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	<title>Michael Brake &#187; Medien</title>
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		<title>Das Edelste sind die Anzeigen</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jul 2013 19:35:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tweed will ein Magazin für den britischen Lebensstil sein und scheitert grandios. Der Heftgestaltung fehlt die Klasse, die Texte sind routiniert-lieblos. (aus der taz vom 25. Juli 2013) Eigentlich ist mit dem Button schon alles verloren. In Orange hängt er auf]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Tweed</em> will ein Magazin für den britischen Lebensstil sein und scheitert grandios. Der Heftgestaltung fehlt die Klasse, die Texte sind routiniert-lieblos.<span id="more-1551"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Neues-Dandy-Magazin-Tweed/!120555/" target="_blank">taz</a> vom 25. Juli 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/cover-tweed-ganz.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1560" alt="Cover_Tweed_1.indd" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/cover-tweed-ganz.jpg" width="310" height="391" /></a>Eigentlich ist mit dem Button schon alles verloren. In Orange hängt er auf dem Titelbild, ist gezackt, „Die 33 wichtigsten Regeln für echte Gentlemen“ steht darauf. Das ist so dumm. So grundfalsch. Aber auch so treffend.</p>
<p>Aber einen Schritt zurück: Die <em>Tweed,</em> deren Erstausgabe gerade erschienen ist, bezeichnet sich als „Magazin für den britischen Lebensstil“, sie will den deutschen Dandy bedienen, mit einem Themenmix, der von einer Reportage beim Oldtimertreffen „Goodwood Revival“ bis zu Polo in Deutschland reicht, vom Schreiben mit dem Füllfederhalter bis hin zur Lederschuhpflege. Auch Rasiermesser kommen vor, was kein Wunder ist, denn Messer-Fachliteratur gehört zum Schwerpunkt des herausgebenden Wieland-Verlags.</p>
<p>Das Heft passt eigentlich hervorragend in unsere Zeit, seine Idee leuchtet ein. Erstens bedient <em>Tweed</em> den akuten Neokonservatismus des Manufactum-Biedermeiers mit seiner Sehnsucht nach Tradition, nach Handwerk, nach „echten“ Dingen – ein Gegenpol zur Digitalisierung und zu „unseren hektischen Zeiten, in denen ständig alles anders wird“, wie Chefredakteur Hans-Joachim Wieland im Editorial erklärt.</p>
<p>Und zweitens gibt es neben dem allgegenwärtigen Zeitungssterben durchaus einen Markt für neue Magazine – sofern diese klug Ränder bedienen und genau die Wertigkeit mitbringen, die dem Internet aktuell noch fehlt. Speziell bei gut verdienenden Männern im klassischen Gendersinne scheint das zu funktionieren, wie die 2009 erfolgreich eingeführten Magazine <em>Beef!</em> und <em>Business Punk</em> zeigen.</p>
<h6>Kleinteiliges Layout</h6>
<p>Doch muss man die Sache natürlich auch sauber umsetzen. Und hier scheitert <em>Tweed</em> grandios – weil man dem Lebensstil eines Gentlemans eben nicht mit den Bordmitteln eines gewöhnlichen Lifestylemagazins beikommen, man ihm eben nicht ein kleinteiliges, hektisches Layout überstülpen kann, das vielleicht zeitgemäß ist, aber nicht klassisch und gediegen. Da gibt es Randspalten mit Infohäppchen, freigestellte Fotos hier, Textboxen dort, unmotivierten Weißraum – selbst die ganzseitigen Fotos als Texteinstieg, die an sich gelungen sind, werden durch eine am Rand durchlaufende Ressortnamenleiste kaputt gemacht.</p>
<p>Alles wirkt billig und unangemessen, bis hin zur Wahl eines dünnen Hochglanzpapiers. So fühlt sich <em>Tweed</em> an wie eine Mischung aus <em>Men’s Health</em>, Peek-&amp;-Cloppenburg-Katalog und den Bordmagazinen von Fluggesellschaften, die Anzeigen gehören noch zu den edelsten Seiten. Das ist für einen Verkaufspreis von 9,80 Euro beschämend.</p>
<p>Die Texte changieren zwischen routiniert-lieblos und verfloskelt. Der Bericht über das altehrwürdige Londoner Savoy Hotel etwa – was hätte man da anstellen können? Einen Butler, einen Manager, einen Gast begleiten, das alles zu einer Reportage verbinden, die das Hotel lebendig macht. Stattdessen liest sich der Text wie aus Internetrecherchen und Pressetexten zusammengeschrieben: Viele interessante Information und Fakten, aber seelenlos.</p>
<p>So ist es mit dem gesamten Heft: Anstatt in die britisch-versnobte Lebenswelt einzutauchen und aus ihr zu berichten – was auch für Außenstehende ein spannender Einblick hätte sein können – wird sie nur <em>step by step</em> erklärt, wie in einem Wochenendseminar. „Erwachsene Männer, die erfolgreich im Leben stehen und ihren eigenen Stil gefunden haben“ will die <em>Tweed</em> ansprechen. Und wird nur Menschen erreichen, die zwar Geld haben, aber sich ihren Stil erst noch vorschreiben lassen müssen.</p>
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		<title>Innen gepresst, draußen Frei.Wild</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 07:22:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In einer flickenteppichhaften Inszenierung wurden am Donnerstag über 20 Echos verliehen, die meisten an die Toten Hosen. Die Kontroversen um Frei.Wild blieben außen vor. (taz.de vom 22. März 2013) Wie kann man es nur schon auf den ersten Metern so dermaßen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>In einer flickenteppichhaften Inszenierung wurden am Donnerstag über 20 Echos verliehen, die meisten an die Toten Hosen. Die Kontroversen um Frei.Wild blieben außen vor. <span id="more-1360"></span>(<a href="https://www.taz.de/Echo-Verleihung-in-Berlin/!113253/" target="_blank">taz.de</a> vom 22. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/2013/03/22/innen-gepresst-drausen-frei-wild/echo2013/" rel="attachment wp-att-1365"><img class="aligncenter size-full wp-image-1365" alt="echo2013" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/echo2013.jpg" width="620" height="422" /></a></p>
<p>Wie kann man es nur schon auf den ersten Metern so dermaßen verhühnern? An zwei sehr sichtbaren Seilen schwebt Moderatorin Helene Fischer ins Berliner Palais am Funkturm, schlägt einige ungelenke Salti, singt eine unheimlich biedere Version von „Let Me Entertain You“ und begrüßt, auf dem Boden angekommen, das Publikum allen Ernstes mit „Tja, der Echo. Das ist schon eine ganz besondere Musikpreisverleihung.“</p>
<p>Tja, haha. Das ist er wirklich. Liegen ihm doch bei den Nominierungen, man kann nicht oft genug daran erinnern, keinerlei künstlerische Kriterien zu Grunde, sondern ausschließlich die Chartsplatzierungen der vergangenen 12 Monate. „Der-Teufel-scheißt-auf-den-größten-Haufen“-Preis wäre ein passenderer Name.</p>
<p>Was für Probleme dieses Verfahren mit sich bringen kann, bekamen die Echo-Veranstalter vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI) vor zwei Wochen zu spüren: Die automatische Nominierung der Südtiroler Rockband Frei.Wild führte dazu, dass die ebenfalls in der Kategorie „Rock/Alternative national“ aufgestellten Kraftklub und MIA. ihre <a title="„Ich will nicht nach Berlin“" href="http://michaelbrake.de/2013/03/06/ich-will-nicht-nach-berlin/" target="_blank">Teilnahme absagten</a>, weil sie Frei.Wild zu nah an rechtem Gedankengut sehen.</p>
<p>Anderthalb Tage wogten Empörungswellen, vor allem auf den Facebook-Seiten der Betroffenen, danach entschloss der BVMI sich, <a href="http://https//www.taz.de/Echo-Nominierungen/!112419/" target="_blank" shape="rect">Frei.Wild wieder auszuladen</a> – damit der Musikpreis nicht von einer politischen Diskussion überlagert würde, so die Begründung. Man wolle für die Zukunft auch <a href="http://https//www.taz.de/Diskussion-um-FreiWild/!112468/" target="_blank" shape="rect">die Nominierungsrichtlinien überdenken</a>.</p>
<h6>Mahnwache der NPD</h6>
<p>Von diesem Vorlauf ist am Abend der Verleihung nur noch vor dem Palais am Funkturm etwas zu spüren. Dort veranstaltet die NPD eine Mahnwache für Frei.Wild – knapp 15 Gestalten stehen verloren herum, ohne Fahnen oder Transparente, aber von doppelt so vielen Polizisten bewacht.</p>
<p>Auf der anderen Straßenseite hingegen feiern sich Frei.Wild. Die vier Musiker baden in ihren Fans, mehrere hundert sind gekommen. Sie halten Plakate hoch und tragen weiße Shirts mit der Aufschrift „Frei.Wild gegen Rassismus und Extremismus“ (die Fans, nicht die Band), daneben steht ein Truck mit der Aufschrift „Leckt uns am Arsch“. Wie auch immer die Ausladung vom Echo zu bewerten ist: Dem Zusammenhalt zwischen Frei.Wild und ihren Anhängern hat die Geschichte sicher gut getan.</p>
<p>Nach drinnen dringt das alles nicht vor. Nur ein Wort fällt: „Kontrovers“ sei die Kategorie ja gewesen, so die Preisüberreicherin Katie Melua. Sagt aber nicht, warum, und vergisst vor lauter Aufregung auch noch, die anderen Nominierten vorzulesen, was sonst in keiner Kategorie passiert. Ein Zufall? Dann ein ziemlich unglücklicher. Unheilig bekommt schließlich den Preis. Die Band hatte sich vorher als einziger Nominierter der Kategorie komplett aus dem Streit herausgehalten.</p>
<h6>Überblick verloren</h6>
<p>Ansonsten verliert man bei den 27 sich zum Teil überlappenden Kategorien – beste Künstler, beste Alben, beste Bands, Newcomer, national und international, Pop, Rock, Schlager, Volksmusik, undsoweiter – spätestens nach der vierten den Überblick. Gerade waren Pur und Boss Hoss noch die Nominierten bei der „Besten Band national“ (Gewinner: Tote Hosen), dann sagt Hartmut Engler von Pur in einem Einspieler-Filmchen an, dass Boss Hoss jetzt den Preis für die beste Künstlerin vergeben.</p>
<p>Die verleihen dann den Preis an Ivy Quainoo, die Gewinnerin genau jener Casting-Show, in der Boss Hoss selbst in der Jury saßen – zusammen mit Rea Garvey, der seinerseits als bester Künstler nominiert ist und direkt anschließend in einem Einspieler … willkommen in der äußerst überschaubaren Welt des deutschen Spitzenpop.</p>
<p>Das Spielchen, dass jeder Nominierte auch mal Presenter ist, in einem Einspielerfilmchen vorkommt und häufig auch noch als Live-Act, zieht sich durch den gesamten Abend, mit dem Höhepunkt, dass Moderatorin Fischer selbst zwei Echos bekommt. Es ist einer der wenigen Momente, wo man sie überhaupt mal auf der Bühne sieht: Fast alle Programmpunkte werden durch Einspieler, Laudatoren oder durch Olli Briesch, der nur als Stimme aus dem Off vorkommt, übernommen.</p>
<p>So wird die flickenteppichartige Beliebigkeit, die Musikpreisen im Allgemeinen und dem Echo im Speziellen ohnehin anhaftet, ins fast Unerträgliche gesteigert. Alles läuft wie auf Speed, es schmeckt auch ähnlich metallen. Die Kunst des Timings, die Magie der Pause, des Tempowechsels, des Innehaltens scheint der Regie fremd zu sein – was auch wenig Wunder nimmt, wenn zahllose Kategorien und rund ein Dutzend Live-Acts in drei Stunden gepresst werden. Die meisten Preise gewinnen übrigens die Toten Hosen, aus sieben Nominierungen werden vier Echos.</p>
<h6>Keine magischen Momente</h6>
<p>Die „magischen Momente“, die von der zu keinem Zeitpunkt locker wirkenden Helene Fischer in einer Moderation beschworen werden, schafft man mit derart hochgetakteter Professionalität natürlich nicht. Es gibt sie allenfalls im Kleinen: Roman Lob („Radio-Echo“) und Lena Meyer-Landrut („Bestes Video“) zeigen sich wirklich ergriffen von ihren Preisen, Deichkind („Electronic/Club/Dance“) schaffen mit einer mitgebrachten Laudatiovorleserin ein kleines dadaistisches Element.</p>
<p>Max Raabe wiederum schummelt mit seinem nonchalanten Näselbass wirklich ein wenig Glamour und Witz in die Veranstaltung („Sie werden es bemerkt haben, die größten Chancen hat man heute Abend, wenn man entweder aus Düsseldorf kommt oder eine Pandamaske trägt. Die größten Chancen hat also ein Panda, der aus Düsseldorf kommt“). Und Campinos frei gehaltene Laudatio auf Led Zeppelin, die einen Lebenswerk-Echo international bekommen, ist gelungen und aufrichtig.</p>
<p>Genau wie die umfangreiche Ehrung von Hannes Wader für sein Lebenswerk national. Zum Thema Frei.Wild sagt Wader allerdings genausowenig wie alle anderen, er hat auch gar keine Zeit dafür. Dafür gelingt ihm das letzte Bonmot des Abends: „Ich guck mir das morgen alles in Ruhe auf YouTube an.“</p>
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		<title>Vertrocknete Zimmerpflanzen</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Mar 2013 20:11:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Alltägliche und die Architektur: Dem crowdfunding-finanzierten Magazin „Stadtaspekte“ gelingt es, beides in seltener Zugänglichkeit zu verbinden. (aus der taz vom 12. März 2013) „Stadtleben findet unter Fremden statt“, sagte der Soziologe Zygmunt Baumann. „Die Stadt ist ein vages System“,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Alltägliche und die Architektur: Dem crowdfunding-finanzierten Magazin „Stadtaspekte“ gelingt es, beides in seltener Zugänglichkeit zu verbinden. <span id="more-1315"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Das-neue-Magazin-Stadtaspekte/!112593/" target="_blank">taz</a> vom 12. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/stadtaspekte_cover_.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1316" alt="stadtaspekte_cover_" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/stadtaspekte_cover_.jpg" width="310" height="414" /></a>„Stadtleben findet unter Fremden statt“, sagte der Soziologe Zygmunt Baumann. „Die Stadt ist ein vages System“, sagt Benedikt Crone, stellvertretender Chefredakteur von <em>Stadtaspekte, </em>dessen erste Ausgabe im Januar erschienen ist.</p>
<p>„Die dritte Seite der Stadt“ lautet der Untertitel des Magazins – was eine Anspielung auf den feuilletonistischen Ansatz der Seite 3 vieler Zeitungen sein soll, aber eben auch jenen Graubereich beschreibt, der sich auftut zwischen dem offensichtlichen ersten Eindruck, den wir von einer Stadt haben, und dessen ähnlich abziehbildhaftem Negativ. Ein Raum, den es zu erkunden lohnt, um anschließend über das „außergewöhnlich Alltägliche“ zu schreiben, das man ihn ihm findet.</p>
<p>Stadtaspekte tut genau dies, berichtet aus Detroit, Tiflis, Hamburg, Mumbai, Kaiserslautern, Toronto … und, ja, auch aus Berlin, wenngleich es nicht das hundertste Berlinheft sein will. Von vergleichbaren Magazinen wie arch+ unterscheidet sich <em>Stadtaspekte</em> wiederum durch die Zielgruppe: Explizit richtet es sich nicht an ein Fachpublikum. Es will jargonfrei in Textarbeit und Bildsprache bleiben, die Stadt durch ihre Bewohner zum Sprechen bringen und Themen aus professionellen Diskursen lesbar machen.</p>
<h6>Zugänglich und vielseitig</h6>
<p>Dieser Anspruch wird eingelöst, die Texte sind zugänglich und vielseitig: Da ist eine Annäherung in acht Teilen an den zwischen Groß-U-Bahnhof, Fußgängerpassagen und Stadtraum zerfleddernden Wiener Karlsplatz. Ein Beitrag über den wegweisenden Fotoband des Architekten Erich Mendelsohn, der in den 1920er Jahren die neuen urbanen Möglichkeiten der in die Höhe wuchernden Großstädte der USA gleichermaßen staunend und kritisch dokumentiert hat.</p>
<p>Es gibt Überlegungen zu Flaggen an Balkonen im öffentlichen Raum und zum nach der Wende re-designten Stadtwappen von Ludwigsfelde, es gibt Fotostrecken von vertrockneten Zimmerpflanzen und von Gated-Community-Bewohnern in Kapstadt.</p>
<p>Sprachlich ist nicht alles so hochwertig wie das aufgeräumte Layout und die farbentsättigten, auf mattem Papier gedruckten Fotografien. Die häufige Subjektivität der Texte schlägt mitunter ins Banale um – wie etwa der schlampig übersetzte Bericht eines Japaners über seine Erkundung Bremens mit den Geruchssinn oder die Erzählungen einer Geocacherin aus Mainz.</p>
<p>Was hingegen über die Berliner Sonnenallee als Repräsentationsort arabischen Lebens und über eine Eckkneipe im Food-Court von Karstadt am Hermannplatz im Heft steht, sind die wohl klügsten Gedanken, die man über die inzwischen stark überstrapazierte Gentrifizierungskampfzone Nordneukölln seit langem lesen konnte.</p>
<h6>Viermal verschobener Starttermin</h6>
<p>Über ein Jahr hat die Arbeit an der ersten <em>Stadtaspekte-</em>Ausgabe gedauert, viermal wurde der Starttermin verschoben. Das 11-köpfige Team von jungen Akademikern aus verschiedenen Disziplinen, das sich über einen Aufruf der Gründer Jürgen Cyranek und Constantin Engel fand, musste erst einmal gemeinsam Magazinmachen lernen – und Geld sammeln.</p>
<p>Neben wenigen Anzeigen und den Verkaufserlösen – Heftpreis ist 7,90 Euro, die Erstauflage liegt bei 8.000 Exemplaren – wurde <em>Stadtaspekte </em>zu bedeutenden Teilen durch Crowdfunding im Internet finanziert. Über 5.000 Euro kamen auf <a href="http://www.startnext.de/stadtaspekte" target="_blank" shape="rect">startnext</a> zusammen, eine Person spendete sogar 500 Euro und erhielt zur Belohnung einen Artikel über ihre Lieblingsstadt – Bern – im zweiten Heft, das zum Thema „Grauzonen“ im Juni erscheinen soll.</p>
<p>Bis dahin versorgt <em>Stadtaspekte </em>seine Leser im Internet, unter anderem mit der täglichen Linksammlung <a href="http://www.stadtaspekte.de/?page_id=58" target="_blank" shape="rect">„Stadt um zehn“</a>. Ursprünglich war <em>Stadtaspekte</em> ohnehin als reines Online-Magazin geplant, inzwischen ist das keine Alternative mehr, wie Redakteurin Christina Riesenweber selbstbewusst begründet: „Weil es das wert ist. So ein Heft ist ein halbes Jahr da und die Themen verdienen es, dass man sich die Zeit für sie nimmt und sie nicht nach zwei Wochen wieder verschwinden.“</p>
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		<title>Der Wüstenfalke trifft auf Batman</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Sep 2012 14:41:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeit Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Verleger Volker Hamann erfüllt sich einen Jugendtraum: Mit Alfonz bringt er ein Magazin für den deutschsprachigen Comicraum heraus. (veröffentlicht auf zeit.de) Volker Hamann war 16, als er mit zwei Freunden sein erstes Comic-Magazin veröffentlichte. Es nannte sich Comic Reddition]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Verleger Volker Hamann erfüllt sich einen Jugendtraum: Mit <em>Alfonz</em> bringt er ein Magazin für den deutschsprachigen Comicraum heraus. <span id="more-1035"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-09/comic-magazin-alfonz" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1036" title="alfonzcover" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/alfonzcover.jpeg" width="310" height="439" />Volker Hamann war 16, als er mit zwei Freunden sein erstes Comic-Magazin veröffentlichte. Es nannte sich <em>Comic Reddition</em> und war in klassischer Fanzine-Optik gehalten, schwarz-weiß, kopiert, mit Schere-Papier-Kleber-Layout. Die Komplettauflage von 32 Exemplaren lag in Dietschis Comicshop in Hamburg aus. Das war im Januar 1984.</p>
<p><a title="Der deutsche Disney" href="http://michaelbrake.de/2012/06/07/der-deutsche-disney/" target="_blank">Die <em>Reddition</em> gibt es heute noch</a>, etwa zweimal im Jahr erscheint sie, längst handelt es sich um professionell gemachte Hefte. Sie widmen sich seit geraumer Zeit monothematisch einem Schwerpunkt, meist comichistorischen Themen, etwa Rolf Kauka oder der Geschichte des italienischen Comics. Zusätzlich hat Hamann in seinem als Überbau gezimmerten „Verlag für graphische Literatur“, der Edition Alfons, über die Jahre auch noch Sachbücher herausgegeben und veröffentlicht seit 2011 gemeinsam mit Matthias Hofmann die jährliche Anthologie Comic-Report. Und um Geld zu verdienen, arbeitet der heute 44-Jährige beim Versandhändler Hummelcomic und schreibt als freier Mitarbeiter für Verlage wie Carlsen oder Splitter.</p>
<p>All das hat Hamann offenbar noch immer nicht ausgefüllt, so dass er sich nach knapp 30 Jahren Verlegertätigkeit seinen Jugendtraum ein zweites Mal erfüllt hat: Mit <em>Alfonz</em> ein General-Interest-Magazin für den deutschsprachigen Comicraum herauszugeben. Auch hier ist Matthias Hofmann Ko-Herausgeber und nach zwei digitalen, kostenlos downloadbaren Nullnummern (Ausgabe <a href="http://www.reddition.de/alfonz/pdf/alfonz_0a_neu.pdf" target="_blank">0a</a> und <a href="http://www.comic-report.de/alfonz_0b/admin/alfonz0b.pdf" target="_blank">0b</a>) erschien im Juli die offizielle Erstausgabe.</p>
<p>Als Zielgruppe nennt Hamann „Leser, die sich nur ein Mal pro Monat auf der Fahrt zur Arbeit ein Comicalbum für die S-Bahn kaufen“ wie auch„den Fan oder Sammler, der sich in allen Genres zu Hause fühlt und umfassend informiert werden will“. Um all diese Menschen zufrieden zu stellen, soll <em>Alfonz</em> „über sämtliche Spielarten von Comics aus allen Ländern gleichbedeutend“ berichten – sofern sie parallel zur aktuelle Ausgabe erscheinen oder sonstwie relevant erscheinen. Und ausdrücklich auch über Mangas, „die es unserer Meinung nach verdient haben, über die von Kindern und Jugendlichen mit so viel Begeisterung gelesenen Mainstreamtitel hinaus wahrgenommen zu werden“.</p>
<h6>Viele Formen, viele Themen</h6>
<p>Hohe Ansprüche, die in der Erstausgabe von <em>Alfonz</em> zu einem guten Teil erfüllt werden. Diverse journalistische Formen werden bedient, diverse Comic-Genres abgedeckt, die Mischung stimmt: Sie reicht vom großen Porträt über den spanischen Zeichner Vicente Segrelles, der durch seine in Öl gemalten Fantasycomics berühmt wurde, bis zu kleinen Protokollen, in denen Autoren über ihren Umgang mit Originalzeichnungen erzählen. Von einem Streitgespräch über das Dritte-Reich-verherrlichende Fliegercomic „Der Wüstenfalke“ bis zur Analyse des Neustarts des DC-Superheldenuniversum. Von einem Doppel-Interview mit dem Marsu-Kids-Zeichnerehepaar Didier Conrad und Wilbur bis zu Querschnittsthemen wie die Tour de France im Comic. Von einem Bericht vom Comicfestival Fumetto in Luzern bis zum Außenseiter-Manga „I am Hero“. Kolumnen vom französischen und US-Markt sowie kleinere Rezensionen bilden zusätzlich feste Rubriken.</p>
<p>Für Comicinteressierte sollte <em>Alfonz</em> damit sowohl Überraschungen als auch Anknüpfungspunkte bieten. Das Layout ist abwechslungsreich – auch wenn es keine Designpreise gewinnen wird, dafür ist es etwas zu bieder und unaufgeräumt – und man spürt auf fast allen Seiten die Liebe, mit der hier gearbeitet wurde, zum Heft und seinem Betrachtungsgegenstand.</p>
<p>Gibt es auch einen Haken? Leider ja, und nicht den kleinsten: Die Qualität der meisten Texte fällt bei alldem deutlich ab. Zumal wenn mittendrin der Popfeuilletonist Georg Seeßlenüber „das neue Supermedium Comic/Film“ schreibt, für seine Verhältnisse auch noch ziemlich zugänglich, und so die Fallhöhe deutlich definiert.</p>
<p>Wobei in den Texten keine klaren Fehler sind. Es ist nur handwerklich alles etwas schlicht. So wird nicht groß versucht, Comics oder ihre Entwicklungen in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen zu deuten oder daraus Trends abzuleiten. Das Magazin bleibt fast immer am Werk. Das Vokabular ist mitunter insiderisch oder durchsetzt von Bratwurstbegriffen, die es eigentlich nicht durch ein halbwegs strenges Redigat schaffen sollten: Da ist von der „agilen Vampirjägerin“ die Rede, bei der nach sieben Staffeln „der Ofen aus“ war, da zeigt einer mit seinen bisherigen Comics, „wo der Hammer hängt“, anderswo ist „das Ende der berühmten Fahnenstange erreicht“, mal schlägt ein Buch „beim Lesen ein wie eine Bombe&#8221;, mal sind die Zeichnungen „nicht &#8216;der Burner&#8217;, wie es in neudeutschem Jugendsprech wohl heißt“.</p>
<h6>Ein professionelles Fanzine</h6>
<p>Und so ist Alfonz trotz der professionellen Aufmachung eben doch ein Fanzine. Aus der Szene für die Szene und für ein paar interessierte Außenstehende; für alle anderen ungefähr so interessant wie ein Metalmagazin oder ein Angelmagazin. Aber ein Fanzine mit Potenzial, zumal die Konkurrenz überschaubar ist, die meisten deutschen Magazine haben Spezialnischen gefunden: Zack veröffentlicht in erster Linie Comics und hat nur einen kleinen Infoteil. Die Sprechblase ist deutlich auf Klassiker ausgerichtet, das Schweizer Strapazin bearbeitet mit seinem Kunstbezug die feuilletonistischen Ränder der Comicwelt.</p>
<p>Bleibt als direkter Konkurrent die Comixene – ausgerechnet, hatte doch deren 1982 eingestelltes Original in den frühen Achtzigern Hamann und seine Schulfreunde zur Gründung der Reddition angeregt. Die seit 2003 erscheinende Drittinstanz der Comixene aber habe es aber „in der letzten Zeit nicht mehr geschafft, ihrem Anspruch, regelmäßig und aktuell über Comics zu berichten und zu informieren, gerecht zu werden“, sagt Volker Hamann. „Auch inhaltlich geht sie andere Wege als wir.“ Womit er meint, dass sie nicht immer das gesamte Comicspektrum im Heft abdeckt.</p>
<p>Ausgelegt ist <em>Alfonz</em> vorerst auf vier Hefte, falls die erste Ausgabe erfolgreich ist, wonach es laut Hamann momentan aussieht. Die Auflage beträgt 6.000 Exemplare, bei einem etwas eigentümlichen Preis von 6,95 Euro und einer Distribution, die zu einem Drittel über Comicspezialgeschäfte läuft, zu einem Großteil aber über den Presse- und Bahnhofsbuchhandel.</p>
<p>„Langfristiges Ziel ist es, dass wir <em>Alfonz</em> im Pressehandel erfolgreich platzieren und verkaufen können“, sagt Hamann. „Denn nur so gelingt es, neue Leser von den Qualitäten eines Comics überzeugen zu können.“</p>
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		<title>Der deutsche Disney</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jun 2012 17:42:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Comic-Magazin Reddition widmet seine aktuelle Ausgabe dem genialen Selbstvermarkter Rolf Kauka. Er wurde als Schöpfer und Verleger von Fix und Foxi bekannt. (aus der taz vom 7. Juni 2012) Das deutsche Entenhausen hieß Fuxholzen. Hier lebten Fix und Foxi mit]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Comic-Magazin <em>Reddition</em> widmet seine aktuelle Ausgabe dem genialen Selbstvermarkter Rolf Kauka. Er wurde als Schöpfer und Verleger von Fix und Foxi bekannt. <span id="more-920"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Comic-Magazin-ueber-Verleger-Rolf-Kauka/!94795/" target="_blank">taz</a> vom 7. Juni 2012)</h3>
<div>
<p><img class="alignright size-full wp-image-922" title="Reddition_56" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Reddition_56.jpg" alt="" width="300" height="424" />Das deutsche Entenhausen hieß Fuxholzen. Hier lebten Fix und Foxi mit Freunden und Familie – bis 1994 ihre Comicheftreihe, die in den Sechzigerjahren noch wöchentliche Auflagen von 400.000 verzeichnete, eingestellt wurde. Mehrere Wiederbelebungsversuche scheiterten.</p>
<p>Trotz einiger Auslandslizenzen blieben Fix und Foxi ein Phänomen, das nur im Kontext der von Bonn regierten BRD funktionierte – genau wie ihr Schöpfer Rolf Kauka, 1917 geboren, dem Idealtypus des Wirtschaftswunderunternehmers entspricht. Geschäftssinn, Skrupellosigkeit, Mut und Charisma zeichneten Kauka aus, in seinen markanten Editorials („Liebe Freunde …“) präsentierte er sich als der allgegenwärtige kreative Kopf seines Verlagsimperiums, das er nach Gutsherrenart führte und im Trial-and-Error-Verfahren immer weiter ausbaute – unter anderem gehörten <em>Tom und Biber</em> und das bis heute existierende <em>Bussi Bär</em> zum Kauka-Portfolio.</p>
<p>Dabei war Kauka kein begnadeter Zeichner, sondern, ähnlich wie Walt Disney, vor allem ein Entrepreneur und Selbstvermarkter. Seinen Erfolg verdankte er einem arbeitsteiligen Studiosystem, umfangreichem Merchandising und der urheberrechtlichen Ausbeutung seiner Mitarbeiter. Zudem brachte Kauka diverse frankobelgische (heutige) Klassiker, von <em>Gaston</em> bis <em>Lucky Luke,</em> nach Deutschland.</p>
<h6>Asterix im Kalten Krieg</h6>
<p>Wobei er es mit den Übersetzungen recht frei hielt – so frei, dass aus <em>Asterix und Obelix</em> eine von plumpen Kalter-Krieg-Anspielungen durchsetzte Erzählung über die Germanen „Siggi und Babarras“ wurde. Das passte gut zu dem als konservativ bis deutschnational geltenden Kauka. Seine Comics setzten auf Märchen- und Abenteuerstoffe, sein Fuxholzen verkörperte die bieder-heile Welt der süddeutschen Provinz.</p>
<p>Einen extrem detaillierten Einblick in das Schaffen Rolf Kaukas gibt die aktuelle Ausgabe des Comicmagazins <em>Reddition</em> (10 Euro). Die „Zeitschrift für Graphische Literatur“ erscheint seit 1984 meist zweimal pro Jahr, Herausgeber Volker Hamann war 15, als er sie als typisches Comic-Fanzine startete: mit zusammenkopierten Schwarz-Weiß-Seiten und einer Auflage von 32 Exemplaren. Stets wird genau ein Thema behandelt, wobei sich die <em>Reddition</em> der Aufarbeitung vergangener Jahrzehnte verschrieben hat, von Will Eisner über die Nouvelle Ligne Claire bis zum italienischen Comic.</p>
<p>„Magazin“ beschreibt dabei vor allem die äußere Erscheinungsform der<em>Reddition,</em> mit DIN-A4-Seiten, Vierfarbdruck und vielen Bildern. Inhaltlich handelt es sich eher um ein Fach- und Sachbuch für Freunde speziellen Kulturwissens, was mitunter schwierig ist: Ab und an kippt der Schreibstil von sachlich in trocken, und eine nerdhafte Präzision und Ausführlichkeit bei der Nennung von Personen, Zahlen und Verlagsbeteiligungen steht im Zweifel vor gutem Lesefluss. Auch die Beschränkung auf Fließtexte – es gibt keine Rubriken, keine Bildstrecken, keine kleinen Elemente oder andere Rhythmusgeber – macht das Heft nicht zugänglicher.</p>
<p>Das ist schade, denn die umfassende Charakterzeichnung Kaukas ist wirklich lesenswert, genau wie das Insiderwissen über Vorgänge und Verwerfungen im Kauka-Verlag oder die Analyse von Geschäftsmodellen und Marketingpraktiken – etwa der mehrfache Imagewechsel des Wolfs Lupo vom Schnorrer zum Mod zum Hippie und wieder zurück.</p>
<h6>Flickenteppichartige Bilderflut</h6>
<p>Ungewohnt ist auf den ersten Blick auch das Layout: Pro Seite sind mehrere kleine Bilder – Magazinseiten, Anzeigen, Merchandisingartikel und alte Fotos – neben und in den Text eingebunden. Diese Bilderflut wirkt zunächst flickenteppichartig und unruhig, ist aber Konzept: „Wichtig ist für mich, ebenso wie im Comic, die lineare und logische Abstimmung von Text und Bild“, sagt Volker Hamann. Die Artikel sollten „mit sinnvollen und möglichst unbekannten aussagekräftigen Beispielen“ illustriert sein.</p>
<div>
<p>Was gelingt: Hat sich das Auge erst mal an die kleinteiligen Seiten gewöhnt, sorgen die Zeitdokumente, auch dank ihrer heute eigentümlich erscheinenden Sprache, für die Atmosphäre, die den Texten oftmals fehlt.</p>
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		<title>Keine toreschießende Wollmilchsau</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jun 2012 11:58:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Solide Schwarzbrot-Qualität vom kicker, viele bunte Gimmicks beim Testsieger 11 Freunde – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der taz vom 5. Juni 2012) Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Solide Schwarzbrot-Qualität vom <em>kicker</em>, viele bunte Gimmicks beim Testsieger <em>11 Freunde</em> – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der <a href="https://www.taz.de/Sonderhefte-zur-Fussball-EM/!94447/" target="_blank">taz</a> vom 5. Juni 2012)</h3>
<p><span id="more-709"></span></p>
<p><img class="alignleft" title="kicker-sonderheft" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kicker-sonderheft.jpg" width="200" height="277" />Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg sitzt in einem alten Bunker, vielleicht unter dem Reichsparteitagsgelände, die <em>kicker</em>-Redaktion, mit der Außenwelt nur mittels eines Telegrafen verbunden. Draußen dreht sich die Welt weiter, einflussreiche Magazindynastien werden gegründet und zerfallen wieder zu Staub, Fußball und Feuilleton nähern sich einander an, <em>11 Freunde</em> revolutioniert die Bildsprache des deutschen Fußballjournalismus. Und der <em>kicker</em> bringt halt ein Sonderheft zur Fußball-Europameisterchaft raus, das exakt so aussieht wie immer: gleiches Layout, gleiche Fotos, gleiche Inhalte.</p>
<p>Erst kommen detaillierte Texte zum deutschen Team inklusive Hotelporträt und Interviews mit Alt-Europameistern. Anschließend werden die restlichen 15 Mannschaften vorgestellt. Mit Texten zu Stärken, Schwächen und Wunschaufstellung, sehr sachlich und souverän, wenngleich ohne den totalen taktischen Tiefgang, sowie mit Mannschaftsfoto, ungefährem Kader (wie in allen Heften lag der Redaktionsschluss vor der Nominierungsfrist) und – das allerdings ist als Handreichung ein echtes Plus – kurzen Steckbriefen aller Spieler. Am Ende folgen noch unfassbar detaillierte Statistiken zur deutschen EM-Historie.</p>
<p>Auch sprachlich finden sich noch viele Reste aus der verblassenden Zeit des Bratwurstjournalismus: Da geht die Post ab, da werden Sachen wie aus dem Eff-eff gekannt, da gibt es Trainerfüchse und robuste Kerle. Nein, man wird beim <em>kicker</em> nicht ästhetisch umschmeichelt. Aber wer eine umfassende, seriöse und ironiefreie Vorbereitung auf die EM sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Achso:  irgendwo verstecken sich auch tatsächlich zwei Gimmicks – die ewige Stecktabelle und eine furchtbar unlustige Kolumne von Django Asül.</p>
<p><img class="alignleft" title="11freunde_05_365711889b" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/11freunde_05_365711889b.jpg" width="200" height="266" />„The icing on the cake“ nennt man im Englischen solche veredelnden Glitzi-Elemente, die nicht lebensnotwendig sind, für die man sich aber ein wenig Zeit und Liebe nehmen sollte. Und der <em>kicker</em> gleicht nunmal einem nahrhaften Kuchentrumm, auf den sich ein paar Puderzuckermoleküle verirrt haben – während umgekehrt die EM-Ausgabe von <em>11 Freunde</em> ein millimeterdünner Tortenboden ist, auf dem mehrere Kubikmeter Glasur thronen.</p>
<h6>Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken</h6>
<p>Unzählige Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken ziehen sich durch das Heft, darunter viel Fiktives, das meiste lustig, manches eher nicht. Gleichzeitig wird gar nicht erst versucht, alle wichtigen Informationen abzubilden oder alle Teams vorzustellen, auch das beiliegende Miniheft mit den Spielerkadern erfüllt nur eine Alibi-Funktion. Die <em>11 Freunde</em> müssen aufpassen, dass sie sich in ihrer Pose der ironischen Brechung nicht irgendwann komplett verheddern. Auch bei ihren Live-Tickern im Internet ist der Klamaukanteil mitunter nur noch schwer ertragbar.</p>
<p>Abgesehen davon machen sie aber, was sie am besten können: Jeder Turniertag wird zum Anlass für eine hintergründige Geschichte oder eine Bildidee genommen. Seien es Gruppenfotogalerien von polnischen Hooligans mit nackten Muskeloberkörpern, eine grandiose Analyse des Fußballsongs „Three Lions“ oder ein Interview, in dem Dänemarks Ex-Nationaltorwart Peter Schmeichel mit dem Big-Mac-Mythos vom EM-Sieg 1992 aufräumt – journalistisch und gestalterisch ist das <em>11-Freunde</em>-Heft mit Abstand das beste im Feld.</p>
<p>Eine Synthese zwischen beiden Philosophien versucht der österreichische <em>ballesterer</em>, der einen ähnlich kritischen Fankultur- und Lebenswelt-Ansatz wie <em>11 Freunde</em> vertritt. Nach dem klassischen kleinteiligen Magazin-Einstieg hat das Heft eine klare Struktur, jede Mannschaft wird mit einem doppelseitigen Text versehen, nur die Gastgeber Polen und Ukraine haben richtig lange Stücke bekommen.</p>
<p>Über die Details der Transformation des griechischen 4-2-3-1 in ein 4-5-1 beim Gegenpressing erfährt man hier zwar nichts, als geschmeidiger Einstieg ins Turnier aber funktioniert es gut. Und als Bonus gibt es die leicht verschobene Nachbarland-Perspektive und einige schöne Austriazismen.</p>
<h6>Viel Schland-Content bei Sport-Bild</h6>
<p>Mit im Rennen ist natürlich auch die <em>Sport-Bild</em>. Sie informiert ähnlich umfassend wie der <em>kicker</em>, mit vielen Statistiken und viel Schland-Content. Das Layout ist vielseitiger, dafür mit Werbung vollgekleistert, die Teamporträts sind fluffiger geschrieben, dafür taktisch bei weitem nicht so fundiert. Wer es schnell und leicht verdaulich mag – oder ein besonderes Interesse an den Social-Media-Aktivitäten der EM-Stars hat – dürfte das <em>Sport-Bild</em>- dem <em>kicker</em>-Sonderheft vorziehen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-712" title="ballesterer" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/ballesterer.jpg" width="200" height="267" />Das EM-Heft und zugleich die Erstausgabe des neuen, von Egmont Ehapa (<em>Micky Maus</em>) verlegten Magazins <em>Goal</em> dem Rest vorziehen sollte hingegen nur, wer ein Cristiano-Ronaldo-Poster haben will. Ansonsten stimmt hier praktisch nichts, von der kaum lesbaren Schrift und der hölzernen Sprache über den mangelnden taktischen Tiefgang und das wirre (aber sehr bunte!) Layout bis hin zur offenbar nicht vorhandenden Schlusskorrektur.</p>
<p>Echten Fußball-Nerds oder Menschen, die es werden wollen, sei schließlich die nur als E-Book veröffentliche EM-Vorschau des Blogs <a href="http://spielverlagerung.de/" target="_blank">spielverlagerung.de</a> empfohlen – ebenfalls eine Premiere. Wobei Book auch im Wortsinn gemeint ist, denn abgesehen von Mini-Grafiken der Teamaufstellung gibt es hier nur: Text. Seitenlang werden die taktischen Optionen, Stärken und Schwächen der Spieler und Teams analysiert, präziser und tiefgehender findet man das nirgends. Dazu kommen einige Hintergrundtexte und Porträts. Sprachlich ist das zwar manchmal etwas lang und umständlich, aber insgesamt doch ziemlich gefällig.</p>
<p>Kombiniert mit dem <em>11-Freunde-</em>Heft deckt das Spielverlagerungs-Buch dann auch am ehesten alle Wünsche nach Spaß und Ernst in der EM-Vorbereitung ab. Wer alles kompakt in einem Heft haben will, muss sich halt zwischen <em>kicker</em>, <em>Sport-Bild</em> und <em>ballesterer</em> entscheiden.</p>
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		<title>Die halbierte Halbzeitpause</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 17:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor. (aus der taz vom 28. Juni 2012) Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor.</h3>
<h3><span id="more-1267"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-B-Note/!96221/" target="_blank">taz</a> vom 28. Juni 2012)</h3>
<p>Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien gegen Frankreich zu Mehmet Scholl. Huch! Wie konnte denn das passieren? So viele Highlights gab es in diesem Viertelfinalspiel doch gar nicht.</p>
<p>Es war halt wie immer: Statt das Spiel aufzubereiten, zeigt die ARD lieber die „Tagesthemen“. 7:26 Minuten lang durfte ein freundlicher junger Mann namens Ingo Zamperoni ein bisschen Weltgeschehen präsentieren. Rechnet man das ganze Gedöns der Trailer, Sponsorenpresenter und Respect-Clips weg, bleiben dann noch schmale fünf Minuten fürs Sportliche. Die Frage ist: Warum?</p>
<p>Denn natürlich ist es wichtig, was in Syrien und in Ägypten passiert. Und vielleicht auch ein Bericht vom Bundesverband der Deutschen Tafeln aus Suhl. Und mit viel Fantasie sind sogar die Viele-Nackte-Menschen-Skulpturen von Spencer Tunick wichtig. Aber das hätte man ja auch schon vorher in der „Tagesschau“ sehen können. Oder im ZDF. Oder auf dem Digitalkanal – you name it – tagesschau24.</p>
<p>Bei der „Sportschau“ gab es sowas lange Zeit auch, eine Mini-„Tagesschau“ mittendrin, keine zwei Minuten lang, aber die hatte zumindest eine Funktion: Sie teilte die Sendung in zwei Teile, sodass die ARD mehr Werbung schalten konnte. Musste man nicht gut finden, konnte man aber verstehen.</p>
<div>
<p>Bei der EM gibt es keine Gründe. Es gibt auch keine Pflicht: Problemlos könnte man „Tagesthemen“ und „Heute“ einfach im Anschluss und dafür in ganzer Länge zeigen – worauf man aber verzichtet, weil Waldi Hartmann und Markus Lanz mit ihren lustigen Fußballtalkrunden warten und dazwischengeklatschte Nachrichten den Audience Flow kaputt machen würden.</p>
<p>So bleibt es seit Ewigkeiten bei einer Lösung, die in ihrer Kompromisshaftigkeit öffentlich-rechtlicher nicht sein könnte, die weder Fußball- noch Nachrichtenbedürfnisse vernünftig abdeckt und für die es nur zwei Erklärungen gibt:</p>
<p>1. ARD und ZDF wollen den bildungsfernen Massen ihre wahnsinnige Infokompetenz vorgaukeln, während genau diese seit Jahren zusammengekürzt und auf lustige späte Sendeplätze verschoben wird. 2. Die Reduktion der Halbzeitberichterstattung soll den Mangel an Kompetenz in Sachen Fußballfragen bei quasi allen Beteiligten kaschieren. „Wir können ja gar nicht in die Tiefe gehen, in 5 Minuten. Hallo?“</p>
<p>PS: Parallel zum Samstags-Viertelfinale lief im ZDF das „Heute-Journal“ übrigens nicht um 21.45 Uhr, wie fast immer, sondern erst um 23.20 Uhr. Es musste verschoben werden, weil nach dem Krimi „Stubbe – von Fall zu Fall“ erst noch ein ganzer Bella-Block-Krimi laufen musste.</p>
</div>
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		<title>Das Ende ist nahe</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/02/04/das-ende-ist-nahe/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 00:08:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Frühjahr werden die Senderechte der Bundesliga neu versteigert. Und plötzlich droht angeblich der Tod der &#8220;Sportschau&#8221;. Schuld soll mal wieder das Internet sein. (aus der taz vom 4. Februar) Und da geisterte es mal wieder durch die Medien. &#8220;Das]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Im Frühjahr werden die Senderechte der Bundesliga neu versteigert. Und plötzlich droht angeblich der Tod der &#8220;Sportschau&#8221;. Schuld soll mal wieder das Internet sein. <span id="more-737"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Senderechte-der-Fussball-Bundesliga/!86986/" target="_blank">taz</a> vom 4. Februar)</h3>
<p>Und da geisterte es mal wieder durch die Medien. &#8220;Das Ende der Sportschau&#8221;. Ja, Wahnsinn! Unsere &#8220;Sportschau&#8221;. Eine Institution! Erst neulich wurde sie 50, eine Welle von Tordesmonats-Ernsthuberty-Nabendallerseits-Nostalgie rollte durch die Republik. Und jetzt soll sie plötzlich sterben? Was ist da los?</p>
<p>Das war Mitte Januar und das Bundeskartellamt hatte gerade etwas abgesegnet. Und zwar das Verfahren der Senderechteversteigerung der Fußball-Bundesliga für die Zeit von 2013 bis 2017 durch die Deutsche Fußball Liga (DFL). Die besondere Neuerung: Anders als bei der Rechterunde vor vier Jahren darf die sogenannte &#8220;zeitnahe Highlight-Berichterstattung&#8221; jetzt auch im Internet stattfinden – solange sie nach wie vor kostenlos angeboten wird.</p>
<p>Und ebenjene zeitnahe Highlight-Berichterstattung: das sind die Spielzusammenfassungen der fünf Samstagnachmittag-Spiele ab 18.30 Uhr. Das ist die &#8220;Sportschau&#8221;.</p>
<p>Umgehend machte die ARD Panik. Intendantin Monika Piel warnte, &#8220;dass die DFL einen großen Teil des Publikums ausschließt&#8221; – gemeint sind Zuschauer in ländlichen Regionen, die nicht ans Highspeed-Internet angeschlossen sind. Genau deretwegen hatte das Kartellamt 2008 noch anders entschieden. Inzwischen ist Deutschland aber so gut verkabelt, dass von einem &#8220;großen Teil&#8221; kaum noch die Rede sein kann. Dennoch: Landauf, landab wird seitdem vom Tod der &#8220;Sportschau&#8221; fabuliert.</p>
<p>Tatsächlich hat die ARD auf einmal Konkurrenz zu fürchten, die es im deutschen Fernsehmarkt zuletzt nicht gab, denn die großen Privatsenderverbünde konnte man mittels Gebührengeld ausstechen: 100 Millionen Euro ist der ARD die Highlight-Berichterstattung momentan wert, pro Jahr (zum Vergleich: Das Gesamtbudget von ZDF Neo liegt bei 30 Millionen Euro).</p>
<h6>Die Gewissensfrage</h6>
<p>Doch wie weit kann die ARD guten Gewissens mitbieten, sollte sich einer der großen Internet- oder Mobilfunk-Player – Google mit seiner Tochter YouTube, Vodafone und Yahoo sind im Gespräch – zum Einstieg entscheiden? Ist die Bundesliga wirklich Grundversorgung? Warum muss ein öffentlich-rechtlicher Sender überhaupt Geld für etwas ausgeben, das so populär ist, dass es ohnehin seinen Weg in deutsche Wohnzimmer finden würde?</p>
<p>Ob sich die ARD solche Fragen wird stellen müssen, steht aber auf einem anderen Blatt. Das Rechteverfahren, das bis Anfang Mai über die Bühne gehen soll, ist ein fragiles Gebilde aus zahllosen Einzellizenzen, Abhängigkeiten und Mitspielern.</p>
<p>Die DFL präsentiert sich dabei gern in einer Art Opferrolle, weil in England, Spanien und Italien mehr als doppelt so viel Geld fließt als die rund 420 Millionen Euro, die momentan insgesamt pro Jahr ausgeschüttet werden – was vor allem an der hierzulande schwach ausgeprägten Pay-TV-Affinität liegt. Um mehr rauszuholen, gilt es für die DFL nun, die besten Bieterkombinationen zu finden und medial ein wenig Panik zu stiften, um alle gegeneinander auszuspielen.</p>
<p>Über 30 interessierte Bieter soll es geben, 23 sogenannte Pakete werden in der aktuellen Runde verhandelt: Live- oder Highlight-Rechte, zeitnah nach Spielende oder später, Free- oder Pay-TV, für Internet, Fernsehen oder Mobile Devices. Wobei die DFL für die Highlight-Berichterstattung grob mit zwei Szenarien plant: Beim klassischen läuft die Bundesliga weiterhin in der &#8220;Sportschau&#8221;, beim modernen erst ab 21.45 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen – hier gilt Online first. Durch die neuen Möglichkeiten der Internet-Vermarktung hofft die DFL, die Erlöse zukünftig auf 450 bis 500 Millionen steigern zu können.</p>
<h6>Strategiewechsel von Sky</h6>
<p>Aber das sind nicht alle Überlegungen. Neben dem Reingewinn aus dem Rechteverkauf spielt auch die Zuschauerreichweite eine Rolle, um die zahllosen Trikot-, Banden- und Krawattenschildsponsoren zufriedenzustellen. Denn wenn keiner deren Werbung wahrnimmt, zahlen die Sponsoren auch weniger an die Vereine. Sprich: ein Internetplayer müsste die 100 Millionen der ARD weitestgehend refinanzieren plus einen Betrag X, weil für die kommenden Jahre, trotz wachsender Smartphone- und DSL-Durchdringung, noch von einer geringeren Reichweite als bei der &#8220;Sportschau&#8221; ausgegangen werden muss.</p>
<p>Dazu kommt ein Strategiewechsel von Sky. Der defizitäre Pay-TV-Anbieter hält die exklusiven Live-Fernsehrechte und ließ sie sich zuletzt rund 250 Millionen Euro kosten. Auch dieses Mal wird Sky darum mitbieten, Fußball ist ein wesentlicher Teil der Senderidentität. Doch während Sky in den vergangenen Jahren sogar noch Extra-Geld draufgelegt hätte, um die Bundesliga bis 22 Uhr aus dem Free-TV rauszuhalten und so sein eigenes Produkt exklusiver zu machen, ließ Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan jüngst verlauten, man hätte kein Problem mehr mit der &#8220;Sportschau&#8221;. Aus dieser Richtung kann die DFL für ein Online-first-Szenario in der Highlight-Berichterstattung also keine Mehreinnahmen erwarten.</p>
<p>Auch Kai Pahl, Autor des Sportmedien-Blogs <a href="http://www.allesaussersport.de/" shape="rect" target="_blank">allesaussersport.de</a>, glaubt aktuell nicht an ein solches Szenario. &#8220;Rein finanziell halte ich es für unwahrscheinlich, dass damit genügend verdient wird, um die Ausfälle im Sponsoring wieder gutzumachen&#8221;, sagt Pahl. &#8220;Auf der anderen Seite steht der taktische Zwang der DFL, Online für die Zukunft als lukrative Medienplattform aufzubauen. Eine Möglichkeit wäre es, um 21.45 Uhr zeitgleich mit dem Free-TV umfangreiche Kurzberichte für das Internet freizugeben.&#8221;</p>
<h6>Die Springerfrage</h6>
<p>Dass große Player wie Apple oder Google ausgerechnet auf dem deutschen Markt ins Sport-Broadcasting einsteigen, kann Pahl sich hingegen kaum vorstellen – das sei eher schon dem Axel Springer Verlag zuzutrauen. Der hat auf bild.de mit der Übertragung von Sportereignissen wie dem El Clásico zwischen Barcelona und Real Madrid bereits Erfahrungen mit der Infrastruktur gesammelt und könnte zahlreiche Synergie-Effekte mit dem konzerneigenen Medienzoo nutzen. Allzu hoch ist die Wahrscheinlichkeit auch hierfür wohl nicht, denn auch Springer dürfte noch keinen Plan haben, wie sich eine derartige Investition zum heutigen Zeitpunkt amortisieren könnte. Aber als Schlagzeile wäre das natürlich am allerschönsten: &#8220;<em>Bild</em> killt die Sportschau&#8221;.</p>
<p>Obwohl: Quatsch. Die &#8220;Sportschau&#8221; würde natürlich gar nicht sterben. Wie könnte sie? Sie hat schließlich auch das 15-jährige Moratorium überlebt, als die Bundesliga von 1988 bis 2003 erst bei RTL und dann auf Sat.1 lief. Sie ist die Dachmarke der gesamten Sportaktivitäten der ARD, von Olympia, Länderspielen und unzähligen Wintersport-Weltcups. Nein, die &#8220;Sportschau&#8221; würde nicht verschwinden. Sie würde sich nur ändern.</p>
<div>
<p>Denn ein Verlust der Bundesliga-Rechte wäre auch eine Chance für die ARD. Eine Chance, sich wieder an ihren Grundversorgungsauftrag zu erinnern – und daran, dass es neben Fußball noch Dutzende weitere Sportarten gibt, die viele Menschen in Deutschland betreiben und mögen, die aber nur genau alle vier Jahre mal im Fernsehen gezeigt werden. Und vielleicht gibt es so irgendwann wieder eine &#8220;Sportschau&#8221; mit Frauenhandball, Trabrennen und Rudern. Damit sollten auch Nostalgiker zufrieden sein: denn exakt diese Disziplinen waren Teil der allerersten &#8220;Sportschau&#8221; am 4. Juni 1961. Fußball wurde nicht gezeigt.</p>
</div>
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		<title>Wie zu kolumnieren sey</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/01/13/wie-zu-kolumnieren-sey/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 01:08:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNEHEN Fernseh-Kolumnen schreiben ist gar nicht schwer! Eine praktische Handreichung für jedermann, in acht handlichen Absätzen. (aus der taz vom 13. Januar 2012) Der erste Satz muss sitzen. Die Leser sofort reinziehen. Eine situative Alltagsbeschreibung, eine zeitlose Weisheit, ein]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNEHEN Fernseh-Kolumnen schreiben ist gar nicht schwer! Eine praktische Handreichung für jedermann, in acht handlichen Absätzen.<span id="more-1590"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!85503/" target="_blank">taz</a> vom 13. Januar 2012)</h3>
<p>Der erste Satz muss sitzen. Die Leser sofort reinziehen. Eine situative Alltagsbeschreibung, eine zeitlose Weisheit, ein Bezug zur aktuellen Nachrichtenlage (Wulff!). Denkbar ist auch der Aufbau einer klassischen Simpsons-Folge: Mit irgendwas absurd Komischem beginnen, um auf etwas komplett anderes zu kommen.</p>
<p>Spätestens im zweiten Absatz muss man dann aber ans eigentliche Thema ran. Ruhig langsam eingrooven und blumig beschreiben, irgendwie muss der Text ja voll werden. Aktuell vielleicht was zum „Dschungelcamp“, zu „Unser Star für Baku“, zu Ashton Kutcher als Sheen-Nachfolger bei „Two and a Half Men“. Oder: 10 Jahre Ende von Viva II. Das war noch Fernsehen. Charlotte Roche. Hach!</p>
<p>Für Saure-Gurken-Wochen gibt es die Dauerbrenner. Wo jeder mitreden kann, so wie im echten Leben über Wetter, Facebook und die Deutsche Bahn. Was immer geht: „Tatort“, „Wetten, dass ..?“, Castingshows, der Talkshowwahnsinn der ARD, die Innovationsunfreundigkeit des deutschen Fernsehens im Allgemeinen und der Öffentlich-Rechtlichen im Speziellen. Been there, done that. Und natürlich die epische Genialität der HBO-Serien, die ja das Einzige sind, was die Großstadtbohème noch guckt. Die neuen Romane! Aber wem sage ich das.</p>
<p>Alternativ beschreibt man irgendeine konkrete Fernsehnase oder -sendung. Möglichst wen aus der zweiten oder dritten Reihe, da fällt es nicht so auf, wenn Details nicht stimmen. Das dann bitte bösartig, aber fundiert. „Das Prinzip Plasberg“ etwa. „Die Opdenhövel-Masche“. Unterstreichen kann man das gut, indem man typische Sätze und Gesten beschreibt. „Wenn Jörg Thadeusz glaubt, gleich etwas sehr Kluges zu sagen, schaut er erst mal nach links und nach rechts.“ Klingt gut, oder?</p>
<p>Was hingegen gar nicht geht: Kulturpessimismus. Soll ich Ihnen etwa erzählen, dass ich gar keinen Fernseher habe und ihn auch nicht brauche? Klar, für diese Haltung wurde die taz einst gegründet. Aber in der Postpostmoderne kann man Fernsehen nicht einfach um seiner selbst Willen schlecht finden. Das wäre ja viel zu einfach.</p>
<p>Einmal pro Quartal ist allerdings ein Empören über den skrupellosen Umgang der Privaten mit den Protagonisten ihrer Kuppel- und Castingshows völlig angemessen (aktuelles Beispiel: „Schwer verliebt“. Ab nächste Woche dann wieder: Bohlen und DSDS).</p>
<p>Nach einer Handvoll mittelguter Pointen, einigen Tritten gegen schon am Boden Liegende (Seniorensender ZDF, höhöhö), popkulturellen Referenzen für den Distinktionsgewinn und ein paar hastig zusammengegoogelten Fun Facts und Statistiken wird es spätestens im siebten Absatz Zeit für die steile These. Generell gilt: immer die Gegenposition beziehen. Und zwar die zum Antimainstream, das macht interessant. Seriengucken ist total Nuller Jahre, heute guckt man wieder Filme!!! Na ja. Glaubt mir jetzt keiner. Aber Sie haben das Prinzip verstanden.</p>
<p>Am Ende noch ein Abbinder. Eine Pointe. Oder irgendwas, das die These noch mal um 180 Grad umbürstet. Notfalls eine ironische Distanzierung. Und schließlich: ein lakonischer Schlusssatz. Fertig.</p>
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		<title>Im kollektiven Wohnzimmer</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 00:58:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNSEHEN Bei Tee mit Ingwerstückchen und Orangina kann Public Viewing mitunter sehr privat und einfach öde sein: Szenen eines Tatort-in-der-Kneipe-Guckens. (aus der taz vom 30. Dezember 2011) Ich habe nichts gegen den Tatort. Viele meiner besten Freunde gucken Tatort.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNSEHEN Bei Tee mit Ingwerstückchen und Orangina kann Public Viewing mitunter sehr privat und einfach öde sein: Szenen eines Tatort-in-der-Kneipe-Guckens.<span id="more-1587"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!84580/" target="_blank">taz</a> vom 30. Dezember 2011)</h3>
<p>Ich habe nichts gegen den Tatort. Viele meiner besten Freunde gucken Tatort. Sogar ich, ab und zu, wenn das richtige Mädchen es von mir verlangt. Aber – und das wird man ja wohl noch sagen dürfen! – das Phänomen des öffentlichen Tatort-in-der-Kneipe-Guckens werde ich nie verstehen.</p>
<p>Kennen Sie nicht? Dann leben Sie offenbar weder in einer Studentenstadt noch in Berlin. Da machen die Menschen in den gentrifizierten Vierteln so was nämlich. Auch am 4. Advent, auch in Nordneukölln, und sowieso im Ringo, einer ansonsten unverdächtigen Bar, in der meine Tatort-kundige Begleitung F. uns zum Glück die letzten Plätze freigehalten hat, denn es ist proppenvoll.</p>
<p>Dann geht es schon los. Der Kellner bittet uns, die Stehlampe in unserer Ecke auszuknipsen. Es wird sehr schnell sehr still. Und sehr ernst. Rund 40 Menschen starren aus zu tiefen Sitzmöbeln, die für andere Zwecke erschaffen wurden, auf die runtergelassene Leinwand. Viele von ihnen trinken Orangina und diese Art von Tees, wo Ingwerstücke und Pfefferminzblätter im Glas schwimmen.</p>
<p>Public Viewing ist in Deutschland ja die Ausnahme. Fernsehen ist Privatsache. Außer: besondere Events wie der Eurovision Song Contest. Und Fußball. Aber das sind Sachen, die schon in ihrer Real-Aufführung vor Publikum stattfinden, da ist das Geschehen Gesprächsanlass, erfordert keine ungeteilte Aufmerksamkeit, man kann also auch mal fünf Minuten verpassen und entsprechend quatschen.</p>
<p>Beim Tatort geht das alles nicht. Der verlangt Konzentration. Fußball schaut man miteinander. Tatort nebeneinander. Und jetzt kommen Sie mir nicht mit Kino! Klar, der Vergleich liegt nahe, aber ins Kino gehe ich, weil ich Filme sehen will, die im Fernsehen noch nicht laufen, und zwar unter High-End-Technik-Bedingungen: Mit Dolby Surround und auf einer Leinwand mit den Ausmaßen von drei aufeinandergestapelten Pottwalen.</p>
<p>Die Leinwand im Ringo ist so groß wie eine Opossumfamilie und die Bildqualität ist … was war gleich das Gegenteil von HD? Der Ton ist sogar nur ein bisschen schlechter. Wenn es wenigstens eine Wettbörse gäbe. Bis 21 Uhr könnte man auf den Mörder setzen, dazu kämen Spezialwetten, etwa „Droht der Täter in der Schlussszene mit Selbstmord?“ oder „Verliebt sich einer der Kommissare?“ oder „Wie viele Nebendarsteller sprechen den korrekten Dialekt?“ Aber nichts.</p>
<p>Man sieht einfach nur gesittet fern, selten bricht die Außenwelt in das meditative Schweigesetting ein: Ab und an blenden Scheinwerfer kehrender Autos das halbe Beamerbild weg. Einmal kommt ein Rosenverkäufer rein, bleibt total überfordert in der Tür stehen und dreht sich, um sein professionelles Dauerlächeln ringend, wieder um.</p>
<p>Als die Ermittler den geplanten Anschlag verhindern, gibt es keinen kollektiven Jubel. Am Ende klatscht auch keiner. Alle gehen einfach nach Hause. Zu „Waltzing Mathilda“ läuft auf der Leinwand noch ein bisschen Günther Jauch, dann wird sie eingerollt. Nein, ich werde dieses Konzept wirklich nie verstehen. Na ja. Für Leute mit einer kaputten Heizung ist das vielleicht was. Aber auch nur für die.</p>
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		<title>Demnächst auch in Ihrem Möbelmarkt</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 00:57:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNSEHEN Stewardessen präsentieren das Wetter in Bahrain, während Megamaschinen Island fressen. Oder so ähnlich. (aus der taz vom 16. Dezember 2013) Ein Bett wollte ich kaufen. Ich hatte nicht viel Geld. Also ging ich zu Möbel Kraft, einer Einrichtungskette der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNSEHEN Stewardessen präsentieren das Wetter in Bahrain, während Megamaschinen Island fressen. Oder so ähnlich. <span id="more-1585"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!83779/" target="_blank">taz</a> vom 16. Dezember 2013)</h3>
<p>Ein Bett wollte ich kaufen. Ich hatte nicht viel Geld. Also ging ich zu Möbel Kraft, einer Einrichtungskette der eher unteren Preiskategorie. Man kriegt hier Bettgestelle für 150 Euro, und damit der Einkauf zum Erlebnis wird, gibt es alles, was Ikea auch hat, bloß nachgebaut aus Pfeifenreinigern und buntlackiertem Pappmaché:</p>
<p>Ein trostloses Kinderland, vor dem ein sprechender Baum steht, ein Restaurant ohne Fenster und eine kleine Kaffeebar. Dort trank ich einen Latte macchiato und guckte mir auf einem Flachbildschirm an, wie eine Frau in Stewardessenuniform eine Wettervorhersage präsentiert.</p>
<p>Es lief N24. The Technikreportagensender-mit-Vormittagsnachrichtenstrecke formerly known as Vollzeitnachrichtensender. Es war irgendwie surreal. Warum das? Warum hier? Schnell vorm Sofakauf noch eine Reportage über den „Power Tower in Bahrain“ geschaut? Sich beim Küche-Aussuchen über „Mega-Maschinen“, die „Felsenfresser von Island“ oder „Britanniens Brücken“ informieren?</p>
<p>Irritierend war aber nicht nur die Senderauswahl, sondern dass da überhaupt ein Fernseher war. Ich war ja nicht in den USA, wo selbst in besseren Restaurants Bildschirme über der Bar hängen und ich am Schalter des Alamo-Autoverleihs am Louis Armstrong New Orleans International Airport den pathostriefenden Auftakt der NFL-Saison mitverfolgen kann.</p>
<p>In Deutschland haben nur ausgewählte Wirte ausrollbare Leinwände, die lediglich an Champions-League- oder „Tatort“-Abenden zum Einsatz kommen. Dazu zeigen allenfalls ein paar Banken und businessaffine Hotels n-tv, dessen Programm zu zwei Dritteln aus der „Telebörse“ besteht.</p>
<p>Das liegt natürlich auch daran, dass uns die Sender für so was fehlen: Die öffentlich-rechtliche Nachrichtenkompetenz verpufft im Dickicht zahlloser Sonderkanäle, die private Konkurrenz … nun ja: In der „Tagesschau“ laufen gern mal übernommene Bilder von BBC, al-Dschasira und CNN. Können Sie sich vorstellen, dass umgekehrt im amerikanischen Fernsehen „Exclusive footage“ von n-tv oder N24 gezeigt wird?</p>
<p>Anfang Dezember wurde nun ein neues Pferd ins Nebenbei-Berieselungs-Rennen geschickt: Sky Sport News HD (das HD ist ein lustiger Zusatz, den Sie sich nicht merken brauchen, weil er bald obsolet ist; als hätte es damals „Tele 5 in Farbe“ oder „Pro7 mit Videotext“ geheißen), kurz: SSN. Das ist natürlich keine deutsche Erfindung, in den USA gibt es schon seit 15 Jahren ESPNews &#8211; aber hey, immerhin.</p>
<p>Was man von SSN im bisherigen Sendebetrieb erleben konnte, waren Sportnachrichten für ADHS- und Alzheimer-Kranke: Die immer gleichen News werden immer wieder aufs Neue abgefeuert und angeteasert. Angelegt sind die Sendestrecken auf eine halbe Stunde, gefühlt wiederholt sich alles im Fünfminutentakt. Zudem funktioniert SSN auch ohne Ton: unten gibt es eine Newsleiste, rechts eine Statistikbox, und die Bewegtbilder von Sportlern sind ohne Sprache eh meist schmeichelhafter.</p>
<p>Ideal also für Wartebereiche, Flughafen-Lounges, Sportbars oder Fitnessstudios. Und demnächst auch in Ihrem Möbelmarkt.</p>
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		<title>Es geht um Tausendstelsekunden</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 00:47:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNSEHEN Alle Jahre wieder in epischer Breite: der Wintersport bei den Öffentlich-Rechtlichen. (aus der taz vom 2. Dezember 2011) Spätnovember in Deutschland – die Krankheitssaison beginnt. Und deswegen organisierte ich mir am Freitag eine amtliche Erkältung, kaufte 20 Tüten]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNSEHEN Alle Jahre wieder in epischer Breite: der Wintersport bei den Öffentlich-Rechtlichen.<span id="more-1580"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!82938/" target="_blank">taz</a> vom 2. Dezember 2011)</h3>
<p>Spätnovember in Deutschland – die Krankheitssaison beginnt. Und deswegen organisierte ich mir am Freitag eine amtliche Erkältung, kaufte 20 Tüten Saft, räumte den Fernseher ins Schlafzimmer und verbrachte das Wochenende mit den Katzen im Bett.</p>
<p>Wir sahen, von Bella Block bis zu Charlie Sheen, von „Schwer verliebt“ bis zu Dokus über den Grazer Schlossberg und Jean Seberg, vom „Kriminalist“ bis zu den „Simpsons“, viel Unterhaltsames und Aufschlussreiches. Außer bei der ARD. Hier machten bunt gekleidete Menschen in Nadelwäldern komische Dinge, während Kommentatoren von „Anfahrtshocke“ und „steil angestellten Skiern“ sprachen, dass der Springer „keinen Druck unterm Vorbau“ spüre und der Rodler „die Bahn aus dem Hintern“ führe.</p>
<p>Denn es ist Spätnovember in Deutschland – und die TV-Wintersportsaison hat begonnen. Bis in den Februar wird es nun jedes Wochenende öffentlich-rechtliche Großkampfdoppeltage geben, sieben Stunden Minimum. Wie jedes Jahr werden Dieter Thoma, Norbert König, Tom Bartels, Franziska Schenk und Dutzende weitere Mitarbeiter in bunten Anoraks nach Kuusamo, Lillehammer, Bergisel, Val di Fiemme und in andere Bergdörfer dieser Welt geschickt.</p>
<p>Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe Sport im Fernsehen. Aber wieso wird ausgerechnet dieser antitelegene Wintersport in derart epischer Breite abgedeckt? Wieso tauchen 90 Prozent der olympischen Sommerdiszipinen bloß genau alle vier Jahre im deutschen Fernsehen auf, während vom Winterprogramm jede popelige Weltcup-Qualifikation gezeigt wird. Es ist mir unbegreiflich.</p>
<p>Rodeln etwa: Da werden um einen Eiskanal herum 20 Kameras angebracht, und alle zeigen, wie ein Schlitten sehr schnell vorbeihuscht. Der Zuschauer starrt derweil auf die Zeitanzeige, wer am Ende vier Tausendstelsekunden vorn liegt. Das kann man sich genauso gut im Videotext anschauen. Beim Riesenslalom, Eisschnelllauf, Bob und Langlauf ist es ähnlich. Die einzige Ausnahme ist Biathlon, bei dem die Fernsehregisseure in den letzten 15 Jahren die Inszenierung von Hektik perfektioniert haben.</p>
<p>Ein möglicher Grund für den Dauerbeschuss aus Kunstschneekanonen: Die Deutschen sind gut beim Wintersport, sie gewinnen viel. Aber das tun sie beim Hockey, Beachvolleyball und Sportschießen auch, und das läuft trotzdem nie im Fernsehen. An den national bekannten Vorzeigesportlern kann es ebenfalls nicht liegen. Oder kennen Sie Felix Loch? Tino Edelmann? Beide haben am Wochenende Weltcups gewonnen. Wie soll man aber auch eine Bindung zu den Wintersportlern aufbauen? Sie sind hinter Schutzbrillen und Funktionskleidung versteckt, und wenn man sie vor die Kameras zerrt, entpuppen sie sich als rotbackige Südbayern, so sympathisch wie austauschbar.</p>
<p>Man muss sich wohl damit abfinden: Wintersport gehört längst zum unhinterfragbaren öffentlich-rechtlichen Standardkanon, genau wie etwa Adelshochzeiten, Volksmusik, Krimis, Lottozahlen, Frank Elstner, Rosamunde-Pilcher-Filme und Reisereportagen aus Russland. Es wird geschaut, weil es da ist. Und weil es geschaut wird, wird es immer da sein.</p>
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		<title>Ente – halbgar</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2011 16:35:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum 60. Geburtstag des Disney-Zentralorgans Micky Maus gönnt der Egmont Ehapa Verlag seinen erwachsen gewordenen Lesern Donald – ein Männermagazin. (aus der taz vom 16. August 2011) Natürlich Donald. Donald, der Seuchenvogel, der Choleriker, der Unperfekte, Identifikationsfigur und Liebling der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zum 60. Geburtstag des Disney-Zentralorgans <em>Micky Maus</em> gönnt der Egmont Ehapa Verlag seinen erwachsen gewordenen Lesern <em>Donald</em> – ein Männermagazin. <span id="more-1281"></span>(aus der <a href="http://taz.de/!76312/" target="_blank">taz</a> vom 16. August 2011)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Donald-Magazin.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1282" alt="Cover/ Donald" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Donald-Magazin.jpg" width="310" height="384" /></a>Natürlich Donald. Donald, der Seuchenvogel, der Choleriker, der Unperfekte, Identifikationsfigur und Liebling der Massen. Es ist nur ein historischer Irrtum, dass das inzwischen wöchentlich erscheinende Disney-Zentralorgan in Deutschland nach dem Streber Micky Maus benannt wurde, denn natürlich ist die Ente der Star. Und deswegen wird auch ihr ein Gimmick anlässlich des 60. Geburtstags eben jenes <em>Micky Maus Magazins</em>am 29. August gewidmet: <em>Donald</em>, ein … ja was denn eigentlich?</p>
<p>Zunächst einmal eine Zeitschrift zum Preis von 5 Euro, und zwar ein sogenannter One Shot, also ohne die Absicht, in Serie zu gehen. Die Auflage von <em>Donald</em> ist mit 150.000 Exemplaren üppig bemessen, als Zielgruppe werden Männer zwischen 18 und 40 angepeilt, Typ: gealterter <em>Micky Maus</em>-Fan, heute Leser des Männerwitzemagazins <em>FHM.</em></p>
<p>Doch da fangen die Probleme an: Will man jetzt ein Männermagazin sein? Oder doch nur eine Parodie? Designtechnisch gelingt die Mimikry gut. Inhaltlich bleibt die Linie von <em>Donald</em> unklar.</p>
<h6>Von allem ein bisschen</h6>
<p>Qualitativ ist das Endprodukt durchwachsen: Da gibt es duckifizierte Plattencover samt wirklich interessanten Hintergrundinfos (schön), ein paar Autoklassiker im Rot von Donalds 313-Oldtimer gefärbt (lahm), Interviews von Donald himself mit dem Modedesigner Michael Michalsky (gelungen), TV-Comedian Simon Gosejohann (naja) und den Musikern der Ärzte (grausam), ausklappbare Poster in der Heftmitte von Daisy und Klarabella (okay), je eine Seite Uhren, Parfüm und Sonnenbrillen (überflüssig) und so weiter.</p>
<p>Über alles wurde noch eine Prise des typischen Entenhausen-Sprachwitzes gestreut, der mit seinen Alliterationen, Inflektiven und Wortspielen à la Entitorial (für Editorial) zu Zeiten der legendären Übersetzerin Erika Fuchs progressiv und sprachbildend war, über die Jahrzehnte aber ins leicht Bräsige abgerutscht ist.</p>
<p>Bei alldem wirkt <em>Donald</em> arg hektisch produziert. Man hatte eine gute Grundidee (okay, eigentlich hatten die Finnen, Norweger und Holländer sie zuerst), man hatte ein paar lustige Einfälle für den Inhalt, und man hatte , das nimmt man den Jungs aus der Mini-Redaktion um Chef Peter Höpfner (Chefredakteur aller Disney-Zeitschriften) sofort ab, auch Spaß dabei, es umzusetzen. Und merkte dann offenbar drei Tage vor Druckschluss, dass man aus den Einzelteilen noch schnell ein Magazin bauen muss.</p>
<h6>Versenkter Aufmacher</h6>
<p>Denn bei der Komposition der 132 Seiten fehlten entweder die Zeit, die handwerkliche Erfahrung oder beides. So gibt es vorne ein bisschen Magazin-Mischmasch, danach wechseln sich die diversen Interviews, Bildstrecken und Extras ab, alles wurde beliebig in Rubriken gepackt, hinten wird der Titel-Aufmacher („Donalds Damen“) auf einer Doppelseite versenkt, danach noch ein paar Kochrezepte als Schocker („Ente Kross“), fertig ist das Gartenhäuschen.</p>
<p>Konsequent gemieden wurde hingegen die Nähe zu den seit Jahrzehnten praktizierten, bildungsbürgerlichen Ansätzen der Künstlergruppe Interduck und ihrer Duckomenta-Ausstellung oder der Erika-Fuchs-Verehrer und <em>FAZ</em>-Unterwanderer der „Deutschen Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“ (D.O.N.A.L.D.). Überhaupt fehlen längere Texte in <em>Donald</em> fast völlig, sieht man von einem offenbar vom Egmont Ehapa Verlag reingedrückten Abriss über die verschiedenen Disney-Publikationsreihen von 1951 bis heute ab, der als stilistischer Fremdkörper im Blatt klebt.</p>
<p>So bleiben als Highlight 25 erfrischend selbstreferenzielle Seiten in der Heftmitte, wo von einer missratenen Geschäftsidee von Donald bis zu einem Zeitreiseballon eigentlich alles dabei ist &#8211; mit anderen Worten: Das Beste an <em>Donald</em> ist ein Comic. Und das ist im Entenhausen-Kontext ja irgendwie auch beruhigend.</p>
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		<title>Von Jagdnerds für Jagdnerds</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 17:07:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison erscheint ein neues Jagdmagazin: Halali bietet Einblicke in eine moosgrüne Parallelwelt. (aus der taz vom 28. April 2011) Scheu wendet sich das Reh auf dem Cover vom Betrachter ab und blickt in eine grüne Ferne.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison erscheint ein neues Jagdmagazin: <em>Halali</em> bietet Einblicke in eine moosgrüne Parallelwelt. <span id="more-834"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/!69773/" target="_blank">taz</a> vom 28. April 2011)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/halali-310.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-837" title="halali-310" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/halali-310.jpg" width="310" height="405" /></a>Scheu wendet sich das Reh auf dem Cover vom Betrachter ab und blickt in eine grüne Ferne. Bald ist Mai – „Endlich Mai!“ – und die Rehbockjagd beginnt. Offenbar der optimale Zeitpunkt für ein neues Jagdmagazin, und so erscheint erstmals am Donnerstag und fortan vierteljährlich die <em>Halali.</em></p>
<p>Mit „Jagd, Natur und Lebensart“ positioniert sich das Magazin mitten im ökoneokonservativen Manufactum-Milieu, das auch <em>Landlust</em> und seine diversen Klone bedienen. Und folgt zugleich dem Trend, angestaubte Zeitschriftengenres mit zeitgemäßen blattmacherischen Mitteln zu renovieren und vom Fachidiotentum in einen lebensweltlicheren, reflektierenden Journalismus zu überführen.</p>
<div>
<p>Doch was <em>11 Freunde, Beef!</em> oder <em>Zoon</em> schaffen, bleibt <em>Halali</em> verwehrt. Klar, das Layout ist schön aufgeräumt, die seitenfüllenden Fotos – speziell die Tiermotive – sind ein Traum in Grün und Braun. Bloß kommt die Textqualität da nicht mit, changiert zwischen der spröden Anmutung von Fachartikeln und schrulligem Jägerlatein in Ich-Form, bleibt aber stets recht mittelmäßig.</p>
<p>Hier schreiben, das zeigen auch die Autorenfotos, Jagdnerds für Jagdnerds und so ist auch das Themenspektrum selten mehrheitstauglich: Crashkurs „Sicheres Apportieren“, Spitznamen von Hochsitzen, ein neuer Mähdrescheraufsatz gegen Kitzschaden, Büchsenmacher in Bochum und natürlich die große Frage: Ab wann darf das Kind mit zur Jagd? Die Lifestyle-Elemente – Rehburger-Rezepte, eine Modestrecke und ein Text über die Trendgeschichte des Hirschgeweihs – sind da nur biederes Beiwerk.</p>
<p>Wer aber gerne in fremden Milieus äst, sollte 9,80 Euro investieren: ganzseitige Gewehranzeigen, die abseitigen Themen und der Soziolekt aus Fachbegriffen und leicht Altertümlichem bieten faszinierende Einblicke in eine moosgrüne Parallelwelt: „Die vertraut brechenden Sauen erlaubten seinen Aufstieg, und er konnte (…) einen guten Schuss antragen.“</p>
</div>
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		<title>Derb, aber herzlich</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 16:47:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Muh – das Magazin über „Bayerische Aspekte“ wagt einen Spagat zwischen Brauchtum und der weltoffenen Stadt-Mittelschicht Bayerns. (aus der taz vom 29. März 2011) Bier, Berge, Blasmusik. Ja, hier ist wirklich alles drin, was man als Nordostwestmitteldeutscher mit Bayern verbindet: in]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Muh</em> – das Magazin über „Bayerische Aspekte“ wagt einen Spagat zwischen Brauchtum und der weltoffenen Stadt-Mittelschicht Bayerns.<br />
<span id="more-1288"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Keine-Gschichten-ausm-Paulanergarten/!68185/" target="_blank">taz</a> vom 29. März 2011)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/muhsletter-1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1291" alt="muhsletter-1-300x416" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/muhsletter-1-300x416.jpg" width="310" height="429" /></a>Bier, Berge, Blasmusik. Ja, hier ist wirklich alles drin, was man als Nordostwestmitteldeutscher mit Bayern verbindet: in der <em>Muh,</em> einem neuen Magazin über „Bayerische Aspekte“, das sinnfälligerweise seinen Sitz in der Chiemseestraße in einem Ort namens Truchtlaching hat. Denn es gibt ja auch viel zu erzählen über den großen Freistaat im Süden, der als eines von nur wenigen Bundesländern kein zusammengestoppeltes Verwaltungsgebilde ist, sondern auf eine lange Geschichte als eigenes Stammesherzog-, Kurfürsten- und Königreich zurückblicken kann – und sich nicht nur deswegen bis heute für deutsche Verhältnisse ein recht hohes Regionalbewusstsein und ein lebendiges Verhältnis zu Tradition und Brauchtum bewahrt hat.</p>
<p>Weil sich solch lokale Identität vor allem über die Vergangenheit definiert, ist einiges an Rückblick und Bestandsaufnahme in der <em>Muh: </em>Karl Valentin, der Wolpertinger, die Münchner Frühe-Achtziger-Avantgarde-Band „Sigurd Kämpft“, Franz Josef Strauß&#8217; afrikanische Außenpolitik, Fingerhakeln und Fastenbräuche in Oberbayern, sie alle sind mit dabei. Und obendrauf ein langer Text über das Aussterben des Bairischen und seiner zahlreichen Subdialekte, die vom sanften Grünwalder Kaufmannsbairisch oder gleich ganz vom Hochdeutschen überformt werden.</p>
<h6>Brückenschlag zum Jetzt</h6>
<p>G&#8217;schichten ausm Paulanergarten also? Nein, das wäre zu einfach, das würde dem journalistischen Anspruch des Chefredakteurs und <em style="font-size: 0.75em;">Muh</em>-Miterfinders Josef Winkler (der übrigens, das soll nicht verschwiegen werden, als tazzwei-Kolumnist ein Spezl unseres Hauses ist) nicht genügen. Der Brückenschlag zum Jetzt wird immer gesucht, denn es ist ja gerade die spannende Frage, inwiefern auch eine intellektuelle und weltoffene Stadt-Mittelschicht heute eine bayerische Identität verkörpern kann – zu der dann eben auch Starkbierzeit und Bergwanderungen gehören, denn warum sollte man sich dem verschließen? Am besten gelingt dieser Spagat in der Titelgeschichte über die Blasmusikbegeisterung der Jugendlichen von Bayerisch-Schwaben.</p>
<p>Auf diese Weise kriegt denn auch der Nichtbayer einen Einblick in die weiß-blaue Befindlichkeit. Lediglich vereinzelte Themen sind für Zugereiste eher bedingt zugänglich, etwa ein mehrseitiges Interview mit dem Haindling, Musiker Hans-Jürgen Buchner. Neben viel Kultur findet sich zudem ernster, kritischer Journalismus in der <em>Muh:</em> eine sehr detaillierte Recherche über den Fall des Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg, der 2009 von Polizisten erschossen wurde (war es Notwehr oder nicht?) und eine ausführliche Bestandsaufnahme der Vermaisung Bayerns &#8211; dem rapiden Anwachsen der Maisanbauflächen im Freistaat sowie den Folgen für die Umwelt und die bayerische Kulturlandschaft – in gleich zehn Kapiteln.</p>
<p>Der Mix aus Althergebrachtem und Zeitgemäßem wird mit dem markanten Layout fortgeführt. An manchen Stellen wirkt die <em>Muh</em> mit ihren Randspalten, Kleinstfotos, Einschüben und schräg gestellten Schriftblöcken wie ein zusammengeklebtes und fotokopiertes Fanzine der Prä-Computer-Do-it-yourself-Ära – an anderen finden sich wiederum die aufgeräumt-opulente Flächigkeit und die farbentsättigten Fotos, die das alternative Magazinwesen in Deutschland aktuell auszeichnen.</p>
<h6>Knallharte Retro-Gaudi</h6>
<p>Vorläufig erscheint die <em>Muh</em> vierteljährlich, in einer schmalen Auflage von 11.000 Exemplaren und zum Verkaufspreis von 4,50 Euro. Fürs Geld gibt&#8217;s viel, das Magazin ist beinahe übervoll, dabei unterhaltsam, lehrreich und vor allem mit viel Liebe zum Detail gemacht. Da tauchen auf einmal noch Kinderseiten und – wirklich wahr – eine Witzrubrik („knallharte Retro-Gaudi“) auf. Wobei nicht jeder Text ein Gewinn ist, einige der zahlreichen Rubriken, Kolumnen und Kleinkramelemente hätte man sich sparen können, genau wie manch langer Text ein paar redigierende Kürzungen gut vertragen hätte.</p>
<p>Andererseits macht das die <em>Muh</em> auch gerade aus: Wie die Menschen aus ihrer Heimat ist sie herzlich und stets ein wenig derb und unbehauen. Ein Heft mit Charakter.</p>
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		<title>Zu nerdig? Gibt&#8217;s nicht.</title>
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		<pubDate>Tue, 25 May 2010 19:50:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Computerspielemagazin „Game One“ ist eine der letzten anarchischen Inseln bei MTV. Ein Besuch. (aus der taz vom 25. Mai 2010) Winterhude. Stadtpark. Grauer Himmel. Daniel „Budi“ Budiman scheucht, in Montur eines American-Football-Trainers, ein Dutzend Cosplayer – als Videospielfiguren verkleidete]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Computerspielemagazin „Game One“ ist eine der letzten anarchischen Inseln bei MTV. Ein Besuch.<span id="more-1810"></span> (aus der taz vom 25. Mai 2010)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/gameonemtv.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1811" alt="gameonemtv" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/gameonemtv.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Winterhude. Stadtpark. Grauer Himmel. Daniel „Budi“ Budiman scheucht, in Montur eines American-Football-Trainers, ein Dutzend Cosplayer – als Videospielfiguren verkleidete Jugendliche – über eine riesige Wiese. Hinter einer Baumgruppe erlegt derweil Simon Krätschmer ein zweiköpfiges Eichhörnchen mit einem Golfschläger.</p>
<p>Ein ganz normaler Drehtag bei „Game One“, dem aktuell einzigen Computerspielemagazin im deutschen Fernsehen (mittwochs, 21.30 Uhr, MTV). Zwei bis drei umfangreiche Spieletests präsentieren Simon und Budi pro Sendung, drum herum gruppieren sich Meldungen und lose Rubriken wie „Ausgegraben“, &#8220;Top 5&#8243; oder „Mod ist ihr Hobby“ – immer von vorne, schnell geschnitten und mit einem derben, manchmal dezent infantilen Humor.</p>
<p>„Dieses ,Wir nehmen&#8217;s jetzt nicht so superernst&#8217; hat MTV erst nicht so gern gehabt“, sagt Simon in einer Drehpause. Deswegen halfen die „Game One“-Macher ein wenig nach: „Wenn die uns was rausgeschnitten hatten, haben wir es einfach auf YouTube gestellt“, so Simon. Etwa den Einspieler „Half Life in 60 Sekunden“: „Der hat heute fünf Millionen Klicks. Da hat man dann natürlich eine Argumentationsgrundlage.“</p>
<h6>Liebe zum Detail</h6>
<p>Alle Beiträge zeichnet eine beinahe übertriebene Liebe zum Detail aus. Die Sequenzen aus den Computerspielen, die sogenannten In-Game-Szenen, werden immer wieder von selbst gedrehten Minieinspielern unterbrochen. Das Kampfsystem des Rollenspiels „Final Fantasy XIII“ wird eben anhand der Footballtrainer-Metapher erklärt, und dass es der 13. Teil ist, mithilfe von 13 Berlinern („13 leckere Teilchen!“). Zu den albernen Kostümen und Requisiten kommen kleine Animations- und Grafikspielereien der Post Production – auf der Wiese wird in der fertigen Sendung neben Budi noch ein Riesenungeheuer stehen.</p>
<p>Produziert wird das alles mit einen Minibudget. Improvisieren gehört bei „Game One“ zum Arbeitsalltag, gesendet wird aus einem winzigen Studio irgendwo in einem Industriegebiet im Osten Hamburgs, Atmosphäre und Organisationsgrad am Set erinnern mitunter an eine Gruppe Jungs, die gerade lustige Videos für den Freundeskreis dreht. Bis heute hat sich „Game One“ Anmutung und Charme eines Fanzines erhalten. Man fühlt sich an frühe Viva-Tage erinnert – oder gar daran, wie experimentell, unfertig und rau MTV selbst mal war.</p>
<p>Inzwischen sucht „Game One“ im MTV-Germany-Programmschema, das von US-amerikanischen Animationsserien, Reality-, Dokusoap- und Dating-Formaten dominiert wird, seinesgleichen. 2006 reichten Simon und Budi, die beide in der Games-Redaktion bei NBC Giga arbeiteten, ihr Konzept ein. Der oftmals zu detailverliebte Nerdblick traf auf die erfahrenen, aber rundgelutschten Programmmacher mit ihren „1.000 ungeschriebenen Regeln“ (Simon).</p>
<h6>Irgendwas ist immer</h6>
<p>Grundsatzdiskussionen, etwa über die Länge von In-Game-Sequenzen, waren anfangs an der Tagesordnung. „Zu nerdig, zu intellektuell, zu bescheuert, zu viel Comedy – irgendwas war immer“, sagt Budi. „Wie die MTV-Bildsprache funktioniert, wie man Zuschauer anspricht – so was musste sich halt erst einspielen“, erklärt MTV-Mann Christoph Michel. Mittlerweile sind beide Seiten zufrieden: „&#8217;Game One&#8217; ist ein wichtiger Bestandteil unseres Portfolios und mehr als ein Prestigeobjekt: Die Ratings stimmen auch“, betont MTV-Brand-Manager Ralph Osteroth stolz. „MTV hat verstanden, dass es &#8216;zu nerdig&#8217; eigentlich nicht gibt“, sagt Budi.</p>
<p>Nach 133 Folgen hat „Game One“ so was wie Narrenfreiheit erreicht. Auch weil neben allem Quatsch die Informationen kompetent transportiert und Stärken wie Schwächen der getesteten Spiele klar benannt werden. Damit hebt sich „Game One“ vom Jubelperserjournalismus vieler Zeitschriften ab, die von den Anzeigenschaltungen der Gamesindustrie abhängig sind.</p>
<p>Im Verlauf des Tages wird übrigens noch ein Ei in der Mikrowelle explodieren, Budi und Simon werden sich als tibetanischer Mönch bzw. „Grafikhure“ verkleiden und Simons Katze einen Gastauftritt haben. Ein normaler Drehtag bei „Game One“.</p>
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		<title>Kein Kuschelhaustier-Journalismus</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 19:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das neue Magazin Zoón wirft einen abseitig-klugen Blick auf das Verhältnis von Mensch und Tier. Die Themenauswahl ist großartig, das Textniveau leider durchwachsen. (aus der taz vom 3. Mai 2010) Die isländisch-britischen Kabeljaukriege, die mafiösen Methoden thailändischer Vogelnesthändler oder die]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das neue Magazin <em>Zoón</em> wirft einen abseitig-klugen Blick auf das Verhältnis von Mensch und Tier. Die Themenauswahl ist großartig, das Textniveau leider durchwachsen. <span id="more-847"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/Neues-Magazin-Zon/!51987/" target="_blank">taz</a> vom 3. Mai 2010)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-848" title="zooncover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zooncover.jpg" alt="" width="310" height="406" />Die isländisch-britischen Kabeljaukriege, die mafiösen Methoden thailändischer Vogelnesthändler oder die Entlassung eines italienischen Fernsehkochs, der von Katzenrezepten geschwärmt hatte: Es gibt zahllose spannende Geschichten über Tiere, doch leider schreibt sie kaum jemand auf. Das will nun <a href="http://www.zoon.de/" shape="rect" target="_blank"><em>Zoón</em></a> ändern, dessen Erstausgabe (Verkaufspreis: 5,90 Euro) am Freitag erschienen ist.</p>
<p><em>Zoón</em> besetzt eine Leerstelle im deutschen Tierjournalismus. Den dominieren Kuschel-Haustier-Blätter aus der <em>Ein Herz für Tiere</em>-Liga und spröde, hyperspezialisierte Fachzeitschriften für Einzelgattungen. Der einzige Ausreißer war bisher Gruner+Jahrs <em>dogs,</em> das Lifestyle-Hochglanzcharakter ausstrahlt. Der Stallgeruch von <em>Zoón</em> ist hingegen eher naturwissenschaftlich-sachlich. Die Faszination an der Tierwelt funktioniert hier über Beobachten und Verstehen oder die Einordnung in übergeordnete kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge.</p>
<p>So tut <em>Zoón</em> ein bisschen das, was <em>11 Freunde</em> vor zehn Jahren mit den Fußballjournalismus machte: einen alternativen, intelligenten Blick auf ein bekanntes Feld werfen, mit überraschenden Themen, die auch Nicht-Tierbesitzer interessieren können. Auch Insa Voss, Chefredakteurin und mit Viktor Sammain Erfinderin von <em>Zoón,</em> nennt <em>11 Freunde</em> als Vorbild: „Immer wenn ich es gesehen habe, dachte ich: Genau das müsste es doch auch für Tiere geben. Allein wie es sich anfühlt.“ Deshalb habe man auch ein dezentes Layout und mattes, griffiges Papier gewählt: „Damit sich der Leser ernst genommen fühlt.“</p>
<h6>Auch was für Oma und Tante</h6>
<p>Diesen Leser beschreibt Voss als „Leute wie uns: die sich für ihre Umwelt interessieren, aber keine fanatischen Tierschützer sind, zwar bewusst essen, aber auch Fleisch.“ Und, ganz wichtig: „Wir machen kein Heft nur für Berlin-Bewohner, sondern auch für 70-Jährige. Ich habe auch meine Oma oder Tante vor Augen.“</p>
<p>So weit zur Idee. Die Umsetzung hat leider noch ein paar handwerkliche Schwächen – mitunter merkt man <em>Zoón</em> an, dass es von einer Dreipersonen-Redaktion in Insa Voss&#8217; Wohnung gestemmt wird. Die Heftgestaltung ist doch eher schlicht als elegant und hält leider nicht ganz, was das Cover verspricht. Der klassisch-kleinteilige Einstieg wirkt beliebig, und das Textniveau ist – trotz der wirklich großartigen Themenauswahl – durchwachsen.</p>
<p>So stehen neben guten Stücken, etwa über die Kulturgeschichte der Kuh oder über Primatologen von Fossey bis heute von Cord Riechelmann, auch mäßig redigierte Texte, die man getrost bis auf die halbe Länge hätte kürzen können – ausnehmend schmerzhaft ist hier eine achtseitige Räuberpistole über eine Fotosafari im Kruger-Nationalpark. Immerhin ist sie mit schönen Fotos vom Afrikanischen Wildhund illustriert, inklusive der blutigen Tötung eines Großen Kudus, woran sich einmal mehr der unverklärt-wissenschaftliche Impetus von <em>Zoón</em> zeigt. Der im Übrigen auch für etwas spezialistische Themen sorgt, etwa die Frage, ob es angesichts von Erbgut-Analysen nicht korrekter wäre, Menschen, Schimpansen und Bonobos zu einer Gattung zusammenzufassen.</p>
<h6>Grzimeks Erben</h6>
<p>Herausgegeben wird <em>Zoón</em> vom Münsteraner Natur und Tier Verlag (NTV), der bislang nur Fachbücher und -magazine wie <em>Reptilia, Rodentia</em> und <em>Koralle</em> publiziert hat. Als „wichtigen Schritt und logische Konsequenz“ für seinen Verlag bezeichnet NTV-Gründer Matthias Schmidt <em>Zoón.</em></p>
<p>Zusammen mit Christoph Grzimek wollte Schmidt schon seit mehreren Jahren einen Nachfolger für das 2000 eingestellte <em>Das Tier</em> schaffen – das erste deutsche Tiermagazin, 1959 von Grzimeks prominentem Großvater Bernhard gegründet. „Als Insa und Viktor mit ihrem Konzept kamen, haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.“</p>
<p>Die Startauflage von <em>Zoón</em> liegt bei rund 53.000 Exemplaren „die Hälfte zu verkaufen wäre toll, ein Drittel wäre auch okay“, sagt Matthias Schmidt. Unabhängig davon sei das Erscheinen von <em>Zoón</em> mindeEstens für dieses Jahr gesichert. Im Zweimonatsrythmus wird es weitergehen, die Titelthemen der kommenden Ausgaben sind Angriffsstrategien und Brunft. Und danach? „Ich würde mich wundern, wenn <em>Zoón</em> so schwach läuft, dass wir es 2011 einstellen.“</p>
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		<title>Reduzierte Form für Liebhaber</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Apr 2010 12:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mehr als ein Diavortrag mit Tonspur: Audioslideshows sind besonders für Reportagen gut geeignet. In Deutschland ist das junge Genre noch ziemlich unbekannt. (aus der taz vom 20. April 2010) Text. Foto. Video. Diese drei klassischen Formen dominieren den Onlinejournalismus. Hin]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mehr als ein Diavortrag mit Tonspur: Audioslideshows sind besonders für Reportagen gut geeignet. In Deutschland ist das junge Genre noch ziemlich unbekannt.<span id="more-1821"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!51353/" target="_blank">taz</a> vom 20. April 2010)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/audioslideshow.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1824" alt="audioslideshow" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/audioslideshow.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Text. Foto. Video. Diese drei klassischen Formen dominieren den Onlinejournalismus. Hin und wieder verirrt sich dazwischen mal eine interaktive Grafik oder Landkarte, aber noch immer bilden sich eigenständige, crossmediale Online-Genres nur langsam heraus. Und wenn sie dann da sind, kriegt es kaum jemand mit – wie bei der Audioslideshow.</p>
<p>Die macht für den fernsehkonfektionierten User zunächst den Eindruck eines vollautomatischen Diavortrags mit Tonspur: Foto folgt auf Foto, nichts bewegt sich, allenfalls wird mal ein wenig gezoomt. Doch die reduzierte Form schafft eine spezielle Atmosphäre: Während Videos oft einfach so vorbeifließen, kann man sich hier die einzelnen Fotos genauer anschauen, wirken lassen, Details entdecken.</p>
<p>Ein gutes Foto ist ein Konzentrat der Zeit vor und nach dem Augenblick der Aufnahme, sagt Robert Wenkemann, Multimedia-Chef von faz.net. „In einer Audioslideshow springt man von einer sehr intensiven Situation zur nächsten“, so Wenkemann. „Wenn man dann noch Atmo-Geräusche hört oder ein Reporter dazu subjektiv erzählt, hat man viel stärker das Gefühl, man sei vor Ort.“ Entsprechend eignet sich das Format besonders gut für magazinig-zeitlose Themen, Reportagen und Porträts. Bei faz.net finden sich etwa Beiträge über das größte hinduistische Fest in Deutschland bei Hamm, über die verlassene Todeszone von Tschernobyl und über Fußball in Palästina.</p>
<p>Ihren Durchbruch schafften die Audioslideshows vor einigen Jahren, dank der preiswerten und leicht bedienbaren Software Soundslides, die sich schnell als Produktionsstandard durchsetzte. Doch während sich die Slideshows in den USA eine bedeutende Rolle erarbeitet haben – ein herausragendes Beispiel ist <a href="http://www.nytimes.com/packages/html/nyregion/1-in-8-million/" target="_blank">„One in 8 Million“</a> von nytimes.com, eine Serie von 54 Kurzporträts der Bewohner New Yorks aus dem Jahr 2009 –, führen sie hierzulande noch ein Nischendasein. Ausprobiert wurden sie zwar inzwischen von vielen Seiten, aber neben faz.net setzt nur sueddeutsche.de wirklich regelmäßig auf das Format.</p>
<h6>Chancenlos gegen das Bewegtbild?</h6>
<p>Anlass genug für erste Abgesänge: So erklärte Zeit-Online-Multimedia-Chef Fabian Mohr <a href="http://www.onlinejournalismus.de/2010/01/10/audio-slideshow-vs-video-nie-mehr-als-nische/" target="_blank">kürzlich</a> in einem vielverlinkten Blogbeitrag, warum die Slideshow gegen das omnipräsente Bewegtbild verloren hätte. Der Online-Journalist Fabian Schweyher, der seine Diplomarbeit über Audioslideshows geschrieben hat und auch selbst produziert, sieht es weniger drastisch: „Vor ein paar Jahren gab es dank Soundslides eine gewisse Euphorie, daher kommt jetzt wohl die Enttäuschung.“ Aber auch er glaubt, dass der große Durchbruch in Deutschland ausbleiben wird.</p>
<p>„Die Audioslideshow ist ein Format, das sehr stark sein kann – das sich durch sein recht starres Korsett aber auch relativ schnell abnutzt“, sagt er. Dazu kommt, dass Soundslides inzwischen an seine Grenzen stößt und so die Kreativität hemmt: Die Tonspur lässt sich nicht nachträglich editieren, der Einbau von Videosequenzen ist nicht möglich – wobei gerade die Kombination mit Video als nächster Entwicklungsschritt gesehen wird. Ein weiteres Problem ist der vergleichsweise hohe Produktionsaufwand. „Ich habe außerdem das Gefühl, dass eine Audioslideshow höhere Standards erfüllen muss als ein vergleichbares Video, weil das Format nicht so angenommen ist“, sagt Schweyher. „Genau wie die Bilder wirken auch die Fehler intensiver.“</p>
<p>Schließlich ist da noch der ökonomische Faktor: Deutsche Media-Agenturen vergöttern nach wie vor die Page Impression (PI), den Einzelseitenaufruf, als Reichweitenmessgröße für Onlinewerbung. Und da verliert jede Slideshow gegen eine schnell gebaute Fotoklickstrecke. Solange es kein Umdenken gibt, Werbung nach Unique Visits oder gar nach Nutzungsdauer zu honorieren, wird die Audioslideshow ein Liebhaber-Genre bleiben, das allenfalls zur Userbindung einer Webseite dienen kann.</p>
<h6>Spezielles Format für spezielle Anlässe</h6>
<p>„Wir machen das nicht, weil wir da Klicks einsammeln können, sondern weil es ein besonderer journalistischer Mehrwert ist“, sagt auch Robert Wenkemann. Leisten kann sich faz.net ein solches Aushängeschild nicht zuletzt dank des Zugriffs auf das weltweite Redaktionsfotografen-Netzwerk der Print-<i>FAZ</i>. Deswegen sieht auch Wenkemann die Zukunft der Slideshow eher als spezielles Format für spezielle Anlässe – und findet das auch gut so. Die Rückschau auf den letzten Bundesligaspieltag sei für eine Audioslideshow ohnehin zu profan.</p>
<p>Das Problem der PI-Fixiertheit kennt auch Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de, will das Angebot dennoch ausbauen. „Es muss unsere journalistische Aufgabe sein, ein Thema auch anders zu erzählen, wir machen schließlich kein Onlinepapier“, sagt er. Man müsse beharrlich bleiben: „Viele Leute, gerade in der Werbebranche, sind ziemlich defensiv.“</p>
<p>Als Bestätigung für diese Haltung gewann der freie sueddeutsche.de-Autor Matthias Eberl Ende 2009 einen Reporterpreis für seine Slideshow <a href="http://rufposten.de/daten/xcess/" target="_blank">„Außen Puff, innen die Hölle“ </a>über eine Münchener Künstlerkneipe. Eberl ist in Deutschland ein Pionier, schon seit 2003 experimentiert er mit multimedialen Formen und neuen Verknüpfungen von Bild, Ton und Text. Von Audioslideshows allein leben kann Eberl noch nicht. Er ist aber zuversichtlich, dass sich ihre Zahl noch „erheblich steigern wird“, und sieht nicht nur die Redaktionen in der Pflicht: „Der Wille ist bei vielen da, ich glaube, es mangelt eher an Journalisten, die das Medium beherrschen.“</p>
<p>Und wenn der Onlinejournalismus endlich stärker auch in den Magazinnereich vordringt, könnte die große Stunde schlagen: „Wenn sich Tablet-PCs wie das iPad tatsächlich als Lesegerät für Zeitungen und Zeitschriften etablieren, wird die Audioslideshow bei Reportagen Standard sein.“</p>
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		<title>Von beseelten Steinen und Waldgeistern</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Apr 2010 13:04:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In einer sechsteiligen Hommage widmet sich Arte dem japanischen Animationsfilmregisseur Hayao Miyazaki. Aber warum eigentlich erst jetzt? (aus der taz vom 8. April 2010) Eine retrofuturistische fliegende Insel, ein von Gottwesen bevölkertes Badehaus, ein archaischer Märchenwald aus der Shogun-Zeit, eine Endzeit-Erde, die von]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>In einer sechsteiligen Hommage widmet sich Arte dem japanischen Animationsfilmregisseur Hayao Miyazaki. Aber warum eigentlich erst jetzt?<span id="more-1822"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!50807/" target="_blank">taz</a> vom 8. April 2010)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/totoro_f.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1823" alt="Mein Nachbar Totoro" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/totoro_f.jpg" width="620" height="309" /></a>Eine retrofuturistische fliegende Insel, ein von Gottwesen bevölkertes Badehaus, ein archaischer Märchenwald aus der Shogun-Zeit, eine Endzeit-Erde, die von einem bizarr-schönen Giftpilzwald überwuchert wird, und ein bonbonbuntes Fantasiekönigreich aus dem frühindustriellen Europa, durch das ein Haus auf zwei Beinen stapft &#8211; so sieht es aus in der Welt von Hayao Miyazaki, des vielleicht bedeutendsten Animationsfilmregisseurs der Welt, dessen Filme in den letzten 30 Jahren stets zu den beliebtesten und bestbesuchten in ganz Japan gehörten.</p>
<p>Es ist etwas rätselhaft, warum Arte Miyazaki erst jetzt eine Werkschau widmet, bestehend aus sechs seiner zehn Filme, die bis zum 22. April immer montags und donnerstags um 20.15 Uhr gezeigt werden – wo sich der mittlerweile 69-Jährige doch gerade im comicaffinen Frankreich großer Beliebtheit erfreut. In Deutschland nahm die Öffentlichkeit erstmals 2002 Notiz von Miyazaki, als „Chihiros Reise ins Zauberland“ den Goldenen Berlinale-Bären gewann. In den vergangenen Jahren wurden dann zwar einige ältere Filme nachträglich ins Kino gebracht und auf Super RTL und RTL II gezeigt, doch Miyazakis neuestes Werk, „Ponyo – Das verzauberte Goldfischmädchen“, auf dessen Ausstrahlung Arte aus rechtlichen Gründen leider verzichten muss, fand trotz einer Wettbewerbsteilnahme in Venedig keinen deutschen Kinoverleiher.</p>
<p>Ein Jammer. Denn die Imaginationskraft Miyazakis ist einzigartig. In den von ihm geschaffenen Welten verschwimmen die Grenzen von Realität und Fantasie, bevölkert werden sie von einem Bestiarium sonderbarer Wesen, oftmals ambivalente Charaktere, die nicht dem klassischen Gut-Böse-Schema Hollywoods entsprechen – dabei sind es meist tapfere, tomboyhafte Mädchen, die Miyazaki auf Abenteuerreise schickt. Wie für Anime üblich, sprechen seine Filme Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Und transportieren nebenbei eine klare Haltung gegen Krieg und die fortschreitende Umweltzerstörung.</p>
<p>Kennzeichnend für Miyazakis Filme ist die Vermischung von westlichen und östlichen Bild- und Erzähltraditionen: Odysseus, Gullivers Reisen, Jules Verne, Lewis Carroll werden zitiert, dazu bedient Miyazaki sich aus dem prallen Fundus der japanische Sagenwelt, der Anime-Symbolik und beim Shintoismus, jenem animistischen, japanischen Volksglauben, in dem jeder Baum, jeder Fluss, jeder Stein beseelt sein kann. Besonders stark ist der Shinto-Einfluss dabei in „Mein Nachbar Totoro“, der heute Abend läuft, Miyazakis reduziertesten und schönsten Film.</p>
<p>Zwei Mädchen, sechs und zehn Jahre alt, freunden sich im ländlichen Japan der 50er-Jahre mit einem Eulenbärenkatzen-Waldgeist an, dem Herren eines gigantischen Kampferbaums. In 80 Minuten passiert so gut wie gar nichts und gerade deswegen ist dieser Film von zenhafter Eleganz, ein traumähnlicher Einblick in die Gedankenwelt von Kindern, kongenial begleitet von der Musik Joe Hisaishis, dem Leibkomponisten Miyazakis.</p>
<p>Im Anschluss folgt die etwas verschrobene Dokumentation „Der Tempel der tausend Träume“ über Miyazaki, seinen Kollegen Isao Takahata und ihre gemeinsamen Produktionsfirma Studio Ghibli. Hier kann man die Miyazaki-Werke dann auch mal mit den japanischen Originalstimmen hören – welche die allenfalls passable deutsche Synchronisation, auf die Arte leider zurückgreift, bei weitem übertreffen.</p>
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		<title>Immer schön authentisch bleiben!</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 19:58:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Stefan Raab castet in „Unser Star für Oslo“ den Eurovision-Song-Contest-Teilnehmer – und es geht sogar um Musik. (aus der taz vom 4. Februar 2010) Authentizität. Das war allen extrem wichtig beim Auftakt von &#8220;Unser Star für Oslo&#8221;, dem Vorentscheid für]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Stefan Raab castet in „Unser Star für Oslo“ den Eurovision-Song-Contest-Teilnehmer – und es geht sogar um Musik.<span id="more-1815"></span> (aus der taz vom 4. Februar 2010)</h3>
<p>Authentizität. Das war allen extrem wichtig beim Auftakt von &#8220;Unser Star für Oslo&#8221;, dem Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC). Erstmals wurde für die Suche nach dem deutschen Vertreter ein Casting-Format gewählt – und mit aller Kraft versucht, sich von konfektionierter Popeinheitsware à la DSDS abzugrenzen. &#8220;Wir wollen die Künstler ernst nehmen. Sie sollen singen, was sie wollen. Peter Maffay singt auch keinen Swing&#8221;, sagte Mastermind und Juryvorsitzender Stefan Raab vorab, und auch am Dienstagabend auf Pro7 wurden die Kandidaten reihenweise für ihre Unabhängigkeit gelobt. Gut gesungen hatten sie sowieso.</p>
<p>Offiziell ist „Unser Star für Oslo“ (USfO) eine Kooperation mit der ARD, die nach jahrelanger Erfolg- und Kreativlosigkeit beim ESC mit Raab den Mann holte, der als Sänger und Komponist (für Max Mutzke und Guildo Horn) dreimal in der Top Ten des Europa-Finals landete. Rund 4.500 Menschen meldeten sich zum Casting, 20 Kandidaten kamen durch, die bis zum Finale am 12. März nun ausgesiebt werden: immer dienstags auf Pro7, im März ergänzt durch Freitagabendshows im Ersten.</p>
<p>Obwohl, „Kooperation“ – da ist nicht viel ARD in „Unser Star für Oslo“. Es ist bloß ein weiterer Teil der großen Raab-Show: die Raab-Band macht die Musik, der Raab-Sprecher vertont die Einspieler, Raab-Buddy Matthias Opdenhövel moderiert (mit der vom ARD-Radiosender 1Live gestellten Sabine Heinrich) und die Erkennungsmusik von USfO hatte Raab gleich selbst komponiert.</p>
<h6>Kein Eurovision-Hitbaukasten</h6>
<p>„Wir sind die Trümmerfrauen des ESC“, hatte Raab bei der USfO-Pressekonferenz gesagt. Es ist ihm ein Anliegen, den ESC-Vorentscheid wieder zu einer ernstzunehmenden und unterhaltsamen Musikveranstaltung zu formen. Hierfür will Raab aber nicht „den Eurovision-Hitbaukasten“ nutzen oder osteuropäische Musikkultur kopieren. Der erste Platz beim Finale in Oslo sei ihm nicht so wichtig. Vielmehr solle auch ein „unkonformer Künstler“ gewinnen können.</p>
<p>Die erste Show konnte dieses Versprechen einlösen. Das Prinzip war dabei nicht neu: Erfreulich straff und beinahe ohne pseudodramatische Verzögerungen wurde immer wieder die Reihenfolge „Kandidat, Einspieler, Song, händchenhaltende Moderatoren, Jury, Platz nehmen“ durchgespielt. Am Ende folgte die Telefonabstimmung mit angekoppeltem Gewinnspiel.</p>
<p><span style="font-size: 13px;">Aber! Die Ausführung! Behutsam statt denunzierend ging die Jury vor, in der neben Raab Yvonne Catterfeld und ein entrückt-lässiger Westernhagen saßen – die Beisitzer wechseln in jeder Sendung, unter anderem werden Peter Maffay, Jan Delay und Sarah Connor auftreten. Es wurde wirklich über Musik gesprochen: von Intonationsproblemen und einem gut kontrollierten Vibrato war die Rede, von leisen und lauten Tönen, die Fachtermini Timbre und Falsett wurden erklärt. Verständlich blieb es trotzdem: „Tolle Stimme, toll bewegt“, „You rock!“, „für so einen Sound müssen andere lange saufen“.</span></p>
<h6>Kontrast zur Freakshow</h6>
<p>Auch die Kandidaten kontrastierten die DSDS-Freakshow. Es waren Lehrer, Mediengestalter, Berufsmusiker dabei, ein klarer Kontrast zu Bohlens verhuscht-schrillen Teenies mit Gelfrisur und Modeschal. In die Favoritenrolle sang sich die 18-jährige Schülerin Lena, die als Nora-Tschirner-Lookalike Jury und Publikum verzauberte, mit frecher Ausstrahlung, Emotionen („Ich freu mich so, so hart!“) und, na klar, astreiner Authentizität.</p>
<p>Und um zu zeigen, wie gut die Raab-Maschine funktioniert, wurde anschließend nahtlos zu „TV Total“ übergeleitet. Raab und Band wechselten vor laufender Kamera das Studio und begrüßten als Gäste: Catterfeld, Westernhagen und die fünf Castingsieger. Dass hier dann doch Outtakes von weniger begabten Bewerbern des Vorab-Castings gezeigt wurden, war allerdings unnötig, wollte man sich doch genau von solchen Bloßstellungen abgrenzen. Es blieb der einzige Schwachpunkt eines runden Unterhaltungsabends.</p>
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		<title>War was 2009?</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Dec 2009 19:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum stundenlang fernsehen, wenn es auch in 30 Minuten geht: Der satirische Jahresrückblick „!!!“ (23.50 Uhr, ZDF) (aus der taz vom 22. Dezember 2009) Ratatazong! Im Schweinsgalopp hetzen Werner Doyé und Andreas Wiemers, die Satire-Beauftragten von „Frontal 21“, durch ihren]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Warum stundenlang fernsehen, wenn es auch in 30 Minuten geht: Der satirische Jahresrückblick „!!!“ (23.50 Uhr, ZDF)<span id="more-1804"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Satire-Rueckblick-im-Zweiten/!45798/" target="_blank">taz</a> vom 22. Dezember 2009)</h3>
<p>Ratatazong! Im Schweinsgalopp hetzen Werner Doyé und Andreas Wiemers, die Satire-Beauftragten von „Frontal 21“, durch ihren halbstündigen satirischen Jahresrückblick. In den Hauptrollen: die neue Bundesregierung, die Schweinegrippe, die Mitarbeiterüberwachung von Bahn &amp; Co, Wahlkampfparolen (WUMS!), Abwrackprämie, Staatsschulden, SPD-Krise, Dieter Althaus – und immer wieder Angela Merkel.</p>
<p>Der Fokus liegt also klar auf der Innenpolitik, auf Kultur- oder Sportthemen (Klinsmann-Rausschmiss? Michael Jackson tot? War da was?) wurde verzichtet. Auf Einlassungen zu 20 Jahren Mauerfall übrigens auch, ein Segen.</p>
<p>Nicht nur die Themen sind zahlreich, auch die Ideen. Mit viel Liebe zum Detail werden Playmobilfiguren animiert, Fotocollagen zusammengestöpselt oder mit Textmarkern ins Bild gekritzelt, es gibt es den Horst-Köhler-Satzbau-Zufallsgenerator, und Kinderdarsteller sprechen Zitate von Gabriel, zu Guttenberg und Kristina Köhler nach.</p>
<p>Und wenn Doyé und Wiemers mal nichts Spezielles einfällt, bleiben ihnen immer noch die Genre-Standards: ein süffisanter Sprecherstil, Bild-Text-Scheren mit markantem Archivmaterial und lustige Politikerzitate (Trittin: „Wenn der Mond ein Käse ist, dann würde er tropfen“), dazu Boing- und Floing-Geräusche und die übliche Musik, von „Forrest Gump“ über die „Muppet-Show“ bis zum „Rosaroten Panther“. Bloß auf die unvermeidliche „Sendung mit der Maus“-Persiflage hätte man auch mal verzichten können. Haben wir 2009 oder 2001?</p>
<p>Das Pointen-Streufeuer bringt indes gleichermaßen Rohrkrepierer und Volltreffer mit sich, aber nach einem etwas bemühten Start grooven sich Doyé und Wiemers, die als kleine Strichmännchen selbst immer mal wieder in den Archivbildern rumhampeln, gut ein. Und zeigen, dass das ZDF auch über sich selbst lachen kann: Die Verschwendung von Gebührengeldern ist genauso Thema wie das 30 Millionen Euro schwere neue „heute“-Studio, „selbstgebaut, nur mit etwas Tapete und zehn Eimern grüner Farbe, für unter 100 Euro“. Bloß der Skandal um Nikolaus Brender fehlt – aber der war ja auch wirklich nicht zum Lachen.</p>
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		<title>„Ich bin eine Grenzgängerin“</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Nov 2009 18:10:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach drei Bundesfilmpreisen wurde eine Kinderserie Adelheid Arndts größter Erfolg. Heute engagiert sie sich für Menschen mit Behinderungen – wie ihre Tochter. (aus der taz vom 28. November 2009) Nein, zuversichtlich sei sie nicht gewesen, 1973, bei der Aufnahmeprüfung an]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach drei Bundesfilmpreisen wurde eine Kinderserie Adelheid Arndts größter Erfolg. Heute engagiert sie sich für Menschen mit Behinderungen – wie ihre Tochter. <span id="more-1776"></span>(aus der taz vom 28. November 2009)</h3>
<p>Nein, zuversichtlich sei sie nicht gewesen, 1973, bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule. 10 aus 300 Bewerbern – warum sollte gerade sie dabei sein?</p>
<p>Heute kann man sich die Zweifel schwer vorstellen. Selbstbewusst, freundlich, in sich ruhend begegnet einem Adelheid Arndt. 1976 begann sie am Berliner Grips-Theater, schon in den folgenden Jahren gewann sie für „Der Mädchenkrieg“ und „1+1=3“ zwei Bundesfilmpreise, jeweils in der Rolle einer Frau zwischen zwei Männern. Zahlreiche Film-, Fernseh- und Theaterengagements folgten, noch bis 2006 arbeitete die heute 57-Jährige am Wiener Schauspielhaus.</p>
<p>„Meine große Liebe war das Fernsehen nie. Meine große Liebe ist das Kino“, sagt Arndt. Ihre wohl bekannteste Rolle spielte sie dennoch in einer Kinderfernsehserie, und wieder war sie eine Frau zwischen zwei, nun ja, männlichen Wesen: 16 Jahre, bis 2003, war Arndt die Trödelladenbesitzerin Frau Siebenstein, die mit dem Raben Rudi und einem grantigen Koffer zusammenlebt.</p>
<p>Dabei hatte Arndt stets den Anspruch, über ihre Texte und die Themen der Sendung mitentscheiden zu können, für sie sind Schauspieler mehr als die Sprechpuppen der Regie. „Ich habe mich immer in alles eingemischt“, sagt sie. „Damit macht man sich nicht unbedingt beliebt. Aber das ist der Grund, warum die Dinge gut werden.“</p>
<p>Heute lebt sie in Zürich, neben Berlin und Wien eine der drei Städte, die sie als Zuhause bezeichnet, und zumindest im Moment stehen andere Dinge als die Schauspielerei im Vordergrund. Sie stellt Texte für eigene Lesungen zusammen, etwa über den Maler George Grosz. Vor kurzem hat sie ihre erste Gala moderiert. Arndts wichtigste, erste Aufgabe ist aber Jag Suisse, ein von ihr mitbegründetes Projekt, das Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben mit Assistenz – nicht Betreuung, wie sie betont – ermöglichen will. Nicht zuletzt ein persönliches Anliegen, denn Arndts 25-jährige Tochter sitzt im Rollstuhl und hat eine Sprachbehinderung – „aber sie kann selbst denken und selbst entscheiden“.</p>
<p>Für Jag Suisse agiert sie als Botschafterin für Außenseiter. „Manchmal glaube ich, dass ich deshalb Schauspielerin geworden bin“, sagt sie. „Weil ich mich selbst auch immer als Grenzgängerin gefühlt habe.“</p>
<p><em>Dieser Text ist Teil der damaligen Serie <a href="http://michaelbrake.de/tag/lost-found/">„Lost &amp; Found“</a> auf der taz-Medienseite, ein „Was macht eigentlich…“-Format.</em></p>
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		<title>Das Heute-Programm</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 19:26:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit ZDF Neo wurde unter den Digitalkanälen von ARD und ZDF endlich eine klar profilierte Marke geschaffen. Ein Zwischenfazit nach zehn Tagen Sendebetrieb. (aus der taz vom 12. November 2009) Am 1. November, dem ersten Sendetag von ZDF Neo, lag]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit ZDF Neo wurde unter den Digitalkanälen von ARD und ZDF endlich eine klar profilierte Marke geschaffen. Ein Zwischenfazit nach zehn Tagen Sendebetrieb. <span id="more-1796"></span>(aus der taz vom 12. November 2009)</h3>
<h3><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zdf_neo001.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1801" alt="zdf_neo001" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zdf_neo001.jpg" width="620" height="167" /></a></h3>
<p>Am 1. November, dem ersten Sendetag von ZDF Neo, lag der Marktanteil teilweise bei 0,0 Prozent. Das saß. Und war dennoch nicht weiter schlimm, denn um Quoten geht es erst mal nicht beim Nachfolger des ZDF-Dokukanals. Mit dem neuen Digitalsender wurde in dieser Sparte endlich eine Marke mit klarem Profil geschaffen. Der neue Zielgruppen jenseits vom 61-jährigen ZDF-Durchschnittszuschauer erreichen soll, nämlich „die 25- bis 49-Jährigen, die dem Hauptprogramm langsam abhanden zu kommen drohen“, wie ZDF-Neo-Chef Norbert Himmler sagt.</p>
<p>Nach knapp zwei Wochen Sendebetrieb darf man hoffnungsvoll konstatieren: Das kann was werden. Dafür sorgen Sendungen, die man bei ARD und ZDF in einer – angesichts der gesicherten Finanzierung durch GEZ-Milliarden – lächerlich-ängstlichen Quotenfixiertheit höchstens mal verschämt um 0.35 Uhr wegsendet. Intelligentes Fernsehen mit zeitgemäßer Optik, grafischen Gimmicks, abseitigen Themen wie <a href="http://michaelbrake.de/2009/09/30/fernsehen-ueber-fernsehen/" target="_blank">die fabelhafte US-Sitcom „30 Rock&#8221;</a><i>,</i> die BBC-Trickbetrügerserie „Hustle“ oder die Mediensatire „Taking the Flak“ über einen britischen Auslandskorrespondenten in Afrika. Es gibt das eigenproduzierte Magazin „neoMusic“, das „Comedylab“ mit Knacki Deuser, Filme und Konzertmitschnitte.</p>
<p>Nun kann man aber mit einem Mitarbeiterstab von 35 Redakteuren und einem Jahresbudget von 30 Millionen Euro nicht 24 Stunden Highlights raushauen. Und so ist das Tagesprogramm gepflastert mit oftmals mäßig spannenden Dokumentationen aus den ZDF-Archiven, von der Nachkriegsjugend in Halberstadt bis zum Huskieleben in Nordfinnland, mit Telenovela-Wiederholungen, alten „Terra X“- und „37 Grad“-Folgen und mit Dokusoaps.</p>
<h6>Affen, Seinfeld, keine Nachrichten</h6>
<p>Aber auch hier verstecken sich Perlen wie „Monkey Thieves“, eine Serie über einen indischen Affenclan. Oder die Wiederholungen der Sitcom „Seinfeld“, dank Zweikanalton auch auf Englisch. Eine schöne, aber rechtlich schwierige Option, weil ZDF Neo via Satellit auch in England zu empfangen ist. Nachrichten zeigt Neo hingegen nicht – da ist der Status als „zielgruppenorientiertes Spartenprogramm“ vor.</p>
<p>Bei so einer Programmmischung wundert es nicht, dass die Privatsender im Vorfeld heftig protestierten. Von einem „Frontalangriff auf die Kernkompetenzen kommerzieller Anbieter“ sprach etwa Thomas Schmid vom Verband privater Rundfunk und Telekommunikation. Neo-Chef Himmler stört das nicht, im Gegenteil: „Ich merke durch diese Vorwürfe, dass wir ernst genommen werden. Außerdem dürfen wir uns auch auf die Zuschauer der Privaten zubewegen – die zahlen auch Gebühren.“ Und Dokusoaps wie „Der Straßenchor“ zeigen, dass man Protagonisten von den Rändern der Gesellschaft auch begleiten kann, ohne sie bloßzustellen.</p>
<h6>Wenig Eigenproduktionen</h6>
<p>Was man bei ZDF Neo hingegen noch ein wenig vermisst, sind Eigenproduktionen, Programm, das nicht nur für junge Menschen gemacht wird, sondern von ihnen – und dabei neue visuelle Konzepte austestet. Für so was gab es früher MTV und Viva, mittlerweile passiert das im Internet, und genau da lassen sich noch größere Talente ausbuddeln als der mittelwitzige Gastgeber der Multikulti-Late-Night „Süper Tiger Show“.</p>
<p>Himmler verspricht: „Im nächsten Jahr soll es noch mehr Eigenproduziertes geben, auch im dokumentarischen und Reportagebereich.“ Dabei kann und darf er gerade anfangs experimentieren: „Wir müssen uns als Programmmacher auf unser Bauchgefühl verlassen und vieles ausprobieren.“</p>
<p>0,2 Prozent Marktanteil, bei den jüngeren Zuschauern noch ein bisschen mehr, peilt man bis Ende 2010 an. Es würde dem deutschen Fernsehen sehr gut tun, wenn ZDF Neo das mit dieser Programmmischung gelingt.</p>
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		<title>Frischfleisch für Besserverdiener</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Oct 2009 16:16:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Blutige Tomaten, Mord mit dem Fischmesser und Egoismus als Tugend: Mit den neuen Männermagazinen Beef! und Business Punk zielt Gruner+Jahr auf Nischen. (aus der taz vom 15. Oktober 2009) „Firmeninterner Kreativwettbewerb“ – das klingt ein wenig nach verkrampftem Teambuilding-Gedöns. Gruner+Jahr hat]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Blutige Tomaten, Mord mit dem Fischmesser und Egoismus als Tugend: Mit den neuen Männermagazinen <em>Beef!</em> und <em>Business Punk</em> zielt Gruner+Jahr auf Nischen.<span id="more-1273"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Neue-Maennermagazine/!42254/" target="_blank">taz</a> vom 15. Oktober 2009)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Cover_BEEF.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1276" alt="Cover_BEEF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Cover_BEEF.jpg" width="310" height="402" /></a>„Firmeninterner Kreativwettbewerb“ – das klingt ein wenig nach verkrampftem Teambuilding-Gedöns. Gruner+Jahr hat damit allerdings gute Erfahrungen gemacht, 2006 entstand so das Hunde-Lifestyle-Magazin <em>Dogs</em>. Bei der Neuauflage „Grüne Wiese“ im November 2008 wurden rund 380 Ideen eingereicht, von denen nun zwei – zunächst einmalig – den Sprung an den Kiosk geschafft haben: <em>Beef!</em> (9,80 Euro) und <em>Business Punk</em> (6 Euro).</p>
<p>Beide Titel richten sich an wohlhabende Männer, die mit beiden Beinen im Leben stehen und deren Welt noch klar getrennt ist in „wir Kerle“ und „die Frauen“– die Hefte bespielen allerdings mit beeindruckender Konsequenz ziemlich spezifische Lebenswirklichkeiten.</p>
<p>Bei <em>Beef!</em> ist das die Welt des Hobbykochens – nicht die Nudelreispampen-WG, sondern Männer, die es ein paar Mal im Jahr richtig krachen lassen: sieben Gänge, allerbeste Zutaten und viel Rotwein. „Wir nehmen keine Rücksicht“, sagt <em>Beef!</em>-Chefredakteur Jan Spielhagen und benennt damit die Kerntugend des Hefts. „Andere lassen Innereien weg – wenn wir hingegen finden, dass bei der Reportage vom Fischmarkt in Tokio ein Bild mit viel, viel Blut wichtig ist, wird das gedruckt.“ Neben dieser Kompromisslosigkeit sei Humor wichtig, und: „Wir wollen wertig sein. Design spielt eine Riesenrolle.“</p>
<h6>Überbordend und unübersichtlich</h6>
<p>Das kann man wohl sagen: Seitenfüllende Detailaufnahmen von Tomatensaucen muten an wie abstrakte Gemälde, eine Produktstrecke für Küchenmesser ist im Stil von Fotos an Mordschauplätzen inszeniert. Das ist so überbordend wie unübersichtlich, die Abfolge all der Rubriken wirkt willkürlich. Auch bei den Texten, nicht mehr als solide geschriebenes Beiwerk, kann noch nachgebessert werden.</p>
<p><em><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/business_punk.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1277" alt="Business Punk Cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/business_punk.jpg" width="310" height="395" /></a>Business Punk</em> dagegen funktioniert über die Inhalte. Und die handeln von Machern, von Alphatieren, die nach dem Heftmotto „Work hard – play hard“ leben. Egoismus ist für sie eine Tugend. „Ich will was erreichen, aber nicht zum Langweiler werden – dieses Lebensgefühl wollen wir authentisch rüberbringen“, so Redaktionsleiter Nikolaus Röttger von der <em>Financial Times Deutschland</em>. „Ich glaube nicht an die klassische Definition, nach der <em>work</em> immer das Böse und <em>life</em> immer das Gute ist. Es muss beides stimmen.“</p>
<p>Und entsprechend präsentiert <em>Business Punk</em> Geschichten aus beiden Welten: über den Sinn und Wahnsinn durchgearbeiteter Nächte genauso wie über Urlaub im gemieteten Tourbus. Dazu kommen Porträts von Virgin-Gründer Richard Branson oder Snowboardikone Shaun White – Business Punks eben, wobei der ständige Verweis auf den Titel ein wenig bemüht wirkt. So wie überhaupt das Konzept mitunter so leer wirkt wie der inzwischen von jeglichem subversiven Touch befreite Begriff „Punk“.</p>
<p>Neben <em>Beef!</em> und <em>Business Punk</em> startet heute außerdem <em>GalaMen</em>, morgen kommt die zweite Ausgabe des Elternhefts <em>Nido</em> an die Kioske – G+J will sich und der Branche beweisen, dass man auch bei rückläufigen Anzeigenerlösen gute, ausgefallene, mit Herzblut gestaltete Magazine am Markt etablieren kann. Bis auf <em>GalaMen</em> eint diese Magazine die Fokussierung auf Spezialthemen für Besserverdiener und der aus der <em>Neon</em> bekannte Lebensweltjournalismus – hier könnte sich eine Nische für weitere neue Projekte etablieren.</p>
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		<title>Fernsehen über Fernsehen</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 17:01:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit aktuellen Serien wie der grandiosen US-Mediensatire „30 Rock“ will der am Sonntag startende Digitalkanal ZDF Neo junge Zuschauer erreichen. (aus der taz vom 31. Oktober 2009) So konsequent haben wir die Öffentlich-Rechtlichen bei ihrem Versuch, endlich junge Zuschauer zu]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit aktuellen Serien wie der grandiosen US-Mediensatire „30 Rock“ will der am Sonntag startende Digitalkanal ZDF Neo junge Zuschauer erreichen.<span id="more-1772"></span> (aus der taz vom 31. Oktober 2009)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tinafey1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1774" alt="tinafey1" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tinafey1.jpg" width="620" height="343" /></a></p>
<p>So konsequent haben wir die Öffentlich-Rechtlichen bei ihrem Versuch, endlich junge Zuschauer zu erreichen, noch nicht erlebt. Am Sonntag wird in den ZDF-Digitalprogrammen der Dokukanal durch den neuen Sender ZDF Neo ersetzt. Und der bietet eine Privatsendern ähnliche Formatmischung: Doku-Soaps, Comedyformate, ein eigenes Musikmagazin, Dokus aus den Archiven, Spielfilme und &#8211; man staune, man staune &#8211; aktuelle englische und amerikanische Serien wie „In Plain Sight“ und „Spooks“.</p>
<p>Das Highlight im Neo-Programm ist allerdings die deutsche Erstausstrahlung von „30 Rock“ – eine grandiose Mediensatire über das Team der fiktiven NBC-Comedysendung „The Girlie Show“, die in den USA bereits in der vierten Staffel läuft. Geschrieben wurde „30 Rock“ von Tina Fey, die ihre jahrelange Erfahrung als Headwriterin von „Saturday Night Live“ verwurstete und zugleich die Hauptdarstellerin gibt.</p>
<p>Ihr Alter Ego ist die Mittdreißigerin Liz Lemon, Nerd und Workaholic, die x-beinig in Turnschuhen durchs Leben geht und abends lieber „Star Wars“ sieht, als geschminkt und aufgerüscht in Manhattans Szenebars nach Mr. Right zu suchen. Im NBC-Hauptgebäude mit der Adresse 30 Rockefeller Plaza muss Lemon ein Team aus neurotischen Schauspielern und Autoren zusammenhalten. Zudem wird ihr gleich in der ersten Folge mit Jack Donaghy (Alec Baldwin) ein neuer Chef vor die Nase gesetzt.</p>
<p>Als Abgesandter des NBC-Mutterkonzerns General Electric hat Donaghy vom Fernsehen keine Ahnung, dafür aber von Marktforschung, Product Placement und Mikrowellen. Als erste Amtshandlung schlägt Donaghy gegen den Willen des Teams den abgehalfterten afroamerikanischen Schauspieler Tracy Jordan als neuen Star der Sendung vor, denn genau wie das ZDF möchte auch der NBC-Manager neue Zielgruppen erreichen.</p>
<p>Leider ist Jordan manisch-paranoid &#8211; womit er im Team nicht weiter auffällt: vom kindlich-naiven Pagen bis zum pornosüchtigen Autor mit Trucker-Basecap besteht der bis in die Nebenrollen stark besetzte Cast aus wunderbar absurden Charakteren. Zudem scheut sich „30 Rock“ nicht vor Seitenhieben gegen seinen Haussender NBC, ist überhaupt selbstreferenziell bis zum Gehtnichtmehr, inklusive diverser Cameo-Auftritte populärer US-Mediennasen &#8211; und hat sich so seine zehn Emmys absolut verdient.</p>
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		<title>„Ich will kein Kasper der Medienwelt sein“</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Aug 2009 17:42:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie war die Stimme von „Herzblatt“. Heute spricht Susi Müller in Werbung, TV-Beiträgen, Navigationssystemen – und veröffentlicht Hörbücher im Selbstverlag. (aus der taz vom 8. August 2009) „Ich war immer lieber im Off, im Hintergrund.“ Sagt Susanna Müller. Und als Stimme]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Sie war die Stimme von „Herzblatt“. Heute spricht Susi Müller in Werbung, TV-Beiträgen, Navigationssystemen – und veröffentlicht Hörbücher im Selbstverlag.<span id="more-1788"></span> (aus der taz vom 8. August 2009)</h3>
<p>„Ich war immer lieber im Off, im Hintergrund.“ Sagt Susanna Müller. Und als Stimme aus dem Off wurde sie auch berühmt: Sie war die Kandidatenvorstellerin Susi bei „Herzblatt“, die mit dem „Jetzt musst du dich entscheiden …“-Satz und dem samtig-verruchten Schlafzimmertimbre.</p>
<p>Rudi Carrell persönlich hatte Susi Müller, die damals beim SWF als Radiomoderatorin arbeitete, 1987 zu „Herzblatt“ geholt. Die Kuppelshow war ein Longseller der Vorabendunterhaltung: 19 Jahre, 7 Moderatoren – Müller war die ganze Zeit dabei. Als ihren Lieblings-„Herzblatt“-Moderator nennt sie Carrell, der auch Patenonkel ihres Sohns war: „Für mich war er der hundertprozentige Entertainer. Er hat sich nicht so in Szene gesetzt wie die meisten Moderatoren heute.“</p>
<p>Ihr selbst blieb eine große Karriere verwehrt – wobei Müller, inzwischen 46, zugibt, sich selbst ein wenig ausgebremst zu haben: „Manche Angebote habe ich mir nicht zugetraut. Eigentlich bin ich etwas zu brav fürs Fernsehen.“ Bereut hat sie ihren Weg nicht: „Ich wollte nie so ein Kasper der Medienwelt werden.“ Dazu kam, dass sie ihrem Sohn zuliebe nicht aus Hamburg wegziehen wollte, wo sie seit 1990 lebt.</p>
<p>2005 wurde „Herzblatt“ ins BR-Regionalfernsehen abgeschoben, 2006 war ganz Schluss. Vorerst, prophezeit Susi Müller: „Ich denke, das liegt nur auf Eis. Singles wird es leider immer geben.“ Bis es so weit ist, vertont Müller Magazinbeiträge und Trailer, moderiert Veranstaltungen, arbeitet als Radio-Gastmoderatorin, spricht Werbespots und Ansagetexte für Telefonanlagen und Navigationsgeräte. Außerdem moderiert sie die aktuell laufenden „Herzblatt“-Best-of-Folgen (freitags, 23.30 Uhr, BR) – und kümmert sich um ihren eigenen kleinen Hörbuchverlag.</p>
<p>Zu dem kam sie 2005, über eine Moderationsanfrage der Messe AudioBooksCologne, statt eines Honorars versprach man Müller einen Messestand. Also gründete sie in nur drei Wochen die „Edition Susi the Voice“, ein Familienunternehmen, ihre Mutter und ihre Schwester helfen bis heute mit. Die Verkäufe sind zwar nicht umwerfend hoch, aber konstant.</p>
<p>Bisher gab es genau drei Veröffentlichungen: eine Coco-Chanel-Biografie, Schnitzlers „Traumnovelle“ und die „Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen. „Da wusste ich erst gar nicht, wie brutal das Märchen ist“, sagt Müller. „Ich habe die Stellen dann einfach rausgelassen. Statt ,Zunge rausschneiden&#8217; steht dort jetzt ,ihre Stimme schenken&#8217;.“ Um sich nicht mehr mit Urheberrechtsfragen rumärgern zu müssen, schreibt Müller momentan an einer Kinder- und einer Liebesgeschichte und arbeitet an einer Meditations-CD-Reihe.</p>
<p>Im Herbst versucht sich Müller mal wieder als Kupplerin. In München plant sie einen Flirtbrunch. „Im privaten Leben habe ich schon oft Leute verkuppelt“, sagt sie. „Ich glaube, da habe ich ein gutes Einfühlungsvermögen – und außerdem ist alles, was ich mache, mit Herz.“</p>
<p><em>Dieser Text ist Teil der damaligen Serie <a href="http://michaelbrake.de/tag/lost-found/">„Lost &amp; Found“</a> auf der taz-Medienseite, ein „Was macht eigentlich…“-Format.</em></p>
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		<title>Ausgeruht ab August</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 11:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Weniger Arbeit, weniger Lohn, aber vorerst keine Entlassungen: Wegen Anzeigenschwund führt der Jahreszeiten Verlag die Viereinhalbtagewoche ein. (aus der taz vom 31. Juli 2009) Der August steht vor der Tür, die Tage werden wieder kürzer – und das ganz besonders]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Weniger Arbeit, weniger Lohn, aber vorerst keine Entlassungen: Wegen Anzeigenschwund führt der Jahreszeiten Verlag die Viereinhalbtagewoche ein.<span id="more-1770"></span> (aus der taz vom 31. Juli 2009)</h3>
<p>Der August steht vor der Tür, die Tage werden wieder kürzer – und das ganz besonders im Jahreszeiten Verlag (Jalag). Geschäftsführung und Betriebsrat des Jalag (u. a. <i>Für Sie</i>, <i>Merian</i>, <i>Prinz)</i> verständigten sich am Mittwoch auf die Einführung von Kurzarbeit vom 1. August bis zum Jahresende. Die Bundesagentur für Arbeit muss der Kurzarbeit noch zustimmen, wovon aber ausgegangen werden kann.</p>
<p>Alle Beschäftigten, auch die Geschäftsführung, müssen auf rund 10 Prozent ihrer Bezüge verzichten und sollen dafür alle zwei Wochen einen Arbeitstag zu Hause bleiben dürfen – eine Viereinhalbtagewoche gewissermaßen. Nur der Anzeigenaußendienst arbeitet weiter voll. Kein Wunder: Es sind vor allem die Rückgänge der Werbeerlöse – man rechnet beim Jalag für 2009 mit einem Rückgang von 12 bis 18 Prozent gegenüber 2008 –, die zur Kurzarbeit geführt haben.</p>
<p>Der Jalag-Betriebsratsvorsitzende René Bickel zeigte sich „im Rahmen der Möglichkeiten zufrieden mit der Vereinbarung“. Er sprach gegenüber der taz von fairen, sauberen und zügigen Verhandlungen. Der erste Vorschlag der Geschäftsführung, drei Monate lang auf 20 Prozent der Gehälter zu verzichten, wurde nicht umgesetzt. „20 Prozent wären von den Einschnitten für einige Kollegen sehr hart gewesen“, sagte Bickel. Zusätzlich wurde ausgehandelt, dass keine Kündigungen ausgesprochen werden dürfen – zumindest bis zum 15. Januar. „Wenn jemand weiß, wie es im Januar und Februar weitergeht, ist er ein Hellseher“, so Bickel, der davon ausgeht, dass die Mitarbeiter die Regelung akzeptieren: „Bisher ist jedenfalls keiner zu uns runtergekommen und hat sich beschwert.“</p>
<p>Auch Jalag-Geschäftsführer<i> </i>Joachim Herbst lobte die konstruktive Gesprächsatmosphäre. Wie es nach den fünf Monaten weitergeht, vermochte er nicht zu sagen: „In der jetzigen Situation die Erwartungen für den Januar 2010 zu prognostizieren ist zu unsicher. Aber wir nutzen die Zeit, um uns auf mögliche Alternativen für ,die Zeit danach&#8217; einzustellen.“</p>
<h6>Chefredakteure unterstützen den Kurzarbeit-Kurs</h6>
<p>Auf die Frage, wie sich die Arbeitszeitverkürzungen auf die konkreten Heftproduktionen auswirken, gab Herbst keine klare Antwort – dies sei Sache der Chefredakteure, von denen die Kurzarbeit voll unterstützt werde. „Unsere Redaktionen werden von kreativen Ideen getragen, insofern ist hier eine einheitliche Verordnung zur Reduzierung nicht möglich“, sagte Herbst. Man wird sehen, wie diese kreativen Ideen aussehen und ob sie über die drei naheliegendsten Möglichkeiten – Heftumfang verringern, Recherchezeit runterfahren oder unbezahlte Überstunden – hinausgehen.</p>
<p>Die Frage nach der konkreten Umsetzung beschäftigt auch die Gewerkschaft Ver.di: „Da sehe ich erhebliche Fragezeichen“, sagte Matthias von Fintel, Tarifsekretär für den Bereich Medien. „Unsere Erfahrung ist, dass in vielen Verlagen durch den bereits erfolgten Personalabbau jeder Einzelne derzeit eher mehr als weniger arbeitet. Wir werden uns genau angucken, ob die Kurzarbeit beim Jalag korrekt abläuft“, auch wenn er keine unsaubere Umsetzung unterstellen wolle.</p>
<p>Als kurzfristige Lösung wertete von Fintel die Vereinbarung und vor allem die Beschäftigungssicherungsvereinbarung bis Mitte Januar jedenfalls als positiv: „Dass es keine Kündigungen gibt, ist sehr erfreulich, auch wenn Beschäftigungssicherungsvereinbarungen normalerweise über längere Zeiträume geschlossen werden.“</p>
<h6>Türöffner für andere Verlage</h6>
<p>Eva Werner, stellvertretende Pressesprecherin des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), sieht in Arbeitszeit- oder Stellenkürzungen grundsätzlich ein Problem für die Qualität von Zeitungen, aber: „Fakt ist, dass die Medien gerade in einer problematischen Phase sind“, so Werner. „Wenn alle anderen Möglichkeiten geprüft wurden und die Kurzarbeit geeignet ist, Arbeitsplatzabbau zu verhindern, dann, aber erst dann kann sie kurzfristig eingesetzt werden.“</p>
<p>Es wird sich zeigen, ob der Jalag-Vorstoß nun auch für andere Verlage ein Türöffner ist, Kurzarbeit einzuführen. Auch bei Gruner + Jahr ist Kurzarbeit laut Medienberichten im Gespräch, bisher gibt es aber noch keine konkreten Entwicklungen.</p>
<p>Bei der Axel-Springer-Tochter Financial Media (<i>Euro am Sonntag) </i>endet hingegen heute eine viermonatige Kurzarbeitsphase. „Angesichts der weiterhin anhaltenden Konjunkturkrise kann eine Fortsetzung der Kurzarbeit keine Lösung sein“, sagte Springer-Sprecher Christian Garrels dem <i>Tagesspiegel</i> und kündigte an, dass Betriebsrat und Management alternative Lösungsmodelle sondieren.</p>
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		<title>„Wir waren einen Tick zu früh“</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 17:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei NBC Giga prägte Christoph Rieth eine jugendkompatible Politiksendung – die ARD und ZDF nicht wollten. Heute organisiert er fürs Erste den Olympia-Auftritt im Netz. (aus der taz vom 25. Juli 2009) Sein Arbeitsplatz ist die Schnittstelle. Am Übergang des Frontalmassenmediums]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bei NBC Giga prägte Christoph Rieth eine jugendkompatible Politiksendung – die ARD und ZDF nicht wollten. Heute organisiert er fürs Erste den Olympia-Auftritt im Netz. <span id="more-1782"></span>(aus der taz vom 25. Juli 2009)</h3>
<p>Sein Arbeitsplatz ist die Schnittstelle. Am Übergang des Frontalmassenmediums Fernsehens und den partizipativen Möglichkeiten des Internets. Das war schon 2004 so, als Christoph Rieth, heute 33, Moderator und Redaktionsleiter bei „Giga Real“ wurde. Beim mittlerweile eingestellten NBC-Tochtersender Giga produzierte er täglich ein einstündiges politisches Format, das von einer Generation, die gemeinhin als unpolitisch abgestempelt wird, dankbar aufgenommen wurde. Und das natürlich zielgruppengerecht interaktiv war: „Die Zuschauer konnten auf allen Kanälen mitmachen. Skype, Mail oder auch einfach im Studio vorbeikommen“, sagt Rieth.</p>
<p>Im Frühjahr 2006 war dann Schluss für „Giga Real“. Rieth und sein Team hatten damals fest damit gerechnet, bei den Öffentlich-Rechtlichen zu landen. Aber die Verhandlungen verliefen im Sande. „Ich glaube inzwischen: Wir waren einen Tick zu früh“, sagt Rieth rückblickend. „Die ziehen alle erst jetzt mit interaktiven Elementen nach, wie Maybrit Illner.“</p>
<p>Nach einem zweijährigen Zwischenspiel als Redaktionsleiter und Co-Moderator beim Politiktalk „Busch@n-tv.de“, wo er „sowas wie der Manuel Andrack war, ich habe die Community in die Sendung gebracht“, klappte es dann mit den Öffentlich-Rechtlichen – natürlich wieder an der Schnittstelle. Seit 2008 ist Rieth Projektleiter des ARD-Onlineauftritts für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver.</p>
<p>In drei Jahren vom Ausprobiersender Giga in den Apparat ARD. Ein Kulturschock? „Sie ist schon einfach riesig, diese ARD“, sagt Rieth. „Aber ich finde das eine tolle Herausforderung, man muss viele Dinge ganz anders denken.“ Außerdem sei die ARD online bei weitem nicht so verstaubt, wie viele denken.</p>
<p>Was nicht heißt, das alles super ist: „Dieser 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag“ – der aus Wettbewerbsgründen Beschränkungen der öffentlich-rechtlichen Onlineauftritte vorsieht – „blockiert uns gerade. Da bauen wir das weltweit größte Archiv zu den Olympischen Spielen auf und ich darf die Beiträge nur 24 Stunden zeigen.“</p>
<p>Was Christoph Rieth nach Vancouver macht, weiß er noch nicht. „Der Job macht mir Riesenspaß, weil ich sportbegeistert bin“, sagt er. „Aber ich vermisse die Politik schon ein wenig.“ Moderieren wird er aber wohl nicht mehr. „Das ist auf Dauer nicht mein Weg. Dafür bin ich nicht kamerageil genug.“</p>
<p><em>Dieser Text ist Teil der damaligen Serie <a href="http://michaelbrake.de/tag/lost-found/">„Lost &amp; Found“</a> auf der taz-Medienseite, ein „Was macht eigentlich…“-Format.</em></p>
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		<title>Konventionelle Unkonventionalität</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 22:54:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit „Aufstieg und Fall“ wagen Berliner Studenten den Sprung auf den Zeitungsmarkt. Die Textqualität ist schwankend, grafisch wurde saubere Arbeit abgeliefert. (aus der taz vom 8. Juli 2009) Antizyklisch solle man handeln, heißt es ja immer. Sprich: mitten in der Zeitungskrise mit]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit „Aufstieg und Fall“ wagen Berliner Studenten den Sprung auf den Zeitungsmarkt. Die Textqualität ist schwankend, grafisch wurde saubere Arbeit abgeliefert.<span id="more-1878"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!37196/" target="_blank">taz</a> vom 8. Juli 2009)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/aufstiegundfall.jpg"><img class="size-full wp-image-1881 aligncenter" alt="aufstiegundfall" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/aufstiegundfall.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Antizyklisch solle man handeln, heißt es ja immer. Sprich: mitten in der Zeitungskrise mit wöchentlichen Todesmeldungen einfach mal ein neues Magazin mit einer 10.000er-Auflage deutschlandweit an die Kioske zu bringen. Gewagt hat das allerdings kein Verlag, sondern ein studentischer Verein aus dem Umfeld der Universität der Künste Berlin. Eine kostenlose Studentenzeitung hatte man schon länger herausgegeben, im Sommer 2008 überlegte man sich, dass es auch ein paar Nummern größer sein darf.</p>
<p>Das Ergebnis heißt <i>Aufstieg und Fall</i> (5,80 Euro) und ordnet sich in das wachsende Segment der unabhängigen Kultur- und Gesellschaftsmagazine ein, zu dem unter anderem auch <i>Dummy</i>, <i>Liebling</i> und <i>Cargo</i> gehören.</p>
<p>Im Heft herrscht konventionelle Unkonventionalität, eine Mischung aus abseitigen Themen und Bildstrecken, alles ist ziemlich Berlin, kunsthochschulig und artsy-fartsy. Mit zehn Texten – zwei davon auf Englisch – auf rund 100 Seiten ist alles eher übersichtlich angeordnet. Alibi-Rubriken und Servicethemen wurden konsequent ausgespart.</p>
<h6>Kühle Bildsprache</h6>
<p>Oberthema ist der Zeitungsname: Aufstieg und Fall. Daraus kann man ja so ziemlich alles machen, konkret ist das dann: Hochschlafen im Büro, ein Interview mit einem Trendscout, die Geschichte des Riesenbetrugs von Bernie Madoff, eine Strecke mit Häppcheninfos zu Flugzeugabstürzen, die sieben Leben einer Katze in Form von Minigeschichten, ein intelligenter Bogenschlag von Michael Jacksons Selbstinszenierung zu den Pharaonen. So was halt.</p>
<p>Die Textqualität ist schwankend, grafisch wurde hingegen saubere Arbeit abgeliefert: eine kühle, roughe, teils opulente Bildsprache, die vom nicht hochglänzenden Papier zusätzlich unterstützt wird.</p>
<p>Die ersten Rückmeldungen vom Vertrieb sind positiv, an manchen Kiosken ist <i>Aufstieg und Fall</i> bereits ausverkauft. Klingt wie ein publizistisches Märchen, das aber einen Haken hat: alle Beteiligten mussten ehrenamtlich arbeiten, damit es funktioniert. &#8220;Wir müssen noch kein Kind ernähren und kein Haus finanzieren und können das jetzt machen&#8221;, sagt Sandra Broschat, eine der drei Projektleiterinnen. Autoren konnte man über studentische Verteiler und private Kontakte gewinnen, mit Ariadne von Schirach ist ein prominenter Name dabei.</p>
<h6>Einmaliger Studentenbonus</h6>
<p>Zudem habe man „vom Studentenbonus, durch den wir bei Druckereien und Papierhersteller Freundschaftspreise bekommen haben“, profitiert. Aber der sei jetzt weg. Für die kommenden Ausgaben wird der Anzeigenpreis daher vom bisherigen Dumpingpreis von 1.000 Euro für eine Seite verfünffacht. Es wird sich zeigen, ob man dann immer noch auf rund 20 Prozent verkaufte Anzeigenseiten kommt.</p>
<p>Magazine wie Aufstieg und Fall sind für den Printjournalismus Segen und Fluch zugleich: So toll es einerseits ist, dass ein Magazin mit viel Herzblut und der puren Lust des Blattmachens wegen produziert wird und dann auch noch gelungen ist – so gefährlich ist andererseits, wenn im gegenseitigen Unterbietungswettbewerb der Eindruck entsteht, neue Magazine könne man nur noch komplett honorarfrei auf den Markt bringen.</p>
<p>Da kann man nur hoffen, dass dem Team von Aufstieg und Fall die Synthese gelingt und es sein Ziel – professionelle Strukturen und wirtschaftliches Arbeiten – erreicht. Im Oktober soll das zweite Heft folgen.</p>
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		<title>Händchen für Tabuthemen</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jul 2009 17:18:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mo Asumang war als Erotikmoderatorin abgestempelt, ihre TV-Karriere in einer Sackgasse. Bis sie sich nach einem Schockerlebnis neu erfand. (aus der taz vom 4. Juli 2009) Nein, Angst hat sie keine mehr. „Die Angst hat sich in Neugierde verwandelt“, sagt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mo Asumang war als Erotikmoderatorin abgestempelt, ihre TV-Karriere in einer Sackgasse. Bis sie sich nach einem Schockerlebnis neu erfand.<span id="more-1780"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Mo-Asumangs-zweite-Fernsehkarriere/!37024/" target="_blank">taz</a> vom 4. Juli 2009)</h3>
<p>Nein, Angst hat sie keine mehr. „Die Angst hat sich in Neugierde verwandelt“, sagt Mo Asumang. Dabei hatte sie allen Grund, Angst zu haben: 2003 wurde sie im Songtext einer Neonaziband mit dem Tod bedroht.</p>
<p>Ein Schock, den die 46-Jährige auf ihre Weise verarbeitete: Mit „Roots Germania“ drehte sie ihren ersten Dokumentarfilm. „Naiv, wie ich bin, dachte ich, ich schaffe das in einem halben Jahr“, sagt sie. Stattdessen waren es vier. Der Film, in dem Asumang sich auf die Suche nach ihrer afrodeutschen Identität begibt, die direkte Konfrontation mit Neonazis sucht und bis nach Ghana reist, war 2008 für den Grimme-Preis nominiert.</p>
<p>Eine zweite Fernsehkarriere, die man so nicht unbedingt erwarten konnte. Die erste begann 1997, als Asumang die Moderation von „LiebeSünde“ auf Pro7 übernahm. Es war die große Zeit der Erotikmagazine im deutschen Fernsehen – und während „Wa(h)re Liebe“ die Anmutung eines Swingerclubs für Mittvierziger hatte und „Peep!“ die eines Seite-1-Girls, war „LiebeSünde“ ein gediegen-verruchter Club und auch vergleichsweise journalistisch. Asumang sieht durchaus Parallelen zwischen ihren beiden Karrieren: „Rassismus und Sex sind beides Tabuthemen. Ich glaube, dafür hab ich ein Händchen.“</p>
<p>Als „LiebeSünde“ 2000 eingestellt wurde, war ihre Fernsehkarriere in eine Sackgasse geraten. „Ich hätte gerne weitergemacht“, sagt Asumang. „Aber leider hatte ich drei Buchstaben auf der Stirn stehen: S, E und X.“ Also kümmerte sie sich um ihre Lounge in Berlin, der Stadt, in der sie heute noch lebt.</p>
<p>Bis 2003 der Bruch kam. „&#8217;Roots Germania&#8217; ist mehr als ein Film, sondern ein neuer Lebensentwurf“, sagt Asumang. Derzeit reist sie mit der Roots-Germania-Schultour durch Deutschland, vor allem durch den Osten, Mittwoch war sie in Chemnitz, Donnerstag in Cottbus. Wenn sie in den Klassen Neonazis sieht, setzt sie sich gleich daneben. „Nazis raus! zu brüllen ist 2009 nicht mehr relevant.“ Bei „LiebeSünde“ habe sie sehr viel Geld verdient, sagt Mo Asumang: „Jetzt mache ich was für meine Seele.“</p>
<p><em>Dieser Text ist Teil der damaligen Serie <a href="http://michaelbrake.de/tag/lost-found/">„Lost &amp; Found“</a> auf der taz-Medienseite, ein „Was macht eigentlich…“-Format.</em></p>
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		<title>Keine Bärchenfressen</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2009 16:56:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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		<description><![CDATA[Lebensgefühl statt Wickeltipps: Mit seinem neuen Hochglanzmagazin Nido will Gruner+Jahr die Zielgruppe der jungen urbanen Eltern erobern und ihnen beim Nestbau assistieren. (aus der taz vom 17. April 2009) „Eltern – das sind seltsame Menschen, die nicht mehr zurückrufen und]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Lebensgefühl statt Wickeltipps: Mit seinem neuen Hochglanzmagazin <em>Nido</em> will Gruner+Jahr die Zielgruppe der jungen urbanen Eltern erobern und ihnen beim Nestbau assistieren.<span id="more-1294"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Neues-Magazin-Nido/!33409/" target="_blank">taz</a> vom 17. April 2009)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zoom_NIDO_cover_01.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1297" alt="zoom_NIDO_cover_01" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zoom_NIDO_cover_01.jpg" width="310" height="410" /></a>„Eltern – das sind seltsame Menschen, die nicht mehr zurückrufen und ungefragt Geschichten erzählen, die nur mäßig interessieren.“ Sagt Timm Klotzek, 36, einer der beiden Chefredakteure der Neon. Der Mann ist selbst seit einigen Jahren Vater, er darf das also. Und außerdem hat er sich in letzter Zeit recht ausgiebig mit dem Elterndasein beschäftigt. Für sein neues Projekt, dem er ebenfalls als Chefredakteur vorsteht: <em>Nido</em>. Ein Hochglanzmagazin für junge Eltern, das heute erstmals erscheint &#8211; zunächst als Einzelausgabe, für 3,90 Euro.</p>
<p>Moment, Hochglanzmagazin, junge Eltern? War da nicht was? Genau: Erst im Herbst versuchte sich der Süddeutsche Verlag mit dem eher lieblos konzipierten Lifestylemagazin <em>Wir. </em>Nach einer Ausgabe war wegen schwacher Verkaufszahlen auch schon wieder Schluss. Klotzek möchte sich zum <em>Wir</em>-Debakel nicht äußern, gibt sich für <em>Nido </em>aber auch bei schwieriger Marktlage trotzig-zuversichtlich. Als einziger Gruner+Jahr-Neustart 2009 ist <em>Nido</em> ein Hoffnungsträger. 24 Anzeigenseiten habe man verkauft, von der Startauflage von 200.000 Heften soll mindestens ein Drittel verkauft werden.</p>
<p>Die angepeilte Zielgruppe klingt aber auch wirklich verlockend: Junge Eltern mit überdurchschnittlicher Bildung und entsprechendem Einkommen. Sie leben in Vierteln wie Berlin-Prenzlauer Berg und sind gerne bereit, ihren kleinen Kindern, die vermutlich Maximilian und Lena-Karlinda heißen, nur das Allerbeste zu bieten. Es ist die Zeit des Nestbaus – <em>Nido</em> ist das spanische Wort für Nest &#8211; also kauft man eine große neue Küche, das gute Holzspielzeug, Biolammfleisch und eben auch „wertige“ Zeitschriften.</p>
<h6>Elternzentriert, nicht kindzentriert</h6>
<p>Erreichen will man diese neuen Eltern mit dem in der <em>Neon</em> sattsam erprobten Prinzip des &#8220;Lebensgefühl-Journalismus&#8221;. Das Heft sei „elternzentriert, nicht kindzentriert“, sagt Klotzek, für Menschen, die als Elternteil auch Mensch bleiben wollen. Inhaltlich und gestalterisch verhält sich <em>Nido</em> also zum altehrwürdigen und ebenfalls bei Gruner+Jahr laufenden Titel <em>Eltern</em> wie die <em>brand eins</em> zum <em>Manager Magazin</em> oder die <em>11 Freunde</em> zum <em>Kicker</em>. Ratgeberjournalismus mit Wickeltipps, Gesundheitsberatung und Breirezepten sucht man vergebens.</p>
<p>Stattdessen gibt es viele schöne Geschichten, für die es in der deutschen Zeitschriftenlandschaft bisher kein richtiges Zuhause gab: das Protokoll einer Weltreise mit zwei kleinen Kindern, eine Reportage über kollektive Kindererziehung in einem Dorf in Ghana, ein Interview mit Daniel Cohn-Bendit über antiautoritäre Erziehung und seine Zeit als Erzieher in einem Kinderladen, der schwere Weg eines Paares, das in Kolumbien einen Jungen adoptieren wollte, oder eine Bildstrecke mit Kindern aus aller Welt, die ihr Spielzeug erklären<em>.</em> Neben fünf festen Redaktionsmitgliedern wurden auch Autoren wie Moritz von Uslar, Hans-Ulrich Jörges und Gerhard Polt gewonnen. Drumherum verteilen sich ein paar dann doch ratgeberhafte Erklärstücke, etwa über Risikolebensversicherungen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zwei Laberrhabarberkolumnen und das unvermeidliche Thema „Guter Sex trotz kleiner Kinder“.</p>
<h6>Und noch ne Fotostrecke</h6>
<p>Vieles ist allerdings auch eher willkürlich, besonders auf den wimmeligen Auftaktseiten der fünf Ressorts (Gesellschaft, Psychologie, Reise &amp; Kochen, Wirtschaft &amp; Geld, Mode &amp; Produkte). Wer braucht schon noch den Tipp, mal die Stromanbieter zu vergleichen? Vor allem nach hinten raus franst das Heft arg aus: Da kommt dann noch die vierte, fünfte, sechste Fotostrecke, einige Produkttests und der „Kulturteil“ mit Nora-Tschirner-Interview und ein paar Rezensionen, der genau so auch in einem besseren Stadtmagazin stehen könnte.</p>
<p>Aber vielleicht sind die Inhalte eh nicht so wichtig – denn die Verpackung stimmt: eine glasklare und trotzdem prägnante Typografie, aufgeräumte Grafiken, Mut zum Weißraum und hochwertige eigenproduzierte Fotos. So möchte man die Eltern erreichen, die, wie Klotzek sagt, „genervt davon sind, den ganzen Tag Dinge mit Bärchenfressen und Knubbelnasen-Halbmonden drauf“ anzuschauen. Könnte klappen.</p>
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		<title>Dabei sein ist alles</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Oct 2007 15:27:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ARD hat den angestaubten Videotext digitalisiert. Als ARD Text Mobil ist er nun auch auf dem Handy abrufbar – warum auch immer. (veröffentlicht auf taz.de) Die ARD will dabei sein. Im Netz. In den neuen Medien. Und dem ganzen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Die ARD hat den angestaubten Videotext digitalisiert. Als ARD Text Mobil ist er nun auch auf dem Handy abrufbar – warum auch immer. <span id="more-583"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://www.taz.de/Videotext/!5564/" target="_blank">taz.de</a>)</strong></h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-584" title="ard_text" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/ard_text.jpg" alt="" width="618" height="111" /></p>
<p>Die ARD will dabei sein. Im Netz. In den neuen Medien. Und dem ganzen Rest. Zwar ist rechtlich noch nicht abschließend geklärt, inwiefern sich der Grundversorgungsauftrag auch auf das Internet übertragen lässt und ab welchem Punkt gebührenfinanzierte Angebote den Markt für private Konkurrenten kaputt machen – aber das hält das Erste nicht von seinen Expansionsplänen ab.</p>
<p>So sieht die im Juni vorgestellte Digitalstrategie der ARD unter anderem eine Internet-Mediathek nach dem Vorbild der BBC und des ZDF vor, in der man das ARD-Programm der letzten sieben Tage abrufen kann. Seit Mitte Juli wird auch eine 100-Sekunden-Version der Tagesschau als Handy-Download angeboten.</p>
<p>Das ist so weit auch nachvollziehbar. Immerhin geht es darum, auch mal wieder jüngere Mediennutzer zu erreichen und ganz allgemein nicht den Anschluss zu verlieren. Aber dann ist da noch der <a href="http://www.ard-text.de/mobil/100" target="_blank">ARD Text Mobil</a>.</p>
<p>Vorgestellt wurde der Dienst vor einem Monat bei der IFA. Der Start erfolgte sofort im Anschluss, ganz unspektakulär: Wer ein internetfähiges Handy besitzt, kann sich den ARD-Videotext direkt auf sein Telefon laden. Nicht den gesamten freilich, nur ausgewählte Seiten mit Nachrichten, Sportergebnissen und anderen Bereichen des ARD-Programms – aber was braucht der mobile Mensch schon mehr?</p>
<p>Nichts. Oder höchstens eins: Die Antwort, was dieser Dienst jetzt, Ende 2007, noch soll. Als der Videotext in den Siebzigern entwickelt wurde, war der permanente Zugriff auf laufend aktualisierte Nachrichten tatsächlich konkurrenzlos, und das für viele Jahre. Doch irgendwann, und das ist nun schon ein bisschen her, kam das Internet. Wenig später war es dann sogar schnell, billig und benutzerfreundlich.</p>
<p>Mittlerweile ist Internet auch auf Handys eine Selbstverständlichkeit. Aktuell geht es vor allem darum, das Internet in seiner ganzen Multimedia-Pracht auf die mobilen Endgeräte zu bekommen. Das iPhone hat hierbei gezeigt, was möglich ist, Nachahmer werden dies in absehbarer Zeit auch billiger bewerkstelligen.</p>
<p>Der ARD Text Mobil ist da ein nachgerade skurriler Looping. Eine minimal aufgemotzte Emulation eines fast 30 Jahre alten Dienstes dürfte Nostalgiker begeistern, eine Positionierung für die Zukunft sieht anders aus. Die ARD selbst hat mit ihrer 100-Sekunden-Tagesschau gezeigt, wie man es machen kann.</p>
<p>Und so wird man den Verdacht nicht los, dass bei der ARD momentan einfach alles digital gemacht wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Sinnvoll oder nicht – egal, Hauptsache, man ist dabei.</p>
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