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	<title>Michael Brake &#187; Magazin</title>
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		<title>￼Unser täglich Gras gib uns heute</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jun 2016 15:35:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anderswo]]></category>
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		<description><![CDATA[Gott will, dass wir nur allerbestes Marihuana verkaufen. Mit diesem Motto sind die heiligen Schwestern von Merced in den Unternehmerhimmel aufgestiegen. (erschienen in Dummy Nr. 51 &#8220;Geschwister&#8221;, Sommer 2016) Am vierten Tag des Mondzyklus ist die Pistole von Sister Kate]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Gott will, dass wir nur allerbestes Marihuana verkaufen. Mit diesem Motto sind die heiligen Schwestern von Merced in den Unternehmerhimmel aufgestiegen.<span id="more-2010"></span> (erschienen in Dummy Nr. 51 &#8220;Geschwister&#8221;, Sommer 2016)</h3>
<p>Am vierten Tag des Mondzyklus ist die Pistole von Sister Kate plötzlich weg. Sie muss gestohlen worden sein, schon vor einigen Wochen, aber es war bisher niemandem aufgefallen. Die Waffe ist registriert, der Sheriff wird informiert. Er kommt sofort.</p>
<p>Und da steht er nun mit Glatze, Sonnenbrille und schusssicherer Weste in diesem herrlich verwilderten Garten irgendwo im kalifornischen Frühling und redet mit Sister Kate, einer kleinen Frau in einem fliederfarben-weißen Nonnenhabit. Ein kleiner pudeliger Hund wuselt zwischen ihren Beinen umher, es riecht nach Lehmboden, Vögel zwitschern, und zwischen Pappeln und Palmen wachsen in Kuhlen auf dem Rasen zwölf kleine Hanfpflanzen.</p>
<p>Im Raum hinter der Verandatür sitzt Sister Darcy, ebenfalls wie eine Nonne gekleidet, am Computer. Daneben machen zwei Frauen Medizin versandfertig, kleben Etikett um Etikett auf die Gläser mit der Heilsalbe, die zum größten Teil aus Kokosöl und Cannabis besteht, das große Glas für 95 Dollar.</p>
<p>Sister Kate ist die Äbtissin und Sister Darcy die Priorin der „Sisters of the Valley“. Sie sind Feministinnen und Bernie-Sanders-Anhängerinnen, sie folgen den sechs Gelöbnissen und leben gemeinsam in ihrer Abtei, einem eingeschossigen Haus auf einem kleinen Anwesen im kalifornischen Central Valley. Katholisch sind sie nicht. Ihre Botschaft senden sie mit dem Paketservice in alle Welt: Salben und Tinkturen aus Cannabisextrakten. 60.000 Dollar haben sie damit 2015 umgesetzt, im ersten Quartal 2016 war es bereits genauso viel, weil die Geschichte mit den grasanbauenden Nonnen so gut in den Medien funktioniert.</p>
<h6>Männer dürfen nur zugucken</h6>
<p>Begonnen hatten sie den Mondzyklus wie immer mit einer Zeremonie: Frauen aus der Nachbarschaft waren in der Neumondnacht zu ihnen gekommen, es wurde gebetet, gesungen, gelesen, den Göttinnen gedankt, anschließend gab es ein veganes Buffet. Männer durften auch dabei sein, aber nur zugucken. Auch an der Medizinherstellung, die nur bis zum Vollmond erlaubt ist, sind ausschließlich Frauen beteiligt. So sehen es die Traditionen vor.</p>
<p>Vor zehn Jahren war Sister Kate noch die Unternehmensberaterin Christine Meeusen. Sie lebte mit Mann und Kindern in Amsterdam, stand politisch eher den Republikanern nahe und leitete ihre eigene kleine Agentur. Ihr Spezialgebiet: Deregulierungsprozesse, damals etwa auf dem Telekommunikationsmarkt. Es lief gut, bis sie dahinterkam, dass ihr Mann hinter ihrem Rücken den gesparten Wohlstand in einem Geflecht von Bankkonten versteckt hatte.</p>
<p>Pleite und geschieden kehrt Christine Meeusen 2007 zurück in die USA. Nicht nach Wisconsin, wo sie 1959 geboren wurde, sondern nach Merced, zu ihrem Bruder. Merced liegt im Central Valley, dank Bewässerungsanlagen und 250 Sonnentagen im Jahr ist es der Obstgarten der Nation, hier wachsen Mandeln und Pfirsiche, Wein und auch Hanf.</p>
<div class="column">
<p>1996 war Kalifornien der erste US-Bundesstaat, der den Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke legalisierte, bei einer Volksabstimmung entschieden sich 56 Prozent der Kalifornier für die Freigabe unter Auflagen. Inzwischen haben 23 Bundesstaaten nachgezogen, wobei Colorado, Oregon und Washington sogar noch weiter gehen und auch die nichtmedizinische Nutzung teilweise entkriminalisiert haben.</p>
<h6>Der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig der USA</h6>
<p>Hier entsteht gerade eine Riesenindustrie, es ist der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig der USA. 2,7 Milliarden Dollar wurden 2015 umgesetzt – allein in Kalifornien. Bis 2020 soll sich der Umsatz verdoppeln. Prominente wie Snoop Dogg interessieren sich für den Markt genau wie Selfmade-Millionäre aus dem Silicon Valley.</p>
<p>Das kapiert Christine Meeusen schon 2008: „Ich hab zwar von Landwirtschaft keine Ahnung und kann nicht einmal eine Hauspflanze am Leben erhalten“, sagt sie rückblickend. „Aber mit deregulierten Märkten kenne ich mich aus. Und diesen konnte ich eine Meile gegen den Wind riechen.“ Gemeinsam mit ihrem Bruder steigt sie damals in den therapeutischen Hanfanbau ein, zunächst für gemeinnützige Zwecke.</p>
<p>Und dann kommt Occupy. Meeusen, die sich seit ihrer Rückkehr politisch deutlich nach links bewegt hat, steigt voll ein in die Bewegung der 99 Prozent. Als im Herbst 2011 die Meldung die Runde macht, der republikanisch dominierte Senat habe Pizza als Gemüse definiert, um die Ernährungsstatistik an Schulen zu verbessern, sagt sie: „Wenn Pizza ein Gemüse ist, dann kann ich auch eine Nonne sein.“</p>
<p>Auf Demonstrationen erscheint sie ab sofort in einem Nonnenkostüm. Schnell wird sie als Sister Occupy bekannt. Andere Frauen fragen sie, ob sie Teil ihres Ordens werden können. Native Americans laden sie zu einer Zeremonie auf einem heiligen Berg ein. Jedes Mal weist sie darauf hin, dass sie nicht katholisch sei, doch jedes Mal ist das den Leuten egal. Eine Idee wächst in Sister Kate, wie sie sich inzwischen nennt. Schon seit einiger Zeit hat sie mit der Herstellung von Salben und Tinkturen experimentiert, denn sie will nicht länger Menschen das Rauchen beibringen, die mit Parkinson im Bett liegen. Sie will auch nicht länger nur die Kranken und Sterbenden im Valley versorgen – sondern exportieren und Geld in diese strukturschwache Region bringen.</p>
<h6>„Hilf mir, das wie einen guten Film aufzuziehen“</h6>
<p>Also entwickelt sie ihre Salben zu einer Produktlinie. Und sie besucht John Patti, einen befreundeten Dokumentarfilmer aus Los Angeles, und bittet ihn: „Hilf mir, das wie einen guten Film aufzuziehen.“ Gemeinsam schaffen sie die Sisters of the Valley, klären „die grundlegenden Herausforderungen, um althergebrachtes Wissen und Brauchtum in ein modernes New-Age-Business zu übertragen“. Sie sorgen für eine Corporate Identity, für Kontinuität, für eine plausible Geschichte ohne innere Widersprüche. Sie beantworten Fragen, etwa: Dürfen verheiratete Frauen aufgenommen werden? Wenn nur Frauen die Medizin herstellen und nur Männer das Gras anbauen dürfen, wie geht man dann mit Transmenschen um? Auch der Mondzyklus ist auf diese Weise entstanden sowie die sechs Gelöbnisse der Sisters, zu denen Aktivismus, Umweltbewusstsein und auch Keuschheit zählen.</p>
<p>John ist immer noch dabei, als Brother John ist er der Brand Image Protector und Berater der Sisters of the Valley. Dazu hat Sister Kate weitere Mitstreiter um sich geschart. Wie Sister Darcy, ihre Priorin, die Nummer zwei im Schwesternorden. Oder Zane, der als eine Art Projektmanager in einem Wohnwagen neben dem Anwesen der Sisters lebt.</p>
<p>Darcy ist erst 25. Bevor sie im Herbst 2015 zu den Sisters kam, jobbte sie in einem Burgerladen und baute privat Hanf an. Davor hatte sie ein Jahr in Neuseeland verbracht und Erfahrungen in der Landarbeit gesammelt.</p>
<p>Sie ist der ruhige Gegenpart zu Sister Kate. „Wäre ich katholisch, wäre ich wohl eine Nonne“ sagt sie. „Weil ich ein wenig zu ordentlich und erwachsen bin. Und weil ich schon immer die Idee mochte, mit anderen Frauen zusammenzuleben. Wie aufregend! Das hier ist all das, was ich immer machen wollte: gemeinsam für Gleichberechtigung und gegen die Stigmatisierung von Cannabis kämpfen.“</p>
<p>In der Abtei kümmert sich Sister Darcy um den Versand und die Rohmaterialbestellungen, hat die Aufsicht über den Pflanzenanbau, die Medizinproduktion und den Kundenservice. Aktuell denkt sie über die Anschaffung einer Schüttelmaschine für die Tinkturherstellung nach, denn per Hand ist das nicht mehr zu leisten. Ein Ultraschallreinigungsgerät wäre eine Alternative, ein kleines Modell hat Darcy probehalber schon mal angeschafft.</p>
<h6>Ein kiffender Truckfahrer</h6>
<p>Brother Zane hingegen regelt von der Security über die Abwicklung mit Handwerkern bis hin zum YouTube-Kanal alles, was logistisch anfällt. Er ist Anfang 40, ein Slacker aus Hawaii, der beim Interview erst mal von Noah Chomskys Linguistiktheorie erzählt. Kennengelernt hat er Sister Kate über Occupy. Damals war er Gebäudemanager, später arbeitete er ein paar Jahre als Lkw-Fahrer, bis er eine Pause machen musste, weil er in Colorado gekifft hatte. Was legal ist, aber für einen Truckfahrer eben nicht die beste Idee.</p>
<p>Zane hatte Sister Kate auch das Schießen beigebracht, mit der Waffe, die nun gestohlen wurde. Dabei sei sie doch eigentlich strikt gegen Waffen, sagt Kate. Überlebenswichtig war die Pistole dennoch im vergangenen Herbst: Kate und Zane bewachten ein Grundstück, auf dem ihr Hanf angebaut wurde, damals gab es die Abtei noch nicht. Um fünf Uhr morgens kamen die Räuber, zwölfmal schossen sie auf das Wohnmobil. Zane schoss zurück. Die Angreifer suchten das Weite, verletzt wurde niemand. Anschließend wurde sofort geerntet, wenn auch viel zu früh. 200.000 Dollar hätten die Pflanzen bringen können, so waren es nur 60.000. Doch wenn Räuber einmal wissen, wo das Gras ist, kommen sie wieder.</p>
<p>„Das ist der Wilde Westen hier“, sagt Sister Kate, sie erzählt von Kartellen und wilde Geschichten, die sich kaum überprüfen lassen: dass Gangs aus Los Angeles als Initiationsritus Leute zum Drive-by-Shooting herschicken, dass Banditen im Herbst aus den Bergen kommen, um nach Grasfeldern zu riechen. Dass die Polizeieinheiten sich nicht so recht um das Problem kümmern, denn dann würden sie die Sondermittel für die Kartellbekämpfung verlieren.</p>
<p>Warum gehen die Sisters of the Valley nicht einfach in eine friedlichere Gegend, zum Beispiel ins nordkalifornische Mendocino, oder gleich nach Oregon? „Weil Nonnen nicht dahin gehen, wo es gemütlich ist. Und die Leute hier brauchen uns.“ Viele Hispanics lebten in diesem Teil des Central Valley, die meisten hätten keine Ersparnisse, keinen Urlaub, keine Krankenversicherung, nicht mal ein Bankkonto, sagt Sister Kate. „Wir könnten an Orte gehen, wo es uns besser geht – aber dann hätten wir nicht das Recht, unseren Habit zu tragen.“</p>
<h6>Man will das alles glauben</h6>
<p>„Nuns wouldn’t go where it’s comfortable.“ Das ist diese Sorte Powersatz, von der Sister Kate alle Viertelstunde einen raushaut. Wie „It’s the wild, wild west.“ Oder: „We might have shorter lives, but they are more interesting.“ Sister Kate redet wie ein Wasserfall, und sie redet ziemlich gut: klar, anekdotenreich, mit einer vom Leben angerauten Stimme und natürlicher Autorität. Man will ihr das alles glauben, diese ganze verrückte Geschichte von den Hanfnonnen. Ein wenig verpeilt und zugleich absolut zupackend erscheint sie dabei, mitfühlend und dann plötzlich eiskalt, etwa wenn sie von einer älteren „Bewerberin“ für ihren Schwesternorden erzählt, die sie nicht aufgenommen hat. „Was soll ich mit alten Frauen? Ich will eine Zukunft für Schwestern.“</p>
<p>Ist sie eine freundliche alte Anarchistin mit einer Vision für eine bessere Welt? Oder eine sehr clevere Geschäftsfrau mit einer verdammt guten Marketingstrategie? Oder, und das funktioniert so wohl nur in den USA, einfach beides auf einmal?</p>
<p>Auf jeden Fall haben die Sisters jetzt erst mal ein Nachschubproblem: In der Abtei wird das Gras knapp, es gibt bei weitem nicht genug für die nächste Salbenproduktion. Überhaupt reichen den Sisters die eigenen Pflanzen schon lange nicht mehr, sie importieren Öl und Pflanzen aus Mendocino, aus Colorado, Italien und sogar Deutschland. Nicht mehr als zwölf Cannabispflanzen pro Grundstück – und die auch nur für den Eigenbedarf – sind in Merced County erlaubt.</p>
<p>Bleibt noch die Sache mit der Pistole.</p>
<p>„Es war die einzige, die wir hatten“, sagt Sister Kate. „Jetzt muss ich eine neue für 700 Dollar kaufen.“</p>
<p>„Nein, nein, warte, wir kriegen eine Flinte für 20 Dollar“, sagt Zane. „Außerdem streut die viel weiter. Man muss nur grob in die richtige Richtung zielen.“</p>
<p>„Und wir müssen nicht erneut durch den Lizenzierungsprozess. Wir hatten damals keine Flinte gekauft, weil wir noch im Wohnwagen gelebt haben. Aber mit unserem eigenen Anwesen macht das vermutlich mehr Sinn.“</p>
<p>„Uuuund: der Klick-klick-Faktor. Jeder kennt das und findet es einschüchternd.“</p>
<p>„Also ist es einfacher und geht schneller. Vielleicht fahre ich nachher einfach los und kaufe eine Shotgun.“</p>
<p>„Lass uns gleich zwei kaufen.“</p>
</div>
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		<title>Wunderbare Jahre</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Oct 2013 17:51:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Lassie bis MacGyver: In 150 kitschfreien Strips lässt die Schweizer Comiczeitschrift „Strapazin“ legendäre Fernsehserien wieder aufleben. (aus der taz vom 19. Oktober 2013) Fernsehserien spielen in der Heile-Welt-Rekonstruktion der eigenen Kindheit für die heute 30- bis 70-Jährigen eine extrem]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Von Lassie bis MacGyver: In 150 kitschfreien Strips lässt die Schweizer Comiczeitschrift „Strapazin“ legendäre Fernsehserien wieder aufleben.<span id="more-1624"></span> (aus der <a href="http://taz.de/TV-Nostalgie-in-Comicform/!125667/" target="_blank">taz</a> vom 19. Oktober 2013)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/strapazin_wickie_neu.jpg"><img class="size-full wp-image-1633 aligncenter" alt="strapazin_wickie_neu" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/strapazin_wickie_neu.jpg" width="620" height="226" /></a></p>
<p>Fernsehserien spielen in der Heile-Welt-Rekonstruktion der eigenen Kindheit für die heute 30- bis 70-Jährigen eine extrem wichtige Rolle. Die gemeinsamen Stunden vor der Wunderkiste rundeten, so geht zumindest die Erzählung, erfüllte Tage ab, die voll waren mit Dingen, die Kinder heute angeblich gar nicht mehr kennen: Frösche aufblasen, Baumhäuser bauen und Brauner Bär essen.</p>
<p>Zugleich schufen die Serienmacher nie alternde Helden, die dank der Kanalarmut des Präinternet-Zeitalters wirklich jeder kannte, selbst die armen Teufel, die wegen ihrer Bildungsbürgereltern gar keinen Fernseher hatten: Fury und Flipper, Al Bundy und MacGyver, die Bezaubernde Jeannie und Mila Superstar.</p>
<p>Längst ist das alles Teil einer eher anstrengenden Nostalgiewelle, und so ist es umso bemerkenswerter, welch wunderbaren Weg einer kitsch- und „Früher war alles besser“-freien Erinnerung das<em>Strapazin</em> gefunden hat: In der 112. Ausgabe <a href="http://michaelbrake.de/2010/10/30/%E2%80%9Esie-verstehen-es-nicht/" target="_blank" shape="rect">des Schweizer Indiecomicmagazins</a> setzen sich 150 Zeichnerinnen und Zeichner mit ihren Lieblingsserien auseinander, im Heft als Reise durch die Zeit nach vorne angeordnet, von 1954 („Lassie“!) bis in die Gegenwart.</p>
<p>Nicht mehr als den schmalen Platz eines Comicstrips haben die Autoren, aber das lösen sie, dem <em>Strapazin</em>-Standard entsprechend, mit einer enormen stilistischen und narrativen Vielfalt. So zeigen manche Zeichner nur Impressionen oder ikonische Augenblicke, andere erzählen einzelne Serienszenen, oftmals nie gedrehte oder aus ungewohnter Perspektive.</p>
<p>Da läuft ein Meister Eder durch den Park, spricht scheinbar mit der Luft und alle schütteln heimlich den Kopf über den brabbelnden Alten. Man sieht, wie ein Zylone aus „Kampfstern Galactica“ sein Raumschiff verkauft und mit dem Bus nach Hause fährt („Man braucht allerdings eine Vorheizung, es wurde eben nicht für den finnischen Winter gebaut“), wie Barbapapa und Barbamama Sex haben oder wie Biene Maja Willis Spekulationen über ein mysteriöses Bienensterben in der nahen Zukunft mit „So ein Quatsch“ abtut.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Strapazin-112-650.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1634" alt="Strapazin-112-650" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Strapazin-112-650.jpg" width="310" height="408" /></a>Andere Zeichner nähern sich dem Serienstoff über Erinnerungen an das eigene Erleben der Serie, vielfach gibt es Abrisse einer prototypischen Folge auf kleinstem Raum. Denn anders als die komplexen Fernsehserien des Breaking-Bad-Zeitalters waren die meisten der früheren ja noch ehrlicher Pulp, B-Movie-Welten mit klarem Rahmen und plakativen Figuren, in denen am Ende alles wieder so war wie zu Beginn und auch die Sprüche immer die gleichen sind: „Ich weiß genau, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht.“ &#8211; „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“ – „Gute Nacht, Jim-Bob!“</p>
<p>Das alles macht sehr viel Spaß, natürlich noch mehr, wenn man die Figuren auch kennt, etwa wenn man versteht, dass ein Dialog zwischen Batman und Robin auf die – Heilige Drehbuchschreiber! – grenzdebilen Wortbeiträge von Robin anspielt. Aber es funktioniert auch bei unbekannten Serien gut, etwa den vielen asiatischen, die durch den internationalen Zeichnerpool mit im Heft sind.</p>
<p>Doch keine Sorge: Fast alle alten Helden sind vertreten, Klassiker wie „Magnum“ oder „Knight Rider“ kommen gleich doppelt und dreifach vor und „Twin Peaks“ sogar viermal.</p>
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		<title>Das Edelste sind die Anzeigen</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jul 2013 19:35:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tweed will ein Magazin für den britischen Lebensstil sein und scheitert grandios. Der Heftgestaltung fehlt die Klasse, die Texte sind routiniert-lieblos. (aus der taz vom 25. Juli 2013) Eigentlich ist mit dem Button schon alles verloren. In Orange hängt er auf]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Tweed</em> will ein Magazin für den britischen Lebensstil sein und scheitert grandios. Der Heftgestaltung fehlt die Klasse, die Texte sind routiniert-lieblos.<span id="more-1551"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Neues-Dandy-Magazin-Tweed/!120555/" target="_blank">taz</a> vom 25. Juli 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/cover-tweed-ganz.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1560" alt="Cover_Tweed_1.indd" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/cover-tweed-ganz.jpg" width="310" height="391" /></a>Eigentlich ist mit dem Button schon alles verloren. In Orange hängt er auf dem Titelbild, ist gezackt, „Die 33 wichtigsten Regeln für echte Gentlemen“ steht darauf. Das ist so dumm. So grundfalsch. Aber auch so treffend.</p>
<p>Aber einen Schritt zurück: Die <em>Tweed,</em> deren Erstausgabe gerade erschienen ist, bezeichnet sich als „Magazin für den britischen Lebensstil“, sie will den deutschen Dandy bedienen, mit einem Themenmix, der von einer Reportage beim Oldtimertreffen „Goodwood Revival“ bis zu Polo in Deutschland reicht, vom Schreiben mit dem Füllfederhalter bis hin zur Lederschuhpflege. Auch Rasiermesser kommen vor, was kein Wunder ist, denn Messer-Fachliteratur gehört zum Schwerpunkt des herausgebenden Wieland-Verlags.</p>
<p>Das Heft passt eigentlich hervorragend in unsere Zeit, seine Idee leuchtet ein. Erstens bedient <em>Tweed</em> den akuten Neokonservatismus des Manufactum-Biedermeiers mit seiner Sehnsucht nach Tradition, nach Handwerk, nach „echten“ Dingen – ein Gegenpol zur Digitalisierung und zu „unseren hektischen Zeiten, in denen ständig alles anders wird“, wie Chefredakteur Hans-Joachim Wieland im Editorial erklärt.</p>
<p>Und zweitens gibt es neben dem allgegenwärtigen Zeitungssterben durchaus einen Markt für neue Magazine – sofern diese klug Ränder bedienen und genau die Wertigkeit mitbringen, die dem Internet aktuell noch fehlt. Speziell bei gut verdienenden Männern im klassischen Gendersinne scheint das zu funktionieren, wie die 2009 erfolgreich eingeführten Magazine <em>Beef!</em> und <em>Business Punk</em> zeigen.</p>
<h6>Kleinteiliges Layout</h6>
<p>Doch muss man die Sache natürlich auch sauber umsetzen. Und hier scheitert <em>Tweed</em> grandios – weil man dem Lebensstil eines Gentlemans eben nicht mit den Bordmitteln eines gewöhnlichen Lifestylemagazins beikommen, man ihm eben nicht ein kleinteiliges, hektisches Layout überstülpen kann, das vielleicht zeitgemäß ist, aber nicht klassisch und gediegen. Da gibt es Randspalten mit Infohäppchen, freigestellte Fotos hier, Textboxen dort, unmotivierten Weißraum – selbst die ganzseitigen Fotos als Texteinstieg, die an sich gelungen sind, werden durch eine am Rand durchlaufende Ressortnamenleiste kaputt gemacht.</p>
<p>Alles wirkt billig und unangemessen, bis hin zur Wahl eines dünnen Hochglanzpapiers. So fühlt sich <em>Tweed</em> an wie eine Mischung aus <em>Men’s Health</em>, Peek-&amp;-Cloppenburg-Katalog und den Bordmagazinen von Fluggesellschaften, die Anzeigen gehören noch zu den edelsten Seiten. Das ist für einen Verkaufspreis von 9,80 Euro beschämend.</p>
<p>Die Texte changieren zwischen routiniert-lieblos und verfloskelt. Der Bericht über das altehrwürdige Londoner Savoy Hotel etwa – was hätte man da anstellen können? Einen Butler, einen Manager, einen Gast begleiten, das alles zu einer Reportage verbinden, die das Hotel lebendig macht. Stattdessen liest sich der Text wie aus Internetrecherchen und Pressetexten zusammengeschrieben: Viele interessante Information und Fakten, aber seelenlos.</p>
<p>So ist es mit dem gesamten Heft: Anstatt in die britisch-versnobte Lebenswelt einzutauchen und aus ihr zu berichten – was auch für Außenstehende ein spannender Einblick hätte sein können – wird sie nur <em>step by step</em> erklärt, wie in einem Wochenendseminar. „Erwachsene Männer, die erfolgreich im Leben stehen und ihren eigenen Stil gefunden haben“ will die <em>Tweed</em> ansprechen. Und wird nur Menschen erreichen, die zwar Geld haben, aber sich ihren Stil erst noch vorschreiben lassen müssen.</p>
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		<title>Vertrocknete Zimmerpflanzen</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Mar 2013 20:11:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Alltägliche und die Architektur: Dem crowdfunding-finanzierten Magazin „Stadtaspekte“ gelingt es, beides in seltener Zugänglichkeit zu verbinden. (aus der taz vom 12. März 2013) „Stadtleben findet unter Fremden statt“, sagte der Soziologe Zygmunt Baumann. „Die Stadt ist ein vages System“,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Alltägliche und die Architektur: Dem crowdfunding-finanzierten Magazin „Stadtaspekte“ gelingt es, beides in seltener Zugänglichkeit zu verbinden. <span id="more-1315"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Das-neue-Magazin-Stadtaspekte/!112593/" target="_blank">taz</a> vom 12. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/stadtaspekte_cover_.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1316" alt="stadtaspekte_cover_" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/stadtaspekte_cover_.jpg" width="310" height="414" /></a>„Stadtleben findet unter Fremden statt“, sagte der Soziologe Zygmunt Baumann. „Die Stadt ist ein vages System“, sagt Benedikt Crone, stellvertretender Chefredakteur von <em>Stadtaspekte, </em>dessen erste Ausgabe im Januar erschienen ist.</p>
<p>„Die dritte Seite der Stadt“ lautet der Untertitel des Magazins – was eine Anspielung auf den feuilletonistischen Ansatz der Seite 3 vieler Zeitungen sein soll, aber eben auch jenen Graubereich beschreibt, der sich auftut zwischen dem offensichtlichen ersten Eindruck, den wir von einer Stadt haben, und dessen ähnlich abziehbildhaftem Negativ. Ein Raum, den es zu erkunden lohnt, um anschließend über das „außergewöhnlich Alltägliche“ zu schreiben, das man ihn ihm findet.</p>
<p>Stadtaspekte tut genau dies, berichtet aus Detroit, Tiflis, Hamburg, Mumbai, Kaiserslautern, Toronto … und, ja, auch aus Berlin, wenngleich es nicht das hundertste Berlinheft sein will. Von vergleichbaren Magazinen wie arch+ unterscheidet sich <em>Stadtaspekte</em> wiederum durch die Zielgruppe: Explizit richtet es sich nicht an ein Fachpublikum. Es will jargonfrei in Textarbeit und Bildsprache bleiben, die Stadt durch ihre Bewohner zum Sprechen bringen und Themen aus professionellen Diskursen lesbar machen.</p>
<h6>Zugänglich und vielseitig</h6>
<p>Dieser Anspruch wird eingelöst, die Texte sind zugänglich und vielseitig: Da ist eine Annäherung in acht Teilen an den zwischen Groß-U-Bahnhof, Fußgängerpassagen und Stadtraum zerfleddernden Wiener Karlsplatz. Ein Beitrag über den wegweisenden Fotoband des Architekten Erich Mendelsohn, der in den 1920er Jahren die neuen urbanen Möglichkeiten der in die Höhe wuchernden Großstädte der USA gleichermaßen staunend und kritisch dokumentiert hat.</p>
<p>Es gibt Überlegungen zu Flaggen an Balkonen im öffentlichen Raum und zum nach der Wende re-designten Stadtwappen von Ludwigsfelde, es gibt Fotostrecken von vertrockneten Zimmerpflanzen und von Gated-Community-Bewohnern in Kapstadt.</p>
<p>Sprachlich ist nicht alles so hochwertig wie das aufgeräumte Layout und die farbentsättigten, auf mattem Papier gedruckten Fotografien. Die häufige Subjektivität der Texte schlägt mitunter ins Banale um – wie etwa der schlampig übersetzte Bericht eines Japaners über seine Erkundung Bremens mit den Geruchssinn oder die Erzählungen einer Geocacherin aus Mainz.</p>
<p>Was hingegen über die Berliner Sonnenallee als Repräsentationsort arabischen Lebens und über eine Eckkneipe im Food-Court von Karstadt am Hermannplatz im Heft steht, sind die wohl klügsten Gedanken, die man über die inzwischen stark überstrapazierte Gentrifizierungskampfzone Nordneukölln seit langem lesen konnte.</p>
<h6>Viermal verschobener Starttermin</h6>
<p>Über ein Jahr hat die Arbeit an der ersten <em>Stadtaspekte-</em>Ausgabe gedauert, viermal wurde der Starttermin verschoben. Das 11-köpfige Team von jungen Akademikern aus verschiedenen Disziplinen, das sich über einen Aufruf der Gründer Jürgen Cyranek und Constantin Engel fand, musste erst einmal gemeinsam Magazinmachen lernen – und Geld sammeln.</p>
<p>Neben wenigen Anzeigen und den Verkaufserlösen – Heftpreis ist 7,90 Euro, die Erstauflage liegt bei 8.000 Exemplaren – wurde <em>Stadtaspekte </em>zu bedeutenden Teilen durch Crowdfunding im Internet finanziert. Über 5.000 Euro kamen auf <a href="http://www.startnext.de/stadtaspekte" target="_blank" shape="rect">startnext</a> zusammen, eine Person spendete sogar 500 Euro und erhielt zur Belohnung einen Artikel über ihre Lieblingsstadt – Bern – im zweiten Heft, das zum Thema „Grauzonen“ im Juni erscheinen soll.</p>
<p>Bis dahin versorgt <em>Stadtaspekte </em>seine Leser im Internet, unter anderem mit der täglichen Linksammlung <a href="http://www.stadtaspekte.de/?page_id=58" target="_blank" shape="rect">„Stadt um zehn“</a>. Ursprünglich war <em>Stadtaspekte</em> ohnehin als reines Online-Magazin geplant, inzwischen ist das keine Alternative mehr, wie Redakteurin Christina Riesenweber selbstbewusst begründet: „Weil es das wert ist. So ein Heft ist ein halbes Jahr da und die Themen verdienen es, dass man sich die Zeit für sie nimmt und sie nicht nach zwei Wochen wieder verschwinden.“</p>
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		<title>Krieg und Spiele</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Dec 2012 18:43:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das alternative Computermagazin „WASD“ will den Games-Journalismus à la Warentest beenden und Geschichten erzählen. Luft nach oben ist da noch. (aus der taz vom 18. Dezember 2012) „Oft liest sich deutscher Gamesjournalismus noch so, als würden dort Staubsaugerroboter getestet“, sagt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das alternative Computermagazin „WASD“ will den Games-Journalismus à la Warentest beenden und Geschichten erzählen. Luft nach oben ist da noch. <span id="more-1261"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Computermagazin-WASD-/!107594/" target="_blank">taz</a> vom 18. Dezember 2012)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/wasd_cover.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1262" alt="wasd_cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/wasd_cover.jpg" width="620" height="229" /></a></p>
<p>„Oft liest sich deutscher Gamesjournalismus noch so, als würden dort Staubsaugerroboter getestet“, sagt Christian Schiffer. Und bringt damit eine zuletzt häufig geäußerte Kritik auf den Punkt.</p>
<p>Während Computerspiele in Sachen Umsatz und Verbreitung seit Jahren andere Branchenzweige der Unterhaltungsindustrie einkassieren, verläuft ihre Emanzipation zum Kultur- und Feuilletongut schleppend. Nicht zuletzt, weil der Mainstream-Spielejournalismus bis heute sehr technisch und deskriptiv geblieben ist und die Frage vernachlässigt, was die Spiele eigentlich über uns aussagen – und was sie mit uns machen.</p>
<p>Also hat Christian Schiffer etwas dagegen getan. Im Sommer erschien die erste Ausgabe der <em><a href="http://wasd-magazin.de/" target="_blank">WASD</a>,</em> die der freie Radiojournalist („Zündfunk“) in seiner Freizeit produziert hat, mithilfe von vielen freien Autoren. Seit Donnerstag liegt das zweite Heft vor.</p>
<p>Die <em>WASD</em> will anders sein: „ohne Prozentwertungen, ohne Tabellen, ohne Stiftung-Warentest-Attitüde und Spielspaßgraphen“, heißt es in der Selbstbeschreibung. Im Taschenbuch-Format, auf edlem Munken-Papier gedruckt, mit einer aufgeräumten grafischen Anmutung und einem Preis von 14,50 Euro ist sie eher Buch als Magazin. „Bookzine“ nennt Schiffer das.</p>
<h6>Keine Stiftung Spieletest</h6>
<p>Die zweite Ausgabe hat „Select System – Games und Politik“ als Schwerpunkt: Es geht um die Kooperationen von Spieleindustrie und Militär. Es geht um die Frage, ob man in Politsimulationen überhaupt moralisch handeln kann – etwa anhand des Spiels „Hidden Agenda“ von 1988, in dem man den Machthaber eines kleinen Staates spielt und infolge von massiver US-Gegenpropaganda bald verwerfliche Entscheidungen treffen muss, wenn man sich an der Macht halten will.</p>
<p>Es geht um den Shitstorm gegen die Bloggerin Anita Sarkeesian, die Sexismus in der Gamerszene thematisiert hatte, und es gibt ein Interview mit den Machern der GaymerCom, einer schwulen Spielemesse. Dazu kommen – das dann schon – einige Spielevorstellungen und im hinteren Teil eine „Spielwiese“ mit allgemeinen Texten.</p>
<p>Den eigenen Anspruch, auch ein Magazin für Nicht-Gamer zu sein, erfüllt die <em>WASD</em> bei alldem allerdings nur bedingt. Schon der Titel ist ein Code, er steht für die typische Buchstabenkombination von Computerspielen mit Tastatursteuerung. Und auch sonst versuchen die Autoren nicht großartig, den Einsteigerleser mitzunehmen. Die Texte sind meist essayistisch, oft mit persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen an erste Spielerfahrungen, immer um kluge Gedanken bemüht (mal gelingt das, mal wirkt es aufgesetzt) und sich in ihrer Form recht ähnlich.</p>
<p>Was auch der wesentlichste Kritikpunkt an <em>WASD</em> ist: In Sachen Komposition und Rhythmus ist noch viel Luft nach oben. Viele ähnliche Texte folgen ohne erkennbares Muster aufeinander, es kommt mehrfach zu Themenüberschneidungen.</p>
<h6>Zwei Level geschafft</h6>
<p>Ein längerer Leitartikel, Kolumnen oder andere kleinteilige Elemente würden dem Heft guttun, dafür könnte man sich die ausgedachten Interviews mit Barack Obama und Bowser, einer Figur aus den „Super Mario“-Spielen, gerne sparen. Wenngleich die aktuelle Ausgabe eine deutliche Steigerung zur noch bestellbaren ersten darstellt. Dort ging es unter dem Motto „Tasty Trash“ um besonders schlechte Computerspiele, die ja eigentlich doch nicht schlecht sind – was eine lustige Idee für einen Text ist, aber eben nicht für ein Dutzend.</p>
<p>1.200 Exemplare des ersten Heftes wurden bisher verkauft, bei 3.000 liegt die Auflage der zweiten Ausgabe, für die erstmals Autorenhonorare gezahlt wurden. Das Risiko der Produktionskosten trägt Schiffer dennoch allein, der Vertrieb läuft händisch, per Onlinebestellung und Postversand.</p>
<p>Werbung gibt es nicht. „Der Spielejournalismus der Zukunft testet nicht, sondern erzählt Geschichten über die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und popkulturellen Zusammenhänge der Gameskultur“, so Schiffer. Zwei Level hat er schon geschafft.</p>
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		<title>Der Wüstenfalke trifft auf Batman</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Sep 2012 14:41:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Verleger Volker Hamann erfüllt sich einen Jugendtraum: Mit Alfonz bringt er ein Magazin für den deutschsprachigen Comicraum heraus. (veröffentlicht auf zeit.de) Volker Hamann war 16, als er mit zwei Freunden sein erstes Comic-Magazin veröffentlichte. Es nannte sich Comic Reddition]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Verleger Volker Hamann erfüllt sich einen Jugendtraum: Mit <em>Alfonz</em> bringt er ein Magazin für den deutschsprachigen Comicraum heraus. <span id="more-1035"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-09/comic-magazin-alfonz" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1036" title="alfonzcover" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/alfonzcover.jpeg" width="310" height="439" />Volker Hamann war 16, als er mit zwei Freunden sein erstes Comic-Magazin veröffentlichte. Es nannte sich <em>Comic Reddition</em> und war in klassischer Fanzine-Optik gehalten, schwarz-weiß, kopiert, mit Schere-Papier-Kleber-Layout. Die Komplettauflage von 32 Exemplaren lag in Dietschis Comicshop in Hamburg aus. Das war im Januar 1984.</p>
<p><a title="Der deutsche Disney" href="http://michaelbrake.de/2012/06/07/der-deutsche-disney/" target="_blank">Die <em>Reddition</em> gibt es heute noch</a>, etwa zweimal im Jahr erscheint sie, längst handelt es sich um professionell gemachte Hefte. Sie widmen sich seit geraumer Zeit monothematisch einem Schwerpunkt, meist comichistorischen Themen, etwa Rolf Kauka oder der Geschichte des italienischen Comics. Zusätzlich hat Hamann in seinem als Überbau gezimmerten „Verlag für graphische Literatur“, der Edition Alfons, über die Jahre auch noch Sachbücher herausgegeben und veröffentlicht seit 2011 gemeinsam mit Matthias Hofmann die jährliche Anthologie Comic-Report. Und um Geld zu verdienen, arbeitet der heute 44-Jährige beim Versandhändler Hummelcomic und schreibt als freier Mitarbeiter für Verlage wie Carlsen oder Splitter.</p>
<p>All das hat Hamann offenbar noch immer nicht ausgefüllt, so dass er sich nach knapp 30 Jahren Verlegertätigkeit seinen Jugendtraum ein zweites Mal erfüllt hat: Mit <em>Alfonz</em> ein General-Interest-Magazin für den deutschsprachigen Comicraum herauszugeben. Auch hier ist Matthias Hofmann Ko-Herausgeber und nach zwei digitalen, kostenlos downloadbaren Nullnummern (Ausgabe <a href="http://www.reddition.de/alfonz/pdf/alfonz_0a_neu.pdf" target="_blank">0a</a> und <a href="http://www.comic-report.de/alfonz_0b/admin/alfonz0b.pdf" target="_blank">0b</a>) erschien im Juli die offizielle Erstausgabe.</p>
<p>Als Zielgruppe nennt Hamann „Leser, die sich nur ein Mal pro Monat auf der Fahrt zur Arbeit ein Comicalbum für die S-Bahn kaufen“ wie auch„den Fan oder Sammler, der sich in allen Genres zu Hause fühlt und umfassend informiert werden will“. Um all diese Menschen zufrieden zu stellen, soll <em>Alfonz</em> „über sämtliche Spielarten von Comics aus allen Ländern gleichbedeutend“ berichten – sofern sie parallel zur aktuelle Ausgabe erscheinen oder sonstwie relevant erscheinen. Und ausdrücklich auch über Mangas, „die es unserer Meinung nach verdient haben, über die von Kindern und Jugendlichen mit so viel Begeisterung gelesenen Mainstreamtitel hinaus wahrgenommen zu werden“.</p>
<h6>Viele Formen, viele Themen</h6>
<p>Hohe Ansprüche, die in der Erstausgabe von <em>Alfonz</em> zu einem guten Teil erfüllt werden. Diverse journalistische Formen werden bedient, diverse Comic-Genres abgedeckt, die Mischung stimmt: Sie reicht vom großen Porträt über den spanischen Zeichner Vicente Segrelles, der durch seine in Öl gemalten Fantasycomics berühmt wurde, bis zu kleinen Protokollen, in denen Autoren über ihren Umgang mit Originalzeichnungen erzählen. Von einem Streitgespräch über das Dritte-Reich-verherrlichende Fliegercomic „Der Wüstenfalke“ bis zur Analyse des Neustarts des DC-Superheldenuniversum. Von einem Doppel-Interview mit dem Marsu-Kids-Zeichnerehepaar Didier Conrad und Wilbur bis zu Querschnittsthemen wie die Tour de France im Comic. Von einem Bericht vom Comicfestival Fumetto in Luzern bis zum Außenseiter-Manga „I am Hero“. Kolumnen vom französischen und US-Markt sowie kleinere Rezensionen bilden zusätzlich feste Rubriken.</p>
<p>Für Comicinteressierte sollte <em>Alfonz</em> damit sowohl Überraschungen als auch Anknüpfungspunkte bieten. Das Layout ist abwechslungsreich – auch wenn es keine Designpreise gewinnen wird, dafür ist es etwas zu bieder und unaufgeräumt – und man spürt auf fast allen Seiten die Liebe, mit der hier gearbeitet wurde, zum Heft und seinem Betrachtungsgegenstand.</p>
<p>Gibt es auch einen Haken? Leider ja, und nicht den kleinsten: Die Qualität der meisten Texte fällt bei alldem deutlich ab. Zumal wenn mittendrin der Popfeuilletonist Georg Seeßlenüber „das neue Supermedium Comic/Film“ schreibt, für seine Verhältnisse auch noch ziemlich zugänglich, und so die Fallhöhe deutlich definiert.</p>
<p>Wobei in den Texten keine klaren Fehler sind. Es ist nur handwerklich alles etwas schlicht. So wird nicht groß versucht, Comics oder ihre Entwicklungen in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen zu deuten oder daraus Trends abzuleiten. Das Magazin bleibt fast immer am Werk. Das Vokabular ist mitunter insiderisch oder durchsetzt von Bratwurstbegriffen, die es eigentlich nicht durch ein halbwegs strenges Redigat schaffen sollten: Da ist von der „agilen Vampirjägerin“ die Rede, bei der nach sieben Staffeln „der Ofen aus“ war, da zeigt einer mit seinen bisherigen Comics, „wo der Hammer hängt“, anderswo ist „das Ende der berühmten Fahnenstange erreicht“, mal schlägt ein Buch „beim Lesen ein wie eine Bombe&#8221;, mal sind die Zeichnungen „nicht &#8216;der Burner&#8217;, wie es in neudeutschem Jugendsprech wohl heißt“.</p>
<h6>Ein professionelles Fanzine</h6>
<p>Und so ist Alfonz trotz der professionellen Aufmachung eben doch ein Fanzine. Aus der Szene für die Szene und für ein paar interessierte Außenstehende; für alle anderen ungefähr so interessant wie ein Metalmagazin oder ein Angelmagazin. Aber ein Fanzine mit Potenzial, zumal die Konkurrenz überschaubar ist, die meisten deutschen Magazine haben Spezialnischen gefunden: Zack veröffentlicht in erster Linie Comics und hat nur einen kleinen Infoteil. Die Sprechblase ist deutlich auf Klassiker ausgerichtet, das Schweizer Strapazin bearbeitet mit seinem Kunstbezug die feuilletonistischen Ränder der Comicwelt.</p>
<p>Bleibt als direkter Konkurrent die Comixene – ausgerechnet, hatte doch deren 1982 eingestelltes Original in den frühen Achtzigern Hamann und seine Schulfreunde zur Gründung der Reddition angeregt. Die seit 2003 erscheinende Drittinstanz der Comixene aber habe es aber „in der letzten Zeit nicht mehr geschafft, ihrem Anspruch, regelmäßig und aktuell über Comics zu berichten und zu informieren, gerecht zu werden“, sagt Volker Hamann. „Auch inhaltlich geht sie andere Wege als wir.“ Womit er meint, dass sie nicht immer das gesamte Comicspektrum im Heft abdeckt.</p>
<p>Ausgelegt ist <em>Alfonz</em> vorerst auf vier Hefte, falls die erste Ausgabe erfolgreich ist, wonach es laut Hamann momentan aussieht. Die Auflage beträgt 6.000 Exemplare, bei einem etwas eigentümlichen Preis von 6,95 Euro und einer Distribution, die zu einem Drittel über Comicspezialgeschäfte läuft, zu einem Großteil aber über den Presse- und Bahnhofsbuchhandel.</p>
<p>„Langfristiges Ziel ist es, dass wir <em>Alfonz</em> im Pressehandel erfolgreich platzieren und verkaufen können“, sagt Hamann. „Denn nur so gelingt es, neue Leser von den Qualitäten eines Comics überzeugen zu können.“</p>
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		<title>Keine toreschießende Wollmilchsau</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jun 2012 11:58:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Solide Schwarzbrot-Qualität vom kicker, viele bunte Gimmicks beim Testsieger 11 Freunde – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der taz vom 5. Juni 2012) Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Solide Schwarzbrot-Qualität vom <em>kicker</em>, viele bunte Gimmicks beim Testsieger <em>11 Freunde</em> – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der <a href="https://www.taz.de/Sonderhefte-zur-Fussball-EM/!94447/" target="_blank">taz</a> vom 5. Juni 2012)</h3>
<p><span id="more-709"></span></p>
<p><img class="alignleft" title="kicker-sonderheft" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kicker-sonderheft.jpg" width="200" height="277" />Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg sitzt in einem alten Bunker, vielleicht unter dem Reichsparteitagsgelände, die <em>kicker</em>-Redaktion, mit der Außenwelt nur mittels eines Telegrafen verbunden. Draußen dreht sich die Welt weiter, einflussreiche Magazindynastien werden gegründet und zerfallen wieder zu Staub, Fußball und Feuilleton nähern sich einander an, <em>11 Freunde</em> revolutioniert die Bildsprache des deutschen Fußballjournalismus. Und der <em>kicker</em> bringt halt ein Sonderheft zur Fußball-Europameisterchaft raus, das exakt so aussieht wie immer: gleiches Layout, gleiche Fotos, gleiche Inhalte.</p>
<p>Erst kommen detaillierte Texte zum deutschen Team inklusive Hotelporträt und Interviews mit Alt-Europameistern. Anschließend werden die restlichen 15 Mannschaften vorgestellt. Mit Texten zu Stärken, Schwächen und Wunschaufstellung, sehr sachlich und souverän, wenngleich ohne den totalen taktischen Tiefgang, sowie mit Mannschaftsfoto, ungefährem Kader (wie in allen Heften lag der Redaktionsschluss vor der Nominierungsfrist) und – das allerdings ist als Handreichung ein echtes Plus – kurzen Steckbriefen aller Spieler. Am Ende folgen noch unfassbar detaillierte Statistiken zur deutschen EM-Historie.</p>
<p>Auch sprachlich finden sich noch viele Reste aus der verblassenden Zeit des Bratwurstjournalismus: Da geht die Post ab, da werden Sachen wie aus dem Eff-eff gekannt, da gibt es Trainerfüchse und robuste Kerle. Nein, man wird beim <em>kicker</em> nicht ästhetisch umschmeichelt. Aber wer eine umfassende, seriöse und ironiefreie Vorbereitung auf die EM sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Achso:  irgendwo verstecken sich auch tatsächlich zwei Gimmicks – die ewige Stecktabelle und eine furchtbar unlustige Kolumne von Django Asül.</p>
<p><img class="alignleft" title="11freunde_05_365711889b" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/11freunde_05_365711889b.jpg" width="200" height="266" />„The icing on the cake“ nennt man im Englischen solche veredelnden Glitzi-Elemente, die nicht lebensnotwendig sind, für die man sich aber ein wenig Zeit und Liebe nehmen sollte. Und der <em>kicker</em> gleicht nunmal einem nahrhaften Kuchentrumm, auf den sich ein paar Puderzuckermoleküle verirrt haben – während umgekehrt die EM-Ausgabe von <em>11 Freunde</em> ein millimeterdünner Tortenboden ist, auf dem mehrere Kubikmeter Glasur thronen.</p>
<h6>Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken</h6>
<p>Unzählige Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken ziehen sich durch das Heft, darunter viel Fiktives, das meiste lustig, manches eher nicht. Gleichzeitig wird gar nicht erst versucht, alle wichtigen Informationen abzubilden oder alle Teams vorzustellen, auch das beiliegende Miniheft mit den Spielerkadern erfüllt nur eine Alibi-Funktion. Die <em>11 Freunde</em> müssen aufpassen, dass sie sich in ihrer Pose der ironischen Brechung nicht irgendwann komplett verheddern. Auch bei ihren Live-Tickern im Internet ist der Klamaukanteil mitunter nur noch schwer ertragbar.</p>
<p>Abgesehen davon machen sie aber, was sie am besten können: Jeder Turniertag wird zum Anlass für eine hintergründige Geschichte oder eine Bildidee genommen. Seien es Gruppenfotogalerien von polnischen Hooligans mit nackten Muskeloberkörpern, eine grandiose Analyse des Fußballsongs „Three Lions“ oder ein Interview, in dem Dänemarks Ex-Nationaltorwart Peter Schmeichel mit dem Big-Mac-Mythos vom EM-Sieg 1992 aufräumt – journalistisch und gestalterisch ist das <em>11-Freunde</em>-Heft mit Abstand das beste im Feld.</p>
<p>Eine Synthese zwischen beiden Philosophien versucht der österreichische <em>ballesterer</em>, der einen ähnlich kritischen Fankultur- und Lebenswelt-Ansatz wie <em>11 Freunde</em> vertritt. Nach dem klassischen kleinteiligen Magazin-Einstieg hat das Heft eine klare Struktur, jede Mannschaft wird mit einem doppelseitigen Text versehen, nur die Gastgeber Polen und Ukraine haben richtig lange Stücke bekommen.</p>
<p>Über die Details der Transformation des griechischen 4-2-3-1 in ein 4-5-1 beim Gegenpressing erfährt man hier zwar nichts, als geschmeidiger Einstieg ins Turnier aber funktioniert es gut. Und als Bonus gibt es die leicht verschobene Nachbarland-Perspektive und einige schöne Austriazismen.</p>
<h6>Viel Schland-Content bei Sport-Bild</h6>
<p>Mit im Rennen ist natürlich auch die <em>Sport-Bild</em>. Sie informiert ähnlich umfassend wie der <em>kicker</em>, mit vielen Statistiken und viel Schland-Content. Das Layout ist vielseitiger, dafür mit Werbung vollgekleistert, die Teamporträts sind fluffiger geschrieben, dafür taktisch bei weitem nicht so fundiert. Wer es schnell und leicht verdaulich mag – oder ein besonderes Interesse an den Social-Media-Aktivitäten der EM-Stars hat – dürfte das <em>Sport-Bild</em>- dem <em>kicker</em>-Sonderheft vorziehen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-712" title="ballesterer" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/ballesterer.jpg" width="200" height="267" />Das EM-Heft und zugleich die Erstausgabe des neuen, von Egmont Ehapa (<em>Micky Maus</em>) verlegten Magazins <em>Goal</em> dem Rest vorziehen sollte hingegen nur, wer ein Cristiano-Ronaldo-Poster haben will. Ansonsten stimmt hier praktisch nichts, von der kaum lesbaren Schrift und der hölzernen Sprache über den mangelnden taktischen Tiefgang und das wirre (aber sehr bunte!) Layout bis hin zur offenbar nicht vorhandenden Schlusskorrektur.</p>
<p>Echten Fußball-Nerds oder Menschen, die es werden wollen, sei schließlich die nur als E-Book veröffentliche EM-Vorschau des Blogs <a href="http://spielverlagerung.de/" target="_blank">spielverlagerung.de</a> empfohlen – ebenfalls eine Premiere. Wobei Book auch im Wortsinn gemeint ist, denn abgesehen von Mini-Grafiken der Teamaufstellung gibt es hier nur: Text. Seitenlang werden die taktischen Optionen, Stärken und Schwächen der Spieler und Teams analysiert, präziser und tiefgehender findet man das nirgends. Dazu kommen einige Hintergrundtexte und Porträts. Sprachlich ist das zwar manchmal etwas lang und umständlich, aber insgesamt doch ziemlich gefällig.</p>
<p>Kombiniert mit dem <em>11-Freunde-</em>Heft deckt das Spielverlagerungs-Buch dann auch am ehesten alle Wünsche nach Spaß und Ernst in der EM-Vorbereitung ab. Wer alles kompakt in einem Heft haben will, muss sich halt zwischen <em>kicker</em>, <em>Sport-Bild</em> und <em>ballesterer</em> entscheiden.</p>
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		<title>Ente – halbgar</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2011 16:35:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum 60. Geburtstag des Disney-Zentralorgans Micky Maus gönnt der Egmont Ehapa Verlag seinen erwachsen gewordenen Lesern Donald – ein Männermagazin. (aus der taz vom 16. August 2011) Natürlich Donald. Donald, der Seuchenvogel, der Choleriker, der Unperfekte, Identifikationsfigur und Liebling der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zum 60. Geburtstag des Disney-Zentralorgans <em>Micky Maus</em> gönnt der Egmont Ehapa Verlag seinen erwachsen gewordenen Lesern <em>Donald</em> – ein Männermagazin. <span id="more-1281"></span>(aus der <a href="http://taz.de/!76312/" target="_blank">taz</a> vom 16. August 2011)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Donald-Magazin.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1282" alt="Cover/ Donald" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Donald-Magazin.jpg" width="310" height="384" /></a>Natürlich Donald. Donald, der Seuchenvogel, der Choleriker, der Unperfekte, Identifikationsfigur und Liebling der Massen. Es ist nur ein historischer Irrtum, dass das inzwischen wöchentlich erscheinende Disney-Zentralorgan in Deutschland nach dem Streber Micky Maus benannt wurde, denn natürlich ist die Ente der Star. Und deswegen wird auch ihr ein Gimmick anlässlich des 60. Geburtstags eben jenes <em>Micky Maus Magazins</em>am 29. August gewidmet: <em>Donald</em>, ein … ja was denn eigentlich?</p>
<p>Zunächst einmal eine Zeitschrift zum Preis von 5 Euro, und zwar ein sogenannter One Shot, also ohne die Absicht, in Serie zu gehen. Die Auflage von <em>Donald</em> ist mit 150.000 Exemplaren üppig bemessen, als Zielgruppe werden Männer zwischen 18 und 40 angepeilt, Typ: gealterter <em>Micky Maus</em>-Fan, heute Leser des Männerwitzemagazins <em>FHM.</em></p>
<p>Doch da fangen die Probleme an: Will man jetzt ein Männermagazin sein? Oder doch nur eine Parodie? Designtechnisch gelingt die Mimikry gut. Inhaltlich bleibt die Linie von <em>Donald</em> unklar.</p>
<h6>Von allem ein bisschen</h6>
<p>Qualitativ ist das Endprodukt durchwachsen: Da gibt es duckifizierte Plattencover samt wirklich interessanten Hintergrundinfos (schön), ein paar Autoklassiker im Rot von Donalds 313-Oldtimer gefärbt (lahm), Interviews von Donald himself mit dem Modedesigner Michael Michalsky (gelungen), TV-Comedian Simon Gosejohann (naja) und den Musikern der Ärzte (grausam), ausklappbare Poster in der Heftmitte von Daisy und Klarabella (okay), je eine Seite Uhren, Parfüm und Sonnenbrillen (überflüssig) und so weiter.</p>
<p>Über alles wurde noch eine Prise des typischen Entenhausen-Sprachwitzes gestreut, der mit seinen Alliterationen, Inflektiven und Wortspielen à la Entitorial (für Editorial) zu Zeiten der legendären Übersetzerin Erika Fuchs progressiv und sprachbildend war, über die Jahrzehnte aber ins leicht Bräsige abgerutscht ist.</p>
<p>Bei alldem wirkt <em>Donald</em> arg hektisch produziert. Man hatte eine gute Grundidee (okay, eigentlich hatten die Finnen, Norweger und Holländer sie zuerst), man hatte ein paar lustige Einfälle für den Inhalt, und man hatte , das nimmt man den Jungs aus der Mini-Redaktion um Chef Peter Höpfner (Chefredakteur aller Disney-Zeitschriften) sofort ab, auch Spaß dabei, es umzusetzen. Und merkte dann offenbar drei Tage vor Druckschluss, dass man aus den Einzelteilen noch schnell ein Magazin bauen muss.</p>
<h6>Versenkter Aufmacher</h6>
<p>Denn bei der Komposition der 132 Seiten fehlten entweder die Zeit, die handwerkliche Erfahrung oder beides. So gibt es vorne ein bisschen Magazin-Mischmasch, danach wechseln sich die diversen Interviews, Bildstrecken und Extras ab, alles wurde beliebig in Rubriken gepackt, hinten wird der Titel-Aufmacher („Donalds Damen“) auf einer Doppelseite versenkt, danach noch ein paar Kochrezepte als Schocker („Ente Kross“), fertig ist das Gartenhäuschen.</p>
<p>Konsequent gemieden wurde hingegen die Nähe zu den seit Jahrzehnten praktizierten, bildungsbürgerlichen Ansätzen der Künstlergruppe Interduck und ihrer Duckomenta-Ausstellung oder der Erika-Fuchs-Verehrer und <em>FAZ</em>-Unterwanderer der „Deutschen Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“ (D.O.N.A.L.D.). Überhaupt fehlen längere Texte in <em>Donald</em> fast völlig, sieht man von einem offenbar vom Egmont Ehapa Verlag reingedrückten Abriss über die verschiedenen Disney-Publikationsreihen von 1951 bis heute ab, der als stilistischer Fremdkörper im Blatt klebt.</p>
<p>So bleiben als Highlight 25 erfrischend selbstreferenzielle Seiten in der Heftmitte, wo von einer missratenen Geschäftsidee von Donald bis zu einem Zeitreiseballon eigentlich alles dabei ist &#8211; mit anderen Worten: Das Beste an <em>Donald</em> ist ein Comic. Und das ist im Entenhausen-Kontext ja irgendwie auch beruhigend.</p>
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		<title>Von Jagdnerds für Jagdnerds</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 17:07:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison erscheint ein neues Jagdmagazin: Halali bietet Einblicke in eine moosgrüne Parallelwelt. (aus der taz vom 28. April 2011) Scheu wendet sich das Reh auf dem Cover vom Betrachter ab und blickt in eine grüne Ferne.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison erscheint ein neues Jagdmagazin: <em>Halali</em> bietet Einblicke in eine moosgrüne Parallelwelt. <span id="more-834"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/!69773/" target="_blank">taz</a> vom 28. April 2011)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/halali-310.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-837" title="halali-310" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/halali-310.jpg" width="310" height="405" /></a>Scheu wendet sich das Reh auf dem Cover vom Betrachter ab und blickt in eine grüne Ferne. Bald ist Mai – „Endlich Mai!“ – und die Rehbockjagd beginnt. Offenbar der optimale Zeitpunkt für ein neues Jagdmagazin, und so erscheint erstmals am Donnerstag und fortan vierteljährlich die <em>Halali.</em></p>
<p>Mit „Jagd, Natur und Lebensart“ positioniert sich das Magazin mitten im ökoneokonservativen Manufactum-Milieu, das auch <em>Landlust</em> und seine diversen Klone bedienen. Und folgt zugleich dem Trend, angestaubte Zeitschriftengenres mit zeitgemäßen blattmacherischen Mitteln zu renovieren und vom Fachidiotentum in einen lebensweltlicheren, reflektierenden Journalismus zu überführen.</p>
<div>
<p>Doch was <em>11 Freunde, Beef!</em> oder <em>Zoon</em> schaffen, bleibt <em>Halali</em> verwehrt. Klar, das Layout ist schön aufgeräumt, die seitenfüllenden Fotos – speziell die Tiermotive – sind ein Traum in Grün und Braun. Bloß kommt die Textqualität da nicht mit, changiert zwischen der spröden Anmutung von Fachartikeln und schrulligem Jägerlatein in Ich-Form, bleibt aber stets recht mittelmäßig.</p>
<p>Hier schreiben, das zeigen auch die Autorenfotos, Jagdnerds für Jagdnerds und so ist auch das Themenspektrum selten mehrheitstauglich: Crashkurs „Sicheres Apportieren“, Spitznamen von Hochsitzen, ein neuer Mähdrescheraufsatz gegen Kitzschaden, Büchsenmacher in Bochum und natürlich die große Frage: Ab wann darf das Kind mit zur Jagd? Die Lifestyle-Elemente – Rehburger-Rezepte, eine Modestrecke und ein Text über die Trendgeschichte des Hirschgeweihs – sind da nur biederes Beiwerk.</p>
<p>Wer aber gerne in fremden Milieus äst, sollte 9,80 Euro investieren: ganzseitige Gewehranzeigen, die abseitigen Themen und der Soziolekt aus Fachbegriffen und leicht Altertümlichem bieten faszinierende Einblicke in eine moosgrüne Parallelwelt: „Die vertraut brechenden Sauen erlaubten seinen Aufstieg, und er konnte (…) einen guten Schuss antragen.“</p>
</div>
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		<title>Derb, aber herzlich</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 16:47:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Muh – das Magazin über „Bayerische Aspekte“ wagt einen Spagat zwischen Brauchtum und der weltoffenen Stadt-Mittelschicht Bayerns. (aus der taz vom 29. März 2011) Bier, Berge, Blasmusik. Ja, hier ist wirklich alles drin, was man als Nordostwestmitteldeutscher mit Bayern verbindet: in]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Muh</em> – das Magazin über „Bayerische Aspekte“ wagt einen Spagat zwischen Brauchtum und der weltoffenen Stadt-Mittelschicht Bayerns.<br />
<span id="more-1288"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Keine-Gschichten-ausm-Paulanergarten/!68185/" target="_blank">taz</a> vom 29. März 2011)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/muhsletter-1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1291" alt="muhsletter-1-300x416" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/muhsletter-1-300x416.jpg" width="310" height="429" /></a>Bier, Berge, Blasmusik. Ja, hier ist wirklich alles drin, was man als Nordostwestmitteldeutscher mit Bayern verbindet: in der <em>Muh,</em> einem neuen Magazin über „Bayerische Aspekte“, das sinnfälligerweise seinen Sitz in der Chiemseestraße in einem Ort namens Truchtlaching hat. Denn es gibt ja auch viel zu erzählen über den großen Freistaat im Süden, der als eines von nur wenigen Bundesländern kein zusammengestoppeltes Verwaltungsgebilde ist, sondern auf eine lange Geschichte als eigenes Stammesherzog-, Kurfürsten- und Königreich zurückblicken kann – und sich nicht nur deswegen bis heute für deutsche Verhältnisse ein recht hohes Regionalbewusstsein und ein lebendiges Verhältnis zu Tradition und Brauchtum bewahrt hat.</p>
<p>Weil sich solch lokale Identität vor allem über die Vergangenheit definiert, ist einiges an Rückblick und Bestandsaufnahme in der <em>Muh: </em>Karl Valentin, der Wolpertinger, die Münchner Frühe-Achtziger-Avantgarde-Band „Sigurd Kämpft“, Franz Josef Strauß&#8217; afrikanische Außenpolitik, Fingerhakeln und Fastenbräuche in Oberbayern, sie alle sind mit dabei. Und obendrauf ein langer Text über das Aussterben des Bairischen und seiner zahlreichen Subdialekte, die vom sanften Grünwalder Kaufmannsbairisch oder gleich ganz vom Hochdeutschen überformt werden.</p>
<h6>Brückenschlag zum Jetzt</h6>
<p>G&#8217;schichten ausm Paulanergarten also? Nein, das wäre zu einfach, das würde dem journalistischen Anspruch des Chefredakteurs und <em style="font-size: 0.75em;">Muh</em>-Miterfinders Josef Winkler (der übrigens, das soll nicht verschwiegen werden, als tazzwei-Kolumnist ein Spezl unseres Hauses ist) nicht genügen. Der Brückenschlag zum Jetzt wird immer gesucht, denn es ist ja gerade die spannende Frage, inwiefern auch eine intellektuelle und weltoffene Stadt-Mittelschicht heute eine bayerische Identität verkörpern kann – zu der dann eben auch Starkbierzeit und Bergwanderungen gehören, denn warum sollte man sich dem verschließen? Am besten gelingt dieser Spagat in der Titelgeschichte über die Blasmusikbegeisterung der Jugendlichen von Bayerisch-Schwaben.</p>
<p>Auf diese Weise kriegt denn auch der Nichtbayer einen Einblick in die weiß-blaue Befindlichkeit. Lediglich vereinzelte Themen sind für Zugereiste eher bedingt zugänglich, etwa ein mehrseitiges Interview mit dem Haindling, Musiker Hans-Jürgen Buchner. Neben viel Kultur findet sich zudem ernster, kritischer Journalismus in der <em>Muh:</em> eine sehr detaillierte Recherche über den Fall des Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg, der 2009 von Polizisten erschossen wurde (war es Notwehr oder nicht?) und eine ausführliche Bestandsaufnahme der Vermaisung Bayerns &#8211; dem rapiden Anwachsen der Maisanbauflächen im Freistaat sowie den Folgen für die Umwelt und die bayerische Kulturlandschaft – in gleich zehn Kapiteln.</p>
<p>Der Mix aus Althergebrachtem und Zeitgemäßem wird mit dem markanten Layout fortgeführt. An manchen Stellen wirkt die <em>Muh</em> mit ihren Randspalten, Kleinstfotos, Einschüben und schräg gestellten Schriftblöcken wie ein zusammengeklebtes und fotokopiertes Fanzine der Prä-Computer-Do-it-yourself-Ära – an anderen finden sich wiederum die aufgeräumt-opulente Flächigkeit und die farbentsättigten Fotos, die das alternative Magazinwesen in Deutschland aktuell auszeichnen.</p>
<h6>Knallharte Retro-Gaudi</h6>
<p>Vorläufig erscheint die <em>Muh</em> vierteljährlich, in einer schmalen Auflage von 11.000 Exemplaren und zum Verkaufspreis von 4,50 Euro. Fürs Geld gibt&#8217;s viel, das Magazin ist beinahe übervoll, dabei unterhaltsam, lehrreich und vor allem mit viel Liebe zum Detail gemacht. Da tauchen auf einmal noch Kinderseiten und – wirklich wahr – eine Witzrubrik („knallharte Retro-Gaudi“) auf. Wobei nicht jeder Text ein Gewinn ist, einige der zahlreichen Rubriken, Kolumnen und Kleinkramelemente hätte man sich sparen können, genau wie manch langer Text ein paar redigierende Kürzungen gut vertragen hätte.</p>
<p>Andererseits macht das die <em>Muh</em> auch gerade aus: Wie die Menschen aus ihrer Heimat ist sie herzlich und stets ein wenig derb und unbehauen. Ein Heft mit Charakter.</p>
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		<title>„Sie verstehen es nicht“</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 22:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Strapazin erkundet die Ränder der Comic-Kultur. Auch die 100. Ausgabe des einflussreichen Schweizer Magazins kennt nur eine Richtung: nach vorne. (aus der taz vom 30. Oktober 2010) Ein Musical über einen lebensmüden Flugzeugpiloten. Die Nachmittagsgespräche zweier flaumbärtiger Halbstarker. Eine]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das <em>Strapazin</em> erkundet die Ränder der Comic-Kultur. Auch die 100. Ausgabe des einflussreichen Schweizer Magazins kennt nur eine Richtung: nach vorne. <span id="more-1044"></span>(aus der taz vom 30. Oktober 2010)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1046" title="8strapazin_Wauters" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/8strapazin_Wauters.jpg" alt="" width="310" height="414" />Ein Musical über einen lebensmüden Flugzeugpiloten. Die Nachmittagsgespräche zweier flaumbärtiger Halbstarker. Eine Serie von Hundehüttenstillleben. Eine Frau, die vor einem Date in der Badewanne masturbiert. Ein Junge, der auf einem fremden Planeten festhängt. Ein komplexes Schaubild des französischen Präsidentenpalastes voller knopfäugiger Wesen – es sind die Ränder der Comickultur, die das Schweizer <em>Strapazin</em> seit 26 Jahren und in mittlerweile 100 Ausgaben auslotet.</p>
<p>Erzählstrukturen werden aufgebrochen oder vernachlässigt, oft verzichten die nur wenige Seiten langen Kurzgeschichten auf Handlung und Dialoge, zeigen lakonische Alltags- und Traumerlebnisse, kurze, wie aus dem Zusammenhang gerissene Momentaufnahmen. Dazu kommt eine Vielfalt markanter Stile, zumeist in Schwarz-Weiß: von Scherenschnitten und feinstschraffierten Flächen bis zu Tusche- und Bleistiftzeichnungen, von hochnaturalistischen bis zu abstrakten Charakteren, von kleinteiligen Panelstrukturen bis zu ganzseitigen Illustrationen.</p>
<p>Trotz einer Auflage von bloß 3.000 Exemplaren ist das vierteljährlich erscheinende <em>Strapazin</em> (Verkaufspreis: 6 Euro) das aktuell wohl einflussreichste Comic-Magazin im deutschsprachigen Raum. „Es ist ein Wegbereiter für junge Zeichner“, sagt Dirk Rehm vom Berliner Comicverlag Reprodukt. „<em>Strapazin</em> bietet der deutschsprachigen Independent-Szene ein Forum und hat sie lebendig gehalten.“ Zeichner wie Thomas Ott, Ralf König oder Atak veröffentlichten hier vor ihrem Durchbruch. „Eine wichtige Motivation für uns war immer, dass Comics als neunte Kunst anerkannt werden. Daran hatten wir schon einen Anteil“, sagt David Basler, 57, Chef des Schweizer Verlags Edition Moderne und seit der zweiten <em>Strapazin</em>-Ausgabe mit im Team.</p>
<p>Zusammengehalten werden die Kurzgeschichten von Oberthemen wie „Sex“, „Vergessene Orte“, „Comics ohne Protagonisten“, „Gebrauchsanweisungen“, „La Divina Commedia“, „Comics aus Hamburg“ oder „Kaffeehaus“. Die 100. Ausgabe nimmt chinesische Zeichner in den Fokus. Daneben ist nicht viel: ein knapper Rezensionsteil, eine Kolumne und nur ab und zu ein Sekundartext zum Thema.</p>
<p>Bei alldem arbeitet das <em>Strapazin</em> leidlich wirtschaftlich. „Das ist ein Wunder. Es ist zwar bescheiden, aber für alles gibt es Honorare“, sagt David Basler. Was maßgeblich am einzigartigen Werbekonzept liegt: Alle Anzeigen werden von durch das <em>Strapazin</em> ausgesuchten Illustratoren gezeichnet und haben das gleiche Einheits-Quadratformat – so ist sichergestellt, dass sich kein Design-Fremdkörper ins Heft verirrt. Die zwölf Motive des Backcovers übernimmt ein Zeichner komplett. Als Gimmick bekommen die Kunden die Anzeige als Aufkleber in 500er-Auflage für Eigenwerbung, womit auch der vergleichsweise stolze Preis von 280 Euro pro Anzeige gerechtfertigt ist.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1045" title="strapazinsticker" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/strapazinsticker.jpg" alt="" width="620" height="416" /></p>
<p>Seinen Ursprung hat das <em>Strapazin</em> in den linksalternativen Schweizer Jugendprotesten der frühen 80er Jahre: „Die Zürcher Bewegung war für die Älteren von uns das Schlüsselerlebnis. Sie war ja weniger ein politischer Kampf, es ging um kulturelle Freiräume“, sagt David Basler. „Comic gehörte damals zu einer Underground-Kultur wie Punk.“ Aus dem Umfeld von alternativen Comicmagazinen wie <em>Stilett</em> und <em>Eisbrecher</em> entstand schließlich die erste <em>Strapazin</em>-Ausgabe, damals noch getragen von den Verlagsstrukturen des Münchner <em>Blatts,</em> der ersten alternativen Stadtzeitung in Deutschland. Nach dessen Pleite erschien man in Zürich – im Eigenverlag, bis heute.</p>
<p>Ohnehin waren die Jahre um 1980 eine Aufbruchszeit der deutschsprachigen Comicszene: 1981 begann der Großverlag Carlsen damit, Comics auch im Buchhandel zu platzieren, im gleichen Jahr gründete sich der Interessenverband Comic, der dann 1984 erstmals den Comicsalon Erlangen, heute das wichtigste Treffen im deutschsprachigen Raum, veranstaltete. Parallel wurden damals zahlreiche Fanzines gegründet, von denen neben dem <em>Strapazin</em> heute nur noch die <em>Sprechblase</em> und die <em>Reddition</em> existieren – die in Anmutung und Publikum mit dem <em>Strapazin</em> außer dem vagen Oberbegriff „Comicmagazin“ ziemlich wenig zu tun haben.</p>
<p>Denn bei aller Relevanz: das <em>Strapazin</em> repräsentiert bei weitem nicht den gesamten deutschen Comic-Kosmos. Die Anhänger der frankobelgischen Klassiker werden genauso wenig erreicht wie die Sammler von US-Superheldenheften oder die jugendlichen Mangafans. Seine eigene Zielgruppe sieht Basler als eher artfremd: „Der <em>Strapazin</em>-Leser ist an und für sich nicht so der Comicleser.“ Dafür ist er gern auch selber kreativ: „Kunststudenten, Architekten, Designer – so stelle ich mir das zumindest vor“, sagt Basler. Außerdem sei fast die Hälfte der Abonnenten weiblich, für ein Comicmagazin ein extrem hoher Wert.</p>
<p>In manchen Ecken der Comicszene sei daher das <em>Strapazin</em> nach Einschätzung Dirk Rehms auch „eher verpönt. Das Vorurteil lautet: Avantgarde, unlesbar, Kunstcomics“. Auch David Basler sagt: „Einige finden es scheiße. Aber früher war es viel schlimmer. Fans und Sammler sind ein sehr kleiner Kosmos, das war ein wenig wie die K-Gruppen in den 70ern.“ Heute seien die Leute viel entspannter: „Sie verstehen es nicht, aber sie sehen ein, dass es so was auch gibt.“</p>
<h6>Die Independent-Internationale</h6>
<p>Eingebunden ist das <em>Strapazin</em> stattdessen eher in eine international agierende Independent-Szene: Das große Vorbild war anfangs das US-Magazin <em>Raw, </em>das unter anderem von Art Spiegelman („Maus“) herausgegeben wurde. Heute tauscht man sich, etwa beim Comic-Festival in Angoulême, mit dem japanischen <em>AX Magazine,</em> dem französischen <em>Lapin,</em> den US-Verlagen Top Shelf und Fantagraphics Books oder Drawn and Quarterly aus Kanada aus. Für das Jubiläumsheft war eine neunköpfige <em>Strapazin</em>-Delegation zu Besuch in Nanjing und besuchte die Macher von <em>Special Comix</em> – parallel zur Ausgabe 100 erschien in China ein <em>Strapazin</em>-Special mit Comics von Schweizer Autoren.</p>
<p>Im deutschsprachigen Raum zählen die Verlage Reprodukt, Avant und Edition Moderne zum Freundeskreis. Zudem hat sich inzwischen die Erbengeneration formiert, etwa in Form von zwei jährlich erscheinenden Anthologien, die die Bildsprache des <em>Strapazins </em>aufgreifen und weiterdenken: das von Arne Bellstorf und Sascha Hommer herausgegebene <em>Orang</em> und das von einem Frauenkollektiv um Claire Lenkova gestaltete und Zeichnerinnen vorbehaltene <em>Spring</em><em>.</em></p>
<p>Denn obwohl die Indieszene in Deutschland einen im internationalen Vergleich recht großen Teil vom Comic-Kuchen ausmacht – letztlich ist es alles doch sehr familiär. Auch beim <em>Strapazin</em>: das Kernteam des Anfangsjahre ist, wenn auch ergänzt durch einige jüngere Leute, bis heute mit dabei. „Die soziale Komponente ist ein Grund, warum es Strapazin noch gibt: Es ist unser gemeinsames Ding“, sagt Basler. „Wenn man zusammen was macht, dann hat man auch noch zusammen zu tun.“</p>
<p>Entsprechend flach sind die Hierarchien: Die Hefte werden im Rotationsprinzip von wechselnden Teams gestaltet, in der Regel von zwei Redakteuren und einem der fünf Art-Direktoren. Zusätzlich werden etwa alle zwei Jahre Gast-Redaktionen beauftragt. Jedes Jahr im Herbst trifft sich der rund 15-köpfige Redaktions- und Herausgeberkreis um die Themen der kommenden Ausgaben zu bestimmen – gerade erst am vergangenen Wochenende wurden die vier Themen für 2011 festgezurrt: „Isolated Houses“, „Komplizen“, „Kontaktanzeigen“ und „Essen“. Zuvor erscheint aber Ende November noch die Ausgabe 101 zum Thema „Die Stadt der Zukunft“.</p>
<p>Die Blattmacher haben dabei weitestgehend freie Hand: Wie Kuratoren betreuen sie ihr Heft und entscheiden, ob sie zum Thema lieber passende Kurzgeschichten aus der ganzen Comicwelt zusammentragen oder gezielt Aufträge vergeben. Die einzige Regel: Die Geschichten dürfen noch nicht im deutschsprachigen Raum erschienen sein. „Das <em>Strapazin</em> ist eine Art Wundertüte. Bei uns gibt es keine Hausautoren. Es gibt auch keine Ausgabe ,Comics aus den 30ern&#8217;“, sagt David Basler, „wir schauen immer vorwärts.“</p>
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		<title>Kein Kuschelhaustier-Journalismus</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 19:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das neue Magazin Zoón wirft einen abseitig-klugen Blick auf das Verhältnis von Mensch und Tier. Die Themenauswahl ist großartig, das Textniveau leider durchwachsen. (aus der taz vom 3. Mai 2010) Die isländisch-britischen Kabeljaukriege, die mafiösen Methoden thailändischer Vogelnesthändler oder die]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das neue Magazin <em>Zoón</em> wirft einen abseitig-klugen Blick auf das Verhältnis von Mensch und Tier. Die Themenauswahl ist großartig, das Textniveau leider durchwachsen. <span id="more-847"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/Neues-Magazin-Zon/!51987/" target="_blank">taz</a> vom 3. Mai 2010)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-848" title="zooncover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zooncover.jpg" alt="" width="310" height="406" />Die isländisch-britischen Kabeljaukriege, die mafiösen Methoden thailändischer Vogelnesthändler oder die Entlassung eines italienischen Fernsehkochs, der von Katzenrezepten geschwärmt hatte: Es gibt zahllose spannende Geschichten über Tiere, doch leider schreibt sie kaum jemand auf. Das will nun <a href="http://www.zoon.de/" shape="rect" target="_blank"><em>Zoón</em></a> ändern, dessen Erstausgabe (Verkaufspreis: 5,90 Euro) am Freitag erschienen ist.</p>
<p><em>Zoón</em> besetzt eine Leerstelle im deutschen Tierjournalismus. Den dominieren Kuschel-Haustier-Blätter aus der <em>Ein Herz für Tiere</em>-Liga und spröde, hyperspezialisierte Fachzeitschriften für Einzelgattungen. Der einzige Ausreißer war bisher Gruner+Jahrs <em>dogs,</em> das Lifestyle-Hochglanzcharakter ausstrahlt. Der Stallgeruch von <em>Zoón</em> ist hingegen eher naturwissenschaftlich-sachlich. Die Faszination an der Tierwelt funktioniert hier über Beobachten und Verstehen oder die Einordnung in übergeordnete kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge.</p>
<p>So tut <em>Zoón</em> ein bisschen das, was <em>11 Freunde</em> vor zehn Jahren mit den Fußballjournalismus machte: einen alternativen, intelligenten Blick auf ein bekanntes Feld werfen, mit überraschenden Themen, die auch Nicht-Tierbesitzer interessieren können. Auch Insa Voss, Chefredakteurin und mit Viktor Sammain Erfinderin von <em>Zoón,</em> nennt <em>11 Freunde</em> als Vorbild: „Immer wenn ich es gesehen habe, dachte ich: Genau das müsste es doch auch für Tiere geben. Allein wie es sich anfühlt.“ Deshalb habe man auch ein dezentes Layout und mattes, griffiges Papier gewählt: „Damit sich der Leser ernst genommen fühlt.“</p>
<h6>Auch was für Oma und Tante</h6>
<p>Diesen Leser beschreibt Voss als „Leute wie uns: die sich für ihre Umwelt interessieren, aber keine fanatischen Tierschützer sind, zwar bewusst essen, aber auch Fleisch.“ Und, ganz wichtig: „Wir machen kein Heft nur für Berlin-Bewohner, sondern auch für 70-Jährige. Ich habe auch meine Oma oder Tante vor Augen.“</p>
<p>So weit zur Idee. Die Umsetzung hat leider noch ein paar handwerkliche Schwächen – mitunter merkt man <em>Zoón</em> an, dass es von einer Dreipersonen-Redaktion in Insa Voss&#8217; Wohnung gestemmt wird. Die Heftgestaltung ist doch eher schlicht als elegant und hält leider nicht ganz, was das Cover verspricht. Der klassisch-kleinteilige Einstieg wirkt beliebig, und das Textniveau ist – trotz der wirklich großartigen Themenauswahl – durchwachsen.</p>
<p>So stehen neben guten Stücken, etwa über die Kulturgeschichte der Kuh oder über Primatologen von Fossey bis heute von Cord Riechelmann, auch mäßig redigierte Texte, die man getrost bis auf die halbe Länge hätte kürzen können – ausnehmend schmerzhaft ist hier eine achtseitige Räuberpistole über eine Fotosafari im Kruger-Nationalpark. Immerhin ist sie mit schönen Fotos vom Afrikanischen Wildhund illustriert, inklusive der blutigen Tötung eines Großen Kudus, woran sich einmal mehr der unverklärt-wissenschaftliche Impetus von <em>Zoón</em> zeigt. Der im Übrigen auch für etwas spezialistische Themen sorgt, etwa die Frage, ob es angesichts von Erbgut-Analysen nicht korrekter wäre, Menschen, Schimpansen und Bonobos zu einer Gattung zusammenzufassen.</p>
<h6>Grzimeks Erben</h6>
<p>Herausgegeben wird <em>Zoón</em> vom Münsteraner Natur und Tier Verlag (NTV), der bislang nur Fachbücher und -magazine wie <em>Reptilia, Rodentia</em> und <em>Koralle</em> publiziert hat. Als „wichtigen Schritt und logische Konsequenz“ für seinen Verlag bezeichnet NTV-Gründer Matthias Schmidt <em>Zoón.</em></p>
<p>Zusammen mit Christoph Grzimek wollte Schmidt schon seit mehreren Jahren einen Nachfolger für das 2000 eingestellte <em>Das Tier</em> schaffen – das erste deutsche Tiermagazin, 1959 von Grzimeks prominentem Großvater Bernhard gegründet. „Als Insa und Viktor mit ihrem Konzept kamen, haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.“</p>
<p>Die Startauflage von <em>Zoón</em> liegt bei rund 53.000 Exemplaren „die Hälfte zu verkaufen wäre toll, ein Drittel wäre auch okay“, sagt Matthias Schmidt. Unabhängig davon sei das Erscheinen von <em>Zoón</em> mindeEstens für dieses Jahr gesichert. Im Zweimonatsrythmus wird es weitergehen, die Titelthemen der kommenden Ausgaben sind Angriffsstrategien und Brunft. Und danach? „Ich würde mich wundern, wenn <em>Zoón</em> so schwach läuft, dass wir es 2011 einstellen.“</p>
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		<title>Frischfleisch für Besserverdiener</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Oct 2009 16:16:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Blutige Tomaten, Mord mit dem Fischmesser und Egoismus als Tugend: Mit den neuen Männermagazinen Beef! und Business Punk zielt Gruner+Jahr auf Nischen. (aus der taz vom 15. Oktober 2009) „Firmeninterner Kreativwettbewerb“ – das klingt ein wenig nach verkrampftem Teambuilding-Gedöns. Gruner+Jahr hat]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Blutige Tomaten, Mord mit dem Fischmesser und Egoismus als Tugend: Mit den neuen Männermagazinen <em>Beef!</em> und <em>Business Punk</em> zielt Gruner+Jahr auf Nischen.<span id="more-1273"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Neue-Maennermagazine/!42254/" target="_blank">taz</a> vom 15. Oktober 2009)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Cover_BEEF.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1276" alt="Cover_BEEF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Cover_BEEF.jpg" width="310" height="402" /></a>„Firmeninterner Kreativwettbewerb“ – das klingt ein wenig nach verkrampftem Teambuilding-Gedöns. Gruner+Jahr hat damit allerdings gute Erfahrungen gemacht, 2006 entstand so das Hunde-Lifestyle-Magazin <em>Dogs</em>. Bei der Neuauflage „Grüne Wiese“ im November 2008 wurden rund 380 Ideen eingereicht, von denen nun zwei – zunächst einmalig – den Sprung an den Kiosk geschafft haben: <em>Beef!</em> (9,80 Euro) und <em>Business Punk</em> (6 Euro).</p>
<p>Beide Titel richten sich an wohlhabende Männer, die mit beiden Beinen im Leben stehen und deren Welt noch klar getrennt ist in „wir Kerle“ und „die Frauen“– die Hefte bespielen allerdings mit beeindruckender Konsequenz ziemlich spezifische Lebenswirklichkeiten.</p>
<p>Bei <em>Beef!</em> ist das die Welt des Hobbykochens – nicht die Nudelreispampen-WG, sondern Männer, die es ein paar Mal im Jahr richtig krachen lassen: sieben Gänge, allerbeste Zutaten und viel Rotwein. „Wir nehmen keine Rücksicht“, sagt <em>Beef!</em>-Chefredakteur Jan Spielhagen und benennt damit die Kerntugend des Hefts. „Andere lassen Innereien weg – wenn wir hingegen finden, dass bei der Reportage vom Fischmarkt in Tokio ein Bild mit viel, viel Blut wichtig ist, wird das gedruckt.“ Neben dieser Kompromisslosigkeit sei Humor wichtig, und: „Wir wollen wertig sein. Design spielt eine Riesenrolle.“</p>
<h6>Überbordend und unübersichtlich</h6>
<p>Das kann man wohl sagen: Seitenfüllende Detailaufnahmen von Tomatensaucen muten an wie abstrakte Gemälde, eine Produktstrecke für Küchenmesser ist im Stil von Fotos an Mordschauplätzen inszeniert. Das ist so überbordend wie unübersichtlich, die Abfolge all der Rubriken wirkt willkürlich. Auch bei den Texten, nicht mehr als solide geschriebenes Beiwerk, kann noch nachgebessert werden.</p>
<p><em><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/business_punk.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1277" alt="Business Punk Cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/business_punk.jpg" width="310" height="395" /></a>Business Punk</em> dagegen funktioniert über die Inhalte. Und die handeln von Machern, von Alphatieren, die nach dem Heftmotto „Work hard – play hard“ leben. Egoismus ist für sie eine Tugend. „Ich will was erreichen, aber nicht zum Langweiler werden – dieses Lebensgefühl wollen wir authentisch rüberbringen“, so Redaktionsleiter Nikolaus Röttger von der <em>Financial Times Deutschland</em>. „Ich glaube nicht an die klassische Definition, nach der <em>work</em> immer das Böse und <em>life</em> immer das Gute ist. Es muss beides stimmen.“</p>
<p>Und entsprechend präsentiert <em>Business Punk</em> Geschichten aus beiden Welten: über den Sinn und Wahnsinn durchgearbeiteter Nächte genauso wie über Urlaub im gemieteten Tourbus. Dazu kommen Porträts von Virgin-Gründer Richard Branson oder Snowboardikone Shaun White – Business Punks eben, wobei der ständige Verweis auf den Titel ein wenig bemüht wirkt. So wie überhaupt das Konzept mitunter so leer wirkt wie der inzwischen von jeglichem subversiven Touch befreite Begriff „Punk“.</p>
<p>Neben <em>Beef!</em> und <em>Business Punk</em> startet heute außerdem <em>GalaMen</em>, morgen kommt die zweite Ausgabe des Elternhefts <em>Nido</em> an die Kioske – G+J will sich und der Branche beweisen, dass man auch bei rückläufigen Anzeigenerlösen gute, ausgefallene, mit Herzblut gestaltete Magazine am Markt etablieren kann. Bis auf <em>GalaMen</em> eint diese Magazine die Fokussierung auf Spezialthemen für Besserverdiener und der aus der <em>Neon</em> bekannte Lebensweltjournalismus – hier könnte sich eine Nische für weitere neue Projekte etablieren.</p>
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		<title>Konventionelle Unkonventionalität</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 22:54:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit „Aufstieg und Fall“ wagen Berliner Studenten den Sprung auf den Zeitungsmarkt. Die Textqualität ist schwankend, grafisch wurde saubere Arbeit abgeliefert. (aus der taz vom 8. Juli 2009) Antizyklisch solle man handeln, heißt es ja immer. Sprich: mitten in der Zeitungskrise mit]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit „Aufstieg und Fall“ wagen Berliner Studenten den Sprung auf den Zeitungsmarkt. Die Textqualität ist schwankend, grafisch wurde saubere Arbeit abgeliefert.<span id="more-1878"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!37196/" target="_blank">taz</a> vom 8. Juli 2009)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/aufstiegundfall.jpg"><img class="size-full wp-image-1881 aligncenter" alt="aufstiegundfall" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/aufstiegundfall.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Antizyklisch solle man handeln, heißt es ja immer. Sprich: mitten in der Zeitungskrise mit wöchentlichen Todesmeldungen einfach mal ein neues Magazin mit einer 10.000er-Auflage deutschlandweit an die Kioske zu bringen. Gewagt hat das allerdings kein Verlag, sondern ein studentischer Verein aus dem Umfeld der Universität der Künste Berlin. Eine kostenlose Studentenzeitung hatte man schon länger herausgegeben, im Sommer 2008 überlegte man sich, dass es auch ein paar Nummern größer sein darf.</p>
<p>Das Ergebnis heißt <i>Aufstieg und Fall</i> (5,80 Euro) und ordnet sich in das wachsende Segment der unabhängigen Kultur- und Gesellschaftsmagazine ein, zu dem unter anderem auch <i>Dummy</i>, <i>Liebling</i> und <i>Cargo</i> gehören.</p>
<p>Im Heft herrscht konventionelle Unkonventionalität, eine Mischung aus abseitigen Themen und Bildstrecken, alles ist ziemlich Berlin, kunsthochschulig und artsy-fartsy. Mit zehn Texten – zwei davon auf Englisch – auf rund 100 Seiten ist alles eher übersichtlich angeordnet. Alibi-Rubriken und Servicethemen wurden konsequent ausgespart.</p>
<h6>Kühle Bildsprache</h6>
<p>Oberthema ist der Zeitungsname: Aufstieg und Fall. Daraus kann man ja so ziemlich alles machen, konkret ist das dann: Hochschlafen im Büro, ein Interview mit einem Trendscout, die Geschichte des Riesenbetrugs von Bernie Madoff, eine Strecke mit Häppcheninfos zu Flugzeugabstürzen, die sieben Leben einer Katze in Form von Minigeschichten, ein intelligenter Bogenschlag von Michael Jacksons Selbstinszenierung zu den Pharaonen. So was halt.</p>
<p>Die Textqualität ist schwankend, grafisch wurde hingegen saubere Arbeit abgeliefert: eine kühle, roughe, teils opulente Bildsprache, die vom nicht hochglänzenden Papier zusätzlich unterstützt wird.</p>
<p>Die ersten Rückmeldungen vom Vertrieb sind positiv, an manchen Kiosken ist <i>Aufstieg und Fall</i> bereits ausverkauft. Klingt wie ein publizistisches Märchen, das aber einen Haken hat: alle Beteiligten mussten ehrenamtlich arbeiten, damit es funktioniert. &#8220;Wir müssen noch kein Kind ernähren und kein Haus finanzieren und können das jetzt machen&#8221;, sagt Sandra Broschat, eine der drei Projektleiterinnen. Autoren konnte man über studentische Verteiler und private Kontakte gewinnen, mit Ariadne von Schirach ist ein prominenter Name dabei.</p>
<h6>Einmaliger Studentenbonus</h6>
<p>Zudem habe man „vom Studentenbonus, durch den wir bei Druckereien und Papierhersteller Freundschaftspreise bekommen haben“, profitiert. Aber der sei jetzt weg. Für die kommenden Ausgaben wird der Anzeigenpreis daher vom bisherigen Dumpingpreis von 1.000 Euro für eine Seite verfünffacht. Es wird sich zeigen, ob man dann immer noch auf rund 20 Prozent verkaufte Anzeigenseiten kommt.</p>
<p>Magazine wie Aufstieg und Fall sind für den Printjournalismus Segen und Fluch zugleich: So toll es einerseits ist, dass ein Magazin mit viel Herzblut und der puren Lust des Blattmachens wegen produziert wird und dann auch noch gelungen ist – so gefährlich ist andererseits, wenn im gegenseitigen Unterbietungswettbewerb der Eindruck entsteht, neue Magazine könne man nur noch komplett honorarfrei auf den Markt bringen.</p>
<p>Da kann man nur hoffen, dass dem Team von Aufstieg und Fall die Synthese gelingt und es sein Ziel – professionelle Strukturen und wirtschaftliches Arbeiten – erreicht. Im Oktober soll das zweite Heft folgen.</p>
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		<title>Keine Bärchenfressen</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2009 16:56:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Lebensgefühl statt Wickeltipps: Mit seinem neuen Hochglanzmagazin Nido will Gruner+Jahr die Zielgruppe der jungen urbanen Eltern erobern und ihnen beim Nestbau assistieren. (aus der taz vom 17. April 2009) „Eltern – das sind seltsame Menschen, die nicht mehr zurückrufen und]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Lebensgefühl statt Wickeltipps: Mit seinem neuen Hochglanzmagazin <em>Nido</em> will Gruner+Jahr die Zielgruppe der jungen urbanen Eltern erobern und ihnen beim Nestbau assistieren.<span id="more-1294"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Neues-Magazin-Nido/!33409/" target="_blank">taz</a> vom 17. April 2009)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zoom_NIDO_cover_01.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1297" alt="zoom_NIDO_cover_01" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/zoom_NIDO_cover_01.jpg" width="310" height="410" /></a>„Eltern – das sind seltsame Menschen, die nicht mehr zurückrufen und ungefragt Geschichten erzählen, die nur mäßig interessieren.“ Sagt Timm Klotzek, 36, einer der beiden Chefredakteure der Neon. Der Mann ist selbst seit einigen Jahren Vater, er darf das also. Und außerdem hat er sich in letzter Zeit recht ausgiebig mit dem Elterndasein beschäftigt. Für sein neues Projekt, dem er ebenfalls als Chefredakteur vorsteht: <em>Nido</em>. Ein Hochglanzmagazin für junge Eltern, das heute erstmals erscheint &#8211; zunächst als Einzelausgabe, für 3,90 Euro.</p>
<p>Moment, Hochglanzmagazin, junge Eltern? War da nicht was? Genau: Erst im Herbst versuchte sich der Süddeutsche Verlag mit dem eher lieblos konzipierten Lifestylemagazin <em>Wir. </em>Nach einer Ausgabe war wegen schwacher Verkaufszahlen auch schon wieder Schluss. Klotzek möchte sich zum <em>Wir</em>-Debakel nicht äußern, gibt sich für <em>Nido </em>aber auch bei schwieriger Marktlage trotzig-zuversichtlich. Als einziger Gruner+Jahr-Neustart 2009 ist <em>Nido</em> ein Hoffnungsträger. 24 Anzeigenseiten habe man verkauft, von der Startauflage von 200.000 Heften soll mindestens ein Drittel verkauft werden.</p>
<p>Die angepeilte Zielgruppe klingt aber auch wirklich verlockend: Junge Eltern mit überdurchschnittlicher Bildung und entsprechendem Einkommen. Sie leben in Vierteln wie Berlin-Prenzlauer Berg und sind gerne bereit, ihren kleinen Kindern, die vermutlich Maximilian und Lena-Karlinda heißen, nur das Allerbeste zu bieten. Es ist die Zeit des Nestbaus – <em>Nido</em> ist das spanische Wort für Nest &#8211; also kauft man eine große neue Küche, das gute Holzspielzeug, Biolammfleisch und eben auch „wertige“ Zeitschriften.</p>
<h6>Elternzentriert, nicht kindzentriert</h6>
<p>Erreichen will man diese neuen Eltern mit dem in der <em>Neon</em> sattsam erprobten Prinzip des &#8220;Lebensgefühl-Journalismus&#8221;. Das Heft sei „elternzentriert, nicht kindzentriert“, sagt Klotzek, für Menschen, die als Elternteil auch Mensch bleiben wollen. Inhaltlich und gestalterisch verhält sich <em>Nido</em> also zum altehrwürdigen und ebenfalls bei Gruner+Jahr laufenden Titel <em>Eltern</em> wie die <em>brand eins</em> zum <em>Manager Magazin</em> oder die <em>11 Freunde</em> zum <em>Kicker</em>. Ratgeberjournalismus mit Wickeltipps, Gesundheitsberatung und Breirezepten sucht man vergebens.</p>
<p>Stattdessen gibt es viele schöne Geschichten, für die es in der deutschen Zeitschriftenlandschaft bisher kein richtiges Zuhause gab: das Protokoll einer Weltreise mit zwei kleinen Kindern, eine Reportage über kollektive Kindererziehung in einem Dorf in Ghana, ein Interview mit Daniel Cohn-Bendit über antiautoritäre Erziehung und seine Zeit als Erzieher in einem Kinderladen, der schwere Weg eines Paares, das in Kolumbien einen Jungen adoptieren wollte, oder eine Bildstrecke mit Kindern aus aller Welt, die ihr Spielzeug erklären<em>.</em> Neben fünf festen Redaktionsmitgliedern wurden auch Autoren wie Moritz von Uslar, Hans-Ulrich Jörges und Gerhard Polt gewonnen. Drumherum verteilen sich ein paar dann doch ratgeberhafte Erklärstücke, etwa über Risikolebensversicherungen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zwei Laberrhabarberkolumnen und das unvermeidliche Thema „Guter Sex trotz kleiner Kinder“.</p>
<h6>Und noch ne Fotostrecke</h6>
<p>Vieles ist allerdings auch eher willkürlich, besonders auf den wimmeligen Auftaktseiten der fünf Ressorts (Gesellschaft, Psychologie, Reise &amp; Kochen, Wirtschaft &amp; Geld, Mode &amp; Produkte). Wer braucht schon noch den Tipp, mal die Stromanbieter zu vergleichen? Vor allem nach hinten raus franst das Heft arg aus: Da kommt dann noch die vierte, fünfte, sechste Fotostrecke, einige Produkttests und der „Kulturteil“ mit Nora-Tschirner-Interview und ein paar Rezensionen, der genau so auch in einem besseren Stadtmagazin stehen könnte.</p>
<p>Aber vielleicht sind die Inhalte eh nicht so wichtig – denn die Verpackung stimmt: eine glasklare und trotzdem prägnante Typografie, aufgeräumte Grafiken, Mut zum Weißraum und hochwertige eigenproduzierte Fotos. So möchte man die Eltern erreichen, die, wie Klotzek sagt, „genervt davon sind, den ganzen Tag Dinge mit Bärchenfressen und Knubbelnasen-Halbmonden drauf“ anzuschauen. Könnte klappen.</p>
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