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	<title>Michael Brake &#187; Musik</title>
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		<title>Das Free-Jazz-Gebet</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jun 2016 16:28:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In San Francisco verehrt eine Kirche den Jazz-Saxofonisten John Coltrane als Heiligen. Doch in einer Stadt der steigenden Mieten ist kein Platz mehr für sie. (gemeinsam mit Felix Denk, erschienen auf fluter.de) Besonders heilig sieht der Neubau in der Fillmore]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>In San Francisco verehrt eine Kirche den Jazz-Saxofonisten John Coltrane als Heiligen. Doch in einer Stadt der steigenden Mieten ist kein Platz mehr für sie.<span id="more-2021"></span><br />
(gemeinsam mit Felix Denk, erschienen <a href="http://www.fluter.de/das-free-jazz-gebet">auf fluter.de</a>)</h2>
<p>Besonders heilig sieht der Neubau in der Fillmore Street nicht aus, im Erdgeschoss würde man eher eine Arztpraxis oder eine Anwaltskanzlei vermuten. Klappstühle stehen in Reihen, die Decke ist unverkleidet, Lamellenrollos verhindern, dass Passanten von der Straße reinglotzen. Es ist Sonntag. Gleich geht’s hier los mit einem Gottesdienst.</p>
<p>Von der Decke hängen Siebdruck-Fahnen in Batikoptik. Die Wände schmücken raumhohe ikonenhafte Darstellungen von Maria und Jesus mit schwarzer Hautfarbe und goldenem Heiligenschein, zentral ist aber das Bildnis von John Coltrane, der wie ein König in weißem Gewand auf einem Thron sitzt, das Saxofon in der linken, eine Schriftrolle in der rechten Hand, auch er mit Heiligenschein.</p>
<p>John Coltrane (1926–1967) war ein Jazz-Saxofonist. Hier ist er ein Heiliger. Für Europäer mag das komisch klingen. Tatsächlich ist die Kirche in San Francisco aber kein obskurer Fanclub, sondern eine ordentliche christliche Glaubensgemeinschaft. Sie existiert seit 1971 und ist seit 1982 Teil der African Orthodox Church. Dass sie John Coltrane, insbesondere sein berühmtes Album „A Love Supreme“, verehrt, hat damit zu tun, dass dieses als Loblied auf Gott gedacht war. Außerdem ist der Kirchengründer Franzo W. King glühender Jazzfan. Ja, mehr noch: Als er Coltrane erstmals spielen hörte, empfand er es als Klangtaufe. Und so ist der Free Jazz ein zentrales Element des Gottesdienstes.</p>
<p>Doch bis der losgeht, dauert es erst mal. Für zwölf Uhr ist die Messe angesetzt, und langsam füllt sich der Raum. Zwei kleine Mädchen verkaufen Lotterielose. Es sind etwa 40 Leute anwesend, darunter auch einige Touristen. Als Marlee-I Mystic, eine der Töchter von Franzo W. King, den Gottesdienst gegen halb eins eröffnet, erklärt sie zur Sicherheit, was uns erwartet: „Manche Leute fragen: ‚Wann beginnt die Performance?‘, aber so läuft das hier nicht“, sagt sie und ruft alle zum Mitmachen auf: „Participate! Singt – und wenn ihr das nicht wollt, dann klatscht, trampelt mit den Füßen oder ruft ‚Halleluja‘.“ Verzichten solle man dafür bitte auf Filmaufnahmen.</p>
<h6>Treibende, langsame, meditative Rhythmen</h6>
<p>Anschließend werden ein paar Tamburine verteilt und, nun ja: die Performance beginnt. Die ersten anderthalb Stunden gehören fast allein der achtköpfigen Band. Marlee-I Mystic übernimmt den Gesangspart, sie trägt die religiösen Parts vor, gesungen und spoken-word-artig. Jedes der Stücke wird über mindestens zehn Minuten gespielt, mit treibenden, langsamen, trommeligen, meditativen Rhythmen, immer wieder unterbrochen von Saxofon- und Klarinettensoli.</p>
<p>Der Free Jazz, der hier gespielt wird, steht gleich in mehrfacher Hinsicht für eine Befreiung. Einerseits religiös. Die afroamerikanische Musik fand schon immer Inspiration in der Spiritualität – und in der Kirche. Die Spirituals, der Gospel sind Urformen, auf die sich Generationen schwarzer Musiker immer wieder bezogen haben. Soulstars wie Al Green oder Solomon Burke waren Pastoren. Selbst aktive House- und Techno-DJs wie Terrence Parker, Chez Damier und Robert Hood <a href="http://daily.redbullmusicacademy.com/2015/08/house-techno-religion-feature">predigen</a>, wenn sie nicht gerade in Clubs auflegen.</p>
<p>Andererseits hatte der Free Jazz auch politische Obertöne. Viele Musiker der 1960er-Jahre verstanden die neue Musik als universellen Befreiungsakt – aus dem Korsett von Takt und Harmonie, aber auch aus ihrer gesellschaftlichen Situation. Coltrane und viele andere waren Teil der Civil Rights Movement rund um Martin Luther King Jr., die sich für das Ende der Rassentrennung aussprach. In Zeiten der #blacklivesmatter-Bewegung ist dieses Erbe so aktuell wie lange nicht mehr.</p>
<p>Im Gottesdienst in der Fillmore Street haben die Musiker sich und die Gemeinde inzwischen warmgespielt. Die Stimmung ist nicht wie in so einem „Sister Act“-Klischee-Gospelgottesdienst, wo alle zusammen in die Hände klatschen. Die Musik und Gottes Botschaft werden hier eher allein, meditativ rezipiert: Einige wippen ein wenig mit, manche steigen immer weiter in den Rhythmus ein, andere rühren sich gar nicht, wieder andere, wie ein junger Weißer mit Jackett und Hemd, gehen voll aus sich heraus.</p>
<h6>Die Besucher repräsentieren ein vergangenes San Francisco</h6>
<p>Immer weiter füllt sich die Kirche, bis fast alle Plätze besetzt sind, jetzt sind über 60 Menschen da, einige müssen stehen. Vorne tanzt eine schlanke ältere Frau, die aussieht, als wäre sie als Hippie vor 40 Jahren in die Stadt gekommen und einfach geblieben. Es ist Megan Haungs, Minister of Tap Percussion Dance, eine Art Priesterin des Klangs. Auch ein kleines blondes Kind läuft vorne herum, ein wenig fühlt sich das alles an wie in einem grün-alternativen Kinderladen in den 80ern, und ein wenig ist die Stimmung auch aus der Zeit gefallen: Die Leute, die in der Kirche zusammenkommen, repräsentieren ein vergangenes San Francisco.</p>
<p>Eines, das gerade von den Zehntausenden jungen, konsumfreudigen und kapitalismusgläubigen Menschen aus aller Welt verdrängt wird, die in die Stadt kommen und im Silicon Valley arbeiten. Die bei Facebook, Google und Co. oder gepusht von Venture-Kapital so viel Geld verdienen, dass sie auch 5.000 Dollar Monatsmiete zahlen können und immer noch genug Geld haben für den Yogakurs und den Wochenendausflug ins Spa nach Lake Tahoe.</p>
<p>Wenn viele neue Menschen kommen, werden oft andere verdrängt. Geschichten von „Evictions“, Räumungen, kann fast jeder alteingesessene Mieter in der Stadt erzählen. Das betrifft auch das Quartier rund um die Fillmore Street. Früher war die Gegend mal als das „Harlem des Westens“ bekannt, bewohnt von vielen Arbeitern, die während der „Great Migration“ aus den Südstaaten in die Stadt gekommen waren. Davon ist heute nicht mehr viel übrig: Seit 1970 hat sich die schwarze Einwohnerschaft von San Francisco halbiert, von den verbleibenden Bewohnern wurden viele in Stadtviertel am Rand gedrängt. Durch die Mietenexplosion in den vergangenen zehn Jahren ist der Druck noch gestiegen.Auch die St. John Coltrane Church ist davon betroffen. Dieser Gottesdienst im April ist vorerst einer der letzten vor der „Eviction“. Seit Anfang Mai hat die Kirche keine festen Gemeinderäume mehr. Auch sie konnte die Miete nicht mehr zahlen.</p>
<p>Der Redeteil des Gottesdienstes beginnt. Auch das läuft hier anders als etwa in Europa. Nicht nur der Priester spricht, sondern mehrere Personen aus dem Inner Circle der Kirche. Sie erzählen, beten, und auch die Leute im Publikum rufen mal was dazwischen, eine Anmerkung und einfach „Yeah“ oder natürlich „Amen“ und „Halleluja“. Auch ein kleines Kind ruft einmal „Halleluja“, und alle klatschen selig. Die eigentliche Predigt hält Archpriest Rev. Wanika King Stephens, die vorher noch am Bass stand, eine weitere Tochter des Kirchengründers. Sie spricht mit einer warmen, schwingenden Stimme. Das Thema der Predigt: Selbstdisziplin.</p>
<h6>„Das ist hier kein Trauergottesdienst&#8221;</h6>
<p>Ein wenig Selbstdisziplin erfordert inzwischen auch der Gottesdienst, der mehr als drei Stunden andauert. Zum Schluss kommen die „Announcements“ dran, eine Art offenes Mikrofon für alle Anwesenden. Auch His Eminence The Most Reverend Archbishop F. W. King D.D., der Gründer der Kirche, erhebt nun sein Wort: Er erzählt von einer jüngst verstorbenen Schwester, Bonnie Lee, die er schon ewig kennt. Auch andere sagen etwas über sie, und einige Familienangehörige sind da, es wird kurz ergreifend, aber dann sagt King: „Das ist hier kein Trauergottesdienst. Wir sind eine fröhliche Kirche!“</p>
<p>Am Ende geben sich alle die Hände – die Dreadlock-Träger, die Touristen, die beiden älteren schwarzen Damen, die in vornehmen Sonntagskleidern gekommen sind. Die Menschen in der Fillmore Street sind zu einer verschworenen Gemeinschaft geworden. Der Schlagzeuger meldet sich zu Wort und sagt: „Eine Sache dürft ihr nicht vergessen: Die Coltrane-Kirche ist eine geistige Verbindung. Wir hören nicht auf. Auch nicht, wenn wir in zwei Wochen hier rausmüssen.“</p>
<p><em><strong>Nach ein paar Wochen Pause</strong> finden die Gottesdienste nun einstweilen in der Turk Street statt, ein paar Blocks weiter östlich. Doch auch diese Lösung ist nur temporär.</em></p>
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		<title>Don&#8217;t step on the Fußboden</title>
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		<pubDate>Tue, 21 May 2013 10:27:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit ostdeutschen Bootsverleihern, dem Knie eines schlafenden Riesen und der schüchternsten Stadionrockband der Welt.(aus der taz vom 21. Mai 2013) Als es dunkel wird am Freitag, machen sie schon den Lichtcheck für das The-XX-Konzert am nächsten Tag. Dicke weiße und violette]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit ostdeutschen Bootsverleihern, dem Knie eines schlafenden Riesen und der schüchternsten Stadionrockband der Welt.<span id="more-1757"></span>(aus der taz vom 21. Mai 2013)</strong></h3>
<p>Als es dunkel wird am Freitag, machen sie schon den Lichtcheck für das The-XX-Konzert am nächsten Tag. Dicke weiße und violette Strahlen steigen aus dem Spreepark in den Himmel, und vom Biergarten auf der Insel, die nicht mehr Insel der Jugend heißt, haben wir einen optimalen Blick. Der Bootsverleiher spielt mit seinem Sohn Tischtennis, mit dem Halstuch, dem Ostakzent und der naturbelassenen Art wirkt er wie aus einem DDR-Ferienlager übrig geblieben, und dann sagt er seinem Sohn auch noch, es sei jetzt schon halb zehn, und er könne jetzt leider nicht mehr „Spuk unterm Riesenrad“ gucken.</p>
<p>Vorher hatte er uns ein Kanu geliehen, und wir waren fast bis Niederschöneweide gepaddelt bis zu einem grünen Hügel am rechten Ufer, der aussieht wie das Knie eines schlafenden Riesen. Auf dem Weg mussten wir einem Kohlefrachter und den Schnüren von Anglerfossilen ausweichen, wir sahen vier Reiher neben der Wasserschutzpolizeiwache, jeder von ihnen stand in einer anderen Haltung, wir kamen am Zementwerk vorbei und am Futuro-Haus, das wie ein Ufo mit Facettenbullaugen in einer Kleingartensiedlung steht, davor eine Hollywoodschaukel. Hinten sitzt in einem Kanu, wer schwerer ist und wer es besser kann, hatte uns der Bootsverleiher erklärt. Und weil das bei uns nicht deckungsgleich war, sitze ich vorn. Ich bin ja auch gar nicht sooo viel schwerer als A.</p>
<div>Am nächsten Tag sitze ich dann hinten im Bus 265 und fahre Richtung Spreepark, zum „Night + Day“-Festival. Es ist brechend voll, denn viele haben den Regen abgewartet, mir tun die Vorbands leid, die am frühen Nachmittag gespielt haben. Wir brauchen quälend lang, der Bus wird voller und voller, und dauernd stehen Leute in den Türen beim Losfahren. „Don&#8217;t step on the Fußboden“, sagt der Busfahrer. „The last door auch zumachen.“ Alle lachen.</div>
<p>Der Bus war nur ein Trainingslager für das Festivalgelände. An allen Essens- und Getränkeständen steht man mehr als eine halbe Stunde an, die Veranstalter haben viel zu viele Karten verkauft und so den letzten Tropfen Zauber aus dem Spreepark gemolken. Vom Flair des stillgelegten Vergnügungsparks kriegt man wenig mehr mit als beim Blick über den Zaun, ein paar Pappmaschee-Dinosaurier, irgendwo ein Karussell und in der Ferne das Riesenrad, das sich langsam wie ein Stundenzeiger dreht. Weil da Besucher erst raufgeklettert und dann runtergefallen sind, muss ein Teil des Geländes gesperrt werden. Eine Menschentraube sammelt sich, keiner weiß irgendwas. „Ey, ich hab 80 Euro bezahlt, ich will die DJs sehen“, sagt eine Besucherin. „Ey, ich verdien hier heute nur 80 Euro“, sagt der Security-Mensch.</p>
<p>Sonst ist das Publikum dezent, wenig Leute mit Bärchenkapuzen, und ich bin heilfroh, nicht diese bordeauxrote H+M-Kapuzenjacke mit den weißen Bändchen zu tragen, die auch hier wieder mindestens sieben Männer anhaben. Angenehm auch, mit welcher Seelenruhe das Grillstandpersonal die Massen abfertigt. „Nicht so viel Ketchup nehmen, das macht dick“, sagt der Bratwurstmeister, die Schürze spannt über seinem Bauch. Als The XX endlich spielen, entschädigt das Konzert für alles. Die Stimme von Oliver Sim füllt den gesamten Plänterwald und bricht sich an diesen fantastischen Riesenpappeln. The XX sind die schüchternste Stadionrockband der Welt. Was für ein schöner Superlativ!</p>
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		<title>Innen gepresst, draußen Frei.Wild</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 07:22:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In einer flickenteppichhaften Inszenierung wurden am Donnerstag über 20 Echos verliehen, die meisten an die Toten Hosen. Die Kontroversen um Frei.Wild blieben außen vor. (taz.de vom 22. März 2013) Wie kann man es nur schon auf den ersten Metern so dermaßen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>In einer flickenteppichhaften Inszenierung wurden am Donnerstag über 20 Echos verliehen, die meisten an die Toten Hosen. Die Kontroversen um Frei.Wild blieben außen vor. <span id="more-1360"></span>(<a href="https://www.taz.de/Echo-Verleihung-in-Berlin/!113253/" target="_blank">taz.de</a> vom 22. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/2013/03/22/innen-gepresst-drausen-frei-wild/echo2013/" rel="attachment wp-att-1365"><img class="aligncenter size-full wp-image-1365" alt="echo2013" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/echo2013.jpg" width="620" height="422" /></a></p>
<p>Wie kann man es nur schon auf den ersten Metern so dermaßen verhühnern? An zwei sehr sichtbaren Seilen schwebt Moderatorin Helene Fischer ins Berliner Palais am Funkturm, schlägt einige ungelenke Salti, singt eine unheimlich biedere Version von „Let Me Entertain You“ und begrüßt, auf dem Boden angekommen, das Publikum allen Ernstes mit „Tja, der Echo. Das ist schon eine ganz besondere Musikpreisverleihung.“</p>
<p>Tja, haha. Das ist er wirklich. Liegen ihm doch bei den Nominierungen, man kann nicht oft genug daran erinnern, keinerlei künstlerische Kriterien zu Grunde, sondern ausschließlich die Chartsplatzierungen der vergangenen 12 Monate. „Der-Teufel-scheißt-auf-den-größten-Haufen“-Preis wäre ein passenderer Name.</p>
<p>Was für Probleme dieses Verfahren mit sich bringen kann, bekamen die Echo-Veranstalter vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI) vor zwei Wochen zu spüren: Die automatische Nominierung der Südtiroler Rockband Frei.Wild führte dazu, dass die ebenfalls in der Kategorie „Rock/Alternative national“ aufgestellten Kraftklub und MIA. ihre <a title="„Ich will nicht nach Berlin“" href="http://michaelbrake.de/2013/03/06/ich-will-nicht-nach-berlin/" target="_blank">Teilnahme absagten</a>, weil sie Frei.Wild zu nah an rechtem Gedankengut sehen.</p>
<p>Anderthalb Tage wogten Empörungswellen, vor allem auf den Facebook-Seiten der Betroffenen, danach entschloss der BVMI sich, <a href="http://https//www.taz.de/Echo-Nominierungen/!112419/" target="_blank" shape="rect">Frei.Wild wieder auszuladen</a> – damit der Musikpreis nicht von einer politischen Diskussion überlagert würde, so die Begründung. Man wolle für die Zukunft auch <a href="http://https//www.taz.de/Diskussion-um-FreiWild/!112468/" target="_blank" shape="rect">die Nominierungsrichtlinien überdenken</a>.</p>
<h6>Mahnwache der NPD</h6>
<p>Von diesem Vorlauf ist am Abend der Verleihung nur noch vor dem Palais am Funkturm etwas zu spüren. Dort veranstaltet die NPD eine Mahnwache für Frei.Wild – knapp 15 Gestalten stehen verloren herum, ohne Fahnen oder Transparente, aber von doppelt so vielen Polizisten bewacht.</p>
<p>Auf der anderen Straßenseite hingegen feiern sich Frei.Wild. Die vier Musiker baden in ihren Fans, mehrere hundert sind gekommen. Sie halten Plakate hoch und tragen weiße Shirts mit der Aufschrift „Frei.Wild gegen Rassismus und Extremismus“ (die Fans, nicht die Band), daneben steht ein Truck mit der Aufschrift „Leckt uns am Arsch“. Wie auch immer die Ausladung vom Echo zu bewerten ist: Dem Zusammenhalt zwischen Frei.Wild und ihren Anhängern hat die Geschichte sicher gut getan.</p>
<p>Nach drinnen dringt das alles nicht vor. Nur ein Wort fällt: „Kontrovers“ sei die Kategorie ja gewesen, so die Preisüberreicherin Katie Melua. Sagt aber nicht, warum, und vergisst vor lauter Aufregung auch noch, die anderen Nominierten vorzulesen, was sonst in keiner Kategorie passiert. Ein Zufall? Dann ein ziemlich unglücklicher. Unheilig bekommt schließlich den Preis. Die Band hatte sich vorher als einziger Nominierter der Kategorie komplett aus dem Streit herausgehalten.</p>
<h6>Überblick verloren</h6>
<p>Ansonsten verliert man bei den 27 sich zum Teil überlappenden Kategorien – beste Künstler, beste Alben, beste Bands, Newcomer, national und international, Pop, Rock, Schlager, Volksmusik, undsoweiter – spätestens nach der vierten den Überblick. Gerade waren Pur und Boss Hoss noch die Nominierten bei der „Besten Band national“ (Gewinner: Tote Hosen), dann sagt Hartmut Engler von Pur in einem Einspieler-Filmchen an, dass Boss Hoss jetzt den Preis für die beste Künstlerin vergeben.</p>
<p>Die verleihen dann den Preis an Ivy Quainoo, die Gewinnerin genau jener Casting-Show, in der Boss Hoss selbst in der Jury saßen – zusammen mit Rea Garvey, der seinerseits als bester Künstler nominiert ist und direkt anschließend in einem Einspieler … willkommen in der äußerst überschaubaren Welt des deutschen Spitzenpop.</p>
<p>Das Spielchen, dass jeder Nominierte auch mal Presenter ist, in einem Einspielerfilmchen vorkommt und häufig auch noch als Live-Act, zieht sich durch den gesamten Abend, mit dem Höhepunkt, dass Moderatorin Fischer selbst zwei Echos bekommt. Es ist einer der wenigen Momente, wo man sie überhaupt mal auf der Bühne sieht: Fast alle Programmpunkte werden durch Einspieler, Laudatoren oder durch Olli Briesch, der nur als Stimme aus dem Off vorkommt, übernommen.</p>
<p>So wird die flickenteppichartige Beliebigkeit, die Musikpreisen im Allgemeinen und dem Echo im Speziellen ohnehin anhaftet, ins fast Unerträgliche gesteigert. Alles läuft wie auf Speed, es schmeckt auch ähnlich metallen. Die Kunst des Timings, die Magie der Pause, des Tempowechsels, des Innehaltens scheint der Regie fremd zu sein – was auch wenig Wunder nimmt, wenn zahllose Kategorien und rund ein Dutzend Live-Acts in drei Stunden gepresst werden. Die meisten Preise gewinnen übrigens die Toten Hosen, aus sieben Nominierungen werden vier Echos.</p>
<h6>Keine magischen Momente</h6>
<p>Die „magischen Momente“, die von der zu keinem Zeitpunkt locker wirkenden Helene Fischer in einer Moderation beschworen werden, schafft man mit derart hochgetakteter Professionalität natürlich nicht. Es gibt sie allenfalls im Kleinen: Roman Lob („Radio-Echo“) und Lena Meyer-Landrut („Bestes Video“) zeigen sich wirklich ergriffen von ihren Preisen, Deichkind („Electronic/Club/Dance“) schaffen mit einer mitgebrachten Laudatiovorleserin ein kleines dadaistisches Element.</p>
<p>Max Raabe wiederum schummelt mit seinem nonchalanten Näselbass wirklich ein wenig Glamour und Witz in die Veranstaltung („Sie werden es bemerkt haben, die größten Chancen hat man heute Abend, wenn man entweder aus Düsseldorf kommt oder eine Pandamaske trägt. Die größten Chancen hat also ein Panda, der aus Düsseldorf kommt“). Und Campinos frei gehaltene Laudatio auf Led Zeppelin, die einen Lebenswerk-Echo international bekommen, ist gelungen und aufrichtig.</p>
<p>Genau wie die umfangreiche Ehrung von Hannes Wader für sein Lebenswerk national. Zum Thema Frei.Wild sagt Wader allerdings genausowenig wie alle anderen, er hat auch gar keine Zeit dafür. Dafür gelingt ihm das letzte Bonmot des Abends: „Ich guck mir das morgen alles in Ruhe auf YouTube an.“</p>
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		<title>„Ich will nicht nach Berlin“</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Mar 2013 14:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kraftklub zieht seine erste Echo-Nominierung zurück. Man will nicht in einer Reihe mit Frei.Wild stehen, denen eine rechte Gesinnung nachgesagt wird. (veröffentlich am 6. März 2013 auf taz.de) Der erste Plattenvertrag. Die erste Tournee. Der erste Festivalauftritt. Die erste Goldene Schallplatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kraftklub zieht seine erste Echo-Nominierung zurück. Man will nicht in einer Reihe mit Frei.Wild stehen, denen eine rechte Gesinnung nachgesagt wird. <span id="more-1321"></span>(veröffentlich am 6. März 2013 auf <a href="http://taz.de/Kraftklub-boykottiert-Echo-Verleihung/!112296/">taz.de</a>)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kraftklub.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1323" alt="kraftklub" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kraftklub.jpg" width="620" height="415" /></a></p>
<p>Der erste Plattenvertrag. Die erste Tournee. Der erste Festivalauftritt. Die erste Goldene Schallplatte. Die erste Charts-Topplatzierung. Und schließlich: die erste Echo-Nominierung. So oder ähnlich verlaufen Karrieren vieler deutscher Nachwuchsmusiker, so verlief auch die Karriere der Chemnitzer Band Kraftklub, die mit einer Mischung aus Indie und Sprechgesang seit drei Jahren immer erfolgreicher werden und Anfang 2012 mit ihrem Debütalbum „Mit K“ auf Platz 1 der deutschen Albumcharts landeten.</p>
<p>Jetzt gibt es aber einen Bruch, einen selbstbestimmten: Am Mittwoch hat Kraftklub auf seiner Facebook-Seite <a href="http://www.facebook.com/kraftklub/posts/10151453314944754" target="_blank" shape="rect">bekanntgegeben</a>, dass sie ihre erste Echo-Nominierung wieder – es gibt dafür eigentlich gar kein richtiges Verb – zurückgeben: „Wir haben unsere Plattenfirma gebeten, dafür zu sorgen, daß unsere Nominierung für den Echo in der Kategorie &#8216;Rock/Alternativ National&#8217; zurückgezogen wird. Wir möchten nicht weiter in einer solchen Reihe genannt werden“, schreiben sie.</p>
<p>Diese Reihe der Nominierten in der offiziell sperrig benannten Kategorie „Künstler/Künstlerin/Gruppe/Kollaboration Rock/Alternative National“, liest sich folgendermaßen: Die Ärzte, Frei.Wild, Kraftklub, MIA., Unheilig. Was nicht stimmt an der Reihe? Es geht um Frei.Wild.</p>
<p>Nun macht die Südtiroler Band zum einen recht konventionelle Rockmusik, mit der sie unter anderem auf der WM-Fanmeile 2010 in Berlin und beim Wacken Open Air aufgetreten ist. Zum anderen steht sie wegen ihrer Texte und wegen der Vergangenheit von Sänger Philipp Burger im Verdacht, nationalistisch bis rechts zu sein.</p>
<h6>Fragwürdige Vergangenheit</h6>
<p>Burger, der bis 2008 Mitglied der rechtsliberalen, FPÖ-nahen Südtiroler Partei „Die Freiheitlichen“ war und früher in der italienischen Rechtsrockband Kaiserjäger spielte, hat sich mehrfach öffentlich von einer rechten Gesinnung Frei.Wilds distanziert, die Band besteht darauf, unpolitisch zu sein. Angesichts von Textzeilen wie „Kreuze werden aus Schulen entfernt /Aus Respekt vor den andersgläubigen Kindern“ und „Das ist das Land der Vollidioten / Die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat“ (aus „Das Land der Vollidioten“) bleiben aber Zweifel.</p>
<p>Für Kraftklub offenbar ausreichend, so dass sie der Echo-Verleihung am 21. März in Berlin fernbleiben. „Obwohl wir uns gefreut haben zusammen mit Mia., Die Toten Hosen, Unheilig, und Die Ärzte nominiert gewesen zu sein. Schade um die schöne Aftershowparty …“, steht in ihrem Facebook-Statement. Passenderweise heißt die erste Single-Auskopplung aus dem Album „Mit K“: „Ich will nicht nach Berlin“.</p>
<p>Die Echo-Preisträger werden nicht nach künstlerischen Kriterien nominiert, sondern auf Grundlage der Plattenverkäufe. Im Herbst stand „Feinde deiner Feinde“, das achte Album von Frei.Wild, auf Platz zwei der deutschen Albumcharts. Der Bundesverband Musikindustrie, der den Echo ausrichtet, war für ein Statement leider nicht zu erreichen.</p>
<p>Im Februar hatte es bereits eine Kontroverse um Frei.Wild gegeben: Sie <a href="http://www.visions.de/news/17994/With-Full-Force-Frei-Wild-sagen-ab" target="_blank" shape="rect">sagten ihren Auftritt beim Rockfestival „With Full Force“ ab</a>, nachdem zuvor mehrere Kooperations- und Sponsoringpartner des Festivals, unter anderem die Musikzeitschrift Visions und Jägermeister, mit Boykott gedroht hatten.</p>
<p>Den Rückzug von Kraftklub kommentierten Frei.Wild auf ihrer eigenen <a href="http://www.facebook.com/Frei.Wild/posts/165668286919093" target="_blank" shape="rect">Facebookseite</a> spöttisch: „Da warens nur noch 4 … Wir haben nach langem Überlegen unsere Plattenfirma, die wir selber sind :) gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass nach der Nominierung für den Echo in der Kategorie &#8216;Rock/Alternativ National&#8217; genug Bier auf der Aftershowparty steht.“</p>
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		<title>Immer schön authentisch bleiben!</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 19:58:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Stefan Raab castet in „Unser Star für Oslo“ den Eurovision-Song-Contest-Teilnehmer – und es geht sogar um Musik.<span id="more-1815"></span> (aus der taz vom 4. Februar 2010)</h3>
<p>Authentizität. Das war allen extrem wichtig beim Auftakt von &#8220;Unser Star für Oslo&#8221;, dem Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC). Erstmals wurde für die Suche nach dem deutschen Vertreter ein Casting-Format gewählt – und mit aller Kraft versucht, sich von konfektionierter Popeinheitsware à la DSDS abzugrenzen. &#8220;Wir wollen die Künstler ernst nehmen. Sie sollen singen, was sie wollen. Peter Maffay singt auch keinen Swing&#8221;, sagte Mastermind und Juryvorsitzender Stefan Raab vorab, und auch am Dienstagabend auf Pro7 wurden die Kandidaten reihenweise für ihre Unabhängigkeit gelobt. Gut gesungen hatten sie sowieso.</p>
<p>Offiziell ist „Unser Star für Oslo“ (USfO) eine Kooperation mit der ARD, die nach jahrelanger Erfolg- und Kreativlosigkeit beim ESC mit Raab den Mann holte, der als Sänger und Komponist (für Max Mutzke und Guildo Horn) dreimal in der Top Ten des Europa-Finals landete. Rund 4.500 Menschen meldeten sich zum Casting, 20 Kandidaten kamen durch, die bis zum Finale am 12. März nun ausgesiebt werden: immer dienstags auf Pro7, im März ergänzt durch Freitagabendshows im Ersten.</p>
<p>Obwohl, „Kooperation“ – da ist nicht viel ARD in „Unser Star für Oslo“. Es ist bloß ein weiterer Teil der großen Raab-Show: die Raab-Band macht die Musik, der Raab-Sprecher vertont die Einspieler, Raab-Buddy Matthias Opdenhövel moderiert (mit der vom ARD-Radiosender 1Live gestellten Sabine Heinrich) und die Erkennungsmusik von USfO hatte Raab gleich selbst komponiert.</p>
<h6>Kein Eurovision-Hitbaukasten</h6>
<p>„Wir sind die Trümmerfrauen des ESC“, hatte Raab bei der USfO-Pressekonferenz gesagt. Es ist ihm ein Anliegen, den ESC-Vorentscheid wieder zu einer ernstzunehmenden und unterhaltsamen Musikveranstaltung zu formen. Hierfür will Raab aber nicht „den Eurovision-Hitbaukasten“ nutzen oder osteuropäische Musikkultur kopieren. Der erste Platz beim Finale in Oslo sei ihm nicht so wichtig. Vielmehr solle auch ein „unkonformer Künstler“ gewinnen können.</p>
<p>Die erste Show konnte dieses Versprechen einlösen. Das Prinzip war dabei nicht neu: Erfreulich straff und beinahe ohne pseudodramatische Verzögerungen wurde immer wieder die Reihenfolge „Kandidat, Einspieler, Song, händchenhaltende Moderatoren, Jury, Platz nehmen“ durchgespielt. Am Ende folgte die Telefonabstimmung mit angekoppeltem Gewinnspiel.</p>
<p><span style="font-size: 13px;">Aber! Die Ausführung! Behutsam statt denunzierend ging die Jury vor, in der neben Raab Yvonne Catterfeld und ein entrückt-lässiger Westernhagen saßen – die Beisitzer wechseln in jeder Sendung, unter anderem werden Peter Maffay, Jan Delay und Sarah Connor auftreten. Es wurde wirklich über Musik gesprochen: von Intonationsproblemen und einem gut kontrollierten Vibrato war die Rede, von leisen und lauten Tönen, die Fachtermini Timbre und Falsett wurden erklärt. Verständlich blieb es trotzdem: „Tolle Stimme, toll bewegt“, „You rock!“, „für so einen Sound müssen andere lange saufen“.</span></p>
<h6>Kontrast zur Freakshow</h6>
<p>Auch die Kandidaten kontrastierten die DSDS-Freakshow. Es waren Lehrer, Mediengestalter, Berufsmusiker dabei, ein klarer Kontrast zu Bohlens verhuscht-schrillen Teenies mit Gelfrisur und Modeschal. In die Favoritenrolle sang sich die 18-jährige Schülerin Lena, die als Nora-Tschirner-Lookalike Jury und Publikum verzauberte, mit frecher Ausstrahlung, Emotionen („Ich freu mich so, so hart!“) und, na klar, astreiner Authentizität.</p>
<p>Und um zu zeigen, wie gut die Raab-Maschine funktioniert, wurde anschließend nahtlos zu „TV Total“ übergeleitet. Raab und Band wechselten vor laufender Kamera das Studio und begrüßten als Gäste: Catterfeld, Westernhagen und die fünf Castingsieger. Dass hier dann doch Outtakes von weniger begabten Bewerbern des Vorab-Castings gezeigt wurden, war allerdings unnötig, wollte man sich doch genau von solchen Bloßstellungen abgrenzen. Es blieb der einzige Schwachpunkt eines runden Unterhaltungsabends.</p>
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