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	<title>Michael Brake &#187; Internet</title>
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		<title>Folge dem schwarzen Kaninchen</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2016 10:25:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Darknet ist ein Sehnsuchtsort. Es erinnert uns an die Zeit, als das Internet noch eine Welt voller Rätsel und von visionärer Kraft war. (aus der taz vom 3. August 2016) Das schwarze Kaninchen wartet zum vereinbarten]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Darknet ist ein Sehnsuchtsort. Es erinnert uns an die Zeit, als das Internet noch eine Welt voller Rätsel und von visionärer Kraft war. <span id="more-1999"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!132005/" target="_blank">taz</a> vom 3. August 2016)</h3>
<p>Das schwarze Kaninchen wartet zum vereinbarten Zeitpunkt auf mich. Wir treffen uns am unteren Ende des Twitter-Newsfeeds, dort, wo keine neuen Inhalte mehr laden. Ein Wurmloch öffnet sich und wir cybern uns auf die andere Seite, in Sekundenschnelle rasen wir quer durch die Welt und verwischen unsere Spuren: New York, Rio, Tokelau. Schließlich fallen wir in einer Seitengasse in einen Müllcontainer und landen weich auf einem Stapel ungeschredderter Netflix-Kundendaten von Hillary Clinton.</p>
<p class="article even">Wir sind im Darknet, einer Mischung aus Mordor, Sin City und Blade Runner. Der Himmel ist hier immer schwarz und die Gebäude bestehen aus grünen Vektoren. Auf den Straßen verkaufen fliegende Händler alles, was man sich vorstellen kann, und alles Weitere noch dazu: Schrumpfköpfe von türkischen Dissidenten, in Käfigen zusammengepferchte Pikachuwelpen aus Osteuropa, Crystal Crocodile, LSDMA und glutenhaltige Vollei-Nudeln.</p>
<p class="article odd">Vierarmige Zyklopinnen bewachen schummrige Bars, in denen Junghacker und russische Terrorfürsten ihre letzten Bitcoins versaufen. Es gibt hier auch ein Facebook, aber die Urlaubsfotos dort zeigen nur Gewittertage und verschimmelte Hotelzimmer.</p>
<p class="article even">Wir kommen am Eingangstor des Darknets vorbei, es wird von deutschen Journalisten belagert. Jetzt, wo der Neunfachmörder von München „im Darknet“ seine Tatwaffe gekauft hat, wurden sie von ihren Redaktionen geschickt, um das alles einmal aufzuschreiben, die Sache mit dem Hidden Wiki und all den Webshops für Waffen und Drogen und so weiter.</p>
<p class="article odd">Vor allem für die älteren Journalisten ist das Darknet ein Sehnsuchtsort. Es erinnert sie an lange vergangene Zeiten, als das Internet noch eine undurchsichtige Angelegenheit war: zugänglich nur mit Spezialwissen, ästhetisch anspruchslos, langsam, konspirativ, anonym. Verstanden wurde das Netz damals als kohärenter Ort, man konnte „hineingehen“, etwa durch „Portale“, drinnen „traf“ man andere Leute in „Räumen“, immer überlagert von der noch älteren Idee eines Cyberspace, dessen visuelle Codes durch ein paar wegweisende Werke – „Tron“, „Neuromancer“, Neal Stephensons Metaverse, „Matrix“ – für immer festgelegt sind.</p>
<p class="article even">Das alles hat sich längst erledigt. Allerspätestens durch unsere Smartphones wissen wir, dass „das Internet“ sich überall und nirgends zugleich manifestiert. Heute ist es snackable und shareable, bright und durchgestylt. Das Darknet hingegen ist nicht zu fassen, es ist ein chaotischer und unvermessbarer Ort. Für einen kurzen Moment lang bringt es das Mysteriöse, die Ängste, aber auch die Utopien von damals zurück, und das macht es so faszinierend. Glücklich ist, wer das schwarze Kaninchen kennt.</p>
<p class="article odd">Auf einmal fährt neben uns ein großer Bus vorbei, mit offenem Verdeck. Oben stehen Menschen mit bunten Hemden und machen Fotos. Die Leute vom Darknet lassen jetzt hin und wieder Touristengruppen rein, um sich ein wenig Extra-Bitcoins zu verdienen. Es ist der Anfang vom Ende. Die echten Hacker sind eh schon lange im Opaque Web. Das ist noch viel dunkler, geheimer und größer als alles andere.</p>
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		<title>Eine Minute offline</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2014 14:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Michael Brake ist onlinesüchtig. Kein Extremfall, gerade so abhängig wie jeder von uns. Doch Brake wagt einen nie dagewesenen Selbstversuch. (aus der taz vom 25. Juli 2014) Am Anfang ist es aufregend, ein Projekt! Ich richte ein automatisches Mailreply]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Michael Brake ist onlinesüchtig. Kein Extremfall, gerade so abhängig wie jeder von uns. Doch Brake wagt einen nie dagewesenen Selbstversuch.<span id="more-1904"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!143030/" target="_blank">taz</a> vom 25. Juli 2014)</h3>
<p>Am Anfang ist es aufregend, ein Projekt! Ich richte ein automatisches Mailreply ein („Bin zwischen 16:26 Uhr und 16:27 Uhr nicht zu erreichen, werde Ihre Mails danach gerne beantworten“), deaktiviere mein OK-Cupid-Profil und sage meinen 269 Facebook-Freunden Bescheid. Soll sich ja niemand auf den Schlips getreten fühlen.</p>
<p>Als der vereinbarte Zeitpunkt näher rückt, macht sich leichte Panik breit. Habe ich auch nichts vergessen? Ist Donnerstag wirklich der richtige Tag für ein derart lebensveränderndes Projekt? Doch es ist nicht mehr aufzuhalten. „Wenn Sie keine Auswahl treffen, wird der Computer in 34 Sekunden automatisch ausgeschaltet.“ So muss es sein, wenn man mit einem Fallschirm abspringt. 4 … 3… 2 … 1 …</p>
<p>Ich bin im Tunnel. Der Monitor ist schwarz. Die Sonne – die Sonne! – scheint, ich kann mich im Spiegeldisplay des Macbooks schemenhaft selbst erkennen. Das bin also ich, 33. Alt sehe ich aus. Ich stehe auf, schaue zu Boden. Ein achtlos dahingeworfenes Papier liegt dort. Ich bücke mich.</p>
<p>In den folgenden 25 Sekunden räume ich die gesamte Wohnung auf, ich schleife die Dielen ab, ich streiche die Zimmer, lese alles von Marcel Proust und die Buddenbrooks, die ich danach auf Suaheli übersetze, weil ich das gerade gelernt habe. Ich rufe alle meine Tanten an, streiche die Zimmer nochmal anders, mache die Steuererklärungen der kommenden zehn Jahre, zeuge ein Kind und sehe ihm dabei zu, wie es erwachsen wird. Man ist ja so PRODUKTIV, wenn man nicht STÄNDIG auf diesen Bildschirm STARRT.</p>
<p>Zufrieden schaue ich mich um. Es ist still. Ich höre ein Lachen vom Innenhof. Was, wenn Ursula von der Leyen gerade etwas Peinliches gesagt hat? Und ich kann keinen der naheliegendsten 200 Witze darüber twittern? Mir wird bewusst, was ich in diesem Moment alles verpasse. <a href="http://pennystocks.la/internet-in-real-time/" target="_blank" shape="rect">Pro Minute werden</a> 342.000 Tweets geschrieben und 120 Stunden Videomaterial auf Youtube hochgeladen. Wann soll ich mir das alles nachträglich anschauen? Ich schaffe ja gerade mal die 2 neuen MySpace-Inhalte.</p>
<p>Was, wenn ich ein komplettes Meme-Referenzsystem verpasse und nicht mehr verstehe, was meine Friends in 24 Sekunden posten? Moment, Ihnen sind meine Sorgen nicht existenziell genug? Was, wenn Merkel zurückgetreten ist? Was, wenn eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde, und sie evakuieren gerade Neukölln, weil in 13 Sekunden die Bombe hochgeht, und ich kriege nix davon mit? Ich könnte das Radio in der Küche anmachen, aber wo ist denn noch mal die Küche? Wie find ich die denn jetzt??? MAN HAT JA DURCH GOOGLE MAPS TOTAL SEINEN ORIENTIERUNGSSINN VERLOREN HEUTZUTAGE!</p>
<p>Erschöpft sinke ich zu Boden und bleibe auf den Dielen liegen. Die Dielen. Das Holz. Meine Augen erobern die fraktal anmutende Schönheit der Astlöcher. Ich atme ein, meine Lunge füllt sich mit dem Duft von Brandenburger Kiefern, meine Füße spüren den märkischen Sand, in dem die Kiefern einst gewachsen sind.</p>
<p>Meine Katze legt sich zu mir, ich streichele ihren Rücken mit allen fünf Fingern der rechten Hand, über 3.000 Berührungs- und Druckrezeptoren werden durch die seidene Struktur ihres Fells aktiviert, ich nehme sie alle gleichzeitig wahr. Kontemplation. Eine Sekunde dauert so lang wie ein Leben dauert so lang wie die Ewigkeit.</p>
<p>Ich bin jetzt ganz bei mir.</p>
<p>&#8230;</p>
<p>&#8230;</p>
<p>Geschafft! Ich könnte jetzt natürlich auch noch eine weitere Minute offline bleiben, aber wem muss ich jetzt noch etwas beweisen? Ich fahre den Computer wieder hoch und … keine neue E-Mail? WTF???</p>
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		<title>Die Gesellschaftskonferenz</title>
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		<pubDate>Thu, 08 May 2014 17:31:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
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		<description><![CDATA[Die re:publica in Berlin ist längst mehr als Geek- und Internetveranstaltung. Es geht um den Fortschritt – und wie wir mit ihm umgehen. (aus der taz vom 8. Mai 2014) Mit ihren 350 Einzelveranstaltungen, meist läuft ein Dutzend parallel, ist]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die re:publica in Berlin ist längst mehr als Geek- und Internetveranstaltung. Es geht um den Fortschritt – und wie wir mit ihm umgehen.<span id="more-1934"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Impressionen-von-der-republica-2014/!138115/" target="_blank">taz</a> vom 8. Mai 2014)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica2014_u__bersicht.jpg"><img class="size-full wp-image-1936 aligncenter" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica2014_u__bersicht.jpg" alt="republica2014_u__bersicht" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Mit ihren 350 Einzelveranstaltungen, meist läuft ein Dutzend parallel, ist die <a href="http://www.re-publica.de/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a> das Internet im Kleinen: Es gibt hier keine lineare Erzählung, keine kollektive Kongressrezeption, keine fertigen Ergebnisse, dafür viele Prozesse und noch mehr Dialoge. Das Überangebot sorgt für Überforderung, kaum wird etwas langweilig, verlassen viele Leute den Raum. Ist es nebenan nicht vielleicht viel spannender? Es ist ein Impressionsgewitter, ein permanenter Input-Overload, von dem man manchmal erst Jahre später weiß, was er einem eigentlich gebracht hat.</p>
<p>–––</p>
<p>Das Überthema Überwachung schwebt bei der ersten re:publica nach Snowden über allem. Den großen Aufschlag macht dabei Sascha Lobo, der durch die NSA-Affäre, die er gar nicht als „Affäre“ verniedlicht sehen will, vom Interneterklärbären zum Internetmahner geworden ist. 70 Minuten lang <a href="http://www.re-publica.de/session/rede-zur-lage-nation" target="_blank" shape="rect">redet er den Zuhörern ins Gewissen</a>, verurteilt die Nichtbereitschaft, die wenigen hart arbeitenden Internet-Lobbygruppen finanziell zu unterstützen, die Müdigkeit, die sich bei diesem Thema längst eingestellt hat, als wäre das Problem gelöst, nur weil es seit einem Dreivierteljahr bekannt ist. Die Regierung verurteilt er auch und bekommt langen Applaus.</p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Es gibt verschiedene Gruppen hier: Die Leute aus Hackerkontexten mit bunten Haaren und sehr fortschrittlichem Genderverständnis. Die Abgesandten aus den Start-ups und Agenturen, Menschen mit gut sitzender Kleidung und jungen, unfertigen Gesichtern. Klassische 40-plus-Businesstypen mit Anzügen und Umhängetaschen. Blasse übergewichtige Nerds, die selbst von deutschen Fernsehfilmregisseuren als zu klischeehaft abgelehnt würden. Und ein großer Rest von Twenty- und Thirty-somethings, der aussieht wie überall in Berlin. Auf dem Hof bleiben diese Gruppen oft unter sich, in den Veranstaltungen diskutieren sie miteinander.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Sehr lobenswert ist die synchrone Untertitelung der Reden auf der Hauptbühne. Also die Idee ist lobenswert, in der Umsetzung wird aus „Pracmatism“ schon mal „Prague mytism“, aus dem NSA-Spähprogramm „Prism“ wird „Prison“ und aus „Godzilla“ ein „bug“. Auf dem Hof erzählt jemand, manche der Reden würden mit automatischer Spracherkennung untertitelt, andere von Menschen. Wenn das stimmt, erkennt man zumindest den Unterschied nicht mehr. Hallo, Zukunft.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Der Veranstaltungsort ist ein ehemaliger Postbahnhof, der Innenraum ist gigantisch weitläufig, manche Säle sind nur von Vorhängen getrennt. Damit man sich nicht gegenseitig stört, finden diverse Veranstaltungen mit Funkkopfhörern statt, wie „Silent Disco“, nur ohne tanzen. Das sieht lustig aus, aber man gewöhnt sich schnell dran – wenn die Dinger nur die Ohren nicht so heiß machen würden. Was auch die Kopfhörer nicht verhindern können, ist das Phantomklatschen: tosender Applaus an völlig falschen Stellen, von der anderen Seite des Vorhangs.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Die Kopfhörer wurden übrigens von einer Bank gespendet. Ohne Sponsoren geht es nicht, erst recht nicht bei den Eintrittspreisen. Im Foyer steht ein ganzes Messestanddorf aus weißen Kisten, eine Schuhfirma ist mit dabei, diverse Start-ups, Baden-Württemberg gleich zweimal. Größere Partner kriegen Veranstaltungsslots, einer hat den bemitleidenswerten David Hasselhoff auf die Bühne gezerrt. Den wichtigsten Sponsoren wird bei der Begrüßung gedankt: „Unser größter Partner ist wieder Daimler, diesmal mit dem Schwerpunktthema Mobilität.“ Die Leute lachen. „Äh, ja, also eMobility.“ Das schönste Sponsorengimmick aber haben alle Teilnehmer in ihren Kongresstaschen: eine Packung Kekse in Form von Facebook-Like-Daumen.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Noch ein paar Zahlen: 6.000 Besucher sind da, 1.000 mehr als letztes Jahr. 40 Prozent von ihnen sind Frauen, bei den Speakern sieht es genau so aus. Über 324.000 von diesen Gratiskeksen wurden verteilt. Und es waren rund 600 Journalisten da, der häufigste Vorname bei den Männern: Michael. Ähem.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Den besten Kaffee mit den kürzesten Schlangen gibt es in der Jazz-Bar gleich hinterm Eingang. Nur das mit dem Kassiersystem funktioniert nicht so richtig: Es ist ein iPad-Interface, das irgendwie mit der Analogkasse verbunden ist, die aber nicht dann aufgeht, wenn sie soll. „Die ist einfach zu schnell für das Scheißding“, sagt eine chefartige Person. Kurz danach kommen 15 Bons auf einmal aus dem Drucker. Man entscheidet sich dann, den Kaffeekonsum mit einer Strichliste zu dokumentieren.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Die Keynote halten </span><a style="line-height: 1.5;" href="http://www.re-publica.de/search/node/yes%20men" target="_blank" shape="rect">die Yes Men</a><span style="line-height: 1.5;">, die ihre Kommunikationsguerilla-Methode vorstellen: im Namen großer Organisationen falsche Pressemitteilungen rausgeben oder bei Tagungen Vorträge halten – und dabei immer genau so weit gehen, dass die Leute es noch glauben. Sie zeigen ihren Auftritt bei einer Homeland-Security-Konferenz, auf der sie einen Vortrag über die Abschaffung der fossilen Energien in den USA bis 2030 gehalten haben und wo ein Vertreter des fiktiven Indianerstamms der Wanabis es geschafft hat, dass die Zuschauer einen Rundtanz aufführen. Großes Gelächter im re:publica-Saal. Lustig wäre es jetzt, wenn ein Video von uns in einem halben Jahr auf einer Tea-Party-Konferenz gezeigt wird und dieselben Männer dann erzählen, sie hätten sich auf einer linksliberalen deutschen Netzkonferenz als „Yes Men“ ausgegeben und Quatsch erzählt.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Man sollte, man müsste hier so viel mehr über die Inhalte schreiben, allein, es würde den Rahmen sprengen – doch die meisten Veranstaltungen kann man sich ohnehin auch nachträglich </span><a style="line-height: 1.5;" href="http://youtube.com/user/republica2010" target="_blank" shape="rect">auf YouTube</a><span style="line-height: 1.5;"> anschauen, vieles steht auch in unseren</span><a style="line-height: 1.5;" href="http://taz.de/republica-2014-der-2-Tag/!138033/" target="_blank" shape="rect">Tageszusammenfassungen</a><span style="line-height: 1.5;">. Deswegen hier bloß noch eine Empfehlung: Der Vortrag </span><a style="line-height: 1.5;" href="http://www.re-publica.de/session/unsinn-stiften-performative-aufklaerung-vortrag-im-sinne-des-katersalons" target="_blank" shape="rect">„Unsinn stiften als performative Aufklärung“</a><span style="line-height: 1.5;">, in dem Christiane Frohmann den Unterschied von Entweder-oder- und Und-Menschen erklärt, die Schönheit von computergeneriertem Spam zeigt und brillante Bögen schlägt, von der Aufklärung zu „Serial Mom“, von der Toteninsel zum Cthulhu-Mythos, von Kafka zu Hitlerkatzen.</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Im Hof: „Wie war die Party?“ – „Das war keine Party. Das war einfach nur so ein bisschen Chill-out.“ Woanders im Hof: „Die Party, ja, die war nach objektiven Gesichtspunkten wahrscheinlich Mist. Aber ich komm ja nicht hier her, um zu geiler Musik zu tanzen, sondern um mich mit interessanten Leuten zu unterhalten. Also ich hatte viel Spaß.“</span></p>
<p>–––</p>
<p><span style="line-height: 1.5;">Die re:publica käme ihrem Ziel, eine Gesellschaftskonferenz zu werden, immer näher, sagt Johnny Haeusler bei der Eröffnung. Sie hat es längst erreicht. Denn es geht nicht nur um Bezahlmodelle für Online-Journalismus, um Internethumor jenseits von Katzen, um Wikileaks oder Programmieren, es geht genauso auch um die Geschichten der Pen+Paper-Rollenspiele, um Einhörner, um Cyborgs, um das Leben nach der Apokalypse oder um den Streit der Sprachprogressiven (die mit dem Gender Gap und dem N-Wort) und der Sprachkonservativen (die das alles total albern finden).</span></p>
<p>Denn die re:publica ist keine Technologieveranstaltung, sie ist nicht mal eine Internetveranstaltung. Ihre Klammer ist breiter, es geht um Fortschritt: Wie er sich strukturell darstellt und gestalten lässt, wie wir mit ihm umgehen und was er mit der Gesellschaft und den Individuen macht. Was die Menschen hier eint, ist ihre geistige Bereitschaft, Veränderung als etwas Positives zu begreifen und die Zukunft als Chance zu sehen. Als etwas, an dem wir alle mitarbeiten können.</p>
<p>–––</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Foto: re:publica / Sandra Schink / <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a></em></p>
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		<title>Ferkelmonat Januar</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 05:26:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Prozesse, Mitteilungen und Infos über die Sexvorlieben der Kasachen: Der knallharte Kampf der Pornoseiten um Aufmerksamkeit. (aus der taz vom 31. Januar 2014) „Alter Falter, das glaubt auch keiner der es nicht gesehen hat&#8230;.“ Alter Falter, Spambetreffs werden auch]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Prozesse, Mitteilungen und Infos über die Sexvorlieben der Kasachen: Der knallharte Kampf der Pornoseiten um Aufmerksamkeit.<span id="more-1842"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!132005/" target="_blank">taz</a> vom 31. Januar 2014)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/pornhub_kasachstan.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1843" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/pornhub_kasachstan.jpg" alt="pornhub_kasachstan" width="620" height="310" /></a></p>
<p>„Alter Falter, das glaubt auch keiner der es nicht gesehen hat&#8230;.“ Alter Falter, Spambetreffs werden auch immer bescheuerter. In der Mail dazu geht das so weiter, „das haut einem das Blech weg“. „Mein lieber Scholli“, „da geht einem die Kinnlade runter!“ Wie bitte soll man bei so einem Zum-Bleistift-Vokabular noch von einem seriösen Angebot ausgehen, wie soll man ernsthaft glauben, dass man hier in 39 Minuten eine Technik lernen kann, mit der man in sieben Tagen 4.575 Euro verdient?</p>
<p>Aber man soll sich nicht über Spam beschweren, immer noch besser, als gar keine Mails zu bekommen, wie von meiner Hausverwaltung, die diesen Service leider nicht anbietet. Ich darf aber ein Fax schicken oder dienstags (10–13 Uhr) beziehungsweise donnerstags (14–17 Uhr) anrufen und kann mir außerdem sicher sein, dass die US-Geheimdienste wirklich überhaupt nichts über die Wasserflecken an der Decke wissen.</p>
<p>Seltsam sind auch Mails von Anbietern, die man eher im Schattensegment des Internets verortet, die einem aber ganz hochoffizielle Pressemitteilungen schicken. Vor zwei Wochen kam Post von RedTube, der Pornofilmseite, die nicht klingen will wie eine Pornofilmseite. Sie begrüßte ihren zweimilliardsten deutschen Nutzer und stellte klar: „For close to eight years, viewers have trusted RedTube to deliver a quality adult entertainment experience across a streaming platform.“ Bei RedTube werden Qualität und Vertrauen eben noch großgeschrieben!</p>
<p>Außerdem wurde das Statement der Bundesregierung begrüßt, dass Streaming keine Urheberrechtsverletzung sei, als Reaktion auf <a href="http://www.taz.de/Kommentar-Redtube-Urteil/%21131852/" target="_blank" shape="rect">das laufende Abmahnverfahren gegen RedTube-Nutzer</a>, das, wie <a href="http://twitter.com/mspro" target="_blank" shape="rect">mspro</a> zurecht sagte, in Wirklichkeit ja die optimale PR-Kampagne ist. Die meisten Leute kannten vorher ja gar nichts anderes als YouPorn!</p>
<p>Die Konkurrenz muss sich da eigene PR-Tricks einfallen lassen. Der britische Anbieter Pornhub hat deshalb neulich <a href="http://onlinetaz.hal.taz.de/http://" target="_blank" shape="rect">zum wiederholten Male</a> seine <a href="http://www.theguardian.com/news/datablog/2014/jan/07/pornhub-porn-trends-search-terms-time" target="_blank" shape="rect">Nutzerstatistiken veröffentlicht</a>. 8:56 Minuten verbringt der Durchschnittsuser auf der Seite, Briten brauchen rund eine Dreiviertelminute länger, Amerikaner sind sogar 11 Minuten dabei.</p>
<p>Bei den beliebtesten Suchbegriffen, nach Ländern sortiert, ist fast immer das eigene Land on top, also „German“, „British“, „Italian“, „Japanese“. Dieser Trend zeigt sich übrigens auch in dem <a href="http://www.pornmd.com/sex-search" target="_blank" shape="rect">noch umfangreicheren Datenmaterial</a> der Metaseite PornMD, Ausnahmen bilden so abseitige Länder wie Irland (Topbegriff: „Gangbang“) und Kasachstan („Lesbian Prison“) oder die besonders kreativen Iraner („Pussy“) und Finnen („Sex“).</p>
<p>Von Pornhub lernen wir ferner, dass der beliebteste Onlinepornogucktag in fast allen Ländern – außer Japan – der Montag ist. Und ähnlich beliebt ist auch der Januar, nur Mexiko (März) und wieder Japan (November) scheren hier aus. Klar: Über Weihnachten zerbrechen gerne mal Beziehungen, und überhaupt, bei all den guten Vorsätzen, weniger essen, weniger Alkohol, weniger Spaß, hat man ja auch nix Besseres zu tun als zu Hause zu bleiben und sich einen runterzuholen. Zum Glück ist dieser Ferkelmonat nun endlich vorbei!</p>
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		<title>Sad Cactus und Bizarrocons</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jan 2014 19:44:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Was kommt nach Vadering und Harlem Shake? Unser Onlinetrend-Powerteleskop offenbart einen Blick auf die Supertrends 2014. (aus der taz vom 3. Januar 2014) Hach, 2013, was hast du sie doch bei Laune gehalten, die armen Teufel, die einst]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Was kommt nach Vadering und Harlem Shake? Unser Onlinetrend-Powerteleskop offenbart einen Blick auf die Supertrends 2014.<span id="more-1646"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!130281/" target="_blank">taz</a> vom 3. Januar 2014)</h3>
<p>Hach, 2013, was hast du sie doch bei Laune gehalten, die armen Teufel, die einst als Internetfachredakteure eingestellt wurden und die nun jede verdammte Woche neue lustige „Netztrends“ benötigen, um ihre Rubriken mit Namen wie „Aus dem Netz gefischt“ vollzuschreiben. Trends, die gern aus Asien oder den USA zu uns „rüberschwappen“, um fortan „in Blogs und sozialen Netzwerken“, „auf dem beliebten Kurznachrichtendienst Twitter“, „bei den neuen Fotoblogginganbietern Instagram und Tumblr“ oder gleich im ganzen „Web“ zu „kursieren“.</p>
<p>Und was für ein Jahr: Musikvideos mit schreienden Ziegen, ein Hund namens Doge, Hallway Swimming, Desk Safari, Cat Bearding, Batmanning, Vadering, Mamming, Hadokening, Harlem Shake, Prancercise und 17 Millionen Sorten Selfies. Irre!</p>
<p>Doch wie geht es jetzt weiter, wie soll man das noch toppen, was hält diese verrückte Netzcommunity als Nächstes für uns bereit? Knifflig, denn zwar lassen sich für praktisch alle Bereiche des Lebens ohne Probleme die „Trends 2014“ ergoogeln – für Mode: Midi-Röcke, Gelb, Pastell, Bauchfrei, Durchblick, Pflanzen-Prints, Shorts <em>(<a href="http://www.cosmopolitan.de/bildergalerie/b-26792/modetrends-2014-von-der-berlin-fashion-week.html" target="_blank" shape="rect">Cosmopolitan</a>),</em> für Wohnen: New York Elegance, Venetian Dream, Berlin Independence, Global Rhythm <em>(<a href="http://www.guj.de/presse/pressemitteilungen/schoener-wohnen-kollektion-praesentiert-die-vier-neuen-wohntrends-2014/" target="_blank" shape="rect">Schöner Wohnen</a>),</em> für Autos: Mehr Sicherheit, Kältemittelstarre, Gramm zählen, SUV, Bedeutungsverlust <em>(<a href="http://www.welt.de/motor/article123028922/Die-wichtigsten-Trends-des-Auto-Jahres-2014.html" target="_blank" shape="rect">Die Welt</a>),</em> ja gar für Haarfarben: Karamell, Rosa, Strähnchen färben, multitonale Effekte, Walnuss, Platinblond usw. <em>(<a href="http://www.jolie.de/bildergalerien/haarfarben-2012-trends-1876518.html" target="_blank" shape="rect">Jolie</a>) </em>– nur fürs Internet gibt es so gut wie keine konkreten Ergebnisse.</p>
<p>Allenfalls Subkategorien wie „Social Media Trends 2014“ <a href="http://www.forbes.com/fdc/welcome_mjx.shtml" target="_blank" shape="rect">werfen Listen aus</a> und darin stehen dann so Sachen wie „Investment in Social Media Will Become a Necessity, Not a Luxury“ oder „Image-Centric Networks Will See Huge Success“ (danke, <em>Forbes, </em>uns interessieren aber die Trends von 2014 nach christlicher, nicht nach jüdischer Zeitrechnung).</p>
<p>Doch zum Glück gibt es ja den Onlinetrend-Powermotor „Nullen und Einsen“. Flugs einen Blick durch unser Trendteleskop geworfen, schon offenbaren sich folgende Supertrends am Trendhorizont 2014: Der Sad Cactus wird die neue Grumpy Cat. Emoticons bekommen Ohren. Second Life erlebt seine erste Retrowelle durch die In-Game-App „Third Life“, anschließend gibt es einen Riesenstreit, ob das nun „Postretro“ heißen muss oder ob Space Invaders ab sofort von „Retro“ zu „Klassik“ befördert werden.</p>
<p>Mozilla veröffentlicht 15 neue Firefox-Versionen. Auf Wearables und Driveables folgen Eatables. Es wird ein neuer Buchstabe eingeführt, der die Frage beendet, ob man „geliket“ oder „geliked“ schreiben sollte. Snapchat landet mit seinem sozialen Netzwerk „Vegas“ einen Riesenerfolg: Es ist komplett vom Rest des Netzes abgeschnitten und niemand kann irgendwas rein- oder raussharen („What happens in Vegas, stays in Vegas“). Der Headless- und der Turnaround-Selfie beerdigen den Selfie-Hype.</p>
<p>Dazu kommen noch ein paar selbsterklärende Trends, die hier nicht weiter ausgeführt werden müssen: Schnecking, Overunderism, Fragmented Chats, Boo Birds, Bizarrocons. Und natürlich der Übertrend 2014: das Wittgensteining.</p>
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		<title>The next big thing im WTF-Marketing</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Dec 2013 19:44:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Neues von der Bullshit-Front: Click + Collect verbindet das Schlechteste aus dem Online- und Offline-Shopping. (aus der taz vom 6. Dezember) Bei Karstadt am Hermannplatz steht es, passend zum Weihnachtsgeschäft, groß im Schaufenster: „Click + Collect“. Was klingt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Neues von der Bullshit-Front: Click + Collect verbindet das Schlechteste aus dem Online- und Offline-Shopping.<img title="Weiterlesen …" src="http://michaelbrake.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /> <span id="more-1647"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!128849/" target="_blank">taz</a> vom 6. Dezember)</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Karstadt_ClickCollect.jpg"><img class="size-full wp-image-1657 aligncenter" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Karstadt_ClickCollect.jpg" alt="Karstadt_ClickCollect" width="620" height="301" /></a></p>
<p>Bei Karstadt am Hermannplatz steht es, passend zum Weihnachtsgeschäft, groß im Schaufenster: „Click + Collect“. Was klingt wie ein Computerspielgenre aus den 80ern (Jump + Run, Hack + Slay, Point + Click) ist in Wirklichkeit das nächste große Ding im WTF-Marketing. Beziehungsweise im Multichannel-Marketing, wie diese Bullshit-Unterkategorie offiziell heißt.</p>
<p>Click + Collect bedeutet: Zu Hause am Computer die Waren aussuchen und sie sich dann im stationären Handel abholen. Sprich: Man kann die Sachen vorher nicht anfassen und ausprobieren, sie werden aber auch nicht nach Hause geliefert.</p>
<p>Also das Schlechteste aus zwei Welten, ein wenig so, als würde man in ein Kino im Nachbarbezirk fahren, eine Viertelstunde anstehen und sieben Euro für eine Karte bezahlen, mit der man einen Film dann zu Hause und nur zu einer bestimmten Zeit auf dem 11-Zoll-Laptopbildschirm mit Scheppersound gucken kann. Und vor einem sitzt ein Mann, der seinen Zylinder nicht abnimmt, und schmatzt ganz laut.</p>
<p>Laut Wikipedia ist das Konzept aber sehr erfolgreich. „Mittlerweile wird der Großteil der Kaufentscheidungen in zahlreichen Non-Food-Bereichen online gefällt, sprich die Konsumenten recherchieren im Internet, bevor sie offline, also in den Filialen, kaufen“, steht <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Click_and_Collect" target="_blank" shape="rect">im Click+Collect-Artikel</a>. „Dieses Phänomen wird auch als ’ROPO-Effekt‘ bezeichnet. ROPO ist dabei ein Akronym von ’research online, purchase offline‘“</p>
<p>Das ist irre, denn bisher kannte ich nur den ROPO-Effekt („research offline, purchase offline“), den ROPO-Effekt („research offline, purchase online“) und natürlich den berühmten ROPO-Effekt („research online, purchase online“). Beim vorangegangenen Satz denken Sie sich bitte die Stimme von diesem Sprecher, der immer bei Stefan Raab <a href="http://vimeo.com/31343608" target="_blank" shape="rect">die Beiträge vertont</a>.</p>
<p>Click + Collect + Co sind dabei in erster Linie eine Reaktion auf das „Showrooming“, bei dem wir Kunden die Kaufhäuser, Klamottenläden und Elektronikgeschäfte nur noch als Ausstellungsraum zum An- und Ausprobieren nutzen, beim geschulten Fachpersonal ein paar Beratungsleistungen abgreifen und schließlich, am besten noch direkt vor Ort, im Smartphone nachschauen, bei welchem Webshop das Zeug billiger zu haben ist (und es gibt immer einen, schließlich sparen die sich Verkaufsflächen und Mitarbeiter). In Australien hatte deswegen ein Ladenbesitzer sogar damit angefangen, von seinen Kunden <a href="http://www.sueddeutsche.de/geld/einkaufsphaenomen-showrooming-nur-mal-gucken-kostet-fuenf-dollar-1.1633568" target="_blank" shape="rect">fünf Dollar zu nehmen</a>, wenn sie „nur mal gucken wollen“, und diesen Eintrittspreis später mit dem Kauf zu verrechnen.</p>
<p>Von daher ist der Versuch verständlich. Wenn man doch aber bloß die, äh, Benefits des Verfahrens ein bisschen überzeugender rüberbringen würde! In Karstadts Pressemitteilung <a href="http://www.presseportal.de/pm/16971/2365261/karstadt-staerkt-online-geschaeft-neuer-service-bei-karstadt-de-click-collect" target="_blank" shape="rect">zum Click + Collect-Start</a> vor rund einem Jahr stand stolz: „Dies hat entscheidende Vorteile: Der Kunde spart nicht nur die Versandkosten, er kann außerdem die Ware direkt vor Ort anprobieren, ein passendes Accessoire dazu finden und sich beraten lassen.“ Das klingt total einleuchtend … aber wo war da gleich der Unterschied zum ganz normalen Kaufhauskauf (ROPO)?</p>
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		<title>Die Entdeckung der Fischkoppness</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Nov 2013 19:58:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von St. Petersburg zu Pu der Bär in weniger als fünf Schritten: Eine Reise auf den wunderbaren Wegen der Serendipidingsbums. (aus der taz vom 8. November 2013) Es gibt kein Wort, das ich so schlecht aussprechen oder aufschreiben]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN<img title="Weiterlesen …" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /> Von St. Petersburg zu Pu der Bär in weniger als fünf Schritten: Eine Reise auf den wunderbaren Wegen der Serendipidingsbums.</h3>
<h3><span id="more-1649"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!127066/">taz</a> vom 8. November 2013)</h3>
<p>Es gibt kein Wort, das ich so schlecht aussprechen oder aufschreiben kann wie Serendipität. Jedes Mal verdreht sich mein Gehirn und ich muss nachschlagen, ob es nun <a href="http://riesenmaschine.de/?nr=20121118013939" target="_blank" shape="rect">Serendipidität</a> heißt oder doch nur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipit%C3%A4t" target="_blank" shape="rect">Serendipität</a>. Ich versuche, es mir auf Englisch vorzusagen, aber scheitere nur noch mehr. Alles klingt falsch! Immer!</p>
<p>Dabei beschreibt das Wort doch etwas so Schönes: Das Zufallsfundprinzip, das Entdecken von Dingen, von denen man nicht mal wusste, dass es sie gibt, geschweige denn dass man nach ihnen gesucht hat.</p>
<p>Wikipedia ist dabei das junge Königreich der Serendipität. Neulich suchte ich, inspiriert von einer Erkundung der Ostsee auf GoogleMaps, nach der nördlichsten Millionenstadt der Welt. Das ist tatsächlich St. Petersburg, wie im Wikipedia-Beitrag <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%B6rdlichste_Orte_der_Erde" target="_blank" shape="rect">Nördlichste Orte der Erde</a> steht, der nicht nur auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdlichste_Orte_der_Erde" target="_blank" shape="rect">Südlichsten Orte der Erde</a> verweist (St. Petersburgs Gegenstück ist Melbourne), sondern auch auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nordizit%C3%A4t" target="_blank" shape="rect">Nordizität</a>.</p>
<p>Die Nordizität ist eine Erfindung des kanadischen Geographen Louis-Edmond Hamelin und beschreibt die Nördlichkeit („Fischkoppness“ jubelt M. im Facebookchat) eines Ortes anhand von zehn Faktoren, zu denen die Erreichbarkeit, die Eisartigkeit, das BIP und der Niederschlag zählen. Die maximale Nordizität eines Ortes ist 1.000, was aber nur der Nordpol erreicht (womit also ein niedriges BIP ein Anzeichen für Nordizität sein muss, das finde ich ziemlich südistisch).</p>
<p>Ich muss an das Lied <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fi92_ka9Mvk" target="_blank" shape="rect">„Die langweiligsten Orte der Welt“</a> denken, in dem „Das flachste Meer der Erde“ besungen wird, was wiederum, Kreise schließen sich, die Ostsee ist, an Pu der Bärs Expedition zum Nordpol, wo Christopher Robin sagt: „Ich nehme an, dass es auch einen Ostpol und einen Westpol gibt, obwohl man allgemein nicht gern über sie spricht“, ferner an den Rattenfänger von Hameln, und seit Tagen blitzt immer wieder das Wort „Geschiebemergel“ in meinem Kopf auf und verschwindet schnell wieder.</p>
<p>Es gibt ein Spiel, das diese ungeplante Wissensvermehrung zum, äh, Spiel macht: „The Six Degrees of Wikipedia“ (TSDoW), was auf Stanley Milgrams „The Six Degrees of Separation“ (bei uns bekannt als Kleine-Welt-Phänomen) genauso anspielt wie auf den Filmnerd-Schwanzvergleich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Six_Degrees_of_Kevin_Bacon" target="_blank" shape="rect">„The Six Degrees of Kevin Bacon“</a>. Ziel von TSDoW ist, mit möglichst wenig Klicks von einem Beitrag zu einem anderen zu kommen.</p>
<p>Auf der <a href="http://https//www.taz.de/Netzkonferenz-republica-3-Tag/!115973/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a> hatte ich es im Mai zum ersten Mal live gesehen, „Wir wollen nur kurz was nachschlagen und fünf Stunden später stellen wir fest, wir wissen jetzt alles über Quantenbotanik, aber nicht, wie wir dahin gekommen sind“, sagte der Moderator dort, und danach wurde der Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arthrose" target="_blank" shape="rect">Arthrose</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_%28Deutschland%29" target="_blank" shape="rect">Einkommenssteuer (Deutschland)</a> beschritten und von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisen" target="_blank" shape="rect">Eisen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_Bescherung" target="_blank" shape="rect">Schöne Bescherung</a>. Zwischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwei%C3%9Fen" target="_blank" shape="rect">Schweißen</a> bis <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis" target="_blank" shape="rect">Antarktis</a> liegen gerade einmal fünf Artikel: Eisenzeit -&gt; Frühgeschichte -&gt; Nordamerika -&gt; Arktischer Ozean -&gt; Arktis (da ist sie schon wieder!).</p>
<p>Gegangen bin ich, als es von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heesters" target="_blank" shape="rect">Johannes Heesters</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mom_I%27d_Like_to_Fuck" target="_blank" shape="rect">Mom I&#8217;d Like to Fuck</a> ging. Ich brauchte ein neues Bier. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
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		<title>Atombombenstarke Niedlichkeit</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Aug 2013 19:32:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Auch 2013 bleiben Katzen die Flauschköniginnen des Netzes. Warum eigentlich Katzen? Warum keine Wiesel, Hunde oder Pinguine? (taz.de vom 8. August 2013) Wisst ihr noch? 2012? Das Jahr des Hasen – das in Vietnam das Jahr der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Auch 2013 bleiben Katzen die Flauschköniginnen des Netzes. Warum eigentlich Katzen? Warum keine Wiesel, Hunde oder Pinguine?<span id="more-1558"></span> (<a href="http://taz.de/Kolumne-zum-Weltkatzentag/!121217/" target="_blank">taz.de</a> vom 8. August 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/weltkatzentag2013.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1565" alt="weltkatzentag2013" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/weltkatzentag2013.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Wisst ihr noch? 2012? Das Jahr des Hasen – das in Vietnam <a href="http://www.vivatier.com/Artikel/Das_Jahr_des_Hasen,_pardon_der_Katze" target="_blank" shape="rect">das Jahr der Katze ist</a> – war gerade vorüber und die Apocatlypse stand bevor. Katzen <a href="http://www.wasmitmedien.de/2012/05/02/rp12-tag-1/" target="_blank" shape="rect">abgewertet von AAA auf AA+</a>, Eulen und Igel auf dem Vormarsch. Ein Ende der Ailurokratie im Internet drohte.</p>
<p>Die Sache wurde abgeblasen und 2013 ist wieder ganz in Katzenhand, Erfolgsmeldungen überall: <a href="http://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/futterbranche-im-wandel-trendtier-katze-verdraengt-wellensittich_aid_1051207.html" target="_blank" shape="rect">„Trendtier Katze verdrängt Wellensittich“</a> +++ <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/lammert-lehnt-aenderung-der-hausordnung-ab-weiter-hundeverbot-im-bundestag/8556600.html" target="_blank" shape="rect">„Weiter Hundeverbot im Bundestag“</a> +++<a href="http://www.zeit.de/news/2013-06/10/d-katzen-hunden-und-frettchen-reisen-in-der-eu-kuenftig-einfacher-10160402" target="_blank" shape="rect">„Katzen, Hunden und Frettchen reisen in der EU künftig einfacher“</a>+++ <a href="http://www.immo-site.de/bundesgerichtshof-generelles-hunde-und-katzenverbot-unwirksam-9977.html" target="_blank" shape="rect">„Generelles Hunde- und Katzenverbot im Mietvertrag unwirksam“</a>. Zusätzlich eröffnen jede Woche gefühlt drei Katzencafés, gerade erst <a href="http://www.berliner-zeitung.de/berlin/katzencaf--in-neukoelln-macchiato-mit-mieze,10809148,23887902.html" target="_blank" shape="rect">eins in Neukölln</a>, und die Igel – die lieben, die dummen Igel! – sind inzwischen ausgestorben oder so, man hört ja nichts mehr von ihnen.</p>
<p>Aber warum sind es denn eigentlich immer wieder Katzen im Internet? Und nicht Gürteltiere, Wiesel, Wellensittiche oder gar Hunde? Warum selbst Pinguine <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4YuWLKQ5e54" target="_blank" shape="rect">nur in Ausnahmefällen</a>?</p>
<p>Eine Theorie: Hundebesitzer konnten sich schon immer auf der Straße und im Park erkennen, sie können sich dort austauschen und ihre Hunde bestaunen. Katzenbesitzer können das erst, seitdem es das Internet gibt und haben starken Nachholbedarf. Oder anders: Katzen sind im Internet auch deshalb populär, weil sie dort rumliegen, wo das Internet gemacht wird, nämlich in Wohnungen bzw. auf den Unterarmen der Netznutzer. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Katzen mit dem Durchbruchs des mobilen Internets vor einer riesigen neuen Herausforderung stehen. Auf Instagram sieht man schon heute gefühlt so viele Hunde wie Katzen.</p>
<p>Auch der große Denker und Katzenfreund <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/" target="_blank" shape="rect">Peter Glaser</a> sieht den technischen Fortschritt als Erklärung. Im 20. Jahrhundert seien, so Glaser, in den Medien fast ausschließlich Tiere präsent gewesen, die sich dressieren lassen, vor allem im Bewegtbild, wo man stets vorher mühsam die Kamera einrichten musste.</p>
<p>Das, was wir alle so gern auf YouTube bestaunen, seien aber die kleinen Wunder des Lebens, die sekundenlangen Momente der Unplanbarkeit. Deshalb gehörten die unberechenbaren Katzen zu den prädestinierten Wunderproduzenten. Und deshalb, so Glaser, könnten wir erst jetzt, wo jedes kleine Gadget eine integrierte, schnell auslösende Kamera hat, die Augenblicksgeschwindigkeit der Katzen überhaupt einfangen.</p>
<p>In diese Richtung geht auch <a href="http://katjadittrich.de/" target="_blank" shape="rect">Katja Berlin</a>, die Autorin des Klolektüre-Instant-Klassikers „Cat Content – SMS von meinem Kater“: Katzen produzieren gute Pointen „weil es so unvorhersehbar ist, man kann Katzen nicht dressieren oder trainieren, darauf, dass sie lustige Dinge zu machen, sondern es lebt von so einer unfreiwilligen Komik“, sagt sie <a href="http://www.fritz.de/neues_wort/multimedia/2013/04/internetgeheimnisse.html" target="_blank" shape="rect">im Radiointerview</a>.</p>
<p>Und noch eine These <a href="http://www.steadynews.de/allgemein/das-phanomen-katze-im-internet-warum-sind-katzen-meme-und-nicht-hunde-video" target="_blank" shape="rect">aus dem Internet</a>: Weil Katzen sich nicht beherrschen lassen, weil sie in ihrem Wesen elegant und unantastbar sind, ist jeder Bruch von diesem Bild ein Ereignis. Ein Hund ist schon blöd genug, den muss man nicht auch noch dabei zeigen, wie er sich zum Löffel macht (kann man aber <a href="http://www.buzzfeed.com/mattbellassai/dogs-who-are-too-stupid-for-their-own-good" target="_blank" shape="rect">trotzdem</a>). Katzen hingegen „bewegen sich normalerweise so elegant und graziös, dass jeder Fehltritt und jede tollpatschige Geste absurd und komisch wird – der Kaiser ist mal wieder splitternackt.“</p>
<p>Gut. Theorie. Boring. In Wirklichkeit sind Katzen natürlich aus einem viel einfacheren Grund so beliebt: Weil sie die beiden Kardinaltugenden der Tierreichs – Flauschigkeit und Awwwwwwigkeit – optimiert in sich vereinen. Oder um es mit den Worten Peter Glasers zu sagen: Wegen ihrer atombombenhaften Niedlichkeit.</p>
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		<title>„Ich spreche Lolspeak“</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Aug 2013 19:25:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kate Miltner schrieb ihre Masterarbeit über Katzenfotos mit albernen Texten. Ein Gespräch über Allergie, Dummheit und Cheeseburger. (aus der taz vom 8. August 2013)   taz: Frau Miltner, Sie haben Ihre Masterarbeit über Katzenfotos geschrieben, die mit albernen Texten in absichtlich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kate Miltner schrieb ihre Masterarbeit über Katzenfotos mit albernen Texten. Ein Gespräch über Allergie, Dummheit und Cheeseburger.<span id="more-1532"></span><!--more--> (aus der <a href="http://taz.de/Social-Media-Forscherin-ueber-Netzkatzen/!121397/" target="_blank">taz</a> vom 8. August 2013)</h3>
<p style="text-align: center;"> <a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Magical-Kitty-lol-cats-30656645-1280-800.png"><img class="size-full wp-image-1552 aligncenter" alt="-Magical-Kitty-lol-cats-30656645-1280-800" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Magical-Kitty-lol-cats-30656645-1280-800.png" width="620" height="446" /></a></p>
<p><strong>taz: Frau Miltner, Sie haben Ihre Masterarbeit über Katzenfotos geschrieben, die mit albernen Texten in absichtlich falschem Englisch im Internet verbreitet werden – allgemein als Lolcats bekannt. Sind Sie ein Nerd, eine Katzenverrückte oder beides zusammen?</strong></p>
<p><strong>Kate Miltner: </strong>Also, meine erste Internetseite habe ich 1997 online gestellt, als Teenagerin, das war eine Fanpage zur Fernsehserie „Akte X“. Gegen Katzenhaare hingegen bin ich allergisch. Die Lolcats habe ich wegen ihrer kulturellen Bedeutung als Thema gewählt– und nicht, weil ich so gerne Katzen mag.</p>
<p><strong>Und an welcher Uni kann man bitte zu Lolcats eine Abschlussarbeit schreiben?</strong></p>
<p>An der London School of Economics, im Fach „Media and Communications“.</p>
<p><strong>Wie sind Sie auf Ihr Thema gekommen?</strong></p>
<p>Der Ursprung war ein Seminar meiner Professorin Sonia Livingstone. Dort habe ich gelernt, dass man bei der Untersuchung von Kulturerzeugnissen nie auf den Inhalt – den „Text“ – schauen sollte, sondern immer nur auf die Reaktion des Publikums, selbst wenn es sich um die dümmsten TV-Sendungen handelt. Wenn etwas wirklich beliebt ist, erfüllt es für die Menschen offensichtlich irgendeine Funktion, es befriedigt ein Bedürfnis. Der Gedanke hat mich ziemlich gepackt, dieses Phänomen wollte ich untersuchen.</p>
<p><strong>Und warum genau an Lolcats?</strong></p>
<p>Ich wollte über etwas forschen, worüber noch nie jemand zuvor geforscht hatte, zur Literatur etwas komplett Neues beisteuern. Außerdem interessieren mich Internetmeme, und ich will verstehen, was dafür sorgt, dass einzelne Meme durch die Decke gehen. Das wäre nun aber ein zu großes Thema für eine Masterarbeit, also habe ich schließlich die Lolcats als Fallstudie gewählt – wegen ihrer breiten und lang anhaltenden Anziehungskraft.</p>
<p><strong>Wie lange gibt es die Lolcats denn schon?</strong></p>
<p>Zum ersten Mal sind sie im Internet 2005 aufgetaucht. Im August 2007 gab es den ersten Zeitungstext über Lolcats, im <em>Wall Street Journal,</em> dadurch haben sie noch mehr Fahrt aufgenommen und sind dann langsam in den Mainstream übergegangen.</p>
<p><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/HAPPYCAT_I_CAN_HAS_CHEEZBURGER.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1554" alt="HAPPYCAT_I_CAN_HAS_CHEEZBURGER" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/HAPPYCAT_I_CAN_HAS_CHEEZBURGER.jpg" width="310" height="452" /></a>2005, das sind acht Internetjahre, also quasi achthundert Menschenjahre. Wie konnten Lolcats so ungewöhnlich lange überleben?</strong></p>
<p>Vor allem weil sie zwischendurch von einer Community zu einer anderen gewechselt sind – was eigentlich nicht vorgesehen war. Ich habe bei meiner Forschung drei verschiedene Lolcat-Nutzergruppen identifiziert.</p>
<p><strong>Welche sind das?</strong></p>
<p>Da sind einmal die „Casual User“, die Lolcats bloß nebenbei konsumieren, meistens bei der Arbeit, wenn sie Fotos via Mail oder Facebook geschickt bekommen. Sie haben sonst aber keine tiefere Bindung an Lolcats und erzeugen auch keine eigenen Bilder. Die „Meme Geeks“ hingegen sind aktive Nutzer, sie haben Lolcats in den Anfangsjahren groß gemacht, erst auf Seiten wie <a href="http://www.somethingawful.com/" target="_blank">Something Awful</a> und dann vor allem bei <a href="http://www.4chan.org/" target="_blank">4chan</a>. Normalerweise wäre das Mem irgendwann verbraucht gewesen, aber dann wurde <a href="http://icanhas.cheezburger.com/">icanhas.cheezburger.com</a> groß.</p>
<p><strong>Was ist das für eine Seite und welche Rolle spielt sie?</strong></p>
<p>Sie tauchte um den Jahreswechsel 2006/2007 auf und bestand zunächst nur aus einem einzigen Foto. Es zeigte Happycat, eine graue Kurzhaarkatze aus Russland, versehen mit dem Text „I can has cheezburger?“. Daraus hat sich mit dem Cheezburger Network ein kleines Imperium gebildet, zu dem zahlreiche Seiten gehören, außerdem ein Forum und ein Programm, mit dem man auch ohne Fotobearbeitungskenntnisse sehr schnell eigene Lolcat-Bilder bauen kann. So kamen die „Cheezfrenz“ als Fangruppe hinzu, die bis heute aktiv sind.</p>
<p><strong>Okay, die Casual User sind halbwegs klar. Aber Meme Geeks? Cheezfrenz? Was soll das sein? Wie unterscheiden sich die Gruppen?</strong></p>
<p>Die Meme Geeks sind eher männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie sind sehr internetaffin und beschäftigen sich auch mit anderen Memen. Unter den Cheezfrenz befinden sich hingegen überdurchschnittlich viele Frauen, sie sind außerdem älter und eher durch ihre Liebe zu Katzen zu den Lolcats gekommen. Früher war Lolcat-Humor auch bösartiger und aggressiver, das hat sich durch die Cheezfrenz geändert.</p>
<p><strong>Was macht den Lolcat-Humor denn überhaupt aus?</strong></p>
<p>Im Wesentlichen zwei Aspekte. Zum Einen gibt es die anthropomorphe Distanz: Wir lachen eigentlich über uns selbst, aber projizieren das auf Katzen, weil uns das leichterfällt. So kann man Lolcats auch nutzen, um Gefühle auszudrücken.</p>
<p><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/why_no_one_comes_to_my_party-40490.jpg"><img class="size-full wp-image-1553 alignright" alt="why_no_one_comes_to_my_party-40490" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/why_no_one_comes_to_my_party-40490.jpg" width="310" height="414" /></a>Wie das?</strong></p>
<p>Ich habe von einer Frau gehört, deren Freund mit ihr Schluss gemacht hat. Ihre Freundin schickte ihr eine Lolcat mit der Aussage: „Er ist ein Trottel, es tut mir leid“, um sie aufzumuntern. Oder anstatt zu schreiben: „Ich hatte einen schlechten Tag“, kann man eben auch eine Lolcat online stellen. Mitunter verstehen dann nur gute Freunde die wirkliche Botschaft und erkundigen sich nach dem Wohlbefinden, während Unbeteiligte denken, das ist nur wieder so ein Katzenfoto – ein Phänomen, das Danah Boyd als „soziale Steganographie“ bezeichnet hat.</p>
<p><strong>Und was ist der andere Aspekt?</strong></p>
<p>Insiderwitze. Sie sind ein wesentlicher Teil des Lolcat-Phänomens. Man bringt kulturelle Referenzen an oder schafft sich eigene, die nur wenige Menschen verstehen, und fühlt sich so als Teil eines exklusiven Clubs. Hierbei ist auch Lolspeak wichtig, also das absichtlich falsche Englisch, das die Katzen sprechen – es braucht einige Zeit, um alle Lolspeak-Regeln zu meistern, was dabei hilft, die Grenze zwischen den Insidern und den Leuten draußen zu definieren. Lolspeak benutzen die Cheezfrenz auch, um untereinander zu kommunizieren, etwa auf ihrem Blog <a href="http://cheeztowncryer.wordpress.com/" target="_blank">„Cheeztown Cryer“</a>, wo sie sich mitunter auch über ernste Themen wie schwere Krankheiten oder den Tod ihrer Tiere in Lolspeak austauschen.</p>
<p><strong>Wie lange haben Sie gebraucht, um Lolspeak zu lernen?</strong></p>
<p>Das weiß ich nicht mehr genau. Und ich spreche auch kein flüssiges Lolspeak. Aber ich kann Mails verfassen, und sie werden akzeptiert.</p>
<p><strong>Machen einem Lolcats überhaupt noch Spaß, wenn man sich so intensiv mit ihnen beschäftigt?</strong></p>
<p>Ich konnte mit Leuten stundenlang über Lolcats reden, manche brachten ihre Katzen mit zum Videochat – ich hatte noch nie so viel Spaß bei der Arbeit und mag Katzen jetzt sogar noch mehr!</p>
<p><strong>Was können wir durch Lolcats lernen?</strong></p>
<p>Sie helfen uns, zu verstehen, dass die Dinge, die wir online so machen, vielleicht albern wirken, aber dennoch wichtige Funktionen erfüllen: mit anderen Menschen in Kontakt treten, Gefühle ausdrücken, an kulturellem Austausch teilhaben, Gemeinschaften bilden. Das alles geht mit jeder Art von Inhalten, auch mit Katzenfotos.</p>
<p><strong>Machen Sie denn auch selbst Lolcat-Bilder?</strong></p>
<p>Ja. Bei meinem letzten Job haben wir ständig Lolcats im Büro ausgetauscht, ich habe schon ganze Unterhaltungen nur durch den Einsatz von Lolcats geführt. Das habe ich aber schon vor der Masterarbeit gemacht, 2008 war ich sogar als Lolcat verkleidet bei Halloween.</p>
<p><strong>Ach was. Als welche?</strong></p>
<p>Als HappyCat. Mein damaliger Freund war ein Cheeseburger.</p>
<p><em><strong><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kate-miltner.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1549" alt="kate-miltner" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kate-miltner.jpg" width="131" height="131" /></a>Kate Miltner</strong> lebt in Boston und arbeitet nach ihrem Abschluss an der London School of Economics als Social Media Reseach Assistent für Microsoft.</em></p>
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		<title>Was Spione halt so machen</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jul 2013 19:45:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Überwachungshysterie verfolgt einen in diesen Tagen bis ans Ende der Welt. Wir sollten uns alle ein Beispiel an James Bond nehmen. (aus der taz vom vom 19. Juli 2013) 50 Euro Belohnung verspricht der Aushang. „Am]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Überwachungshysterie verfolgt einen in diesen Tagen bis ans Ende der Welt. Wir sollten uns alle ein Beispiel an James Bond nehmen.<span id="more-1568"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!120210/" target="_blank">taz</a> vom vom 19. Juli 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/drohneentflogen.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1569" alt="drohneentflogen" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/drohneentflogen.jpg" width="310" height="365" /></a>50 Euro Belohnung verspricht der Aushang. „Am 26. 6. vom Parkplatz ’Nordstrand‘ startete ich meinen Quadcopter DJI Phantom in Richtung der beiden Leuchttürme von Kap Arkona. Leider kam mein Fluggerät nicht zurück und ging irgendwo im ’Gelände‘ verloren. Unter dem Quadcopter hing eine GoPro Hero 3 Kamera.“ So sieht also die Zukunft aus, „Drohne entflogen“ wird das neue „Hund/Katze entlaufen“. Nur die beiden Fotos <a href="http://twitter.com/freelancepolice/status/357865592306425857" target="_blank" shape="rect">auf dem Zettel</a> sind nicht mitleiderregend genug. Drohnen haben keine traurigen Augen. Noch nicht.</p>
<p>Bei Flugdrohnen mit Kameras denkt man ganz schnell wieder an Überwachung, man kommt von dem Thema in diesen Tagen einfach nicht los, auch nicht im Rügen-Urlaub. Weil ich da mal Zeit für so was habe und ja auch nicht den ganzen Tag im „Gelände“ verbringen kann, lese ich im analogen Feedreader (= alte Zeitungen) und stolpere über ein taz-Interview, in dem die NSA <a href="http://www.taz.de/!119017/" target="_blank" shape="rect">als „die geheimste Behörde der Welt“ bezeichnet wird</a>. Die geheimste! Wäre das nicht eher eine, über die nicht alle reden?</p>
<p>Abends schaue ich auch mal wieder Fernsehen, Zuhause geht das ja gar nicht, weil der von meinen Eltern importierte 70er-Jahre-Designfernseher, ein echter Esslinger!, sich nicht mit der digitalen Empfangstechnik verträgt. Ich weiß jetzt also, dass ich diese nachvorngelehnte, inswortfallende, obergewitzte Interviewtechnik von Markus Lanz ganz grauenvoll finde, und in Ina Müller habe ich mich ein wenig verliebt.</p>
<p>Zwischendurch reden bei Maybrit Illner schon wieder Menschen über den NSA-Skandal und am letzten Abend läuft „Liebesgrüße aus Moskau“. Es geht um eine Dechiffriermaschine, und als James Bond vom Flughafen abgeholt wird, verfolgt ihn ein Auto. „Wir werden beschattet, hat das einen besonderen Grund?“ – „Es sind Bulgaren, sie arbeiten für die Russen. Sie verfolgen uns, wir verfolgen sie. Das tut der Freundschaft keinen Abbruch.“</p>
<p>Ja, so war das damals, alles noch ein wenig entspannter. Auf eine Art verstehe ich die heutige Empörung um den NSA-Skandals ohnehin nicht so recht, meine Empörungssensoren sind aber auch extrem unterausgeprägt, das war schon immer so. Was sollen Spione denn bitte sonst machen, wenn nicht spionieren? Bloß dass sie bei Sean Connery noch kein Internet hatten, sondern bloß mit einem Periskop von unten in das russische Konsulat schauen konnten. Aber damals sagte man ja auch noch „Ich lasse meine Zigeuner für mich arbeiten“ und als Gadget gab es einen Agentenkoffer, mit dem man richtig schießen kann. Wie im <em>Yps-</em>Heft.</p>
<p>Zurück in Berlin probiere ich den <a href="http://https//www.google.de/search?q=Anzeigenvorgaben-Manager&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;channel=fflb&amp;gws_rd=cr" target="_blank" shape="rect">Google-Anzeigenvorgaben-Manager</a> aus, von dem mir <a href="http://taz.de/Datenskandale-und-Online-Werbung/!119314/" target="_blank" shape="rect">Kollege Gernert</a> erzählt hat. Da kann ich sehen, was Google glaubt, was mich interessiert, basierend auf Suchanfragen und besuchten Websites. Einiges stimmt: Katzen, Berlin, Sportnachrichten. Einiges stimmt nicht, ist aber erklärbar: Wetter, Rezepte. Und manches ist einfach auch totaler Unsinn: Saarland? Egoshooter? Kosmetikartikel? Ostasiatische Musik? Toyota???</p>
<p>Zu meinen Interessen zählen demnach auch „Geheimdienste und Terrorismusbekämpfung“. Man kommt von dem Thema in diesen Tagen wirklich nicht los.</p>
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		<title>Von Mondfahrzeugen und ASCII-Kühen</title>
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		<pubDate>Fri, 24 May 2013 19:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe. (aus der taz vom 24. Mai 2013) Anmerkung: Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wikipedia, der Tinten-Verbauch von Arial und Quanten-Computing: 14 Dinge, die ich bei der Re:publica gelernt habe.<span id="more-1743"></span> (aus der taz vom 24. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkung: <em>Diese Kolumne ist nur in der Print-taz erschienen und eine sehr, sehr knappe Zusammenfassung meiner Tagesberichte von der re:publica 2013: <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a></em>, <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a></em>.</em></em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1745" alt="republica-2013 Kopie" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/republica-2013-Kopie.jpg" width="620" height="465" /></a></p>
<p>Anfang Mai war wieder re:publica. Über 300 Referenten kamen zur Internetkonferenz nach Berlin, es gab zehn parallel bespielte Räume, unzählige Panels, Workshops, Get-Togethers &#8211; der Versuch einer allgemeingültigen Zusammenfassung wäre so sinnvoll, wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln. Oder sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausdenken zu wollen. Denn es gibt 5.000 re:publicas, für jeden Besucher eine. Aber jeder kann sich am Ende die gleiche Frage stellen: Was habe ich eigentlich gelernt?</p>
<p><b>1. Das iPhone gab es im Film schon 1995.</b> In „Johnny Mnemomic“ mit Keanu Reeves kommt ein &#8220;Thompson iPhone&#8221; vor.</p>
<p><b>2. Die Wikipedia hat 41 Chapter. </b>Das neueste: Armenien. Die einzige andere Organisation, die ich kenne, die sich in Chapter gliedert, sind Rockerbanden.</p>
<p><b>3. „Kulturpessimismus ist wie Nackte abbilden.“</b> Was das heißt, weiß ich nicht, aber Diedrich Diederichsen hat es gesagt.</p>
<p><b>4. Binge Viewing nennt man es, eine Serienstaffel in einem Rutsch zu schauen.</b></p>
<p><b>5. Wenn man einen Stern malt und den oberen Zacken weglässt und dafür einen Kringel draufsetzt, ist es ein Mensch. </b>Und wenn man ganz viele untere Zacken malt und oben ganz viele Kringel draufsetzt, hat man eine anonyme Masse. Einfach mal probieren!</p>
<p><b>6. Es ist also doch möglich, die re:publica mit WLAN zu versorgen. </b>Damit fällt endlich auch der älteste blöde Witz der Veranstaltung weg („Haha, eine Internetkonferenz ohne Internet“).</p>
<p><b>7. Digits macht wunderbaren Synthpop.</b></p>
<p><b>8. „Die Quanten sind sehr schwer zu handeln, das wird noch eine ganze Weile dauern.“</b> – Horst Zuse, Informatiker und Sohn von Konrad Zuse, über Quanten-Computing.</p>
<p><b>9. Als der Buchdruck noch ganz neu war, haben Mönche alle Exemplare einer Auflage einzeln auf Fehler durchgesehen. </b>Sie konnten das Konzept, dass diese Bücher automatisch alle gleich aussehen müssen, nicht nachvollziehen. Ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber die Geschichte ist so schön, dass sie bitte einfach wahr sein soll.</p>
<p><b>10. „Die Schriftart Century Gothic verbraucht 30 Prozent weniger Tinte als Arial.“</b> Diese wichtige Information steht in dem ansonsten ziemlich egalen Buch „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“.</p>
<p><b>11. Zucker ist historisch gesehen keine wichtige Energiequelle.</b> Die Pflanzenzucht dafür kam erst in der Neuzeit auf.</p>
<p><b>12. Auf dem Mond dauert ein Tag 29 Tage und es gibt 250 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. </b>Das ist wichtig, wenn man ein Gefährt bauen will, das auf dem Mond mindestens 500 Meter fährt, um den Google Lunar X-Prize von 30 Millionen Dollar zu gewinnen.</p>
<p><b>13. Die Katzen der Pre-WWW-Ära waren die ASCII Cows.</b></p>
<p><b>14. Sascha Lobo hat während der New-Economy-Zeit viel Zeit und Geld in eine Plattform gesteckt, wo man Benzin downloaden konnte. </b>Hat nicht funktioniert. Trotzdem sei es immer gut, wenn man einfach mal macht, statt zu reden, sagt Lobo. Er zum Beispiel hat sich ein einziges Logo für das ganze Internet ausgedacht. Das sieht so aus: (#)</p>
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		<title>Die Katzen der ASCII-Ära</title>
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		<pubDate>Thu, 09 May 2013 19:07:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hackerromantik, Vorschläge zur Weltverbesserung und Mönche von gestern: Der dritte Tag der Internetkonferenz Re:Publica vom Geek-Rand aus betrachtet. (veröffentlicht auf taz.de am 9. Mai 2013) Anmerkungen: Hier geht es zu Tag 1 und Tag 2 der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp zusammenfassende Print-Kolumne]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Hackerromantik, Vorschläge zur Weltverbesserung und Mönche von gestern: Der dritte Tag der Internetkonferenz Re:Publica vom Geek-Rand aus betrachtet.<span id="more-1732"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-3-Tag/!115973/" target="_blank">taz.de</a> am 9. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkungen: Hier geht es zu <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a></em> und <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a></em> der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp zusammenfassende <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a> aller Tage.</em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/asciicows.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1740" alt="asciicows" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/asciicows.jpg" width="620" height="300" /></a></p>
<p>Am letzten Tag der re:publica ist die ganze Luft ist voll mit diesen weißen flauschigen Flocken, die sich immer im Mai aus irgendwelchen Bäumen über Berlin ergießen. Und auch die Konferenz ist wie in Watte gepackt. Alle haben sich schon etwas runtergefahren, die Räume sind leerer, viel mehr Leute trinken am Nachmittag bereits Bier, ein paar Drohnen sirren durch die Luft, und ständig laufen Menschen mit Rollkoffern vom Gelände, nicht viele, aber regelmäßig, wie dicke Tropfen aus einem undichten Wasserhahn.</p>
<p>Um die nominellen Headliner in Saal 1 – Cory Doctorow erklärt die Notwendigkeit von Digital Rights Management, Anne Wiezorek dekliniert durch, <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/aufschrei-was-von-der-twitter-aktion-gegen-alltagssexismus-bleibt-a-898896.html" target="_blank" shape="rect">was #aufschrei gebracht hat</a> oder nicht, und es gibt eine Live-Schalte zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=29tk6vQXV64" target="_blank" shape="rect">Ai Weiwei</a> – sollen sich Andere kümmern. Wie bereits am <a href="http://www.taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/%21115847/" target="_blank" shape="rect">Montag </a>und <a href="http://www.taz.de/Netzkonferenz-republica-2-Tag/%21115920/" target="_blank" shape="rect">Dienstag</a> bewege ich mich lieber an den Geek-Rändern der re:publica. Und das habe ich heute dabei gelernt.</p>
<p><strong>1. Das iPhone gab es im Film schon 1995.</strong> In <a href="http://www.imdb.com/title/tt0113481/?ref_=ttqt_qt_tt" target="_blank" shape="rect">Johnny Mnemomic</a> zählt Keanu Reeves auf: „Sogo 7 Data Gloves, a GPL stealth module, one Burdine intelligent translator … Thompson iPhone.“ Das ist eines der zahlreichen Filmbeispiele, die Keren Elazari in ihrem Vortrag „Take a ride on the Cyberpunk Express train“ zeigt. So viel Enthusiasmus und Verve wie Elazari haben nicht viele Redner gezeigt. Mitreißend stellt sie dar, welchen Einfluss das Cyberpunk-Genre auf die Entwicklung des Hackers hatte, erzählt vom Werdegang der Hacker-Subkultur, von der DefCon und der Electronier Frontier Foundation, von „V for Vendetta“, Captain Crunch, Hacktivism und Cryptopartys.</p>
<p>Spätestens mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stuxnet" target="_blank" shape="rect">Stuxnet</a>-Vorfall 2010, bei dem iranische Atomanlagen virtuell attackiert wurden, seien wir nun in die „Cyberwarfare Area“ eingetreten, sagt Elazari, die fünfte Art des Krieges neben dem Land-, See-, Luft- und Weltraumkrieg. Und auch die fiktiven weiblichen Hackercharaktere, die Elazari als Vorbild dienten, stellt sie vor: Trinity aus der „Matrix“-Reihe und Angelina Jolie als Acid Burn in „Hackers“.</p>
<p><strong>2. „Die Schriftart Century Gothic verbraucht 30 Prozent weniger Tinte als Arial.“ </strong>Diese wichtige Information steht in dem Buch „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“, dessen <a href="http://weltverbessern.net/" target="_blank" shape="rect">Webseite</a> der erste Treffer bei der Googlesuche von „Die Welt verbessern“ ist. Der zweite Treffer ist <a href="http://www.attac-netzwerk.de/halle/tipps-zum-weltverbessern/" target="_blank" shape="rect">Attac Halle</a>, und danach bricht Felix Schwenzel seinen Vortrag <a href="http://www.re-publica.de/sessions/10-vorschlaege-um-welt-verbessern" target="_blank" shape="rect">„10 Vorschläge um die Welt zu verbessern“</a> ab und fängt von vorn an.</p>
<p>Es ist ein unterhaltsamer, manchmal lustiger, manchmal auch kluger Vortrag über alles Mögliche, aber je länger er dauert, desto zerfranster wird er, und die achte Sascha-Lobo-Anspielung ist auch nicht besser als der dritte. Weltverbesserungsideen beruhen fast immer auf Angst und Schuldgefühlen, lernen wir; dass der gute Wille auch eine schlechte Seite hat, und dass es in den meisten deutschen Städten unsinnig ist, Wasser zu sparen, weil die Wasserwerke inzwischen selbst Wasser durch die Rohre jagen, um sie sauberzuhalten.</p>
<p>„Es gab mal einen brasilianischen Lehrfilm, der die Leute erziehen wollte, in die Dusche zu pinkeln, um Wasser zu sparen. Das können wir hier auch. Aber nicht, um Wasser zu sparen“, sagt Schwenzel. Er sagt auch: „Also ich mag Sascha Lobo ja wirklich gerne, aber das mit dem Pathos ist Quatsch, glaube ich.“ Und was laut Schwenzel definitiv nicht verkehrt sein kann beim Weltverbessern: ein Apfelbäumchen pflanzen.</p>
<p><strong>3. Digits macht wunderbaren Synthpop</strong>. Den Auftritt des Kanadiers bei der Party am Ende kriegt bloß fast niemand mit, weil er drinnen versteckt wird.</p>
<p><strong>4. Die Katzen der ASCII-Art-Ära waren Kühe. </strong>Denn lange vor LOLCats und all den lustigen Memen der letzten Jahre, ja sogar schon vor dem Internet an sich, gab es <a href="http://instinct.org/cows/ascii-cows1.html" target="_blank" shape="rect">ASCII-Cows</a>. Sie sind genau so vergessen wie das<a href="http://knowyourmeme.com/memes/ate-my-balls" target="_blank" shape="rect"> „Mr. T Ate My Balls“-Meme</a> der 90er. Zwei frühe Beispiele vom Panel <a href="http://www.re-publica.de/sessions/internet-meme-geschichte-forschungsstand-kontroversen" target="_blank" shape="rect">„Internet-Meme: Geschichte, Forschungsstand, Kontroversen“</a> von Christian Heller und Erlehmann.</p>
<p>Hier wird auch von einer Evolution des Internets als Verbreitungsraum von Memen (macht euch keine Hoffnung, dass ich hier noch erkläre, was Meme sind, es gibt Google) gesprochen. In den frühen 90ern musste man immer noch selbst Webseiten aus selbstgestricktem HTML aufsetzen, wenn man Inhalte verbreiten wollte, inzwischen gibt es zahlreiche Memräume mit eingebauten viralen Mechanismen, wie etwa das Retweeten bei Twitter.</p>
<p>Danach geht es noch um Imageboards – auch „Facebook, so ein Fotosharingforum“ wird erwähnt – und um Meme-Erklärseiten, aber es bleibt doch alles ein wenig unbefriedigend deskriptiv und lexikalisch. Letztlich war die Veranstaltung nur eine Art Teaser für das vermutlich Ende Juni erscheinende <a href="http://www.oreilly.de/catalog/internetmemekgger/" target="_blank" shape="rect">Memforschungsbuch</a> der Referenten. Bis dahin bleibt erstmal hängen, dass Meme auf finnisch Meemi heißen.</p>
<p><strong>5. Als der Buchdruck noch ganz neu war, haben eifrige Mönche alle Exemplare einer Buchauflage nochmal einzeln auf Fehler durchgesehen.</strong> Sie konnten das Konzept, dass diese Bücher automatisch alle gleich aussehen <em>müssen</em>, einfach nicht nachvollziehen. Ob das wirklich stimmt, weiß <a href="http://mspr0.de/" target="_blank" shape="rect">Michael Seemann</a> zwar nicht, aber seine Geschichte ist so schön, dass sie bitte einfach wahr sein soll.</p>
<p>Kathrin Passig hatte es schon etwas früher am Tag ausgesprochen: Die Entscheidung der re:publica-Macher, den Platz für eigene Gespräche zwischen den Konferenzsälen weitaus größer zu machen als die Räume selbst, ist richtig. Die besten Dinge hört man eben hier. In der Luft ist jetzt noch mehr von dem Baumflauschzeug, das … ach, ich google das jetzt einfach mal: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pappelflaum" target="_blank" shape="rect">Pappelflaum</a> ist das also. Danke, Internet.</p>
<p><strong>6. Adenosin gibt dem Körper das Signal: Du wirst gerade müde.</strong>Koffein unterdrückt Adenosin für eine begrenzte Zeit. In <a href="http://www.re-publica.de/sessions/richtig-essen-richtig-schlafen-und-lasst-mate-weg-besser-leben-fuer-geeks" target="_blank" shape="rect">Besser Leben für Geeks</a> ging es um Ernährungs- und Lebenstipps im Fahrwasser der Quantified-Self-Bewegung. Die Informationsdichte von Matthias Bauer ist enorm hoch: Zucker ist historisch gesehen keine wichtige Energiequelle, die Pflanzenzucht dafür ist erst in der Neuzeit aufgekommen. Fructose wird insulinunabhängig verstoffwechselt – in der Leber. Die Ernähungswissenschaft lag nach dem Zweiten Weltkrieg am Boden, weil die meisten der führenden Köpfe Deutsche und Österreicher waren – das hat Folgen bis heute.</p>
<p>Der so gesunde Saft „glücklicher Äpfel von sonnenbeschienen Hängen“ hat anteilig mehr Fructose als Cola, und fast so viel Zucker. Die Süße von Club Mate stammt wiederum vom Glucose-Fructose-Sirup – der wird hergestellt aus Mais- oder Weizenstärke, die wiederum meist aus Monokulturen stammt, von „gleichgeschalteten einreihigen Zwergmaispflanzen“. „Echtes Getreide“ – nicht Reis, Mais, Hirse – „hat kein Interesse vom Menschen gegessen zu werden“ und wehrt sich mit seinen Klebereiweißen, die bei den meisten Menschen den Darm angreifen.</p>
<p>Die Kurzfassung: Zucker und Koffein sind nicht gut, Getreide essen ist Quatsch, Fleisch und Fett sind viel gesünder als ihr Ruf, Massentierhaltung ist natürlich trotzdem schlecht, und die Menschheit hat durch Monokulturen und die Abhängigkeit von Kunstdünger mittelfristig ein Riesenproblem.</p>
<p><strong>7. Im re:publica-WLAN wurden 1,7 Terabyte Daten bewegt.</strong> Und es war wirklich bis zum Ende stabil, was den Technikern den größten Applaus bei der Abschlussveranstaltung einbrachte. Weitere verlesene Fun Facts beim Finale: 6.800 verschiedene Geräte waren online auf der re:publica, davon 66,9 Prozent von Apple. Der Live-Stream-Router der re:publica heißt Regina. Und 2,5 Kilometer Kabel wurden verlegt, was mir extrem wenig vorkommt. <em>(Edit: Tage später wurde ich darauf hingewiesen, dass 2,5 Kilometer nur die Länge der </em>extra<em> verlegten Netzwerkkabel ist. So kommt es hin)</em></p>
<p>So halssteif die Eröffnung war, so beschwingt ist die Verabschiedung. Johnny Haeusler kann vermutlich wenig besser als so etwas sonnig wegmoderieren – vielleicht gerade noch Internetkonferenzen organisieren. Das haben er und der Rest des Teams dieses Mal jedenfalls wieder unter Beweis gestellt – egal, wieviel politische Impulse nun konkret von der re:publica ausgegangen sind.</p>
<p>Was man hier, ein gewisses Interesse an gewissen Themen vorausgesetzt, in drei Tagen gebündelt an Impulsen bekommt, auch und gerade zu Dingen, von denen man vorher noch gar nichts wusste, ist großartig. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=TAQhxBXbNhE" target="_blank" shape="rect">Am Ende singen dann viele Hundert Menschen gemeinsam „Bohemian Rhapsody“</a>.</p>
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		<title>Von Schweißen bis Antarktis</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 19:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Klassifikation der LOLCat-Lover, bratwurstessende Politiker und das Ende der Arbeit: der zweite Tag der Internetkonferenz „re:publica“. (veröffentlicht auf taz.de am 8. Mai 2013) Anmerkungen: Hier geht es zu Tag 1 und Tag 3 der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Klassifikation der LOLCat-Lover, bratwurstessende Politiker und das Ende der Arbeit: der zweite Tag der Internetkonferenz „re:publica“. <span id="more-1731"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank">taz.de</a> am 8. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkungen: Hier geht es zu <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/07/sternenmensch-und-schweinehaelften/" target="_blank">Tag 1</a> und <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a> der re:publica 2013. Hier findet sich die sehr knapp zusammenfassende <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a></em> aller Tage. Der letzte Punkt war, stellenweise 1:1, ebenfalls Teil einer Kolumne. Mit <a href="http://michaelbrake.de/2013/06/19/man-sollte-kraftvoll-zubeissen/" target="_blank">Constantin Alexander</a> und <a href="http://michaelbrake.de/2013/08/08/ich-spreche-lolspeak/" target="_blank">Kate Miltner</a> habe ich zu ihren Themen längere Interviews geführt.</em></p>
<p>Am zweiten Tag der Internetkonferenz re:publica in Berlin <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.internetkongress-republica-zetsche-spottet-ueber-google-auto.d2349fe7-5e15-463d-8e0a-a7caf9dd0518.html" target="_blank" shape="rect">lästerte Daimler-Chef Dieter Zetsche</a> über das Google-Auto. Im Beisein der kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez wurden die <a href="http://thebobs.com/deutsch/category/2013/?only_winners=true" target="_blank" shape="rect">The-Bobs-Awards</a> für Online-Aktivismus der Deutschen Welle <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-Bobs-fuer-Online-Aktivisten-1858557.html" target="_blank" shape="rect">verliehen</a>. Und Telekom-Manager Jan Krancke <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/re-publica-netzneutralitaet-a-898553.html" target="_blank" shape="rect">stellte sich mehr oder weniger der Kritik</a>, dass sein Konzern den Abbau der Netzneutralität vorantreibt.</p>
<p>Alles Ereignisse, die es nicht in diesen streng subjektiven Tagesüberblick geschafft haben. Denn wie schon für den <a href="http://www.taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank" shape="rect">Montag</a> gilt, dass es 5.000 individuell verschiedene re:publicas gibt, das hier ist nur eine davon. Die Grundfrage bleibt aber die gleiche: Was konnte man auf der re:publica lernen?</p>
<p><strong>1. Niemand sieht beim Bratwurstessen so wenig scheiße aus wie Gerhard Schröder.</strong> Und das ist wichtig als Politiker, denn dauernd muss man sich mit der Wurst fotografieren lassen – auf Volksfesten wird sie einem angeboten, ablehnen geht nicht, und überhaupt demonstriert sie wie kaum sonst etwas Volksnähe und Bodenständigkeit.</p>
<p>Nur leider sind die Dinger heiß, fettig und es ist unmöglich, sie würdevoll zu essen. Der Journalist Constantin Alexander hat deswegen eine <a href="http://www.re-publica.de/sessions/anwendungsorientierte-analyse-volkstuemlicher-lebensmittel-politischen-berichterstattung-od" target="_blank" shape="rect">„Anwendungsorientierte Analyse volkstümlicher Lebensmittel in der politischen Berichterstattung“</a> vorgestellt. Stoiber, Steinbrück, MacAllister – sie alle fallen durch beim Wurstverzehr. Ein weiterer Tipp von Alexander, der in einem <a href="http://peoplebitingintobratwurst.tumblr.com/" target="_blank" shape="rect">Tumblr</a> Wurstesserbilder sammelt: Haltung bewahren. Denn die Wurst muss zum Mund, nicht der Mund zur Wurst.</p>
<p><strong>2. Ein Gigabyte Daten nimmt das Google Car jede Sekunde auf.</strong>Und rund 3,5 Millionen Menschen in den USA verdienen ihren Lebensunterhalt als Fahrer. Sie könnten bald durch Maschinen überflüssig gemacht werden, so wie auch zahllose Fabrikarbeiter.</p>
<p>Doch auch vermeintlich sichere Berufe sind in Gefahr, die Mustererkennung im Big-Data-Bereich könnte Arbeitsbereiche von Anwälten und Diagnoseärzten betreffen. Und selbst an der Abschaffung von Sportjournalisten wird gearbeitet, die recht schematisch ablaufenden Spielereignisse könnten Computer bald selbst erkennen und dann mit den passenden Textbausteinen und Synonymen beschreiben – manch einer sagt allerdings, das wäre längst passiert.</p>
<p>Die Debatte, was das für Folgen hat, ist das Thema von Johannes Kleskes Vortrag <a href="http://www.re-publica.de/sessions/ende-arbeit-wenn-maschinen-uns-ersetzen" target="_blank" shape="rect">Das Ende der Arbeit</a>. Dabei gibt es zwei Lager: Neo-Ludditen wollen wie die Maschinenstürmer von einst dagegen ankämpfen, dass Maschinen uns erst die Arbeitsplätze wegnehmen und uns am Ende so kontrollieren. Die andere Seite sagt sich: Wir können uns der Zukunft nicht widersetzen, also sollten wir sie umarmen. Sie imaginiert ein digitales Athen: Eine Zeit, ähnlich der griechischen Antike, wo die Bürger ihren Alltag mit Politik, Kunst, Philosophie verbringen konnten, weil Sklaven ihnen die Arbeit abgenommen haben. Diese Sklaven sollen dann Maschinen sein.</p>
<p>Johannes Kleske fordert als Mittelweg den <a href="http://www.golem.de/news/mensch-vs-maschine-wir-brauchen-den-kritischen-geek-1305-99139.html" target="_blank" shape="rect">kritischen Geek</a>. Manch einer wird es aber lieber mit Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke halten, der sagte: „The goal of the future is full unenployment, so we can play.“</p>
<p><strong>3. Es gibt drei Sorten LOLCat-Fans: Die Meme Geeks, die Cheezfrenz und die Casual User.</strong> Das ist eine der Erkenntnisse von <a href="http://www.re-publica.de/users/kmiltner" target="_blank" shape="rect">Kate Miltner</a>, die ihre Masterarbeit tatsächlich das berühmteste aller Meme geschrieben hat: über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lolcat" target="_blank" shape="rect">LOLCats</a>. Die Meme Geeks waren dabei die Vorreiter, sie sind jung, meistens männlich und machten LOLCats groß.</p>
<p>Doch dann kamen die Cheezfrenz, eher Frauen mittleren Alters, die sich über <a href="http://icanhas.cheezburger.com/" target="_blank" shape="rect">I can haz Cheeseburger?</a> und andere Seiten austauschen und die LOLCats wesentlich weniger aggressiv interpretieren. Einige Meme Geeks wandten sich gelangweilt ab, andere kämpfen einen erbitterten Streit mit den Cheezfrenz aus, wobei es unter anderem darum geht, wer besser LOLspeak sprechen kann. Den Casual Usern ist das alles egal, sie schauen sich nur die Ergebnisse der LOLCat-Bilderproduzenten auf der Arbeit an und freuen sich darüber.</p>
<p><strong>4. Auf dem Mond dauert ein Tag 29 Tage und es gibt 250 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht.</strong> Das ist wichtig, wenn man ein Gefährt bauen will, das auf dem Mond mindestens 500 Meter fährt, um den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Lunar_X-Prize" target="_blank" shape="rect">Google Lunar X-Prize</a> von 30 Millionen Dollar zu gewinnen. Zwei Mitglieder vom deutschen Team <a href="http://https//www.facebook.com/PartTimeScientists" target="_blank" shape="rect">Part-Time Scientists</a> haben auf der re:publica ihr Projekt <a href="http://www.zeit.de/digital/2013-05/republica-raumfahrt" target="_blank" shape="rect">vorgestellt</a>.</p>
<p>Ihr kleiner Roboter Asimov Jr. hat dabei auch eine integrierte Kamera für 3D-Aufnahmen. Projektintern wurde diskutiert, ob man eine Farbkamera brauche, wo doch auf dem Mond eh alles grau sei – am Ende entschied man sich für Farbe. Außerdem ist der Mond voll mit sehr feinem Staub, also muss Asimov Jr. sehr gut versiegelt sein. Denn dort oben gibt es keinen ADAC-Pannendienst, sagt Karsten Becker, der wie auch sein Ko-Referent Robert Böhme genau so aussieht und spricht, wie man sich in den USA deutsche Ingenieure vorstellt: Heftiger Akzent, helles Hemd, Jeans und ein Humor, der, siehe oben.</p>
<p><strong>5. Binge Viewing nennt man es, eine US-Serienstaffel mehr oder weniger  in einem Rutsch zu schauen.</strong> Wusstet ihr sicher alle, ich erfahre es erst abends im Hof beim Biobier. Und direkt danach, dass der Macher von True Blood ADD hat, was sich aber nicht einwandfrei begooglestätigen lässt. Und dann noch, dass Netflix eigene Serien produziert (also <em>das</em> wusstet ihr nun aber wirklich alle). Worüber man halt redet in den re:publica-Pausen: über TV-Serien. Wie überall sonst. Offen bleibt die Frage, wann es wohl mehr US-Netflix-Accounts gibt als US-Bewohner, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Virtual_Private_Network" target="_blank" shape="rect">VPN</a> sei dank.</p>
<p><strong>6. Von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwei%C3%9Fen" target="_blank" shape="rect">Schweißen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis" target="_blank" shape="rect">Antarktis</a> liegen in der Wikipedia höchstens sechs Klicks.</strong> Eisenzeit – Frühgeschichte – Nordamerika – Arktischer Ozean – Arktis.  „Wir wollen nur kurz was bei Wikipedia nachschlagen und fünf Stunden später stellen wir fest, wir wissen jetzt alles über Quantenbotanik, aber nicht, wie wir da hin gekommen sind“, sagt Sebastian Vollnhals, einer der beiden Moderatoren von <a href="http://www.re-publica.de/sessions/six-degrees-wikipedia" target="_blank" shape="rect">„Six Degrees of Wikipedia“</a>, das aus der Not ein Spiel gemacht hat: Zwei Kandidaten müssen in möglichst wenigen Schritten und möglichst wenig Zeit von einem Begriff zum anderen kommen, dafür gibt es Punkte nach einem System, das man vielleicht verstanden hätte, wenn man von Anfang an dabei gewesen wäre.</p>
<p>So wird der Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arthrose" target="_blank" shape="rect">Arthrose</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_%28Deutschland%29" target="_blank" shape="rect">Einkommenssteuer (Deutschland)</a> beschritten, von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Time_Rush" target="_blank" shape="rect">Big Time Rush</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_der_Ringe" target="_blank" shape="rect">Der Herr der Ringe</a> schafft es einer in sechs Schritten und 70 Sekunden. Weil bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisen" target="_blank" shape="rect">Eisen</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_Bescherung" target="_blank" shape="rect">Schöne Bescherung</a> auf der Bühne nichts passiert, probiere ich es am eigenen Computer und finde den Weg Eisen – Erdöl – Hannover – Weihnachtsmarkt – Advent – Weihnachten – Heiliger Abend – Bescherung – Schöne Bescherung. Während die Halbfinalisten den Weg von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heesters" target="_blank" shape="rect">Johannes Heesters</a> zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mom_I%27d_Like_to_Fuck" target="_blank" shape="rect">Mom I&#8217;d Like to Fuck</a> suchen, gehe ich zurück in den Hof.</p>
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		<title>Sternenmensch und Schweinehälften</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 18:51:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die kleinste Wikipedia der Welt, der Mittelweg der künstlichen Dummheit und Diederichsens Weisheiten: Was man am Tag 1 der „re:publica“ lernen konnte. (veröffentlicht auf taz.de am 7. Mai 2013) Anmerkung: Hier geht es zu Tag 2 und Tag 3 der re:publica 2013]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die kleinste Wikipedia der Welt, der Mittelweg der künstlichen Dummheit und Diederichsens Weisheiten: Was man am Tag 1 der „re:publica“ lernen konnte.<span id="more-1730"></span> (veröffentlicht auf <a href="http://taz.de/Netzkonferenz-republica-1-Tag/!115847/" target="_blank">taz.de</a> am 7. Mai 2013)</h3>
<p><em>Anmerkung: <em>Hier geht es zu</em> <a href="http://michaelbrake.de/2013/05/08/von-schweissen-bis-antarktis/" target="_blank">Tag 2</a> und <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/09/die-katzen-der-ascii-aera/" target="_blank">Tag 3</a></em> der re:publica 2013 und hier die sehr knapp zusammenfassende <em><a href="http://michaelbrake.de/2013/05/24/von-mondfahrzeugen-und-ascii-kuehen/" target="_blank">Print-Kolumne</a></em> aller Tage.</em></p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/loborepublica2013.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1739" alt="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/loborepublica2013.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Über 300 Referenten, zehn parallel bespielte Räume, unzählige Panels, Workshops, Get-Togethers, Gespräche. Der Versuch einer allgemeingültigen Zusammenfassung des ersten Tages der Internetkonferenz <a href="http://www.re-publica.de/" target="_blank" shape="rect">re:publica</a>, die bis zum 8. Mai in Berlin stattfindet, ist so sinnvoll wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln. Oder sich ein einziges Logo für das gesamte Internet ausdenken zu wollen.</p>
<p>Es gibt nicht eben eine, sondern 5.000 re:publicas, für jeden Besucher eine, je nach Tagesplan, Vorlieben und Begegnungen. Aber jeder kann sich am Ende des ersten Tages die gleiche Frage stellen: Was habe ich heute eigentlich gelernt? Und genau das habe ich auch getan.</p>
<p><strong>1. Es ist also doch möglich, einen Riesenkongress mit Internet zu versorgen. </strong>Ich hätte es nicht mehr geglaubt, aber zum ersten Mal hält auf der re:publica das WLAN und damit fällt endlich auch der älteste blöde Witz der Veranstaltung weg („Haha, eine Internetkonferenz ohne Internet“). Neu dafür: Schlangen. Schlangen am Einlass, bis auf die Straße, über eine Stunde müssen die Besucher am Vormittag warten. Schlangen am einzigen Capuccino-Stand. Schlangen am Frauenklo. Über den Frauenanteil muss man sonst aber keine Worte mehr verlieren, der war auch schon in den vergangenen Jahren höher als in jedem Internetklischee vorgesehen.</p>
<p><strong>2. Eröffnungsreden sind langweilig. Immer. </strong>Das ist auch kein Vorwurf, sondern eine Tatsache und da kann Johnny Haeusler, einer der vier Veranstalter, am Abend vorher noch so <a href="http://twitter.com/spreeblick/status/331160269722095616" target="_blank" shape="rect">vielversprechend twittern</a>. Es kommt dann so: Stage-Moderator Max stellt sich als Clown vor und das den Rest des Tages unter Beweis. Andreas Gebhard dankt allen Sponsoren, muss er, ist trotzdem öde<strong> </strong>und<strong>„</strong>Finanzblogging, ganz spannendes Thema“, also bitte.</p>
<p>Haeusler selbst erklärt, mit YouTube sei „eine neue Netzgeneration am Start“. Markus Beckedahl weckt das Publikum kurz mit lauten deutlichen, aber auch nicht direkt neuen Worten zur Netzneutralität auf. Und Tanja Haeusler sagt, dass das Kongressmotto „IN/SIDE/OUT“ eigentlich jedes Jahr das Motto sei und gibt so indirekt zu, wie austauschbar es ist. Dann bringt sie mit „Herzlich willkommen zu Hause“ zumindest einen merkenswerten Satz. Und es geht los.</p>
<p><strong>3. Man kann bei Wikipedia keine Schweinehälften bestellen.</strong>„Das passiert, wenn die Leute mit dem Internet telefonieren wollen“, sagt Pavel Richter, Vorstand von <a href="http://www.wikimedia.de/wiki/Hauptseite" target="_blank" shape="rect">Wikimedia Deutschland</a>. Menschen lesen etwas in der Wikipedia und rufen dann die Nummer im Impressum von <a href="http://www.wikipedia.de/" target="_blank" shape="rect">www.wikipedia.de</a> an. Das mit den Schweinehälften ist eines der <a href="http://www.re-publica.de/sessions/wikipedia-wo-user-geblockt-artikel-geloescht-und-reputationen-zerstoert-werden-0" target="_blank" shape="rect">„10,5 Geheimnisse der Wikipedia“</a>, ein Panel, das zwar launisch ist, aber auch ein wenig enttäuschend – zu sehr ist es nur eine Vorstellung der Wikimedia-Struktur und -Projekte, und das auch noch etwas verhaspelt vorgetragen.</p>
<p>Was ich aber dennoch gelernt haben: Anders Breivik hat die norwegischen Wikipedia-Artikel mehrerer Könige verfasst. Wikipedia ist eine der fünf größten Webseiten der Welt (wenn man Pornos rausrechnet). Je nach Jahr und Lexikon ist der Rhein 1.320, 1.360 oder 1.225 Kilometer lang – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein#cite_note-len-1" target="_blank" shape="rect">die deutsche Wikipedia sagt</a>: 1.238 Kilometer.</p>
<p>Die Wikipedia hat 41 Chapter, das neueste: Armenien (die einzige andere Organisation, die ich kenne, die sich in Chapter gliedert, sind Rockerbanden). Die kleinste Wikipedia der Welt war die im nordnigerianischen Dialekt <a href="http://kr.wikipedia.org/wiki/Main_Page" target="_blank" shape="rect">Kanuri</a>, derzeit läuft gegen sie aber ein Löschverfahren. Und überhaupt werden jeden Tag rund 800 Artikel gleich wieder gelöscht, von 1.200 täglich verfassten.</p>
<p>Und dann gab es noch die Geschichte um <a href="http://https//www.taz.de/Was-macht-eigentlich--Genosse-Stalin/%2170725/" target="_blank" shape="rect">„Stalins Badezimmer“</a>. Angeblich war das ein DDR-Name der Berliner Karl-Marx-Allee, das hat sich ein Journalist bei einer Flasche Rotwein ausgedacht und 2009 in den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Allee#Kurioses" target="_blank" shape="rect">Wikipedia-Artikel</a> geschrieben. 2011 konnte man es dann nicht mehr löschen – weil es längst in zahlreichen Medien und Reiseführern stand, die aus der Wikipedia abgeschrieben hatten und nun als Quellen herangezogen wurden. Erst als der selbe Journalist seine Erfindung in einer Zeitung zugab, wurde diese Ente wieder zurechtgerückt.</p>
<p><strong>4. Nutzer können erkennen, was sie wollen, aber sie können nicht erzeugen, was sie wollen.</strong> Diese Weisheit sollte beherzigen, wer im Feld der Mass Customization erfolgreich sein will. Also das, was vor Jahrzehnten mit individualisiert bestickten Handtüchern aus dem Moderne-Hausfrau-Katalog begann, in den 90ern mit selbstzusammenstellbaren Nikesneakern weiterging und inzwischen dank Internet zum individuellen <a href="http://www.mymuesli.com/" target="_blank" shape="rect">Müslimix</a> geführt hat.</p>
<p>Das heißt: Es ist besser, man setzt den Leuten durch Algorithmen erzeugte Produkte vor, die sie verwerfen können, als wenn man ihnen einen Stift und ein weißes Produkt gibt und sagt: Mach mal! Ausgesprochen hat das Kathrin Passig, die durch ihr als Spaßprojekt gestartetes Zufallsshirt eher nebenbei in den Mass-Customization-Bereich vordrang.</p>
<p>Hier werden T-Shirts semizufällig generiert, mit gemeinfreien Cliparts, Schriften und vorgefertigten Sätzen, in denen einzelne Satzteile zufällig bestimmt werden. „Den Mittelweg der künstlichen Dummheit“ nennt Passig dieses halbautomatische Verfahren. Und zum Schluss wird noch die Frage nach einer „Grammatik der Gegenstände“ aufgeworfen, mit der auch Customized Möbel möglich wären. (<em>Disclosure: Ich bin mit Kathrin Passig befreundet, deswegen ist Zufallsshirt auch nicht verlinkt.</em>)</p>
<p><strong>5. Wenn man einen Stern malt und den oberen Zacken weglässt und dafür einen Kringel draufsetzt, ist es ein Mensch. </strong>Und wenn man ganz viele untere Zacken malt und oben ganz viele Kringel draufsetzt, hat man eine anonyme Masse. Das kann jeder. Und wenn man mehrere von diesen Tricks beherrschst, kann man Vorträge auch mit kleinen Zeichnugen statt mit rein schriftlichen Notizen zusammenfassen und so Wissen ansprechender festhalten.</p>
<p><a href="http://www.re-publica.de/sessions/sketchnotes" target="_blank" shape="rect">Sketchnotes</a> nennt sich der Workshop dazu, wir Teilnehmer malen uns dann gegenseitig, ohne aufs Blatt zu gucken. Wir lachen über das entstandene Krikelkrakel. Wir lernen einfache Dinge zu Speedlines und Schatten. Wir visualieren ein Video. Dann ist die Stunde rum und ich bin endlich wach. Das mit dem Sternenmensch funktioniert übrigens wirklich. Einfach mal ausprobieren.</p>
<p><strong>6. „Kulturpessimismus ist wie Nackte abbilden“.</strong> Was das bedeutet, weiß ich nicht, denn ich habe kurz nicht aufgepasst. Genau wie „Das führt natürlich zur Entropie, aber bis dahin haben alle viel Spaß“ und „Die Subkultur hat andere Probleme als das Internet“. Aber es klingt toll. Und ist von Diedrich Diederichsen, über den Nilz Bokelberg auf Facebook schreibt: „Bei Diedrich Diedrichsen wünsch ich mir immer, dass ich den so als Papagei auf meiner Schulter sitzen haben könnte und der mir 24 Stunden popkulturelle Zusammenhänge ins Ohr reinerklärt.“</p>
<p>Diederichsen war <a href="http://www.re-publica.de/sessions/immer-internet" target="_blank" shape="rect">der Gast von Mercedes Bunz</a>, die immer da ist bei der re:publica und dieses Mal eigentlich <a href="http://www.taz.de/Buch-Die-Stille-Revolution/!114751/" target="_blank" shape="rect">ihr neues Buch</a> vorstellen soll, aber stattdessen eigentlich nur Stichwortgeberin ist für Diederichsen. Als Oberthema wabern Kulturpessimismus und die Frage „Macht Google/macht das Internet uns dumm?“ durch den Raum – eine weit verbreitete Sorge, die Bunz ernst nehmen will, auch wenn das auf der re:publica wohl die wenigsten tun.</p>
<p>Und Diederichsen spricht: Es müsse nichts mehr erklärt werden durch das Internet, denn die Leute könnten ja nachschlagen – und das sei ja toll. Schon Friedrich Heubach habe sich 1987 in „Das bedingte Leben“ negativ über Stadtzeitschriften und Kontaktanzeigen ausgelassen – das könnte man heute immer noch lesen und einfach „Internet“ einsetzen.  Der Satz „Irgendwann kann ich im Supermarkt mit meinem guten Aussehen bezahlen“ sei wahr geworden. Die Leute müssten sich mehr dekorieren, weil die Musik es nicht mehr tue. Sie müssten der Musik zur Kenntlichkeit verhelfen.</p>
<p>Und schließlich: Das Internet sei die völlige Neuorganisation von Raum und Materie – Bunz: Reden wir nicht viel zu wenig darüber? – Diederichsen: In den Anfangstagen, 1995, wurde ja nur über sowas geredet, jetzt gilt das als esoterisch.</p>
<p><strong>7. Die Wurzeln des Internets liegen nicht in einer Garage, sondern in einer guten Stube.</strong> Und auch nicht im Silicon Valley, sondern in der Wrangelstraße in Berlin. Dort baute Konrad Zuse 1937 den Z1, den ersten Computer der Welt und die ganze Familie half mit, sein Vater sägte mit Laubsäge Bleche, 30.000 brauchte man davon.</p>
<p>Erzählt wird das alles von Zuses Sohn Horst, selbst Informatikprofessor, der offiziell über <a href="http://www.re-publica.de/sessions/geschichte-des-computers" target="_blank" shape="rect">„Die Geschichte des Computers“</a> reden soll, aber in Wirklichkeit die Geschichte seines Vaters erzählt, Karikaturen zeigt, die Zuse Senior als Schüler zeichnete, später Zuse 1995 auf der Cebit mit Bill Gates. Und irgendwann gibt es ein Foto von einer Kneipe in Berlin-Wilmersdorf und Horst Zuse sagt „Da sitze ich mit meiner Frau, beim vierten Bier“ und schon sehen wir sein Arbeitszimmer, wo er nach seiner Pensionierung den <a href="http://www.horst-zuse.homepage.t-online.de/horst-zuse-z3-html/z3-einordnung.html" target="_blank" shape="rect">Z3</a> von 1941, den „ersten funktionsfähigen Gleitkommarechner“ nachbaute. Der steht nun direkt neben dem re:publica-Gelände im Deutschen Technikmuseum. Verrückt.</p>
<p>Böse sein kann man Horst Zuse für so viel Selbstbezogenheit aber nicht, denn er spricht so entwaffnend einfach wie Klaus Wowereit, flucht seinen Computer an („Na, come on!“), zeigt am Ende ein Foto von seinem Vater am Schreibtisch, wie der seinem PC eine lange Nase macht. Auf die Frage, wann wir denn soweit sind mit Quanten-Computing, sagt Zuse. „Die Quanten sind sehr schwer zu händeln, das wird noch eine ganze Weile dauern.“</p>
<p><strong>8. Sascha Lobo hat während der New-Economy-Zeit viel Zeit und Geld in einer Plattform gesteckt, wo man Benzin downloaden konnte.</strong> Hat nicht funktioniert. Das war aber ohnehin nur ein Fun Fact in seinem <a href="http://www.re-publica.de/sessions/ueberraschungsvortrag-ii" target="_blank" shape="rect">Überraschungsvortrag</a> am Abend. Lobo kämpft mit der Technik, lästert über die Piratenpartei, zeigt jede Menge Hundefotos, lispelt (wie stets und ausschließlich bei der re:publica) und will schließlich das Wort „Netzgemeinde“ ehrenretten.</p>
<p>Er habe sich „mit dem Begriff Netzgemeinde angefreundet wie mit einem dreibeinigen blinden Hund. Sind wir eben die Netzgemeinde. Machen wir das beste draus.“ Und was ist diese Netzgemeinde nun? Eine „Hobbylobby für das freie, offene und sichere Internet (in den Grenzen von 1999)“. Danach setzt Lobo zum programmatischen Teil an, fordert Wut und Pathos im Kampf für Netzneutralität und andere Ziele. Und predigt: „Netzpolitik ist in erster Linie Politik und nur ganz ganz ganz wenig Netz.“</p>
<p>Denn die Netzgemeinde glaube zu sehr zu wissen, was gut und richtig ist und will davon kein My abweichen, was ein Fehler ist. Man müsse sich uns auf politische Art mit Anderen verbinden. „Ich fordere euch auf, zu machen“, sagt Lobo am Ende. Und zeigt, was er das letzte Jahr über gemacht hat: Er hat sich nämlich <a href="http://internet-logo.org/" target="_blank" shape="rect">ein einziges Logo für das gesamte Internet</a> ausgedacht. (<em>Disclosure: Ich bin auch mit Sascha Lobo befreundet, andere mögen seinen Vortrag schlechter oder toller gefunden haben. Oder ihn einfach aus Prinzip ablehnen.</em>)</p>
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		<title>Ihr seid wie meine Mutter</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Apr 2013 00:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Internet ist wie schwanger, ein bisschen geht nicht? Unsinn! Die digitale Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität ist albern und schafft Zwänge.<span id="more-1697"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!115208/" target="_blank">taz</a> vom 26. April 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/qrcode_zeugenjehovas.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1698" alt="qrcode_zeugenjehovas" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/qrcode_zeugenjehovas.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Vorm Zickenplatz, auf der anderen Seite der großen Straße, sitzen oft Zeugen Jehovas an einem Tisch, unterhalten sich und gucken in die Welt hinaus. Ja, genau, die müssen nämlich gar nicht mehr stehen und schweigend ein ernstes Gesicht machen. Angesprochen werden sie trotzdem nicht. Vielleicht haben sie deswegen neuerdings auch einen QR-Code vorn auf ihren Tisch gedruckt (das sind diese Schachbrettmuster zum Smartphone-Abfotografieren). Wenn 120.000 Leute ihn aktivieren, kommt der Messias, aber nur, wenn ihn dann nochmal 60.000 Leute aktivieren.</p>
<p>2013 hat also nun wirklich jeder ins Netz gefunden, selbst <a href="http://www.amish-people.de/" target="_blank" shape="rect">die Amischen</a> haben eine Webseite und Uli Hoeneß hatte in einem Interview im Herbst 2012 erklärt, dass er in seinem Leben noch lernen will, <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;v=gZwgVQfrwIU#t=3477s" target="_blank" shape="rect">wie man einen Computer bedient</a>. Er hat ja bald viel Zeit für so was.</p>
<p>Doch während die letzten endlich eintrudeln, wird es den ersten schon wieder zu viel. Also ich meine jetzt nicht die <a href="http://www.zeit.de/kultur/2010-08/ruehle-koch-offline" target="_blank" shape="rect">Journalisten</a>, die mal sechs Monate offline gehen, weil ihnen kein interessantes Thema einfällt. Und auch nicht so arschkonservatives „Ich mach das nur noch bei der Arbeit, ich habe das nicht nötig“-Gepose, das ja gerade zeigt, WIE nötig man es wirklich hat.</p>
<p>Nein, ich meine Kollegen von mir, kluge und lustige Menschen eigentlich, die neulich gemeinsam über den Mitmachdruck in sozialen Medien klagten. „Seit über einer Woche nichts mehr bei Facebook gepostet. Das macht richtig Spaß“, postete der eine dann kurze Zeit später bei Facebook. Und die andere sagte mir, sie wäre jetzt raus bei Twitter, weil sie es nicht mehr schaffen würde, das alles zu lesen.</p>
<p>Ich verstehe das nicht. Man muss doch nichts bei Facebook posten, wenn man gerade nichts zu erzählen hat. Ich ruf doch auch nicht jeden Tag aus Prinzip jemanden an. Und es ist ja außerdem gerade das Tolle am Internet, dass es voller Katzen … äh: dass es so groß ist, dass man eh keine Chance hat, alles zu erfassen, und es deswegen gar nicht erst versuchen muss.</p>
<p>Doch irgendwie gibt es in Sachen Internet immer noch eine seltsame erhöhte Selbstwahrnehmung gepaart mit einer binären Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität. Unter eine meiner Kolumnen etwa, wo es um <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!99801/" target="_blank" shape="rect">meine Liebe zu Facebook-Likes</a> ging, schrieb <a href="http://www.taz.de/!c99801/" target="_blank" shape="rect">Kommentator Piet</a>: „Herr Brake – Sie sollten reisen! Lernen Sie E-Schweißen! Eine exotische Fremdsprache. Machen Sie e c h t e Erfahrungen“ Als wenn das nicht einfach beides ginge, Facebook und Offlineaktivitäten. (Mal ganz nebenbei: Was macht eine so abstrakte Tätigkeit wie „Fremdsprache lernen“ zu einer <em>echteren </em>Erfahrung als Facebook?)</p>
<p>Ein wenig erinnert mich das an meine Mutter, die immer, wenn ich bei ihr bin, laut darüber nachdenkt, ob sie ihr Zeitungsabo kündigen soll, weil sie ja doch nicht schafft, das alles zu lesen, bzw. ob sie nun ein neues Abo bestellt, aber sich deswegen nicht sicher ist, weil sie es ja doch nicht schafft, das alles zu lesen.</p>
<p>Na ja. Jetzt hat sie sich erst mal ein Jahr auf ein Wochenendabo festgelegt. Das tolle, neue der <a href="http://www.taz.de/zeitung/tazinfo/taw-vorlauf/" target="_blank" shape="rect">taz.am Wochenende</a>, die jetzt so wunderbar <a href="http://www.taz.de/Galerie/!g=Dick-und-gemtlich/" target="_blank" shape="rect">dick und gemütlich</a> ist. Haha. Habt ihr jetzt wirklich geglaubt, was? Nee. Natürlich eins von der <em>Süddeutschen.</em></p>
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		<title>Mehr Kirschblüten fürs Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Mar 2013 20:04:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Snapchat-App bringt die süße Vergänglichkeit des Moments zurück ins digitale Leben. Ihre Fotos verschwinden nach Sekunden. (aus der taz vom 1. März 2013) Im Dezember war ich in Indonesien und hatte dort zwangsläufig auch mit Backpackern]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Die Snapchat-App bringt die süße Vergänglichkeit des Moments zurück ins digitale Leben. Ihre Fotos verschwinden nach Sekunden.<span id="more-1307"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!111928/" target="_blank">taz</a> vom 1. März 2013)</h3>
<p>Im Dezember war ich in Indonesien und hatte dort zwangsläufig auch mit Backpackern zu tun. Wie immer sprach man darüber, wo man schon war und wo man noch hinfährt. „Wir waren vorgestern in der Tempelanlage Sowieso“, sagte eine. „Wir haben voll gute Fotos gemacht.“ – „Als Nächstes fahren wir zu Vulkan XY“, sagte eine andere. „Ich hoffe sehr, dass wir da viele gute Bilder machen können.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/snapchat.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1309" alt="snapchat" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/snapchat.jpg" width="300" height="299" /></a>Vielleicht bin ich zu alt oder habe etwas falsch verstanden. Ich mache eigentlich dann Fotos, wenn ein Ort, an dem ich bin, sich als toll erweist. Aber ich suche mir doch nicht die Orte, an die ich fahre, danach aus, ob man tolle Fotos machen kann. Henne. Ei. Häh? Wenngleich ich das natürlich auch von mir kenne: Man kann so beschäftigt damit sein, das perfekte Bild von irgendwas zu machen, dass man anschließend vergisst, sich das Irgendwas auch ohne Kamera anzugucken. Man hat ja das Foto! Das dann die nächsten 20 Jahre im „Unsortierte Fotos 2012“-Ordner liegt.</p>
<p>Dass die Speicherbarkeit des Moments den Moment selbst verdrängt, ist nun überhaupt nicht neu. „Menschen machen Fotos von dem Sommer / damit bloß niemand misstrauisch zweifelt / zu beweisen, dass er wirklich da war (…) Menschen machen Fotos gegenseitig / in dem Glauben, dass jene Momente / für alle Zeiten lebendig blieben“, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=avBgObEb99M" target="_blank" shape="rect">sangen die Goldenen Zitronen</a> 1994, und das war auch bloß ein texttreues Cover eines Kinks-Songs von 1968. Aber im Zeitalter des digitalen Fotografierens und öffentlichen Teilens ist das alles besonders augenfällig. [An dieser Stelle bitte einen Witz über <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Lustobjekte/!94467/" target="_blank" shape="rect">Instagram-Fotos von kalt gewordenem Essen hindenken</a>.]</p>
<p>Und genau deswegen ist <a href="http://www.snapchat.com/" target="_blank" shape="rect">Snapchat</a> so toll. Snapchat ist eine Smartphone-App, mit der man Freunden Bilder und sehr kurze Videos schicken kann, die sich nach spätestens 10 Sekunden Anschauen selbst löschen. Es lohnt gar nicht, sich irre viel Mühe mit dem Foto zu geben. Gleichzeitig wird der Moment des Anschauens wirklich wieder zu einem Moment – den in den meisten Fällen einzig der Absender und der Empfänger exklusiv teilen.</p>
<p><em>Mono no aware</em> nennt man in Japan die Ergriffenheit über die Vergänglichkeit der Dinge, die Kirschblüte ist der bekannteste Ausdruck dieses Prinzips. Es wäre toll, wenn das ganze Internet ein bisschen kirschblütiger wäre. Seit Wochen unangerührte Mails und geöffnete Browsertabs mit Texten, die man „unbedingt später lesen will“, könnten ruhig heimlich verschwinden. Oder alte Chatprotokolle, die von unglücklich Verliebten noch 200-fach gelesen und kaputtinterpretiert werden.</p>
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<p>Mein erster empfangener Snap war übrigens ein Foto von Sascha Lobo, aufgenommen von Sascha Lobo. Mein zweiter versendeter war ein Katzenfoto. Dann bekam ich ein Bild, auf das groß und rot JETZT WIRD’S META gekritzelt stand, es zeigte den Facebookkommentarstrang unter meinem Aufruf, mir Snaps zu schicken. Aus Kalifornien erfuhr ich 15 Minuten später, dass man Snapchat dort schon seit ein paar Tagen wieder langweilig findet. Verdichteter kann man den Hype Cycle einer Internetanwendung wohl nicht erleben.</p>
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		<title>Die Software, die Verrückte macht</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Feb 2013 19:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Als Freiberufler kommt man an der elektronischen Steuererklärung, nicht vorbei. Danach möchte man ein paar Finanzämter anzünden. (aus der taz vom 1. Februar 2013) Anders als fast alle Menschen mache ich Steuererklärungen eigentlich ganz gerne: Honorare]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Als Freiberufler kommt man an der elektronischen Steuererklärung, nicht vorbei. Danach möchte man ein paar Finanzämter anzünden.<span id="more-1238"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!110153/" target="_blank">taz</a> vom 1. Februar 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/elsterheader.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1242" alt="elsterheader" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/elsterheader.jpg" width="620" height="116" /></a></p>
<p>Anders als fast alle Menschen mache ich Steuererklärungen eigentlich ganz gerne: Honorare und Auslagen in Excel-Tabellen sammeln, übertragen und zusammenzählen ist wie Zen. Und Formulare, die klar vorgeben, an welche Stelle man welche Ziffer schreiben soll, sind eine angenehme Kontrastbeschäftigung zu leeren Word-Dokumenten, in denen man an jeder Stelle jedes Zeichen schreiben darf. Wo also ist das Problem?</p>
<p>Das Problem heißt <a href="http://www.elsteronline.de/eportal/" target="_blank" shape="rect">ELSTER Online</a>, die – knickknack, Akronym! – ELektronische STeuerERklärung. Ein Zeichen der deutschen Finanzämter, im Online-Zeitalter angekommen zu sein, ein Angebot… nein, eben gerade KEIN Angebot. Jedenfalls nicht, wenn man als Freiberufler Umsatzsteuervoranmeldungen und -erklärungen machen muss. Die gehen nämlich nur noch mit Elster. Auf Papier ist es verboten. Verboten! Und Elster ist die Hölle, die digitale Version vom „Haus, das Verrückte macht“, aus „Asterix erobert Rom“, speziell wenn man einen Mac nutzt (was unter Freiberuflern gar nicht so selten vorkommt, wie man hört).</p>
<p>Schon die Registrierung besteht aufgrund der absurden Sicherheitsmaßstäbe von Elster aus einem mehrteiligen Verfahren, das einen 20-stelligen Aktivierungscode und einen Brief und eine weitere PIN beinhaltet – Holm Friebe hat diesen Wahnsinn schon 2006 in der Berliner Zeitung <a href="http://www.berliner-zeitung.de/newsticker/die-aktivierung-des-basispakets-elster-online,10917074,10435212.html" target="_blank" shape="rect">dokumentiert</a>.</p>
<p>Danach muss man ein Zugangszertifikat im .pfx-Format auf dem Computer abspeichern, das man, wenn man sich ein Quartal später erneut anmelden will, natürlich nicht mehr wiederfindet. Außerdem kann man sich das selbstgewählte Passwort, wenn man es nicht mehr weiß, auch nicht zumailen lassen. Man muss dann das gesamte Registrierungsverfahren von vorn starten. Immerhin hat man unendlich viele Eingabeversuche.</p>
<p>Selbst wenn man alles parat hat, läuft Elster nie (in Worten: nie!) auf Anhieb. Denn es basiert auf Java, fordert grundsätzlich immer die alleraktuellsten Versionen von allem ein, das Konzept „Abwärtskompabilität“ ist nicht bekannt. Bei meinem letzten Versuch der Umsatzsteuerquartalsanmeldung fürs Q4 2012 – das war am 10. Januar, am gleichen Tag empfahl übrigens das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Internetnutzern, Java wegen schwerwiegender Sicherheitslücken zu deaktivieren – lief Elster in meinen drei Browsern nicht.</p>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/eliaselster.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1241" alt="eliaselster" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/eliaselster.jpg" width="620" height="203" /></a></p>
<p>Man könnte in so einem Moment natürlich <a href="http://www.elster.de/nmIQ/avatar_faq.jsp" target="_blank" shape="rect">ELIAS</a> fragen, den – höhö, zwinkerzwinker – ELster-Informations-ASsistenten. Aber Elias ist ein dummer Roboter, der aussieht wie einer dieser MS-Office-Assistenten (erinnern Sie sich noch an <a href="http://www.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,1991915_1991909_1991755,00.html" target="_blank" shape="rect">Clippy</a>, die sprechende Büroklammer?) und genauso unnütz ist.</p>
<p>Und die Umsatzsteuerjahreserklärung kann ich mit Elster Online gar nicht erst machen. Dafür braucht man das dazugehörige Offline-Programm und das gibt es nicht für Macs. Für das Steuerjahr 2011 wurde mir nach circa zehn Telefonaten mit dem Finanzamt noch als Ausnahmegenehmigung eingeräumt, es doch auf Papier abzugeben. Für 2012 muss ich vermutlich <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lIiUR2gV0xk" target="_blank" shape="rect">Passierschein A38</a> vorlegen. Oder einen Windows-Rechner kaufen.</p>
<p>Das papierlose Büro galt jahrzehntelang als Utopie. Dank Elster wissen wir, dass es eine Diktatur sein wird.</p>
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		<title>Der heilige Sankt Mega Man</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jan 2013 19:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens. (aus der taz vom 4. Januar 2013) Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wie Computerspielfiguren zu Ikonen wurden und 8-Bit-Grafiken zu Popkultur – und ich zum Besitzer eines Bügeleisens. <span id="more-1239"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!108401/">taz</a> vom 4. Januar 2013)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1097" alt="megaman mit smiley" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/megaman2.jpg" width="620" height="388" /></a></p>
<p>Ganz schlimm finde ich diese alternden Männer, die für immer auf dem Hippie-Rock-’n’-Roll-Trip – dem Soundtrack ihrer Jugend, der einzig wahren Musik – hängen geblieben sind. Die ihr Haupthaar auch bei Zweidrittelglatze noch rebellisch lang tragen, mit ihrer Lederjacke verwachsen sind und nicht die geistige Beweglichkeit besitzen, sich elektronische Musik auch nur probeweise anzuhören.</p>
<p>Dabei bin ich genauso. Bloß, dass meine Helden nicht Bob Dylan und Jim Morrison heißen, sondern Super Mario, Mega Man und Guybrush Threepwood. Sozialisiert als Nintendo-Fanboy in der ersten Hälfte der 90er Jahre und längst mit meinem Kapuzenpullover und den Skate-Sneakers verwachsen (dabei kann ich gar nicht skaten), bleiben für mich die einzig wahren Videospiele die aus der 8-Bit-Ära, in denen man noch jeden Pixel einzeln erkennen kann.</p>
<p>Denn je fotorealistischer Grafik werden wollte, desto egaler wurde sie auch. Beziehungsweise sie wurde erst mal vor allem schlechter, weil eine miese Simulation der Wirklichkeit viel weniger hermacht als die offensichtliche Abstraktion der 8-Bit-Ästhetik.</p>
<p>Inzwischen sehen Computerspiele zwar aus wie Filme – und Filme wie Computerspiele –, was sehr well-made ist, aber halt auch überhaupt nicht spezifisch. Erst die geringe Bildpunkteauflösung zwang die 8-Bit-Characterdesigner ja zu einem eigenen Ausdruck, zur erhöhten Ikonografie. Nicht von ungefähr sind die bis heute bekanntesten Computerspielfiguren die aus den 70ern und 80ern.</p>
<div>
<p>Damit bin ich nicht allein: Das ganze Internet ist voll mit Fan-Art und Ver-8-Bittungen von altem und neuem Popkulturgut. Dazu kann man <a href="http://www.thinkgeek.com/product/9352/" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Krawatten</a>, <a href="http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20080123221520" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Uhren</a>, <a href="http://gizmodo.com/269301/stolen-pixel-jewelry-proves-valkryrie-needs-bling-more-than-food?tag=gadgetspixelization" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Halsketten</a> und <a href="http://www.tallgrassbeer.com/8bit.html" target="_blank" shape="rect">8-Bit-Bier</a> kaufen, Space Invaders werben auf Aufklebern gegen <a href="http://riesenmaschine.de/index2.html?nr=20060130122143" target="_blank" shape="rect">Antisemitismus</a>, und sogar Google Maps wurde für einen Tag komplett auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=rznYifPHxDg" target="_blank" shape="rect">Pixeloptik</a>umgestellt. Na gut, es war der 1. April. Aber trotzdem.</p>
<p>Und dann war ich vor ein paar Wochen bei Ikea. Eigentlich brauchte ich bloß so ein Abwaschabtropfdings (MAGASIN). Aber in der Spielwarenabteilung blieb ich an PYSSLA hängen. Eine große Plastikbox, gefüllt mit Tausenden Bügelperlen. Genau: Das sind kleine bunte Plastikzylinder mit einem Loch, mit denen man auf der Matrix eines Steckbretts Muster zusammenpuzzeln kann. Überbügelt man das fertige Bild – mit Backpapier dazwischen, wichtig! – verklebt die eine Seite der Zylinder und man kann sie vorsichtig von der Steckplatte lösen.</p>
<p>Nun habe ich weder Kinder noch einen gesteigerten Bedarf an Saftglasuntersetzern oder Namensschildern an meiner Tür. Und eigentlich auch ausreichend Hobbys, ja sogar Freunde. Aber diese Perlen und die Matrix … auf einmal ergab alles einen Sinn. Ich setzt mich noch am gleichen Abend in die Küche, schloss meine neuen Lampen (LEDBERG) an und puzzelte einen Mega Man. Er sah toll aus! Na ja, ich musste ihn etwas stauchen und statt hellblau war er lila, denn ich hatte nur 29 mal 29 Pixel Arbeitsfläche und eine unzureichende Farbpalette. Aber er lebte! In meiner Küche!</p>
<p>Am nächsten Tag kaufte ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Bügeleisen.</p>
</div>
<p><em>Aufmerksame Leser erkennen, dass ich diesen Anfang in <a href="http://www.taz.de/!83923/" target="_blank">diesem Text hier</a> schonmal verwendet hatte. Der verlinkte Text erschien nur online, die Kolumne hier sollte nur in der Printausgabe erscheinen. Aber durch einen Absprachefehler war sie dann doch online und, naja, Remixkultur, egal.</em></p>
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		<title>Ich und meine Googlegänger</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2012 02:17:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wenn man Michael Brake heißt, ist man nicht allein im Netz. Aber was sind das eigentlich für Leute, mit denen man sich den Namen und die Googletreffer teilt? (aus der taz vom 7. Dezember 2012) Ich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Wenn man Michael Brake heißt, ist man nicht allein im Netz. Aber was sind das eigentlich für Leute, mit denen man sich den Namen und die Googletreffer teilt?<span id="more-1214"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!107068/" target="_blank">taz</a> vom 7. Dezember 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1217" title="michaelbrakegooglebildersuche" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/michaelbrakegooglebildersuche.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Ich habe es geschafft. Ich bin die Nummer 1. Und die Nummer 2, 3, 6, 7, 8, 9 und 10 noch dazu. Die Disziplin: <a href="https://www.google.com/search?q=michael+brake" target="_blank">Egogoogeln</a>. Meine Konkurrenz: Groß, denn Michael Brakes gibt es dank meines Langweiler-Vornamens (von 1950 bis 1980 in der Top Ten der beliebtesten deutschen Jungsnamen) einen Batzen, und auf Englisch funktioniert mein Name ja auch (wie mir auch neue Bekanntschaften gern erklären: „Haha, du heißt ja Meikel Bräyk, wie lustig“ – danke, war mir nie aufgefallen).</p>
<p>Egogoogeln hat einen schlechten Ruf, wegen Eitelkeit und so. Aber als freier Journalist darf ich das, immerhin stellt mein Name ein gewisses Kapital dar und da will man ja sehen, wo man steht. Um das auszuprobieren, habe ich die Filter Bubble meines persönlichen Browserseitenverlaufs verlassen und bin in ein Internetcafé gegangen. Und, tada: acht Plätze in den Top Ten, tatsächlich michaelbrake.de auf der 1, dahinter mehrere Übersichts- und Profilseiten aus dem Medienbereich, außerdem ein taz-Artikel, von dem ich nicht weiß, warum genau er es geschafft hat. Es geht um <a href="http://www.taz.de/!82905/" target="_blank">die Auslosungstöpfe der Fußball-EM</a>.</p>
<p>Das aber war nicht immer so. Bis vor kurzem hatte ich einen hartnäckigen Konkurrenten: <a href="http://urologie-brake-offenburg.de/" shape="rect" target="_blank">Dr. Michael Brake</a>, Inhaber einer urologischen Praxis in Offenburg und Oberkirch, hielt dank hoch gerankter Branchenbucheinträge mehrere Top-Ten-Plätze. Jetzt steht er nur noch auf der 4 und der 17. Auch Dr. Frank-Michael Brake aus Hagen ist auf Platz 16 und 20 zurückgefallen.</p>
<p>Googlegänger – eine Verwortspielung des englischen Germanismus Doppelgänger – heißen solche Leute. Neben den Ärzten sind das bei mir die beiden prominentesten Michael Brakes: ein Filmkomponist, der in der Internet Movie Database <a href="http://www.imdb.de/name/nm1827861/" shape="rect" target="_blank">über 80 Einträge</a> bei Musikschnitt hat, unter anderem für „How I met your mother“. Und ein Soziologe, der 1985 das Buch <a href="http://www.amazon.com/Comparative-Youth-Culture-ebook/dp/B000FBFJJQ" shape="rect" target="_blank">„Comparative Youth Culture“</a> geschrieben hat.</p>
<p>Diverse andere Googlegänger habe ich dank der absurden Präsenz meiner eigenen Webseite (ich habe offenbar einen grünen SEO-Daumen, it’s magic) komplett aus den Trefferlisten verdrängt: den <a href="http://www.scp07-ah.de/cms/news.php?show=3-2009" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der bis Mitte 2010 in der Ü50-Fußballmannschaft des SC Paderborn spielte („Den Ausgleich vergab Michael Brake nach tollem Solo und Zuspiel von Ben Schlootköter freistehend aus 8 Metern“). Den <a href="http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-schmeisst-die-Strassenhaendler-raus" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der laut einem Bericht in der <em>Neuen Presse</em> Ende 2011 seine Straßenhändler-Lizenz für Hannovers Fußgängerzone verloren hat. Auch den <a href="http://my.opera.com/elevationsresortscam/blog/michael-brake-the-manager-and-salesperson-2" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der mit seiner Scheinfirma Five Star Global Management in einen millionenschweren Vorschussbetrug rund um ein fiktives Ferienressort verwickelt war („Michael Brake is another one of Andre Muran’s con men that were used to steal peoples hard earned money.“). Den <a href="http://www.theaucklander.co.nz/news/shore-rowers-win-juniors-gold-eye-rio/1532605/" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der als neuseeländische Ruderhoffnung zu den Olympischen Spielen 2016 will. Den <a href="http://www.cbc.ca/news/story/1999/11/15/nf_brake991115.html" shape="rect" target="_blank">Michael Brake</a>, der 1999 wegen des Totschlags an seinem eigenen Sohn zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde („Brake killed the baby when he hit him in the head with his hand.“).Und den Michael Brake, von dessen Tischfußballniederlage mit Jens Schulz es ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=x6Zo-ETS3wk" shape="rect" target="_blank">YouTube-Video</a> … ach nein, das bin ja auch ich.</p>
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		<title>Die besten GEHEIMTIPPS aus dem Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Nov 2012 20:15:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Ein Buch, das aus einer ausgedruckten Liste von Internetadressen besteht? Gibt es! Und angeblich ist es sogar die bessere Alternative zu Google. Klar. (aus der taz vom 9. November 2012) Endlich Herbst. Endlich wieder Laub, Kürbisse,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Ein Buch, das aus einer ausgedruckten Liste von Internetadressen besteht? Gibt es! Und angeblich ist es sogar die bessere Alternative zu Google. Klar. <span id="more-1175"></span>(aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!105218/">taz</a> vom 9. November 2012)</h3>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1177" title="webadressbuch" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/webadressbuch.jpg" alt="" width="200" height="287" />Endlich Herbst. Endlich wieder Laub, Kürbisse, Champions League. Und endlich wird in den Buchläden die neue Auflage des „Web-Adressbuchs für Deutschland“ verkauft, die 16. inzwischen, „Mit den besten GEHEIMTIPPS aus dem Internet“. Das Buch ist eine Emulation der späten Neunziger: Die Titelschrift mit Schatteneffekt, der Umschlaghintergrund mit Farbverlauf und Clipart-Fernglas, im Editorial wird „viel Spaß beim Surfen auf der Datenautobahn“ gewünscht – eigentlich fehlt nur noch eine beigelegte CD-ROM mit 50 Gratisstunden AOL.</p>
<p>Ja, Sie haben das richtig verstanden: Es handelt sich wirklich um eine ausgedruckte Liste von Internetadressen. „Die Redaktion testet, bewertet und vergleicht jedes Jahr aufs Neue alle (!) Web-Seiten“, verspricht der Herausgeber. Alle! Wie viele es wohl gerade gibt? Die „6.000 wichtigsten“ finden sich jedenfalls sortiert in Rubriken, mit Dreizeiler, URL und Register. Das Buch soll die bessere Alternative zu Google sein, denn endlich sparen wir uns „das ewige Herumsurfen und Durcharbeiten der Trefferlisten in Suchmaschinen“. Ohne Suchfunktion. Klar.</p>
<p>Nun ist gegen kuratiertes Internet erst mal nichts einzuwenden, und beim ersten Durchblättern scheinen die meisten Themen sinnvoll abgedeckt, sogar <a href="http://www.abgeordnetenwatch.de/" shape="rect" target="_blank">Abgeordetenwatch</a>, <a href="http://www.crackajack.de/" shape="rect" target="_blank">Nerdcore</a> und <a href="http://www.mundraub.org/" shape="rect" target="_blank">Mundraub</a> sind dabei. Aber, hey: Ist ja eigentlich auch nicht so schwer. Die Redaktion hatte schließlich auch <a href="http://www.google.de/" shape="rect" target="_blank">Google</a> (Seite 456: „Google findet schnell und zuverlässig relevante Web-Seiten, Bilder und Nachrichten mit der preisgekrönten Stichwortsuche“) und jede dritte Adresse ist einfach der Suchbegriff mit einem .de oder .org dahinter.</p>
<p>An der bescheuerten Aufgabe, die 6.000 wichtigsten Adressen auszusuchen, scheitert das Buch natürlich. Vimeo und Soundcloud fehlen, dafür gibt es eine Seite mit „Infos aller Art zum Amiga-Betriebssystem“. Celle hat gleich drei Einträge, Indonesien keinen einzigen, und wenn es noch irgendeinen Zweifel daran gibt, dass die Macher keinen Bezug zum Internet haben: Zwölf Hundeseiten sind gelistet, aber nur drei Katzenseiten. Nach welchen „Kriterien“ es die Webshops für Zäune, Perücken, Zimmerbrunnen usw. ins Buch geschafft haben, möchte man auch lieber nicht wissen (eine „Farbige Screenshot-Abbildung Ihrer Web-Seite inkl. Premium-Texteintrag“ <a href="http://www.web-adressbuch.de/aufnahme_antrag/default.aspx?schritt=1" shape="rect" target="_blank">kostet 599 Euro</a>, nur mal nebenbei).</p>
<p>Trotzdem gibt es eine Zielgruppe: Menschen, die Angst vorm Internet haben, aber zu jung sind, um „damit jetzt gar nicht mehr anzufangen“. Die ihren Kindern jeden Artikel zum Thema Cyber-Kriminalität aus der Lokalzeitung ausschneiden. Und die Google-Treffer nicht von Google-Kleinanzeigen unterscheiden können. Für sie wurde alles auf eine potemkinsch anmutende Seriosität gebügelt: Der Herausgeber trägt stolz ein „Dipl.-Pol.“ und gleich vorne werden jede Menge Safer-Surfing-Gütesiegel vorgestellt, darunter das vom Web-Adressbuch-Verlag selbst erfundene Jodeldiplom „Zertifizierte Web-Seite“ (auch hier kostet der Mitgliedsbeitrag 599 Euro im Jahr).</p>
<p>Auch aufgeführt ist natürlich die Eigenseite <a href="http://www.web-adressbuch.de/" shape="rect" target="_blank">www.web-adressbuch.de</a>. Eine Website, die ein Buch vorstellt, in dem Internetadressen stehen, die aber auf der Seite nicht zu finden sind – irgendwas ist mit der Zukunft in den vergangenen Jahren ziemlich schiefgelaufen.</p>
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		<title>Der Nerd mit dem Röntgenblick</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2012 00:13:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Lektionen in Goldfarming: Im dicht recherchierten Actionthriller „Error“ analysiert Neal Stephenson virtuos die Mechanismen der digitalen Welt. (aus der taz vom 16. Oktober 2012) Die letzten 100 Seiten herrscht Krieg. Ein kleinteiliger, zermürbender Stellungskrieg im schroffen Grenzgebirge zwischen British Columbia]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Lektionen in Goldfarming: Im dicht recherchierten Actionthriller „Error“ analysiert Neal Stephenson virtuos die Mechanismen der digitalen Welt. <span id="more-1087"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/Neal-Stephensons-Buch-Error/!103662/" target="_blank">taz</a> vom 16. Oktober 2012)</h3>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1089" title="Stephenson_NError_hoch" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/Stephenson_NError_hoch.jpeg" width="310" height="471" />Die letzten 100 Seiten herrscht Krieg. Ein kleinteiliger, zermürbender Stellungskrieg im schroffen Grenzgebirge zwischen British Columbia und Idaho, mit gerade einmal rund zwanzig Beteiligten. Dschihadisten, christlich-fundamentalistische US-Hinterwäldler, Geheimdienstmitarbeiter und mehrere durch eine Verkettung von Zufällen in diesen Schlamassel geratene Personen, darunter ein ungarischer Programmierer und eine chinesische Teeverkäuferin, kämpfen in dieser Schlacht, die mit überwältigender Präzision beschrieben wird, wie so vieles in diesem Buch.</p>
<p>Die Ursache für das blutige Finale von Neal Stephensons „Error“ ist ein Phänomen, das sich Goldfarming nennt – und das es wirklich gibt. Es ist eines dieser vielen irren Geschäftsmodelle, die nur die evolutionäre, alle Nischen ausnutzende Energie des Kapitalismus hervorbringen kann: In Multiplayer-Online-Games, das bekannteste davon ist „World of Warcraft“, erspielen sich Menschen – zu bedeutenden Teilen asiatische Teenager – in Akkordarbeit Gold und Gegenstände, um das alles dann in der echten Welt für echtes Geld zu verkaufen. Fünf Dollar für eine seltene Axt sind für Gamer in den USA, die in ihrer knappen Zeit ihren Spielspaß optimieren wollen, ein Taschengeld. Für einen Chinesen sind sie ein Tageslohn.</p>
<p>Heute soll sich das jährliche Goldfarming-Marktvolumen im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Die Spielehersteller dulden das Phänomen allenfalls als Nebeneffekt, die chinesische Regierung wollte es schon 2009 unterbinden. Schlagzeilen, laut denen chinesische Häftlinge von ihren Wärtern zum Goldfarmen gezwungen wurden, sind sicher mit dafür verantwortlich. In den USA verbot eBay 2007 den Verkauf von World-of-Warcraft-Gütern.</p>
<p>Definitiv ein Thema für ein Buch. Bereits vor zwei Jahren legte Cory Doctorow, Autor, Digital-Rights-Aktivist und in den USA populärer Blogger bei <a href="http://boingboing.net/" target="_blank" shape="rect">boingboing.net</a>, seinen Jugendroman „For the Win“ vor. Darin beschreibt er, wie sich ausgebeutete Goldfarmer gegen ihre Bosse erheben, eine Gewerkschaft gründen und gleichzeitig die Spielefirmen reinlegen. „For the Win“ ist rasant geschrieben, mit vielen klugen Einblicken in ökonomische Zusammenhänge, leidet aber unter etwas zu viel Pathos und deutlich zu wenig sprachlicher Finesse.</p>
<p>Da spielt „Error“, das am Dienstag auf Deutsch erscheint, schon einige Gewichtsklassen höher. Autor Neal Stephenson wurde Anfang der neunziger Jahre dank „Snow Crash“ und „Diamond Age“ zu einem der wichtigsten Vertreter des Cyberpunks, jenem düsteren, antiutopischen Subgenre der Science-Fiction, das vor rund einem Vierteljahrhundert seine kurze Blütezeit hatte und beispielsweise William Gibsons Roman „Neuromancer“ und Ridley Scotts Film „Blade Runner“ hervorbrachte.</p>
<p>In „Snow Crash“ skizzierte Stephenson mit dem Multiversum eine 3-D-basierte Online-Community und griff dem 15 Jahre später gehypten Second Life vor – auch die Verwendung von „Avatar“ für das Online-Selbst geht auf das Buch zurück. Neben einer actionreichen Story um einen Pizzalieferanten/Schwertkämpfer steigt Stephenson hier tief in Linguistik, Meme-Theorie und sumerische Mythologie ein.</p>
<h6>Turing-Maschinen und Nanotechnologie</h6>
<p>„Diamond Age“ handelt von einer interaktiven Kinderfibel, aber auch von Turing-Maschinen, Nanotechnologie, Materie-Compilern und der Macht der Informationsfreiheit. In beiden Büchern wird überdies eine anarchokapitalistische Gesellschaftsform beschrieben, in der Staaten nicht mehr aus zusammenhängenden Territorien bestehen, sondern aus vielen winzigen, über den ganzen Erdball versprengten Einzelteilen.</p>
<p>Eine derart visionäre Kraft hat „Error“ bei weitem nicht, ist nicht einmal Science-Fiction im klassischen Sinne, sondern spielt in einem alternativen Jetzt. Dort beginnt das Buch mit einer wuchtigen Ouvertüre, einer Schießübung am Rande einer Thanksgiving-Familienfeier im ländlichen Iowa, bei der mit Richard und Zula Forthrast die beiden wichtigsten der diversen Hauptfiguren eingeführt werden.</p>
<p>Richard, Endfünfziger, hochintelligenter Einzelgänger und Entrepreneur, ist das schwarze Schaf des Forthrast-Clans. In den Siebzigern floh er vor seiner Armeeeinberufung nach Kanada und wurde durch Haschischschmuggel reich, inzwischen besitzt er ein Schloss mit angeschlossenem Skiresort und hat mit T’Rain eines der erfolgreichsten Online-Rollenspiele überhaupt erfunden – ein Spiel, in dem der Nebeneffekt des Goldfarmings zum Hauptprinzip gemacht wird.</p>
<p>Zula, Richards Nichte, wurde als eritreisches Flüchtlingskind vom Forthrast-Clan adoptiert und kommt nach der Familienfeier bei T’Rain als Programmiererin unter. Sie ist ein stolzer und in vielerlei Hinsicht starker Frauencharakter – nicht der einzige in diesem Buch und in Stephensons Romanen überhaupt.</p>
<h6>Decodierung gegen Cash</h6>
<p>Auslösendes Element für rund tausend Seiten Spannung ist nun ein Computervirus – „Reamde“, so lautet übrigens auch der englische Originaltitel des Buches. Reamde hackt sich via T’Rain in die Rechner der Spieler ein und verschlüsselt dort Dateien. Das Lösegeld für eine Decodierung, T’Rain-Gold im Wert von 73 Dollar, muss persönlich im Spiel hinterlegt werden.</p>
<p>In der T’Rain-Welt hat das zur Folge, dass auf einmal Zehntausende Spieler in ein eigentlich unscheinbares, von einer Gruppe Chinesen kontrolliertes Gebirge aufbrechen. Natürlich kommen bald auch Räuber dorthin, die den Spielern das Lösegeld vorher abnehmen wollen, und Söldner, die den Spielern wiederum anbieten, sie vor den Räubern zu schützen, und im ganzen Durcheinander bekommt ein ohnehin tobender Koalitionskrieg in T’Rain eine neue Wendung.</p>
<p>In der echten Welt gelangt das Virus derweil auf den Rechner eines russischen Mafioso. Der schwört, die Verursacher zu töten, und setzt so eine Kettenreaktion in Gang, die neben Zula und Richard noch rund ein Dutzend weiterer Haupt- und Nebencharaktere bis zur letzten Seite in Atem hält. Nicht alle werden überleben.</p>
<p>In seinem Wesen ist „Error“ also ein Actionthriller, doch Stephensons weitschweifende Nebengedanken geben dem Buch Tiefe. Neben den Hintergrundgeschichten seiner Protagonisten beschreibt er auch die Firmenpolitik von T’Rain äußerst detailliert und durchaus amüsant. So wird ein junger Autist mit Programmier- und Geologie-Kenntnissen ausfindig gemacht, der in der Lage ist, „echte“ Berge zu programmieren – also nicht Designerberge, bei denen unter einer dünnen Pixeltextur nichts mehr ist, sondern das Ergebnis einer Simulation von mehreren Milliarden Jahren Plattentektonik, vulkanischer Aktivität und Wetter. Und als zwei Fantasyautoren angestellt werden, um die noch leere Welt mit einer Geschichte zu füllen, zerstreiten sie sich schon beim ersten Treffen: Mehrere Seiten lang belehrt der Oxford-Professor den amerikanischen Pulp-Literaten über die korrekte Verwendung von Apostrophen in der fiktiven Sprache T’Rains.</p>
<h6>Rechercheintensives Detailreichtum</h6>
<p>Dieser rechercheintensive Detailreichtum ist typisch für den 52-jährigen Stephenson, der eine Art Universalgelehrter ist. Sein Vater war Professor der Elektrotechnik und seine Mutter Biochemikerin, er selbst studierte Physik und Geografie. In seinem über 3.000 Seiten starken „Barock-Zyklus“ thematisierte Stephenson die Entstehung der Wissenschaften und des heutigen Geldverkehrssystems im ausgehenden 17. Jahrhundert, in „Cryptonomicon“ widmete er sich den Kryptologiesystemen im Zweiten Weltkrieg. Für dieses Buch wurde eigens ein Verschlüsselungsalgorithmus entwickelt.</p>
<p>Heute arbeitet Stephenson unter anderem als Wissenschaftsjournalist und beschäftigt sich in seinem Project Hieroglyph damit, wie Forscher und Science-Fiction-Autoren gemeinsam eine stärkere visionäre Kraft entwickeln können.</p>
<p>In „Error“ geht es daher nie nur darum, wie die Dinge sind, sondern vor allem, wie sie funktionieren, seien es internationale Flugrouten, Farbschemata oder Schusswaffen, auch in die zahlreichen Actionsequenzen und Verfolgungsjagden wird immer noch eine zweite, analysierende Ebene eingezogen. Dieser Drang, immer die den Dingen zugrunde liegenden Mechanismen abzubilden, macht „Error“ so stark. Das – und die ambivalenten Charaktere, der wendungsreiche Plot und die Sprachmacht Stephensons.</p>
<div>
<p><strong>Neal Stephenson: „Error“</strong><strong>. Aus dem Englischen übersetzt von Juliane Gräbener-Müller, Nikolaus Stingl</strong><strong> Manhattan Verlag, 1.024 Seiten, 24,99 Euro</strong></p>
</div>
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		<title>Optimiert von A.A.A.A.A.A. bis Z</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Oct 2012 15:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat Suchmaschinenoptimierung groß gemacht – doch es gibt sie schon viel länger. Man muss nur mal ins Telefonbuch schauen. (aus der taz vom 12. Oktober) Das Survival of the Fittest wird fälschlicherweise oft als Überleben der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat Suchmaschinenoptimierung groß gemacht – doch es gibt sie schon viel länger. Man muss nur mal ins Telefonbuch schauen. <span id="more-1077"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!103416/" target="_blank">taz</a> vom 12. Oktober)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1079" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/telefonbuch_spam_aaaa.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Das Survival of the Fittest wird fälschlicherweise oft als Überleben der Fittesten verstanden. Dabei geht es um „to fit“, also passen: Nicht die stärkste Art überlebt, sondern die, die sich am besten auf ihre Umgebung einstellt.</p>
<p>Im Internet ist es ganz ähnlich. Es werden nicht zwingend die schönsten und hilfreichsten Seiten von den gängigen Suchmaschinen (also der einen gängigen halt) oben gelistet, sondern diejenigen, die die beste Symbiose mit dem PageRank-Algorithmus (Fun Fact: Dieser Algorithmus ist nicht nach dem englischen Wort für Seite, sondern nach einer Person benannt) und den Webcrawler-Programmen eingehen.</p>
<p>S.E.O., Search Engine Optimizing, heißt die Branche, die all diese Vorgänge analysiert und auszunutzen versucht. Ein Beruf, der 0,3 Punkte auf der „Ich bin ein sinnvolles Mitglied unserer Gesellschaft“-Skala von 1 bis 10 hat und damit nur knapp hinter den Leuten liegt, die als Hot Dog oder Handy verkleidet Flugblätter verteilen.</p>
<p>Nun wurde Suchmaschinenoptimierung zwar durch das Internet groß, aber nicht dort erfunden. Auch der Händler mit dem knallrosa Ladenschild und der Eiswagen mit der lustigen Melodie triggern unsere körpereigenen Crawler, mit denen wir unablässlich die Kohlenstoffwelt nach interessanten Inhalten scannen: Auge und Ohr.</p>
<p>Lebensmittelhersteller geben einiges Geld für Produktentwicklung aus – und danach noch viel viel mehr, um im Supermarkt im für sie optimal erscheinenden Regalsegment platziert zu werden. Für Radiostationen war es in der Analogradio-Ära vermutlich von Vorteil, wenn sie am Anfang oder Ende des UKW-Bereichs lagen. Den Frequenzsucher nur einmal beherzt an den Anschlag zu reißen, ist bequemer, als den Lieblingssender irgendwo im 94,7-Bereich herauszufummeln. Und zur Zeit von Telefonwählscheiben hatte ein Taxiunternehmen mit der Nummer 22122 eine bessere Marktposition als eins mit der 99899.</p>
<p>Der fortgeschrittenste Prä-Internet-S.E.O-Wettkampf wurde allerdings in Telefonbüchern ausgefochten. Eine Möglichkeit: ganz vorne stehen – oder ganz hinten (eine Option, die bei Google wegfällt). Der allererste Eintrag im aktuellen Berliner Papiertelefonbuch lautet entsprechend „A. A. A. A. E. Merchandise Corporation &amp; Werbeproduktions-GmbH“, wobei die Leerzeichen und Punkte eine wichtige Rolle spielen, denn die „AAA Argusauge Security GmbH“ steht erst auf der zweiten Seite, weit hinter der „A S Frucht GmbH“.</p>
<p>Der zweite Trick ist, nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern bis zu dreihundert unterschiedliche Nummern anzumelden, um in der unendlichen Kleinteiligkeit der Telefonbuchbleiwüste sofort ins Leserauge zu springen.</p>
<p>Doch auch im Telefonbuchverlag beschäftigt man sich offenbar mit S.E.O.-Abwehr und hat die diffuse Kategorie „Sonstige Einträge“ geschaffen. Hierhin werden Namensungetüme wie „a a a a a a a a a a a a a a absichernder allgemeiner Schlüsseldienst e.K.“ oder „! ! ! ! 0-0h Schlüssel, Schlüsseldienst, Schlüsselnotdienst Tag &amp; Nacht e. K.“ verbannt, neben Firmen, die ganze Spalten mit leicht variierenden 0800er-Nummern füllen.</p>
<p>Mit Evolution hat dieses Nummernghetto natürlich nichts zu tun. Aber manchmal müssen Suchmaschinenbetreiber eben Gott spielen.</p>
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		<title>30 Jahre Zeichenzoo</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Sep 2012 19:29:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 19. September 1982 lernten die Satzzeichen lachen. Heute können Emoticons noch viele Sachen mehr. Wir hätten aber noch ein paar Wünsche. (aus der taz vom 19. September 2012, mit Daniel Schulz) Es gibt nicht so furchtbar viele Phänomene der]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Am 19. September 1982 lernten die Satzzeichen lachen. Heute können Emoticons noch viele Sachen mehr. Wir hätten aber noch ein paar Wünsche.<span id="more-1176"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Geburtstag-der-Emoticons-/!101921/" target="_blank">taz</a> vom 19. September 2012, mit Daniel Schulz)</h3>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-1181" title="30jahreemoticon" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/30jahreemoticon.jpg" alt="" width="620" height="234" /></h3>
<p>Es gibt nicht so furchtbar viele Phänomene der Alltagssprache, deren Urheber und Geburtszeitpunkt eindeutig festzulegen sind. Wann etwa hat zum ersten Mal jemand „Wayne Interessierts“ gesagt? Wer erfand ROFLMAO? Und wen dürfen wir, wenn erst mal die Revolution gesiegt hat, dafür an die Wand stellen, dass er sich „Zum Bleistift“ ausgedacht hat?</p>
<p>Bizarr eindeutig ist es hingegen bei den <a href="http://https//www.taz.de/index.php?id=bildergalerie&amp;tx_gooffotoboek_pi1[srcdir]=SMILEY-Geburtstag" shape="rect" target="_blank">Emoticons</a> – für unsere älteren Leser: Das sind diese kleinen Zeichenfolgen in Internetkommunikation und SMS, die Smiley-Gesichter ergeben, wenn man den Kopf um neunzig Grad nach links kippt. Am Vormittag des 19. September 1982 schrieb der spätere Informatikprofessor Scott Fahlman in ein Diskussionsforum der Carnegie Mellon University von Pittsburgh, dass er sich ein Witzkennzeichner ausgedacht hätte:</p>
<p>&nbsp;</p>
<pre>19-Sep-82 11:44</pre>
<pre>Scott E Fahlman :-)</pre>
<pre>I propose that the following character sequence for joke markers:</pre>
<pre>:-)</pre>
<pre>Read it sideways. Actually, it is probably more economical to mark things</pre>
<pre>that are NOT jokes, given current trends. For this, use</pre>
<pre>:-(</pre>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was 1982 so schlicht begann, hat sich inzwischen zu einem umfangreichen Zeichenzoo entwickelt. Was kann man nicht alles darstellen. Weinen:<strong> :,-(</strong> Lachen: <strong>:-D</strong> Zunge rausstrecken: <strong>:b</strong> Einen Mann mit Turban und Vollbart: <strong>@:{D</strong> Einen Biber mit Sonnenbrille und Schirmmütze: <strong>dB=</strong> – sogar Ironie wollen viele Leute mit dem allgegenwärtigen <strong>;-)</strong> verbildlichen können, ohne zu verstehen, dass Ironie ja eben genau nicht so funktioniert, dass man es dazusagen muss.</p>
<p>In Japan bildete sich später eine Parallelkultur, bei der man den Kopf nicht drehen muss. Hier schauen einen die Emoticons direkt ins Gesicht, wenn sie lachen: <strong>^_^</strong> oder weinen: <strong>T_T </strong>oder verwirrt sind: <strong>o_O</strong> – und schau, da, eine Miezekatze! <strong>=^.^=</strong></p>
<p>Wobei die Emoticons nur noch selten in ihrer reinen, textbasierten Form zu finden sind, Messenger, Internetforen und Handys wandeln sie automatisch zu kleinen bunten, im schlimmsten Fall sogar animierten Grafiken um. Irgendwo auf der Welt wird es von der Industrie bezahlte Emoticon-Designer geben. Dafür wurde das Internet nicht gegründet!</p>
<p>Gleichzeitig treten aber immer noch Situationen auf, für die es eben genau keine Emoticons gibt. Hier muss dringend nachgebessert werden! Sieben Emoticons, die der Welt noch fehlen:</p>
<p><strong>7. Das Flausch-Emoticon:</strong> „Brauche Liebe, nehme aber auch unkritische Zustimmung.“</p>
<p><strong>6. Das Falsches-Fremdwort-Emoticon:</strong> „Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Emoticon gerade richtig verwendet habe, also nagel mich nicht drauf fest. Ich wollte halt eines von den coolen Kindern sein.“</p>
<p><strong>5. Das Esstisch-Emoticon:</strong> „Gibst du mir mal eben das Salz rüber?“ (wenn man gemeinsam im Restaurant sitzt und sich via WhatsApp unterhält)</p>
<p><strong>4. Das Guttenberg-Emoticon:</strong> „War diese geniale Idee gerade wirklich von dir oder hast du die irgendwo abgeschrieben?“</p>
<p><strong>3. Das Obama-Emoticon:</strong> „Äh, ja, ich weiß auch nicht, wie ich das jetzt hinkriegen soll. Aber hey: die Alternative ist noch viel schlechter.“</p>
<p><strong>2</strong><strong>. Das Falsches-Fenster-Emoticon:</strong> „Huch, ich habe gerade etwas sehr Peinliches geschrieben, weil ich die Chatfenster vertauscht habe. Lass uns bitte nicht drüber reden und so tun, als wäre es nicht passiert.“</p>
<p><strong>1. Das Piratenpartei-Emoticon:</strong> „Ich habe mir dazu noch keine Meinung gebildet, mein interner Liquid-Feedback-Vorgang läuft noch.“</p>
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		<title>Piraten oder Ninjas?</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Sep 2012 23:23:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Pünktlich zum „International Talk Like a Pirate Day“ scheint eine der ältesten Fragen des Internets endlich geklärt. (aus der taz vom 14. September 2012) Avast! Am Montag wurde die deutsche Piratenpartei sechs Jahre alt. Das ist]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Pünktlich zum „International Talk Like a Pirate Day“ scheint eine der ältesten Fragen des Internets endlich geklärt.<span id="more-1025"></span> (aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!101612/" target="_blank">taz</a> vom 14. September 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1031" title="The_Secret_of_Monkey_Island_SE_Vergleich_2_low" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/The_Secret_of_Monkey_Island_SE_Vergleich_2_low.jpeg" alt="" width="619" height="274" /></p>
<p>Avast! Am Montag wurde die deutsche Piratenpartei sechs Jahre alt. Das ist schön für sie, sie wäre dann jetzt bereit für die Einschulung. Und kommenden Mittwoch steht gleich der nächste piratenrelatierte Feiertag an: der <a href="http://www.talklikeapirate.com/" target="_blank">International Talk Like a Pirate Day</a>, 1995 in der Piratenhochburg (Geheimwissen!) Oregon erfunden.</p>
<p>An diesem Tag sollen alle Menschen Piratisch reden, englisches Piratisch natürlich, deutsches Piratisch kann man ja nicht ernst nehmen (na gut, englisches auch nicht, aber das versteht man jedenfalls nicht so gut, das ist wie mit peinlichen Songtexten). Und es ist auch ganz einfach: man muss einfach nur irgendwo in jeden Satz ein Avast, Arrr, Aye oder Savvy einbauen und mit „Ahoy, Matey“ grüßen. Feinheiten wie die Frage, ob man „Arrrr“ vor, hinter oder vor <em>und</em> hinter einer adverbialen Bestimmung des Ortes verwenden sollte, regeln sich automatisch nach dem dritten Rum.</p>
<p>Um sich warmzulesen, lassen sich auch <a href="http://https://www.google.com/webhp?hl=xx-pirate" target="_blank">Google</a> und Facebook auf Piratenenglisch einstellen. „Gefällt mir“ heißt dann „Arrr, This be pleasin‘ to me eye“, aus „Teilen“ wird „Blabber t’ yer mates“ und aus „Profilbild bearbeiten“ „Mend the Jolly Rogger“, überm Chat steht „Parley, Thar’ be“, der „August“ heißt „Arrrgust“ und so weiter. Damit kann man schon mal einen Tag Spaß haben, und danach noch die Sprachoptionen Leetspeak und Upside Down ausprobieren. ʇɥǝıssnɐ ƃıʇsnl ǝıʍpuǝƃɹı ɥɔnɐ ɥɔılɹüʇɐu sɐʍ</p>
<p>Google, Facebook, die deutschen Wähler – auf einmal lieben alle die Piraten, in der <a href="http://www.venganza.info/" target="_blank">Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters</a> gehören sie sogar zu den zentralen Glaubensinhalten, hier wurde International Talk Like a Pirate Day zum Feiertag erhoben. Es scheint fast so, als wäre eine der ältesten und beinah in Vergessenheit geratenen Fragen der Internetgeschichte unbemerkt entschieden worden, und das mit einem komplett überraschenden Ausgang. Die Frage nämlich, wer besser ist: Piraten oder Ninjas?</p>
<p>Dabei ist es doch eigentlich einfach. Piraten mögen Musketen besitzen, aber was bringt ihnen das, wenn sie von den praktisch unsichtbaren Ninjas enthauptet werden, noch bevor sie den ersten Schuss abgeben können?</p>
<p>Und auch sonst: Piraten sind laut, reden und singen gerne. Ninjas sind superleise, reden nur das Nötigste und töten Leute, die singen. Piraten tragen alberne bunte Kostüme. Ninjas tragen schwarz mit Kapuze, können Kung Fu und coole andere Moves. Piraten sind wie Hunde. Ninjas sind wie Katzen. Die einzigen Pluspunkte fürs Team Pirat sind Monkey Island und Captain Jack Sparrow, aber das ist sicher auch nur irgendein Irrtum.</p>
<p>Doch trotz dieser für jeden offensichtlichen Überlegenheit ist es tatsächlich still geworden um die Ninjas. In den Achtzigern waren sie noch die Stars von Kinofilmen (American Ninja), Comics (Ninja Turtles) und Computerspielen (Ninja Gaiden), jetzt haben sie den Piraten die Medienöffentlichkeit überlassen, und was die daraus machen, sieht man ja gerade ganz gut .</p>
<p>Sogar die Website der <a href="http://ninjapartei.de/" target="_blank">Ninjapartei</a> (ja, die gibt es, also die Seite) ist inzwischen nur noch eine Umleitung zur Piratenpartei. Aber man muss deshalb nicht glauben, dass die Piraten gewonnen hätten. Die Ninjas sind nicht verschwunden. Ihr könnt sie nur nicht sehen.</p>
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		<title>Als ich einen Balrog erschuf</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 01:33:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von Likehuren und Hitlerkatzen, Kaffeetrends und dem Mario-Barth-Humor des Internets. Braucht Ihr noch mehr Buzzwords? Jetzt klickt schon, Ihr Luder! (aus der taz vom 17. August 2012) Es passierte auf einer Radtour durch Köln. Ich startete]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Von Likehuren und Hitlerkatzen, Kaffeetrends und dem Mario-Barth-Humor des Internets. Braucht Ihr noch mehr Buzzwords? Jetzt klickt schon, Ihr Luder!<span id="more-1003"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!99801/" target="_blank">taz</a> vom 17. August 2012)</h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1004" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/coffeetogo_nulleneinsen.jpeg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Es passierte auf einer Radtour durch Köln. Ich startete in Ehrenfeld, kam am berühmten Zentralmoscheeneubau vorbei, nudelte mich dann außenringseitig durch Industrie- und Bahnschienengebiete, bis ich Nippes erreichte. Auf der Neusser Straße war dann dieses Schild. „Coffee to go“ stand darauf und direkt darunter: „Jetzt auch zum Mitnehmen“. Haha. Lustig. Ich machte ein Foto. Und stellte es auf Facebook. Und zwar so, dass alle es sehen, liken und sharen können, nicht nur meine Freunde und Freundesfreunde.</p>
<p>Damit hatte ich einen Balrog geschaffen. Der erste, der das Foto likte, war Sascha Lobo. Der hat bei Facebook über 21.000 Abonnenten, die das mitkriegen konnten. Schnell kletterte der Gefällt-mir-Zähler auf 10, 20, 30. Bäm! Ich war glücklich. Denn, ja: Ich bin eine Likewhore. Jedes Mal, wenn oben links die kleinen weißen Ziffern auf rotem Grund aufpoppen und neue Ereignisse anzeigen, gibt mir das einen Kick.</p>
<p>In der taz-Onlineredaktion nennen wir Kollegen Klickhuren, wenn sie Beiträge absurd hochjazzen (dafür reicht in der Regel ein Tier- oder Nacktbild, oder in der Überschrift was mit Hitler oder Fäkalsprache; 100 Punkte wären das Bild einer Hitlerkatze und „Piraten wollen Aliensex legalisieren“). Likewhore sein ist das Gleiche, nur in einer anderen Währung. Endlich werden all die kleinen Alltagsbeobachtungen veredelt, belohnt und quantifiziert. Wobei man schnell nur noch Pointen online stellt oder was man dafür hält. Man will ja den Schnitt hoch halten.</p>
<p>Nachmittags ließen die Likes für das Kaffeefoto nach, dafür teilten auf einmal wildfremde Leute mein Foto. Mein Foto! Und ihre Freunde teilten es weiter und weiter. Ich konnte live mitzählen. 44. Reload. 45. Reload. 46. Hach. Als ich am nächsten Morgen bei 150 war, schaute ich mir die Shares mal an und merkte: Das sind fast nur Leute, mit denen ich gar nicht so viel zu tun haben wollen würde, so im echten Leben. Und auch sonst.</p>
<p>Erst da wurde mir klar, mit was ich gepunktet hatte. Bildergoogelt man den Spruch, kriegt man mehrere baugleiche Fotos ausgeworfen, eine Karikatur und sogar ein Buch mit dem Namen: „Kaffee to go – auch zum Mitnehmen!: Die verrücktesten und witzigsten Schilder“. Kaffeetrendwitze sind das, was Helmut-Kohl-Karikaturen in den Achtzigern waren, der Mario-Barth-Humor des Internets. Sichere Lacher, wie Witze über die FDP, Hipster oder Prenzlauer-Berg-Muttis.</p>
<p>Inzwischen sind es 93 Likes und 293 Shares, und insgesamt dürfte ich mehrere tausend Leute erreicht und manche davon sogar amüsiert haben. Und obwohl ich längst die emotionale Bindung zu meinem Foto verloren habe, bin ich doch ein wenig stolz. Ich hatte nicht nur etwas Vorhandenes weiterverbreitet, sondern tatsächlich selbst etwas geschaffen. Ich hatte meinen bescheidenen Beitrag zu der sich täglich weiter reproduzierenden Pointenmaschine Internet geleistet.</p>
<div>
<p>Danach konnte ich beruhigt vier 0-Like-Beiträge posten. Einen davon habe ich allerdings nachträglich heimlich wieder gelöscht. Wie sieht denn das sonst aus?</p>
</div>
<div id="adition_zone_artikel_co"></div>
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		<title>Der große Flauschangriff</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jun 2012 17:17:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat die Liebe entdeckt. Flausch ersetzt Rumgetrolle. Happiness auf Zuckerwattespeed, juchu! Oder doch bloß digitales Soma? (aus der taz vom 6. Juli 2012) Nicht gemeckert ist genug gelobt. Diese robuste Grundeinstellung der Niedersachsen, Berliner und]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Das Internet hat die Liebe entdeckt. Flausch ersetzt Rumgetrolle. Happiness auf Zuckerwattespeed, juchu! Oder doch bloß digitales Soma? <span id="more-905"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!94902/" target="_blank">taz</a> vom 6. Juli 2012)</h3>
<p><img class="size-full wp-image-907 alignnone" title="IF" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/flauschangriff.jpg" alt="" width="620" height="417" /></p>
<p>Nicht gemeckert ist genug gelobt. Diese robuste Grundeinstellung der Niedersachsen, Berliner und Ostwestfalen gilt auch in weiten Teilen des Internets. Während es zahlreiche klar definierte Hassausdrucksformen gibt – den Rant, den Shitstorm, den Flame-War, die Trollerei – wird Respekt oder gar Zuneigung normalerweise nur technisch ausgedrückt: durch das Betätigen der Like-, Fav- und +1-Buttons, durch Trackbacks oder Verlinkungen. Meist aber gar nicht.</p>
<p>Seit rund einem halben Jahr aber etabliert sich aber eine Gegentechnik: Der Flausch. Flauschen kann trösten sein, eine Zuneigungsbekundigung, hippiehafte Happiness auf Zuckerwattespeed und noch vieles mehr. Speziell auf twitter wird mit dem Hashtag <a href="http://twitter.com/#!/search/realtime/#flausch" shape="rect" target="_blank">#flausch</a> viel Liebe in die Welt geblasen.</p>
<p>Im Internet groß gemacht hat den Begriff möglicherweise Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier, der in seinem eigenen Blog schon seit Mitte 2009 die Rubrik <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/flausch-am-sonntag-44/" shape="rect" target="_blank">Flausch am Sonntag</a> unterhält, dessen Flauschcontent sich aber wirklich auf pelzige oder wollige Tiere bezieht und nicht auf Kulturtechniken. Mindestens so lange steht „flauschen“ auch schon im Szenesprachenwiki des Online-Duden. Kurz vor Weihnachten 2011 rief dann jedenfalls Anatol Stefanowitsch <a href="http://plus.google.com/u/0/110709408825070411070/posts/CZmud1LN5hW" shape="rect" target="_blank">auf Google+</a> zu einem Flauschstorm für die drei Monate nach ihrem Wahlerfolg dezent unter Stress stehende Berliner Piraten-Landtagsfraktion auf.</p>
<p>Überhaupt kämpft die Piratenpartei an vorderster Flauschfront. Was einigermaßen logisch ist, denn deren Streitkultur ist Internet in siebenfacher Intensität und ein Piratenparteiamt auszuüben kein My-Little-Pony-Hof – deswegen gibt es eine <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Flausch" shape="rect" target="_blank">AG Flausch</a> (okay, es gibt auch eine AG Jagd), die unter dem Motto „Harmonie und yeah“ den inneren Parteifrieden aufrecht erhalten möchte und dafür unter anderem Bällebäder für Parteitage organisiert.</p>
<p>Und so ging es weiter. Ein Katzenfoto forderte im Februar <a href="http://fun.drno.de/pics/politik/kaputtflauschen.jpg" shape="rect" target="_blank">„ACTA kaputtflauschen“</a>. Die sorgenkritische <a href="http://twitter.com/#!/flauscheria" shape="rect" target="_blank">Flauscheria</a> twittert Wärmendes wie „Mein Flausch für euch ist ganz geschlechtsneutral für ALLE da &lt;3.“ Nach der Saarlandwahl im März schickte Piratensprecher Thomas Brück <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QOc52EtpvlM" shape="rect" target="_blank">in einer ARD-Runde</a> seiner erkrankten Spitzenkandidatin „einen herzlichen Flausch“ – was einen massiven Flausch-Ausschlag beim Analyse-Tool <a href="http://www.google.de/trends/?q=flausch&amp;ctab=0&amp;geo=de&amp;geor=all&amp;date=all&amp;sort=0" shape="rect" target="_blank">Google Trends</a> zur Folge hatte. Und Sascha Lobo stellte bei seinem <a href="http://www.spiegel.de/video/re-publica-sascha-lobo-haelt-einen-ueberraschungsvortrag-video-1194155.html" shape="rect" target="_blank">re:publica-Vortrag</a> Anfang Mai fest, dass seit 2011 im Internet nur noch „auf Nachfrage beleidigt wird“ und ersetzt seinen sonst üblichen Startrant durch einen Startflausch.</p>
<p>Doch während die einen sich noch an sich selbst beflauschen, hat anderswo längst eine Flauschdiskussion begonnen. „Leide unter Angoraphobie – Der Angst vor Flausch.“ <a href="http://twitter.com/DAS_OFF/status/209960284641701888" shape="rect" target="_blank">twittert</a> Löschkopf. Flausch wird aufgrund inflationärer Nutzung als hohle Pose kritisiert. <a href="http://the-gay-bar.com/2012/03/15/eine-kritik-des-flausch/" shape="rect" target="_blank">Oder als „Schmerztablette“ bezeichnet</a>, die Probleme in Watte packt, anstatt sie zu lösen – und letztlich sogar den Hatern hilft, weil viele ihre Diskussionskultur aufs Flauschen beschränken. Das <a href="http://antiprodukt.de/obey-the-flausch/" shape="rect" target="_blank">Antiblog</a> hält dagegen: „Kleine Flauschpflaster in Form von Aufmerksamkeitssekunden helfen oft schon weiter“. Und so weiter.</p>
<div>
<p>Wo die Debatte hinsteuert, ist völlig offen: Nicht geflauscht ist genug gemeckert? Oder doch: Nie wieder Flauschwitz!?</p>
</div>
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		<title>„Sie blockieren meinen Speicherplatz!“</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 21:38:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE NULLEN UND EINSEN Spam-Beantworter sind dusselige Menschen. Aber wenn man sie zu einem Massendialog verdrahtet, kann es ziemlich lustig werden. (aus der taz vom 11. Mai 2012) Regelmäßig werden Statistiken veröffentlicht, wie viele Lebensstunden die Menschheit mit dem Sichten]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE NULLEN UND EINSEN<strong> Spam-Beantworter sind dusselige Menschen. Aber wenn man sie zu einem Massendialog verdrahtet, kann es ziemlich lustig werden. <span id="more-529"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Nullen-und-Einsen/!93200/" target="_blank">taz</a> vom 11. Mai 2012)</strong></h3>
<p>Regelmäßig werden Statistiken veröffentlicht, wie viele Lebensstunden die Menschheit mit dem Sichten und Löschen von Spammails verschwendet. Inzwischen hat man sich auf rund 100 Milliarden Stunden pro Jahr geeinigt (was in etwa die Hälfte der aufgewendeten Zeit für das Erstellen und Lesen von Lebenszeitstudien ist).</p>
<p>Wobei „verschwenden“ Definitionssache ist. Immerhin liefert Spam wichtige Produktinformationen! Dann ist Spamaussortieren eine gute Fingerübung der eigenen Filterfähigkeiten: Schnell mal 20 Mails weggeklickt, danach schiebt man ohne Skrupel auch Babyfotos, LinkedIn-Einladungen oder verbitterte taz-Leserpost nur durch Betreffzeilen-Lesen in den Papierkorb. Nebenbei hat man das Gefühl, furchtbar viel zu geschafft zu haben.</p>
<p>Ein neuer Spam-Benefit tat sich vor ein paar Wochen für mich auf. „Dear Friend“ meldete sich Katie Johnson von einer Londoner Bank. Sie habe ein proposal zu discussen. Das Übliche. Doch dann kam – eine Antwort: „Bitte um was geht es?“, fragte jemand. Dieser Jemand hatte auf „An alle antworten“ geklickt und damit auch der Adresse geschrieben, an die Katie Jonsons Spammail ging. Und diese Adresse war ein – für Spam ungewöhnlich – noch aktiver Mailverteiler. Wer ihm schrieb, erreichte automatisch auch zigtausende Spamopfer.</p>
<p>Im Minutentakt stiegen weitere Leute ein. Schon die dritte Mail wurde härter: „Sollte ich noch einmal von Ihnen per E-Mail belästigt werden, werde ich eine Anzeige erstatten.“ Freundlicherweise mit Empfangsbestätigung. Das konnte lustig werden. Zeit, sich Popcorn zu holen.</p>
<p>Schnell teilten sich die Teilnehmer der Spamdiskussion in drei Gruppen. Die Wütenden versuchten es mit Drohungen, Großbuchstaben und pampigem Tonfall („Adresse aus dem Verteiler nehmen bitte! PRONTO!“). Die Verzweifelten waren vor allem planlos („Ist das denn nötig, allen immer die Antworten zu schicken???“, „Bitte darum auch uns aus dem Verteiler zu loeschen. Schliesslich haben wir zu Arbeiten“, „Sie blockieren meinen Speicherplatz!“ oder bloß „Unsubscribe“). Die Erklärer erklärten, dass man mit Antworten nur seine Mailadressen bei den Spammern verifiziere, aber nicht für ein Ende sorge. Natürlich hörte ihnen keiner zu. Zwischendurch meldete sich noch ein Mitarbeiter des Computermagazins <em>c&#8217;t</em> mit „Test, please ignore.“</p>
<p>Es ist 2012, und Menschen haben keine Spamkompetenz. Ein Unterschichtenproblem? Von wegen: Unter den Beteiligten waren Diplom-Designer, Mediaberater und Anwälte, auch Mitarbeiter der Deutschen Welle, einer Medizin-Akademie, der DAAD-Außenstelle Tiflis und der Sparkasse Bregenz machten mit.</p>
<p>Am zweiten Tag schaltete sich mit „Voll Depp“ ein Troll ein und schrieb alberne Antworten („Würden Sie bitte aufhören, mich in BCC auf Ihre dämlichen E-Mails zu nehmen?“ – „Im To und Cc ist aber in Ordnung, oder?“). Abends schickten erste Trittbrettfahrer Werbung und Stellengesuche über den Verteiler. Neu im Boot waren auch überforderte Kundendienstmitarbeiter, die glaubten, dass sie gemeint seien. Und dazwischen blökten alle anderen Parteien weiter rum, als hätte es die Dutzenden Vorredner nicht gegeben.</p>
<p>3 Tage, 25 Minuten und 142 Mails dauerte das an. Dann war Stille. Spam als soziales Experiment in Form eines Gruppendialogs – ja, ich glaube, genau dafür wurde das Internet erfunden.</p>
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		<title>Mit der Pappaxt durch Köln</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 10:34:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Aram Bartholl lässt Codes, Icons und Mechaniken aus Internet und Computerspielen mit der Realwelt verschmelzen. Eine Ausstellung und ein Buch zeigen sein Werk. (aus der taz vom 15. Februar) Ist schon ein bisschen doof, dass Megaupload vom Netz genommen wurde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Aram Bartholl lässt Codes, Icons und Mechaniken aus Internet und Computerspielen mit der Realwelt verschmelzen. Eine Ausstellung und ein Buch zeigen sein Werk. <span id="more-752"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Medienkuenstler-Aram-Bartholl/!87884/" target="_blank">taz</a> vom 15. Februar)</h3>
<div><span style="font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;"><span style="font-size: 14px; line-height: 18px;"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-754" title="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/arambartholl_map.jpg" alt="" width="620" height="311" /></strong></span></span></div>
<p>Ist schon ein bisschen doof, dass Megaupload vom Netz genommen wurde. Wo kriegt man jetzt seine Filme her? Bei Torrents kann man sich ja auch kaum noch sicher sein, nicht, dass auf einmal das FBI vor der Tür steht. Aber es gibt noch die <a href="http://deaddrops.com/" shape="rect" target="_blank">Dead Drops</a>. Ein anonymes, offlinebasiertes P2P-Netzwerk – in Mauerwerkritzen eingemörtelte USB-Sticks, tote Briefkästen, beim achtlosen Vorübergehen praktisch unsichtbar. Einfach Laptop dranhalten, Daten saugen, eigene Sachen draufspielen, fertig.</p>
<p>775 Dead Drops sind in diversen Städten der Welt verteilt, einer der jüngsten befindet sich an der Außenwand der Galerie [DAM] Berlin, wo ihr Erfinder, der Medienkünstler Aram Bartholl, aktuell eine Auswahl seiner Arbeiten ausstellt. <a href="http://www.dam-berlin.de/modules.php?name=mlExhibitions&amp;pa=showpage&amp;pid=73" shape="rect" target="_blank">&#8220;Reply all&#8221;</a> heißt die unaufgeregte Schau in dem recht kleinen und sehr weißen Raum. Er ist ein Überbleibsel des Transmediale-Partnerprogramms, auf der Bartholl natürlich auch schon ausstellte, 2007.</p>
<p>Das Einsickernlassen und Rückübertragen von Codes, Icons und Mechaniken aus Internet und Computerspielen in unsere Kohlenstoffwelt ist eine der Lieblingstechniken des seit 1995 in Berlin lebenden Bartholl. In seiner Heimatstadt Bremen installierte der 39-Jährige einst <a href="http://datenform.de/speed.html" shape="rect" target="_blank">vier riesige Leuchtpfeile</a>, sodass sich Aufofahrer wie in der Rennsimulation &#8220;Need for Speed&#8221; fühlen konnten. Durch Köln lief er mit einer <a href="http://datenform.de/1h.html" shape="rect" target="_blank">riesigen Pappaxt</a> aus &#8220;World of Warcraft&#8221;. Auf Berlins Straßen stellte er große <a href="http://datenform.de/dust.html" shape="rect" target="_blank">Holzkisten</a> aus dem Egoshooter &#8220;Counterstrike&#8221;.</p>
<p>Und dann ist da noch <a href="http://datenform.de/map.html" shape="rect" target="_blank">&#8220;Map&#8221;</a>: die 6 mal 3,50 Meter große Nachbildung eines der roten blasenartigen Stecknadel-Symbole mit großem A, die auf Google Maps Suchergebnisse visualisieren. Solche Pins platzierte Bartholl in Taiwan, Stettin und anderswo in die Landschaft. Es ist sein schönstes Kunstwerk, das aber leider nicht Teil der Berliner Ausstellung ist. Es würde auch gar nicht durch die Tür passen.</p>
<h6>Nachbau eines Counterstrike-Levels</h6>
<p>Dafür gibt es in der Ausstellung <a href="http://datenform.de/areyouhuman.html" shape="rect" target="_blank">Aluminium-Nachbildungen von Captchas</a>, diesen seltsam verzerrt geschriebenen Wörtern, die man im Internet eingeben muss, um zu beweisen, dass man ein Mensch ist. Es gibt Architekturzeichnungen und -modelle, die Bartholls Planungsstand für den <a href="http://datenform.de/dust-rhizome.html" shape="rect" target="_blank">Nachbau eines ganzen Counterstrike-Levels</a> auf einem Hektar Fläche dokumentieren.</p>
<p>Oder auch drei Teile der <a href="http://datenform.de/googleportrait.html" shape="rect" target="_blank">Google Portrait Series</a>, große handgemalte QR-Codes (diese schwarz-weißen Muster, die man mit dem Handy abfotografieren kann), die einen ins Netz und auf die erste Seite der Google-Suche nach dem Namen von Medienkünstlerinnen wie Vera Molnár und Petra Cortright führen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-753" title="arambartholl_15secsfame" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/arambartholl_15secsfame.jpg" alt="" width="622" height="311" /></p>
<p>Zusätzlich zeigen mehrere Screens Videodokumentationen, die bei Aram Bartholl ein wesentlicher Teil des Kunstprozesses sind. In den kurzen, schnell geschnittenen Filmen gibt sich Aram Bartholl als eloquentes Smart-Ass, das die Regeln der Betriebs durchschaut hat. Wie in <a href="http://fffff.at/how-to-turn-code-into-art/" shape="rect" target="_blank">&#8220;How to turn code into art&#8221;</a>, wo er mehrere <em>FAZ</em>-Seiten mit dem gedruckten Bundestrojaner-Code in seinem Stammcafé aufhängt und den Zuschauern erklärt: &#8220;I recommend using a black frame, because a black frame means: You know what you&#8217;re doing and you are serious about it.&#8221; Das Werk hängt &#8211; weiß gerahmt &#8211; ebenfalls in der Ausstellung.</p>
<p>In einem anderen Tutorial zeigt Bartholl die Gusstechnik des Vakuumformens &#8211; wobei er sich nicht zufällig die Guy-Fawkes-Maske des Anonymous-Bewegung als Modell ausgesucht hat. Auch dem Chaos Computer Club und der DIY/Hacker-Bewegung steht Bartholl offensichtlich nahe. In seinen Videos propagiert er die Demokratisierung des Künstlerbegriffs: Oft enden sie mit einer &#8220;Now it&#8217;s your turn&#8221;-Aufforderung.</p>
<p>Die Dead Drops hat er auch längst nicht selbst alle verbaut, verselbständigt hat sich gleichermaßen das von Bartholl erfundene Ausstellungsformat der <a href="http://speedshow.net/" shape="rect" target="_blank">Speed Show</a>, dessen Weltpremiere im Juni 2010 am Kottbusser Damm stattfand: Man miete ein komplettes Internetcafé und nutze die auf den Rechnern installierten Standard-Browser, um Kunst zu zeigen.</p>
<h6>Performances, Readymades, Installationen</h6>
<p>Performances, Readymades, Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum: Bartholls Aktionskunst lebt gleichermaßen von klugen Ideen und ihrer liebevollen Umsetzung. Leider gibt die Ausstellung diese Fülle nur bedingt wieder: So wie &#8220;Reply all&#8221; im Computer die Mailantwort an alle Empfänger ist, ist auch hier irgendwie von allem was dabei. Das ist zwar ein guter Querschnitt durch Bartholls Werk, ein wirklich roter Faden ist aber nicht erkennbar – und was da ist, kann im kühlen Ambiente des Ausstellungsraums seine Wirkung nicht so recht entfalten.</p>
<p>Einen kompletteren, besser aufbereiteten Einblick in Bartholls Schaffen bekommt man in <a href="http://datenform.de/blog/the-speed-book/" shape="rect" target="_blank">&#8220;The Speed Book&#8221;</a>, das die Arbeiten umfangreich dokumentiert und durch weitere Texte – unter anderem ein Essay des Science-Fiction-Autors Bruce Sterling – ergänzt. Die dokumentierenden Videos finden sich derweil auch auf Bartholls Website <a href="http://datenform.de/" shape="rect" target="_blank">datenform.de</a>.</p>
<p>Wem das Buch aber zu teuer und das Internet zu online ist, oder wer sich umgekehrt für ein paar tausend Euro endlich einen echten Bartholl in die Wohnung hängen will, kommt an einem Besuch in der Galerie [DAM] nicht vorbei. Man kann dann auch gleich schauen, was es Neues auf dem Dead Drop Nummer 773 gibt.</p>
<p><strong>&#8220;The Speed Book&#8221;, Gestalten Verlag, 39,90 Euro</strong></p>
<p style="text-align: right;">Fotos: datenform.de, Screenshot Google Streetview</p>
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		<title>Den Datendrachen reiten</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 00:46:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Bedeutet der Verlust der Privatsphäre mehr staatliche Kontrolle? Nicht verteidigen, sondern strategisch nach vorne agieren, ist das Credo von Christian Hellers Sachbuch &#8220;Post-Privacy&#8221;. (aus der taz vom 14. Januar) Vergesst die Finanzhaie, die Baulöwen, die Heuschrecken! Der Horrorzoo des Turbokapitalismus]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bedeutet der Verlust der Privatsphäre mehr staatliche Kontrolle? Nicht verteidigen, sondern strategisch nach vorne agieren, ist das Credo von Christian Hellers Sachbuch &#8220;Post-Privacy&#8221;. <span id="more-760"></span>(aus der <a href="https://www.taz.de/Sachbuch-ueber-Post-Privacy/!85627/" target="_blank">taz</a> vom 14. Januar)</h3>
<div>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-761" title="PostPrivacy_Cover" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/PostPrivacy_Cover.jpg" width="200" height="318" />Vergesst die Finanzhaie, die Baulöwen, die Heuschrecken! Der Horrorzoo des Turbokapitalismus hat im Internetzeitalter ein neues Monster geboren: den Datenkraken. Überall saugen die Googles dieser Welt unsere Lebensinformationen auf, werden immer reicher und mächtiger – und nur ein paar wackere deutsche Datenschutzbeauftragte können sie noch stoppen und unsere heilige Privatsphäre retten.</p>
<p>So ist, etwas vereinfacht, der aktuelle Debattenstand zum Datenschutz. Dass es auch andere Interpretationen gibt, zeigt die noch junge &#8220;Post-Privacy&#8221;-Bewegung, die sich unter anderem in der &#8220;Datenschutzkritischen Spackeria&#8221; organisiert und im Frühjahr 2011 eine erste Runde Medienaufmerksamkeit erhielt. Einer von ihnen, der 26-jährige Christian Heller, hat nun ihre Grundthesen aufgeschrieben.</p>
<p>Sein schlicht &#8220;Post-Privacy&#8221; betiteltes Buch beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Die &#8220;Verdatung&#8221; der Welt ist tatsächlich nicht zu stoppen: Was wir einmal in die gigantische Speicher- und Reproduktionsmaschine Internet geben, kommt da nie wieder raus. Und weil digitale und nichtdigitale Lebensbereiche immer mehr verschmelzen, Computer zudem immer intelligenter Datenmassen durchpflügen und Leerstellen selbst ausfüllen, hilft nicht mal die Verweigerung.</p>
<p>Anstatt nun Abwehrschlachten gegen das Unvermeidliche zu führen, sollten wir deshalb lieber lernen, als mündige User den Übergang in eine transparente Gesellschaft zu schaffen, wobei der Transparenzanspruch dann auch und gerade für die staatlichen Institutionen gelten muss. Heller postuliert das Ideal der entfesselten, der frei flottierenden Daten, aus deren Schatz sich Menschheit und Wissenschaft bedienen können sollen.</p>
<p>Dem stellt er die von einer besonderen Angst getriebene deutsche Schule der Datenschutzpolitik gegenüber, die lieber &#8220;den Datendrachen tötet, anstatt auf ihm zu reiten&#8221;. Wobei auch deutsche Datenschützer zahm bleiben, wenn der Staat ein Bedürfnis hat, selbst Daten zu sammeln.</p>
<h6>Datenschutz geht nur mit Überwachung</h6>
<p>Möglich wäre allumfassender Datenschutz ohnehin nur, würde man konsequent alle Datenströme im Netz nachverfolgen und überwachen, damit auch ja nichts in falsche Hände gerät. Für Heller ist Datenschutz somit immer auch Unterdrückung und Drosselung des freien, anarchischen Datenflusses  – und steht Seite an Seite etwa mit der Rechteverwertungsbranche und ihrem Kampf gegen Filesharer und Raubkopierer.</p>
<p>Zugleich zeigt Heller auf, dass Privatsphäre erstens kein Wert an sich ist und zweitens keineswegs immer da war. In der Antike galt der öffentliche Raum als höchstes Gut. Das Verb &#8220;privare&#8221; ist eher negativ konnotiert, es bedeutet &#8220;berauben&#8221;. Und erst in den letzten Jahrhunderten fanden die Menschen aus der großen Wohn-, Ess- und Schlafstube in separat zugängliche Privatgemächer.</p>
<p>Wobei dieses Mehr an Privatsphäre nicht nur ein Segen war. Im Bürgertum stärkte der von der staatlichen Machtausübung abgekoppelte private Raum patriarchale Strukturen. Für die Arbeiterschaft bauten Industrielle schicke Sozialwohnungen nicht nur aus Menschlichkeit, sondern um die konspirative Verbrüderung in Massenbehausungen zu unterbinden.</p>
<p>Die größte Stärke Hellers ist, dass er Neues nicht per se als Bedrohung sieht. Zentrale Begriffe wie das Private, Daten, Macht, Wissen definiert er erst, um sie dann, befreit vom semantischen Ballast der aktuellen Debatte, in seiner Argumentation zu nutzen. Dabei sind nicht alle seine Thesen und Beispiele unbedingt einleuchtend. Einige Annahmen zum Segen einer transparenten Gesellschaft, in der sich alle notfalls gegenseitig kontrollieren können, erscheinen, wie er selbst zugibt, utopisch-naiv.</p>
<p>Dennoch leistet &#8220;Post-Privacy&#8221; in der zunehmend hysterischen Datenkraken-Diskussion einen wichtigen Beitrag: indem es einfach mal ein paar Begriffe klarzieht und zeigt, dass die Datenentfesselung nicht immer nur als Gefahr, sondern auch als Chance begreifbar ist.</p>
<div>
<p><strong>Christian Heller: &#8220;Post-Privacy. Prima leben ohne Privatsphäre&#8221;. C.H. Beck, München 2011, 174 Seiten, 12,95 Euro</strong></p>
</div>
</div>
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		<title>Das Dönerladen-Schicksal</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2011/10/26/das-donerladen-schicksal/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 00:16:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wir sind bald wieder für Sie da!“ Wikileaks setzt auf die gleichen Hinhalteparolen wie Berliner Dönerläden – und kümmert sich derweil erstmal um die Geldakquise. (aus der taz vom 26. Oktober 2011) Berlin ist nicht nur die Stadt der 1.000]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>„Wir sind bald wieder für Sie da!“ Wikileaks setzt auf die gleichen Hinhalteparolen wie Berliner Dönerläden – und kümmert sich derweil erstmal um die Geldakquise. <span id="more-386"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/!80619/" target="_blank">taz</a> vom 26. Oktober 2011)</strong></h3>
<p>Berlin ist nicht nur die Stadt der 1.000 rund um die Uhr geöffneten Dönerläden, sondern auch die Stadt der 1.000 vorübergehend geschlossenen Dönerläden. „Vorübergehend“, weil Dönerläden – wie auch Pizzerien, Schawarmastände, Schnellbäckereien und der ganze Rest – in Berlin grundsätzlich nie final und endgültig geschlossen werden, sondern immer nur „renoviert“.</p>
<p>Das hat vielleicht was mit Verkäuferehre zu tun, oder was mit Insolvenzrecht oder Steuervorteilen oder Geldwäsche, ist auch egal, auf den heruntergekommenen Magistralen Berlins finden sich jedenfalls zahlreiche mit Zeitungen verhangene Schaufenster, in denen ein Schild klebt, auf dem &#8220;Umbauarbeiten, wir sind bald wieder für Sie da!&#8221; steht. Nach drei, vier Monaten hängt an gleicher Stelle dann ein anderes Schild („Diese Räume können Sie mieten!“) und kurz danach macht ein neuer Köfteimbiss oder Billigfriseur auf.</p>
<p>Wikileaks hatte in den vergangenen anderthalb Jahren ebenfalls einiges von einem kriselnden Dönerladen: Ständig gab es Ärger mit den Gesundheitsamt und den Banken, die Chefs zofften sich öffentlich, dann stieg einer aus und nahm die Distributionsinfrastruktur mit, während der andere in den Fokus der Justiz geriet – nur Döner werden schon lange keine mehr veröffentlicht: die letzten Leaks, die Gitmo Files über das US-Gefangenenlager in Guantanamo Bay, stammen aus dem Frühjahr.</p>
<p>Dieses Leak-Moratorium hat Wikileaks am Montag auch endlich offiziell eingestanden. Vorübergehend werde man kein Material mehr öffentlich machen und sich erstmal um die Geldakquise kümmern. Und da ist offenbar einiges nötig, die Wikileaks-Startseite listet horrende Kosten auf: Je 300.000 Dollar für &#8220;Kampagnen&#8221; und &#8220;Sicherheit&#8221;, 400.000 für Produktion, je 500.000 für Mitarberkosten, „Infrastruktur“ und Recherchen, dazu 1.200.000 Dollar für Gerichtskosten.</p>
<p>Man versteht zwar nicht ganz, wie sich diese Posten exakt voneinander unterscheiden, aber es ist viel Geld. Sehr viel Geld. Und das, wo seit knapp einem Jahr Paypal, Visa und andere Finanzunternehmen die Wikileaks-Konten eingefroren haben und der Plattform damit, nach eigenen Angaben, Zugang zu 95 Prozent des Spendenaufkommens versaut haben.</p>
<p>Da nun aber selbst kreative Fundraisingversuche wie Assanges <a href="http://www.ebay.co.uk/itm/Lunch-Assange-and-i-ek-benefit-WikiLeaks-5of8-/290576761671?pt=LH_DefaultDomain_3&amp;hash=item43a7b98347" target="_blank" shape="rect">Selbstversteigerung als Abendessenbegleitung</a> auf Ebay nur 5.500 Dollar einspielten und die erfolgreich verbuchten Spenden in der digitalen Währung Bitcoin seit Sommer 90 Prozent ihres Wertes verloren haben, sieht es ziemlich finster für Wikileaks aus – vorübergehend jedenfalls.</p>
<p>Bis Ende des Jahres muss Geld her, sagte Assange am Montag. Sonst könnte sich das Dönerladen-Schicksal erfüllen – und ab Januar fänden sich auf der Wikileaks-Seite nur noch ein animiertes Bauarbeiter-Bildchen und der Hinweis „<a href="http://www.wikileaks.org/" target="_blank" shape="rect">www.wikileaks.org</a> – diese Domain können Sie kaufen“.</p>
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		<title>Der schönste Tag im Internet!</title>
		<link>http://michaelbrake.de/2011/08/08/der-schonste-tag-im-internet/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 14:25:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[KOLUMNE ZUM WELTKATZENTAG Nur Katzen haben den DNA-Powermix aus pelziger Niedlichkeit und individualistischer Erhabenheit. Deswegen müssen wir sie uns immer wieder im Internet anschauen. (veröffentlicht auf taz.de) &#8220;Manchmal glaube ich, das Internet wurde von eitlen Katzen erfunden.&#8221; So kommentierte I. einst]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em><strong>KOLUMNE ZUM WELTKATZENTAG </strong></em><strong>Nur Katzen haben den DNA-Powermix aus pelziger Niedlichkeit und individualistischer Erhabenheit. Deswegen müssen wir sie uns immer wieder im Internet anschauen. <span id="more-73"></span>(veröffentlicht auf </strong><strong><a href="http://www.taz.de/!75734/" target="_blank">taz.de</a>)</strong></h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-451" title="mono0001" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/mono0001.jpg" alt="" width="620" height="309" /></p>
<p>&#8220;Manchmal glaube ich, das Internet wurde von eitlen Katzen erfunden.&#8221; So kommentierte I. einst ein Facebook-Album, das ganz reizende Fotos meiner zweijährigen Katzenschwestern Mono und Naushika zeigt. Mono auf dem Schreibtischstuhl, Naushika beim Gähnen, Naushika, wie sie Mono den Kopf ableckt.</p>
<p>Dabei stimmt I.s Aussage natürlich nur halb: In Wirklichkeit wurde nämlich nicht bloß das Internet, sondern das gesamte Universum von eitlen Katzen erfunden. Damit wir ihnen huldigen. Und wann sonst sollten selbst tumbe Hundemenschen, die sich ausschließlich von kalten Dosenravioli und Autoreifen ernähren und sonntags ihre trostlose Freizeit mit Teppichklopfen verbringen, den Katzen huldigen, wenn nicht heute? Am 8. August, dem Weltkatzentag. Dem schönsten Tag!</p>
<p>Denn Katzen haben den DNA-Powermix aus individualistischer Erhabenheit und flauschiger Niedlichkeit (beziehungsweise erhabener Flauschigkeit uns niedlichem Individualismus). Sie sind, anders als diese servilen, ADHS-gestörten Hunde, klug und faul. &#8220;Von einer Katze lernen / heißt siegen lernen. / Wobei siegen &#8216;locker durchkommen&#8217; meint, / also praktisch: liegen lernen&#8221;, schrieb schon Robert Gernhardt, und weiter: &#8220;Was eine einzige Katze uns lehrt, / lehren uns alle: / So viel wie möglich nehmen, ohne zu geben, / und dann ab in die Falle.&#8221;</p>
<p>Gleichzeitig sind Katzen vollbepelzt – außer an den Augen, wo ihr Fell praktischerweise zwei Löcher hat, damit sie sehen können – und haben weiche Pfötchen. So schaffen sie es, bei allem, was sie tun, selbst im Nichtstun, süß und verehrenswert auszusehen, ohne auch nur eine Hundertstelsekunde ihre Würde zu verlieren.</p>
<p>Und weil das so ist, wird seit der Erfindung des YouTube-Videos, da hatte I. natürlich recht, im Internet die Katzenverehrung auf den Punkt gebracht. Hier kann man sich das alles angucken. Wie sie eine Kiste erforschen, etwa. Oder einen Faden jagen. Oder im Sitzen einschlafen. Oder aufstehen, sich dreimal um die eigene Achse drehen und sich wieder hinsetzen. Hach!</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-450" title="IF" src="http://michaelbrake.de/blog/wp-content/uploads/nauschka0001.jpg" alt="" width="620" height="310" /></p>
<p>Für Menschen ohne Internet gibt es das übrigens auch als Comic, im ganz wunderbaren <a href="http://www.amazon.de/Cat-Getting-Out-Other-Observations/dp/0811858227/ref=sr_1_7?ie=UTF8&amp;qid=1312476687&amp;sr=8-7">&#8220;Cat Getting Out of a Bag (and Other Observations)&#8221;</a> von Jeffrey Brown. Im YouTube-Katzenkosmos haben sich über die Jahre sogar schon diverse Untergenres gebildet. Katzen, die auf einem <a href="http://www.youtube.com/results?search_query=cat+roomba&amp;aq=f">Roomba-Staubsauger</a> fahren. Katzen und <a href="http://www.youtube.com/results?search_query=cat+toilet&amp;aq=f">Toiletten</a>. Katzen und <a href="http://www.youtube.com/results?search_query=cat+turtle&amp;aq=f">Schildkröten</a>. Es ist dabei schwer zu beantworten, welches Katzenvideo das niedlichste ist. Denn jedes Katzenvideo ist das niedlichste!</p>
<p>Doch gibt es natürlich zeitlose Klassiker wie die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=z3U0udLH974&amp;feature=related">Two Talking Cats</a> (über 43 Millonen Views) und dessen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=1JynBEX_kg8">Übersetzung</a>  (28 Mio. Views – &#8220;Someone&#8217;s coming! Act like a cat!&#8221;), die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fzzjgBAaWZw">Stalking Cat</a> aus Japan (25 Mio. Views), die es zu einem eigenen <a href="http://moire.lowdope.com/">Blog</a> und <a href="http://www.amazon.co.jp/exec/obidos/ASIN/4048951793/lowdope-22/ref=nosim/">Buch</a> gebracht hat, oder <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Vw4KVoEVcr0">Cat mom hugs baby kitten</a> (32 Mio. Views). Das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=0Bmhjf0rKe8&amp;feature=related">Surprised Kitty</a> (51 Mio. Views) und die Trickfilmabenteuer von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4rb8aOzy9t4&amp;feature=relmfu">Simon&#8217;s Cat</a> (21 Mio. Views). Oder der neueste Star am LULZ-Himmel: Die – Vorsicht, Epileptiker, nicht klicken! – <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QH2-TGUlwu4">Nyan Cat</a> (29 Mio. Views).</p>
<p>Sogar Jörg Kachelmann findet sich in der Katzenvideowelt, als er einst beim Wettervorhersagen von Studiokatze Lupin besucht wurde. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=zP4zaMvV__4">Er nahm sie auf den Arm.</a> Kann so ein Mensch in der Lage sein, Frauen zu vergewaltigen? Ich denke: nein!</p>
<p>Ich könnte noch viel mehr über Katzen erzählen – zum Beispiel über die ebenfalls seit Jahren etablierten LOLCats, von denen es natürlich auch diverse Untergruppen beziehungsweise in dem Fall: Untermeme, gibt, die <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;biw=1214&amp;bih=639&amp;tbm=isch&amp;sa=1&amp;q=im+in+ur+lolcat&amp;oq=im+in+ur+lolcat&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=e&amp;gs_upl=9859l12622l0l12706l11l11l1l9l0l0l155l155l0.1l1l0">&#8220;I&#8217;M IN UR &#8230;&#8221;-LOLCats</a>, die <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;biw=1214&amp;bih=639&amp;tbm=isch&amp;sa=1&amp;q=invisible+lolcat&amp;oq=invisible+lolcat&amp;aq=f&amp;aqi=g-L2&amp;aql=&amp;gs_sm=e&amp;gs_upl=46651l49197l0l49533l8l7l0l0l0l0l140l755l2.5l7l0">&#8220;INVISIBLE &#8230;&#8221;-LOLCats</a> – aber jetzt muss ich Schluss machen und Mono dabei zuschauen, wie sie eine Fliege jagt. Gerade ist sie aus dem Stand einen Meter hoch gesprungen und nun ist sie in den Papierkorb gekrabbelt, nur noch ihre Ohren schauen raus. Wie niedlich!</p>
<p>Außerdem guckt Naushika mich mit großen Augen an. Sie möchte jetzt sofort auf der Tastatur liegen.</p>
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		<title>500 Millionen Freunde</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 12:26:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verrat, Intrigen, Industriespionage und ein Soziopath namens Mark Zuckerberg – die Gründungsgeschichte von Facebook soll großen Kinostoff bieten. Doch &#8220;The Social Network&#8221; fehlt einfach das Drama. (veröffentlicht auf fluter.de) Es ist 2010 vermutlich nicht zu früh, einen Film über den]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Verrat, Intrigen, Industriespionage und ein Soziopath namens Mark Zuckerberg – die Gründungsgeschichte von Facebook soll großen Kinostoff bieten. Doch &#8220;The Social Network&#8221; fehlt einfach das Drama. <span id="more-589"></span>(veröffentlicht auf <a href="http://film.fluter.de/de/389/kino/8838/" target="_blank">fluter.de</a>)</strong></h3>
<p>Es ist 2010 vermutlich nicht zu früh, einen Film über den Gründungsmythos von Facebook zu drehen. Zwar hat sich das Über-Social-Network mit einer halben Milliarde Nutzer so tief in die Internet-Matrix gegraben wie keiner seiner Vorgänger oder Klone – aber wer weiß schon, ob das alles in ein paar Jahren nicht von einem noch nächsteren, noch größeren Ding dahingeweht wird. Also besser beeilen!</p>
<p>Blicken wir also zurück, auf den Campus von Harvard zum Jahreswechsel 2003/2004, wo Informatik-Student Mark Zuckerberg in mehreren Wochen intensiver Arbeit das Ur-Facebook schreibt. Virusartig verbreitet sich die anfangs simple Seite und Zuckerberg wird an der Uni zur Berühmtheit. Schon nach kurzer Zeit expandiert er mit Hilfe einiger Freunde, erst an andere Ostküsten-Elite-Unis, dann nach Kalifornien und am Ende in die ganze Welt. Investoren steigen ein, Zuckerberg und seine Crew ziehen ins Silicon Valley – und heute ist der ganze Laden so viel wert, dass Zuckerberg mit seinem 24-Prozent-Anteil als siebenfacher Dollarmilliardär geführt wird.</p>
<p>Aber Moment: Das wäre kaum genug Drama für einen Hollywood-Film. Deswegen geht es um Verrat. Zerbrochene Freundschaften. Industriespionage. Hybris. Gleich zwei millionenschweren Prozessen musste sich Zuckerberg in den Folgejahren stellen, sie bilden das Gerüst des Films und werden virtuos mit den Ereignissen 2003/2004 verschränkt: Im einen Fall klagt Eduardo Saverin, der als Facebook-Mitgründer und ehemaliger Studentenfreund Zuckerbergs im Sommer 2004 ausgebootet wurde. Und im anderen Fall das Zwillingspaar Tyler und Cameron Winklevoss, die Zuckerberg vorwerfen, er hätte ihnen die Idee geklaut.</p>
<p><strong>Nerds don&#8217;t come easy</strong></p>
<p>Im Zentrum aller Konflikte steht also Mark Zuckerberg. &#8220;Du wirst in dem Glauben durch das Leben gehen, dass Mädchen dich nicht mögen, weil du ein Streber bist. Und ich will dich wissen lassen, dass das nicht wahr sein wird. Es wird sein, weil du ein Arschloch bist&#8221;, haut ihm ein Mädchen zu Beginn des Films an den Kopf. Sie irrt. Zwar hat Zuckerberg natürlich diverse schlechte Eigenschaften: seine Arroganz, seine Verbohrtheit, sein Neid auf sozial erfolgreichere Menschen, seine genervten Blicke, wenn jemand seinen Ausführungen nicht schnell genug folgen kann. Bloß: Er meint es nicht so – es ist die Tragik Zuckerbergs, dass er eines der mächtigsten sozialen Tools geschaffen hat, im echten Leben aber offenbar über kaum nennenswerte soziale Empathie verfügt.</p>
<p>Er ist der Typ, der auf dem Campus Tennissocken in Badelatschen trägt. Als Zuckerberg in Harvard vor eine Disziplinarkommission gezerrt wird, erwartet er allen Ernstes, dass man ihm dafür dankbar ist, die Sicherheitslücken der Uni-Server aufgedeckt zu haben. Auf einer rationalen Ebene hat er damit recht – aber so funktioniert die Welt der Menschen nicht. Sein Darsteller Jesse Eisenberg gibt ihm mit einer versteinerten Mimik beinahe autistische Züge: Immer wieder gibt er nur stakkatohaftes &#8220;Ja&#8221;, &#8220;Ja&#8221;, &#8220;Ja&#8221; als Antwort. Zuckerberg ist ein Nerd und Nerds don&#8217;t come easy. Aber er ist kein Arschloch: Wenig deutet auf die eiskalte Berechnung hin, mit der etwa der Ölmagnat Daniel Plainview in &#8220;<a href="http://film.fluter.de/de/250/kino/6603/" target="_blank">There Will be Blood</a>&#8221; seine Umwelt schikaniert.</p>
<p>Und dass er die Winklevosses hintergeht – wenn man es denn überhaupt so auslegen will –, kann Zuckerberg auch kaum jemand übel nehmen: Sie sind Vertreter des alten WASP (White Anglo-Saxon Protestant)-Harvards, schnöselige, elitäre Gentleman-Schönlinge und erfolgreiche Ruderer noch dazu (die echten Winklevoss-Brüder nahmen an den Olympischen Sommerspielen 2008 teil). Zuckerbergs Ideenklau ist also letztlich nichts weiter als die Rache des Nerds am Sportler, dem &#8220;Jock&#8221;, eine Machtverschiebung zwischen zwei Archetypen der US-College-Welt, die wir in Zukunft noch häufiger erleben werden – denn die Welt steht unzweifelhaft am Beginn einer Ära, in der Computerspezialisten zu einer bestimmenden Kaste werden.</p>
<div>
<p><strong>Endloses Gerede</strong></p>
<p>Den &#8220;echten&#8221; Mark Zuckerberg lernen wir ohnehin nicht kennen: Das Drehbuch von Aaron Sorkin (Autor der Fernsehserie &#8220;The West Wing&#8221;) basiert auf Ben Mezrichs Buch &#8220;The Accidental Billionaires&#8221;. Die Eckdaten der Geschichte sind definitiv wahrheitsgetreu, wie umfangreich die Zuspitzung und Dramatisierung der Charaktere durch die doppelte Adaption ausfällt, ist aber unklar. Keine der beiden Geschichten wurde von Facebook autorisiert, Zuckerberg hat nie mit den Autoren gesprochen – pikanterweise war aber Eduardo Saverin der Hauptberater von Ben Mezrich. Entsprechend ließ Mark Zuckerberg auch demonstrativ verkünden, er hätte ohnehin keine Zeit, den Film zu gucken.</p>
<p>Viel verpasst er nicht. Denn selbst wenn Facebook eine Revolution sein mag: Sie bleibt abstrakt. Wo man einen Selfmade-Entrepeneur der Industriezeit mit großen Bildern von Konstruktionsprozessen, Prototypen, Fabrikhallen und Arbeiterkolonnen in Szene setzen kann, sitzen Zuckerberg &amp; Co. halt an ihren Rechnern und hacken irgendwelchen Kram ein.</p>
<p>Dazu kommen die rechtlichen Details, und so müssen die Figuren in &#8220;The Social Network&#8221; beinahe die ganze Zeit erklären, was sie gerade machen, vorhaben oder getan haben. Es wird geredet, geredet, geredet, was Regisseur David Fincher (&#8220;Fight Club&#8221;, &#8220;Benjamin Button&#8221;) irgendwann so genervt haben muss, dass er im Vinklewoss-Subplot eine wortlose und visuell überwältigende Sequenz einer britischen Ruderregatta eingebaut hat – die beste Szene des Films.</p>
<p>Inszenatorisch holt Fincher ohnehin viel aus dem Stoff raus, aber dennoch: Da ist einfach kein Drama, Baby! Niemand wird sterben, Facebook wird auch nicht pleite gehen, sondern nur immer noch erfolgreicher, es wird an keiner Stelle existenziell. Höchstens der Nicht-Nerd Eduardo Saverin taugt zur tragischen Figur, wenn er verzweifelt mit ansehen muss, wie er – aus unternehmerischen Gesichtspunkten nicht mal ungerechtfertigt – nach und nach aus der Firma gekegelt wird.</p>
<p>Ironischerweise spielt sich zeitgleich zum Filmstart von &#8220;The Social Network&#8221; gerade ein echtes Internet-Drama vor unser aller Augen ab: Die öffentliche Selbstzersetzung von Wikileaks, wo der mysteriöse Julian Assange innerhalb weniger Wochen vom Medienliebling zum gefallenen Engel mutiert ist. Weltpolitik, Geheimdienste, hehre Ideale, Verrat, Medienhype, Vergewaltigungsvorwürfe, Verschwörungstheorien – das ist mal großes Kino. Die Intrigenspiele und Gerichtsverhandlungen wohlhabender Harvard-Kids, bei denen es nur darum geht, wer jetzt noch ein bisschen reicher wird, sind es nicht.</p>
<p style="margin-top: 0px; margin-right: 0px; margin-bottom: 1em !important; margin-left: 0px; border-style: initial; border-color: initial; border-image: initial; outline-width: 0px; outline-style: initial; outline-color: initial; font-size: 14px; vertical-align: baseline; background-image: initial; background-attachment: initial; background-origin: initial; background-clip: initial; background-color: #ffffff; line-height: 20px; font-family: Georgia, 'Times New Roman', Times, serif; border-width: 0px; padding: 0px !important;"><strong>(The Social Network) USA 2010, Regie: David Fincher, Buch: Aaron Sorkin, nach der Buchvorlage von Ben Mezrich, mit Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Brenda Song, Rashida Jones u. a., 121 min, Kinostart: 7. Oktober 2010 bei Sony Pictures</strong></p>
</div>
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		<title>Reduzierte Form für Liebhaber</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Apr 2010 12:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Mehr als ein Diavortrag mit Tonspur: Audioslideshows sind besonders für Reportagen gut geeignet. In Deutschland ist das junge Genre noch ziemlich unbekannt. (aus der taz vom 20. April 2010) Text. Foto. Video. Diese drei klassischen Formen dominieren den Onlinejournalismus. Hin]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mehr als ein Diavortrag mit Tonspur: Audioslideshows sind besonders für Reportagen gut geeignet. In Deutschland ist das junge Genre noch ziemlich unbekannt.<span id="more-1821"></span> (aus der <a href="http://www.taz.de/!51353/" target="_blank">taz</a> vom 20. April 2010)</h3>
<p><a href="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/audioslideshow.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1824" alt="audioslideshow" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/audioslideshow.jpg" width="620" height="310" /></a></p>
<p>Text. Foto. Video. Diese drei klassischen Formen dominieren den Onlinejournalismus. Hin und wieder verirrt sich dazwischen mal eine interaktive Grafik oder Landkarte, aber noch immer bilden sich eigenständige, crossmediale Online-Genres nur langsam heraus. Und wenn sie dann da sind, kriegt es kaum jemand mit – wie bei der Audioslideshow.</p>
<p>Die macht für den fernsehkonfektionierten User zunächst den Eindruck eines vollautomatischen Diavortrags mit Tonspur: Foto folgt auf Foto, nichts bewegt sich, allenfalls wird mal ein wenig gezoomt. Doch die reduzierte Form schafft eine spezielle Atmosphäre: Während Videos oft einfach so vorbeifließen, kann man sich hier die einzelnen Fotos genauer anschauen, wirken lassen, Details entdecken.</p>
<p>Ein gutes Foto ist ein Konzentrat der Zeit vor und nach dem Augenblick der Aufnahme, sagt Robert Wenkemann, Multimedia-Chef von faz.net. „In einer Audioslideshow springt man von einer sehr intensiven Situation zur nächsten“, so Wenkemann. „Wenn man dann noch Atmo-Geräusche hört oder ein Reporter dazu subjektiv erzählt, hat man viel stärker das Gefühl, man sei vor Ort.“ Entsprechend eignet sich das Format besonders gut für magazinig-zeitlose Themen, Reportagen und Porträts. Bei faz.net finden sich etwa Beiträge über das größte hinduistische Fest in Deutschland bei Hamm, über die verlassene Todeszone von Tschernobyl und über Fußball in Palästina.</p>
<p>Ihren Durchbruch schafften die Audioslideshows vor einigen Jahren, dank der preiswerten und leicht bedienbaren Software Soundslides, die sich schnell als Produktionsstandard durchsetzte. Doch während sich die Slideshows in den USA eine bedeutende Rolle erarbeitet haben – ein herausragendes Beispiel ist <a href="http://www.nytimes.com/packages/html/nyregion/1-in-8-million/" target="_blank">„One in 8 Million“</a> von nytimes.com, eine Serie von 54 Kurzporträts der Bewohner New Yorks aus dem Jahr 2009 –, führen sie hierzulande noch ein Nischendasein. Ausprobiert wurden sie zwar inzwischen von vielen Seiten, aber neben faz.net setzt nur sueddeutsche.de wirklich regelmäßig auf das Format.</p>
<h6>Chancenlos gegen das Bewegtbild?</h6>
<p>Anlass genug für erste Abgesänge: So erklärte Zeit-Online-Multimedia-Chef Fabian Mohr <a href="http://www.onlinejournalismus.de/2010/01/10/audio-slideshow-vs-video-nie-mehr-als-nische/" target="_blank">kürzlich</a> in einem vielverlinkten Blogbeitrag, warum die Slideshow gegen das omnipräsente Bewegtbild verloren hätte. Der Online-Journalist Fabian Schweyher, der seine Diplomarbeit über Audioslideshows geschrieben hat und auch selbst produziert, sieht es weniger drastisch: „Vor ein paar Jahren gab es dank Soundslides eine gewisse Euphorie, daher kommt jetzt wohl die Enttäuschung.“ Aber auch er glaubt, dass der große Durchbruch in Deutschland ausbleiben wird.</p>
<p>„Die Audioslideshow ist ein Format, das sehr stark sein kann – das sich durch sein recht starres Korsett aber auch relativ schnell abnutzt“, sagt er. Dazu kommt, dass Soundslides inzwischen an seine Grenzen stößt und so die Kreativität hemmt: Die Tonspur lässt sich nicht nachträglich editieren, der Einbau von Videosequenzen ist nicht möglich – wobei gerade die Kombination mit Video als nächster Entwicklungsschritt gesehen wird. Ein weiteres Problem ist der vergleichsweise hohe Produktionsaufwand. „Ich habe außerdem das Gefühl, dass eine Audioslideshow höhere Standards erfüllen muss als ein vergleichbares Video, weil das Format nicht so angenommen ist“, sagt Schweyher. „Genau wie die Bilder wirken auch die Fehler intensiver.“</p>
<p>Schließlich ist da noch der ökonomische Faktor: Deutsche Media-Agenturen vergöttern nach wie vor die Page Impression (PI), den Einzelseitenaufruf, als Reichweitenmessgröße für Onlinewerbung. Und da verliert jede Slideshow gegen eine schnell gebaute Fotoklickstrecke. Solange es kein Umdenken gibt, Werbung nach Unique Visits oder gar nach Nutzungsdauer zu honorieren, wird die Audioslideshow ein Liebhaber-Genre bleiben, das allenfalls zur Userbindung einer Webseite dienen kann.</p>
<h6>Spezielles Format für spezielle Anlässe</h6>
<p>„Wir machen das nicht, weil wir da Klicks einsammeln können, sondern weil es ein besonderer journalistischer Mehrwert ist“, sagt auch Robert Wenkemann. Leisten kann sich faz.net ein solches Aushängeschild nicht zuletzt dank des Zugriffs auf das weltweite Redaktionsfotografen-Netzwerk der Print-<i>FAZ</i>. Deswegen sieht auch Wenkemann die Zukunft der Slideshow eher als spezielles Format für spezielle Anlässe – und findet das auch gut so. Die Rückschau auf den letzten Bundesligaspieltag sei für eine Audioslideshow ohnehin zu profan.</p>
<p>Das Problem der PI-Fixiertheit kennt auch Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de, will das Angebot dennoch ausbauen. „Es muss unsere journalistische Aufgabe sein, ein Thema auch anders zu erzählen, wir machen schließlich kein Onlinepapier“, sagt er. Man müsse beharrlich bleiben: „Viele Leute, gerade in der Werbebranche, sind ziemlich defensiv.“</p>
<p>Als Bestätigung für diese Haltung gewann der freie sueddeutsche.de-Autor Matthias Eberl Ende 2009 einen Reporterpreis für seine Slideshow <a href="http://rufposten.de/daten/xcess/" target="_blank">„Außen Puff, innen die Hölle“ </a>über eine Münchener Künstlerkneipe. Eberl ist in Deutschland ein Pionier, schon seit 2003 experimentiert er mit multimedialen Formen und neuen Verknüpfungen von Bild, Ton und Text. Von Audioslideshows allein leben kann Eberl noch nicht. Er ist aber zuversichtlich, dass sich ihre Zahl noch „erheblich steigern wird“, und sieht nicht nur die Redaktionen in der Pflicht: „Der Wille ist bei vielen da, ich glaube, es mangelt eher an Journalisten, die das Medium beherrschen.“</p>
<p>Und wenn der Onlinejournalismus endlich stärker auch in den Magazinnereich vordringt, könnte die große Stunde schlagen: „Wenn sich Tablet-PCs wie das iPad tatsächlich als Lesegerät für Zeitungen und Zeitschriften etablieren, wird die Audioslideshow bei Reportagen Standard sein.“</p>
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		<title>Robert T. Online und Hallo Spencer</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 22:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit „Der Blogger“ und „Yourope“ widmet sich Arte den Themen Europa, Jugend und Internet. Nichts für Nerds, aber für aufgeschlossene Durchschnittsuser. (aus der taz vom 8. Januar 2010) Abgedroschen, aber wahr: Europa wächst zusammen. Und dank Facebook und easyJet geht]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit „Der Blogger“ und „Yourope“ widmet sich Arte den Themen Europa, Jugend und Internet. Nichts für Nerds, aber für aufgeschlossene Durchschnittsuser. <span id="more-1859"></span>(aus der taz vom 8. Januar 2010)</h3>
<p>Abgedroschen, aber wahr: Europa wächst zusammen. Und dank Facebook und easyJet geht das noch schneller. Das Leben von Schülern und Studenten zwischen Helsinki und Lissabon unterscheidet sich längst nur noch in Nuancen, was man auch bei Arte gemerkt haben muss. Hier starten am Wochenende gleich zwei wöchentliche Magazine, die sich irgendwo in der Schnittmenge der Themenbereiche Europa, Jugend und Internet bewegen: „Der Blogger“ (Sa., 14 Uhr) und „Yourope“ (So., 17.45 Uhr).</p>
<p>„Yourope“ kommt dabei eher konventionell daher, mit Studio, Moderator und Einzelbeiträgen. Diese tragen unverkennbar die Handschrift von Kobalt Productions, den Ex-„Polylux“-Machern: Der Produktionsaufwand ist hoch, es wird mit zahlreichen Protagonisten und optischen Ideen gearbeitet, schnell geschnitten und viel inszeniert. Die Thesen sind immer ein wenig zu steil, die Analysen stets eine Spur zu holzschnittartig.</p>
<p>Natürlich ist das Social-Media-Berater-Studium in Birmingham „DER Studiengang der Zukunft“. Und natürlich sind die auch übers Internet organisierten Studentenproteste in Österreich so etwas wie die Neuerfindung der Basisdemokratie. Dazu kommen ein skurriler Trend (Social Networks für Haustiere) und ein wirklich gelungener Beitrag über das Phänomen der „Carrot Mobs“.</p>
<h6>Mentaldoping und Coworking</h6>
<p>In seiner Themenwahl ist „Yourope“ ganz gut auf Augenhöhe mit den aktuellen Debatten, in den kommenden Sendungen wird es um Mentaldoping mit Amphetaminen und Ritalin sowie um neue Arbeitsformen wie Coworking gehen. Okay: Wer wirklich im Internet wohnt, wird das alles schon 2008 in seinem Feedreader gelesen haben – aber diese Leute hat das Fernsehen sowieso verloren. Die aufgeschlossenen Durchschnittsinternetnutzer könnte man hingegen erreichen.</p>
<p>Dafür sollte die „Yourope“-Redaktion allerdings zusehen, dass sie die Einzelteile der Sendung noch besser zu einem Ganzen zusammenfügt. Dass die Erstausgabe unter dem Oberthema „Wie Social Networks unser Leben bestimmen“ steht, wird nicht wirklich klar – es hätte auch „Beliebiges aus dem Internet“ heißen können.</p>
<p>Und Moderator Andreas Korn („logo!“) ist auch keine große Hilfe: Hölzern und unbeholfen versenkt er Pointen, die eh schon keine sind („E-Democracy – wobei ,e&#8217; nicht für Igitt, sondern für &#8216;electronic&#8217;, also für elektronisch, steht“) und wirkt in etwa so lebendig wie Robert T. Online.</p>
<h6>Alles im Fluss</h6>
<p>Ganz anders sein französisches Gegenstück Anthony Bellanger, „Der Blogger“. Statt in einem sterilen Studio sitzt er in einem Großraumbüro und spricht direkt in die Kamera seines Laptops.</p>
<p>Souverän wie Spencer aus „Hallo Spencer“ schaltet er aus seiner Kontrollzentrale zu verschiedenen Korrespondenten, nach England, Tschechien, Finnland, unterbricht die Beiträge mitunter, um eine Grafik oder ein Video einzuspielen, und führt am Rechner ein Videointerview mit einer rumänischen Kollegin. Das Ganze hat einen ungewohnten Fluss, der allerdings gut funktioniert, was eben maßgeblich am charismatischen Bellanger liegt.</p>
<p>Die Anmutung ist reifer und authentischer als bei „Yourope“, da ist es auch verzeihlich, dass einer der Beiträge schon 2007 entstanden ist, was, wie die Redaktion versichert, eine absolute Ausnahme sein soll. Hilfreich ist zudem die Beschränkung auf ein überschaubares Thema, das dafür umso gründlicher angegangen wird: In der Pilotfolge ist dies der Umgang mit Schülergewalt.</p>
<p>Schülergewalt? Richtig: Das ist gar kein Onlinethema. Das Spektrum beim „Blogger“ ist breiter, das Internet ist weniger Inhalt als Medium, seine Möglichkeiten werden mit den Standardstilmitteln eines TV-Magazins verknüpft. In den kommenden Ausgaben wird es um Onlinespiele, Privatkundenbanken und Tempolimits gehen. Und sofern Arte diesen guten Eindruck durch die Synchronisation, die bei Redaktionsschluss noch nicht vorlag, nicht gleich wieder kaputt macht, kann man sich darauf freuen.</p>
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