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	<title>Michael Brake &#187; Interview</title>
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		<title>„Das Timing stimmte einfach“</title>
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		<pubDate>Sat, 10 May 2014 15:12:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Comiczeichner Mawil über eine mädchenlose Jugend in der DDR, sein neues Buch „Kinderland“, Reisen mit dem Goethe-Institut und Tischtennis. (aus der taz Berlin vom 10. Mai 2014) taz: Mawil, in Ihrem neuen Comic „Kinderland“ geht es um einen schüchternen 13-jährigen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Comiczeichner Mawil über eine mädchenlose Jugend in der DDR, sein neues Buch „Kinderland“, Reisen mit dem Goethe-Institut und Tischtennis.<span id="more-1912"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Mawil-ueber-Comicmachen-und-die-DDR/!138218/" target="_blank">taz Berlin</a> vom 10. Mai 2014)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kinderlandszene01-1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1916" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kinderlandszene01-1.jpg" alt="kinderlandszene01 (1)" width="619" height="289" /></a></p>
<p><strong>taz: Mawil, in Ihrem neuen Comic „Kinderland“ geht es um einen schüchternen 13-jährigen Ostberliner im Sommer 1989. Brauchen wir jetzt denn wirklich noch neue Wendegeschichten?</strong></p>
<p><strong>Mawil:</strong> Das Buch sollte ja eigentlich schon zum 20-jährigen Mauerfalljubiläum rauskommen, ist dann aber etwas ausgeartet. Da war das 25-Jährige jetzt die allerletzte Deadline, weil es danach nämlich echt keiner mehr hören kann. Andererseits ist „Kinderland“ ja eine relativ normale Kindheitsgeschichte – nur, dass wegen dieses Außenrahmens halt ein paar absurde Situationen entstehen. Der Ostbezug wird nirgendwo in den Vordergrund gerückt. Hoffe ich.</p>
<p><strong>Na ja, <a href="http://www.reprodukt.com/produkt/comics/kinderland/" target="_blank" shape="rect">auf dem Cover</a> wird er schon ziemlich in den Vordergrund gerückt.</strong></p>
<p>Sonst hatte ich bei meinen Büchern immer als allererstes eine Idee fürs Cover, diesmal kam sie erst fast ganz zum Schluss, als es dann raus an die Presse musste. Ich hatte nach einem Motiv gesucht, in dem plakativ alles vorkommt: Kinder, Osten, ein Außenseiter. Eigentlich sollte auch noch was Tischtennismäßiges mit drauf, das fehlt jetzt leider.</p>
<p><strong>Tischtennis spielt eine sehr große Rolle in „Kinderland“. In einer Szene wird ein Match über 30 Seiten lang ausgetragen …</strong></p>
<p>Es ging ja schon in „Wir können ja Freunde bleiben“ mit den Liebesgeschichten und in „Die Band“ mit der Amateur-Bandmusik um persönliche Leidenschaften. Und ich wollte schon länger mal so eine richtige Tischtennissaga machen. Wenn ich ein Buch über Tischtennis mache, dann soll es das Thema so weit ausschöpfen, dass sich in den nächsten zehn Jahren kein anderer Zeichner traut, das anzupacken. Außerdem finde ich es schön, wenn neben so einer Coming-of-Age- und Ost-Geschichte noch ein ganz anderes Thema mit drin ist.</p>
<p><strong>Hat die Saison denn schon angefangen?</strong></p>
<p>Ja, Ende April, bei einem Interviewtermin. Da kam der Journalist an mit zwei Schlägern und einer Packung DDR-Tischtennisbällen, original verpackt noch, und wir sind rüber zur Platte auf dem Schulhof und haben uns beim Spielen unterhalten.</p>
<p><strong>Was ist denn „der Schulhof“?</strong></p>
<p>Da ist so ein Schulhof in der Nähe von meiner Ateliergemeinschaft. Die Hofpausenaufsichtslehrer sind nicht so happy, wenn da die erwachsenen Männer einmarschieren, aber wir nehmen unsere Flaschen wieder mit und rauchen nicht. Früher haben wir da auch immer im Freundeskreis das Tischtennisturnier des Todes gemacht.</p>
<p><strong>Und wer hat gewonnen?</strong></p>
<p>Ich nicht. Ich spiele leidenschaftlich, aber bin vor allem mental nicht der stärkste. Wenn ich ein Bier getrunken habe und mich geil fühle, bin ich der beste Spieler. Aber wenn der andere dann aufholt, krieg ich Panik und verliere.</p>
<p><strong>Tatsächlich bringe ich in meinem Kopf DDR und Tischtennis als diffuse Assoziationen zusammen.</strong></p>
<p>Dabei wurde das ja eigentlich im Osten nicht offiziell gefördert, es warhalt einfach da … Ich vermute mal: Immer, wenn sie so ein Plattenbaugebiet fertig hatten, haben die Bauarbeiter in der Mitte einfach noch so zwei gebogene Metallschalen und eine Betonplatte hingestellt, und damit hatten sie ihren Spielplatz, fertig. Und dann haben die Jungs ohne Brillen halt Fußball gespielt und die Jungs mit Brillen Tischtennis.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kinderlandszene02-1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1917" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kinderlandszene02-1.jpg" alt="kinderlandszene02 (1)" width="620" height="288" /></a></p>
<p><strong>So wie Mirco Watzke in „Kinderland“. Wie sind denn Ihre eigenen DDR-Erinnerungen?</strong></p>
<p>Ich habe ja nun viel weniger Zeit aktiv in der DDR verbracht als danach, und als Kind war es halt: Ich kannte es nur so. Aber die Kindheit verbringt man ja sowieso in so einer behüteten kleinen Welt, das passte schon. Bloß das auf mich nicht nur meine Eltern aufgepasst haben, sondern auch das Land begrenzt war.</p>
<p><strong>Wo sind Sie aufgewachsen?</strong></p>
<p>In Berlin-Mitte. Zu Ostzeiten war das durch die Mauer noch eher am Rande der Stadt, also eine sehr ruhige Ecke, kaum Autos. Da konnte man schön draußen rumrennen. Aber ich war eher so ein Stubenhocker. Wegen meines Stotterns war ich auf einer Sprachlernschule in Friedrichshain und hatte keine Freunde bei mir im Kiez. Ich saß sehr viel zu Hause und habe gezeichnet.</p>
<p><strong>Und dann waren Sie 13, und die Mauer fiel.</strong></p>
<p>Ja, genau zu dem Zeitpunkt, als mir das Land zu eng geworden wäre, das war vom Timing her genau richtig. Und ich musste jetzt im Gegensatz zu anderen Leuten nicht in die nächstgrößere Stadt ziehen, sondern war schon da, wo dann alle hinkamen.</p>
<p><strong>Wie ist heute Ihr Verhältnis zur DDR?</strong></p>
<p>Man landet einfach immer wieder bei irgendwelchen Themen, bei dem dann der Osten als Vergleich herangezogen wird – wenn man sich über Globalisierung unterhält, oder über Marktwirtschaft, oder über irgendeinen Irrsinn der Konsumgesellschaft. Wobei es natürlich schwer ist, zu vergleichen: Die DDR hat 1989 aufgehört, zu existieren, und die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Und es war natürlich ein Unrechtssystem, allein schon weil Leute an der Mauer gestorben sind.</p>
<p><strong>Von 2002 bis 2007 haben Sie jedes Jahr ein Buch veröffentlicht, für „Kinderland“ haben Sie nun sieben Jahre gebraucht. Was haben Sie denn bloß die ganze Zeit über gemacht?</strong></p>
<p>Na ja, wenn du weißt, du hast ein Buch mit 300 Seiten vor dir, dann ist es auch relativ egal, ob du heute damit anfängst oder morgen. Dazu dann die Entscheidungen: Wenn man festlegt, wie eine Figur aussieht oder wie sie sich verhält, betrifft das ja immer gleich 100 Seiten. Man hat Angst, eine Entscheidung falsch zu fällen, die dann mehr Arbeit an Korrekturen nach sich zieht, und deswegen schiebt man sie immer auf. Außerdem war ich abgelenkt durch viele kleinere Projekte. Ich gebe Comic-Workshops, habe dieses Semester auch eine Dozentenstelle, ich habe mich um die Auslandsübersetzungen meiner Comics gekümmert und wurde oft vom Goethe-Institut eingeladen.</p>
<p><strong>Beim Goethe-Institut! Wie landet man denn da?</strong></p>
<p>Es gab immer wieder Institute, die kleinere Ausstellungen über deutsche Comics gebaut haben. Ich vermute, davon hat die Goethe-Zentrale Wind bekommen, denn vor fünf Jahren wurde eine professionelle Ausstellung konzipiert. Die ist schon fertig beschriftet, wird in schicken Bilderrahmen-Transportkisten um die ganze Welt geschickt, und kann dann vor Ort in den Instituten von den Praktikanten aufgehängt werden, dazu werden dann auch immer welche von den Zeichnern eingeladen. Und weil viele von denen schon Kinder haben, habe ich viele Reisen abbekommen.</p>
<p><strong>Ich hab eh den Eindruck, wenn man einmal in der Goethe-Rotation ist, dann kommt man da nicht so schnell wieder raus.</strong></p>
<p>Das ist natürlich einer der wenigen Vorteile daran, dass in Deutschland die Comicszene nicht so riesengroß ist. Da gibt es dann relativ wenige Leute, die ein paar Bücher rausgebracht haben und anerkannt sind – anders als etwa in Frankreich. Und es ist natürlich für Goethe auch günstiger, einen Comiczeichner dazuhaben, als gleich ein ganzes Sinfonieorchester einzuladen.</p>
<p><strong>Und da geben Sie dann auch Workshops?</strong></p>
<p>Ja. Ich weiß nicht, ob ich der perfekte Pädagoge bin, aber ich bin jedenfalls mit Leidenschaft bei der Sache. In Deutschland mache ich auch Workshops, die dann über mehrere Tage gehen. Bei den Goethe-Sachen kriegst du meistens nur eine Schulklasse für drei Stunden. Dann gibt es ein paar kleine Übungen, oder <a href="http://www.youtube.com/watch?v=TquTHCPUR6g" target="_blank" shape="rect">man zeigt ein paar Tricks</a>.</p>
<p><strong>Was sind das so für Tricks?</strong></p>
<p>Wichtig ist es, aufs Timing zu achten. Man kann die gleiche Sache in drei Bildern erzählen oder in zehn. Wo mach ich mal einen Zeitraffer, und wo kann ich mal eine Pause setzen? Wenn sich zwei unterhalten und in einem Bild zündet sich dann jemand mal nur eine Zigarette an, macht das gleich Atmosphäre. Eine andere Frage ist, ob man einen Off-Erzähler braucht. Wenn du sagen willst, dass Fritzchen ein Arschloch ist, dann schreibst du das nicht oben drüber, sondern zeigst Fritzchen, wie er einen Stein auf eine Taube schmeißt, jetzt mal ganz spießig gesagt. Eine Geschichte sollte vor allem über Handlung und Dialoge erzählt werden – ich selber versuche, Comics so zu machen, dass sie in etwa wie ein Film funktionieren.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/mawil_atelier_bild.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1915" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/mawil_atelier_bild.jpg" alt="mawil_atelier_bild" width="620" height="310" /></a></p>
<p><strong>Stimmt, die Seiten ohne Text in Ihren Comics haben etwas Storyboard-artiges, wie ein Szenenbuch. Und „Kinderland“ startet mit einer Anfangsszene dann kommt erst der Titel, wie im Kino.</strong></p>
<p>Ich bin eben ein großer Kinofan. Comics sind cool, aber ein bisschen mehr Größenwahn, ein bisschen mehr Hollywood, also die guten Seiten von Hollywood, dürfen ruhig auch noch rein.</p>
<p><strong>Welche Regisseure mögen Sie?</strong></p>
<p>Ich bin ein großer Fan von Wes Anderson. Der erzählt nicht so die superspannenden Geschichten, aber er ist ein krasser Nerd, was die Ausstattung angeht. Sein ganzer Stil ist so geil durchkomponiert, die Typen, die Schrift im Abspann, die Schnitte: voller kleiner Details, auf die man selber nicht kommen würde.</p>
<p><strong>Noch mal zurück zum Goethe-Institut, wo waren Sie zuletzt?</strong></p>
<p>Im März war ich in Kasachstan, wenn auch leider nur in der Hauptstadt Almaty. Da haben mich an einem Abend mal meine Studenten in irgendeinen Rockklub mitgenommen, wo eine russische Rammstein-Coverband gespielt hat. Das fand ich dann sehr amüsant. Der Sänger hat sich auch echt Mühe gegeben, alle deutschen Texte zu können, und dazu haben sie mir irgendwelche krassen Cocktails eingeflößt, die man anzünden konnte.</p>
<p><strong>Irgendwelche anderen Highlights?</strong></p>
<p>Indonesien war sicher <a href="http://https//archive.today/o/hBW0I/http://www.mawil.net/archiv/yakartagross.jpg" target="_blank" shape="rect">eine Erfahrung</a>. Und ich finde die ganzen ehemaligen Ostblockländer total spannend: Ich war in Russland, in Jekaterinenburg, in St. Petersburg, in Moskau, auch in Georgien. Da entdeckt man manchmal noch irgendeine Ecke, die einen an die eigene Ostkindheit erinnert – und dann freut man sich, wenn da ein alter Lada rumsteht, selbst wenn der nur noch als Transportmittel für die Melonen zum Marktplatz benutzt wird. Ich mache dann nur Fotos von irgendwelchen Plattenbaufassaden, und alle denken: Da sieht’s ja voll gruselig aus. Dabei haben die da auch schöne Ecken – die ich aber langweilig finde.</p>
<p><strong>Wären diese Reiseerlebnisse nicht auch ein gutes Thema für ein nächstes Buch?</strong></p>
<p>Was ich da erlebe, passt meistens auf eine <a href="http://mawil.net/publik/tagesspiegel/index.htm" target="_blank" shape="rect">der Sonntagsseiten</a>, die ich einmal im Monat für den <em>Tagesspiegel</em> mache. Im nächsten Jahr wird wahrscheinlich mal ein Sammelband mit den Zeichnungen herauskommen. Wenn du mit Goethe verreist, bist du zwar mit Sicherheit in einer spannenden Stadt, aber eben auch in einem schicken Hotel nach westlichen Standards – klar, weil sie da auch auf einen aufpassen müssen. Auf einer Fahrradtour durch Mecklenburg erlebt man wahrscheinlich mehr Abenteuer.</p>
<p><strong>Wobei Fahrradtouren, <a href="http://mawil.net/publik/tagesspiegel/mawil_przejechane.jpg" target="_blank" shape="rect">wenn man Ihren Comics glauben kann</a>, so etwas wie Ihr Standardurlaub sind.</strong></p>
<p>Ja, total. Mit dem Auto siehst du nur die ganzen Autobahnen, und wenn du durch die Straßen fährst und irgendetwas Spannendes siehst, musst du anhalten, kompliziert wenden, Parkplatzsuche, blablabla. Und zum Wandern bin ich vielleicht zu ungeduldig. Mit einem Fahrrad hast du das richtige Tempo, um die Landschaft richtig zu sehen, und musst dein Gepäck nicht selbst schleppen.</p>
<p><strong>Wohin geht es dann so?</strong></p>
<p>Klar, am schönsten ist es Richtung Ostsee. Aber wenn ich einen Comic-Workshop in Leipzig habe und das Wetter ist schön, ist das eine Option. Auf dem Weg gibt es riesige leerstehende Militärgelände, und zugewucherte Plattenbauten und alte Backsteinhäuser, wo die Russen drin waren. Oder einfach nur Felder. Als Großstädter ist es ja schon total überraschend, wenn auf einmal 50 Prozent des Sichtfelds Himmel sind. Da ist man mit einer simplen Brandenburger Landschaft leicht zu beeindrucken.</p>
<p><strong>In Berlin haben wir ja immerhin das Tempelhofer Feld. Wissen Sie schon, wie Sie beim Volksentscheid in zwei Wochen abstimmen werden – für oder gegen eine Randbebauung mit Wohnungen?</strong></p>
<p>Dagegen. Klar, man könnte da sozialen Wohnraum schaffen – aber ich denke, wenn da was gebaut wird, dann vermutlich doch wieder nur Luxussachen. Ich selbst bin nicht so oft in dem Kiez da unterwegs, deswegen betrifft es mich nicht so, aber all meine Freunde sind Fans des Felds.</p>
<p><strong>Wohnen Sie eigentlich immer noch in Berlin-Mitte? Oder wurden Sie schon weggentrifiziert?</strong></p>
<p>Noch nicht. Klar, ich kriege hier auch die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt mit. Für mich war es die letzten Jahre immer wieder ein Abenteuer, von der einen Ofenheizungswohnung in die nächste zu ziehen. Aber ich würde jetzt nie über die Gentrifizierung schimpfen. Wenn ich selber nicht in Mitte geboren wäre, wäre ich hierhin gezogen. Weil ich natürlich da sein wollte, wo alle anderen coolen Leute auch sind.</p>
<p><strong>Aber Ofenheizung, das nervt doch auch irgendwann mal, oder? Mit 37 Jahren?</strong></p>
<p>Klar, es ist nicht geil, so einen Kohleneimer hochzuschleppen. Aber wenn ich dafür im Monat 200 Euro spare, dann ist es mir das wert. Gerade wohne ich in einer 30er-Jahre-Wohnung, also Altbausubstanz, Holzfußboden und Holzfenster, aber mit den Proportionen eines Plattenbaus. Das ist ne schöne Wohnung, und wenn du da den Ofen anschmeißt, dann ist es immer in Nullkommanix warm.</p>
<p><strong>Wo wir gerade beim Thema Gentrifizierung sind: Was sagen Sie eigentlich zu den Leuten, die neben Clubs ziehen und sich dann über den Lärm beschweren?</strong></p>
<p>Sehr extremes Beispiel war der Knaack Club. Die bauen daneben ein neues Haus, dann wundern sich die Leute, die da einziehen, und dann schließen sie den Club wegen Lärmbelästigung. Klar, Wohnraum ist wichtig, aber wenn du den neben einem Club baust, musst du es auch vorher wissen.</p>
<p><strong>Das Knaack kam auch schon in einem älteren Comic von Ihnen vor, als eine Gruppe von Tieren aus dem Wald zum Feiern nach Berlin fährt. Waren Sie da früher auch?</strong></p>
<p>Ja, da ist man damals als Jugendlicher einfach hingegangen, das war der Laden im Ostteil der Stadt. Meine Kumpels waren HipHopper, ich selber eher Palituch und Doc Martens. Da war das Knaack der kleinste gemeinsame Nenner … und wenn man mal hübsche Mädchen zumindest aus der Ferne beim Tanzen anschauen wollte – sie anzusprechen, das wäre ja noch mal eine ganz andere Nummer gewesen – dann musste man halt in den Knaack gehen.</p>
<p><strong>Das ist auch oft ein Thema in Ihren Comics: bildhübsche Mädchen, die aber bloß aus der Ferne angehimmelt werden.</strong></p>
<p>Auf der Sprachlernschule gab es in manchen Klassen drei Mädchen, in manchen eins, in manchen gar keins. Das ist wohl so eine Gensache, ich kenn keine Mädchen, die stottern. So hatte ich halt während meiner ganzen Jugend das Gefühl was zu verpassen. Zumal die Mädels dann aus der Ferne auch etwas sehr stark Idealisiertes hatten und ich erst später gemerkt habe: Hey, das sind ja eigentlich auch nur Menschen … oh je, das klingt jetzt ein bisschen wie bei den anonymen Spätzündern, dabei soll es gar nicht so sehr bemitleidenswert rüberkommen.</p>
<p><strong>Ach nein, es wirkt in den Comics ja auch nicht wirklich traurig, eher sehnsüchtig egal.</strong></p>
<p>Ja, ich hab eine Familie, da ist alles super, ich habe viele Freunde, lebe zur richtigen Zeit am richtigen Ort und kann mich nicht über Schicksalsschläge beklagen. Insgesamt würde ich mich als optimistischen Menschen bezeichnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/mawil_quad.jpg"><img class=" size-full wp-image-1922 alignleft" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/mawil_quad.jpg" alt="mawil_quad" width="138" height="138" /></a>Der Zeichner:</strong> <a href="http://mawil.net/" target="_blank">Mawil</a> wurde 1976 als Markus Witzel in Ostberlin geboren. Sein Studium an der Kunsthochschule Weißensee schloss er 2003 mit dem Liebeskummer-Episoden-Comic „Wir können ja Freunde bleiben“ ab, der damals viel Feuilleton-Aufmerksamkeit bekam.</em></p>
<p><em><b>Das Buch: </b>„Kinderland“ erzählt die Geschichte von Mirco Watzke, der 1989 in Ostberlin in die siebte Klasse geht. Es geht um Mircos Angst vor Schlägertypen, den neuen Mitschüler, der nicht bei den Pionieren ist – und um Tischtennis. Die politische Bedeutung jener Tage bricht über die Erwachsenen immer wieder in die Geschichte ein.</em></p>
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		<title>„Ich spreche Lolspeak“</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Aug 2013 19:25:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kate Miltner schrieb ihre Masterarbeit über Katzenfotos mit albernen Texten. Ein Gespräch über Allergie, Dummheit und Cheeseburger. (aus der taz vom 8. August 2013)   taz: Frau Miltner, Sie haben Ihre Masterarbeit über Katzenfotos geschrieben, die mit albernen Texten in absichtlich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kate Miltner schrieb ihre Masterarbeit über Katzenfotos mit albernen Texten. Ein Gespräch über Allergie, Dummheit und Cheeseburger.<span id="more-1532"></span><!--more--> (aus der <a href="http://taz.de/Social-Media-Forscherin-ueber-Netzkatzen/!121397/" target="_blank">taz</a> vom 8. August 2013)</h3>
<p style="text-align: center;"> <a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Magical-Kitty-lol-cats-30656645-1280-800.png"><img class="size-full wp-image-1552 aligncenter" alt="-Magical-Kitty-lol-cats-30656645-1280-800" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Magical-Kitty-lol-cats-30656645-1280-800.png" width="620" height="446" /></a></p>
<p><strong>taz: Frau Miltner, Sie haben Ihre Masterarbeit über Katzenfotos geschrieben, die mit albernen Texten in absichtlich falschem Englisch im Internet verbreitet werden – allgemein als Lolcats bekannt. Sind Sie ein Nerd, eine Katzenverrückte oder beides zusammen?</strong></p>
<p><strong>Kate Miltner: </strong>Also, meine erste Internetseite habe ich 1997 online gestellt, als Teenagerin, das war eine Fanpage zur Fernsehserie „Akte X“. Gegen Katzenhaare hingegen bin ich allergisch. Die Lolcats habe ich wegen ihrer kulturellen Bedeutung als Thema gewählt– und nicht, weil ich so gerne Katzen mag.</p>
<p><strong>Und an welcher Uni kann man bitte zu Lolcats eine Abschlussarbeit schreiben?</strong></p>
<p>An der London School of Economics, im Fach „Media and Communications“.</p>
<p><strong>Wie sind Sie auf Ihr Thema gekommen?</strong></p>
<p>Der Ursprung war ein Seminar meiner Professorin Sonia Livingstone. Dort habe ich gelernt, dass man bei der Untersuchung von Kulturerzeugnissen nie auf den Inhalt – den „Text“ – schauen sollte, sondern immer nur auf die Reaktion des Publikums, selbst wenn es sich um die dümmsten TV-Sendungen handelt. Wenn etwas wirklich beliebt ist, erfüllt es für die Menschen offensichtlich irgendeine Funktion, es befriedigt ein Bedürfnis. Der Gedanke hat mich ziemlich gepackt, dieses Phänomen wollte ich untersuchen.</p>
<p><strong>Und warum genau an Lolcats?</strong></p>
<p>Ich wollte über etwas forschen, worüber noch nie jemand zuvor geforscht hatte, zur Literatur etwas komplett Neues beisteuern. Außerdem interessieren mich Internetmeme, und ich will verstehen, was dafür sorgt, dass einzelne Meme durch die Decke gehen. Das wäre nun aber ein zu großes Thema für eine Masterarbeit, also habe ich schließlich die Lolcats als Fallstudie gewählt – wegen ihrer breiten und lang anhaltenden Anziehungskraft.</p>
<p><strong>Wie lange gibt es die Lolcats denn schon?</strong></p>
<p>Zum ersten Mal sind sie im Internet 2005 aufgetaucht. Im August 2007 gab es den ersten Zeitungstext über Lolcats, im <em>Wall Street Journal,</em> dadurch haben sie noch mehr Fahrt aufgenommen und sind dann langsam in den Mainstream übergegangen.</p>
<p><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/HAPPYCAT_I_CAN_HAS_CHEEZBURGER.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1554" alt="HAPPYCAT_I_CAN_HAS_CHEEZBURGER" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/HAPPYCAT_I_CAN_HAS_CHEEZBURGER.jpg" width="310" height="452" /></a>2005, das sind acht Internetjahre, also quasi achthundert Menschenjahre. Wie konnten Lolcats so ungewöhnlich lange überleben?</strong></p>
<p>Vor allem weil sie zwischendurch von einer Community zu einer anderen gewechselt sind – was eigentlich nicht vorgesehen war. Ich habe bei meiner Forschung drei verschiedene Lolcat-Nutzergruppen identifiziert.</p>
<p><strong>Welche sind das?</strong></p>
<p>Da sind einmal die „Casual User“, die Lolcats bloß nebenbei konsumieren, meistens bei der Arbeit, wenn sie Fotos via Mail oder Facebook geschickt bekommen. Sie haben sonst aber keine tiefere Bindung an Lolcats und erzeugen auch keine eigenen Bilder. Die „Meme Geeks“ hingegen sind aktive Nutzer, sie haben Lolcats in den Anfangsjahren groß gemacht, erst auf Seiten wie <a href="http://www.somethingawful.com/" target="_blank">Something Awful</a> und dann vor allem bei <a href="http://www.4chan.org/" target="_blank">4chan</a>. Normalerweise wäre das Mem irgendwann verbraucht gewesen, aber dann wurde <a href="http://icanhas.cheezburger.com/">icanhas.cheezburger.com</a> groß.</p>
<p><strong>Was ist das für eine Seite und welche Rolle spielt sie?</strong></p>
<p>Sie tauchte um den Jahreswechsel 2006/2007 auf und bestand zunächst nur aus einem einzigen Foto. Es zeigte Happycat, eine graue Kurzhaarkatze aus Russland, versehen mit dem Text „I can has cheezburger?“. Daraus hat sich mit dem Cheezburger Network ein kleines Imperium gebildet, zu dem zahlreiche Seiten gehören, außerdem ein Forum und ein Programm, mit dem man auch ohne Fotobearbeitungskenntnisse sehr schnell eigene Lolcat-Bilder bauen kann. So kamen die „Cheezfrenz“ als Fangruppe hinzu, die bis heute aktiv sind.</p>
<p><strong>Okay, die Casual User sind halbwegs klar. Aber Meme Geeks? Cheezfrenz? Was soll das sein? Wie unterscheiden sich die Gruppen?</strong></p>
<p>Die Meme Geeks sind eher männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie sind sehr internetaffin und beschäftigen sich auch mit anderen Memen. Unter den Cheezfrenz befinden sich hingegen überdurchschnittlich viele Frauen, sie sind außerdem älter und eher durch ihre Liebe zu Katzen zu den Lolcats gekommen. Früher war Lolcat-Humor auch bösartiger und aggressiver, das hat sich durch die Cheezfrenz geändert.</p>
<p><strong>Was macht den Lolcat-Humor denn überhaupt aus?</strong></p>
<p>Im Wesentlichen zwei Aspekte. Zum Einen gibt es die anthropomorphe Distanz: Wir lachen eigentlich über uns selbst, aber projizieren das auf Katzen, weil uns das leichterfällt. So kann man Lolcats auch nutzen, um Gefühle auszudrücken.</p>
<p><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/why_no_one_comes_to_my_party-40490.jpg"><img class="size-full wp-image-1553 alignright" alt="why_no_one_comes_to_my_party-40490" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/why_no_one_comes_to_my_party-40490.jpg" width="310" height="414" /></a>Wie das?</strong></p>
<p>Ich habe von einer Frau gehört, deren Freund mit ihr Schluss gemacht hat. Ihre Freundin schickte ihr eine Lolcat mit der Aussage: „Er ist ein Trottel, es tut mir leid“, um sie aufzumuntern. Oder anstatt zu schreiben: „Ich hatte einen schlechten Tag“, kann man eben auch eine Lolcat online stellen. Mitunter verstehen dann nur gute Freunde die wirkliche Botschaft und erkundigen sich nach dem Wohlbefinden, während Unbeteiligte denken, das ist nur wieder so ein Katzenfoto – ein Phänomen, das Danah Boyd als „soziale Steganographie“ bezeichnet hat.</p>
<p><strong>Und was ist der andere Aspekt?</strong></p>
<p>Insiderwitze. Sie sind ein wesentlicher Teil des Lolcat-Phänomens. Man bringt kulturelle Referenzen an oder schafft sich eigene, die nur wenige Menschen verstehen, und fühlt sich so als Teil eines exklusiven Clubs. Hierbei ist auch Lolspeak wichtig, also das absichtlich falsche Englisch, das die Katzen sprechen – es braucht einige Zeit, um alle Lolspeak-Regeln zu meistern, was dabei hilft, die Grenze zwischen den Insidern und den Leuten draußen zu definieren. Lolspeak benutzen die Cheezfrenz auch, um untereinander zu kommunizieren, etwa auf ihrem Blog <a href="http://cheeztowncryer.wordpress.com/" target="_blank">„Cheeztown Cryer“</a>, wo sie sich mitunter auch über ernste Themen wie schwere Krankheiten oder den Tod ihrer Tiere in Lolspeak austauschen.</p>
<p><strong>Wie lange haben Sie gebraucht, um Lolspeak zu lernen?</strong></p>
<p>Das weiß ich nicht mehr genau. Und ich spreche auch kein flüssiges Lolspeak. Aber ich kann Mails verfassen, und sie werden akzeptiert.</p>
<p><strong>Machen einem Lolcats überhaupt noch Spaß, wenn man sich so intensiv mit ihnen beschäftigt?</strong></p>
<p>Ich konnte mit Leuten stundenlang über Lolcats reden, manche brachten ihre Katzen mit zum Videochat – ich hatte noch nie so viel Spaß bei der Arbeit und mag Katzen jetzt sogar noch mehr!</p>
<p><strong>Was können wir durch Lolcats lernen?</strong></p>
<p>Sie helfen uns, zu verstehen, dass die Dinge, die wir online so machen, vielleicht albern wirken, aber dennoch wichtige Funktionen erfüllen: mit anderen Menschen in Kontakt treten, Gefühle ausdrücken, an kulturellem Austausch teilhaben, Gemeinschaften bilden. Das alles geht mit jeder Art von Inhalten, auch mit Katzenfotos.</p>
<p><strong>Machen Sie denn auch selbst Lolcat-Bilder?</strong></p>
<p>Ja. Bei meinem letzten Job haben wir ständig Lolcats im Büro ausgetauscht, ich habe schon ganze Unterhaltungen nur durch den Einsatz von Lolcats geführt. Das habe ich aber schon vor der Masterarbeit gemacht, 2008 war ich sogar als Lolcat verkleidet bei Halloween.</p>
<p><strong>Ach was. Als welche?</strong></p>
<p>Als HappyCat. Mein damaliger Freund war ein Cheeseburger.</p>
<p><em><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kate-miltner.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1549" alt="kate-miltner" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kate-miltner.jpg" width="131" height="131" /></a>Kate Miltner</strong> lebt in Boston und arbeitet nach ihrem Abschluss an der London School of Economics als Social Media Reseach Assistent für Microsoft.</em></p>
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		<title>„Als Kind sah ich noch Riesen“</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jul 2013 00:14:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Luke Pearson, für zwei Eisner Awards nominiert, über den Verlust der Fantasie beim Erwachsenwerden, die Vorteile des Lebens in der Stadt und seine Hilda-Comicreihe. (aus der taz vom 16. Juli 2013) taz: Herr Pearson, Sie sind gerade mal 25 Jahre]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Luke Pearson, für zwei Eisner Awards nominiert, über den Verlust der Fantasie beim Erwachsenwerden, die Vorteile des Lebens in der Stadt und seine Hilda-Comicreihe.<span id="more-1505"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Der-britische-Comicautor-Luke-Pearson/!119998/" target="_blank">taz</a> vom 16. Juli 2013)</h3>
<h3><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/luke-pearson-hildafolk-nobrow-2.jpg"><img class="size-full wp-image-1507 aligncenter" alt="luke-pearson-hildafolk-nobrow-2" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/luke-pearson-hildafolk-nobrow-2.jpg" width="620" height="245" /></a></h3>
<p><strong>taz: Herr Pearson, Sie sind gerade mal 25 Jahre alt und bereits für einen der wichtigsten Comicpreise der Welt nominiert: den Eisner Award in der Kategorie „Best Writer/Artist“. Käme ein Sieg nicht viel zu früh?</strong></p>
<p><strong>Luke Pearson:</strong> Nein, dafür ist es niemals zu früh. Klar würde ich gern gewinnen. Nur wird das nicht passieren, nicht im Jahr von Chris Wares „Building Stories“. Aber ich bin ja auch in einer der Kinderbuchkategorien nominiert, ich glaube, da habe ich eine Siegchance. Vielleicht.</p>
<p><strong>Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie von der Nominierung erfahren haben?</strong></p>
<p>Nicht genau. Als es bekannt wurde, haben mir alle gratuliert und waren supernett und aufgekratzt. Das war wohl ein karrieredefinierender Moment.</p>
<p><strong>Freuen Sie selbst sich denn auch ein wenig?</strong></p>
<p>Oh, klar, die Nominierung ist cool, ich bin glücklich. Es ist nur … ich messe solchen Auszeichnungen keine allzu hohe Bedeutung bei. Wenn Preisrichter über etwas entscheiden, geht es am Ende doch immer um persönlichen Geschmack. Ich habe bei den British Comic Awards letztes Jahr einen Preis gewonnen, da haben Kinder über den Sieger abgestimmt. So etwas erfüllt mich mit mehr Stolz.</p>
<p><strong>Sie wurden ausgezeichnet für „Hilda und der Mitternachtsriese“, den zweiten Teil Ihrer Reihe über ein Mädchen, das Abenteuer mit Trollen, Minielfen und vielen anderen Wesen erlebt. War Hilda eigentlich von Anfang für Kinder gedacht?</strong></p>
<p>Ja, schon. Es sollte ein Kindercomic werden, das auch Erwachsenen gefällt und sie gern anderen Erwachsenen empfehlen. Wenn ich mir eine Zielgruppe aussuchen müsste, wären es Kinder.</p>
<p><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/BI_130219_Hilda_Mitternachtsriese_5-11_Seite_5.jpg"><img class="size-full wp-image-1510 alignright" alt="BI_130219_Hilda_Mitternachtsriese_5-11_Seite_5" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/BI_130219_Hilda_Mitternachtsriese_5-11_Seite_5.jpg" width="310" height="432" /></a>Was hat Sie beim Entwerfen der Hilda-Welt beeinflusst?</strong></p>
<p>Ich hatte Hilda zunächst in meine Skizzenbücher gezeichnet, ohne zu wissen, was ich mit ihr anfangen würde. Dann habe ich mit meinen Eltern eine Kreuzfahrt durch die norwegischen Fjorde gemacht – ich hatte vorher Geschichten über Trolle gelesen und die neblige, felsübersähte Wildnis mit ihren Berghängen hat meine Fantasie beflügelt. Wichtig waren auch ein Uniprojekt über die Sagenwelt Islands und die Mumins-Bücher der finnischen Comicautorin Tove Jansson, die mich als Kind sehr beeindruckt haben.</p>
<p><strong>Ich musste sehr an die Filme des japanischen Animeregisseurs Hayao Miyazaki denken: die mutige Heldin, ein gewisser Animismus, die vielen seltsamen Wesen, die nur eine Spur neben der Realität liegen.</strong></p>
<p>Ja, seine Filme haben mich generell geprägt. Ich liebe sie, vor allem „Chihiros Reise ins Zauberland“ und „Prinzessin Mononoke“. Es gibt viele Fantasyelemente, aber sie sind so weit weg von westlichen Ideen von Fantasy und viel mehr in der Natur verwurzelt. Das macht es vollkommen surreal, es ist so viel Zeug, bei dem du denkst: Das habe ich noch nie zuvor gesehen! Du kriegst nicht zusammen, wo es herkommt, aber es ergibt in seiner völlig verdrehten Logik doch einen Sinn. Außerdem gibt es kein Gut und Böse, es sind nur verschiedene Mächte am Werk.</p>
<p><strong>Ihre fragmentarisch erzählte Graphic Novel „Everything We Miss“ weicht erzählerisch und gestalterisch sehr von den Hilda-Comics ab. Sind Sie noch auf der Suche nach Ihrem Stil?</strong></p>
<p>Ich passe definitiv meine Zeichnungen an das an, was ich schreibe, und mag es, zu experimentieren. Andererseits fühle ich mich manchmal mies deswegen – als hätten alle schon eine starke visuelle Stimme gefunden und nur ich springe ständig hin und her und entwickele mich nicht so schnell weiter, wie ich könnte.</p>
<p><strong>Eine Gemeinsamkeit hingegen ist eine zarte Magie. Ihre Welten sind belebt, es passieren übernatürliche Dinge, auch im düsteren „Everything We Miss“: Ein Baum tanzt, Weltraumriesen spielen Zielwerfen mit Asteroiden. Ist das ein bisschen die Art, wie Sie die Welt sehen?</strong></p>
<p>Nein. Das wäre ja auch ziemlich naiv, oder? Es bildet eher meine Erinnerung daran ab, wie es als Kind war. Als ich mir noch besser vorstellen konnte, dass da noch andere Dinge auf der Welt sind, etwa wenn wir im Urlaub auf dem Land waren und ich große Riesen gesehen habe, die am Horizont entlanggelaufen sind. Ich glaube, diese Lust am Spekulieren, die Lust daran, Dinge im Kopf weiterzutreiben, bis zu dem Punkt, an dem man sich beinahe selbst überzeugt hat, sie zu glauben, hat viel damit zu tun, warum ich gern Comics mache.</p>
<p><strong>Was waren Sie für ein Kind? Eher ein einsames?</strong></p>
<p>Ich habe eine Schwester, also war ich nicht komplett allein. Aber ich war schon eher in mich gekehrt, ein schüchterner Junge – das bin ich noch heute.</p>
<p><strong>Schweifen Sie leicht mit Ihren Gedanken ab?</strong></p>
<p>Früher kamen die Dinge wie von alleine zu mir, manchmal musste ich nur die Augen schließen und hatte sehr klare, lebhafte Tagträume. Heute kann ich das längst nicht mehr so gut, das macht mich etwas traurig.</p>
<p><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/cover-web-560x794.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1509" alt="cover-web-560x794" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/cover-web-560x794.jpg" width="310" height="443" /></a>Liegt das an der Professionalisierung als Comickünstler oder am Erwachsenwerden generell?</strong></p>
<p>An beidem, denke ich. Als Erwachsener gibt es so viel Bullshit, über den man nachdenken muss, dass man nicht mehr das Privileg hat, einfach wegzuschalten. Und klar, ich zeichne seit drei Jahren professionell, und irgendwann realisierst du, dass du dich darauf verlassen können musst. Das erhöht den Druck.</p>
<p><strong>Wie ist Ihr Arbeitsmodus, wenn Sie so auf kreative Schübe angewiesen sind?</strong></p>
<p>Ich habe eine furchtbar miese Disziplin. Dabei hänge ich ein wenig in der Luft: Einerseits sage ich mir, dass eine Nine-to-Five-Routine nur ein vorgestanztes System ist, das ich nicht brauche. Ich bin ein freier Mann, ich kann machen, was ich will! Aber dann sitze ich um fünf Uhr nachmittags da und sehe, wie alle nach Hause kommen und sich einen schönen Abend machen – und ich habe einfach noch gar nichts getan und zeichne bis spät in die Nacht. Oder ich arbeite zwei, drei Tage fast ohne Schlaf und bin danach total ausgebrannt.</p>
<p><strong>So etwas hängt ja auch vom Freundeskreis ab. Wenn alle so einen Rhythmus haben wie man selbst, kann man auch um Mitternacht noch Leute auf ein After-Work-Bier treffen. Wo leben Sie eigentlich?</strong></p>
<p>In Nottingham. Es ist ziemlich klein, gerade mal eine Stadt.</p>
<p><strong>Kommen Sie von dort oder wie landet man sonst in Nottingham?</strong></p>
<p>Gute Frage. Ich bin in der Nähe von Birmingham aufgewachsen, und als ich vor zwei Jahren mit meiner Freundin zusammengezogen bin, endeten wir, warum auch immer, in Nottingham. Also es ist in der Nähe meiner früheren Uni … aber vor allem ist es billig, und das ist alles, was ich brauche.</p>
<p><strong>Hilda zieht nach zwei Bänden vom Land in die Stadt. Was denken Sie: Wo werden Sie leben, wenn Sie 40 sind?</strong></p>
<p>Ich denke, in einer Stadt. Ich fahre kein Auto und ich möchte dann lieber irgendwo sein, wo ich alles zu Fuß erreichen kann – oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das ist ein ziemlich langweiliger Grund.</p>
<p><strong>Ach, Unsinn. Aber haben Sie denn keinen Führerschein?</strong></p>
<p>Doch, schon. Ich habe ihn zum 16. Geburtstag geschenkt bekommen, bin aber seitdem nie wieder gefahren. Für mich ist Autofahren eine stressige und beängstigende Erfahrung. Außerdem lebe ich lieber in der Stadt, weil ich dazu neige, soziale Verpflichtungen zu vermeiden. Es ist sehr schwer, mich zu irgendwas zu bewegen. In Städten gibt es zumindest das Potenzial, dass ich das Haus verlasse. Würde ich mit meiner Einstellung auch noch auf dem Land leben, wäre das mein Todesurteil.</p>
<p><em><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/luke-pearson-540x304-1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1508" alt="luke-pearson-540x304 (1)" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/luke-pearson-540x304-1.jpg" width="131" height="131" /></a>Luke Pearson</strong>, 25, hat Illustration an der Loughborough University studiert und arbeitet als Comiczeichner und Illustrator in Nottingham. Neben Kurzgeschichten hat <a href="http://lukepearson.com/" target="_blank">Pearson</a>beim britischen Verlag Nobrow „Everything We Miss“ und bisher drei Teile der Hilda-Reihe veröffentlicht. „Hilda und der Mitternachtsriese“ ist auf Deutsch bei Reprodukt erschienen, weitere Übersetzungen sind geplant.</em></p>
<p><em><strong>Eisner Awards:</strong> Die Eisner Awards, benannt nach dem Graphic-Novel-Pionier Will Eisner und der wichtigste US-Comicpreis neben den Harvey Awards, existieren seit 1988. Am 19. Juli werden sie im Rahmen der Fachmesse Comic-Con in San Diego in 29 Kategorien verliehen. Die Konkurrenten Luke Pearsons als „Best Writer/Artist“ lesen sich für Comicfans namhaft: Chris Ware, C. Taylor, Charles Burns sowie Gilbert und Jaime Hernandez. Bisher gewonnen haben etwa Alan Moore („Watchmen“) und Frank Miller („300“).</em></p>
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		<title>„Man sollte kraftvoll zubeißen“</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2013/06/19/man-sollte-kraftvoll-zubeissen/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Jun 2013 00:23:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<category><![CDATA[Bratwurst]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit Würde eine Wurst essen – kaum etwas ist schwieriger. Warum es Politiker trotzdem nicht lassen können, erläutert der Experte Constantin Alexander. (aus der taz vom 19. Juni 2013) taz: Herr Alexander, Sie sammeln Bilder von Politikern, die Bratwürste essen. Wie]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit Würde eine Wurst essen – kaum etwas ist schwieriger. Warum es Politiker trotzdem nicht lassen können, erläutert der Experte Constantin Alexander.<span id="more-1688"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Politologe-ueber-Bratwurstessen/!118333/" target="_blank">taz</a> vom 19. Juni 2013)</h3>
<p><strong>taz: Herr Alexander, Sie sammeln Bilder von Politikern, die Bratwürste essen. Wie kam es denn bitte dazu?</strong></p>
<p><strong>Constantin Alexander: </strong>Bei meiner Arbeit als Journalist ist mir aufgefallen, dass <a href="http://www.taz.de/index.php?id=bildergalerie&amp;tx_gooffotoboek_pi1[srcdir]=Bratwurst-Politik" target="_blank" shape="rect">es bestimmte Politikerfotos immer wieder gibt.</a>Das ist gerade bei durchchoreografierten Terminen so, etwa bei Volksfesten oder Wahlkampfveranstaltungen: Der Politiker, der eine Maß Bier in der Hand hält, der Politiker, der irgendwas in die Kamera hält, der ein Lamm streichelt, ein Stück Käse isst. Ich habe mich gefragt, welche Pose man am häufigsten findet, und deswegen Archive von Nachrichten- und Fotoagenturen durchsucht. Dabei sind mir zwei Sachen aufgefallen. Erstens: Es gibt von nahezu jedem deutschen Volksparteipolitiker ein Bild, wie er in eine Bratwurst beißt. Und zweitens: Bratwürste sind unmöglich würdevoll zu essen.</p>
<p><strong>Warum?</strong></p>
<p>Die Dinger sind heiß, sie sind fettig, man sieht nicht elegant dabei aus. Und dann kann so eine Bratwurst ja auch noch als phallisches Symbol interpretiert werden. Wenn du zu sehr reinbeißt, gibt es Männer, die sich bedroht fühlen. Aber wenn du es zu zärtlich machst, ist das auch schon wieder zu sexuell aufgeladen. Es ist also sehr, sehr schwierig, es professionell zu machen.</p>
<p><strong>Und warum machen sich dann alle deutschen Politiker mit Bratwürsten zum Kasper?</strong></p>
<p>Wenn du auf einer öffentlichen Veranstaltung bist und irgendetwas ablehnst – oder dein Assistent lässt es nicht zu dir durch –, dann kriegen die Leute vor Ort das mit. Hängen bleibt: Da kommt ein wichtiger Politiker und will uns repräsentieren, lehnt aber das Essen, das wir selber essen, ab. Man kann vielleicht noch argumentieren, die Wurst könnte vergiftet sein oder so was – aber zieh das mal durch. Und außerdem will der Politiker ja Volksnähe demonstrieren.</p>
<p><strong>Wie viel Symbol steckt denn in der Wurst?</strong></p>
<p>Enorm viel, denn Lebensmittel in der Kultur- und Kunstdarstellung stehen nie für sich. Früher haben Könige, reiche Bürger und Kirchenobere sich sehr gern so darstellen lassen, dass ihr Reichtum deutlich wurde, etwa mit einem Fasan. Heute aber, wo wir in Deutschland Demokratie haben, ist es sehr schwierig geworden, sich mit gewissen Luxusgegenständen ablichten zu lassen. Es gibt ja die Geschichte, wie Sahra Wagenknecht in Straßburg Hummer gegessen hat, und davon gab es ein Foto, und dann hat sie sofort dafür gesorgt, dass dieses Foto einfach nicht erscheint.</p>
<p><strong>Hat das funktioniert?</strong></p>
<p>Ja, das Foto wurde gelöscht. Für jemanden von der Linken in Deutschland ist Hummer, genau wie Kaviar oder Champagner, sehr luxuriös konnotiert. Heute müssen Politiker aber über Essen Volkstümlichkeit simulieren. Ein Barack Obama hat deshalb im US-Wahlkampf in nahezu jede Art von Fastfood mindestens einmal gebissen: Hot Dogs, Pizza, Burger, Barbecue. Von Mitt Romney hingegen gibt es keine Bilder, wie er in einen Taco beißt, denn der symbolisiert für die Republikanerwähler die Einwanderer aus Mexiko, die „Illegalen“. Das ist eine politische Bedeutung, da geht es gar nicht darum, ob etwas lecker ist oder nicht.</p>
<p><strong>Und die deutschen Politiker müssen in die Bratwurst beißen. Gibt es denn keine Alternative für sie?</strong></p>
<p>Es gibt natürlich regionale Spezialitäten. Fischbrötchen im Norden, Leberkäse und Weißwurst in Bayern, dann die Nürnberger, die Frankfurter, in Berlin und im Ruhrgebiet die Currywurst. Aber die Bratwurst gibt es überall, in jedem größeren Bahnhof findest du eine Bude. Und dann ist da natürlich noch der Döner …</p>
<p><strong>Ist das nicht so etwas wie der Taco der Deutschen?</strong></p>
<p>Exakt. Von Claudia Roth, Renate Künast und vielen Grünenpolitikern gibt es halt dieses klassische Symbolbild: multikulturell, offen, tolerant, „neues Deutschland“. Ob sie es wirklich dann auch essen, weiß ich nicht, denn oft stehen sie nur am Dönerspieß. Denn ein Döner ist genauso unmöglich zu essen: Der fällt auseinander, ist eine Maulsperre und überhaupt.</p>
<p><strong>An der Wurst führt also kein Weg vorbei. Was aber ist denn nun die beste Art, eine Bratwurst zu essen?</strong></p>
<p>Souverän. Es gibt schlicht keine würdevolle Art. Man sollte vermeiden, zu gierig zu wirken. Ganz schlimm ist es, die Augen zuzumachen beim Kauen. Man sollte kraftvoll zubeißen, aber nicht zu doll – denn sobald man das im Mund hat und ihn wieder aufmachen müsste, um Kälte reinzulassen, ist es zu spät. Man sollte ohnehin immer etwas warten, bis die Wurst abgedampft hat.</p>
<p><strong>Ein Problem ist, dass die Bratwurst zu heiß ist?</strong></p>
<p>Ja. Aber es wird eben auch erwartet, dass man sofort reinbeißt.</p>
<p><strong>Dann ist da die bereits angesprochene Sache mit den Zähnen …</strong></p>
<p>… zeigt man sie, wirkt es wie aggressives Zubeißen. Zeigt man sie nicht, wie laszives Lutschen.</p>
<p><strong>Uli Hoeneß zeigt auf einem Foto nur seinen Unterkiefer und macht dabei einen sehr guten Eindruck. Eine Empfehlung?</strong></p>
<p>Das hängt natürlich auch davon ab, was für ein Gesicht man hat. Hoeneß macht das auf dem Bild sehr gut, aber er ist ja auch ein Profi. Außerdem hat er eine Nürnberger gegessen, das ist einfacher.</p>
<p><strong>Warum?</strong></p>
<p>Die ist ein bisschen kleiner, das macht sie mundlicher. Und man kann sie besser durch Ausatmen ankühlen. Das gilt auch für die Currywurst: Die Stücke sind nicht so heiß, weil sie kleiner sind und mehr Außenfläche haben.</p>
<p><strong>Das Wichtigste ist also das Wurstformat?</strong></p>
<p>Das Wichtigste ist die Körperhaltung. Also nicht zu sehr nach vorne gebeugt, nicht zu sehr den Kiefer zeigen, sondern die Wurst zum Mund führen.</p>
<p><strong>Die Wurst muss zum Mund, nicht der Mund zur Wurst?</strong></p>
<p>Genau.</p>
<p><strong>Und wer ist der Meister des Bratwurstessens?</strong></p>
<p>Gerhard Schröder. Es wirkt am natürlichsten bei ihm, und man hat das Gefühl: Der hat Bock drauf, der kennt sich damit aus, und der hat das auch schon vorher gemacht, bevor er ein gewichtiger Politiker geworden ist. Noch heute gibt es ja in allen öffentlichen Hannoveraner Kantinen auch immer noch die Kanzlerplatte, das ist Currywurst/Pommes. Gleichzeitig kursierte in der Berliner dpa-Redaktion das Gerücht, dass Schröder 1998 im Bundestagswahlkampf einen Bratwurst-Coach hatte.</p>
<p><strong>Hat die Bratwurst die Wahlen 1998 und 2002 mitentschieden?</strong></p>
<p>Ich würde sagen: Die Fähigkeit eine Bratwurst zu essen, zeigt, wirklich zu verstehen, wie die Mehrheit des deutschen Volkes tickt. Das ist so, wie in manchem Wirtschaftskreisen zu wissen, wie man eine Zigarre raucht: Und seit der der Finanzkrise gibt es immer weniger Bilder von Politikern, die Zigarre rauchen.</p>
<div id="" role="region">
<div>
<p><em><strong>Constantin Alexander</strong>, 30, ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist. Bratwurstforschung betreibt er auf <a href="http://peoplebitingintobratwurst.tumblr.com/" target="_blank">peoplebitingintobratwurst.tumblr.com</a>. Außerdem ist er Teil des Elektro-Lyrik-Projekts „Beatpoeten“ – und seit 14 Jahren Vegetarier.</em></p>
</div>
</div>
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		<title>„Die Bibel ist so einseitig“</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2012/11/19/die-bibel-ist-so-einseitig/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Nov 2012 19:43:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Comiczeichner Tom Gauld hat die Geschichte von David und Goliath aus Sicht des Riesen erzählt. Ein Interview über Außenseiter, Humor und Roboter. (aus der taz vom 19. November 2012, PDF) taz: Herr Gauld, wenn Zeitreisen möglich wären – wohin würden]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Comiczeichner Tom Gauld hat die Geschichte von David und Goliath aus Sicht des Riesen erzählt. Ein Interview über Außenseiter, Humor und Roboter.<span id="more-1139"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Der-Comiczeichner-Tom-Gauld/!105744/" target="_blank">taz</a> vom 19. November 2012, <a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/S13-taz2-19112012.pdf">PDF</a>)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1146" title="tomgauld_goliath" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_goliath.jpg" width="620" height="310" /></p>
<p><strong>taz: Herr Gauld, wenn Zeitreisen möglich wären – wohin würden Sie reisen?</strong></p>
<p><strong>Tom Gauld:</strong> Wenn es nur zu Besuch wäre, würde ich nach London zur Zeit von Heinrich VIII. reisen. Oder würde ich mir die Dinosaurier anschauen? Hmmm.</p>
<p><strong>Sagen wir, Sie haben drei Reisen frei.</strong></p>
<p>Dann will auch ein paar Dinosaurier und Steinzeitmenschen sehen. Obwohl, ich habe die Zukunft vergessen. Okay: Ich nehme Dinosaurier, Henry VIII. und die Zukunft. Das wird hart genug.</p>
<p><strong>Auch in Ihren Comics und Illustrationen reisen Sie in andere Welten, normalerweise treten hier vier Figurensorten auf: Fabelwesen, Roboter, Menschen aus der Zukunft und Menschen aus vergangenen Zeiten. Warum ist die Welt von heute kein Thema für Sie?</strong></p>
<p>Ich mag es einfach, mit meinen Comics eine ganz neue Welt zu schaffen, die in sich schlüssig ist. Sodass man hingehen und sie besuchen kann. Deswegen finde ich das Hier und Jetzt nicht so spannend.</p>
<p><strong>Was Sie von vielen anderen Independent-Comiczeichern unterscheidet, für die es im Moment kaum ein anderes Thema zu geben scheint als ihren Alltag und ihre direkte Umgebung.</strong></p>
<p>Alltägliche Geschichten, die in einer alltäglichen Welt passieren, interessieren mich nicht so. Und genauso wenig Märchengeschichten, die in einer Märchenwelt spielen. Aber ich mag die Verbindung von fantastischen Welten, Robotern, dem ganzen Zeug mit normalen Dingen. Bei mir sind die Dinge, die passieren, ja beinahe banal.</p>
<p><strong><img class="alignright size-full wp-image-1143" title="tomgauld_monster" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_monster.jpg" width="310" height="438" />Das trifft auch auf Ihr erstes längeres Comic „Goliath“ zu, das die biblische Geschichte von Goliath und David neu erzählt – aus der Sicht des Riesen. Die meisten der 96 Seiten verbringt dieser mit Warten. Wie kamen Sie auf diese Idee?</strong></p>
<p>Es ist schon schwer genug, Ideen zu haben, und da ist es nett, eine kleine Starthilfe zu bekommen, indem man auf Vorhandenes aufbaut – deshalb war recht klar, dass ich eine bestehende Geschichte aus einem anderen Blickwinkel nacherzählen würde. Außerdem nutze ich gern visuell leicht voneinander zu unterscheidende Figuren. In diesem Fall dachte ich an einen großen und einen kleinen Charakter und kam so auf die Geschichte von David und Goliath. Und da war mir schon beim Lesen klar, dass ich eine Graphic Novel daraus machen würde.</p>
<p><strong>Warum?</strong></p>
<p>Die Bibelgeschichte ist so einseitig! Goliath ist nicht einmal ein richtiger Charakter, er ist nur eine Serie von Maßangaben. Sie erzählen, wie groß er ist, wie lang sein Speer ist, wie viel das Ende des Speers wiegt und woraus seine Rüstung gemacht ist – aber sonst ist er total leer. Was gut für mich war, denn auf diese Art konnte ich ihn und seine Sicht beschreiben, ohne dem Original zu widersprechen. Er musste nur groß und all die anderen Sachen sein.</p>
<p><strong>Sie füllen die Leerstellen, indem Sie aus Goliath einen sehr zurückgenommenen, introvertierten Charakter machen. Er hat bei der Armee der Philister einen eigentlich unspektakulären Job als Schreiber und wird erst durch seinen karrierewütigen Hauptmann zum vermeintlich unbesiegbaren Kämpfer aufgebaut. Eine eher traurige Gestalt.</strong></p>
<p>Zunächst denkt bei der Geschichte von David gegen Goliath jeder an den Kampf eines kleinen Jungen gegen einen Riesen. Doch wenn man genauer hinschaut, kämpfen eigentlich ein kleiner Junge und der allmächtige Schöpfer des Universums gemeinsam gegen einen Riesen, und dann realisiert man, wer hier eigentlich der Underdog ist. „Goliath“ ist eine Tragödie, denn in dem Moment, wo die Geschichte beginnt, weiß man, dass er verlieren wird.</p>
<p><strong>Comiczeichner scheinen generell ein Herz für Außenseiter zu haben. Woran liegt das?</strong></p>
<p>Ich glaube, letztlich geht es in der Kunst immer um den Underdog. Eine Geschichte über einen Helden, der heldenhafte Dinge macht und am Ende gewinnt, ist nicht so spannend. Und Comiczeichner? Nun, wir sind nicht alle antisoziale Robert Crumbs, die sich verstecken und den ganzen Tag masturbieren. Aber: um ein Comic zu machen, muss man viel Zeit allein verbringen, in seiner eigenen kleinen Welt am Schreibtisch. Was wohl dazu führt, dass Comics – zumindest meine – häufig von Leuten handeln, die keine Konfrontationen mögen. Das ist ja auch die Tragödie von Goliath: Dass er niemals die Kontrolle übernimmt und für seine Rechte aufsteht. Deswegen nimmt es ein böses Ende für ihn.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1145" title="tomgauld_robotbully" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_robotbully.jpg" width="620" height="372" /></p>
<p><strong>Obwohl „Goliath“ eine Tragödie ist, hat es auch einen elegischen, sehr zurückgenommenen Humor, der in vielen Ihrer anderen Arbeiten noch deutlicher wird. Versuchen Sie gezielt lustig zu sein oder passiert das einfach?</strong></p>
<p>Ich weiß noch, als ich am College war und mich an Arbeiten versucht habe, die beklemmend oder wütend sein sollten. Die wurden dann immer entweder lustig oder ein bisschen lustig – oder langweilig. Irgendwann habe ich realisiert, dass es an meinem Blick auf die Welt liegen muss und alles, was ich mache, eine humoreske Note hat. Niemals „Lustig, haha, Crazyness“, aber eben ein unauffälliger Humor, der ein bisschen traurig und ein bisschen komisch zugleich ist.</p>
<p><strong>So etwas gilt hier als typisch britischer Humor. Oder ist es ein schottischer Humor?</strong></p>
<p>Ich glaube schon, dass der Humor aus Nordengland und Schottland noch ein wenig trockener und schwärzer ist. Mehr dead-pan – wie Buster Keaton, verziehe niemals das Gesicht!</p>
<p><strong>Wo in Ihren Arbeiten kommt das Schottische sonst noch durch?</strong></p>
<p>Ich bin auf dem Land aufgewachsen, an einem ziemlich abgelegenen Ort, und habe viel Zeit damit verbracht, draußen mit meinem Bruder zu spielen. Und so ähnlich ist das oft auch in meinen Comics: zwei Charaktere an einem verlassenen Ort, wie dem Mond, der Wüste oder der Wildnis.</p>
<p><strong>Was hat Sie noch beeinflusst?</strong></p>
<p>Als Kind war ich besessen von Lego. Und von den „Star Wars“-Filmen. Diese Szene, in der die Jawas auf einem Wüstenplaneten Luke Skywalker und seinem Onkel Roboter verkaufen wollen, und die sind alle rostig, kaputt, richtig beschissen, muss tief in meinem Gehirn verankert sein. Deswegen zeichne ich so viele alte Roboter.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1144" title="tomgauldchart" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauldchart.jpg" width="620" height="372" /></p>
<p><strong>Wie sieht es mit Marvin aus, dem depressiven Roboter aus der Roman-Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams?</strong></p>
<p>Das Buch habe ich tatsächlich nie gelesen. Nur mal angefangen, aber hat mich nicht gefesselt. Ich kann mit zu viel Wortwitz einfach nicht viel anfangen, wenn alles betont schlau geschrieben ist, wirft mich das eher aus der Story. Und so geht es mir auch mit Douglas Adams: Er ist mir einfach ein bisschen zu clever.</p>
<p><strong>Glauben Sie denn, dass wir noch hyperintelligente Roboter auf der Erde erleben?</strong></p>
<p>Ich denke schon, dass es irgendwann passieren wird. Allerdings klappt das nie so wirklich gut mit hyperintelligenten Robotern, nicht wahr? Sie drehen dann immer durch und versuchen, die Welt zu zerstören. Also vielleicht ist das keine so gute Sache.</p>
<p><strong>Normalerweise zeichnen Sie Illustrationen und kleinere Geschichten – hat die Arbeit an einem ganzen Band Spaß gemacht? Oder war es ätzend?</strong></p>
<p>Es hat auf jeden Fall sehr lange gedauert. Bei den kurzen Strips, etwa meinen Sachen für den<em>Guardian,</em> denke ich: Wenn jemand es nicht mag, hat es ihn nur zehn Sekunden gekostet, es zu lesen. Und nächste Woche gibt es etwas Neues. Wer sich aber „Goliath“ kauft und es liest, zeigt viel mehr Bereitschaft. Deswegen sollten es nicht irgendwelche Wegwerf-Witze werden, sondern eine befriedigende Erzählung. Das war ganz schön schwierig, aber ich habe viel gelernt und werde definitiv noch mal was Längeres machen. Was dann hoffentlich einfacher wird.</p>
<p><strong>Wissen Sie schon, worüber?</strong></p>
<p>Ich habe einige Ideen, aber bin mir noch nicht sicher, wie es aussehen wird. Es ist gut möglich, dass es wieder in der Vergangenheit spielt. Und es wird ein Bär darin vorkommen.</p>
<p><em><strong><img class="alignleft size-full wp-image-1140" title="tomgauld_portrait" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/tomgauld_portrait.jpg" width="131" height="132" />Tom Gauld, </strong>36, Comiczeichner und Illustrator, wuchs in Schottland auf und lebt heute in London. Er zeichnet unter anderem Cartoons für den </em>Guardian<em>, die er auf einem <a href="http://myjetpack.tumblr.com/" target="_blank">Tumblelog</a> veröffentlicht. Bände mit kürzeren Arbeiten veröffentlichte Gauld in seinem eigenen Verlag <a href="http://www.cabanonpress.com/" target="_blank">Cabanon Press</a>. Seine erste Graphic Novel „Goliath“ erschien bei Drawn &amp; Quarterly und liegt seit September bei Reprodukt auch auf Deutsch vor. <a href="http://www.tomgauld.com/" target="_blank">www.tomgauld.com</a></em></p>
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		<title>„Alle Gesetze werden gebrochen“</title>
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		<pubDate>Sat, 05 May 2012 17:56:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Games]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Was können Gesetzgeber von Brettspielern lernen? Eine Menge, meint Spiele-Entwickler Casasola Merkle. Ein Gespräch über Filesharing, Florida-Rolf und Grundeinkommen. (veröffentlicht auf taz.de) taz: Herr Casasola Merkle, Sie sind quasi seit 15 Jahren in der Gesetzgebung tätig: Sie schaffen Brettspielwelten und]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Was können Gesetzgeber von Brettspielern lernen? Eine Menge, meint Spiele-Entwickler Casasola Merkle. Ein Gespräch über Filesharing, Florida-Rolf und Grundeinkommen.<span id="more-1266"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Entwickler-ueber-Spiele-und-Regeln/!92807/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p><strong>taz: Herr Casasola Merkle, Sie sind quasi seit 15 Jahren in der Gesetzgebung tätig: Sie schaffen Brettspielwelten und versehen sie mit Regeln. Was muss man dabei beachten?</strong></p>
<p>Dass die Leute sich frei fühlen. Die Spieler begeben sich ja freiwillig in ein System von willkürlichen Regeln, die sie akzeptieren müssen, was erstmal einengt. Es sollte daher möglichst wenige Regeln geben und die müssen möglichst einfach sein – die Spielwelt aber trotzdem sehr vielfältig. Du bietest idealerweise nur einen Handlungsrahmen, der schöne Effekte hat.</p>
<p><strong>Was sind dabei gute Regeln?</strong></p>
<p>Solche, die von den Menschen akzeptiert werden. Die sie verstehen können. Und die sie auf das Ziel hinleiten, das ich mir vorstelle – ohne die Spieler zu zwingen. Schlechte Regeln hingegen sind wie mit dem Vorschlaghammer gemacht. Ein direktes „Ich sag dir genau, was du zu tun hast“ wirkt immer sehr negativ. Es gibt in Spielen deshalb viele Regeln, die indirekt wirken.</p>
<p><strong>Was bedeutet das konkret?</strong></p>
<p>Ich habe zum Beispiel gerade ein Spiel gemacht, bei dem ich möchte, dass sich alle Spieler auf dem Spielbrett ausbreiten und nicht nur in einer Ecke rumknapsen. Jetzt könnte ich als Regel machen: „Du musst bei jedem Zug, den du machst, in die Mitte ziehen“. Ich mache das aber lieber über Anreize. In der Mitte sind die Rohstoffe günstiger, da kann ich mehr entdecken, da ist auch noch ein Vulkan – das ist spannender.</p>
<p><strong>Was haben Sie als Spieleentwickler über den Umgang mit diesen Regeln gelernt?</strong></p>
<p>Eine Regel, die man nicht akzeptiert, weil man sie doof oder seltsam findet, die wird nicht eingehalten. Das sieht man aktuell beim Filesharing, wo es einfach noch keine vernünftige Regel gibt, auf die sich alle einigen können – und deswegen wird das aktuelle Gesetz einfach von der Gesellschaft gebrochen.</p>
<p><strong>Aber alle Gesetze werden gebrochen.</strong></p>
<p>Stimmt, auch Regeln, die einsichtig sind, werden von einzelnen Menschen nicht befolgt. Und dann kommen Reaktionen wie: &#8216;Oh Gott, es gibt Florida-Rolf, wir müssen eine neue Regel machen&#8217;, anstatt zu sagen: „Okay, natürlich gibt es halt einen, der in Florida Hartz IV bezieht, aber damit können wir leben“. Denn es gibt ja in Gesellschaften immer eine Schwelle, ab der alle bei Verbotenem mitmachen. Solange unerwünschte Nebeneffekte eines Gesetzes aber unter dieser Schwelle sind, hat man eigentlich kein Problem. Mit Grauzonen und Schlupflöchern muss man umgehen können. Und überhaupt spielen die wenigsten Leute Spiele nach den richtigen Regeln.</p>
<p><strong>Die Leute spielen falsch?</strong></p>
<p>Was ist richtig oder falsch? Was am meisten Spaß macht, ist richtig. Aber tatsächlich sind Spiele wie Märchen: Da werden die Regeln mündlich weitergegeben und man spielt halt so, wie man es von seinen Freunden gehört hat. So gesehen spielen die meisten Leute die Spiele falsch. Spiele müssen deswegen robust sein: Wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten wollen, sie nicht verstehen oder sie ein wenig ändern, muss es trotzdem funktionieren. Denn ein Gesetz, bei dem alles zusammenbricht, weil ein paar Leute nicht mitmachen – das geht nicht.</p>
<p><strong>Worauf kommt es außer auf Regeln noch an?</strong></p>
<p>Gerechtigkeit. Die Leute können ganz gut damit umgehen, wenn mal jemand zufällig ein Plättchen zieht und was Besseres kriegt, denn die Chance hat jeder. Aber wenn ein Spieler strukturell immer bevorteilt oder benachteiligt wird, etwa, weil er als Erster agieren darf – darauf reagieren die Spieler sehr allergisch. Deswegen versuchen wir solchen Fallen auszuweichen und zu verhindern, dass es zu Verkrustung kommt.</p>
<p><strong>Verkrustung?</strong></p>
<p>Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Angenommen, alle haben die gleichen Regeln, wer aber zuerst beim Vulkan ankommt, der kriegt dadurch so eine Übermacht, dass die Anderen gar nicht mehr mitspielen müssen. Das geht nicht, ist aber bei vielen Spielen so: Sie sind am Anfang reizvoll und laufen dann auseinander, weil ein Spieler einfach zu mächtig geworden ist. Dann macht es den Anderen aber keinen Spaß mehr. Man denke an Monopoly.</p>
<p><strong>Wie verhindert man das?</strong></p>
<p>Solange noch Dynamik und Fluss da ist, kann man auch kleinere Ungerechtigkeiten verschmerzen. Denn die Spieler brauchen immer einen gewissen Sockel an Selbstwirksamkeit. Wenn ich in einem Spiel oder in der Gesellschaft hingegen das Gefühl habe, dass das, was ich tue, keine Auswirkungen hat, dann werde ich einfach frustriert und unproduktiv. Im Grunde kann man das gut mit der Marktwirtschaft vergleichen.</p>
<p><strong>Das klingt jetzt steil.</strong></p>
<p>Nun: Die Marktwirtschaft ist gewissermaßen auch ein Spielsystem. Solange alle ungefähr gleich viel besitzen, macht es Spaß, aber mit der Dauer ist das Einkommen so unterschiedlich verteilt, dass einzelne Teilnehmer einfach keine Lust mehr haben. Bloß müssen die Leute bei der Marktwirtschaft immer weiterspielen, bei einem Brettspiel legen sie hingegen die Schachtel weg. Wir mussten also tatsächlich Marktsysteme erfinden, die funktionieren und Spaß machen. Und auch noch begreiflich sind, also nicht mit 800 Regeln.</p>
<p><strong>Was gibt es da für Möglichkeiten?</strong></p>
<p>Ein wichtiger Schritt war die Trennung vom Geld, das du im Spiel hast, und den Siegpunkten, die du am Ende brauchst, um zu gewinnen. Ursprünglich war es so: Ich bekomme Geld. Das kann ich investieren, um noch mehr Geld zu kriegen. Und wer am Ende das meiste Geld hat, gewinnt. Die Entkopplung hat dazu geführt, dass die Spiele auch für die Leute interessant bleiben, die weiter hinten liegen. Zudem hat man so die Möglichkeit, zu sagen: Jeder kriegt 50 Goldstücke pro Runde. Und wenn ich schlecht investiert habe, kann ich trotzdem noch weiterspielen.</p>
<p><strong>Also praktisch ein bedingungsloses Grundeinkommen.</strong></p>
<p>Genau das! Bei Brettspielen machen wir das seit Jahren. Weil es einfach die Marktteilnehmer im Spiel hält und denen weiter Spaß bereitet.</p>
<p><em><strong>Marcel-André Casasola Merkle </strong>ist Spieleentwickler („Verräter“, „Meuterer“) und Mitbegründer der jährlich stattfindenden Spieleautorentagung. Auf <a href="http://137b.org/" target="_blank">seinem Blog</a> und  <a href="http://twitter.com/#!/zeitweise" target="_blank">auf Twitter</a> sucht er immer wieder die Schnittstelle zwischen Spiel und Politik. Auf der Re:publica hielt er den Vortrag <a href="http://re-publica.de/12/panel/machtiger-als-merkel-wie-brettspielentwickler-gesetze-machen-wurden/" target="_blank">„Mächtiger als Merkel: Wie Brettspielentwickler Gesetze machen (würden)“</a>.</em></p>
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		<title>„Sonst müssen alle Quatsch machen“</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2011/12/16/sonst-mussen-alle-quatsch-machen/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 17:56:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Macher des Alternativ-Comicverlags Reprodukt über den Graphic-Novel-Boom, Traditionalisten und die Perspektiven deutscher Zeichner. (aus der taz vom 16. Dezember 2011) Dirk Rehm im Reprodukt-Lager. (Illustration: Mawil) taz: Dirk Rehm, in diesem Jahr wurde Reprodukt 20 Jahre alt. Bekannt geworden]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Macher des Alternativ-Comicverlags Reprodukt über den Graphic-Novel-Boom, Traditionalisten und die Perspektiven deutscher Zeichner.<span id="more-810"></span> (aus der <a href="https://www.taz.de/Alternative-Verleger-ueber-Comics/!83857/" target="_blank">taz</a> vom 16. Dezember 2011)</h3>
<div>
<div class="mceTemp" style="text-align: right;">
<dl id="attachment_812" class="wp-caption alignright" style="width: 320px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-full wp-image-812" title="mawil_reproduktlager_310" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/mawil_reproduktlager_310.jpg" alt="" width="310" height="663" /></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Dirk Rehm im Reprodukt-Lager. (Illustration: <a href="http://mawil.net" target="_blank">Mawil</a>)</dd>
</dl>
</div>
<p><strong>taz: Dirk Rehm, in diesem Jahr wurde Reprodukt 20 Jahre alt. Bekannt geworden seid ihr als alternativer Comicverlag &#8211; etwa durch umfangreiche Graphic Novels und komplexe Stoffe. Gegründet wurde Reprodukt 1991 als Einmannunternehmen. Was war damals die Motivation?</strong></p>
<p><strong>Dirk Rehm:</strong> Amerikanische Comics, die ich in den späten Achtzigern gelesen hatte und großartig fand – die es in Deutschland aber so nicht gab, etwa &#8220;Der Tod von Speedy&#8221; von Jaime Hernandez, die erste Reprodukt-Veröffentlichung. Das war das erste Mal, dass Zeichner aus meiner Generation ihr Leben, ihre Träume, ihre Projektionen thematisiert haben und Comics machten, mit denen ich mich identifizieren konnte, die mich berührten, inhaltlich und grafisch.</p>
<p><strong>Wie sah die deutsche Comiclandschaft denn damals aus?</strong></p>
<p><strong>Rehm: </strong>Sie orientierte sich am amerikanischen oder frankobelgischen Mainstream: Superhelden-Comics, Funnies, Science-Fiction-, Fantasy-, Krimi-, Abenteurer-Comics. All das gab es zuhauf, aber dazu so gut wie keine Alternativen, keine Stoffe, die aus dem Leben gegriffen waren.</p>
<p><strong>Michael Groenewald:</strong> Zu den bekanntesten frankobelgischen Stoffen zählen sicherlich &#8220;Asterix&#8221; und &#8220;Spirou und Fantasio&#8221;.</p>
<p><strong>Und wie ist die Lage heute?</strong></p>
<p><strong>Rehm: </strong>Heute gibt es in Deutschland ein so umfangreiches Angebot wie noch nie zuvor. Graphic Novels, Manga für Jugendliche, jede Menge Superhelden-Comics, Frankobelgisches in allen Spielarten, auch Klassiker werden neu aufgelegt. Zudem hat sich das inhaltliche Spektrum der Comics verändert, viele Zeichner nehmen Einflüsse von überallher auf. Sie reflektieren Geschichte, Kunst, Politik, verarbeiten autobiografische und biografische Stoffe, dazu kommen Literaturadapationen. Dadurch sind Comics im Begriff, als normales Unterhaltungsmedium wahrgenommen zu werden, wie Literatur oder Film.</p>
<p><strong>Konnte Reprodukt von dieser Entwicklung profitieren?</strong></p>
<p><strong>Rehm:</strong> Die ersten dreizehn Jahre hatten wir weder den Anspruch noch daran geglaubt, dass wir von der Verlagsarbeit unseren Lebensunterhalt bestreiten können. Bis Mitte der Neunziger haben wir ein bis zwei Bücher im Jahr veröffentlicht, später waren es vielleicht sechs bis zehn. Seit 2003 ging es dann eigentlich langsam, aber stetig bergauf. Inzwischen produzieren wir zwischen dreißig und vierzig Comics im Jahr und sind zu siebt.</p>
<p><strong>Wie sicher seid ihr dabei finanziell aufgestellt? Könntet ihr auch einen Flop überleben?</strong></p>
<p><strong>Rehm:</strong> Flops müssen wir ständig überleben. Aber da haben wir über die Jahre einen ganz guten Erfahrungsschatz gesammelt, und es passiert eher selten, dass wir uns wahnsinnig verschätzen. Wobei bis auf unsere neue Vertriebsfrau alle nebenbei noch freiberuflich im Comicbereich arbeiten. Wir müssen alle ein zweites Standbein haben, soviel wirft der Verlag nicht ab. Es funktioniert alles gerade so.</p>
<p><strong>Untrennbar mit eurem Verlag verbunden ist Boom der Graphic Novels. Wie ging das los?</strong></p>
<p><strong>Groenewald: </strong>Der Startschuss in Deutschland fällt in meinen Augen ins Jahr 2004, als Marjane Satrapis &#8220;Persepolis&#8221; in der Edition Moderne herauskam. In der Folge gab es eine kleine Ballung von Büchern und Stoffen, die ins Hier und Jetzt greifen oder historische Themen abdecken. Die haben relativ viel mediale Aufmerksamkeit bekommen und haben sich auch noch verhältnismäßig gut verkauft. Da hat bei den Verlagen mehr oder weniger schnell die Denke eingesetzt, dass man mit so was tatsächlich neue Leserinnen und Leser erreichen kann &#8211; es aber besser wäre, eine neue Begrifflichkeit zu haben, um ihnen die Vorbehalte zu nehmen, die sich mit dem Begriff &#8220;Comic&#8221; noch immer verbinden. Und das wurde vom Handel und den Medien extrem dankbar aufgenommen, diese zwei Wörtchen &#8220;Graphic Novel&#8221;.</p>
<p><strong>Mögt ihr den Begriff eigentlich?</strong></p>
<p><strong>Rehm:</strong> Ich mag ihn nicht so wirklich, weil ich ihn als reines Marketinginstrument betrachte. Wir machen das, seit der Verlag existiert, bloß hieß es früher Comic und jetzt nennt man es Graphic Novel. Letztlich hat da eine Idee aus den USA gegriffen: Dort gab es schon in den Neunzigern in den Buchhandlungen Abteilungen für Graphic Novels. Aber klar, das Publikum findet den Begriff super. Und wenn das hilft, Comics populärer zu machen, finde ich ihn auch sinnvoll.</p>
<p><strong>Findet ihr es denn gut, dass Comics sich durch die Feuilleton-Befeuerung auch in Richtung intellektueller Mainstream entwickelt? Oder ist es es eher störend, dass jetzt jeder Hanswurst auch ein paar Graphic Novels neben den Suhrkamp-Bänden im Regal stehen hat, weil das jetzt so dazugehört?</strong></p>
<p><strong>Groenewald:</strong> Ich finde das nicht speziell wegen des intellektuellen Aspektes toll. Sondern weil viel mehr und auch andere Leute auf Comics aufmerksam werden. Denn wir wollen ja keine Bücher machen, die nur eine kleine Gruppe von Fans sammelt und sich ins Regal stellt.</p>
<p><strong>Rehm:</strong> Ich habe mich auch nie als Teil einer sehr speziellen Subkultur empfunden. Also es gibt natürlich im deutschen Comicbereich verbohrte Traditionalisten, die denken, man muss Alben genau so machen, wie Alben immer gemacht wurden. Die finden es schon komisch, dass man überhaupt ein kleineres Buchformat als DIN A4 wählt und längere Geschichten als auf 48 Seiten erzählt. Das sind Fraktionen, die die Graphic-Novel-Entwicklung auch sehr negativ beäugen.</p>
<p><strong>Wollen die Szeneinsider lieber in ihrem kleinen Comic-Dorf unter sich bleiben?</strong></p>
<p><strong>Rehm:</strong> Ja, so ein bisschen, die sind schon sehr stolz darauf, für einen kleinen eingeweihten Kreis zu produzieren. Das hat natürlich seinen Charme, aber ich sehe das nicht als Perspektive. Uns geht es auch darum, dass die Zeichner von ihren tollen Arbeiten ihren Lebensunterhalt zumindest zum Teil bestreiten können. Sonst müssen die alle irgendwelchen anderen Quatsch machen, nur um am Feierabend Comics zeichnen zu können.</p>
<p><strong>Wie ist denn euer Verhältnis zum Rest von Comic-Deutschland? Sind die Traditionalisten böse, weil ihr die Sache verraten habt?</strong></p>
<p><strong>Rehm:</strong> Nein, das ist ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Die haben sich da eher auf so einen Verlag wie Carlsen eingeschossen. Dass sich jetzt ausgerechnet Carlsen der Graphic Novel geöffnet hat und dafür französische Stoffe zurückstellt, wird eher kritisch beurteilt.</p>
<p><strong>Zugleich springen auch Buchverlage auf den Graphic-Novel-Zug auf. Besteht die Gefahr, dass sie Zeichner abwerben?</strong></p>
<p><strong>Groenewald:</strong> Ich habe den Eindruck, dass &#8211; mal abgesehen von Suhrkamp, die tatsächlich Eigenproduktionen machen wollen &#8211; das Meiste, was bei den belletristischen Verlagen passiert, für uns ohnehin nicht so interessant ist. Zuweilen macht es den Anschein, Graphic Novels müssten immer nur Literaturadaptionen oder Biografien sein. Die größeren Verlage setzen halt auf ein Thema, das zieht &#8211; das scheint wichtiger als ein gutes Buch.</p>
<p><strong>Rehm: </strong>Ich sehe das zwiegespalten. Dass Comics jetzt in der Hochkultur ankommen, zeigt ja auch dem Buchhandel: &#8220;Schaut mal her, das könnt ihr verkaufen, dafür müsst ihr euch nicht schämen.&#8221; Auf der anderen Seite besteht natürlich die Gefahr von Abwerbungen, weil wir mit den Vorschüssen, die große Belletristikverlage zahlen, nicht mithalten können. Ich bin aber guter Dinge, dass wir das hinkriegen.</p>
<p><strong>Und wie geht es jetzt mit Comic-Deutschland weiter?</strong></p>
<p><strong>Groenewald: </strong>Für mich ist es zentral, mit deutschen Autoren und Autorinnen zu arbeiten. Da hat sich in den letzten Jahren viel Positives entwickelt. Es ist toll zu sehen, dass da gerade eine neue Generation heranwächst, die nicht aus den Ecken kommt, wo man sie vermutet &#8211; zum Beispiel Aisha Franz, die in Kassel studiert hat. Man merkt tatsächlich, dass die Bemühungen fruchten und die Leute mittlerweile mit ihren Büchern ein bisschen Geld verdienen können. Dass sich immer mehr Felder auftun, etwa Vorabdrucke in Zeitungen, dass die Stoffe auch im Ausland auf immer mehr Interesse stoßen. Mein Wunsch ist, diese Entwicklung zu festigen und auszubauen.</p>
<p><strong>Gibt es noch weitere Wünsche?</strong></p>
<p><strong>Rehm: </strong>Was mir fehlt, ist ein Verlag, der ähnliche Ziele verfolgt. Die meisten Verlage, die eine ähnliche Idee von Comics haben wie wir, sind mit dem zufrieden, was sie haben. Da orientieren wir uns im strategischen Denken inzwischen mehr an Literaturverlagen. Ich hätte gern ein wenig Konkurrenz, die das Geschäft belebt und an der man sich ein bisschen reiben kann. Das klingt vielleicht etwas vermessen.</p>
<p><strong>Groenewald:</strong> Ich staune.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>Dirk Rehm</strong>, 48, gründete 1991 den Verlag Reprodukt. Neben seiner Verlegerschaft ist er auch als &#8220;Letterer&#8221; tätig– Rehm bringt die Buchstaben in die Sprechblasen. <strong>Michael Groenewald</strong>, 42, war von 2002 bis 2010 als Comic-Redakteur für den Carlsen Verlag tätig und arbeitet nun für Reprodukt und als freier Lektor.</em></p>
<h3></h3>
<p><em><strong>Reprodukt:</strong> Der wichtigste deutsche Independent-Comicverlag wurde 1991 gegründet. Heute veröffentlicht er 30 bis 40 Bände pro Jahr. Zu seinen Schwerpunkten zählen autobiografische und lebensnahe Stoffe, oft in Form von Graphic Novels. Außerdem setzt Reprodukt stark auf deutsche Zeichnerinnen und Zeichner. Zu den von Reprodukt verlegten Künstlern zählen Daniel Clowes, Craig Thompson, Lewis Trondheim, Arne Bellstorf, Anke Feuchtenberger, Guy Delisle, Fil, Mawil und Sascha Hommer.</em></p>
</div>
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