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	<title>Michael Brake &#187; Kunst</title>
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		<title>Eine Zuflucht für verlorene Seelen</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Mar 2013 11:27:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit Lana, Lena, erogenen Zonen und der tollsten Iris-Heterochromie in der Berliner Kulturszene seit David Bowie. (aus der taz vom 26. März 2013) Fuck. Fuckfuckfuck. Es ist Donnerstag kurz vor Mitternacht, ich habe Kopfschmerzen, gerade wie im Wahn einen Text]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit Lana, Lena, erogenen Zonen und der tollsten Iris-Heterochromie in der Berliner Kulturszene seit David Bowie.<span id="more-1758"></span> </strong><strong>(aus der taz vom 26. März 2013)</strong></h3>
<p>Fuck. Fuckfuckfuck. Es ist Donnerstag kurz vor Mitternacht, ich habe Kopfschmerzen, gerade wie im Wahn einen Text fertig geschrieben und bin bei der Echoverleihung, also genauer: im Pressezentrum, wo sie erst die Stargäste an einer brüllenden Fotografenhorde vorbeigetrieben und danach die Preisverleihung auf einer großen Leinwand gezeigt haben. Und jetzt stelle ich fest, dass ich nicht auf die Aftershowparty gehen kann. Fuck.</p>
<p>Mir fehlt das richtige Bändchen, vom PR-Team ist nur noch die Praktikantin da und eigentlich hab ich es auch nicht verdient, dabei zu sein, denn auf dem roten Teppich, der in Wirklichkeit lila ist, hielt ich Rudolf Schenker für Peter Plate und den Sänger von Hurts für Dave Gahan.</p>
<p>Aber ich wollte doch auf der Party Lena del Rey abschleppen. Oder Lana Meyer-Landrut. Oder beide. Oder zumindest Freigetränke. Stattdessen fahre ich mit der letzten U-Bahn nach Hause. Fuck. Fuckfuckdoppelfuck.</p>
<p>Wenn das Wochenende schon so losgeht. Am Freitagabend habe ich immer noch Scheißlaune. Der Smartphoneakku ist fast alle, der Tabak ist krümelig und ich finde die bescheuerte Drecksgalerie in der doofen Schierker Straße nicht, weil nirgends ein Hinweis steht, dass die unten im Körnerpark ist. Der wurde übrigens unter Straßenniveau angelegt, damit es im Sommer angenehm kühl ist, erklärt mir M., die auch da ist. In der Wikipedia steht, der Park läge tiefer, weil er in eine Kiesgrube gebaut wurde. Aber M. ist dort im Kiez groß geworden und die Wikipedia nicht, also wem glaube ich wohl?</p>
<p>„Boah, hier sind so viele Frauen lesbisch!“, sagt irgendjemand. „Der Chef von der Thyssen-Krupp-Stiftung ist 99 und hat in der <i>Bild</i> gesagt, ich hör nicht auf“, sagt jemand anders. Die Ausstellung heißt „Erogenous Zone“, ich finde sie sehr lieblos und bin mir ziemlich sicher, dass das nicht bloß an meiner schlechten Laune liegt. Immerhin backt als Performance-Element eine mollige, nur mit einer Schürze bekleidete Frau mollige unbekleidete Teigfrauen, weswegen es die ganze Zeit gut riecht. Um Punkt zehn Uhr wird dann das Licht ausgemacht. Sind noch vierzig Leute im Ausstellungsraum, aber egal. Feierabend! Alle werden nebenan zur Party geschickt, hier braucht man kein Bändchen, hier will man aber auch keins.</p>
<p>Da fahre ich doch lieber in meine Lieblingsgalerie. Das Team Titanic fühlt sich an wie der „Drive“-Soundtrack, ein Ort, der verlorenen Seelen eine Zuflucht bietet. An diesem Abend vernissagiert Anna Kneer, sie hat eine Delegation Schweizer mitgebracht und ihre Mutter, die aussieht wie aus einem Lynchfilm. Kneer stellt kleinformatige wunderschöne Wolkenbilder aus, großformatige, äh, Farbflächendingse, mit blauen Kristallen überzogene Tiere, ein unverkäufliches ausgestopftes Frettchen. Die Galeristinnen mixen Drinks mit Titanic-Eiswürfeln, an einer Wand hängt eine Nasa-Eintrittskarte und mittendrin, mit der tollsten Iris-Heterochromie der Berliner Kulturszene seit David Bowie: Galeriehund Trotzki, halb Husky, halb Wolfshund, keine zwei Jahre alt, aber die Widerristhöhe eines Kutschpferdes und ein Kopf so groß wie meine beiden Katzen zusammen. Meine Katzen. Fuck. Ich habe ihren Geburtstag vergessen. Am vergangenen Montag sind sie vier geworden. Und warum fällt mir das gerade jetzt ein? Fuckfuckfuck.</p>
<p>Samstag ist alles viel besser, da gehe ich mit A. Schlittschuhlaufen. Wir stapfen durch die verlassenen Eiswüsten Hohenschönhausens, verirren uns in den Wellblechpalast, wo Eishockeyzwerge das „Gasag-U12-Turnier um den Clean-Rohr-Pokal“ ausspielen, und später zeigt A. mir, wie man rückwärts fährt, aber ich verstehe es nicht so ganz. Aber das macht mir nichts, denn A. ist schöner als Lena, Lana und alle anderen vom Echo zusammen. So geht es doch auch.</p>
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		<title>Beende deine Jugend</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Mar 2013 20:32:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Heavy Metal“ ist das Thema der finalen Ausgabe des Comickunst-Magazins „Orang“. Die Macher sind erwachsen geworden, sie müssen jetzt Geld verdienen. (aus der taz vom 2. März 2013) Das Finale ist schön verstörend. Ein hilfloser Supermarktleiter muss mit ansehen, wie]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>„Heavy Metal“ ist das Thema der finalen Ausgabe des Comickunst-Magazins „Orang“. Die Macher sind erwachsen geworden, sie müssen jetzt Geld verdienen. <span id="more-1327"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Indiecomic-Anthologie-Orang/!112089/" target="_blank">taz</a> vom 2. März 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/content_size_orang_cover.jpeg"><img class="alignright size-full wp-image-1330" alt="content_size_orang_cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/content_size_orang_cover.jpeg" width="310" height="356" /></a>Das Finale ist schön verstörend. Ein hilfloser Supermarktleiter muss mit ansehen, wie alle seine Waren verschimmeln und seine Stammkunden sich in Zombies verwandeln. Zwei Skater werden von einem Gespenst durch eine Aufzuchtstation für E-Gitarren geführt. In einer albtraumhaften Überwachungsdystopie werden Arbeiter der Königin zum Fraß vorgeworfen.</p>
<p>„Heavy Metal“ ist das Thema der zehnten und letzten Ausgabe der Anthologie <em><a href="http://www.orang-magazin.net/" target="_blank" shape="rect">Orang</a>,</em> eines der wichtigsten deutschen Sammelpunkte für zeitgenössische Comickunst. Wie alle Ausgaben versammelt sie rund fünfzehn exklusiv gezeichnete Kurzgeschichten. Zeichenstil wie Storytelling sind markant, experimentell, nicht immer zugänglich.</p>
<p>„Zum künstlerischen Anspruch gehört durchaus, dass wir vom Leser einen gewissen Blick für Grafik erwarten, und die Bereitschaft, mitzuarbeiten und nicht nur zu konsumieren“, sagt <em>Orang-</em>Herausgeber Sascha Hommer. Aber es muss sich schon aus sich selbst heraus erklären: „Wir haben nie Sachen genommen, die man nur versteht, wenn man den Künstler kennt oder noch irgendeinen Text dazu lesen muss.“ Deswegen verzichtet die <em>Orang</em> auch komplett auf Artikel oder andere Erklärungen, abgesehen von den englischen Übersetzungen der deutschen Comictexte.</p>
<h6>Hamburger Comicschule</h6>
<p>Gegründet hat Hommer die <em>Orang</em> 2002, als Student an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Jener Hochschule, die unter der Professorenschaft von Anke Feuchtenberger seit Jahren aufregende Comiczeicher hervorbringt, gerade erst überzeugte <a href="http://michaelbrake.de/2013/02/07/ich-bin-der-langweiligste-mensch-der-welt/" target="_blank">Lukas Jüliger mit seinem Debüt „Vakuum“</a>.</p>
<p>Der damals 24-jährige Hommer hatte sich oft darüber beschwert, dass es zu wenig eigeninitiierte Projekte der HAW-Studenten gab. „Bis dann Klaas Neumann zu mir meinte: Ja wenn alles so scheiße ist hier und die Leute zu wenig machen, dann mach’s doch selber.“ Er tat es, gemeinsam mit Neumann, den Namen <em>Orang</em> hatte Hommer aus dem Backpackerurlaub mitgebracht. „’Orang‘ ist indonesisch für ’Mensch‘ und erschien mir passend, weil es in Deutschland eigentlich wie ein Kunstwort aussieht, aber eine verborgene Bedeutung hat, die dann einige doch kennen.“</p>
<p>In den ersten Ausgaben, die noch als kopierte DIN-A4-Magazine erschienen, sammelte sich der spätere Zeichnerstamm: Arne Bellstorf, Till Thomas, Klaas Neumann, Line Hoven, Verena Braun, Hommer selbst. Schritt für Schritt ging es voran: Die Auflagen stiegen, das dritte Heft zierte ein Klappcover mit Siebdruck, mit der vierten Ausgabe wechselte man zum Offsetdruck, ab der fünften waren internationale Gäste dabei, und seit der Nummer sechs wurde man beim deutschen Indiecomic-Vorzeigeverlag Reprodukt verlegt – wo auch heute noch erhältliche Restauflagen vertrieben werden.</p>
<p>Dass nun Schluss ist, liegt schlicht daran, dass die <em>Orang-</em>Generation erwachsen geworden ist. Mehrere Zeichnerinnen und Zeichner haben Hamburg verlassen oder können neben ihren eigenen Projekten auch nicht mehr die Zeit für exklusive unbezahlte Geschichten aufwenden, mehrfach fällt das Wort „Brotjobs“, wenn Hommer von den gewandelten Lebensumständen erzählt. „Früher war <em>Orang</em> das wichtige Projekt, auch um sich selber zu featuren“, sagt er. Doch das Verhältnis habe sich umgedreht: „Die eigenen Projekte sind inzwischen viel größer und laufen automatisch, während <em>Orang </em>immer klein bleibt, man dafür immer kämpfen muss.“</p>
<p>So sind letztlich vor allem er und Arne Bellstorf verblieben, eine „funktionierende Organisationseinheit“ zwar, aber mit den Diskussionen und gemeinsamen Redaktionssitzungen fehlt ein elementarer Bestandteil des <em>Orang</em>-Produktionsprozesses. Denn das sollte <em>Orang</em> immer sein: ein Labor, in dem man sich trifft und diskutiert. Und weil die HAW-Dozenten ihre Studenten im Zweifel unterstützen mussten, „haben wir eben versucht, das Gegenteil zu machen und immer in die Wunde zu fassen“. Es ging darum, sich selbst zu trainieren, „dass man so ein bisschen Abstand hat von der eigenen Arbeit und das einen das auch nicht verletzt“.</p>
<h6>Schwere Suche nach Comics</h6>
<p>Zugleich, sagt Hommer, würde es für ihn immer schwerer, aufregende Comics zu finden. Auch das ist wieder eine Frage des Älterwerdens und kein Qualitätsproblem, wie er betont – der Drang, Geschichten unbedingt publizieren zu müssen, lässt nach. „Als wir jünger waren, war vieles für uns noch neu. Dieser Enthusiamus ist inzwischen eingeebnet“, so Hommer. „Außerdem habe ich bei der neuen Welle von rund zehn Jahre jüngeren Zeichnern zunehmend Schwierigkeiten zu unterscheiden: Was ist gut und was ist nicht gut? Weil es nach anderen Codes funktioniert.“ Im Moment gebe es international etwa viele Zeichner, die viel mit 80er-Jahre-Retroästhetik und Remineszenzen auf bestimmte Computerspiele und Fernsehserien arbeiten.</p>
<p>So endet also ein Teil des gemeinsamen Wegs der HAW-Generation der frühen nuller Jahre. Traurig macht Hommer das alles nicht. „Ich habe da überhaupt kein sentimentales Gefühl und finde es ehrlich gesagt eher befremdlich, wenn Leute in meinem Alter schon anfangen, ihre Studentenzeit zu romantisieren“, sagt er. „Außerdem hat das Magazin auch vieles eingelöst, wozu es da war.“</p>
<p>Das allerwichtigste Ziel, sich selbst beizubringen, wie man Bücher macht, hat man erreicht, genau wie die Etablierung einer Comic-Anthologie, die Vernetzung von deutschen und internationalen Autoren und auch, neue Zeichnerinnen und Zeichner beim Durchbruch zu unterstützen, wie etwa Moki, Marijpol, Till Thomas und den Chinesen Yan Cong. Zudem sind einige Aufgaben inzwischen auch weggefallen, heute ist es für deutsche Zeichner viel einfacher, auch im Ausland verlegt zu werden – eine Entwicklung, an der <em>Orang</em> einen maßgeblichen Anteil hat.</p>
<p>Entsprechend ist die Lücke, die das Ende von <em>Orang</em> reißt, betrauernswert, aber nicht letal. Die gute Verlagsarbeit von Avant, Reprodukt und Edition Moderne, das vierteljährliche Schweizer <em>Strapazin,</em> die jährliche, nur von Frauen gestaltete Anthologie <em>Spring </em>und Comicfestivals wie etwa Erlangen oder Hamburg sorgen weiterhin für viel Vernetzung und Bewegung in der deutschen Alternativcomicszene.</p>
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		<title>Der heilige Sankt Mega Man</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jan 2013 19:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens. (aus der taz vom 4. Januar 2013) Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens. <span id="more-1239"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!108401/">taz</a> vom 4. Januar 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1097" alt="megaman mit smiley" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg" width="620" height="388" /></a></p>
<p>Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem Soundtrack ihrer Jugend, der einzig wahren Musik – hängen geblieben sind. Die ihr Haupthaar auch bei Zweidrittelglatze noch rebellisch lang tragen, mit ihrer Lederjacke verwachsen sind und nicht die geistige Beweglichkeit besitzen, sich elektronische Musik auch nur probeweise anzuhören.</p>
<p>Dabei bin ich genauso. Bloß, dass meine Helden nicht Bob Dylan und Jim Morrison heißen, sondern Super Mario, Mega Man und Guybrush Threepwood. Sozialisiert als Nintendo-Fanboy in der ersten Hälfte der 90er Jahre und längst mit meinem Kapuzenpullover und den Skate-Sneakers verwachsen (dabei kann ich gar nicht skaten), bleiben für mich die einzig wahren Videospiele die aus der 8-Bit-Ära, in denen man noch jeden Pixel einzeln erkennen kann.</p>
<p>Denn je fotorealistischer Grafik werden wollte, desto egaler wurde sie auch. Beziehungsweise sie wurde erst mal vor allem schlechter, weil eine miese Simulation der Wirklichkeit viel weniger hermacht als die offensichtliche Abstraktion der 8-Bit-Ästhetik.</p>
<p>Inzwischen sehen Computerspiele zwar aus wie Filme – und Filme wie Computerspiele –, was sehr well-made ist, aber halt auch überhaupt nicht spezifisch. Erst die geringe Bildpunkteauflösung zwang die 8-Bit-Characterdesigner ja zu einem eigenen Ausdruck, zur erhöhten Ikonografie. Nicht von ungefähr sind die bis heute bekanntesten Computerspielfiguren die aus den 70ern und 80ern.</p>
<div>
<p>Damit bin ich nicht allein: Das ganze Internet ist voll mit Fan-Art und Ver-8-Bittungen von altem und neuem Popkulturgut. Dazu kann man <a href="http://www.thinkgeek.com/product/9352/" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Krawatten</a>, <a href="http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20080123221520" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Uhren</a>, <a href="http://gizmodo.com/269301/stolen-pixel-jewelry-proves-valkryrie-needs-bling-more-than-food?tag=gadgetspixelization" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Halsketten</a> und <a href="http://www.tallgrassbeer.com/8bit.html" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Bier</a> kaufen, Space Invaders werben auf Aufklebern gegen <a href="http://riesenmaschine.de/index2.html?nr=20060130122143" target="_blank" shape="rect">Antisemitismus</a>, und sogar Google Maps wurde für einen Tag komplett auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=rznYifPHxDg" target="_blank" shape="rect">Pixeloptik</a>umgestellt. Na gut, es war der 1. April. Aber trotzdem.</p>
<p>Und dann war ich vor ein paar Wochen bei Ikea. Eigentlich brauchte ich bloß so ein Abwaschabtropfdings (MAGASIN). Aber in der Spielwarenabteilung blieb ich an PYSSLA hängen. Eine große Plastikbox, gefüllt mit Tausenden Bügelperlen. Genau: Das sind kleine bunte Plastikzylinder mit einem Loch, mit denen man auf der Matrix eines Steckbretts Muster zusammenpuzzeln kann. Überbügelt man das fertige Bild – mit Backpapier dazwischen, wichtig! – verklebt die eine Seite der Zylinder und man kann sie vorsichtig von der Steckplatte lösen.</p>
<p>Nun habe ich weder Kinder noch einen gesteigerten Bedarf an Saftglasuntersetzern oder Namensschildern an meiner Tür. Und eigentlich auch ausreichend Hobbys, ja sogar Freunde. Aber diese Perlen und die Matrix … auf einmal ergab alles einen Sinn. Ich setzt mich noch am gleichen Abend in die Küche, schloss meine neuen Lampen (LEDBERG) an und puzzelte einen Mega Man. Er sah toll aus! Na ja, ich musste ihn etwas stauchen und statt hellblau war er lila, denn ich hatte nur 29 mal 29 Pixel Arbeitsfläche und eine unzureichende Farbpalette. Aber er lebte! In meiner Küche!</p>
<p>Am nächsten Tag kaufte ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Bügeleisen.</p>
</div>
<p><em>Aufmerksame Leser erkennen, dass ich diesen Anfang in <a href="http://www.taz.de/!83923/" target="_blank">diesem Text hier</a> schonmal verwendet hatte. Der verlinkte Text erschien nur online, die Kolumne hier sollte nur in der Printausgabe erscheinen. Aber durch einen Absprachefehler war sie dann doch online und, naja, Remixkultur, egal.</em></p>
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		<title>Bügelperlen</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Oct 2012 00:02:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Freitag war ich bei Ikea und habe mir ein neues Hobby gekauft. Außerdem tolle Lampen, also im Prinzip vier ganz einfache LED-Leisten, aber ich hatte ja keine Ahnung! (Eigentlich habe ich nach einem Bett geguckt und habe ein Geschirrabtropfdings]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag war ich bei Ikea und habe mir ein neues Hobby gekauft.<span id="more-1094"></span> Außerdem tolle Lampen, also im Prinzip vier ganz einfache LED-Leisten, aber ich hatte ja keine Ahnung! (Eigentlich habe ich nach einem Bett geguckt und habe ein Geschirrabtropfdings gekauft, egal)</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1096" title="IF" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman.jpg" width="620" height="465" /></p>
<p>Am Samstag war ich dann bei Karstadt und habe mir das erste Bügeleisen meines Lebens gekauft. Ein gelbes, von Philips, das zu meiner Überraschung automatisch angeht, wenn man den Stecker anmacht, weswegen ich jetzt fast einen Bügeleisenabdruck auf meinem Küchentisch habe, wer sehr genau hinschaut, kann ihn erkennen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1099" title="megaman4" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman4.jpg" width="620" height="465" /></p>
<p>Success!</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1100" title="Bild 4" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Bild-4.jpg" width="620" height="205" /></p>
<p>Am Sonntag habe ich dann einen Watchmen-Smiley für <a href="http://texastee.tumblr.com/" target="_blank">Nadine</a> nachträglich zum Geburtstag gemacht.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1097" title="megaman mit smiley" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg" width="620" height="388" /></p>
<p>Jetzt brauche ich dringend weitere Farben und mehr Fläche, die meine Farbpalette ist viel zu limitiert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1098" title="smilley-stillleben" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman3.jpg" width="620" height="678" /></p>
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		<title>Jeder kann malen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Aug 2012 10:50:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berliner Szene]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<category><![CDATA[Oliver Korritke]]></category>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über die coolste Achtjährige der Welt. (aus der taz vom 1. August 2012) Im Zug von Berlin nach Hannover. Vater, Typ Oliver Korittke, sieht recht verkatert aus. Tochter, etwa acht Jahre, eher so Pippi-Langstrumpf-Style. Tochter: Was soll ich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>BERLINER SZENE über die coolste Achtjährige der Welt.<span id="more-1763"></span> (aus der taz vom 1. August 2012)</strong></p>
<p><i>Im Zug von Berlin nach Hannover. Vater, Typ Oliver Korittke, sieht recht verkatert aus. Tochter, etwa acht Jahre, eher so Pippi-Langstrumpf-Style.</i></p>
<p><strong>Tochter: Was soll ich malen?</strong></p>
<p>Vater: Mal doch mal Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin.</p>
<p><strong>Nee, ich male keine Menschen. Und auch keine Tiere. Und keine Fabelwesen. Ich mal lieber eine Landschaft. Zum Beispiel einen Wald.</strong></p>
<p>Ja, mal doch einen Wald.</p>
<p><strong>Und wie soll ich den Wald malen? Von oben? Oder von mittendrin? Oder &#8230;</strong></p>
<p>&#8230;</p>
<p><strong>Papa! Wie soll ich den Wald malen!? Von oben, von mittendrin &#8230;</strong></p>
<p>Von mittendrin. Von oben sieht das so langweilig aus.</p>
<p><strong></strong><em>(Das Mädchen malt einen Baum)</em></p>
<p><em></em><strong>Papa, Du sollst auch mitmalen.</strong></p>
<p><strong></strong>Nee, ich hab jetzt echt keinen Bock</p>
<p><strong></strong><strong>(<em>flüstert</em>) Sonst schrei ich ganz laut!</strong></p>
<p><strong></strong>Aber ich kann das nicht so gut. Wenn ich da jetzt was male, sieht das alles blöd aus.</p>
<p><strong></strong><strong>Dann sieht es halt blöd aus.</strong></p>
<p><strong></strong>Ich will aber nicht dein schönes Bild doofmalen.</p>
<p><strong></strong><strong>Dann mal ich es halt nochmal.</strong></p>
<p><strong></strong>Man kann auch gar nicht zu mehreren malen. Malen macht man alleine.</p>
<p><strong></strong><strong>Stimmt gar nicht! Man kann auch zu zweit malen, oder zu dritt oder zu viert&#8230;</strong></p>
<p><strong></strong>Mach dir mal ne Haarspange rein, damit du wieder aussiehst wie ein Mensch.</p>
<p><strong></strong><strong>Du sollst jetzt mit mir malen.</strong></p>
<p><strong></strong>Ich kann aber nicht malen.</p>
<p><strong></strong><strong>Jeder kann malen! Jeder kann malen! Das hat meine Kunstlehrerin gesagt.</strong></p>
<p><strong></strong>Als Kind habe ich gern gemalt. Aber durch den Kunstunterricht hatte ich keine Lust mehr. Da wurde einem immer gesagt, du sollst das malen und du sollst so malen. Dabei sollte man malen, worauf man Lust hat. Das kannst du deiner Kunstlehrerin mal sagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Pictoplasma Character Walk</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 23:34:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Fotos]]></category>
		<category><![CDATA[Gebloggtes]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[Today I met some new guys in Mitte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Today I met some new guys in Mitte.</p>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/00characterwalk_truckercap.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-476" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/00characterwalk_truckercap.jpg" alt="" width="620" height="432" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/01characterwalk_dino.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-478" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/01characterwalk_dino.jpg" alt="" width="402" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_artist.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-472" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_artist.jpg" alt="" width="614" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_catsink.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-483" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_catsink.jpg" alt="" width="678" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_robot.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-475" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_robot.jpg" alt="" width="555" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_atak.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-479" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_atak.jpg" alt="" width="673" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_anime.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-473" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_anime.jpg" alt="" width="620" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_dachs.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-480" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_dachs.jpg" alt="" width="642" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_steckerkopf.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-484" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_steckerkopf.jpg" alt="" width="763" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_abstrakt.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-477" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_abstrakt.jpg" alt="" width="826" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_maennchen.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-485" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_maennchen.jpg" alt="" width="682" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_pullover.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-482" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_pullover.jpg" alt="" width="620" height="465" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_starwars.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-481" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_starwars.jpg" alt="" width="620" height="247" /></a></div>
<div><a href="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_loneguy.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-474" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/characterwalk_loneguy.jpg" alt="" width="575" height="465" /></a></div>
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		<title>Mit der Pappaxt durch Köln</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/02/15/mit-der-pappaxt-durch-koln/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 10:34:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Aram Bartholl lässt Codes, Icons und Mechaniken aus Internet und Computerspielen mit der Realwelt verschmelzen. Eine Ausstellung und ein Buch zeigen sein Werk. (aus der taz vom 15. Februar) Ist schon ein bisschen doof, dass Megaupload vom Netz genommen wurde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Aram Bartholl lässt Codes, Icons und Mechaniken aus Internet und Computerspielen mit der Realwelt verschmelzen. Eine Ausstellung und ein Buch zeigen sein Werk. <span id="more-752"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Medienkuenstler-Aram-Bartholl/!87884/" target="_blank">taz</a> vom 15. Februar)</h3>
<div><span style="font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;"><span style="font-size: 14px; line-height: 18px;"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-754" title="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/arambartholl_map.jpg" alt="" width="620" height="311" /></strong></span></span></div>
<p>Ist schon ein bisschen doof, dass Megaupload vom Netz genommen wurde. Wo kriegt man jetzt seine Filme her? Bei Torrents kann man sich ja auch kaum noch sicher sein, nicht, dass auf einmal das FBI vor der Tür steht. Aber es gibt noch die <a href="http://deaddrops.com/" shape="rect" target="_blank">Dead Drops</a>. Ein anonymes, offlinebasiertes P2P-Netzwerk – in Mauerwerkritzen eingemörtelte USB-Sticks, tote Briefkästen, beim achtlosen Vorübergehen praktisch unsichtbar. Einfach Laptop dranhalten, Daten saugen, eigene Sachen draufspielen, fertig.</p>
<p>775 Dead Drops sind in diversen Städten der Welt verteilt, einer der jüngsten befindet sich an der Außenwand der Galerie [DAM] Berlin, wo ihr Erfinder, der Medienkünstler Aram Bartholl, aktuell eine Auswahl seiner Arbeiten ausstellt. <a href="http://www.dam-berlin.de/modules.php?name=mlExhibitions&amp;pa=showpage&amp;pid=73" shape="rect" target="_blank">&#8220;Reply all&#8221;</a> heißt die unaufgeregte Schau in dem recht kleinen und sehr weißen Raum. Er ist ein Überbleibsel des Transmediale-Partnerprogramms, auf der Bartholl natürlich auch schon ausstellte, 2007.</p>
<p>Das Einsickernlassen und Rückübertragen von Codes, Icons und Mechaniken aus Internet und Computerspielen in unsere Kohlenstoffwelt ist eine der Lieblingstechniken des seit 1995 in Berlin lebenden Bartholl. In seiner Heimatstadt Bremen installierte der 39-Jährige einst <a href="http://datenform.de/speed.html" shape="rect" target="_blank">vier riesige Leuchtpfeile</a>, sodass sich Aufofahrer wie in der Rennsimulation &#8220;Need for Speed&#8221; fühlen konnten. Durch Köln lief er mit einer <a href="http://datenform.de/1h.html" shape="rect" target="_blank">riesigen Pappaxt</a> aus &#8220;World of Warcraft&#8221;. Auf Berlins Straßen stellte er große <a href="http://datenform.de/dust.html" shape="rect" target="_blank">Holzkisten</a> aus dem Egoshooter &#8220;Counterstrike&#8221;.</p>
<p>Und dann ist da noch <a href="http://datenform.de/map.html" shape="rect" target="_blank">&#8220;Map&#8221;</a>: die 6 mal 3,50 Meter große Nachbildung eines der roten blasenartigen Stecknadel-Symbole mit großem A, die auf Google Maps Suchergebnisse visualisieren. Solche Pins platzierte Bartholl in Taiwan, Stettin und anderswo in die Landschaft. Es ist sein schönstes Kunstwerk, das aber leider nicht Teil der Berliner Ausstellung ist. Es würde auch gar nicht durch die Tür passen.</p>
<h6>Nachbau eines Counterstrike-Levels</h6>
<p>Dafür gibt es in der Ausstellung <a href="http://datenform.de/areyouhuman.html" shape="rect" target="_blank">Aluminium-Nachbildungen von Captchas</a>, diesen seltsam verzerrt geschriebenen Wörtern, die man im Internet eingeben muss, um zu beweisen, dass man ein Mensch ist. Es gibt Architekturzeichnungen und -modelle, die Bartholls Planungsstand für den <a href="http://datenform.de/dust-rhizome.html" shape="rect" target="_blank">Nachbau eines ganzen Counterstrike-Levels</a> auf einem Hektar Fläche dokumentieren.</p>
<p>Oder auch drei Teile der <a href="http://datenform.de/googleportrait.html" shape="rect" target="_blank">Google Portrait Series</a>, große handgemalte QR-Codes (diese schwarz-weißen Muster, die man mit dem Handy abfotografieren kann), die einen ins Netz und auf die erste Seite der Google-Suche nach dem Namen von Medienkünstlerinnen wie Vera Molnár und Petra Cortright führen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-753" title="arambartholl_15secsfame" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/arambartholl_15secsfame.jpg" alt="" width="622" height="311" /></p>
<p>Zusätzlich zeigen mehrere Screens Videodokumentationen, die bei Aram Bartholl ein wesentlicher Teil des Kunstprozesses sind. In den kurzen, schnell geschnittenen Filmen gibt sich Aram Bartholl als eloquentes Smart-Ass, das die Regeln der Betriebs durchschaut hat. Wie in <a href="http://fffff.at/how-to-turn-code-into-art/" shape="rect" target="_blank">&#8220;How to turn code into art&#8221;</a>, wo er mehrere <em>FAZ</em>-Seiten mit dem gedruckten Bundestrojaner-Code in seinem Stammcafé aufhängt und den Zuschauern erklärt: &#8220;I recommend using a black frame, because a black frame means: You know what you&#8217;re doing and you are serious about it.&#8221; Das Werk hängt &#8211; weiß gerahmt &#8211; ebenfalls in der Ausstellung.</p>
<p>In einem anderen Tutorial zeigt Bartholl die Gusstechnik des Vakuumformens &#8211; wobei er sich nicht zufällig die Guy-Fawkes-Maske des Anonymous-Bewegung als Modell ausgesucht hat. Auch dem Chaos Computer Club und der DIY/Hacker-Bewegung steht Bartholl offensichtlich nahe. In seinen Videos propagiert er die Demokratisierung des Künstlerbegriffs: Oft enden sie mit einer &#8220;Now it&#8217;s your turn&#8221;-Aufforderung.</p>
<p>Die Dead Drops hat er auch längst nicht selbst alle verbaut, verselbständigt hat sich gleichermaßen das von Bartholl erfundene Ausstellungsformat der <a href="http://speedshow.net/" shape="rect" target="_blank">Speed Show</a>, dessen Weltpremiere im Juni 2010 am Kottbusser Damm stattfand: Man miete ein komplettes Internetcafé und nutze die auf den Rechnern installierten Standard-Browser, um Kunst zu zeigen.</p>
<h6>Performances, Readymades, Installationen</h6>
<p>Performances, Readymades, Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum: Bartholls Aktionskunst lebt gleichermaßen von klugen Ideen und ihrer liebevollen Umsetzung. Leider gibt die Ausstellung diese Fülle nur bedingt wieder: So wie &#8220;Reply all&#8221; im Computer die Mailantwort an alle Empfänger ist, ist auch hier irgendwie von allem was dabei. Das ist zwar ein guter Querschnitt durch Bartholls Werk, ein wirklich roter Faden ist aber nicht erkennbar – und was da ist, kann im kühlen Ambiente des Ausstellungsraums seine Wirkung nicht so recht entfalten.</p>
<p>Einen kompletteren, besser aufbereiteten Einblick in Bartholls Schaffen bekommt man in <a href="http://datenform.de/blog/the-speed-book/" shape="rect" target="_blank">&#8220;The Speed Book&#8221;</a>, das die Arbeiten umfangreich dokumentiert und durch weitere Texte – unter anderem ein Essay des Science-Fiction-Autors Bruce Sterling – ergänzt. Die dokumentierenden Videos finden sich derweil auch auf Bartholls Website <a href="http://datenform.de/" shape="rect" target="_blank">datenform.de</a>.</p>
<p>Wem das Buch aber zu teuer und das Internet zu online ist, oder wer sich umgekehrt für ein paar tausend Euro endlich einen echten Bartholl in die Wohnung hängen will, kommt an einem Besuch in der Galerie [DAM] nicht vorbei. Man kann dann auch gleich schauen, was es Neues auf dem Dead Drop Nummer 773 gibt.</p>
<p><strong>&#8220;The Speed Book&#8221;, Gestalten Verlag, 39,90 Euro</strong></p>
<p style="text-align: right;">Fotos: datenform.de, Screenshot Google Streetview</p>
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		<title>Selbsthass im Zauberwald</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2011/06/27/selbsthass-im-zauberwald/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 23:11:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Pubertierender Flausch: Die Comic-Zeichnerin Moki erzählt eine stille, beeindruckende Geschichte übers Erwachsenwerden inmitten verzauberter Landschaften. (veröffentlicht auf zeit.de) Die Verwandlung kommt über Nacht. Seltsame Wesen, die zwischen dunklen Tannen oben auf dem Berg wohnen, haben sie veranlasst. Und so findet]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Pubertierender Flausch: Die Comic-Zeichnerin Moki erzählt eine stille, beeindruckende Geschichte übers Erwachsenwerden inmitten verzauberter Landschaften. <span id="more-874"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-06/moki-wandering-ghost" target="_blank">zeit.de</a>)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-878" title="wandering-ghost-cover" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/wandering-ghost-cover.jpg" alt="" width="310" height="391" />Die Verwandlung kommt über Nacht. Seltsame Wesen, die zwischen dunklen Tannen oben auf dem Berg wohnen, haben sie veranlasst. Und so findet sich der koalaartige Waldgeist auf einmal in einem fremden, falschen Körper wieder: dem eines Fuchses, mit buschigem Schweif, spitzer Schnauze und viel zu langen Gliedmaßen. Welch ein Drama! Fassungslos blickt die noch kindliche Seele des Geistes seine neue Hülle aus der Vogelperspektive an – um sich sogleich unter Waldlaub zu verstecken. Niemand soll ihn so sehen.</p>
<p>Mit Zombie-Blick und zunehmend zerzaust stolpert der Fuchs fortan ziellos durch den Wald. Der verzweifelte Versuch, vor sich selbst wegzulaufen, ein missratenes Körpergefühl, Selbsthass bis zur Selbstzerstörung: Es ist klassischer Coming-of-Age-Stoff, der in <em>Wandering Ghost</em> erzählt wird. Aber auf ziemlich unklassische Weise.</p>
<p>Denn die Künstlerin <a href="http://www.mioke.de/info.htm" target="_blank">Moki</a> kommt in ihrem Comicband komplett ohne Worte aus. Einzig die dunkelbraun-weißen Bilder tragen durch die Geschichte. Und was für Bilder! Verschlungene Fels-, Wolken- und Pflanzenstrukturen bilden einen Zauberwald voller fließend-organischer Formen. Flauschige Fabeltiere mit neugierigen Augen wuseln hier umher. Manchmal ist es aber auch sehr ruhig.</p>
<p>Ohne jegliche Hetze und damit umso intensiver wird der schwere Weg in die Pubertät beschrieben. Mitunter werden ganze Doppelseiten für Panoramapanels freigeräumt, in denen dann einzelne Figuren dutzendfach zu sehen sind, so dass man dem Vergehen der Zeit zuschauen kann – eine Technik, die Moki auch in anderen ihrer Werke verwendet und die an japanische Emakimono-Rollen erinnert, frühe Vorfahren der Manga.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-877" title="wandering_ghost_quer" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/wandering_ghost_quer.jpg" alt="" width="620" height="278" /></p>
<p>Überhaupt, Japan: Auch viele der Landschaften und Bäume Mokis haben einen japanischen Einschlag, ihre Welten und ihr großer Respekt vor der Schönheit der Natur atmen den animistischen Geist des japanischen Shinto-Volksglaubens und die vielfachen Einflüsse des Anime-Regisseurs Hayao Miyazaki sind unverkennbar.</p>
<p>Schon 2006 gewann die heute 28-jährige Moki für <em>Asleep in a foreign place </em>den Comicpreis Sondermann in der Newcomer-Kategorie. 2007 diplomierte sie mit der Arbeit <em>To disappear completely</em> in Hamburg im Fach freie Kunst. Die Bildsprache und das Themenspektrum ihrer Acrylbilder, Street-Art, Stoff-Figuren, Installationen, Fotografien und Comics sind so markant wie eigenwillig: moosbewachsene, verschachtelte, verzauberte Landschaften, in denen traurige amorphe Riesen und gütig blickende Pelzmonster einsam herumsitzen. Dazu kommt ein Faible für Außenseiter, verlorene Gestalten, auch der Wunsch, sich zu verstecken, ist oft Thema der Synästhetikerin Moki, die selbst scheu lebt. Fotos von ihr sind selten, bei Perfomances tritt sie mit Masken und Kostümen auf.</p>
<p>Die Künstlerin und das Storytelling. Viel ist da nicht, viel soll da aber auch nicht sein. So mag <em>Wandering Ghost</em> für manchen nicht mehr als eine 88-seitige Zeichenstudie von Waldlandschaften zum Selbstausmalen sein. Wer aber in seiner Freizeit auch gerne mal eine Viertelstunde damit verbringt, einem Käfer oder einem Spatz bei seiner täglichen Arbeit zuzuschauen, der sollte sich mit Moki auf diese Märchenreise für Erwachsene begeben. Und sich darüber freuen, dass der Waldgeist – was hier ruhig verraten werden kann, denn um die Handlung oder irgendwelche Spannungsbögen geht es wie gesagt ohnehin nicht – am Ende doch zu sich findet.</p>
<p>Kleine Eichhornwesen füttern und päppeln ihn auf dem Weg dahin, so wie er ihnen früher geholfen hat. Die Grenze zum Kitsch wird trotz Freundschaft, Happy End und flauschigen Tieren dabei bis zum Schluss nie überschritten.</p>
<div>
<p><strong>Moki: Wandering Ghost, Reprodukt, Berlin 2011; 88 S., 16 €</strong></p>
</div>
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		<title>„Sie verstehen es nicht“</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2010/10/30/%e2%80%9esie-verstehen-es-nicht/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 22:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Strapazin erkundet die Ränder der Comic-Kultur. Auch die 100. Ausgabe des einflussreichen Schweizer Magazins kennt nur eine Richtung: nach vorne. (aus der taz vom 30. Oktober 2010) Ein Musical über einen lebensmüden Flugzeugpiloten. Die Nachmittagsgespräche zweier flaumbärtiger Halbstarker. Eine]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das <em>Strapazin</em> erkundet die Ränder der Comic-Kultur. Auch die 100. Ausgabe des einflussreichen Schweizer Magazins kennt nur eine Richtung: nach vorne. <span id="more-1044"></span>(aus der taz vom 30. Oktober 2010)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1046" title="8strapazin_Wauters" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/8strapazin_Wauters.jpg" alt="" width="310" height="414" />Ein Musical über einen lebensmüden Flugzeugpiloten. Die Nachmittagsgespräche zweier flaumbärtiger Halbstarker. Eine Serie von Hundehüttenstillleben. Eine Frau, die vor einem Date in der Badewanne masturbiert. Ein Junge, der auf einem fremden Planeten festhängt. Ein komplexes Schaubild des französischen Präsidentenpalastes voller knopfäugiger Wesen – es sind die Ränder der Comickultur, die das Schweizer <em>Strapazin</em> seit 26 Jahren und in mittlerweile 100 Ausgaben auslotet.</p>
<p>Erzählstrukturen werden aufgebrochen oder vernachlässigt, oft verzichten die nur wenige Seiten langen Kurzgeschichten auf Handlung und Dialoge, zeigen lakonische Alltags- und Traumerlebnisse, kurze, wie aus dem Zusammenhang gerissene Momentaufnahmen. Dazu kommt eine Vielfalt markanter Stile, zumeist in Schwarz-Weiß: von Scherenschnitten und feinstschraffierten Flächen bis zu Tusche- und Bleistiftzeichnungen, von hochnaturalistischen bis zu abstrakten Charakteren, von kleinteiligen Panelstrukturen bis zu ganzseitigen Illustrationen.</p>
<p>Trotz einer Auflage von bloß 3.000 Exemplaren ist das vierteljährlich erscheinende <em>Strapazin</em> (Verkaufspreis: 6 Euro) das aktuell wohl einflussreichste Comic-Magazin im deutschsprachigen Raum. „Es ist ein Wegbereiter für junge Zeichner“, sagt Dirk Rehm vom Berliner Comicverlag Reprodukt. „<em>Strapazin</em> bietet der deutschsprachigen Independent-Szene ein Forum und hat sie lebendig gehalten.“ Zeichner wie Thomas Ott, Ralf König oder Atak veröffentlichten hier vor ihrem Durchbruch. „Eine wichtige Motivation für uns war immer, dass Comics als neunte Kunst anerkannt werden. Daran hatten wir schon einen Anteil“, sagt David Basler, 57, Chef des Schweizer Verlags Edition Moderne und seit der zweiten <em>Strapazin</em>-Ausgabe mit im Team.</p>
<p>Zusammengehalten werden die Kurzgeschichten von Oberthemen wie „Sex“, „Vergessene Orte“, „Comics ohne Protagonisten“, „Gebrauchsanweisungen“, „La Divina Commedia“, „Comics aus Hamburg“ oder „Kaffeehaus“. Die 100. Ausgabe nimmt chinesische Zeichner in den Fokus. Daneben ist nicht viel: ein knapper Rezensionsteil, eine Kolumne und nur ab und zu ein Sekundartext zum Thema.</p>
<p>Bei alldem arbeitet das <em>Strapazin</em> leidlich wirtschaftlich. „Das ist ein Wunder. Es ist zwar bescheiden, aber für alles gibt es Honorare“, sagt David Basler. Was maßgeblich am einzigartigen Werbekonzept liegt: Alle Anzeigen werden von durch das <em>Strapazin</em> ausgesuchten Illustratoren gezeichnet und haben das gleiche Einheits-Quadratformat – so ist sichergestellt, dass sich kein Design-Fremdkörper ins Heft verirrt. Die zwölf Motive des Backcovers übernimmt ein Zeichner komplett. Als Gimmick bekommen die Kunden die Anzeige als Aufkleber in 500er-Auflage für Eigenwerbung, womit auch der vergleichsweise stolze Preis von 280 Euro pro Anzeige gerechtfertigt ist.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1045" title="strapazinsticker" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/strapazinsticker.jpg" alt="" width="620" height="416" /></p>
<p>Seinen Ursprung hat das <em>Strapazin</em> in den linksalternativen Schweizer Jugendprotesten der frühen 80er Jahre: „Die Zürcher Bewegung war für die Älteren von uns das Schlüsselerlebnis. Sie war ja weniger ein politischer Kampf, es ging um kulturelle Freiräume“, sagt David Basler. „Comic gehörte damals zu einer Underground-Kultur wie Punk.“ Aus dem Umfeld von alternativen Comicmagazinen wie <em>Stilett</em> und <em>Eisbrecher</em> entstand schließlich die erste <em>Strapazin</em>-Ausgabe, damals noch getragen von den Verlagsstrukturen des Münchner <em>Blatts,</em> der ersten alternativen Stadtzeitung in Deutschland. Nach dessen Pleite erschien man in Zürich – im Eigenverlag, bis heute.</p>
<p>Ohnehin waren die Jahre um 1980 eine Aufbruchszeit der deutschsprachigen Comicszene: 1981 begann der Großverlag Carlsen damit, Comics auch im Buchhandel zu platzieren, im gleichen Jahr gründete sich der Interessenverband Comic, der dann 1984 erstmals den Comicsalon Erlangen, heute das wichtigste Treffen im deutschsprachigen Raum, veranstaltete. Parallel wurden damals zahlreiche Fanzines gegründet, von denen neben dem <em>Strapazin</em> heute nur noch die <em>Sprechblase</em> und die <em>Reddition</em> existieren – die in Anmutung und Publikum mit dem <em>Strapazin</em> außer dem vagen Oberbegriff „Comicmagazin“ ziemlich wenig zu tun haben.</p>
<p>Denn bei aller Relevanz: das <em>Strapazin</em> repräsentiert bei weitem nicht den gesamten deutschen Comic-Kosmos. Die Anhänger der frankobelgischen Klassiker werden genauso wenig erreicht wie die Sammler von US-Superheldenheften oder die jugendlichen Mangafans. Seine eigene Zielgruppe sieht Basler als eher artfremd: „Der <em>Strapazin</em>-Leser ist an und für sich nicht so der Comicleser.“ Dafür ist er gern auch selber kreativ: „Kunststudenten, Architekten, Designer – so stelle ich mir das zumindest vor“, sagt Basler. Außerdem sei fast die Hälfte der Abonnenten weiblich, für ein Comicmagazin ein extrem hoher Wert.</p>
<p>In manchen Ecken der Comicszene sei daher das <em>Strapazin</em> nach Einschätzung Dirk Rehms auch „eher verpönt. Das Vorurteil lautet: Avantgarde, unlesbar, Kunstcomics“. Auch David Basler sagt: „Einige finden es scheiße. Aber früher war es viel schlimmer. Fans und Sammler sind ein sehr kleiner Kosmos, das war ein wenig wie die K-Gruppen in den 70ern.“ Heute seien die Leute viel entspannter: „Sie verstehen es nicht, aber sie sehen ein, dass es so was auch gibt.“</p>
<h6>Die Independent-Internationale</h6>
<p>Eingebunden ist das <em>Strapazin</em> stattdessen eher in eine international agierende Independent-Szene: Das große Vorbild war anfangs das US-Magazin <em>Raw, </em>das unter anderem von Art Spiegelman („Maus“) herausgegeben wurde. Heute tauscht man sich, etwa beim Comic-Festival in Angoulême, mit dem japanischen <em>AX Magazine,</em> dem französischen <em>Lapin,</em> den US-Verlagen Top Shelf und Fantagraphics Books oder Drawn and Quarterly aus Kanada aus. Für das Jubiläumsheft war eine neunköpfige <em>Strapazin</em>-Delegation zu Besuch in Nanjing und besuchte die Macher von <em>Special Comix</em> – parallel zur Ausgabe 100 erschien in China ein <em>Strapazin</em>-Special mit Comics von Schweizer Autoren.</p>
<p>Im deutschsprachigen Raum zählen die Verlage Reprodukt, Avant und Edition Moderne zum Freundeskreis. Zudem hat sich inzwischen die Erbengeneration formiert, etwa in Form von zwei jährlich erscheinenden Anthologien, die die Bildsprache des <em>Strapazins </em>aufgreifen und weiterdenken: das von Arne Bellstorf und Sascha Hommer herausgegebene <em>Orang</em> und das von einem Frauenkollektiv um Claire Lenkova gestaltete und Zeichnerinnen vorbehaltene <em>Spring</em><em>.</em></p>
<p>Denn obwohl die Indieszene in Deutschland einen im internationalen Vergleich recht großen Teil vom Comic-Kuchen ausmacht – letztlich ist es alles doch sehr familiär. Auch beim <em>Strapazin</em>: das Kernteam des Anfangsjahre ist, wenn auch ergänzt durch einige jüngere Leute, bis heute mit dabei. „Die soziale Komponente ist ein Grund, warum es Strapazin noch gibt: Es ist unser gemeinsames Ding“, sagt Basler. „Wenn man zusammen was macht, dann hat man auch noch zusammen zu tun.“</p>
<p>Entsprechend flach sind die Hierarchien: Die Hefte werden im Rotationsprinzip von wechselnden Teams gestaltet, in der Regel von zwei Redakteuren und einem der fünf Art-Direktoren. Zusätzlich werden etwa alle zwei Jahre Gast-Redaktionen beauftragt. Jedes Jahr im Herbst trifft sich der rund 15-köpfige Redaktions- und Herausgeberkreis um die Themen der kommenden Ausgaben zu bestimmen – gerade erst am vergangenen Wochenende wurden die vier Themen für 2011 festgezurrt: „Isolated Houses“, „Komplizen“, „Kontaktanzeigen“ und „Essen“. Zuvor erscheint aber Ende November noch die Ausgabe 101 zum Thema „Die Stadt der Zukunft“.</p>
<p>Die Blattmacher haben dabei weitestgehend freie Hand: Wie Kuratoren betreuen sie ihr Heft und entscheiden, ob sie zum Thema lieber passende Kurzgeschichten aus der ganzen Comicwelt zusammentragen oder gezielt Aufträge vergeben. Die einzige Regel: Die Geschichten dürfen noch nicht im deutschsprachigen Raum erschienen sein. „Das <em>Strapazin</em> ist eine Art Wundertüte. Bei uns gibt es keine Hausautoren. Es gibt auch keine Ausgabe ,Comics aus den 30ern&#8217;“, sagt David Basler, „wir schauen immer vorwärts.“</p>
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