louis Armstrong New Orleans International Airport den pathostriefenden Auftakt der NFL-Saison mitverfolgen kann.</p>
<p>In Deutschland haben nur ausgewählte Wirte ausrollbare Leinwände, die lediglich an Champions-League- oder „Tatort“-Abenden zum Einsatz kommen. Dazu zeigen allenfalls ein paar Banken und businessaffine Hotels n-tv, dessen Programm zu zwei Dritteln aus der „Telebörse“ besteht.</p>
<p>Das liegt natürlich auch daran, dass uns die Sender für so was fehlen: Die öffentlich-rechtliche Nachrichtenkompetenz verpufft im Dickicht zahlloser Sonderkanäle, die private Konkurrenz … nun ja: In der „Tagesschau“ laufen gern mal übernommene Bilder von BBC, al-Dschasira und CNN. Können Sie sich vorstellen, dass umgekehrt im amerikanischen Fernsehen „Exclusive footage“ von n-tv oder N24 gezeigt wird?</p>
<p>Anfang Dezember wurde nun ein neues Pferd ins Nebenbei-Berieselungs-Rennen geschickt: Sky Sport News HD (das HD ist ein lustiger Zusatz, den Sie sich nicht merken brauchen, weil er bald obsolet ist; als hätte es damals „Tele 5 in Farbe“ oder „Pro7 mit Videotext“ geheißen), kurz: SSN. Das ist natürlich keine deutsche Erfindung, in den USA gibt es schon seit 15 Jahren ESPNews &#8211; aber hey, immerhin.</p>
<p>Was man von SSN im bisherigen Sendebetrieb erleben konnte, waren Sportnachrichten für ADHS- und Alzheimer-Kranke: Die immer gleichen News werden immer wieder aufs Neue abgefeuert und angeteasert. Angelegt sind die Sendestrecken auf eine halbe Stunde, gefühlt wiederholt sich alles im Fünfminutentakt. Zudem funktioniert SSN auch ohne Ton: unten gibt es eine Newsleiste, rechts eine Statistikbox, und die Bewegtbilder von Sportlern sind ohne Sprache eh meist schmeichelhafter.</p>
<p>Ideal also für Wartebereiche, Flughafen-Lounges, Sportbars oder Fitnessstudios. Und demnächst auch in Ihrem Möbelmarkt.</p>
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		<title>Es geht um Tausendstelsekunden</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 00:47:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNSEHEN Alle Jahre wieder in epischer Breite: der Wintersport bei den Öffentlich-Rechtlichen. (aus der taz vom 2. Dezember 2011) Spätnovember in Deutschland – die Krankheitssaison beginnt. Und deswegen organisierte ich mir am Freitag eine amtliche Erkältung, kaufte 20 Tüten]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNSEHEN Alle Jahre wieder in epischer Breite: der Wintersport bei den Öffentlich-Rechtlichen.<span id="more-1580"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!82938/" target="_blank">taz</a> vom 2. Dezember 2011)</h3>
<p>Spätnovember in Deutschland – die Krankheitssaison beginnt. Und deswegen organisierte ich mir am Freitag eine amtliche Erkältung, kaufte 20 Tüten Saft, räumte den Fernseher ins Schlafzimmer und verbrachte das Wochenende mit den Katzen im Bett.</p>
<p>Wir sahen, von Bella Block bis zu Charlie Sheen, von „Schwer verliebt“ bis zu Dokus über den Grazer Schlossberg und Jean Seberg, vom „Kriminalist“ bis zu den „Simpsons“, viel Unterhaltsames und Aufschlussreiches. Außer bei der ARD. Hier machten bunt gekleidete Menschen in Nadelwäldern komische Dinge, während Kommentatoren von „Anfahrtshocke“ und „steil angestellten Skiern“ sprachen, dass der Springer „keinen Druck unterm Vorbau“ spüre und der Rodler „die Bahn aus dem Hintern“ führe.</p>
<p>Denn es ist Spätnovember in Deutschland – und die TV-Wintersportsaison hat begonnen. Bis in den Februar wird es nun jedes Wochenende öffentlich-rechtliche Großkampfdoppeltage geben, sieben Stunden Minimum. Wie jedes Jahr werden Dieter Thoma, Norbert König, Tom Bartels, Franziska Schenk und Dutzende weitere Mitarbeiter in bunten Anoraks nach Kuusamo, Lillehammer, Bergisel, Val di Fiemme und in andere Bergdörfer dieser Welt geschickt.</p>
<p>Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe Sport im Fernsehen. Aber wieso wird ausgerechnet dieser antitelegene Wintersport in derart epischer Breite abgedeckt? Wieso tauchen 90 Prozent der olympischen Sommerdiszipinen bloß genau alle vier Jahre im deutschen Fernsehen auf, während vom Winterprogramm jede popelige Weltcup-Qualifikation gezeigt wird. Es ist mir unbegreiflich.</p>
<p>Rodeln etwa: Da werden um einen Eiskanal herum 20 Kameras angebracht, und alle zeigen, wie ein Schlitten sehr schnell vorbeihuscht. Der Zuschauer starrt derweil auf die Zeitanzeige, wer am Ende vier Tausendstelsekunden vorn liegt. Das kann man sich genauso gut im Videotext anschauen. Beim Riesenslalom, Eisschnelllauf, Bob und Langlauf ist es ähnlich. Die einzige Ausnahme ist Biathlon, bei dem die Fernsehregisseure in den letzten 15 Jahren die Inszenierung von Hektik perfektioniert haben.</p>
<p>Ein möglicher Grund für den Dauerbeschuss aus Kunstschneekanonen: Die Deutschen sind gut beim Wintersport, sie gewinnen viel. Aber das tun sie beim Hockey, Beachvolleyball und Sportschießen auch, und das läuft trotzdem nie im Fernsehen. An den national bekannten Vorzeigesportlern kann es ebenfalls nicht liegen. Oder kennen Sie Felix Loch? Tino Edelmann? Beide haben am Wochenende Weltcups gewonnen. Wie soll man aber auch eine Bindung zu den Wintersportlern aufbauen? Sie sind hinter Schutzbrillen und Funktionskleidung versteckt, und wenn man sie vor die Kameras zerrt, entpuppen sie sich als rotbackige Südbayern, so sympathisch wie austauschbar.</p>
<p>Man muss sich wohl damit abfinden: Wintersport gehört längst zum unhinterfragbaren öffentlich-rechtlichen Standardkanon, genau wie etwa Adelshochzeiten, Volksmusik, Krimis, Lottozahlen, Frank Elstner, Rosamunde-Pilcher-Filme und Reisereportagen aus Russland. Es wird geschaut, weil es da ist. Und weil es geschaut wird, wird es immer da sein.</p>
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		<title>Mit Jet, Pin und Silikonöl</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 20:32:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<description><![CDATA[Für echte Tischfußballer ist Kickern kein Kneipenhobby, sondern ein Präzisionssport. Die boomende Subkultur kämpft um Anerkennung. (veröffentlicht auf zeit.de) Bellende Anfeuerungsrufe dröhnen durch die grün ausgeleuchtete Universal Hall im Berliner Stadtteil Moabit. Wo sonst Firmen feiern oder Messen stattfinden, wird]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Für echte Tischfußballer ist Kickern kein Kneipenhobby, sondern ein Präzisionssport. Die boomende Subkultur kämpft um Anerkennung.<span id="more-865"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/lebensart/2010-09/tischfussball/" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p>Bellende Anfeuerungsrufe dröhnen durch die grün ausgeleuchtete Universal Hall im Berliner Stadtteil Moabit. Wo sonst Firmen feiern oder Messen stattfinden, wird nun das Finale der Tischfußball-Bundesliga ausgetragen. Zwischen 22 Tischen und einer sogenannten „Final Area“ mit Mini-Tribünen und Riesenleinwand hat sich der harte Kern der deutschen Kickerszene versammelt: Etwa 200 Aktive und ein paar Dutzend Besucher. Sehr viele Männer, wenige Frauen.</p>
<p>Lustige Tricks – seien es fünffache Übersteiger, gequetschte Bananenschüsse oder der aus dem Kinofilm <em>Absolute Giganten</em> berühmte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=R9ERKjDZjFE" target="_blank">Torwartheber </a>– sieht man in der Bundesliga hingegen nicht. Dafür ist die Sache zu ernst. Die Atmosphäre entspricht dem selbstgesetzten Anspruch des Leistungssports. Die Vereine heißen Eifelshooters Pillig, TFC Staufenberg oder Foos Connection München. Die Spieler tragen Trikots und lange Trainingshosen.</p>
<h6>Im Formaliendschungel</h6>
<p>Sportkleidung ist bei der Bundesliga Pflicht, das ist den Offiziellen vom ausrichtenden <a href="http://www.dtfb.de/" target="_blank">Deutschen Tischfußballbund (DTFB)</a> sehr wichtig. Seit Jahren kämpft der DTFB um die Anerkennung als offizieller Sport und will sich vom Ruf des lustigen Kneipenhobbys befreien – und ackert sich durch den Formaliendschungel des Deutschen Olympischen Sportbundes.</p>
<p>Deutschlands Kickerszene erlebt gerade einen nie dagewesenen Boom. Rund 5.600 Ligaspieler und 12 Landesverbände zählt der stetig wachsende DTFB, dazu kommt eine Turnierserie von der parallel zum DTFB existierenden Spieler-Organisation <a href="http://www.players4players.de/" target="_blank">Players 4 Players</a> mit Gesamtpreisgeldern bis zu 50.000 Euro pro Event.</p>
<p>Auch weltweit geht es dank der unermüdlichen Arbeit von ehrenamtlich arbeitenden Funktionären voran, der <a href="http://www.table-soccer.org/" target="_blank">Weltverband ITSF</a> hat mittlerweile 61 Mitglieder, sogar Indien, Kamerun und die Mongolei sind dabei. Besonders stolz ist man beim ITSF, dass es die größeren Turniere inzwischen als Zusammenfassungen auf Eurosport 2 schaffen – dass der Sender auch die Stein-Schere-Papier-WM und das Hot-Dog-Wettessen von Coney Island zeigt: geschenkt.</p>
<h6>Ein untergegangenes Reich</h6>
<p>Auch sonst hat die Kickerszene alles, was eine Subkultur üblicherweise ausmacht: Ein eigenes Vokabular (die Mittelfeldreihe ist die „Fünf“, die Schüsse heißen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lgNGvmHwRDE" target="_blank">Jet</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KaPZDmdIfNk" target="_blank">Pin</a> oder <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4vS03nUPdxE" target="_blank">Pullshot</a>), Stars (etwa den Belgier Frédéric Collignon, der seit Jahren so gut wie kein Spiel mehr verloren hat), Legenden, Fehden und sogar ein untergegangenes Reich: Das stolze Saarland, das jahrzehntelang die Meisterschaften prägte und in dem bis heute mehr als ein Drittel der im DTFB organisierten Spieler aktiv sind; das aber seit einer Tischreform vor einigen Jahren mehr und mehr den Anschluss verliert.</p>
<p>Dennoch bleiben das Saarland, Hessen und Bayern – neben einigen Exklaven in Niedersachsen – die traditionellen Hochburgen des deutschen Tischfußballs. Erst langsam holen Hamburg und Berlin auf, wo die Szene eher studentisch geprägt ist. Ostdeutschland ist hingegen noch komplette Kickerdiaspora.</p>
<p>Wie bei vielen leicht abseitigen Hobbys hat das Internet der Szene einen unheimlichen Schub gegeben, hat sie vernetzt und vergrößert. Es gibt YouTube-Videos von denkwürdigen Spielen und Tricks, die diversen Verbandsseiten und ein Onlinemagazin namens <em>Zwei Fünf Drei</em> in dem zum Beispiel über die Psychologie der Aufstellung eines Tischfußballteams („Die Mutigen nach vorne“) berichtet wird. Dazu kommen Versandshops für Bälle, Tische, Stangen und Spezialbedarf – etwa Golfhandschuhe und Tennisgriffbänder für mehr Griffigkeit beim Schießen oder Silikonöl für besser laufende Stangen – und vor allem die Foren.</p>
<h6>Ein Jungshobby</h6>
<p>Hier werden Turniertermine, Trainingsmethoden und der tägliche Tratsch ausgetauscht und seitenlange Diskussionen geführt – über den Vor- und Nachteil eines Griffwechselsystems, neue Bälle (die präziser rollen, weil sie einige Gramm schwerer sind), den Bau von Geschwindigkeitsmessgeräten, Regeldetails – was für Uneingeweihte ungefähr so nachvollziehbar ist wie der Austausch unter Modelleisenbahnern. Seinem Wesen nach ist Kickern ein Jungshobby, 89 Prozent der beim DTFB registrierten Spieler sind Männer.</p>
<p>So gesehen entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet eine Frau dem Tischfußball in Deutschland einen enormen medialen Schub gegeben hat: Die Berlinerin Petra „Lilly“ Andres gewann Anfang 2009 mit der deutschen Frauennationalmannschaft die Weltmeisterschaft in Nantes. Danach wurde sie, als bestaussehendes Mitglied des Teams, von den Medien entdeckt und durchgereicht: <em>Abendschau</em> im RBB, Taktikschule auf bild.de<em>.</em>, Auftritt bei <em>TV Total</em>. Inzwischen betreibt Andres mit ihrem Partner Johannes Kirsch eine Kicker-Eventagentur – und Firmen können sie für Messeauftritte buchen.</p>
<p>Deutscher Mannschaftsmeister wurde beim Bundesliga-Finale am Ende Wild Card Wiesbaden, im Finale gewannen die Hessen gegen die Krökelgemeinschaft Badenstedt Hannover. Das beste saarländische Team landet auf Platz acht.</p>
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		<title>1 Kuh und 32 Felder</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 19:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<description><![CDATA[Immer wieder sagen uns Statistiker den Gewinner der WM voraus! 2010 wird es endlich klappen. Ganz sicher! (aus der taz vom 26. Mai 2010) Sie sind Mathematiker? Sie wollen gerne mal im Rampenlicht stehen? Jetzt ist Ihre Chance! Denken Sie]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Immer wieder sagen uns Statistiker den Gewinner der WM voraus! 2010 wird es endlich klappen. Ganz sicher! <span id="more-1806"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/!52999/" target="_blank">taz</a> vom 26. Mai 2010)</h3>
<p>Sie sind Mathematiker? Sie wollen gerne mal im Rampenlicht stehen? Jetzt ist Ihre Chance! Denken Sie sich einfach ein Rechenmodell aus, mit dem Sie den nächsten Fußballweltmeister vorhersagen und wenden Sie sich an die Presseagentur oder Vermischtes-Redaktion Ihres Vertrauens. Die veröffentlichen das. Garantiert!</p>
<p>Es ist dabei nicht so wichtig, dass Sie was von Fußball verstehen. Es ist eigentlich auch nicht so wichtig, dass Sie was von Mathe verstehen. Sie müssen die Formel ja niemandem zeigen. Erzählen Sie einfach was davon, dass „zahlreiche Faktoren“, „die Ergebnisse der letzten Jahrzehnte“, „die Stärke der Gegner“ und all so was mit in die Berechnungen eingeflossen seien. Und betonen Sie, dass Sie die WM auf Basis Ihrer Daten „über 100.000 Mal am Computer durchgespielt haben“.</p>
<p>Aber jetzt: Beeilung! Die Konkurrenz schläft nicht! Bereits vor einigen Wochen erklärte ein Dortmunder Physikprofessor, dessen Namen wir nicht nennen (das hätte er wohl gern!), dass Deutschland den Titel holt. Einfache Begründung: Das würde statistisch alle vier bis fünf Weltmeisterschaften glücken und nach 1990 ist es jetzt halt wieder so weit. Na gut, 2006 hatte der gleiche Professor das auch schon vorausgesagt. Aber macht ja nichts.</p>
<p>Ebenfalls im Rennen: Brasilien (sagen eine Ölfirma und eine Schweizer Bank, die 2008 als Europameister übrigens Vorrundenausscheider Tschechien prophezeite). Spanien (sagt ein Schweizer Mathematiker, der 2008 auf Italien setzte). England (sagen die Analysten einer großen US-Bank).</p>
<p>Also los! Und falls Sie gar kein Mathematiker sind, erklären Sie sich einfach zum Hellseher. Oder stellen Sie eine Kuh auf eine Wiese mit 32 Feldern und schauen Sie, wo sie ihren ersten Fladen macht. Oder machen Sie irgendwas mit Energiefeldern. Oder mit Korrelationen zu politischen Ereignissen. Oder mit Illuminaten.</p>
<p>Oder: Sparen Sie sich den Unsinn. Der Titel ist eh schon vergeben, wie die taz-Statistikabteilung mit einer einfachen Methode ermittelt hat. Denn 2010 ist ein Jahr des Tigers, dem das Element Metall zugeordnet ist. Und bei dieser Konstellation heißt der Weltmeister mit einer fast zwangsläufig hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit: Uruguay.</p>
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		<title>Der Ball ist klein</title>
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		<pubDate>Fri, 26 May 2006 12:38:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kein bierseliges Kneipenhobby: Die deutschen Tischfußballer wollen als Sportler ernst genommen werden. In Hamburg kämpfen sie zurzeit um den WM-Titel. (aus der taz vom 26. Mai 2006) Auf einem versteckten Parkplatz in einem Oldenburger Gewerbegebiet, gleich neben einem Fitnessstudio, hat]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kein bierseliges Kneipenhobby: Die deutschen Tischfußballer wollen als Sportler ernst genommen werden. In Hamburg kämpfen sie zurzeit um den WM-Titel.<span id="more-1818"></span> (aus der taz vom 26. Mai 2006)</h3>
<p>Auf einem versteckten Parkplatz in einem Oldenburger Gewerbegebiet, gleich neben einem Fitnessstudio, hat sich der KC Olympic Oldenburg seinen eigenen kleinen Trainingsraum eingerichtet. Von der tiefen Decke hängen Neonlampen, aus den Boxen ertönt harte Gitarrenmusik. In einer Ecke stehen Pokale, an einer Wand stapeln sich Getränkekisten, es gibt eine Sitzecke und auch eine kleine Theke.</p>
<p>Dazwischen sind sechs Kickertische verteilt, alles verschiedene Modelle. An einem steht Tim Ludwig und trainiert. Allein. Er postiert die Abwehrspieler auf der Gegenseite vor dem Tor und klemmt den Ball unter dem eigenen Mittelstürmer ein. Dann befördert er den Ball mit einer fließenden Bewegung ins Tor. Das macht er dann noch mal. Und noch mal. Und noch fünfzigmal. Und danach übt Ludwig eine andere Schuss- oder Passvariante, im Schnitt zwei Stunden am Tag, jeden Tag in der Woche.</p>
<p>Tim Ludwig, 26, macht eine Ausbildung zum Werbekaufmann und ist, sagt Philipp Must, der Pressesprecher des Deutschen Tischfußballbundes (DTFB), „das größte deutsche Tischfußball-Talent“. Ludwig war im vergangenen Jahr Erster der deutschen Rangliste und ist bei der seit gestern laufenden Tischfußball-WM Mitglied der Nationalmannschaft. Sein monoton anmutendes Trainingsprogramm ist notwendig, wenn er in der Weltspitze mitspielen will: „Eingeübte Bewegungsabläufe, bis sie zu 100 Prozent kommen – das ist das Werkzeug, das man beim Spielen braucht“, sagt er: „Wenn man nachts um vier geweckt und an den Tisch gestellt wird, muss es im Prinzip sofort gehen.“</p>
<h6>Paris statt Disco</h6>
<p><span style="font-size: 13px;">Angefangen hat das alles vor etwa zehn Jahren: „Wir haben in der Freistunde immer in einem Café gekickert. Später auch in der Disco.“ Nach einiger Zeit ist Ludwig auf die Nordwest-Liga aufmerksam geworden und zum Treffpunkt der Oldenburger Mannschaft gegangen. „Da wurde ich erst mal abgeschossen“, sagt er. Aber das war genau die Motivation: „Es gibt immer welche, die besser sind. Und man trainiert, um die zu schlagen. Bloß, dass man irgendwann nicht mehr in die Disco geht, sondern nach Paris zum Turnier fährt.“</span></p>
<p>Inzwischen kickert Ludwig nicht mehr in Discos und Kneipen. „Wenn ich gefragt werde, sage ich: ,In meiner Freizeit kicker ich nicht&#8217;, auch wenn das natürlich seltsam rüberkommt.“ Ludwig hat sein komplettes Sozialleben dem Kickern untergeordnet: „Arbeiten, trainieren, schlafen. Und mindestens jedes zweite Wochenende ein Turnier &#8211; ich lebe Kicker“, sagt er. An dieser Belastung ist schließlich sogar seine langjährige Beziehung zerbrochen.</p>
<p>Vor der WM nahm Ludwig an jedem Wochenende an Turnieren teil, Budapest, Göttingen, Paris, Bratislava und Maastricht standen nacheinander auf dem Programm. Die Wettkämpfe sind der Treffpunkt für die Kickerszene, deren harter Kern in Deutschland etwa fünfzig bis hundert Personen umfasst. Mit Kneipenkickern hat das wenig zu tun. Die Turniere finden tagsüber statt, in Sporthallen oder Veranstaltungszentren, wo bis zu hundert Tische aufgestellt werden. Oft ist Sportkleidung vorgeschrieben. Geraucht oder getrunken wird während der Spiele nicht.</p>
<h6>Schüsse mit 50 km/h</h6>
<p>Auch die Spielweise ist eine andere. Gezielt wird der Ball von Mittelfeld- auf die Sturmreihe gepasst, dort gestoppt und in Schussposition gebracht. Nun zeigt sich, ob das Training etwas gebracht hat: „Pin Shot“ oder „Snake Shot“ heißen die Spezialtechniken der geübten Spieler, Ludwigs Favorit ist der „Pull Shot“. Optimal ausgeführt erreichen die Schüsse bis zu 50 Stundenkilometer und sind auch für den besten Abwehrspieler nicht zu halten, da er stets nur reagieren kann – „deshalb ist ein gutes Mittelfeldspiel ungeheuer wichtig“, sagt Ludwig.</p>
<p>Dabei gibt es zahlreiche Regeln: Die Höchstzeit, die der Ball an einer Stange bleiben darf, ist vorgeschrieben. Ruhende Bälle dürfen nicht zu einer anderen Spielerreihe gepasst werden. Sprechen ist während der Ballwechsel nicht erlaubt. Und wie in vielen andere Sportarten gibt es auch beim Kickern spezielle Ausrüstungsgegenstände: Silikonspray lässt die Stangen besser laufen. Um die Schüsse präziser auszuführen, werden die Stangengriffe mit Bändern umwickelt oder kondomartige Griffgummis übergezogen – das gibt mehr Grip. Zusätzlich verwenden viele Spieler Golfhandschuhe, für die Entwicklung von Kickerhandschuhen ist die Zielgruppe allerdings noch nicht groß genug.</p>
<p>Immerhin ist das Potenzial vorhanden, wie Philipp Must sagt: „Durch die vielen Tische in Kneipen und Schulen haben die Leute zwar ein falsches Bild vom Kickern als lustiges Freizeitspiel. Aber immerhin kennt fast jeder den Sport und hat ihn auch selbst schon mal ausprobiert.“ Der Weg über Jugendzentren und Schulen ist daher auch eine der Strategien des DTFB bei der Bekanntmachung von Tischfußball als Sport.</p>
<p>Eine andere ist die angestrebte Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), den Dachverband des deutschen Sports, der mit über 27 Millionen Mitgliedschaften die größte Sportorganisation der Welt ist. 55 so genannte Spitzenverbände, das sind die Bundesverbände der einzelnen Sportarten, sind hier vertreten. Neben etablierten Größen wie den Fußballern und Leichtathleten gibt es auch abseitigere Abteilungen, etwa den Deutschen Minigolfsport Verband oder den Deutschen Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband.</p>
<h6>Strenge Aufnahmebedingungen</h6>
<p>Um hier dazu zu gehören, bedarf es gewisser Voraussetzungen: 10.000 Mitglieder müsste der DTFB haben und Mitglied in acht Landessportbünden sein. Bisher sind im DTFB erst 7.500 Kickersportler organisiert, rund 6.000 davon stammen aus dem Saarland, dem Kernland des deutschen Tischfußballsports, in dem der lokale Kickerverein in manchen Orten mehr Mitglieder hat als der Fußballclub. Landesverbände sind derzeit nur in Westdeutschland denkbar, die ehemalige DDR inklusive Berlin ist weitestgehend Niemandsland im organisierten Tischfußball.</p>
<p>Dennoch: Die Erfüllung der Formalien ist machbar. Und auch DOSB-Justiziar Herrmann Latz gibt dem DTFB Grund zur Hoffnung: „Wenn sich Tischfußball ausreichend organisiert, würde einer Aufnahme nichts im Weg stehen.“ Anders als bei aussichtslosen Dauerkandidaten wie Skat, Paintball und Modellfliegen ist beim Kickern zudem der Sportcharakter gegeben, wie Latz sagt.</p>
<p>Den sieht auch Tim Ludwig: „Eine gewisse körperliche Fitness ist wegen der permanenten Konzentration absolut notwendig. Eine Partie auf Spitzenniveau kann bis zu einer Stunde dauern. Danach ist man komplett durchgeschwitzt.“ Manche Spieler betreiben zudem Muskeltraining für die Unterarme.</p>
<p>Auch international hat sich die Kickerszene in den vergangenen Jahren organisiert. Ein wichtiger Schritt war hierbei 2002 die Gründung des Weltverbandes ITSF, der die WM organisiert hat und sich derzeit noch um ein anderes bedeutendes Problem kümmert: die Vielfalt der Tischmodelle. In der rund 100-jährigen Geschichte des Kickerns haben sich international diverse Tischarten etabliert, bei denen Torbreite, Dicke der Spielerfüße, Stangen, Oberfläche, Banden und vieles mehr variieren. Zudem gibt es selbst für Laien deutlich spürbare Unterschiede zwischen den Bällen, von harten glatten Plastikkugeln aus Österreich und Norddeutschland bis zur griffigen Korkvariante, die in Belgien bevorzugt wird. Mittlerweile erfüllen nur noch fünf Tischmodelle die Kriterien des ITSF.</p>
<h6>Kein Fernsehen, kein Geld</h6>
<p>Die Professionalisierung soll auch Sponsoren locken. Denn selbst bei den größeren Turnieren bekommt der Sieger bisher bloß 1.500 Euro, wovon aber noch Anreise und Unterkunft finanziert werden müssen. Nur absolute Spitzenspieler können es sich leisten, neben dem Kickern nicht mehr arbeiten zu müssen: So gibt es in den USA etwa zehn Profitischfußballer, dazu kommt der Belgier Frederic Collignon, derzeit der beste Spieler der Welt.</p>
<p>Der Mangel an Sponsoren ist aber auch durch das geringe Medieninteresse bedingt. In den Printmedien wird zwar inzwischen häufiger über Tischfußball berichtet, das Fernsehen – und das ist entscheidend – hat den Sport aber noch nicht entdeckt.</p>
<p>Angesichts dessen, dass Kickern zu großen Teilen aus immer den gleichen Bewegungsmustern besteht, scheint das auch nicht weiter verwunderlich. Doch Tim Ludwig sieht durchaus Potenzial: „Das Wichtigste wäre, dass die Emotionen eingefangen werden“, sagt er. „Denn das ist das Faszinierende am Kickern: Es gibt, abgesehen von Kampfsportarten, keinen Sport, wo man dauerhaft so dicht seinem Gegner dran ist.“ Blickkontakte und kurze Wortgefechte zwischen den Ballwechseln können ein Spiel entscheiden, dafür muss man extrem nervenstark sein: „Die Psychoschiene ist unglaublich, das Spiel wird bis zu achtzig Prozent im Kopf entschieden. Gleich gut spielen können die Spieler auf einem bestimmten Level sowieso.“</p>
<p>„Derzeit sind im Sportfernsehen Pokern und Snooker der Hype – und das ist größtenteils medial gemacht“, sagt Ludwig. „Warum sollte nicht Kickern das nächste große Ding sein?“</p>
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