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	<title>Michael Brake &#187; Kolumne</title>
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		<title>Folge dem schwarzen Kaninchen</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2016 10:25:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Darknet ist ein Sehnsuchtsort. Es erinnert uns an die Zeit, als das Internet noch eine Welt voller Rätsel und von visionärer Kraft war. (aus der taz vom 3. August 2016) Das schwarze Kaninchen wartet zum vereinbarten]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Darknet ist ein Sehnsuchtsort. Es erinnert uns an die Zeit, als das Internet noch eine Welt voller Rätsel und von visionärer Kraft war. <span id="more-1999"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!132005/" target="_blank">taz</a> vom 3. August 2016)</h3>
<p>Das schwarze Kaninchen wartet zum vereinbarten Zeitpunkt auf mich. Wir treffen uns am unteren Ende des Twitter-Newsfeeds, dort, wo keine neuen Inhalte mehr laden. Ein Wurmloch öffnet sich und wir cybern uns auf die andere Seite, in Sekundenschnelle rasen wir quer durch die Welt und verwischen unsere Spuren: New York, Rio, Tokelau. Schließlich fallen wir in einer Seitengasse in einen Müllcontainer und landen weich auf einem Stapel ungeschredderter Netflix-Kundendaten von Hillary Clinton.</p>
<p class="article even">Wir sind im Darknet, einer Mischung aus Mordor, Sin City und Blade Runner. Der Himmel ist hier immer schwarz und die Gebäude bestehen aus grünen Vektoren. Auf den Straßen verkaufen fliegende Händler alles, was man sich vorstellen kann, und alles Weitere noch dazu: Schrumpfköpfe von türkischen Dissidenten, in Käfigen zusammengepferchte Pikachuwelpen aus Osteuropa, Crystal Crocodile, LSDMA und glutenhaltige Vollei-Nudeln.</p>
<p class="article odd">Vierarmige Zyklopinnen bewachen schummrige Bars, in denen Junghacker und russische Terrorfürsten ihre letzten Bitcoins versaufen. Es gibt hier auch ein Facebook, aber die Urlaubsfotos dort zeigen nur Gewittertage und verschimmelte Hotelzimmer.</p>
<p class="article even">Wir kommen am Eingangstor des Darknets vorbei, es wird von deutschen Journalisten belagert. Jetzt, wo der Neunfachmörder von München „im Darknet“ seine Tatwaffe gekauft hat, wurden sie von ihren Redaktionen geschickt, um das alles einmal aufzuschreiben, die Sache mit dem Hidden Wiki und all den Webshops für Waffen und Drogen und so weiter.</p>
<p class="article odd">Vor allem für die älteren Journalisten ist das Darknet ein Sehnsuchtsort. Es erinnert sie an lange vergangene Zeiten, als das Internet noch eine undurchsichtige Angelegenheit war: zugänglich nur mit Spezialwissen, ästhetisch anspruchslos, langsam, konspirativ, anonym. Verstanden wurde das Netz damals als kohärenter Ort, man konnte „hineingehen“, etwa durch „Portale“, drinnen „traf“ man andere Leute in „Räumen“, immer überlagert von der noch älteren Idee eines Cyberspace, dessen visuelle Codes durch ein paar wegweisende Werke – „Tron“, „Neuromancer“, Neal Stephensons Metaverse, „Matrix“ – für immer festgelegt sind.</p>
<p class="article even">Das alles hat sich längst erledigt. Allerspätestens durch unsere Smartphones wissen wir, dass „das Internet“ sich überall und nirgends zugleich manifestiert. Heute ist es snackable und shareable, bright und durchgestylt. Das Darknet hingegen ist nicht zu fassen, es ist ein chaotischer und unvermessbarer Ort. Für einen kurzen Moment lang bringt es das Mysteriöse, die Ängste, aber auch die Utopien von damals zurück, und das macht es so faszinierend. Glücklich ist, wer das schwarze Kaninchen kennt.</p>
<p class="article odd">Auf einmal fährt neben uns ein großer Bus vorbei, mit offenem Verdeck. Oben stehen Menschen mit bunten Hemden und machen Fotos. Die Leute vom Darknet lassen jetzt hin und wieder Touristengruppen rein, um sich ein wenig Extra-Bitcoins zu verdienen. Es ist der Anfang vom Ende. Die echten Hacker sind eh schon lange im Opaque Web. Das ist noch viel dunkler, geheimer und größer als alles andere.</p>
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		<title>Eine Minute offline</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2014 14:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Michael Brake ist onlinesüchtig. Kein Extremfall, gerade so abhängig wie jeder von uns. Doch Brake wagt einen nie dagewesenen Selbstversuch. (aus der taz vom 25. Juli 2014) Am Anfang ist es aufregend, ein Projekt! Ich richte ein automatisches Mailreply]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Michael Brake ist onlinesüchtig. Kein Extremfall, gerade so abhängig wie jeder von uns. Doch Brake wagt einen nie dagewesenen Selbstversuch.<span id="more-1904"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!143030/" target="_blank">taz</a> vom 25. Juli 2014)</h3>
<p>Am Anfang ist es aufregend, ein Projekt! Ich richte ein automatisches Mailreply ein („Bin zwischen 16:26 Uhr und 16:27 Uhr nicht zu erreichen, werde Ihre Mails danach gerne beantworten“), deaktiviere mein OK-Cupid-Profil und sage meinen 269 Facebook-Freunden Bescheid. Soll sich ja niemand auf den Schlips getreten fühlen.</p>
<p>Als der vereinbarte Zeitpunkt näher rückt, macht sich leichte Panik breit. Habe ich auch nichts vergessen? Ist Donnerstag wirklich der richtige Tag für ein derart lebensveränderndes Projekt? Doch es ist nicht mehr aufzuhalten. „Wenn Sie keine Auswahl treffen, wird der Computer in 34 Sekunden automatisch ausgeschaltet.“ So muss es sein, wenn man mit einem Fallschirm abspringt. 4 … 3… 2 … 1 …</p>
<p>Ich bin im Tunnel. Der Monitor ist schwarz. Die Sonne – die Sonne! – scheint, ich kann mich im Spiegeldisplay des Macbooks schemenhaft selbst erkennen. Das bin also ich, 33. Alt sehe ich aus. Ich stehe auf, schaue zu Boden. Ein achtlos dahingeworfenes Papier liegt dort. Ich bücke mich.</p>
<p>In den folgenden 25 Sekunden räume ich die gesamte Wohnung auf, ich schleife die Dielen ab, ich streiche die Zimmer, lese alles von Marcel Proust und die Buddenbrooks, die ich danach auf Suaheli übersetze, weil ich das gerade gelernt habe. Ich rufe alle meine Tanten an, streiche die Zimmer nochmal anders, mache die Steuererklärungen der kommenden zehn Jahre, zeuge ein Kind und sehe ihm dabei zu, wie es erwachsen wird. Man ist ja so PRODUKTIV, wenn man nicht STÄNDIG auf diesen Bildschirm STARRT.</p>
<p>Zufrieden schaue ich mich um. Es ist still. Ich höre ein Lachen vom Innenhof. Was, wenn Ursula von der Leyen gerade etwas Peinliches gesagt hat? Und ich kann keinen der naheliegendsten 200 Witze darüber twittern? Mir wird bewusst, was ich in diesem Moment alles verpasse. <a href="http://pennystocks.la/internet-in-real-time/" target="_blank" shape="rect">Pro Minute werden</a> 342.000 Tweets geschrieben und 120 Stunden Videomaterial auf Youtube hochgeladen. Wann soll ich mir das alles nachträglich anschauen? Ich schaffe ja gerade mal die 2 neuen MySpace-Inhalte.</p>
<p>Was, wenn ich ein komplettes Meme-Referenzsystem verpasse und nicht mehr verstehe, was meine Friends in 24 Sekunden posten? Moment, Ihnen sind meine Sorgen nicht existenziell genug? Was, wenn Merkel zurückgetreten ist? Was, wenn eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde, und sie evakuieren gerade Neukölln, weil in 13 Sekunden die Bombe hochgeht, und ich kriege nix davon mit? Ich könnte das Radio in der Küche anmachen, aber wo ist denn noch mal die Küche? Wie find ich die denn jetzt??? MAN HAT JA DURCH GOOGLE MAPS TOTAL SEINEN ORIENTIERUNGSSINN VERLOREN HEUTZUTAGE!</p>
<p>Erschöpft sinke ich zu Boden und bleibe auf den Dielen liegen. Die Dielen. Das Holz. Meine Augen erobern die fraktal anmutende Schönheit der Astlöcher. Ich atme ein, meine Lunge füllt sich mit dem Duft von Brandenburger Kiefern, meine Füße spüren den märkischen Sand, in dem die Kiefern einst gewachsen sind.</p>
<p>Meine Katze legt sich zu mir, ich streichele ihren Rücken mit allen fünf Fingern der rechten Hand, über 3.000 Berührungs- und Druckrezeptoren werden durch die seidene Struktur ihres Fells aktiviert, ich nehme sie alle gleichzeitig wahr. Kontemplation. Eine Sekunde dauert so lang wie ein Leben dauert so lang wie die Ewigkeit.</p>
<p>Ich bin jetzt ganz bei mir.</p>
<p>&#8230;</p>
<p>&#8230;</p>
<p>Geschafft! Ich könnte jetzt natürlich auch noch eine weitere Minute offline bleiben, aber wem muss ich jetzt noch etwas beweisen? Ich fahre den Computer wieder hoch und … keine neue E-Mail? WTF???</p>
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		<title>Ferkelmonat Januar</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 05:26:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Prozesse, Mitteilungen und Infos über die Sexvorlieben der Kasachen: Der knallharte Kampf der Pornoseiten um Aufmerksamkeit. (aus der taz vom 31. Januar 2014) „Alter Falter, das glaubt auch keiner der es nicht gesehen hat&#8230;.“ Alter Falter, Spambetreffs werden auch]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Prozesse, Mitteilungen und Infos über die Sexvorlieben der Kasachen: Der knallharte Kampf der Pornoseiten um Aufmerksamkeit.<span id="more-1842"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!132005/" target="_blank">taz</a> vom 31. Januar 2014)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/pornhub_kasachstan.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1843" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/pornhub_kasachstan.jpg" alt="pornhub_kasachstan" width="620" height="310" /></a></p>
<p>„Alter Falter, das glaubt auch keiner der es nicht gesehen hat&#8230;.“ Alter Falter, Spambetreffs werden auch immer bescheuerter. In der Mail dazu geht das so weiter, „das haut einem das Blech weg“. „Mein lieber Scholli“, „da geht einem die Kinnlade runter!“ Wie bitte soll man bei so einem Zum-Bleistift-Vokabular noch von einem seriösen Angebot ausgehen, wie soll man ernsthaft glauben, dass man hier in 39 Minuten eine Technik lernen kann, mit der man in sieben Tagen 4.575 Euro verdient?</p>
<p>Aber man soll sich nicht über Spam beschweren, immer noch besser, als gar keine Mails zu bekommen, wie von meiner Hausverwaltung, die diesen Service leider nicht anbietet. Ich darf aber ein Fax schicken oder dienstags (10–13 Uhr) beziehungsweise donnerstags (14–17 Uhr) anrufen und kann mir außerdem sicher sein, dass die US-Geheimdienste wirklich überhaupt nichts über die Wasserflecken an der Decke wissen.</p>
<p>Seltsam sind auch Mails von Anbietern, die man eher im Schattensegment des Internets verortet, die einem aber ganz hochoffizielle Pressemitteilungen schicken. Vor zwei Wochen kam Post von RedTube, der Pornofilmseite, die nicht klingen will wie eine Pornofilmseite. Sie begrüßte ihren zweimilliardsten deutschen Nutzer und stellte klar: „For close to eight years, viewers have trusted RedTube to deliver a quality adult entertainment experience across a streaming platform.“ Bei RedTube werden Qualität und Vertrauen eben noch großgeschrieben!</p>
<p>Außerdem wurde das Statement der Bundesregierung begrüßt, dass Streaming keine Urheberrechtsverletzung sei, als Reaktion auf <a href="http://www.taz.de/Kommentar-Redtube-Urteil/%21131852/" target="_blank" shape="rect">das laufende Abmahnverfahren gegen RedTube-Nutzer</a>, das, wie <a href="http://twitter.com/mspro" target="_blank" shape="rect">mspro</a> zurecht sagte, in Wirklichkeit ja die optimale PR-Kampagne ist. Die meisten Leute kannten vorher ja gar nichts anderes als YouPorn!</p>
<p>Die Konkurrenz muss sich da eigene PR-Tricks einfallen lassen. Der britische Anbieter Pornhub hat deshalb neulich <a href="http://onlinetaz.hal.taz.de/http://" target="_blank" shape="rect">zum wiederholten Male</a> seine <a href="http://www.theguardian.com/news/datablog/2014/jan/07/pornhub-porn-trends-search-terms-time" target="_blank" shape="rect">Nutzerstatistiken veröffentlicht</a>. 8:56 Minuten verbringt der Durchschnittsuser auf der Seite, Briten brauchen rund eine Dreiviertelminute länger, Amerikaner sind sogar 11 Minuten dabei.</p>
<p>Bei den beliebtesten Suchbegriffen, nach Ländern sortiert, ist fast immer das eigene Land on top, also „German“, „British“, „Italian“, „Japanese“. Dieser Trend zeigt sich übrigens auch in dem <a href="http://www.pornmd.com/sex-search" target="_blank" shape="rect">noch umfangreicheren Datenmaterial</a> der Metaseite PornMD, Ausnahmen bilden so abseitige Länder wie Irland (Topbegriff: „Gangbang“) und Kasachstan („Lesbian Prison“) oder die besonders kreativen Iraner („Pussy“) und Finnen („Sex“).</p>
<p>Von Pornhub lernen wir ferner, dass der beliebteste Onlinepornogucktag in fast allen Ländern – außer Japan – der Montag ist. Und ähnlich beliebt ist auch der Januar, nur Mexiko (März) und wieder Japan (November) scheren hier aus. Klar: Über Weihnachten zerbrechen gerne mal Beziehungen, und überhaupt, bei all den guten Vorsätzen, weniger essen, weniger Alkohol, weniger Spaß, hat man ja auch nix Besseres zu tun als zu Hause zu bleiben und sich einen runterzuholen. Zum Glück ist dieser Ferkelmonat nun endlich vorbei!</p>
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		<title>Sad Cactus und Bizarrocons</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jan 2014 19:44:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Was kommt nach Vadering und Harlem Shake? Unser Onlinetrend-Powerteleskop offenbart einen Blick auf die Supertrends 2014. (aus der taz vom 3. Januar 2014) Hach, 2013, was hast du sie doch bei Laune gehalten, die armen Teufel, die einst]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Was kommt nach Vadering und Harlem Shake? Unser Onlinetrend-Powerteleskop offenbart einen Blick auf die Supertrends 2014.<span id="more-1646"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!130281/" target="_blank">taz</a> vom 3. Januar 2014)</h3>
<p>Hach, 2013, was hast du sie doch bei Laune gehalten, die armen Teufel, die einst als Internetfachredakteure eingestellt wurden und die nun jede verdammte Woche neue lustige „Netztrends“ benötigen, um ihre Rubriken mit Namen wie „Aus dem Netz gefischt“ vollzuschreiben. Trends, die gern aus Asien oder den USA zu uns „rüberschwappen“, um fortan „in Blogs und sozialen Netzwerken“, „auf dem beliebten Kurznachrichtendienst Twitter“, „bei den neuen Fotoblogginganbietern Instagram und Tumblr“ oder gleich im ganzen „Web“ zu „kursieren“.</p>
<p>Und was für ein Jahr: Musikvideos mit schreienden Ziegen, ein Hund namens Doge, Hallway Swimming, Desk Safari, Cat Bearding, Batmanning, Vadering, Mamming, Hadokening, Harlem Shake, Prancercise und 17 Millionen Sorten Selfies. Irre!</p>
<p>Doch wie geht es jetzt weiter, wie soll man das noch toppen, was hält diese verrückte Netzcommunity als Nächstes für uns bereit? Knifflig, denn zwar lassen sich für praktisch alle Bereiche des Lebens ohne Probleme die „Trends 2014“ ergoogeln – für Mode: Midi-Röcke, Gelb, Pastell, Bauchfrei, Durchblick, Pflanzen-Prints, Shorts <em>(<a href="http://www.cosmopolitan.de/bildergalerie/b-26792/modetrends-2014-von-der-berlin-fashion-week.html" target="_blank" shape="rect">Cosmopolitan</a>),</em> für Wohnen: New York Elegance, Venetian Dream, Berlin Independence, Global Rhythm <em>(<a href="http://www.guj.de/presse/pressemitteilungen/schoener-wohnen-kollektion-praesentiert-die-vier-neuen-wohntrends-2014/" target="_blank" shape="rect">Schöner Wohnen</a>),</em> für Autos: Mehr Sicherheit, Kältemittelstarre, Gramm zählen, SUV, Bedeutungsverlust <em>(<a href="http://www.welt.de/motor/article123028922/Die-wichtigsten-Trends-des-Auto-Jahres-2014.html" target="_blank" shape="rect">Die Welt</a>),</em> ja gar für Haarfarben: Karamell, Rosa, Strähnchen färben, multitonale Effekte, Walnuss, Platinblond usw. <em>(<a href="http://www.jolie.de/bildergalerien/haarfarben-2012-trends-1876518.html" target="_blank" shape="rect">Jolie</a>) </em>– nur fürs Internet gibt es so gut wie keine konkreten Ergebnisse.</p>
<p>Allenfalls Subkategorien wie „Social Media Trends 2014“ <a href="http://www.forbes.com/fdc/welcome_mjx.shtml" target="_blank" shape="rect">werfen Listen aus</a> und darin stehen dann so Sachen wie „Investment in Social Media Will Become a Necessity, Not a Luxury“ oder „Image-Centric Networks Will See Huge Success“ (danke, <em>Forbes, </em>uns interessieren aber die Trends von 2014 nach christlicher, nicht nach jüdischer Zeitrechnung).</p>
<p>Doch zum Glück gibt es ja den Onlinetrend-Powermotor „Nullen und Einsen“. Flugs einen Blick durch unser Trendteleskop geworfen, schon offenbaren sich folgende Supertrends am Trendhorizont 2014: Der Sad Cactus wird die neue Grumpy Cat. Emoticons bekommen Ohren. Second Life erlebt seine erste Retrowelle durch die In-Game-App „Third Life“, anschließend gibt es einen Riesenstreit, ob das nun „Postretro“ heißen muss oder ob Space Invaders ab sofort von „Retro“ zu „Klassik“ befördert werden.</p>
<p>Mozilla veröffentlicht 15 neue Firefox-Versionen. Auf Wearables und Driveables folgen Eatables. Es wird ein neuer Buchstabe eingeführt, der die Frage beendet, ob man „geliket“ oder „geliked“ schreiben sollte. Snapchat landet mit seinem sozialen Netzwerk „Vegas“ einen Riesenerfolg: Es ist komplett vom Rest des Netzes abgeschnitten und niemand kann irgendwas rein- oder raussharen („What happens in Vegas, stays in Vegas“). Der Headless- und der Turnaround-Selfie beerdigen den Selfie-Hype.</p>
<p>Dazu kommen noch ein paar selbsterklärende Trends, die hier nicht weiter ausgeführt werden müssen: Schnecking, Overunderism, Fragmented Chats, Boo Birds, Bizarrocons. Und natürlich der Übertrend 2014: das Wittgensteining.</p>
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		<title>The next big thing im WTF-Marketing</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Dec 2013 19:44:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Neues von der Bullshit-Front: Click + Collect verbindet das Schlechteste aus dem Online- und Offline-Shopping. (aus der taz vom 6. Dezember) Bei Karstadt am Hermannplatz steht es, passend zum Weihnachtsgeschäft, groß im Schaufenster: „Click + Collect“. Was klingt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Neues von der Bullshit-Front: Click + Collect verbindet das Schlechteste aus dem Online- und Offline-Shopping.<img title="Weiterlesen …" src="http://michaelbrake.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /> <span id="more-1647"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!128849/" target="_blank">taz</a> vom 6. Dezember)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Karstadt_ClickCollect.jpg"><img class="size-full wp-image-1657 aligncenter" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Karstadt_ClickCollect.jpg" alt="Karstadt_ClickCollect" width="620" height="301" /></a></p>
<p>Bei Karstadt am Hermannplatz steht es, passend zum Weihnachtsgeschäft, groß im Schaufenster: „Click + Collect“. Was klingt wie ein Computerspielgenre aus den 80ern (Jump + Run, Hack + Slay, Point + Click) ist in Wirklichkeit das nächste große Ding im WTF-Marketing. Beziehungsweise im Multichannel-Marketing, wie diese Bullshit-Unterkategorie offiziell heißt.</p>
<p>Click + Collect bedeutet: Zu Hause am Computer die Waren aussuchen und sie sich dann im stationären Handel abholen. Sprich: Man kann die Sachen vorher nicht anfassen und ausprobieren, sie werden aber auch nicht nach Hause geliefert.</p>
<p>Also das Schlechteste aus zwei Welten, ein wenig so, als würde man in ein Kino im Nachbarbezirk fahren, eine Viertelstunde anstehen und sieben Euro für eine Karte bezahlen, mit der man einen Film dann zu Hause und nur zu einer bestimmten Zeit auf dem 11-Zoll-Laptopbildschirm mit Scheppersound gucken kann. Und vor einem sitzt ein Mann, der seinen Zylinder nicht abnimmt, und schmatzt ganz laut.</p>
<p>Laut Wikipedia ist das Konzept aber sehr erfolgreich. „Mittlerweile wird der Großteil der Kaufentscheidungen in zahlreichen Non-Food-Bereichen online gefällt, sprich die Konsumenten recherchieren im Internet, bevor sie offline, also in den Filialen, kaufen“, steht <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Click_and_Collect" target="_blank" shape="rect">im Click+Collect-Artikel</a>. „Dieses Phänomen wird auch als ’ROPO-Effekt‘ bezeichnet. ROPO ist dabei ein Akronym von ’research online, purchase offline‘“</p>
<p>Das ist irre, denn bisher kannte ich nur den ROPO-Effekt („research offline, purchase offline“), den ROPO-Effekt („research offline, purchase online“) und natürlich den berühmten ROPO-Effekt („research online, purchase online“). Beim vorangegangenen Satz denken Sie sich bitte die Stimme von diesem Sprecher, der immer bei Stefan Raab <a href="http://vimeo.com/31343608" target="_blank" shape="rect">die Beiträge vertont</a>.</p>
<p>Click + Collect + Co sind dabei in erster Linie eine Reaktion auf das „Showrooming“, bei dem wir Kunden die Kaufhäuser, Klamottenläden und Elektronikgeschäfte nur noch als Ausstellungsraum zum An- und Ausprobieren nutzen, beim geschulten Fachpersonal ein paar Beratungsleistungen abgreifen und schließlich, am besten noch direkt vor Ort, im Smartphone nachschauen, bei welchem Webshop das Zeug billiger zu haben ist (und es gibt immer einen, schließlich sparen die sich Verkaufsflächen und Mitarbeiter). In Australien hatte deswegen ein Ladenbesitzer sogar damit angefangen, von seinen Kunden <a href="http://www.sueddeutsche.de/geld/einkaufsphaenomen-showrooming-nur-mal-gucken-kostet-fuenf-dollar-1.1633568" target="_blank" shape="rect">fünf Dollar zu nehmen</a>, wenn sie „nur mal gucken wollen“, und diesen Eintrittspreis später mit dem Kauf zu verrechnen.</p>
<p>Von daher ist der Versuch verständlich. Wenn man doch aber bloß die, äh, Benefits des Verfahrens ein bisschen überzeugender rüberbringen würde! In Karstadts Pressemitteilung <a href="http://www.presseportal.de/pm/16971/2365261/karstadt-staerkt-online-geschaeft-neuer-service-bei-karstadt-de-click-collect" target="_blank" shape="rect">zum Click + Collect-Start</a> vor rund einem Jahr stand stolz: „Dies hat entscheidende Vorteile: Der Kunde spart nicht nur die Versandkosten, er kann außerdem die Ware direkt vor Ort anprobieren, ein passendes Accessoire dazu finden und sich beraten lassen.“ Das klingt total einleuchtend … aber wo war da gleich der Unterschied zum ganz normalen Kaufhauskauf (ROPO)?</p>
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		<title>Die Entdeckung der Fischkoppness</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Nov 2013 19:58:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von St. Petersburg zu Pu der Bär in weniger als fünf Schritten: Eine Reise auf den wunderbaren Wegen der Serendipidingsbums. (aus der taz vom 8. November 2013) Es gibt kein Wort, das ich so schlecht aussprechen oder aufschreiben]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN<img title="Weiterlesen …" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /> Von St. Petersburg zu Pu der Bär in weniger als fünf Schritten: Eine Reise auf den wunderbaren Wegen der Serendipidingsbums.</h3>
<h3><span id="more-1649"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!127066/">taz</a> vom 8. November 2013)</h3>
<p>Es gibt kein Wort, das ich so schlecht aussprechen oder aufschreiben kann wie Serendipität. Jedes Mal verdreht sich mein Gehirn und ich muss nachschlagen, ob es nun <a href="http://riesenmaschine.de/?nr=20121118013939" target="_blank" shape="rect">Serendipidität</a> heißt oder doch nur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipit%C3%A4t" target="_blank" shape="rect">Serendipität</a>. Ich versuche, es mir auf Englisch vorzusagen, aber scheitere nur noch mehr. Alles klingt falsch! Immer!</p>
<p>Dabei beschreibt das Wort doch etwas so Schönes: Das Zufallsfundprinzip, das Entdecken von Dingen, von denen man nicht mal wusste, dass es sie gibt, geschweige denn dass man nach ihnen gesucht hat.</p>
<p>Wikipedia ist dabei das junge Königreich der Serendipität. Neulich suchte ich, inspiriert von einer Erkundung der Ostsee auf GoogleMaps, nach der nördlichsten Millionenstadt der Welt. Das ist tatsächlich St. Petersburg, wie im Wikipedia-Beitrag <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%B6rdlichste_Orte_der_Erde" target="_blank" shape="rect">Nördlichste Orte der Erde</a> steht, der nicht nur auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdlichste_Orte_der_Erde" target="_blank" shape="rect">Südlichsten Orte der Erde</a> verweist (St. Petersburgs Gegenstück ist Melbourne), sondern auch auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nordizit%C3%A4t" target="_blank" shape="rect">Nordizität</a>.</p>
<p>Die Nordizität ist eine Erfindung des kanadischen Geographen Louis-Edmond Hamelin und beschreibt die Nördlichkeit („Fischkoppness“ jubelt M. im Facebookchat) eines Ortes anhand von zehn Faktoren, zu denen die Erreichbarkeit, die Eisartigkeit, das BIP und der Niederschlag zählen. Die maximale Nordizität eines Ortes ist 1.000, was aber nur der Nordpol erreicht (womit also ein niedriges BIP ein Anzeichen für Nordizität sein muss, das finde ich ziemlich südistisch).</p>
<p>Ich muss an das Lied <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fi92_ka9Mvk" target="_blank" shape="rect">„Die langweiligsten Orte der Welt“</a> denken, in dem „Das flachste Meer der Erde“ besungen wird, was wiederum, Kreise schließen sich, die Ostsee ist, an Pu der Bärs Expedition zum Nordpol, wo Christopher Robin sagt: „Ich nehme an, dass es auch einen Ostpol und einen Westpol gibt, obwohl man allgemein nicht gern über sie spricht“, ferner an den Rattenfänger von Hameln, und seit Tagen blitzt immer wieder das Wort „Geschiebemergel“ in meinem Kopf auf und verschwindet schnell wieder.</p>
<p>Es gibt ein Spiel, das diese ungeplante Wissensvermehrung zum, äh, Spiel macht: „The Six Degrees of Wikipedia“ (TSDoW), was auf Stanley Milgrams „The Six Degrees of Separation“ (bei uns bekannt als Kleine-Welt-Phänomen) genauso anspielt wie auf den Filmnerd-Schwanzvergleich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Six_Degrees_of_Kevin_Bacon" target="_blank" shape="rect">„The Six Degrees of Kevin Bacon“</a>. Ziel von TSDoW ist, mit möglichst wenig Klicks von einem Beitrag zu einem anderen zu kommen.</p>
<p>Auf der <a href="http://https//www.taz.de/Netzkonferenz-republica-3-Tag/!115973/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a> hatte ich es im Mai zum ersten Mal live gesehen, „Wir wollen nur kurz was nachschlagen und fünf Stunden später stellen wir fest, wir wissen jetzt alles über Quantenbotanik, aber nicht, wie wir dahin gekommen sind“, sagte der Moderator dort, und danach wurde der Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arthrose" target="_blank" shape="rect">Arthrose</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_%28Deutschland%29" target="_blank" shape="rect">Einkommenssteuer (Deutschland)</a> beschritten und von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisen" target="_blank" shape="rect">Eisen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_Bescherung" target="_blank" shape="rect">Schöne Bescherung</a>. Zwischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwei%C3%9Fen" target="_blank" shape="rect">Schweißen</a> bis <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis" target="_blank" shape="rect">Antarktis</a> liegen gerade einmal fünf Artikel: Eisenzeit -&gt; Frühgeschichte -&gt; Nordamerika -&gt; Arktischer Ozean -&gt; Arktis (da ist sie schon wieder!).</p>
<p>Gegangen bin ich, als es von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heesters" target="_blank" shape="rect">Johannes Heesters</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mom_I%27d_Like_to_Fuck" target="_blank" shape="rect">Mom I&#8217;d Like to Fuck</a> ging. Ich brauchte ein neues Bier. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
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		<title>So wie einst Jochen Schmidt</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Oct 2013 18:44:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über eine prominente Volleyballhalle (aus der taz vom 21. Oktober 2013) Jahrelang dachte ich, Jochen Schmidt, also der Lesebühnen-Schmidt, der Müller-haut-uns-raus-Schmidt, seit Neuestem auch der Schneckenmühle-Schmidt, also der Damals-im-Osten-war-ich-auch-zu-schüchtern-Frauen-anzusprechen-Jochen-Schmidt halt, hätte in meiner Volleyballhalle früher Schulsport gehabt. Die]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>BERLINER SZENE über eine prominente Volleyballhalle <span id="more-1650"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Berliner-Szenen/!125979/" target="_blank">taz</a> vom 21. Oktober 2013)</h3>
<p>Jahrelang dachte ich, Jochen Schmidt, also der Lesebühnen-Schmidt, der Müller-haut-uns-raus-Schmidt, seit Neuestem auch der Schneckenmühle-Schmidt, also der Damals-im-Osten-war-ich-auch-zu-schüchtern-Frauen-anzusprechen-Jochen-Schmidt halt, hätte in meiner Volleyballhalle früher Schulsport gehabt.</p>
<p>Die Halle gehört zum Heinrich-Hertz-Gymnasium an der Rigaer Straße und ist so klein, dass man an allen vier Feldseiten nur einen halben Meter Auslauf hat und der Ball dauernd an die Decke prallt, aber den Kurs besuche ich trotzdem furchtbar gern, schon seit zwölf Jahren jeden möglichen Montagabend. Er ist das einzige konstante Element in meinem Leben.</p>
<p>Als ich dann neulich mit M. chattete, erzählte sie von einem Tischfußballkurs an der FU. Wir kamen über die hohe Kursgebühr auf die generell hohen FU-Hochschulsport-Preise zur unterschiedlichen Sportstättenlage im Vergleich zur HU. Und ich erzählte von besagter Halle, in der aber ja – immerhin – früher auch Jochen Schmidt Schulsport hatte. Vermutlich wurde er dort immer als Vorletzter in die Mannschaften gewählt, also so würde er das jedenfalls erzählen. Und heute spielt er Fußball-Nationalmannschaft, nur die der Autoren zwar, aber immerhin.</p>
<p>Um sicherzugehen, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Hertz-Gymnasium_%28Berlin%29" target="_blank" shape="rect">wikipedierte</a> ich die Information aber noch mal und musste dann feststellen, dass das Hertz-Gymnasium erst 1993 in die Rigaer gezogen war. Schmidt hatte aber schon 1989 Abitur gemacht. Wikipedia, die alte Spielverderberkuh.</p>
<p>Obwohl … weiß man jetzt auch nicht, was bedeutender ist: die Idee einer Hertz-Schulen-Sporthalle an sich oder ihre profane gebäudliche Manifestation. Institutionell gesehen spiele ich ja schon dort Volleyball, wo Jochen Schmidt mal Schüler war. Genau wie übrigens Gregor Gysi, Jürgen Kuttner, Jakob Hein, Tamara Danz und Klaus Lederer, wie ich dank Wikipedia jetzt auch weiß.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/rudimeierkurs.jpg"><img class="size-full wp-image-1651 aligncenter" alt="rudimeierkurs" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/rudimeierkurs.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
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		<title>Am Randrillenrand</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Oct 2013 17:19:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über eine die letzten Tage der Wespen in Berlin.(aus der taz vom 14. Oktober 2013) Auch an den letzten warmen Tagen in Berlin kommt die U-Bahn bei mir nicht alle vier Minuten vorbei, denn ich sitze vorm falschen Café. Dafür]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>BERLINER SZENE über eine die letzten Tage der Wespen in Berlin.<strong><img title="Weiterlesen …" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /><span id="more-1623"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Berliner-Szenen/!125456/" target="_blank">taz</a> vom 14. Oktober 2013)</strong></h3>
<p>Auch an den letzten warmen Tagen in Berlin kommt die U-Bahn bei mir nicht alle vier Minuten vorbei, denn ich sitze vorm falschen Café. Dafür kommt alle vier Sekunden eine Wespe vorbei – die Mädchen am Nebentisch reden auch über nichts anderes. Ich verstehe diese Wespenpanik nicht, dieses „Mach das weg, mimimi“ und das „Jetzt NICHT bewegen“ und das „Ganz vorsichtig!“ und das „Neiiihiiin, mach sie nicht auch noch sauer!“. Man muss doch nur stillhalten.</p>
<p>„Bonjour“, sagt der Kellner und spricht dann auf Fränkisch weiter. Es ist noch schön warm in der Nachmittagssonne und ich lese zum Frühstück das neue <em>Strapazin</em>. Na ja, eigentlich bin ich dauernd abgelenkt und schaue Dinge im Handy nach oder mache Fotos. Ob es schon Cafés mit Instagramverbot gibt? Am anderen Nebentisch bestellt und isst ein Mann mit Anzug und Brille das Gulasch mit Spätzle in weniger als zehn Minuten. Er sieht dynamisch aus.</p>
<p>Die Wespen sind jetzt alle zu mir rübergeschwirrt. Ich schaue ihnen zu. Der Honig aus meinem Quark hat sich in die Randrille des runden Frühstücksbrettchens ergossen und mehrere Wespen sitzen am Randrillenrand und schlürfen wie Pferde am Ufer eines Baches. Manche Wespen kämpfen auch miteinander in der Luft, ihr Futter wird knapp, bald werden sie tot sein, alle. Das ist so traurig! Ich rette eine Wespe vom Grund meines Latte-macchiato-Glases, sie schüttelt sich und fliegt davon.</p>
<p>„Was muss ich denn eigentlich bestellen, wenn ich einen Kaffee mit Milch, aber ohne Schaum bestellen will“, fragt der Mann, der nun da sitzt, wo vorher der Gulaschmann war. „Einen Kaffee mit Milch ohne Schaum“, sagt der Kellner.</p>
<p>Wenig später fegt der Wind die Zeitung des Mannes auf die Straße, ein Krankenwagen überfährt sie. Ein Spatz mit weißen Sprenkeln auf dem Kopf hüpft unter den Tischen lang.</p>
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		<title>Zukunft gestern, heute, morgen</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Oct 2013 17:19:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Früher träumte man davon, mit Schießbaumwolle zum Mond fliegen, heute entfernt Apple die Röhrenmikrofone aus seinen Handys. (aus der taz vom 11. Oktober 2013) „Wie sieht unsere Zukunft in 50 Jahren aus?“, fragt mich eine PR-Mail.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Früher träumte man davon, mit Schießbaumwolle zum Mond fliegen, heute entfernt Apple die Röhrenmikrofone aus seinen Handys. <span id="more-1622"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!125287/" target="_blank">taz</a> vom 11. Oktober 2013)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/retrofuturismus_stollwerck.jpg"><img class="size-full wp-image-1641 aligncenter" alt="retrofuturismus_stollwerck" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/retrofuturismus_stollwerck.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>„Wie sieht unsere Zukunft in 50 Jahren aus?“, fragt mich eine PR-Mail. Als wäre es nicht schon schwer genug, sich zu überlegen, wie die Welt in 50 Jahren aussieht, nein, jetzt muss es schon die Zukunft der Zukunft sein. Die einfache reicht uns wohl nicht mehr.</p>
<p>So blöd ist die Frage dann aber doch nicht, sah doch etwa die Zukunft vor 50 oder 100 Jahren noch ganz anders aus als heute, selbst wenn es um Zeitpunkte geht, die immer noch in der Zukunft liegen, also etwa um 2081. Denn Zukunftsvorstellungen verlängern meist einfach nur die Gegenwart, was dazu führt, dass die Leute bei Jules Verne mit Hilfe einer 270 Meter langen Gusseisenkanone und Schießbaumwolle zum Mond fliegen.</p>
<p>Mit dem Retrofuturismus beschäftigt sich inzwischen ein ganzes Science-Fiction-Subgenre damit, wie die Zukunft in der Vergangenheit aussah: Im Steampunk sind Computer und Luftschiffe dampfbetrieben und im Stile der viktorianischen Zeit gestaltet, im Dieselpunk sehen sie aus wie die Stahlungetüme in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Und wenn wir uns heute die Flugtaxis – warum eigentlich immer diese Flugtaxis? – im Jahr 2100 vorstellen, haben sie selbstverständlich Touch-Displays und Sprachsteuerung.</p>
<p>Auch bei der Implementierung der Zukunft im Jetzt wird gern auf Retroelemente zurückgegriffen. Der beliebteste Handyklingelton? Ein Rrrrrring wie von Opas Wählscheibenapparat. Das Geräusch beim Smartphonefoto? Ein sattes Schnappklack wie bei einer alten Nikon. Skeuomorphismus nennt sich dieses Designprinzip, das Wort gibt es seit über 100 Jahren, schon die ersten elektrischen Wasserkocher sahen aus wie die Teekessel, die sie verdrängten.</p>
<p>Skeuomorphismen sind gut, denn sie nehmen den Leuten die Angst vorm Neuen und sorgen für intuitive Usability. Skeuomorphismen sind zugleich schlecht, denn sie wählen nicht das effektivste Design und die beste Bedienmethode, sondern einfach nur Vorhandenes, was sich dann oft auch nie mehr ändert.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/retrofuturismus_stollwerck2.jpg"><img class="size-full wp-image-1642 aligncenter" alt="retrofuturismus_stollwerck2" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/retrofuturismus_stollwerck2.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Vor ein paar Wochen hat übrigens Apple die neue Version seines iPhone-Betriebssystems ausgeliefert, in der das Design grundlegend verändert wurde. Viele Grundfunktionen sehen jetzt nicht mehr aus wie aus Holz und Leder, die Notiz-App ist nicht mehr karteikartengelb, und bei der Aufnahme von Sprachmemos blickt man nicht mehr auf ein Röhrenmikrofon. Die Welt ist ein wenig unskeuomorpher geworden und so wird auch die Zukunft bald wieder eine andere sein.</p>
<p>„Wie die Vergangenheit in 50 Jahren aussieht, darüber kann man schon jetzt recht verlässliche Aussagen treffen“, kommentierte jemand auf Facebook den PR-Mail-Satz. Na ja. So verlässlich dann auch wieder nicht, denn auch die Vergangenheit konstituiert sich ja andauernd neu, es ist kein Zufall, dass wir von „Geschichte“ sprechen, die in der Regel nicht „beschrieben“, sondern „geschrieben“ wird.</p>
<p>Über das Bild der Menschen im Jahr 2063 von unserer Zeit können wir uns daher nur grobe Vorstellungen machen. Wird der NSA-Skandal als Beginn einer Zeitenwende gelten? Wird er nur eine Anekdote sein, so skurril wie Mata Hari? Oder wurde der gesamte Vorgang bis dahin schon komplett aus der Geschichte wegzensiert sein?</p>
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		<title>Atombombenstarke Niedlichkeit</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Aug 2013 19:32:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Auch 2013 bleiben Katzen die Flauschköniginnen des Netzes. Warum eigentlich Katzen? Warum keine Wiesel, Hunde oder Pinguine? (taz.de vom 8. August 2013) Wisst ihr noch? 2012? Das Jahr des Hasen – das in Vietnam das Jahr der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Auch 2013 bleiben Katzen die Flauschköniginnen des Netzes. Warum eigentlich Katzen? Warum keine Wiesel, Hunde oder Pinguine?<span id="more-1558"></span> (<a href="http://taz.de/Kolumne-zum-Weltkatzentag/!121217/" target="_blank">taz.de</a> vom 8. August 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/weltkatzentag2013.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1565" alt="weltkatzentag2013" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/weltkatzentag2013.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Wisst ihr noch? 2012? Das Jahr des Hasen – das in Vietnam <a href="http://www.vivatier.com/Artikel/Das_Jahr_des_Hasen,_pardon_der_Katze" target="_blank" shape="rect">das Jahr der Katze ist</a> – war gerade vorüber und die Apocatlypse stand bevor. Katzen <a href="http://www.wasmitmedien.de/2012/05/02/rp12-tag-1/" target="_blank" shape="rect">abgewertet von AAA auf AA+</a>, Eulen und Igel auf dem Vormarsch. Ein Ende der Ailurokratie im Internet drohte.</p>
<p>Die Sache wurde abgeblasen und 2013 ist wieder ganz in Katzenhand, Erfolgsmeldungen überall: <a href="http://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/futterbranche-im-wandel-trendtier-katze-verdraengt-wellensittich_aid_1051207.html" target="_blank" shape="rect">„Trendtier Katze verdrängt Wellensittich“</a> +++ <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/lammert-lehnt-aenderung-der-hausordnung-ab-weiter-hundeverbot-im-bundestag/8556600.html" target="_blank" shape="rect">„Weiter Hundeverbot im Bundestag“</a> +++<a href="http://www.zeit.de/news/2013-06/10/d-katzen-hunden-und-frettchen-reisen-in-der-eu-kuenftig-einfacher-10160402" target="_blank" shape="rect">„Katzen, Hunden und Frettchen reisen in der EU künftig einfacher“</a>+++ <a href="http://www.immo-site.de/bundesgerichtshof-generelles-hunde-und-katzenverbot-unwirksam-9977.html" target="_blank" shape="rect">„Generelles Hunde- und Katzenverbot im Mietvertrag unwirksam“</a>. Zusätzlich eröffnen jede Woche gefühlt drei Katzencafés, gerade erst <a href="http://www.berliner-zeitung.de/berlin/katzencaf--in-neukoelln-macchiato-mit-mieze,10809148,23887902.html" target="_blank" shape="rect">eins in Neukölln</a>, und die Igel – die lieben, die dummen Igel! – sind inzwischen ausgestorben oder so, man hört ja nichts mehr von ihnen.</p>
<p>Aber warum sind es denn eigentlich immer wieder Katzen im Internet? Und nicht Gürteltiere, Wiesel, Wellensittiche oder gar Hunde? Warum selbst Pinguine <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4YuWLKQ5e54" target="_blank" shape="rect">nur in Ausnahmefällen</a>?</p>
<p>Eine Theorie: Hundebesitzer konnten sich schon immer auf der Straße und im Park erkennen, sie können sich dort austauschen und ihre Hunde bestaunen. Katzenbesitzer können das erst, seitdem es das Internet gibt und haben starken Nachholbedarf. Oder anders: Katzen sind im Internet auch deshalb populär, weil sie dort rumliegen, wo das Internet gemacht wird, nämlich in Wohnungen bzw. auf den Unterarmen der Netznutzer. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Katzen mit dem Durchbruchs des mobilen Internets vor einer riesigen neuen Herausforderung stehen. Auf Instagram sieht man schon heute gefühlt so viele Hunde wie Katzen.</p>
<p>Auch der große Denker und Katzenfreund <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/" target="_blank" shape="rect">Peter Glaser</a> sieht den technischen Fortschritt als Erklärung. Im 20. Jahrhundert seien, so Glaser, in den Medien fast ausschließlich Tiere präsent gewesen, die sich dressieren lassen, vor allem im Bewegtbild, wo man stets vorher mühsam die Kamera einrichten musste.</p>
<p>Das, was wir alle so gern auf YouTube bestaunen, seien aber die kleinen Wunder des Lebens, die sekundenlangen Momente der Unplanbarkeit. Deshalb gehörten die unberechenbaren Katzen zu den prädestinierten Wunderproduzenten. Und deshalb, so Glaser, könnten wir erst jetzt, wo jedes kleine Gadget eine integrierte, schnell auslösende Kamera hat, die Augenblicksgeschwindigkeit der Katzen überhaupt einfangen.</p>
<p>In diese Richtung geht auch <a href="http://katjadittrich.de/" target="_blank" shape="rect">Katja Berlin</a>, die Autorin des Klolektüre-Instant-Klassikers „Cat Content – SMS von meinem Kater“: Katzen produzieren gute Pointen „weil es so unvorhersehbar ist, man kann Katzen nicht dressieren oder trainieren, darauf, dass sie lustige Dinge zu machen, sondern es lebt von so einer unfreiwilligen Komik“, sagt sie <a href="http://www.fritz.de/neues_wort/multimedia/2013/04/internetgeheimnisse.html" target="_blank" shape="rect">im Radiointerview</a>.</p>
<p>Und noch eine These <a href="http://www.steadynews.de/allgemein/das-phanomen-katze-im-internet-warum-sind-katzen-meme-und-nicht-hunde-video" target="_blank" shape="rect">aus dem Internet</a>: Weil Katzen sich nicht beherrschen lassen, weil sie in ihrem Wesen elegant und unantastbar sind, ist jeder Bruch von diesem Bild ein Ereignis. Ein Hund ist schon blöd genug, den muss man nicht auch noch dabei zeigen, wie er sich zum Löffel macht (kann man aber <a href="http://www.buzzfeed.com/mattbellassai/dogs-who-are-too-stupid-for-their-own-good" target="_blank" shape="rect">trotzdem</a>). Katzen hingegen „bewegen sich normalerweise so elegant und graziös, dass jeder Fehltritt und jede tollpatschige Geste absurd und komisch wird – der Kaiser ist mal wieder splitternackt.“</p>
<p>Gut. Theorie. Boring. In Wirklichkeit sind Katzen natürlich aus einem viel einfacheren Grund so beliebt: Weil sie die beiden Kardinaltugenden der Tierreichs – Flauschigkeit und Awwwwwwigkeit – optimiert in sich vereinen. Oder um es mit den Worten Peter Glasers zu sagen: Wegen ihrer atombombenhaften Niedlichkeit.</p>
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		<title>Was Spione halt so machen</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jul 2013 19:45:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Überwachungshysterie verfolgt einen in diesen Tagen bis ans Ende der Welt. Wir sollten uns alle ein Beispiel an James Bond nehmen. (aus der taz vom vom 19. Juli 2013) 50 Euro Belohnung verspricht der Aushang. „Am]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Überwachungshysterie verfolgt einen in diesen Tagen bis ans Ende der Welt. Wir sollten uns alle ein Beispiel an James Bond nehmen.<span id="more-1568"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!120210/" target="_blank">taz</a> vom vom 19. Juli 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/drohneentflogen.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1569" alt="drohneentflogen" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/drohneentflogen.jpg" width="310" height="365" /></a>50 Euro Belohnung verspricht der Aushang. „Am 26. 6. vom Parkplatz ’Nordstrand‘ startete ich meinen Quadcopter DJI Phantom in Richtung der beiden Leuchttürme von Kap Arkona. Leider kam mein Fluggerät nicht zurück und ging irgendwo im ’Gelände‘ verloren. Unter dem Quadcopter hing eine GoPro Hero 3 Kamera.“ So sieht also die Zukunft aus, „Drohne entflogen“ wird das neue „Hund/Katze entlaufen“. Nur die beiden Fotos <a href="http://twitter.com/freelancepolice/status/357865592306425857" target="_blank" shape="rect">auf dem Zettel</a> sind nicht mitleiderregend genug. Drohnen haben keine traurigen Augen. Noch nicht.</p>
<p>Bei Flugdrohnen mit Kameras denkt man ganz schnell wieder an Überwachung, man kommt von dem Thema in diesen Tagen einfach nicht los, auch nicht im Rügen-Urlaub. Weil ich da mal Zeit für so was habe und ja auch nicht den ganzen Tag im „Gelände“ verbringen kann, lese ich im analogen Feedreader (= alte Zeitungen) und stolpere über ein taz-Interview, in dem die NSA <a href="http://www.taz.de/!119017/" target="_blank" shape="rect">als „die geheimste Behörde der Welt“ bezeichnet wird</a>. Die geheimste! Wäre das nicht eher eine, über die nicht alle reden?</p>
<p>Abends schaue ich auch mal wieder Fernsehen, Zuhause geht das ja gar nicht, weil der von meinen Eltern importierte 70er-Jahre-Designfernseher, ein echter Esslinger!, sich nicht mit der digitalen Empfangstechnik verträgt. Ich weiß jetzt also, dass ich diese nachvorngelehnte, inswortfallende, obergewitzte Interviewtechnik von Markus Lanz ganz grauenvoll finde, und in Ina Müller habe ich mich ein wenig verliebt.</p>
<p>Zwischendurch reden bei Maybrit Illner schon wieder Menschen über den NSA-Skandal und am letzten Abend läuft „Liebesgrüße aus Moskau“. Es geht um eine Dechiffriermaschine, und als James Bond vom Flughafen abgeholt wird, verfolgt ihn ein Auto. „Wir werden beschattet, hat das einen besonderen Grund?“ – „Es sind Bulgaren, sie arbeiten für die Russen. Sie verfolgen uns, wir verfolgen sie. Das tut der Freundschaft keinen Abbruch.“</p>
<p>Ja, so war das damals, alles noch ein wenig entspannter. Auf eine Art verstehe ich die heutige Empörung um den NSA-Skandals ohnehin nicht so recht, meine Empörungssensoren sind aber auch extrem unterausgeprägt, das war schon immer so. Was sollen Spione denn bitte sonst machen, wenn nicht spionieren? Bloß dass sie bei Sean Connery noch kein Internet hatten, sondern bloß mit einem Periskop von unten in das russische Konsulat schauen konnten. Aber damals sagte man ja auch noch „Ich lasse meine Zigeuner für mich arbeiten“ und als Gadget gab es einen Agentenkoffer, mit dem man richtig schießen kann. Wie im <em>Yps-</em>Heft.</p>
<p>Zurück in Berlin probiere ich den <a href="http://https//www.google.de/search?q=Anzeigenvorgaben-Manager&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;channel=fflb&amp;gws_rd=cr" target="_blank" shape="rect">Google-Anzeigenvorgaben-Manager</a> aus, von dem mir <a href="http://taz.de/Datenskandale-und-Online-Werbung/!119314/" target="_blank" shape="rect">Kollege Gernert</a> erzählt hat. Da kann ich sehen, was Google glaubt, was mich interessiert, basierend auf Suchanfragen und besuchten Websites. Einiges stimmt: Katzen, Berlin, Sportnachrichten. Einiges stimmt nicht, ist aber erklärbar: Wetter, Rezepte. Und manches ist einfach auch totaler Unsinn: Saarland? Egoshooter? Kosmetikartikel? Ostasiatische Musik? Toyota???</p>
<p>Zu meinen Interessen zählen demnach auch „Geheimdienste und Terrorismusbekämpfung“. Man kommt von dem Thema in diesen Tagen wirklich nicht los.</p>
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		<title>Reality Bites</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jun 2013 19:45:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Computerspiele sollen immer wirklichkeitsgetreuer werden. Nach 32 Jahren als Testspieler der Realitäts-Betaversion bin ich schwer enttäuscht. (aus der taz vom 21. Juni) In Neal Stephensons Roman „Error” wird ein autistisch veranlagter Geologe beschrieben. Er ist so verbittert über]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Computerspiele sollen immer wirklichkeitsgetreuer werden. Nach 32 Jahren als Testspieler der Realitäts-Betaversion bin ich schwer enttäuscht. <span id="more-1567"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!118459/" target="_blank">taz</a> vom 21. Juni)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/realityworstgame.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1575" alt="realityworstgame" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/realityworstgame.jpg" width="620" height="496" /></a></p>
<p>In <a href="http://www.taz.de/Neal-Stephensons-Buch-Error/!103662/" target="_blank" shape="rect">Neal Stephensons Roman „Error”</a> wird ein autistisch veranlagter Geologe beschrieben. Er ist so verbittert über das unrealistische Design von Bergen in Computerspielen, dass er eine Engine programmiert, die Milliarden Jahre der Gebirgswerdung simuliert. Vulkanausbrüche, Plattentektonik, Witterung, das ganze Programm. Seine Berge sind also nicht mehr eine Firnisschicht Pixeltextur auf weißen Polygonen, sondern bis ganz unten durchgerechnete Steinhaufen.</p>
<p>Auch in der Realität ist die Realität der heilige Gral der Gamingbranche. Alles soll immer noch natürlicher aussehen, sich immer noch echter anhören und beim Level- und Storydesign sollen es immer noch mehr Freiheitsgrade sein, sollen möglichst alle herumstehenden Gegenstände und Personen nicht nur Pixelrequisite sein, sondern Spielinhalte, mit denen sich interagieren lässt.</p>
<p>So ist die Realität längst zum Selbstzweck geworden. Dabei bin ich nach 32 Jahren als Testspieler der Realitäts-Betaversion schwer enttäuscht. Denn klar, als Open-World-Simulation ist das Spielkonzept <em>State of the Art</em>, das ruckelfreie Echtzeitrendering mit einer scheinbar unbegrenzten Farbpalette in höchster Auflösung ist beeindruckend (Vorsicht: nichts für alte Grafikkarten!), die Physik-Engine sucht ihresgleichen und der Surroundsound ist von ungewohnter Klangtiefe.</p>
<p>Aber das alles wird kaum ausgespielt, meist bleibt das Leveldesign erschreckend monoton (Sibirien, Sahara, deutsche Fußgängerzonen), und über zwei Drittel der Spielfläche bestehen ohnehin aus langweilig animiertem Wasser. Hier haben die Projektmanager eindeutig am falschen Ende gespart – wie bei so vielen anderen Dingen.</p>
<p>Eine komplette Zumutung ist etwa das Game-Controlling: Gefühlt dauert es Jahre, auch nur die grundlegenden Funktionen zu lernen. Wer hat schon so viel Zeit? Klar, mit der „Hand“ wurde ein vielseitiges Steuerungselement geschaffen, das erstaunliche Kombos hinbekommt – aber das geht auf Kosten fast aller anderen Spielfunktionen. Oder kennen Sie irgendein Spiel, wo man selbst mit Übung kaum höher springen kann als die eigene Körpergröße?</p>
<p>Auch mögen sieben Milliarden Non-Player-Charaktere beeindruckend klingen – doch reden sie fast alle unverständliches Zeug und sind zum größten Teil auch noch langweilig. So verkommt künstliche Intelligenz zur Dutzendware! Ähnlich unausgegoren ist die Editorfunktion: Theoretisch lässt sich zwar alles Denkbare verändern, praktisch haben selbst hochgezüchtete Charaktere nicht genug Stärkepunkte, um auch nur einen kleineren Berg zu versetzen.</p>
<p>Dazu kommen Detailfehler wie die oftmals grausame Menüführung (Steuererklärung), das stark limitierte Inventory, in dem man trotzdem nie was findet (Haustürschlüssel), oder die Unmengen an Zeit, die man für Transport und Regeneration des Charakters aufwenden muss.</p>
<p>Komplett indiskutabel ist schließlich der Verzicht auf eine Speicherfunktion. Hat man sich in eine Sackgasse gespielt, bleibt nur der Reset-Knopf – was besonders ärgerlich ist, wenn man nach rund 25 Jahren erstmals substanzielle Fortschritte gemacht hat. Die Risikofreude geht so deutlich zurück.</p>
<p>Immerhin haben die Programmierer unzählige Quests und Missionen eingebaut, von denen viele auch im Multiplayermodus spielbar sind. Das komplett instransparente Erfahrungspunktesystem macht ein gezieltes Hochleveln des eigenen Charakters aber unmöglich. Und das Spielkonzept ist so undurchsichtig, dass man sich irgendwann fragt, welchen Sinn das alles hat.</p>
<p><strong>Fazit:</strong> die Realität – eine Sackgasse!</p>
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		<title>Von Mondfahrzeugen und ASCII-Kühen</title>
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		<pubDate>Fri, 24 May 2013 19:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe. (aus der taz vom 24. Mai 2013) Anmerkung: Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe.<span id="more-1743"></span> (aus der taz vom 24. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkung: <em>Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe Zusammenfassung meiner Tagesberichte von der re:publica 2013: <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a></em>.</em></em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1745" alt="republica-2013 Kopie" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg" width="620" height="465" /></a></p>
<p>Anfang Mai war wieder re:publica. Über 300 Referenten kamen zur Internetkonferenz nach Berlin, es gab zehn parallel bespielte Räume, unzählige Panels, Workshops, Get-Togethers &#8211; der Versuch einer allgemeingültigen Zusammenfassung wäre so sinnvoll, wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln. Oder sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausdenken zu wollen. Denn es gibt 5.000 re:publicas, für jeden Besucher eine. Aber jeder kann sich am Ende die gleiche Frage stellen: Was habe ich eigentlich gelernt?</p>
<p><b>1. Das iPhone gab es im Film schon 1995.</b> In „Johnny Mnemomic“ mit Keanu Reeves kommt ein &#8220;Thompson iPhone&#8221; vor.</p>
<p><b>2. Die Wikipedia hat 41 Chapter. </b>Das neueste: Armenien. Die einzige andere Organisation, die ich kenne, die sich in Chapter gliedert, sind Rockerbanden.</p>
<p><b>3. „Kulturpessimismus ist wie Nackte abbilden.“</b> Was das heißt, weiß ich nicht, aber Diedrich Diederichsen hat es gesagt.</p>
<p><b>4. Binge Viewing nennt man es, eine Serienstaffel in einem Rutsch zu schauen.</b></p>
<p><b>5. Wenn man einen Stern malt und den oberen Zacken weglässt und dafür einen Kringel draufsetzt, ist es ein Mensch. </b>Und wenn man ganz viele untere Zacken malt und oben ganz viele Kringel draufsetzt, hat man eine anonyme Masse. Einfach mal probieren!</p>
<p><b>6. Es ist also doch möglich, die re:publica mit WLAN zu versorgen. </b>Damit fällt endlich auch der älteste blöde Witz der Veranstaltung weg („Haha, eine Internetkonferenz ohne Internet“).</p>
<p><b>7. Digits macht wunderbaren Synthpop.</b></p>
<p><b>8. „Die Quanten sind sehr schwer zu handeln, das wird noch eine ganze Weile dauern.“</b> – Horst Zuse, Informatiker und Sohn von Konrad Zuse, über Quanten-Computing.</p>
<p><b>9. Als der Buchdruck noch ganz neu war, haben Mönche alle Exemplare einer Auflage einzeln auf Fehler durchgesehen. </b>Sie konnten das Konzept, dass diese Bücher automatisch alle gleich aussehen müssen, nicht nachvollziehen. Ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber die Geschichte ist so schön, dass sie bitte einfach wahr sein soll.</p>
<p><b>10. „Die Schriftart Century Gothic verbraucht 30 Prozent weniger Tinte als Arial.“</b> Diese wichtige Information steht in dem ansonsten ziemlich egalen Buch „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“.</p>
<p><b>11. Zucker ist historisch gesehen keine wichtige Energiequelle.</b> Die Pflanzenzucht dafür kam erst in der Neuzeit auf.</p>
<p><b>12. Auf dem Mond dauert ein Tag 29 Tage und es gibt 250 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. </b>Das ist wichtig, wenn man ein Gefährt bauen will, das auf dem Mond mindestens 500 Meter fährt, um den Google Lunar X-Prize von 30 Millionen Dollar zu gewinnen.</p>
<p><b>13. Die Katzen der Pre-WWW-Ära waren die ASCII Cows.</b></p>
<p><b>14. Sascha Lobo hat während der New-Economy-Zeit viel Zeit und Geld in eine Plattform gesteckt, wo man Benzin downloaden konnte. </b>Hat nicht funktioniert. Trotzdem sei es immer gut, wenn man einfach mal macht, statt zu reden, sagt Lobo. Er zum Beispiel hat sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausgedacht. Das sieht so aus: (#)</p>
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		<title>Don&#8217;t step on the Fußboden</title>
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		<pubDate>Tue, 21 May 2013 10:27:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit ostdeutschen Bootsverleihern, dem Knie eines schlafenden Riesen und der schüchternsten Stadionrockband der Welt.(aus der taz vom 21. Mai 2013) Als es dunkel wird am Freitag, machen sie schon den Lichtcheck für das The-XX-Konzert am nächsten Tag. Dicke weiße und violette]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit ostdeutschen Bootsverleihern, dem Knie eines schlafenden Riesen und der schüchternsten Stadionrockband der Welt.<span id="more-1757"></span>(aus der taz vom 21. Mai 2013)</strong></h3>
<p>Als es dunkel wird am Freitag, machen sie schon den Lichtcheck für das The-XX-Konzert am nächsten Tag. Dicke weiße und violette Strahlen steigen aus dem Spreepark in den Himmel, und vom Biergarten auf der Insel, die nicht mehr Insel der Jugend heißt, haben wir einen optimalen Blick. Der Bootsverleiher spielt mit seinem Sohn Tischtennis, mit dem Halstuch, dem Ostakzent und der naturbelassenen Art wirkt er wie aus einem DDR-Ferienlager übrig geblieben, und dann sagt er seinem Sohn auch noch, es sei jetzt schon halb zehn, und er könne jetzt leider nicht mehr „Spuk unterm Riesenrad“ gucken.</p>
<p>Vorher hatte er uns ein Kanu geliehen, und wir waren fast bis Niederschöneweide gepaddelt bis zu einem grünen Hügel am rechten Ufer, der aussieht wie das Knie eines schlafenden Riesen. Auf dem Weg mussten wir einem Kohlefrachter und den Schnüren von Anglerfossilen ausweichen, wir sahen vier Reiher neben der Wasserschutzpolizeiwache, jeder von ihnen stand in einer anderen Haltung, wir kamen am Zementwerk vorbei und am Futuro-Haus, das wie ein Ufo mit Facettenbullaugen in einer Kleingartensiedlung steht, davor eine Hollywoodschaukel. Hinten sitzt in einem Kanu, wer schwerer ist und wer es besser kann, hatte uns der Bootsverleiher erklärt. Und weil das bei uns nicht deckungsgleich war, sitze ich vorn. Ich bin ja auch gar nicht sooo viel schwerer als A.</p>
<div>Am nächsten Tag sitze ich dann hinten im Bus 265 und fahre Richtung Spreepark, zum „Night + Day“-Festival. Es ist brechend voll, denn viele haben den Regen abgewartet, mir tun die Vorbands leid, die am frühen Nachmittag gespielt haben. Wir brauchen quälend lang, der Bus wird voller und voller, und dauernd stehen Leute in den Türen beim Losfahren. „Don&#8217;t step on the Fußboden“, sagt der Busfahrer. „The last door auch zumachen.“ Alle lachen.</div>
<p>Der Bus war nur ein Trainingslager für das Festivalgelände. An allen Essens- und Getränkeständen steht man mehr als eine halbe Stunde an, die Veranstalter haben viel zu viele Karten verkauft und so den letzten Tropfen Zauber aus dem Spreepark gemolken. Vom Flair des stillgelegten Vergnügungsparks kriegt man wenig mehr mit als beim Blick über den Zaun, ein paar Pappmaschee-Dinosaurier, irgendwo ein Karussell und in der Ferne das Riesenrad, das sich langsam wie ein Stundenzeiger dreht. Weil da Besucher erst raufgeklettert und dann runtergefallen sind, muss ein Teil des Geländes gesperrt werden. Eine Menschentraube sammelt sich, keiner weiß irgendwas. „Ey, ich hab 80 Euro bezahlt, ich will die DJs sehen“, sagt eine Besucherin. „Ey, ich verdien hier heute nur 80 Euro“, sagt der Security-Mensch.</p>
<p>Sonst ist das Publikum dezent, wenig Leute mit Bärchenkapuzen, und ich bin heilfroh, nicht diese bordeauxrote H+M-Kapuzenjacke mit den weißen Bändchen zu tragen, die auch hier wieder mindestens sieben Männer anhaben. Angenehm auch, mit welcher Seelenruhe das Grillstandpersonal die Massen abfertigt. „Nicht so viel Ketchup nehmen, das macht dick“, sagt der Bratwurstmeister, die Schürze spannt über seinem Bauch. Als The XX endlich spielen, entschädigt das Konzert für alles. Die Stimme von Oliver Sim füllt den gesamten Plänterwald und bricht sich an diesen fantastischen Riesenpappeln. The XX sind die schüchternste Stadionrockband der Welt. Was für ein schöner Superlativ!</p>
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		<title>Ihr seid wie meine Mutter</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Apr 2013 00:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Internet ist wie schwanger, ein bisschen geht nicht? Unsinn! Die digitale Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität ist albern und schafft Zwänge. (aus der taz vom 26. April 2013) Vorm Zickenplatz, auf der anderen Seite der großen Straße, sitzen oft Zeugen Jehovas an einem Tisch,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Internet ist wie schwanger, ein bisschen geht nicht? Unsinn! Die digitale Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität ist albern und schafft Zwänge.<span id="more-1697"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!115208/" target="_blank">taz</a> vom 26. April 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/qrcode_zeugenjehovas.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1698" alt="qrcode_zeugenjehovas" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/qrcode_zeugenjehovas.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Vorm Zickenplatz, auf der anderen Seite der großen Straße, sitzen oft Zeugen Jehovas an einem Tisch, unterhalten sich und gucken in die Welt hinaus. Ja, genau, die müssen nämlich gar nicht mehr stehen und schweigend ein ernstes Gesicht machen. Angesprochen werden sie trotzdem nicht. Vielleicht haben sie deswegen neuerdings auch einen QR-Code vorn auf ihren Tisch gedruckt (das sind diese Schachbrettmuster zum Smartphone-Abfotografieren). Wenn 120.000 Leute ihn aktivieren, kommt der Messias, aber nur, wenn ihn dann nochmal 60.000 Leute aktivieren.</p>
<p>2013 hat also nun wirklich jeder ins Netz gefunden, selbst <a href="http://www.amish-people.de/" target="_blank" shape="rect">die Amischen</a> haben eine Webseite und Uli Hoeneß hatte in einem Interview im Herbst 2012 erklärt, dass er in seinem Leben noch lernen will, <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;v=gZwgVQfrwIU#t=3477s" target="_blank" shape="rect">wie man einen Computer bedient</a>. Er hat ja bald viel Zeit für so was.</p>
<p>Doch während die letzten endlich eintrudeln, wird es den ersten schon wieder zu viel. Also ich meine jetzt nicht die <a href="http://www.zeit.de/kultur/2010-08/ruehle-koch-offline" target="_blank" shape="rect">Journalisten</a>, die mal sechs Monate offline gehen, weil ihnen kein interessantes Thema einfällt. Und auch nicht so arschkonservatives „Ich mach das nur noch bei der Arbeit, ich habe das nicht nötig“-Gepose, das ja gerade zeigt, WIE nötig man es wirklich hat.</p>
<p>Nein, ich meine Kollegen von mir, kluge und lustige Menschen eigentlich, die neulich gemeinsam über den Mitmachdruck in sozialen Medien klagten. „Seit über einer Woche nichts mehr bei Facebook gepostet. Das macht richtig Spaß“, postete der eine dann kurze Zeit später bei Facebook. Und die andere sagte mir, sie wäre jetzt raus bei Twitter, weil sie es nicht mehr schaffen würde, das alles zu lesen.</p>
<p>Ich verstehe das nicht. Man muss doch nichts bei Facebook posten, wenn man gerade nichts zu erzählen hat. Ich ruf doch auch nicht jeden Tag aus Prinzip jemanden an. Und es ist ja außerdem gerade das Tolle am Internet, dass es voller Katzen … äh: dass es so groß ist, dass man eh keine Chance hat, alles zu erfassen, und es deswegen gar nicht erst versuchen muss.</p>
<p>Doch irgendwie gibt es in Sachen Internet immer noch eine seltsame erhöhte Selbstwahrnehmung gepaart mit einer binären Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität. Unter eine meiner Kolumnen etwa, wo es um <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!99801/" target="_blank" shape="rect">meine Liebe zu Facebook-Likes</a> ging, schrieb <a href="http://www.taz.de/!c99801/" target="_blank" shape="rect">Kommentator Piet</a>: „Herr Brake – Sie sollten reisen! Lernen Sie E-Schweißen! Eine exotische Fremdsprache. Machen Sie e c h t e Erfahrungen“ Als wenn das nicht einfach beides ginge, Facebook und Offlineaktivitäten. (Mal ganz nebenbei: Was macht eine so abstrakte Tätigkeit wie „Fremdsprache lernen“ zu einer <em>echteren </em>Erfahrung als Facebook?)</p>
<p>Ein wenig erinnert mich das an meine Mutter, die immer, wenn ich bei ihr bin, laut darüber nachdenkt, ob sie ihr Zeitungsabo kündigen soll, weil sie ja doch nicht schafft, das alles zu lesen, bzw. ob sie nun ein neues Abo bestellt, aber sich deswegen nicht sicher ist, weil sie es ja doch nicht schafft, das alles zu lesen.</p>
<p>Na ja. Jetzt hat sie sich erst mal ein Jahr auf ein Wochenendabo festgelegt. Das tolle, neue der <a href="http://www.taz.de/zeitung/tazinfo/taw-vorlauf/" target="_blank" shape="rect">taz.am Wochenende</a>, die jetzt so wunderbar <a href="http://www.taz.de/Galerie/!g=Dick-und-gemtlich/" target="_blank" shape="rect">dick und gemütlich</a> ist. Haha. Habt ihr jetzt wirklich geglaubt, was? Nee. Natürlich eins von der <em>Süddeutschen.</em></p>
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		<title>Karton auf dem Kopf</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 00:51:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über eine Bücherlieferung nach Leipzig (aus der taz vom 17. April 2013) Vor einigen Wochen transportierte ich einen kleinen Pappkarton nach Hause, auf dem Fahrrad. Und als ich zu Hause ankam und das Rad im Hof abschließen wollte,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>BERLINER SZENE über eine Bücherlieferung nach Leipzig <span id="more-1700"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Berliner-Szenen/!114668/" target="_blank">taz</a> vom 17. April 2013)</h3>
<p>Vor einigen Wochen transportierte ich einen kleinen Pappkarton nach Hause, auf dem Fahrrad. Und als ich zu Hause ankam und das Rad im Hof abschließen wollte, hatte ich ein Problem, weil ich den Karton nicht auf den Boden stellen konnte, denn es lag Schnee, und er, also der Karton, nicht der Boden, ist ja aus Pappe und weicht dann durch.</p>
<p>Also setzte ich den Karton kurzerhand auf den Kopf, und während ich so abschloss, sah ich aus dem Augenwinkel, dass jemand aus dem Hinterhaus, wo ich auch wohne, kam und wort- und grußlos an mir vorbeilief. &#8220;Voll peinlich! Mich hier mit so einem Pappkarton auf dem Kopf zu erwischen&#8221;, dachte ich erst, war beim zweiten Nachdenken dann aber beruhigt. Er &#8211; oder sie &#8211; hatte mich vermutlich gar nicht erkannt. Denn zum Glück hatte ich einen Karton auf dem Kopf!</p>
<p>Den Karton hatte ich dabei, um Bücher zu verschicken, an Momox. Das ist ein Internetdienst, der alten Kram billig ankauft, eine Art Riesenantiquariat 2.0. Den gefüllten und verklebten Karton musste ich noch in einen Hermes-Paketshop bringen. Ich machte das auf dem Weg zum Bahnhof, von wo ich nach Leipzig zur Buchmesse fuhr. Ich fand den Paketshop erst nicht, und es war ein ziemliches Gehetze, aber irgendwie ging alles gut.</p>
<p>Am nächsten Tag musste ich feststellen, dass das Momox-Logistikquartier nicht nur ebenfalls in Leipzig liegt, sondern tatsächlich in einer riesigen Halle in direkter Nachbarschaft zum Messegelände. Ich hätte mir den Stress mit dem Hermes-Paketshop auch sparen können!</p>
<p>Später stellte ich mir vor, dass die Verlage nach der Buchmesse ihre abgegrabbelten Messeauslagen gar nicht mehr mit nach Hause nehmen, sondern einfach direkt rüber in die Momox-Halle karren und sich Centbeträge auszahlen lassen. Cut out the Middlemen! So wird die Buchbranche sicherlich noch ein, zwei Gnadenjahre länger überleben.</p>
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		<title>Eine Zuflucht für verlorene Seelen</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Mar 2013 11:27:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit Lana, Lena, erogenen Zonen und der tollsten Iris-Heterochromie in der Berliner Kulturszene seit David Bowie.<span id="more-1758"></span> </strong><strong>(aus der taz vom 26. März 2013)</strong></h3>
<p>Fuck. Fuckfuckfuck. Es ist Donnerstag kurz vor Mitternacht, ich habe Kopfschmerzen, gerade wie im Wahn einen Text fertig geschrieben und bin bei der Echoverleihung, also genauer: im Pressezentrum, wo sie erst die Stargäste an einer brüllenden Fotografenhorde vorbeigetrieben und danach die Preisverleihung auf einer großen Leinwand gezeigt haben. Und jetzt stelle ich fest, dass ich nicht auf die Aftershowparty gehen kann. Fuck.</p>
<p>Mir fehlt das richtige Bändchen, vom PR-Team ist nur noch die Praktikantin da und eigentlich hab ich es auch nicht verdient, dabei zu sein, denn auf dem roten Teppich, der in Wirklichkeit lila ist, hielt ich Rudolf Schenker für Peter Plate und den Sänger von Hurts für Dave Gahan.</p>
<p>Aber ich wollte doch auf der Party Lena del Rey abschleppen. Oder Lana Meyer-Landrut. Oder beide. Oder zumindest Freigetränke. Stattdessen fahre ich mit der letzten U-Bahn nach Hause. Fuck. Fuckfuckdoppelfuck.</p>
<p>Wenn das Wochenende schon so losgeht. Am Freitagabend habe ich immer noch Scheißlaune. Der Smartphoneakku ist fast alle, der Tabak ist krümelig und ich finde die bescheuerte Drecksgalerie in der doofen Schierker Straße nicht, weil nirgends ein Hinweis steht, dass die unten im Körnerpark ist. Der wurde übrigens unter Straßenniveau angelegt, damit es im Sommer angenehm kühl ist, erklärt mir M., die auch da ist. In der Wikipedia steht, der Park läge tiefer, weil er in eine Kiesgrube gebaut wurde. Aber M. ist dort im Kiez groß geworden und die Wikipedia nicht, also wem glaube ich wohl?</p>
<p>„Boah, hier sind so viele Frauen lesbisch!“, sagt irgendjemand. „Der Chef von der Thyssen-Krupp-Stiftung ist 99 und hat in der <i>Bild</i> gesagt, ich hör nicht auf“, sagt jemand anders. Die Ausstellung heißt „Erogenous Zone“, ich finde sie sehr lieblos und bin mir ziemlich sicher, dass das nicht bloß an meiner schlechten Laune liegt. Immerhin backt als Performance-Element eine mollige, nur mit einer Schürze bekleidete Frau mollige unbekleidete Teigfrauen, weswegen es die ganze Zeit gut riecht. Um Punkt zehn Uhr wird dann das Licht ausgemacht. Sind noch vierzig Leute im Ausstellungsraum, aber egal. Feierabend! Alle werden nebenan zur Party geschickt, hier braucht man kein Bändchen, hier will man aber auch keins.</p>
<p>Da fahre ich doch lieber in meine Lieblingsgalerie. Das Team Titanic fühlt sich an wie der „Drive“-Soundtrack, ein Ort, der verlorenen Seelen eine Zuflucht bietet. An diesem Abend vernissagiert Anna Kneer, sie hat eine Delegation Schweizer mitgebracht und ihre Mutter, die aussieht wie aus einem Lynchfilm. Kneer stellt kleinformatige wunderschöne Wolkenbilder aus, großformatige, äh, Farbflächendingse, mit blauen Kristallen überzogene Tiere, ein unverkäufliches ausgestopftes Frettchen. Die Galeristinnen mixen Drinks mit Titanic-Eiswürfeln, an einer Wand hängt eine Nasa-Eintrittskarte und mittendrin, mit der tollsten Iris-Heterochromie der Berliner Kulturszene seit David Bowie: Galeriehund Trotzki, halb Husky, halb Wolfshund, keine zwei Jahre alt, aber die Widerristhöhe eines Kutschpferdes und ein Kopf so groß wie meine beiden Katzen zusammen. Meine Katzen. Fuck. Ich habe ihren Geburtstag vergessen. Am vergangenen Montag sind sie vier geworden. Und warum fällt mir das gerade jetzt ein? Fuckfuckfuck.</p>
<p>Samstag ist alles viel besser, da gehe ich mit A. Schlittschuhlaufen. Wir stapfen durch die verlassenen Eiswüsten Hohenschönhausens, verirren uns in den Wellblechpalast, wo Eishockeyzwerge das „Gasag-U12-Turnier um den Clean-Rohr-Pokal“ ausspielen, und später zeigt A. mir, wie man rückwärts fährt, aber ich verstehe es nicht so ganz. Aber das macht mir nichts, denn A. ist schöner als Lena, Lana und alle anderen vom Echo zusammen. So geht es doch auch.</p>
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		<title>Mehr Kirschblüten fürs Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Mar 2013 20:04:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Snapchat-App bringt die süße Vergänglichkeit des Moments zurück ins digitale Leben. Ihre Fotos verschwinden nach Sekunden. (aus der taz vom 1. März 2013) Im Dezember war ich in Indonesien und hatte dort zwangsläufig auch mit Backpackern]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Snapchat-App bringt die süße Vergänglichkeit des Moments zurück ins digitale Leben. Ihre Fotos verschwinden nach Sekunden.<span id="more-1307"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!111928/" target="_blank">taz</a> vom 1. März 2013)</h3>
<p>Im Dezember war ich in Indonesien und hatte dort zwangsläufig auch mit Backpackern zu tun. Wie immer sprach man darüber, wo man schon war und wo man noch hinfährt. „Wir waren vorgestern in der Tempelanlage Sowieso“, sagte eine. „Wir haben voll gute Fotos gemacht.“ – „Als Nächstes fahren wir zu Vulkan XY“, sagte eine andere. „Ich hoffe sehr, dass wir da viele gute Bilder machen können.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/snapchat.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1309" alt="snapchat" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/snapchat.jpg" width="300" height="299" /></a>Vielleicht bin ich zu alt oder habe etwas falsch verstanden. Ich mache eigentlich dann Fotos, wenn ein Ort, an dem ich bin, sich als toll erweist. Aber ich suche mir doch nicht die Orte, an die ich fahre, danach aus, ob man tolle Fotos machen kann. Henne. Ei. Häh? Wenngleich ich das natürlich auch von mir kenne: Man kann so beschäftigt damit sein, das perfekte Bild von irgendwas zu machen, dass man anschließend vergisst, sich das Irgendwas auch ohne Kamera anzugucken. Man hat ja das Foto! Das dann die nächsten 20 Jahre im „Unsortierte Fotos 2012“-Ordner liegt.</p>
<p>Dass die Speicherbarkeit des Moments den Moment selbst verdrängt, ist nun überhaupt nicht neu. „Menschen machen Fotos von dem Sommer / damit bloß niemand misstrauisch zweifelt / zu beweisen, dass er wirklich da war (…) Menschen machen Fotos gegenseitig / in dem Glauben, dass jene Momente / für alle Zeiten lebendig blieben“, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=avBgObEb99M" target="_blank" shape="rect">sangen die Goldenen Zitronen</a> 1994, und das war auch bloß ein texttreues Cover eines Kinks-Songs von 1968. Aber im Zeitalter des digitalen Fotografierens und öffentlichen Teilens ist das alles besonders augenfällig. [An dieser Stelle bitte einen Witz über <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Lustobjekte/!94467/" target="_blank" shape="rect">Instagram-Fotos von kalt gewordenem Essen hindenken</a>.]</p>
<p>Und genau deswegen ist <a href="http://www.snapchat.com/" target="_blank" shape="rect">Snapchat</a> so toll. Snapchat ist eine Smartphone-App, mit der man Freunden Bilder und sehr kurze Videos schicken kann, die sich nach spätestens 10 Sekunden Anschauen selbst löschen. Es lohnt gar nicht, sich irre viel Mühe mit dem Foto zu geben. Gleichzeitig wird der Moment des Anschauens wirklich wieder zu einem Moment – den in den meisten Fällen einzig der Absender und der Empfänger exklusiv teilen.</p>
<p><em>Mono no aware</em> nennt man in Japan die Ergriffenheit über die Vergänglichkeit der Dinge, die Kirschblüte ist der bekannteste Ausdruck dieses Prinzips. Es wäre toll, wenn das ganze Internet ein bisschen kirschblütiger wäre. Seit Wochen unangerührte Mails und geöffnete Browsertabs mit Texten, die man „unbedingt später lesen will“, könnten ruhig heimlich verschwinden. Oder alte Chatprotokolle, die von unglücklich Verliebten noch 200-fach gelesen und kaputtinterpretiert werden.</p>
<div>
<p>Mein erster empfangener Snap war übrigens ein Foto von Sascha Lobo, aufgenommen von Sascha Lobo. Mein zweiter versendeter war ein Katzenfoto. Dann bekam ich ein Bild, auf das groß und rot JETZT WIRD’S META gekritzelt stand, es zeigte den Facebookkommentarstrang unter meinem Aufruf, mir Snaps zu schicken. Aus Kalifornien erfuhr ich 15 Minuten später, dass man Snapchat dort schon seit ein paar Tagen wieder langweilig findet. Verdichteter kann man den Hype Cycle einer Internetanwendung wohl nicht erleben.</p>
</div>
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		<title>Die Software, die Verrückte macht</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Feb 2013 19:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Als Freiberufler kommt man an der elektronischen Steuererklärung, nicht vorbei. Danach möchte man ein paar Finanzämter anzünden. (aus der taz vom 1. Februar 2013) Anders als fast alle Menschen mache ich Steuererklärungen eigentlich ganz gerne: Honorare]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Als Freiberufler kommt man an der elektronischen Steuererklärung, nicht vorbei. Danach möchte man ein paar Finanzämter anzünden.<span id="more-1238"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!110153/" target="_blank">taz</a> vom 1. Februar 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/elsterheader.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1242" alt="elsterheader" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/elsterheader.jpg" width="620" height="116" /></a></p>
<p>Anders als fast alle Menschen mache ich Steuererklärungen eigentlich ganz gerne: Honorare und Auslagen in Excel-Tabellen sammeln, übertragen und zusammenzählen ist wie Zen. Und Formulare, die klar vorgeben, an welche Stelle man welche Ziffer schreiben soll, sind eine angenehme Kontrastbeschäftigung zu leeren Word-Dokumenten, in denen man an jeder Stelle jedes Zeichen schreiben darf. Wo also ist das Problem?</p>
<p>Das Problem heißt <a href="http://www.elsteronline.de/eportal/" target="_blank" shape="rect">ELSTER Online</a>, die – knickknack, Akronym! – ELektronische STeuerERklärung. Ein Zeichen der deutschen Finanzämter, im Online-Zeitalter angekommen zu sein, ein Angebot… nein, eben gerade KEIN Angebot. Jedenfalls nicht, wenn man als Freiberufler Umsatzsteuervoranmeldungen und -erklärungen machen muss. Die gehen nämlich nur noch mit Elster. Auf Papier ist es verboten. Verboten! Und Elster ist die Hölle, die digitale Version vom „Haus, das Verrückte macht“, aus „Asterix erobert Rom“, speziell wenn man einen Mac nutzt (was unter Freiberuflern gar nicht so selten vorkommt, wie man hört).</p>
<p>Schon die Registrierung besteht aufgrund der absurden Sicherheitsmaßstäbe von Elster aus einem mehrteiligen Verfahren, das einen 20-stelligen Aktivierungscode und einen Brief und eine weitere PIN beinhaltet – Holm Friebe hat diesen Wahnsinn schon 2006 in der Berliner Zeitung <a href="http://www.berliner-zeitung.de/newsticker/die-aktivierung-des-basispakets-elster-online,10917074,10435212.html" target="_blank" shape="rect">dokumentiert</a>.</p>
<p>Danach muss man ein Zugangszertifikat im .pfx-Format auf dem Computer abspeichern, das man, wenn man sich ein Quartal später erneut anmelden will, natürlich nicht mehr wiederfindet. Außerdem kann man sich das selbstgewählte Passwort, wenn man es nicht mehr weiß, auch nicht zumailen lassen. Man muss dann das gesamte Registrierungsverfahren von vorn starten. Immerhin hat man unendlich viele Eingabeversuche.</p>
<p>Selbst wenn man alles parat hat, läuft Elster nie (in Worten: nie!) auf Anhieb. Denn es basiert auf Java, fordert grundsätzlich immer die alleraktuellsten Versionen von allem ein, das Konzept „Abwärtskompabilität“ ist nicht bekannt. Bei meinem letzten Versuch der Umsatzsteuerquartalsanmeldung fürs Q4 2012 – das war am 10. Januar, am gleichen Tag empfahl übrigens das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Internetnutzern, Java wegen schwerwiegender Sicherheitslücken zu deaktivieren – lief Elster in meinen drei Browsern nicht.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/eliaselster.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1241" alt="eliaselster" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/eliaselster.jpg" width="620" height="203" /></a></p>
<p>Man könnte in so einem Moment natürlich <a href="http://www.elster.de/nmIQ/avatar_faq.jsp" target="_blank" shape="rect">ELIAS</a> fragen, den – höhö, zwinkerzwinker – ELster-Informations-ASsistenten. Aber Elias ist ein dummer Roboter, der aussieht wie einer dieser MS-Office-Assistenten (erinnern Sie sich noch an <a href="http://www.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,1991915_1991909_1991755,00.html" target="_blank" shape="rect">Clippy</a>, die sprechende Büroklammer?) und genauso unnütz ist.</p>
<p>Und die Umsatzsteuerjahreserklärung kann ich mit Elster Online gar nicht erst machen. Dafür braucht man das dazugehörige Offline-Programm und das gibt es nicht für Macs. Für das Steuerjahr 2011 wurde mir nach circa zehn Telefonaten mit dem Finanzamt noch als Ausnahmegenehmigung eingeräumt, es doch auf Papier abzugeben. Für 2012 muss ich vermutlich <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lIiUR2gV0xk" target="_blank" shape="rect">Passierschein A38</a> vorlegen. Oder einen Windows-Rechner kaufen.</p>
<p>Das papierlose Büro galt jahrzehntelang als Utopie. Dank Elster wissen wir, dass es eine Diktatur sein wird.</p>
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		<title>Swergie!!!</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jan 2013 15:26:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über eine PR-Einladung auf eine Fashionweekparty. (aus der taz vom 21. Januar 2013) Ich wurde zu einer schwedischen Fashion-Week-Party im Radialsystem eingeladen, von einer PR-Agentur. Es muss ein Versehen sein, ein Adressendreher oder so, denn ich verstehe überhaupt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>BERLINER SZENE über eine PR-Einladung auf eine Fashionweekparty.<strong> <span id="more-1201"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2013%2F01%2F21%2Fa0170&amp;cHash=7566b7fb55143283a9dabc95bc870d1a" target="_blank">taz</a> vom 21. Januar 2013)</strong></h3>
<p>Ich wurde zu einer schwedischen Fashion-Week-Party im Radialsystem eingeladen, von einer PR-Agentur. Es muss ein Versehen sein, ein Adressendreher oder so, denn ich verstehe überhaupt nichts von Mode.</p>
<p>Aber egal, F. und ich sind früh da, holen uns die ersten Complimentary Drinks und informieren darüber eine gemeinsame Freundin via Facebookmobilchat. Sie ist auf Kur und bei ihr ist seit zwei Stunden Nachtruhe, außerdem hat sie gerade erfahren, dass der Mann einer Freundin mit einem Flugzeug in Mexiko verunglückt ist. Kann man denn heutzutage nicht mal mehr bedenkenlos in ein Sportflugzeug steigen?!? Der große Raum im Radialsystem füllt sich, wir kürzen über den Catwalk zu einer freien Stelle ab und dann singt schon das erste von mehreren Karin-Dreijer-Andersson-Soundalikes, über uns ein Mobilé aus Kronleuchtern.</p>
<p>Statt Kurschatten gibt es nur Kurpfuscher und die Anwendungen sind ein Witz, meldet der Facebookchat. Überall hängen Harlekine an den Wänden, und Paulo-Coelho-Sprüche. Selbst die Therapeutin spricht in Autoaufklebern! Bei uns tragen dafür sämtliche Männer Bärte und Beanies. Der Moscow Mule heißt Stockholm Mule und unser Drink, angeblich ein Cape Cod, schmeckt wie Solero-Eis. Wir verpassen die Modenschau, ich habe noch nie eine gesehen!, weil wir im einer orientalischen Shishaplüschlandschaft nachempfundenen Raucherbereich auf neue Drinks warten. Wer wusste alles, dass Absolut Vodka aus Schweden kommt?</p>
<p>Die Party war übrigens von Swergie. Swergie. Geile Sache. Ich weiß nicht genau, was Swergie ist oder macht, aber, hey: Swergie, love it! Oder was ich eigentlich sagen will: Liebe PR-Hasen, bitte ladet mich weiterhin zu allem ein, wo es Complimentary Drinks und bizarre Menschen gibt. Swergie! brake@taz.de. Swergie! Bitte. Danke. Swergie!!!</p>
<h3><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/fashionweek_swergie.jpg"><img title="fashionweek_swergie" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/fashionweek_swergie.jpg" width="620" height="618" /></a></strong></h3>
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		<title>Der heilige Sankt Mega Man</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jan 2013 19:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens. (aus der taz vom 4. Januar 2013) Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens. <span id="more-1239"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!108401/">taz</a> vom 4. Januar 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1097" alt="megaman mit smiley" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg" width="620" height="388" /></a></p>
<p>Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem Soundtrack ihrer Jugend, der einzig wahren Musik – hängen geblieben sind. Die ihr Haupthaar auch bei Zweidrittelglatze noch rebellisch lang tragen, mit ihrer Lederjacke verwachsen sind und nicht die geistige Beweglichkeit besitzen, sich elektronische Musik auch nur probeweise anzuhören.</p>
<p>Dabei bin ich genauso. Bloß, dass meine Helden nicht Bob Dylan und Jim Morrison heißen, sondern Super Mario, Mega Man und Guybrush Threepwood. Sozialisiert als Nintendo-Fanboy in der ersten Hälfte der 90er Jahre und längst mit meinem Kapuzenpullover und den Skate-Sneakers verwachsen (dabei kann ich gar nicht skaten), bleiben für mich die einzig wahren Videospiele die aus der 8-Bit-Ära, in denen man noch jeden Pixel einzeln erkennen kann.</p>
<p>Denn je fotorealistischer Grafik werden wollte, desto egaler wurde sie auch. Beziehungsweise sie wurde erst mal vor allem schlechter, weil eine miese Simulation der Wirklichkeit viel weniger hermacht als die offensichtliche Abstraktion der 8-Bit-Ästhetik.</p>
<p>Inzwischen sehen Computerspiele zwar aus wie Filme – und Filme wie Computerspiele –, was sehr well-made ist, aber halt auch überhaupt nicht spezifisch. Erst die geringe Bildpunkteauflösung zwang die 8-Bit-Characterdesigner ja zu einem eigenen Ausdruck, zur erhöhten Ikonografie. Nicht von ungefähr sind die bis heute bekanntesten Computerspielfiguren die aus den 70ern und 80ern.</p>
<div>
<p>Damit bin ich nicht allein: Das ganze Internet ist voll mit Fan-Art und Ver-8-Bittungen von altem und neuem Popkulturgut. Dazu kann man <a href="http://www.thinkgeek.com/product/9352/" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Krawatten</a>, <a href="http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20080123221520" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Uhren</a>, <a href="http://gizmodo.com/269301/stolen-pixel-jewelry-proves-valkryrie-needs-bling-more-than-food?tag=gadgetspixelization" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Halsketten</a> und <a href="http://www.tallgrassbeer.com/8bit.html" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Bier</a> kaufen, Space Invaders werben auf Aufklebern gegen <a href="http://riesenmaschine.de/index2.html?nr=20060130122143" target="_blank" shape="rect">Antisemitismus</a>, und sogar Google Maps wurde für einen Tag komplett auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=rznYifPHxDg" target="_blank" shape="rect">Pixeloptik</a>umgestellt. Na gut, es war der 1. April. Aber trotzdem.</p>
<p>Und dann war ich vor ein paar Wochen bei Ikea. Eigentlich brauchte ich bloß so ein Abwaschabtropfdings (MAGASIN). Aber in der Spielwarenabteilung blieb ich an PYSSLA hängen. Eine große Plastikbox, gefüllt mit Tausenden Bügelperlen. Genau: Das sind kleine bunte Plastikzylinder mit einem Loch, mit denen man auf der Matrix eines Steckbretts Muster zusammenpuzzeln kann. Überbügelt man das fertige Bild – mit Backpapier dazwischen, wichtig! – verklebt die eine Seite der Zylinder und man kann sie vorsichtig von der Steckplatte lösen.</p>
<p>Nun habe ich weder Kinder noch einen gesteigerten Bedarf an Saftglasuntersetzern oder Namensschildern an meiner Tür. Und eigentlich auch ausreichend Hobbys, ja sogar Freunde. Aber diese Perlen und die Matrix … auf einmal ergab alles einen Sinn. Ich setzt mich noch am gleichen Abend in die Küche, schloss meine neuen Lampen (LEDBERG) an und puzzelte einen Mega Man. Er sah toll aus! Na ja, ich musste ihn etwas stauchen und statt hellblau war er lila, denn ich hatte nur 29 mal 29 Pixel Arbeitsfläche und eine unzureichende Farbpalette. Aber er lebte! In meiner Küche!</p>
<p>Am nächsten Tag kaufte ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Bügeleisen.</p>
</div>
<p><em>Aufmerksame Leser erkennen, dass ich diesen Anfang in <a href="http://www.taz.de/!83923/" target="_blank">diesem Text hier</a> schonmal verwendet hatte. Der verlinkte Text erschien nur online, die Kolumne hier sollte nur in der Printausgabe erscheinen. Aber durch einen Absprachefehler war sie dann doch online und, naja, Remixkultur, egal.</em></p>
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		<title>Ich und meine Googlegänger</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2012 02:17:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wenn man Michael Brake heißt, ist man nicht allein im Netz. Aber was sind das eigentlich für Leute, mit denen man sich den Namen und die Googletreffer teilt? (aus der taz vom 7. Dezember 2012) Ich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wenn man Michael Brake heißt, ist man nicht allein im Netz. Aber was sind das eigentlich für Leute, mit denen man sich den Namen und die Googletreffer teilt?<span id="more-1214"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!107068/" target="_blank">taz</a> vom 7. Dezember 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1217" title="michaelbrakegooglebildersuche" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/michaelbrakegooglebildersuche.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Ich habe es geschafft. Ich bin die Nummer 1. Und die Nummer 2, 3, 6, 7, 8, 9 und 10 noch dazu. Die Disziplin: <a href="https://www.google.com/search?q=michael+brake" target="_blank">Egogoogeln</a>. Meine Konkurrenz: Groß, denn Michael Brakes gibt es dank meines Langweiler-Vornamens (von 1950 bis 1980 in der Top Ten der beliebtesten deutschen Jungsnamen) einen Batzen, und auf Englisch funktioniert mein Name ja auch (wie mir auch neue Bekanntschaften gern erklären: „Haha, du heißt ja Meikel Bräyk, wie lustig“ – danke, war mir nie aufgefallen).</p>
<p>Egogoogeln hat einen schlechten Ruf, wegen Eitelkeit und so. Aber als freier Journalist darf ich das, immerhin stellt mein Name ein gewisses Kapital dar und da will man ja sehen, wo man steht. Um das auszuprobieren, habe ich die Filter Bubble meines persönlichen Browserseitenverlaufs verlassen und bin in ein Internetcafé gegangen. Und, tada: acht Plätze in den Top Ten, tatsächlich michaelbrake.de auf der 1, dahinter mehrere Übersichts- und Profilseiten aus dem Medienbereich, außerdem ein taz-Artikel, von dem ich nicht weiß, warum genau er es geschafft hat. Es geht um <a href="http://www.taz.de/!82905/" target="_blank">die Auslosungstöpfe der Fußball-EM</a>.</p>
<p>Das aber war nicht immer so. Bis vor kurzem hatte ich einen hartnäckigen Konkurrenten: <a href="http://urologie-brake-offenburg.de/" shape="rect" target="_blank">Dr. Michael Brake</a>, Inhaber einer urologischen Praxis in Offenburg und Oberkirch, hielt dank hoch gerankter Branchenbucheinträge mehrere Top-Ten-Plätze. Jetzt steht er nur noch auf der 4 und der 17. Auch Dr. Frank-Michael Brake aus Hagen ist auf Platz 16 und 20 zurückgefallen.</p>
<p>Googlegänger – eine Verwortspielung des englischen Germanismus Doppelgänger – heißen solche Leute. Neben den Ärzten sind das bei mir die beiden prominentesten Michael Brakes: ein Filmkomponist, der in der Internet Movie Database <a href="http://www.imdb.de/name/nm1827861/" shape="rect" target="_blank">über 80 Einträge</a> bei Musikschnitt hat, unter anderem für „How I met your mother“. Und ein Soziologe, der 1985 das Buch <a href="http://www.amazon.com/Comparative-Youth-Culture-ebook/dp/B000FBFJJQ" shape="rect" target="_blank">„Comparative Youth Culture“</a> geschrieben hat.</p>
<p>Diverse andere Googlegänger habe ich dank der absurden Präsenz meiner eigenen Webseite (ich habe offenbar einen grünen SEO-Daumen, it’s magic) komplett aus den Trefferlisten verdrängt: den <a href="http://www.scp07-ah.de/cms/news.php?show=3-2009" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der bis Mitte 2010 in der Ü50-Fußballmannschaft des SC Paderborn spielte („Den Ausgleich vergab Michael Brake nach tollem Solo und Zuspiel von Ben Schlootköter freistehend aus 8 Metern“). Den <a href="http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-schmeisst-die-Strassenhaendler-raus" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der laut einem Bericht in der <em>Neuen Presse</em> Ende 2011 seine Straßenhändler-Lizenz für Hannovers Fußgängerzone verloren hat. Auch den <a href="http://my.opera.com/elevationsresortscam/blog/michael-brake-the-manager-and-salesperson-2" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der mit seiner Scheinfirma Five Star Global Management in einen millionenschweren Vorschussbetrug rund um ein fiktives Ferienressort verwickelt war („Michael Brake is another one of Andre Muran’s con men that were used to steal peoples hard earned money.“). Den <a href="http://www.theaucklander.co.nz/news/shore-rowers-win-juniors-gold-eye-rio/1532605/" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der als neuseeländische Ruderhoffnung zu den Olympischen Spielen 2016 will. Den <a href="http://www.cbc.ca/news/story/1999/11/15/nf_brake991115.html" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der 1999 wegen des Totschlags an seinem eigenen Sohn zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde („Brake killed the baby when he hit him in the head with his hand.“).Und den Michael Brake, von dessen Tischfußballniederlage mit Jens Schulz es ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=x6Zo-ETS3wk" shape="rect" target="_blank">YouTube-Video</a> … ach nein, das bin ja auch ich.</p>
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		<title>Die besten GEHEIMTIPPS aus dem Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Nov 2012 20:15:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Ein Buch, das aus einer ausgedruckten Liste von Internetadressen besteht? Gibt es! Und angeblich ist es sogar die bessere Alternative zu Google. Klar. (aus der taz vom 9. November 2012) Endlich Herbst. Endlich wieder Laub, Kürbisse,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Ein Buch, das aus einer ausgedruckten Liste von Internetadressen besteht? Gibt es! Und angeblich ist es sogar die bessere Alternative zu Google. Klar. <span id="more-1175"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!105218/">taz</a> vom 9. November 2012)</h3>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1177" title="webadressbuch" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/webadressbuch.jpg" alt="" width="200" height="287" />Endlich Herbst. Endlich wieder Laub, Kürbisse, Champions League. Und endlich wird in den Buchläden die neue Auflage des „Web-Adressbuchs für Deutschland“ verkauft, die 16. inzwischen, „Mit den besten GEHEIMTIPPS aus dem Internet“. Das Buch ist eine Emulation der späten Neunziger: Die Titelschrift mit Schatteneffekt, der Umschlaghintergrund mit Farbverlauf und Clipart-Fernglas, im Editorial wird „viel Spaß beim Surfen auf der Datenautobahn“ gewünscht – eigentlich fehlt nur noch eine beigelegte CD-ROM mit 50 Gratisstunden AOL.</p>
<p>Ja, Sie haben das richtig verstanden: Es handelt sich wirklich um eine ausgedruckte Liste von Internetadressen. „Die Redaktion testet, bewertet und vergleicht jedes Jahr aufs Neue alle (!) Web-Seiten“, verspricht der Herausgeber. Alle! Wie viele es wohl gerade gibt? Die „6.000 wichtigsten“ finden sich jedenfalls sortiert in Rubriken, mit Dreizeiler, URL und Register. Das Buch soll die bessere Alternative zu Google sein, denn endlich sparen wir uns „das ewige Herumsurfen und Durcharbeiten der Trefferlisten in Suchmaschinen“. Ohne Suchfunktion. Klar.</p>
<p>Nun ist gegen kuratiertes Internet erst mal nichts einzuwenden, und beim ersten Durchblättern scheinen die meisten Themen sinnvoll abgedeckt, sogar <a href="http://www.abgeordnetenwatch.de/" shape="rect" target="_blank">Abgeordetenwatch</a>, <a href="http://www.crackajack.de/" shape="rect" target="_blank">Nerdcore</a> und <a href="http://www.mundraub.org/" shape="rect" target="_blank">Mundraub</a> sind dabei. Aber, hey: Ist ja eigentlich auch nicht so schwer. Die Redaktion hatte schließlich auch <a href="http://www.google.de/" shape="rect" target="_blank">Google</a> (Seite 456: „Google findet schnell und zuverlässig relevante Web-Seiten, Bilder und Nachrichten mit der preisgekrönten Stichwortsuche“) und jede dritte Adresse ist einfach der Suchbegriff mit einem .de oder .org dahinter.</p>
<p>An der bescheuerten Aufgabe, die 6.000 wichtigsten Adressen auszusuchen, scheitert das Buch natürlich. Vimeo und Soundcloud fehlen, dafür gibt es eine Seite mit „Infos aller Art zum Amiga-Betriebssystem“. Celle hat gleich drei Einträge, Indonesien keinen einzigen, und wenn es noch irgendeinen Zweifel daran gibt, dass die Macher keinen Bezug zum Internet haben: Zwölf Hundeseiten sind gelistet, aber nur drei Katzenseiten. Nach welchen „Kriterien“ es die Webshops für Zäune, Perücken, Zimmerbrunnen usw. ins Buch geschafft haben, möchte man auch lieber nicht wissen (eine „Farbige Screenshot-Abbildung Ihrer Web-Seite inkl. Premium-Texteintrag“ <a href="http://www.web-adressbuch.de/aufnahme_antrag/default.aspx?schritt=1" shape="rect" target="_blank">kostet 599 Euro</a>, nur mal nebenbei).</p>
<p>Trotzdem gibt es eine Zielgruppe: Menschen, die Angst vorm Internet haben, aber zu jung sind, um „damit jetzt gar nicht mehr anzufangen“. Die ihren Kindern jeden Artikel zum Thema Cyber-Kriminalität aus der Lokalzeitung ausschneiden. Und die Google-Treffer nicht von Google-Kleinanzeigen unterscheiden können. Für sie wurde alles auf eine potemkinsch anmutende Seriosität gebügelt: Der Herausgeber trägt stolz ein „Dipl.-Pol.“ und gleich vorne werden jede Menge Safer-Surfing-Gütesiegel vorgestellt, darunter das vom Web-Adressbuch-Verlag selbst erfundene Jodeldiplom „Zertifizierte Web-Seite“ (auch hier kostet der Mitgliedsbeitrag 599 Euro im Jahr).</p>
<p>Auch aufgeführt ist natürlich die Eigenseite <a href="http://www.web-adressbuch.de/" shape="rect" target="_blank">www.web-adressbuch.de</a>. Eine Website, die ein Buch vorstellt, in dem Internetadressen stehen, die aber auf der Seite nicht zu finden sind – irgendwas ist mit der Zukunft in den vergangenen Jahren ziemlich schiefgelaufen.</p>
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		<title>Optimiert von A.A.A.A.A.A. bis Z</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Oct 2012 15:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat Suchmaschinenoptimierung groß gemacht – doch es gibt sie schon viel länger. Man muss nur mal ins Telefonbuch schauen. (aus der taz vom 12. Oktober) Das Survival of the Fittest wird fälschlicherweise oft als Überleben der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat Suchmaschinenoptimierung groß gemacht – doch es gibt sie schon viel länger. Man muss nur mal ins Telefonbuch schauen. <span id="more-1077"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!103416/" target="_blank">taz</a> vom 12. Oktober)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1079" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/telefonbuch_spam_aaaa.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Das Survival of the Fittest wird fälschlicherweise oft als Überleben der Fittesten verstanden. Dabei geht es um „to fit“, also passen: Nicht die stärkste Art überlebt, sondern die, die sich am besten auf ihre Umgebung einstellt.</p>
<p>Im Internet ist es ganz ähnlich. Es werden nicht zwingend die schönsten und hilfreichsten Seiten von den gängigen Suchmaschinen (also der einen gängigen halt) oben gelistet, sondern diejenigen, die die beste Symbiose mit dem PageRank-Algorithmus (Fun Fact: Dieser Algorithmus ist nicht nach dem englischen Wort für Seite, sondern nach einer Person benannt) und den Webcrawler-Programmen eingehen.</p>
<p>S.E.O., Search Engine Optimizing, heißt die Branche, die all diese Vorgänge analysiert und auszunutzen versucht. Ein Beruf, der 0,3 Punkte auf der „Ich bin ein sinnvolles Mitglied unserer Gesellschaft“-Skala von 1 bis 10 hat und damit nur knapp hinter den Leuten liegt, die als Hot Dog oder Handy verkleidet Flugblätter verteilen.</p>
<p>Nun wurde Suchmaschinenoptimierung zwar durch das Internet groß, aber nicht dort erfunden. Auch der Händler mit dem knallrosa Ladenschild und der Eiswagen mit der lustigen Melodie triggern unsere körpereigenen Crawler, mit denen wir unablässlich die Kohlenstoffwelt nach interessanten Inhalten scannen: Auge und Ohr.</p>
<p>Lebensmittelhersteller geben einiges Geld für Produktentwicklung aus – und danach noch viel viel mehr, um im Supermarkt im für sie optimal erscheinenden Regalsegment platziert zu werden. Für Radiostationen war es in der Analogradio-Ära vermutlich von Vorteil, wenn sie am Anfang oder Ende des UKW-Bereichs lagen. Den Frequenzsucher nur einmal beherzt an den Anschlag zu reißen, ist bequemer, als den Lieblingssender irgendwo im 94,7-Bereich herauszufummeln. Und zur Zeit von Telefonwählscheiben hatte ein Taxiunternehmen mit der Nummer 22122 eine bessere Marktposition als eins mit der 99899.</p>
<p>Der fortgeschrittenste Prä-Internet-S.E.O-Wettkampf wurde allerdings in Telefonbüchern ausgefochten. Eine Möglichkeit: ganz vorne stehen – oder ganz hinten (eine Option, die bei Google wegfällt). Der allererste Eintrag im aktuellen Berliner Papiertelefonbuch lautet entsprechend „A. A. A. A. E. Merchandise Corporation &amp; Werbeproduktions-GmbH“, wobei die Leerzeichen und Punkte eine wichtige Rolle spielen, denn die „AAA Argusauge Security GmbH“ steht erst auf der zweiten Seite, weit hinter der „A S Frucht GmbH“.</p>
<p>Der zweite Trick ist, nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern bis zu dreihundert unterschiedliche Nummern anzumelden, um in der unendlichen Kleinteiligkeit der Telefonbuchbleiwüste sofort ins Leserauge zu springen.</p>
<p>Doch auch im Telefonbuchverlag beschäftigt man sich offenbar mit S.E.O.-Abwehr und hat die diffuse Kategorie „Sonstige Einträge“ geschaffen. Hierhin werden Namensungetüme wie „a a a a a a a a a a a a a a absichernder allgemeiner Schlüsseldienst e.K.“ oder „! ! ! ! 0-0h Schlüssel, Schlüsseldienst, Schlüsselnotdienst Tag &amp; Nacht e. K.“ verbannt, neben Firmen, die ganze Spalten mit leicht variierenden 0800er-Nummern füllen.</p>
<p>Mit Evolution hat dieses Nummernghetto natürlich nichts zu tun. Aber manchmal müssen Suchmaschinenbetreiber eben Gott spielen.</p>
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		<title>Piraten oder Ninjas?</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/09/14/piraten-oder-ninjas/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Sep 2012 23:23:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Pünktlich zum „International Talk Like a Pirate Day“ scheint eine der ältesten Fragen des Internets endlich geklärt. (aus der taz vom 14. September 2012) Avast! Am Montag wurde die deutsche Piratenpartei sechs Jahre alt. Das ist]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Pünktlich zum „International Talk Like a Pirate Day“ scheint eine der ältesten Fragen des Internets endlich geklärt.<span id="more-1025"></span> (aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!101612/" target="_blank">taz</a> vom 14. September 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1031" title="The_Secret_of_Monkey_Island_SE_Vergleich_2_low" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/The_Secret_of_Monkey_Island_SE_Vergleich_2_low.jpeg" alt="" width="619" height="274" /></p>
<p>Avast! Am Montag wurde die deutsche Piratenpartei sechs Jahre alt. Das ist schön für sie, sie wäre dann jetzt bereit für die Einschulung. Und kommenden Mittwoch steht gleich der nächste piratenrelatierte Feiertag an: der <a href="http://www.talklikeapirate.com/" target="_blank">International Talk Like a Pirate Day</a>, 1995 in der Piratenhochburg (Geheimwissen!) Oregon erfunden.</p>
<p>An diesem Tag sollen alle Menschen Piratisch reden, englisches Piratisch natürlich, deutsches Piratisch kann man ja nicht ernst nehmen (na gut, englisches auch nicht, aber das versteht man jedenfalls nicht so gut, das ist wie mit peinlichen Songtexten). Und es ist auch ganz einfach: man muss einfach nur irgendwo in jeden Satz ein Avast, Arrr, Aye oder Savvy einbauen und mit „Ahoy, Matey“ grüßen. Feinheiten wie die Frage, ob man „Arrrr“ vor, hinter oder vor <em>und</em> hinter einer adverbialen Bestimmung des Ortes verwenden sollte, regeln sich automatisch nach dem dritten Rum.</p>
<p>Um sich warmzulesen, lassen sich auch <a href="http://https://www.google.com/webhp?hl=xx-pirate" target="_blank">Google</a> und Facebook auf Piratenenglisch einstellen. „Gefällt mir“ heißt dann „Arrr, This be pleasin‘ to me eye“, aus „Teilen“ wird „Blabber t’ yer mates“ und aus „Profilbild bearbeiten“ „Mend the Jolly Rogger“, überm Chat steht „Parley, Thar’ be“, der „August“ heißt „Arrrgust“ und so weiter. Damit kann man schon mal einen Tag Spaß haben, und danach noch die Sprachoptionen Leetspeak und Upside Down ausprobieren. ʇɥǝıssnɐ ƃıʇsnl ǝıʍpuǝƃɹı ɥɔnɐ ɥɔılɹüʇɐu sɐʍ</p>
<p>Google, Facebook, die deutschen Wähler – auf einmal lieben alle die Piraten, in der <a href="http://www.venganza.info/" target="_blank">Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters</a> gehören sie sogar zu den zentralen Glaubensinhalten, hier wurde International Talk Like a Pirate Day zum Feiertag erhoben. Es scheint fast so, als wäre eine der ältesten und beinah in Vergessenheit geratenen Fragen der Internetgeschichte unbemerkt entschieden worden, und das mit einem komplett überraschenden Ausgang. Die Frage nämlich, wer besser ist: Piraten oder Ninjas?</p>
<p>Dabei ist es doch eigentlich einfach. Piraten mögen Musketen besitzen, aber was bringt ihnen das, wenn sie von den praktisch unsichtbaren Ninjas enthauptet werden, noch bevor sie den ersten Schuss abgeben können?</p>
<p>Und auch sonst: Piraten sind laut, reden und singen gerne. Ninjas sind superleise, reden nur das Nötigste und töten Leute, die singen. Piraten tragen alberne bunte Kostüme. Ninjas tragen schwarz mit Kapuze, können Kung Fu und coole andere Moves. Piraten sind wie Hunde. Ninjas sind wie Katzen. Die einzigen Pluspunkte fürs Team Pirat sind Monkey Island und Captain Jack Sparrow, aber das ist sicher auch nur irgendein Irrtum.</p>
<p>Doch trotz dieser für jeden offensichtlichen Überlegenheit ist es tatsächlich still geworden um die Ninjas. In den Achtzigern waren sie noch die Stars von Kinofilmen (American Ninja), Comics (Ninja Turtles) und Computerspielen (Ninja Gaiden), jetzt haben sie den Piraten die Medienöffentlichkeit überlassen, und was die daraus machen, sieht man ja gerade ganz gut .</p>
<p>Sogar die Website der <a href="http://ninjapartei.de/" target="_blank">Ninjapartei</a> (ja, die gibt es, also die Seite) ist inzwischen nur noch eine Umleitung zur Piratenpartei. Aber man muss deshalb nicht glauben, dass die Piraten gewonnen hätten. Die Ninjas sind nicht verschwunden. Ihr könnt sie nur nicht sehen.</p>
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		<title>Als ich einen Balrog erschuf</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 01:33:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von Likehuren und Hitlerkatzen, Kaffeetrends und dem Mario-Barth-Humor des Internets. Braucht Ihr noch mehr Buzzwords? Jetzt klickt schon, Ihr Luder! (aus der taz vom 17. August 2012) Es passierte auf einer Radtour durch Köln. Ich startete]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von Likehuren und Hitlerkatzen, Kaffeetrends und dem Mario-Barth-Humor des Internets. Braucht Ihr noch mehr Buzzwords? Jetzt klickt schon, Ihr Luder!<span id="more-1003"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!99801/" target="_blank">taz</a> vom 17. August 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1004" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/coffeetogo_nulleneinsen.jpeg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Es passierte auf einer Radtour durch Köln. Ich startete in Ehrenfeld, kam am berühmten Zentralmoscheeneubau vorbei, nudelte mich dann außenringseitig durch Industrie- und Bahnschienengebiete, bis ich Nippes erreichte. Auf der Neusser Straße war dann dieses Schild. „Coffee to go“ stand darauf und direkt darunter: „Jetzt auch zum Mitnehmen“. Haha. Lustig. Ich machte ein Foto. Und stellte es auf Facebook. Und zwar so, dass alle es sehen, liken und sharen können, nicht nur meine Freunde und Freundesfreunde.</p>
<p>Damit hatte ich einen Balrog geschaffen. Der erste, der das Foto likte, war Sascha Lobo. Der hat bei Facebook über 21.000 Abonnenten, die das mitkriegen konnten. Schnell kletterte der Gefällt-mir-Zähler auf 10, 20, 30. Bäm! Ich war glücklich. Denn, ja: Ich bin eine Likewhore. Jedes Mal, wenn oben links die kleinen weißen Ziffern auf rotem Grund aufpoppen und neue Ereignisse anzeigen, gibt mir das einen Kick.</p>
<p>In der taz-Onlineredaktion nennen wir Kollegen Klickhuren, wenn sie Beiträge absurd hochjazzen (dafür reicht in der Regel ein Tier- oder Nacktbild, oder in der Überschrift was mit Hitler oder Fäkalsprache; 100 Punkte wären das Bild einer Hitlerkatze und „Piraten wollen Aliensex legalisieren“). Likewhore sein ist das Gleiche, nur in einer anderen Währung. Endlich werden all die kleinen Alltagsbeobachtungen veredelt, belohnt und quantifiziert. Wobei man schnell nur noch Pointen online stellt oder was man dafür hält. Man will ja den Schnitt hoch halten.</p>
<p>Nachmittags ließen die Likes für das Kaffeefoto nach, dafür teilten auf einmal wildfremde Leute mein Foto. Mein Foto! Und ihre Freunde teilten es weiter und weiter. Ich konnte live mitzählen. 44. Reload. 45. Reload. 46. Hach. Als ich am nächsten Morgen bei 150 war, schaute ich mir die Shares mal an und merkte: Das sind fast nur Leute, mit denen ich gar nicht so viel zu tun haben wollen würde, so im echten Leben. Und auch sonst.</p>
<p>Erst da wurde mir klar, mit was ich gepunktet hatte. Bildergoogelt man den Spruch, kriegt man mehrere baugleiche Fotos ausgeworfen, eine Karikatur und sogar ein Buch mit dem Namen: „Kaffee to go – auch zum Mitnehmen!: Die verrücktesten und witzigsten Schilder“. Kaffeetrendwitze sind das, was Helmut-Kohl-Karikaturen in den Achtzigern waren, der Mario-Barth-Humor des Internets. Sichere Lacher, wie Witze über die FDP, Hipster oder Prenzlauer-Berg-Muttis.</p>
<p>Inzwischen sind es 93 Likes und 293 Shares, und insgesamt dürfte ich mehrere tausend Leute erreicht und manche davon sogar amüsiert haben. Und obwohl ich längst die emotionale Bindung zu meinem Foto verloren habe, bin ich doch ein wenig stolz. Ich hatte nicht nur etwas Vorhandenes weiterverbreitet, sondern tatsächlich selbst etwas geschaffen. Ich hatte meinen bescheidenen Beitrag zu der sich täglich weiter reproduzierenden Pointenmaschine Internet geleistet.</p>
<div>
<p>Danach konnte ich beruhigt vier 0-Like-Beiträge posten. Einen davon habe ich allerdings nachträglich heimlich wieder gelöscht. Wie sieht denn das sonst aus?</p>
</div>
<div id="adition_zone_artikel_co"></div>
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		<title>Miao, miao, Weltkatzentag!</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/08/08/die-alphatiere-des-internets/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Aug 2012 15:23:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie die Katzen 2012 den Angriff eines anderen Flauschtieres geschickt weggeschnurrt haben. Und: Das beste Katzencomic der Welt. (veröffentlich auf taz.de) Endlich ist wieder Weltkatzentag, oder WKT, wie wir Katzeninsiderprofis sagen. Und es war ein aufwühlendes Jahr für die Katzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wie die Katzen 2012 den Angriff eines anderen Flauschtieres geschickt weggeschnurrt haben. Und: Das beste Katzencomic der Welt.<span id="more-1017"></span> (veröffentlich auf <a href="https://www.taz.de/Kolumne-zum-Weltkatzentag/!99124/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1018" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/weltkatzentag000.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Endlich ist wieder Weltkatzentag, oder WKT, wie wir Katzeninsiderprofis sagen. Und es war ein aufwühlendes Jahr für die Katzen. Menschen machten sie zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-HnwhGgsgXc" target="_blank">Helikoptern</a>. Andere nutzten sie als <a href="http://www.berliner-kurier.de/panorama/unfreiwilliger-drogenkurier-katze-schmuggelt-heroin-in-russischen-knast,7169224,16827424.html" target="_blank">Drogenkuriere</a>. Eine Katze überlebte einen <a href="http://www.welt.de/newsticker/news2/article106260136/Katze-in-Suedafrika-ueberlebt-fast-zweistuendigen-Waschmaschinen-Gang.html" target="_blank">2-Stunden-Waschmaschinengang</a>, der dickste Kater der Welt überlebte hingegen <a href="http://www.spiegel.de/panorama/uebergewichtiger-kater-meow-ist-tot-a-831956.html" target="_blank">nicht</a>.</p>
<p>Meine Katze Mono fing ihren ersten Vogel (<a href="http://michaelbrake.de/2012/08/08/mono-und-die-meise/" target="_blank">explizite Bilder</a>). Und auf der re:publica wurde es dann <a href="http://www.youtube.com/watch?v=m42G0iI4S5U#t=73m58" target="_blank">von Sascha Lobo ausgesprochen</a>: Katzen im Internet, abgestuft von AAA auf AA+. Igel und Eulen gleichzeitig aufgewertet. Die Ende der Hegemonie in Flauschdigitalien drohte.</p>
<p>Und auch ich war da schon längst der Eule verfallen. Der Sphinx der Lüfte, dem Vogel der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=m6mxInxtLsk" target="_blank">1.000 Gesichter</a>, einem verknautscht-verspulten Außenseitertier mit Superfeatures wie Pseudoohren und 270-Grad-Halsdrehfunktion. Ihr unaufhaltsam steiler Aufstieg war so unaufhaltsam und steil, dass schnell ganz Facebook vereult war und die Eulen schon im Frühjahr die Stars in einem <a href="http://https://www.youtube.com/watch?v=5xdh9ajfwX4" target="_blank">Lufthansa-Werbespot</a> waren.</p>
<p>Doch wie so viele Sachen, die ganz schnell ganz toll sind, war es genauso plötzlich wieder vorbei. Aus dem Nichts standen sie <a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/prismaeule.jpg" target="_blank">auf dem Titelblatt</a> der kostenlosen TV-Beilage <em>Prisma</em>, als „Kult“ – und durften sich in der Trendtierliste ganz weit hinten, irgendwo zwischen Berner Sennenhund und Antilope, einsortieren. Hätten Eulens es doch alles ein wenig langsamer angegangen. Vielleicht gibt es ja noch eine zweite Chance.</p>
<p>Bleiben die Igel. Die lieben Igel! Die haben sich angesichts des Eulenschocks auch erstmal zurückgezogen und halten ihre niedlichen Füßchen still. Und so sind die Katzen wieder die Alphatiere in diesem Internet, zu deren Ehren am 30. August in Minneapolis endlich das erste <a href="http://www.walkerart.org/openfield/programs/internet-cat-video-film-festival/" target="_blank">Internet Cat Video Festival</a> ausgerichtet wird – wer keine Zeit hat, kann sich mit <a href="http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2012-07/nicht-genug-cat-content-meowbify-katzifiziert-deine-lieblingsseite/" target="_blank">Meowbify</a> auch einfach alle Webseiten mit Katzenvideos zupflastern.</p>
<p>Doch zu Katzenvideos wurde ja vor einem Jahr <a href="http://www.taz.de/%2175734/" target="_blank">schon alles gesagt</a>, neu dazu gekommen ist nur die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZsMmCNK6vRk" target="_blank">Anfield Cat</a> aus dem Premier-League-Spiel Liverpool gegen Tottenham. Dieses Mal soll es hier um Katzencomics gehen, genauer: Die Rückübertragung des Katzenvideoprinzips in Comicform.</p>
<p>Da gibt es einmal die ziemlich berühmte Simon&#8217;s Cat, eine Erfolgsstory, die mit einem wirklich hübschen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=w0ffwDYo00Q" target="_blank">Animationsfilm</a> über eine Katze, die ihren Besitzer aufweckt, begann. Das schöne an dem Film ist, dass er halbwegs reduziert und realistisch (okay, abgesehen von dem Baseballschläger) zeigt, wie Katzen halt sind. Doch, ach: Die Verlockung einer auszuschlachtenden Humor-Marke machte Zeichner Simon Tofield schwach. Er machte immer mehr Filme und daraus auch noch Comicbücher, inzwischen gibt es vier davon, sie sind auch in Deutschland erschienen.</p>
<p>Hier gibt es armseliges Lustigkeitsgewitter statt präziser Beobachtung, antropomorphisierenden Quark, wie Garfield, aber ohne gute Pointen und unanimiert dann eigentlich auch gar nicht so gut gezeichnet – allenfalls brauchbar als Geschenk für Menschen, die sich selbst als der „Dosenöffner“ ihrer Katze vorstellen.</p>
<p>Wie bräsig das alles wirkt, merkt man vor allem, wenn man als Kontrast das wesentlich ältere <a href="http://www.chroniclebooks.com/titles/cat-getting-out-of-a-bag-and-other-observations.html" target="_blank">„Cat Getting Out of a Bag and Other Observations“</a> und seinen Nachfolger „Cats Are Weird“ daneben stellt, von Jeffrey Brown, der zuletzt das allein schon von der Idee her großartige <a href="http://www.chroniclebooks.com/titles/darth-vadertm-and-son.html" target="_blank">„Darth Vader and Son“</a> gezeichnet hat.</p>
<p>In drei mal drei Bildern pro Seite passiert meist sehr wenig: Katze putzt sich. Katze niest. Katze dreht sich im Kreis und legt sich hin. Katze bewegt sich durch die Küche. Katze versteckt sich. Katze gähnt. Zenhafte Szenen, hinreißend gezeichnet, in grobem, leicht expressionistichem Kohlestrich. Jeder Katzenmensch wird „Ja! Genau so ist es!“ rufen und Jeffrey Brown für seine Bilder lieben. Alle anderen werden sich langweilen.</p>
<p>Sollen sie halt. Sie haben es nicht besser verdient.</p>
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		<title>Was macht Luther?</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Aug 2012 01:02:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über Kirchenaustrittsdiskussionen in der S-Bahn. (aus der taz vom 6. August 2012) „Es geht ums Prinzip. Ich zahl den Mongos doch nix!“ Es geht um die Kirche. In der S-Bahn. Drei Wilmersdorf-Boys diskutieren. Beziehungsweise: Zwei geben Stichwörter, einer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>BERLINER SZENE über Kirchenaustrittsdiskussionen in der S-Bahn.<span id="more-1706"></span> (aus der taz vom 6. August 2012)</h3>
<p>„Es geht ums Prinzip. Ich zahl den Mongos doch nix!“ Es geht um die Kirche. In der S-Bahn. Drei Wilmersdorf-Boys diskutieren. Beziehungsweise: Zwei geben Stichwörter, einer proklamiert. „Eine Organisation, die sich nur von Steuergeldern finanziert, gehört abgeschafft!“ Und: „Die schreiben mir ständig Briefe. Das ist auch voll dreist.“</p>
<p>Er sei eh schon ausgetreten, automatisch, mit seinem Vater, meint einer der beiden anderen. Die Konfirmation mache man doch eh nur wegen des Geldes, sagt der Dritte. „Aber wenn du konfirmiert bist, bist du katholisch?“, fragt der Zweite. „Nein, Mann! Bist du dumm? Evangelisch. Katholiken werden kommuniert.“ „Aber Katholiken ist der Papst, oder? Wen haben die anderen denn dann? Luther?“</p>
<p>Das weiß jetzt keiner so genau. Und was ist eigentlich los mit Luther? Vielleicht lebt der ja noch. Auf dem Mond, genau wie Hitler. Obwohl, Luther, nein, der lebt doch eher in der Hohlwelt. Da wird man ja auch 500 Jahre alt. Passt also.</p>
<p>Doch zurück zum Austritt. Ein Problem dabei sei nämlich, dass die Kirchensteuer auch auf der Lohnsteuerkarte oder so vermerkt ist. Der Arbeitgeber sieht das also und in Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg muss man in der Kirche sein. Sonst kriegt man keinen Job. Wirklich? Wirklich! Einem ehemaligen WG-Mitbewohner sei das passiert. „Die rasten da völlig aus.“ Na ja. „Bayern. Weißt du doch, dass die da anders ticken.“</p>
<p>Um wie viel Geld geht es eigentlich? So hoch sei die Kirchensteuer doch gar nicht. Diverse umständliche Erklärungen zu progressiven Steuersätzen und Freibeträgen später steht das Fazit: Kein anderes Land auf der Welt erhebt seine Kichensteuer einkommensbasiert. „Glaub ich nicht“, sagt der Zweite. „Komm, wir wetten um einen Kasten Bier.“ “Um Warsteiner. Das ist gerade bei Netto im Angebot.“</p>
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		<title>Jeder kann malen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Aug 2012 10:50:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über die coolste Achtjährige der Welt. (aus der taz vom 1. August 2012) Im Zug von Berlin nach Hannover. Vater, Typ Oliver Korittke, sieht recht verkatert aus. Tochter, etwa acht Jahre, eher so Pippi-Langstrumpf-Style. Tochter: Was soll ich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>BERLINER SZENE über die coolste Achtjährige der Welt.<span id="more-1763"></span> (aus der taz vom 1. August 2012)</strong></p>
<p><i>Im Zug von Berlin nach Hannover. Vater, Typ Oliver Korittke, sieht recht verkatert aus. Tochter, etwa acht Jahre, eher so Pippi-Langstrumpf-Style.</i></p>
<p><strong>Tochter: Was soll ich malen?</strong></p>
<p>Vater: Mal doch mal Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin.</p>
<p><strong>Nee, ich male keine Menschen. Und auch keine Tiere. Und keine Fabelwesen. Ich mal lieber eine Landschaft. Zum Beispiel einen Wald.</strong></p>
<p>Ja, mal doch einen Wald.</p>
<p><strong>Und wie soll ich den Wald malen? Von oben? Oder von mittendrin? Oder &#8230;</strong></p>
<p>&#8230;</p>
<p><strong>Papa! Wie soll ich den Wald malen!? Von oben, von mittendrin &#8230;</strong></p>
<p>Von mittendrin. Von oben sieht das so langweilig aus.</p>
<p><strong></strong><em>(Das Mädchen malt einen Baum)</em></p>
<p><em></em><strong>Papa, Du sollst auch mitmalen.</strong></p>
<p><strong></strong>Nee, ich hab jetzt echt keinen Bock</p>
<p><strong></strong><strong>(<em>flüstert</em>) Sonst schrei ich ganz laut!</strong></p>
<p><strong></strong>Aber ich kann das nicht so gut. Wenn ich da jetzt was male, sieht das alles blöd aus.</p>
<p><strong></strong><strong>Dann sieht es halt blöd aus.</strong></p>
<p><strong></strong>Ich will aber nicht dein schönes Bild doofmalen.</p>
<p><strong></strong><strong>Dann mal ich es halt nochmal.</strong></p>
<p><strong></strong>Man kann auch gar nicht zu mehreren malen. Malen macht man alleine.</p>
<p><strong></strong><strong>Stimmt gar nicht! Man kann auch zu zweit malen, oder zu dritt oder zu viert&#8230;</strong></p>
<p><strong></strong>Mach dir mal ne Haarspange rein, damit du wieder aussiehst wie ein Mensch.</p>
<p><strong></strong><strong>Du sollst jetzt mit mir malen.</strong></p>
<p><strong></strong>Ich kann aber nicht malen.</p>
<p><strong></strong><strong>Jeder kann malen! Jeder kann malen! Das hat meine Kunstlehrerin gesagt.</strong></p>
<p><strong></strong>Als Kind habe ich gern gemalt. Aber durch den Kunstunterricht hatte ich keine Lust mehr. Da wurde einem immer gesagt, du sollst das malen und du sollst so malen. Dabei sollte man malen, worauf man Lust hat. Das kannst du deiner Kunstlehrerin mal sagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das Cristiano-Ronaldo-Syndrom</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/06/27/das-cristiano-ronaldo-syndrom/</link>
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		<pubDate>Wed, 27 Jun 2012 17:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[EM 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. (veröffentlicht auf taz.de) Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. <span id="more-911"></span>(veröffentlicht auf <a href="https://www.taz.de/Kolumne-B-Note/!96173/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p>Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling, der eigentlich nichts drauf hatte, außer Brüste. Dabei gewann sie zwei Grand-Slam-Titel im Doppel und war im Einzel Weltranglisten-Achte, was jetzt nicht direkt schlecht ist.</p>
<p>Kournikovas Problem: Sie sah hervorragend aus und das auf eine Art, bei der jede Pore ihres Körpers sagte: „Seht her, wie attraktiv ich bin“. Solche Menschen müssen sich im Sport doppelt beweisen und permanent gegen den Verdacht anspielen, nur wegen ihres Aussehens berühmt zu sein. Sie haben das Cristiano-Ronaldo-Syndrom.</p>
<p>Der portugiesische Angreifer ist aktuell unzweifelhaft einer der besten Fußballer der Welt, er hat zuletzt 46 Saisontore in der spanischen Liga geschossen, auch einen großen Titel holte er schon: 2008 die Champions League. Gleichzeitig legt Ronaldo genauso unzweifelhaft viel Wert auf sein Aussehen, wird von zahlreichen Menschen attraktiv gefunden und schmiert sich Gel ins Haar (was gefühlt 80 Prozent aller unter 30-Jährigen Männer und 98 Prozent aller Profifußballer tun, der als besonders unprätentiös geltende Wayne Rooney transplantiert sich sogar Haare – aber egal).</p>
<p>Nun scheint Eitelkeit für viele Leute nicht mit Leistungsfähigkeit vereinbar zu sein. Bei jedem Fehlschuss, jeder Macke in Ronaldos Spiel fühlen sie sich bestätigt: Der Mann ist nichts als Hype. Als wenn Ronaldo nur auf dem Platz stehen würde, weil die Mannschaftsaufstellung von einem Teenagerinnen-Telefonvoting bestimmt wird, und nicht von leistungsorientierten Trainern.</p>
<p>Interessanterweise findet man Ronaldokritiker vor allem unter Menschen, die sich selbst für reflektiert halten. Das funktioniert so: Weil Ronaldo schön sein will, muss er oberflächlich sein. Um zu zeigen, wie unheimlich unoberflächlich man selbst ist, bewertet man Ronaldos Spiel besonders kritisch. Die Beurteilung von Spielfähigkeiten auf der Grundlage von Aussehen wird so zum Ausdruck von Tiefgründigkeit. Bemerkenswert.</p>
<p>Neben der Haargelsache wird übrigens auch Ronaldos Gestik im Allgemeinen und sein Freistoßanlauf im Speziellen gern kritisiert. Hierbei macht er fünf große Schritte rückwärts, um dann breitbeinig wie ein Cowboy stehenzubleiben. Reines Gegockel? Von wegen: Da hat jemand für sich herausgefunden, wie der optimale Bewegungsablauf sein muss und es in ein Ritual zur besseren Konzentration verpackt. Einen Sami Khedira würde man für solche Akribie loben. Ronaldo nicht.</p>
<p>Denn das Narrativ „Ronaldo ist ein überschätzter Schnösel“ hat sich längst so tief in die öffentliche Fußball-Wahrnehmung gebrannt wie „Italiener können nur mauern” (auch wenn Prandelli gerade das Gegenteil veranstaltet), „Deutschland hat immer Losglück” (Todesgruppe, hallo?) und „Engländer können keine Elfer” (obwohl, Moment, das stimmt ja wirklich).</p>
<div>
<p>Und deswegen ist auch egal, dass Ronaldo bei dieser EM in zwei entscheidenden Spielen der beste Mann auf dem Platz war, mit drei Toren und vier Aluminiumtreffern. Es braucht nur eine vergebene Großchance, nur ein in Superzeitlupengroßaufnahme gezeigter hadernder Blick, nur ein Übersehen des besser postierten Nebenmannes von Cristiano Ronaldo – und alle werden es mal wieder schon immer gewusst haben. Der Typ ist ne Wurst!</p>
</div>
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		<title>Der Mann mit der Mütze</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 16:36:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[EM 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic (aus der taz vom 12. Juni 2012) Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic <span id="more-900"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&amp;dig=2012%2F06%2F12%2Fa0099&amp;cHash=6af9b14977" target="_blank">taz</a> vom 12. Juni 2012)</strong></h3>
<p>Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder Italiener handelt, sogar elegant, wenn es sich um Pep Guardiola handelt, sogar extremsuperelegant.</p>
<p>Die zweite Sorte setzt auf Trainingskleidung und erklärt damit: Wir sind ganz nah dran am Team. Wir rackern mit! Diese Trainer werden immer seltener, in den ersten sechs Spielen der EM setzte nur Polens Franciszek Smuda auf Polyester. Immerhin ist es überhaupt erlaubt, anders als in den europäischen Vereinswettbewerben, wo selbst Kapuzenpullimaus Thomas Schaaf und Oberkumpel Jürgen Klopp in Anzüge gezwungen werden.</p>
<p>Und dann gibt es noch Slaven Bilic, der im Spiel gegen die von Trapattoni (graues Sakko, blaue Krawatte) trainierten Iren auf eine Kombination setzte: Anzug unten, Mütze oben. Und nicht irgendeine Mütze, sondern das eleganteste Beanie, das sein Kleidungssponsor im Angebot hatte. Andere Trainer wagen höchstens, einen dicken Anorak über das Sakko zu ziehen, Bilic gibt den Business Punk. Slaven Beanic, quasi.</p>
<p>Dabei ist der Move nicht neu, auch vorher trug Bilic schon mal Mütze. Aber er zeigt: Die Kombination aus Business- und Streetwear sorgt immer noch für Irritationen, über 25 Jahre nach Joschka Fischers Turnschuhen, auch nach New Economy und Jahrzehnten des Casual Fridays.</p>
<p>Das erste Style-Ausrufezeichen der EM kommt also aus Kroatien. Herr Löw – kontern Sie!</p>
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		<title>Der große Flauschangriff</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jun 2012 17:17:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat die Liebe entdeckt. Flausch ersetzt Rumgetrolle. Happiness auf Zuckerwattespeed, juchu! Oder doch bloß digitales Soma? (aus der taz vom 6. Juli 2012) Nicht gemeckert ist genug gelobt. Diese robuste Grundeinstellung der Niedersachsen, Berliner und]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat die Liebe entdeckt. Flausch ersetzt Rumgetrolle. Happiness auf Zuckerwattespeed, juchu! Oder doch bloß digitales Soma? <span id="more-905"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!94902/" target="_blank">taz</a> vom 6. Juli 2012)</h3>
<p><img class="size-full wp-image-907 alignnone" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/flauschangriff.jpg" alt="" width="620" height="417" /></p>
<p>Nicht gemeckert ist genug gelobt. Diese robuste Grundeinstellung der Niedersachsen, Berliner und Ostwestfalen gilt auch in weiten Teilen des Internets. Während es zahlreiche klar definierte Hassausdrucksformen gibt – den Rant, den Shitstorm, den Flame-War, die Trollerei – wird Respekt oder gar Zuneigung normalerweise nur technisch ausgedrückt: durch das Betätigen der Like-, Fav- und +1-Buttons, durch Trackbacks oder Verlinkungen. Meist aber gar nicht.</p>
<p>Seit rund einem halben Jahr aber etabliert sich aber eine Gegentechnik: Der Flausch. Flauschen kann trösten sein, eine Zuneigungsbekundigung, hippiehafte Happiness auf Zuckerwattespeed und noch vieles mehr. Speziell auf twitter wird mit dem Hashtag <a href="http://twitter.com/#!/search/realtime/#flausch" shape="rect" target="_blank">#flausch</a> viel Liebe in die Welt geblasen.</p>
<p>Im Internet groß gemacht hat den Begriff möglicherweise Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier, der in seinem eigenen Blog schon seit Mitte 2009 die Rubrik <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/flausch-am-sonntag-44/" shape="rect" target="_blank">Flausch am Sonntag</a> unterhält, dessen Flauschcontent sich aber wirklich auf pelzige oder wollige Tiere bezieht und nicht auf Kulturtechniken. Mindestens so lange steht „flauschen“ auch schon im Szenesprachenwiki des Online-Duden. Kurz vor Weihnachten 2011 rief dann jedenfalls Anatol Stefanowitsch <a href="http://plus.google.com/u/0/110709408825070411070/posts/CZmud1LN5hW" shape="rect" target="_blank">auf Google+</a> zu einem Flauschstorm für die drei Monate nach ihrem Wahlerfolg dezent unter Stress stehende Berliner Piraten-Landtagsfraktion auf.</p>
<p>Überhaupt kämpft die Piratenpartei an vorderster Flauschfront. Was einigermaßen logisch ist, denn deren Streitkultur ist Internet in siebenfacher Intensität und ein Piratenparteiamt auszuüben kein My-Little-Pony-Hof – deswegen gibt es eine <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Flausch" shape="rect" target="_blank">AG Flausch</a> (okay, es gibt auch eine AG Jagd), die unter dem Motto „Harmonie und yeah“ den inneren Parteifrieden aufrecht erhalten möchte und dafür unter anderem Bällebäder für Parteitage organisiert.</p>
<p>Und so ging es weiter. Ein Katzenfoto forderte im Februar <a href="http://fun.drno.de/pics/politik/kaputtflauschen.jpg" shape="rect" target="_blank">„ACTA kaputtflauschen“</a>. Die sorgenkritische <a href="http://twitter.com/#!/flauscheria" shape="rect" target="_blank">Flauscheria</a> twittert Wärmendes wie „Mein Flausch für euch ist ganz geschlechtsneutral für ALLE da &lt;3.“ Nach der Saarlandwahl im März schickte Piratensprecher Thomas Brück <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QOc52EtpvlM" shape="rect" target="_blank">in einer ARD-Runde</a> seiner erkrankten Spitzenkandidatin „einen herzlichen Flausch“ – was einen massiven Flausch-Ausschlag beim Analyse-Tool <a href="http://www.google.de/trends/?q=flausch&amp;ctab=0&amp;geo=de&amp;geor=all&amp;date=all&amp;sort=0" shape="rect" target="_blank">Google Trends</a> zur Folge hatte. Und Sascha Lobo stellte bei seinem <a href="http://www.spiegel.de/video/re-publica-sascha-lobo-haelt-einen-ueberraschungsvortrag-video-1194155.html" shape="rect" target="_blank">re:publica-Vortrag</a> Anfang Mai fest, dass seit 2011 im Internet nur noch „auf Nachfrage beleidigt wird“ und ersetzt seinen sonst üblichen Startrant durch einen Startflausch.</p>
<p>Doch während die einen sich noch an sich selbst beflauschen, hat anderswo längst eine Flauschdiskussion begonnen. „Leide unter Angoraphobie – Der Angst vor Flausch.“ <a href="http://twitter.com/DAS_OFF/status/209960284641701888" shape="rect" target="_blank">twittert</a> Löschkopf. Flausch wird aufgrund inflationärer Nutzung als hohle Pose kritisiert. <a href="http://the-gay-bar.com/2012/03/15/eine-kritik-des-flausch/" shape="rect" target="_blank">Oder als „Schmerztablette“ bezeichnet</a>, die Probleme in Watte packt, anstatt sie zu lösen – und letztlich sogar den Hatern hilft, weil viele ihre Diskussionskultur aufs Flauschen beschränken. Das <a href="http://antiprodukt.de/obey-the-flausch/" shape="rect" target="_blank">Antiblog</a> hält dagegen: „Kleine Flauschpflaster in Form von Aufmerksamkeitssekunden helfen oft schon weiter“. Und so weiter.</p>
<div>
<p>Wo die Debatte hinsteuert, ist völlig offen: Nicht geflauscht ist genug gemeckert? Oder doch: Nie wieder Flauschwitz!?</p>
</div>
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		<title>Die halbierte Halbzeitpause</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 17:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[EM 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor. (aus der taz vom 28. Juni 2012) Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor.</h3>
<h3><span id="more-1267"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-B-Note/!96221/" target="_blank">taz</a> vom 28. Juni 2012)</h3>
<p>Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien gegen Frankreich zu Mehmet Scholl. Huch! Wie konnte denn das passieren? So viele Highlights gab es in diesem Viertelfinalspiel doch gar nicht.</p>
<p>Es war halt wie immer: Statt das Spiel aufzubereiten, zeigt die ARD lieber die „Tagesthemen“. 7:26 Minuten lang durfte ein freundlicher junger Mann namens Ingo Zamperoni ein bisschen Weltgeschehen präsentieren. Rechnet man das ganze Gedöns der Trailer, Sponsorenpresenter und Respect-Clips weg, bleiben dann noch schmale fünf Minuten fürs Sportliche. Die Frage ist: Warum?</p>
<p>Denn natürlich ist es wichtig, was in Syrien und in Ägypten passiert. Und vielleicht auch ein Bericht vom Bundesverband der Deutschen Tafeln aus Suhl. Und mit viel Fantasie sind sogar die Viele-Nackte-Menschen-Skulpturen von Spencer Tunick wichtig. Aber das hätte man ja auch schon vorher in der „Tagesschau“ sehen können. Oder im ZDF. Oder auf dem Digitalkanal – you name it – tagesschau24.</p>
<p>Bei der „Sportschau“ gab es sowas lange Zeit auch, eine Mini-„Tagesschau“ mittendrin, keine zwei Minuten lang, aber die hatte zumindest eine Funktion: Sie teilte die Sendung in zwei Teile, sodass die ARD mehr Werbung schalten konnte. Musste man nicht gut finden, konnte man aber verstehen.</p>
<div>
<p>Bei der EM gibt es keine Gründe. Es gibt auch keine Pflicht: Problemlos könnte man „Tagesthemen“ und „Heute“ einfach im Anschluss und dafür in ganzer Länge zeigen – worauf man aber verzichtet, weil Waldi Hartmann und Markus Lanz mit ihren lustigen Fußballtalkrunden warten und dazwischengeklatschte Nachrichten den Audience Flow kaputt machen würden.</p>
<p>So bleibt es seit Ewigkeiten bei einer Lösung, die in ihrer Kompromisshaftigkeit öffentlich-rechtlicher nicht sein könnte, die weder Fußball- noch Nachrichtenbedürfnisse vernünftig abdeckt und für die es nur zwei Erklärungen gibt:</p>
<p>1. ARD und ZDF wollen den bildungsfernen Massen ihre wahnsinnige Infokompetenz vorgaukeln, während genau diese seit Jahren zusammengekürzt und auf lustige späte Sendeplätze verschoben wird. 2. Die Reduktion der Halbzeitberichterstattung soll den Mangel an Kompetenz in Sachen Fußballfragen bei quasi allen Beteiligten kaschieren. „Wir können ja gar nicht in die Tiefe gehen, in 5 Minuten. Hallo?“</p>
<p>PS: Parallel zum Samstags-Viertelfinale lief im ZDF das „Heute-Journal“ übrigens nicht um 21.45 Uhr, wie fast immer, sondern erst um 23.20 Uhr. Es musste verschoben werden, weil nach dem Krimi „Stubbe – von Fall zu Fall“ erst noch ein ganzer Bella-Block-Krimi laufen musste.</p>
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		<title>Enttäuschte Liebe</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 13:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Szene]]></category>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über einen kurzen Flirt mit Hertha BSC. (aus der taz vom 12. Mai 2012)  Letzten Samstag hatte mich schlagartig eine unerklärliche Zuneigung zu Hertha BSC ereilt. Dieser zarte Spross musste gepflegt werden! Also ging ich mit einem Freund]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/hertha_fortuna.jpg"><br />
</a>BERLINER SZENE über einen kurzen Flirt mit Hertha BSC. <span id="more-531"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2012%2F05%2F12%2Fa0256&amp;cHash=dccd001ec1" target="_blank">taz</a> vom 12. Mai 2012)</strong> <strong><br />
</strong></h3>
<p><img class="size-full wp-image-532 alignnone" title="hertha_fortuna" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/hertha_fortuna.jpg" alt="" width="620" height="350" /></p>
<p>Letzten Samstag hatte mich schlagartig eine unerklärliche Zuneigung zu Hertha BSC ereilt. Dieser zarte Spross musste gepflegt werden! Also ging ich mit einem Freund zum Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Olympiastadion &#8211; wo wir seit Jahren nur waren, wenn es galt, Werder Bremen beim Auswärtsspiel zu unterstützen.</p>
<p>Wir sind so pünktlich da, dass wir uns noch Wurst und Bier kaufen können. Als die Aufstellung vorgelesen wird, ist es fast voll. Ich rufe, na ja: spreche die Nachnamen mit. Hey, irgendwie ist das nach elf Jahren ja auch ein wenig <em>meine</em> Stadt. Und einen Verein, den Campino unterstützt, wer wollte den schon in der ersten Liga haben?</p>
<p>Hertha spielt besser. Hertha macht das 1:0. Neuer Spielstand? Hertha: EIIIIIIIIIINS. Düsseldorf: NUUUUUUUULLLL. Etwas schade ist, dass Fangesänge der Düsseldorfer immer nur mit Pfiffen übertönt werden, statt mit Gesängen. Aber jetzt nicht nörgelig werden. Ha-ho-he!</p>
<p>In der zweiten Hälfte fällt dann recht überraschend der Ausgleich. Egal. Weiter! Hinter uns rennt Polizei in den Oberrang. Ein Mann mit Blut im Gesicht wird abgeführt. Etwas mehr als 10 Minuten später macht Düsseldorf das 2:1, per Eigentor. Das Stadion ist still. Die Mannschaft reagiert nicht. Die Hertha-Ostkurve ist nicht mehr vorhanden. Eventuell ein Streik, weil sie Manager Preetz weghaben wollen? Die Fortuna-Fans hüpfen, sie singen &#8220;You&#8217;ll never walk alone&#8221;.</p>
<p>Noch drei Minuten. Die Leute verlassen das Stadion. &#8220;Immerhin ist der Preetz dann wirklich weg&#8221;, sagt hinter mir jemand. Der Stadionsprecher fordert zum Jubeln auf. Die Ostkurve bleibt stumm. Es ist zum Verzweifeln.</p>
<p>Vorbei. Chancen im Rückspiel: gegen Null. Im Stadion läuft &#8220;Bitter Sweet Symphony&#8221;. Ich nehme eine von den vielen kleinen Hertha-Fahnen mit, die vorhin noch geschwenkt wurden. Die können meine Katzen jetzt zerfetzen.</p>
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		<title>„Sie blockieren meinen Speicherplatz!“</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 21:38:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Nullen und Einsen]]></category>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Spam-Beantworter sind dusselige Menschen. Aber wenn man sie zu einem Massendialog verdrahtet, kann es ziemlich lustig werden. (aus der taz vom 11. Mai 2012) Regelmäßig werden Statistiken veröffentlicht, wie viele Lebensstunden die Menschheit mit dem Sichten]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN<strong> Spam-Beantworter sind dusselige Menschen. Aber wenn man sie zu einem Massendialog verdrahtet, kann es ziemlich lustig werden. <span id="more-529"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!93200/" target="_blank">taz</a> vom 11. Mai 2012)</strong></h3>
<p>Regelmäßig werden Statistiken veröffentlicht, wie viele Lebensstunden die Menschheit mit dem Sichten und Löschen von Spammails verschwendet. Inzwischen hat man sich auf rund 100 Milliarden Stunden pro Jahr geeinigt (was in etwa die Hälfte der aufgewendeten Zeit für das Erstellen und Lesen von Lebenszeitstudien ist).</p>
<p>Wobei „verschwenden“ Definitionssache ist. Immerhin liefert Spam wichtige Produktinformationen! Dann ist Spamaussortieren eine gute Fingerübung der eigenen Filterfähigkeiten: Schnell mal 20 Mails weggeklickt, danach schiebt man ohne Skrupel auch Babyfotos, LinkedIn-Einladungen oder verbitterte taz-Leserpost nur durch Betreffzeilen-Lesen in den Papierkorb. Nebenbei hat man das Gefühl, furchtbar viel zu geschafft zu haben.</p>
<p>Ein neuer Spam-Benefit tat sich vor ein paar Wochen für mich auf. „Dear Friend“ meldete sich Katie Johnson von einer Londoner Bank. Sie habe ein proposal zu discussen. Das Übliche. Doch dann kam – eine Antwort: „Bitte um was geht es?“, fragte jemand. Dieser Jemand hatte auf „An alle antworten“ geklickt und damit auch der Adresse geschrieben, an die Katie Jonsons Spammail ging. Und diese Adresse war ein – für Spam ungewöhnlich – noch aktiver Mailverteiler. Wer ihm schrieb, erreichte automatisch auch zigtausende Spamopfer.</p>
<p>Im Minutentakt stiegen weitere Leute ein. Schon die dritte Mail wurde härter: „Sollte ich noch einmal von Ihnen per E-Mail belästigt werden, werde ich eine Anzeige erstatten.“ Freundlicherweise mit Empfangsbestätigung. Das konnte lustig werden. Zeit, sich Popcorn zu holen.</p>
<p>Schnell teilten sich die Teilnehmer der Spamdiskussion in drei Gruppen. Die Wütenden versuchten es mit Drohungen, Großbuchstaben und pampigem Tonfall („Adresse aus dem Verteiler nehmen bitte! PRONTO!“). Die Verzweifelten waren vor allem planlos („Ist das denn nötig, allen immer die Antworten zu schicken???“, „Bitte darum auch uns aus dem Verteiler zu loeschen. Schliesslich haben wir zu Arbeiten“, „Sie blockieren meinen Speicherplatz!“ oder bloß „Unsubscribe“). Die Erklärer erklärten, dass man mit Antworten nur seine Mailadressen bei den Spammern verifiziere, aber nicht für ein Ende sorge. Natürlich hörte ihnen keiner zu. Zwischendurch meldete sich noch ein Mitarbeiter des Computermagazins <em>c&#8217;t</em> mit „Test, please ignore.“</p>
<p>Es ist 2012, und Menschen haben keine Spamkompetenz. Ein Unterschichtenproblem? Von wegen: Unter den Beteiligten waren Diplom-Designer, Mediaberater und Anwälte, auch Mitarbeiter der Deutschen Welle, einer Medizin-Akademie, der DAAD-Außenstelle Tiflis und der Sparkasse Bregenz machten mit.</p>
<p>Am zweiten Tag schaltete sich mit „Voll Depp“ ein Troll ein und schrieb alberne Antworten („Würden Sie bitte aufhören, mich in BCC auf Ihre dämlichen E-Mails zu nehmen?“ – „Im To und Cc ist aber in Ordnung, oder?“). Abends schickten erste Trittbrettfahrer Werbung und Stellengesuche über den Verteiler. Neu im Boot waren auch überforderte Kundendienstmitarbeiter, die glaubten, dass sie gemeint seien. Und dazwischen blökten alle anderen Parteien weiter rum, als hätte es die Dutzenden Vorredner nicht gegeben.</p>
<p>3 Tage, 25 Minuten und 142 Mails dauerte das an. Dann war Stille. Spam als soziales Experiment in Form eines Gruppendialogs – ja, ich glaube, genau dafür wurde das Internet erfunden.</p>
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		<title>So nahe an der Erde wie fast nie</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 18:35:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ausgehen und Rumstehen]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Tischfußball]]></category>
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		<description><![CDATA[AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit Hippieorchestern, Gürtelverkäufern, Superhelden nach Feierabend und zwei echten Wahrsagerinnen. (aus der taz vom 8. Mai 2012) Bohemian Rhapsody!, ruft jemand. Klar, das ist jetzt dran, das kollektive Mammamiamammamialetmego!-Singen zum Abschluss der re:publica. Aber nix is, beim]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>AUSGEHEN UND RUMSTEHEN mit Hippieorchestern, Gürtelverkäufern, Superhelden nach Feierabend und zwei echten Wahrsagerinnen.<span id="more-498"></span> (aus der taz vom 8. Mai 2012)</strong></h3>
<p>Bohemian Rhapsody!, ruft jemand. Klar, das ist jetzt dran, das kollektive Mammamiamammamialetmego!-Singen zum Abschluss der re:publica. Aber nix is, beim Wechsel von der Kalkscheune ans Gleisdreieck hat man gleich ein paar Traditionen entsorgt (ist trotzdem viel toller die neue Location, wirklich!). Also tritt das Orchestre Miniature in the Park auf, ein Hippietraum mit Kinderinstrumenten und bunten Hosen, und danach gehen alle in den Vorhof und trinken Bier. Auch wenn das viele schon die drei Tage gemacht haben. Viele Stunden später wird doch noch Bohemian Rhapsody gesungen, die Leute lesen den Text von ihren Smartphones ab. Man kann sich das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=inlpWKME_oc" target="_blank">auf YouTube anschauen</a>.</p>
<p>Ich bin da längst woanders, als Mitbringsel auf einer Friseur-und-Dinner-Abendgesellschaft. Aus dem Haareschön-Raum kommen ständig neue Frauen. Die wenigen Männer sitzen still im Wohnzimmer, ihre gesamte Kommunikationsenergie ist auf Richard vereint. Dieser Richard („Wie Löwenherz, haha“) hat außerdem einen Koffer dabei und darin sind Gürtel, aus Leder, mit Holzschnallen. Sie kosten 80 Euro. Für einen Gürtel. Das sind 160 Mark!</p>
<p>Dann doch lieber auf den Balkon, es ist ja auch schön warm noch. Man kann über die ganze Karl-Marx-Straße gucken. Von oben sehen wir, wie ein Superheld von der Arbeit kommt, in einem gelb-roten Kostüm. Er verstaut seinen Schild im Kofferraum und fährt mit seinem Kleinwagen nach Hause.</p>
<p>Am nächsten Tag ist Herbst. Einfach so. Weint der Himmel um MCA? Will er eine angemessene Kulisse für den Abstieg von Hertha BSC schaffen? Oder sind das die Eisheiligen? Es ist jedenfalls legitimes Fußballguckwetter, und dann passiert etwas Seltsames, ich realisiere das auch erst, als ein Tor fällt: Auf einmal bin ich für Hertha. Echt jetzt. Muss am Vollmond liegen, der gerade so nah an der Erde vorbeikommt wie fast nie. Oder an meinen netten Tischnachbarn. Als das 2:0 fällt, fragt mich ein kleiner älterer Herr: „Sind Sie auch Hertha-Fan?“ Er sieht so glücklich aus. Na ja, sage ich. Heute wohl schon.</p>
<p>Abends dann zum Kickern ins Neuköllner Hauptquartier der Emoqueerlinken, also ins Tristeza. Und schon stellen sich existenzielle Fragen: War es das wert, für einen Sieg gegen das Team, das seit anderthalb Stunden den Tisch blockiert, die Geisterbahn zu verpassen? Denn die gibt es heute, und nur heute, genau wie Minigolf, Tombola und eine Clownin. Beziehungsweise gab, ich bin mal wieder zu spät.</p>
<p>Nur die Wahrsagerinnen sind noch da. Mir wird ein Hut mit Gespenstermuster aufgesetzt und wir machen eine Gruppensitzung, R. und ich und Hexe Nummer A und Hexe Hataya, es geht um die Frage, was der Sommer bringt. Wir entscheiden uns für die Heilige-Geist-Methode und also gegen die Karten, die Puppen und die Kugel. Es werden Blumen gewedelt, Augen geschlossen und Kristalle geworfen. Sie ergeben keine klaren Linien, keine Struktur. Die Prinzessin liegt auf dem Bauch. Es ist alles ein großes Chaos! Doch dann schält sich eine Erkenntnis aus dem Dunkel: Dune, das beliebte Happy-Hardcore-Projekt aus den Neunzigern, wird in diesem Sommer sein Comeback feiern! Das nenne ich mal erfrischend konkrete Wahrsagerei.</p>
<p>Mir werden dann noch die Karten gelegt. Als Basis habe ich einen Narren mit Guy-Fawkes-Maske, als Charakter eine Art Krieger mit einem großen Schild und als Ausrichtungskarte eine blaue Elfenfrau mit Billy-Idol-Frisur. Was bedeutet: Alles ist offen, doch ich überblicke den Sommer. Und habe es in der Hand, meine Haare zu ändern.</p>
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		<title>Drei Straßen weiter</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/04/20/drei-strassen-weiter/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 14:59:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Szene]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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		<description><![CDATA[BERLINER SZENE über die Begegnung mit einer alten Frau (aus der taz vom 20. April 2012) Vor dem Kiosk steht auf einmal ein Obststand. Wie nett. Obwohl. Gehört der zu den Dreharbeiten, die gerade in unserer Straße laufen? Seid ihr echt oder]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>BERLINER SZENE über die Begegnung mit einer alten Frau <span id="more-362"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&amp;dig=2012%2F04%2F20%2Fa0165&amp;cHash=f31e769cc5">taz</a> vom 20. April 2012)</strong></h3>
<p>Vor dem Kiosk steht auf einmal ein Obststand. Wie nett. Obwohl. Gehört der zu den Dreharbeiten, die gerade in unserer Straße laufen? Seid ihr echt oder vom Film, frage ich. Vom Film. Na gut.</p>
<p>Eigentlich wollte ich auch nur zum Bäcker, aber vorm Edeka spricht mich eine Frau an. Im Rollstuhl, mit weißem Haar, ich habe sie schon mal gesehen. Ja? Ich bin etwas genervt, weil ich denke, sie will Kleingeld. Doch sie fragt, ob ich sie ein Stück schieben kann. Na gut, ich habe nichts zu tun. Also bringe ich sie bis zu ihrer Wohnung, drei Straßen. Sie könne mir kein Geld geben, sagt sie. Ich würde auch keins nehmen, sage ich.</p>
<p>Sie sei auf einer Kreuzung vom Fahrrad gefallen und habe vor Schreck einen Schlaganfall bekommen. Danach lag sie ein Jahr im Krankenhaus. Ihre Tochter wohnt zum Glück gleich um die Ecke. Und Sie sind auch gebürtiger Berliner?, fragt sie. Ich sage, dass ich aus Oldenburg komme. Ob wir immer noch die 2900 hätten? Früher war sie Finanzbuchhalterin, da kennt man die untergegangenen Postleitzahlen der BRD. Nein, wir haben jetzt was mit 26 und die Nullen haben sie uns weggenommen.</p>
<p>Sie grüßt mehrere Leute. Ein Mann sagt: Schneller. Der hat sie auch mal geschoben, aber als sie ihn bat, langsamer zu sein, hat er sie stehen lassen. Ein anderer war so eifrig, dass er an einer Bordsteinkante zu schnell war und sie aus dem Rollstuhl gepurzelt ist.</p>
<p>An ihrem Haus hat irgendwer ihren Namen in Holzbuchstaben über die Tür gehängt. Wir fahren mit dem Fahrstuhl hoch. Ich schiebe sie in die Wohnung, an den Tisch, auf dem Zeitungen liegen. Hat sie keine Angst, dass ich sie jetzt ausraube? Sie hat sogar einen Balkon, aber da kann sie nicht drauf, weil der Türrahmen zu hoch ist. Als ich gehe, entschuldigt sie sich.</p>
<p>Auf dem Rückweg kaufe ich Balkonblumen. Das hatte ich schon so lange vor, aber war vorher nie an dem Laden vorbeigekommen.</p>
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		<title>Wie zu kolumnieren sey</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 01:08:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNEHEN Fernseh-Kolumnen schreiben ist gar nicht schwer! Eine praktische Handreichung für jedermann, in acht handlichen Absätzen. (aus der taz vom 13. Januar 2012) Der erste Satz muss sitzen. Die Leser sofort reinziehen. Eine situative Alltagsbeschreibung, eine zeitlose Weisheit, ein]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNEHEN Fernseh-Kolumnen schreiben ist gar nicht schwer! Eine praktische Handreichung für jedermann, in acht handlichen Absätzen.<span id="more-1590"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!85503/" target="_blank">taz</a> vom 13. Januar 2012)</h3>
<p>Der erste Satz muss sitzen. Die Leser sofort reinziehen. Eine situative Alltagsbeschreibung, eine zeitlose Weisheit, ein Bezug zur aktuellen Nachrichtenlage (Wulff!). Denkbar ist auch der Aufbau einer klassischen Simpsons-Folge: Mit irgendwas absurd Komischem beginnen, um auf etwas komplett anderes zu kommen.</p>
<p>Spätestens im zweiten Absatz muss man dann aber ans eigentliche Thema ran. Ruhig langsam eingrooven und blumig beschreiben, irgendwie muss der Text ja voll werden. Aktuell vielleicht was zum „Dschungelcamp“, zu „Unser Star für Baku“, zu Ashton Kutcher als Sheen-Nachfolger bei „Two and a Half Men“. Oder: 10 Jahre Ende von Viva II. Das war noch Fernsehen. Charlotte Roche. Hach!</p>
<p>Für Saure-Gurken-Wochen gibt es die Dauerbrenner. Wo jeder mitreden kann, so wie im echten Leben über Wetter, Facebook und die Deutsche Bahn. Was immer geht: „Tatort“, „Wetten, dass ..?“, Castingshows, der Talkshowwahnsinn der ARD, die Innovationsunfreundigkeit des deutschen Fernsehens im Allgemeinen und der Öffentlich-Rechtlichen im Speziellen. Been there, done that. Und natürlich die epische Genialität der HBO-Serien, die ja das Einzige sind, was die Großstadtbohème noch guckt. Die neuen Romane! Aber wem sage ich das.</p>
<p>Alternativ beschreibt man irgendeine konkrete Fernsehnase oder -sendung. Möglichst wen aus der zweiten oder dritten Reihe, da fällt es nicht so auf, wenn Details nicht stimmen. Das dann bitte bösartig, aber fundiert. „Das Prinzip Plasberg“ etwa. „Die Opdenhövel-Masche“. Unterstreichen kann man das gut, indem man typische Sätze und Gesten beschreibt. „Wenn Jörg Thadeusz glaubt, gleich etwas sehr Kluges zu sagen, schaut er erst mal nach links und nach rechts.“ Klingt gut, oder?</p>
<p>Was hingegen gar nicht geht: Kulturpessimismus. Soll ich Ihnen etwa erzählen, dass ich gar keinen Fernseher habe und ihn auch nicht brauche? Klar, für diese Haltung wurde die taz einst gegründet. Aber in der Postpostmoderne kann man Fernsehen nicht einfach um seiner selbst Willen schlecht finden. Das wäre ja viel zu einfach.</p>
<p>Einmal pro Quartal ist allerdings ein Empören über den skrupellosen Umgang der Privaten mit den Protagonisten ihrer Kuppel- und Castingshows völlig angemessen (aktuelles Beispiel: „Schwer verliebt“. Ab nächste Woche dann wieder: Bohlen und DSDS).</p>
<p>Nach einer Handvoll mittelguter Pointen, einigen Tritten gegen schon am Boden Liegende (Seniorensender ZDF, höhöhö), popkulturellen Referenzen für den Distinktionsgewinn und ein paar hastig zusammengegoogelten Fun Facts und Statistiken wird es spätestens im siebten Absatz Zeit für die steile These. Generell gilt: immer die Gegenposition beziehen. Und zwar die zum Antimainstream, das macht interessant. Seriengucken ist total Nuller Jahre, heute guckt man wieder Filme!!! Na ja. Glaubt mir jetzt keiner. Aber Sie haben das Prinzip verstanden.</p>
<p>Am Ende noch ein Abbinder. Eine Pointe. Oder irgendwas, das die These noch mal um 180 Grad umbürstet. Notfalls eine ironische Distanzierung. Und schließlich: ein lakonischer Schlusssatz. Fertig.</p>
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		<title>Im kollektiven Wohnzimmer</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 00:58:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNSEHEN Bei Tee mit Ingwerstückchen und Orangina kann Public Viewing mitunter sehr privat und einfach öde sein: Szenen eines Tatort-in-der-Kneipe-Guckens. (aus der taz vom 30. Dezember 2011) Ich habe nichts gegen den Tatort. Viele meiner besten Freunde gucken Tatort.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNSEHEN Bei Tee mit Ingwerstückchen und Orangina kann Public Viewing mitunter sehr privat und einfach öde sein: Szenen eines Tatort-in-der-Kneipe-Guckens.<span id="more-1587"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!84580/" target="_blank">taz</a> vom 30. Dezember 2011)</h3>
<p>Ich habe nichts gegen den Tatort. Viele meiner besten Freunde gucken Tatort. Sogar ich, ab und zu, wenn das richtige Mädchen es von mir verlangt. Aber – und das wird man ja wohl noch sagen dürfen! – das Phänomen des öffentlichen Tatort-in-der-Kneipe-Guckens werde ich nie verstehen.</p>
<p>Kennen Sie nicht? Dann leben Sie offenbar weder in einer Studentenstadt noch in Berlin. Da machen die Menschen in den gentrifizierten Vierteln so was nämlich. Auch am 4. Advent, auch in Nordneukölln, und sowieso im Ringo, einer ansonsten unverdächtigen Bar, in der meine Tatort-kundige Begleitung F. uns zum Glück die letzten Plätze freigehalten hat, denn es ist proppenvoll.</p>
<p>Dann geht es schon los. Der Kellner bittet uns, die Stehlampe in unserer Ecke auszuknipsen. Es wird sehr schnell sehr still. Und sehr ernst. Rund 40 Menschen starren aus zu tiefen Sitzmöbeln, die für andere Zwecke erschaffen wurden, auf die runtergelassene Leinwand. Viele von ihnen trinken Orangina und diese Art von Tees, wo Ingwerstücke und Pfefferminzblätter im Glas schwimmen.</p>
<p>Public Viewing ist in Deutschland ja die Ausnahme. Fernsehen ist Privatsache. Außer: besondere Events wie der Eurovision Song Contest. Und Fußball. Aber das sind Sachen, die schon in ihrer Real-Aufführung vor Publikum stattfinden, da ist das Geschehen Gesprächsanlass, erfordert keine ungeteilte Aufmerksamkeit, man kann also auch mal fünf Minuten verpassen und entsprechend quatschen.</p>
<p>Beim Tatort geht das alles nicht. Der verlangt Konzentration. Fußball schaut man miteinander. Tatort nebeneinander. Und jetzt kommen Sie mir nicht mit Kino! Klar, der Vergleich liegt nahe, aber ins Kino gehe ich, weil ich Filme sehen will, die im Fernsehen noch nicht laufen, und zwar unter High-End-Technik-Bedingungen: Mit Dolby Surround und auf einer Leinwand mit den Ausmaßen von drei aufeinandergestapelten Pottwalen.</p>
<p>Die Leinwand im Ringo ist so groß wie eine Opossumfamilie und die Bildqualität ist … was war gleich das Gegenteil von HD? Der Ton ist sogar nur ein bisschen schlechter. Wenn es wenigstens eine Wettbörse gäbe. Bis 21 Uhr könnte man auf den Mörder setzen, dazu kämen Spezialwetten, etwa „Droht der Täter in der Schlussszene mit Selbstmord?“ oder „Verliebt sich einer der Kommissare?“ oder „Wie viele Nebendarsteller sprechen den korrekten Dialekt?“ Aber nichts.</p>
<p>Man sieht einfach nur gesittet fern, selten bricht die Außenwelt in das meditative Schweigesetting ein: Ab und an blenden Scheinwerfer kehrender Autos das halbe Beamerbild weg. Einmal kommt ein Rosenverkäufer rein, bleibt total überfordert in der Tür stehen und dreht sich, um sein professionelles Dauerlächeln ringend, wieder um.</p>
<p>Als die Ermittler den geplanten Anschlag verhindern, gibt es keinen kollektiven Jubel. Am Ende klatscht auch keiner. Alle gehen einfach nach Hause. Zu „Waltzing Mathilda“ läuft auf der Leinwand noch ein bisschen Günther Jauch, dann wird sie eingerollt. Nein, ich werde dieses Konzept wirklich nie verstehen. Na ja. Für Leute mit einer kaputten Heizung ist das vielleicht was. Aber auch nur für die.</p>
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		<title>Demnächst auch in Ihrem Möbelmarkt</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 00:57:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE FERNSEHEN Stewardessen präsentieren das Wetter in Bahrain, während Megamaschinen Island fressen. Oder so ähnlich. (aus der taz vom 16. Dezember 2013) Ein Bett wollte ich kaufen. Ich hatte nicht viel Geld. Also ging ich zu Möbel Kraft, einer Einrichtungskette der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE FERNSEHEN Stewardessen präsentieren das Wetter in Bahrain, während Megamaschinen Island fressen. Oder so ähnlich. <span id="more-1585"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Fernsehen/!83779/" target="_blank">taz</a> vom 16. Dezember 2013)</h3>
<p>Ein Bett wollte ich kaufen. Ich hatte nicht viel Geld. Also ging ich zu Möbel Kraft, einer Einrichtungskette der eher unteren Preiskategorie. Man kriegt hier Bettgestelle für 150 Euro, und damit der Einkauf zum Erlebnis wird, gibt es alles, was Ikea auch hat, bloß nachgebaut aus Pfeifenreinigern und buntlackiertem Pappmaché:</p>
<p>Ein trostloses Kinderland, vor dem ein sprechender Baum steht, ein Restaurant ohne Fenster und eine kleine Kaffeebar. Dort trank ich einen Latte macchiato und guckte mir auf einem Flachbildschirm an, wie eine Frau in Stewardessenuniform eine Wettervorhersage präsentiert.</p>
<p>Es lief N24. The Technikreportagensender-mit-Vormittagsnachrichtenstrecke formerly known as Vollzeitnachrichtensender. Es war irgendwie surreal. Warum das? Warum hier? Schnell vorm Sofakauf noch eine Reportage über den „Power Tower in Bahrain“ geschaut? Sich beim Küche-Aussuchen über „Mega-Maschinen“, die „Felsenfresser von Island“ oder „Britanniens Brücken“ informieren?</p>
<p>Irritierend war aber nicht nur die Senderauswahl, sondern dass da überhaupt ein Fernseher war. Ich war ja nicht in den USA, wo selbst in besseren Restaurants Bildschirme über der Bar hängen und ich am Schalter des Alamo-Autoverleihs am Louis Armstrong New Orleans International Airport den pathostriefenden Auftakt der NFL-Saison mitverfolgen kann.</p>
<p>In Deutschland haben nur ausgewählte Wirte ausrollbare Leinwände, die lediglich an Champions-League- oder „Tatort“-Abenden zum Einsatz kommen. Dazu zeigen allenfalls ein paar Banken und businessaffine Hotels n-tv, dessen Programm zu zwei Dritteln aus der „Telebörse“ besteht.</p>
<p>Das liegt natürlich auch daran, dass uns die Sender für so was fehlen: Die öffentlich-rechtliche Nachrichtenkompetenz verpufft im Dickicht zahlloser Sonderkanäle, die private Konkurrenz … nun ja: In der „Tagesschau“ laufen gern mal übernommene Bilder von BBC, al-Dschasira und CNN. Können Sie sich vorstellen, dass umgekehrt im amerikanischen Fernsehen „Exclusive footage“ von n-tv oder N24 gezeigt wird?</p>
<p>Anfang Dezember wurde nun ein neues Pferd ins Nebenbei-Berieselungs-Rennen geschickt: Sky Sport News HD (das HD ist ein lustiger Zusatz, den Sie sich nicht merken brauchen, weil er bald obsolet ist; als hätte es damals „Tele 5 in Farbe“ oder „Pro7 mit Videotext“ geheißen), kurz: SSN. Das ist natürlich keine deutsche Erfindung, in den USA gibt es schon seit 15 Jahren ESPNews &#8211; aber hey, immerhin.</p>
<p>Was man von SSN im bisherigen Sendebetrieb erleben konnte, waren Sportnachrichten für ADHS- und Alzheimer-Kranke: Die immer gleichen News werden immer wieder aufs Neue abgefeuert und angeteasert. Angelegt sind die Sendestrecken auf eine halbe Stunde, gefühlt wiederholt sich alles im Fünfminutentakt. Zudem funktioniert SSN auch ohne Ton: unten gibt es eine Newsleiste, rechts eine Statistikbox, und die Bewegtbilder von Sportlern sind ohne Sprache eh meist schmeichelhafter.</p>
<p>Ideal also für Wartebereiche, Flughafen-Lounges, Sportbars oder Fitnessstudios. Und demnächst auch in Ihrem Möbelmarkt.</p>
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