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	<title>Michael Brake &#187; EM 2012</title>
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		<title>Einfach besser</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jun 2012 20:48:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Joachim Löws Aufstellung funktioniert nicht. Mario Balotelli macht sich unsterblich. Deutschland verliert im EM-Halbfinale. Das war&#8217;s. (veröffentlich auf taz.de) Das Spiel: Das ist also der Abend, an dem Deutschland seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Und das deutlich. Dabei beginnen die Deutschen stärker:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Joachim Löws Aufstellung funktioniert nicht. Mario Balotelli macht sich unsterblich. Deutschland verliert im EM-Halbfinale. Das war&#8217;s.<span id="more-1009"></span> (veröffentlich auf <a href="http://www.taz.de/Deutschland-verliert-im-Halbfinale/!96363/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p><strong>Das Spiel:</strong> Das ist also der Abend, an dem Deutschland seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Und das deutlich. Dabei beginnen die Deutschen stärker: Eine frühe Chance von Hummels klärt Pirlo auf der Linie, gute Fernschüsse von Kroos und Khedira entschärft Buffon. Und Italien mit ungewohnten Flüchtigkeitsfehlern, Barzagli nach einem Missverständnis fast mit einem Eigentor. Bis in der 20. Minute Cassano auf dem linken Flügel Hummels vernascht, scharf flankt und Balotelli aus fünf Metern mit dem Kopf eindrückt. 1:0.</p>
<p>Jetzt kippt das Spiel. Deutschland verliert den Zugriff. Es ist wurstig. Es ist statisch. Zweimal warten freistehende Italiener noch mit dem Schuss so lange, bis deutsche Verteidiger im Weg stehen. Dann erreicht in der 36. Minute ein 30-Meter-Pass aus dem linken Halbfeld den komplett freistehenden Balotelli. Der geht einige Schritte und nagelt den Ball ins obere rechte Toreck. Top 5 der schönsten EM-Tore, mindestens.</p>
<p>Löw reagiert, für seine Verhältnisse früh: Schon zur Halbzeit bringt er Reus und Klose für die enttäuschenden Gomez und Podolski. Eine klare Belebung, vor allem Marco Reus bringt endlich Tempo ins deutsche Angriffsspiel. Aber wieder dauert die deutsche Drangphase nur circa 15 Minuten, danach kriegt Italien das Spiel besser in den Griff, nur noch eine wirklich gute Freistoßchance von Marco Reus gelingt.</p>
<p>In der 71. Minute die letzte Option: Müller für Boateng. Deutschland mit Dreierkette oder so – egal, es muss jetzt eh nur noch nach vorne gehen. Doch Deutschland hat nur viele kleinere Chancen, alle Italiener verteidigen genauso abgekocht, wie man das im Handbuch für Klischees gelernt hat. Und haben nebenbei noch große Konterchancen: Balotelli, Di Natale, Marchisio, Diamante schießen und vergeben das 3:0.</p>
<p>Dann die 92. Minute: Italiens Balzaretti mit Handspiel im Strafraum. Zurecht Elfmeter. Özil verwandelt sicher. Doch mehr geht nicht. Mehr geht einfach nicht, an diesem Abend.</p>
<p><strong>Der Moment des Spiels:</strong> Das 1:0. Der Moment, als die Deutschen den Glauben verloren haben. Sie sollten ihn nicht wiederfinden.</p>
<p><strong>Der Spieler des Spiels:</strong> Mario Balotelli. Spielte eine reife EM, machte gegen Irland ein schönes Fallrückziehertor, war gegen England sehr präsent. Seine große Show hebt er sich aber fürs Halbfinale auf. Er sucht immer den Abschluss und heute findet er zweimal das Tor: Kopfball, Fernschuss. Die Nerven verliert er auch nicht.</p>
<p><strong>Die Pfeife des Spiels I:</strong> Lukas Podolski. Kommt zurück in die Startelf, bringt wenig. Einmal gefährlich angespielt, aber ein Italiener ist vor ihm da. Löw lässt ihn zur Halbzeit draußen. Immerhin hat Podolski jetzt ein EM-Spiel in seinem Heimatland Polen gemacht. Schön. Für ihn.</p>
<p><strong>Die Pfeife des Spiels II:</strong> Holger Badstuber. Man darf bei einer Flanke auch hochsteigen. Dann hat man zumindest die Möglichkeit, ein Kopfballduell zu gewinnen. Muss man aber nicht. Dann macht Balotelli halt das 1:0.</p>
<p><strong>Schlussfolgerung: </strong>Joachim Löw wird ausgecoacht. Seine Aufstellung mit Gomez, Podolski und Kroos funktioniert nicht, gegen Balotelli ist die deutsche Innenverteidigung offenbar nicht richtig eingestellt, auch Pirlo wird nicht neutralisiert. Prandelli hat sein Team heute besser eingestellt. Und das ist ihm gegen Spanien auch zuzutrauen. Das Finale – es ist eine offene Angelenheit.</p>
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		<title>Das Cristiano-Ronaldo-Syndrom</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jun 2012 17:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. (veröffentlicht auf taz.de) Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Alle schimpfen über Ronaldos Spiel, haben aber dabei nur sein Haargel vor Augen. Die Nörgler wollen besonders tiefgründig wirken und sind dabei noch alberner. <span id="more-911"></span>(veröffentlicht auf <a href="https://www.taz.de/Kolumne-B-Note/!96173/" target="_blank">taz.de</a>)</h3>
<p>Anna Kournikova gilt allgemein als ziemlich mäßige Tennisspielerin, als ein Mediendarling, der eigentlich nichts drauf hatte, außer Brüste. Dabei gewann sie zwei Grand-Slam-Titel im Doppel und war im Einzel Weltranglisten-Achte, was jetzt nicht direkt schlecht ist.</p>
<p>Kournikovas Problem: Sie sah hervorragend aus und das auf eine Art, bei der jede Pore ihres Körpers sagte: „Seht her, wie attraktiv ich bin“. Solche Menschen müssen sich im Sport doppelt beweisen und permanent gegen den Verdacht anspielen, nur wegen ihres Aussehens berühmt zu sein. Sie haben das Cristiano-Ronaldo-Syndrom.</p>
<p>Der portugiesische Angreifer ist aktuell unzweifelhaft einer der besten Fußballer der Welt, er hat zuletzt 46 Saisontore in der spanischen Liga geschossen, auch einen großen Titel holte er schon: 2008 die Champions League. Gleichzeitig legt Ronaldo genauso unzweifelhaft viel Wert auf sein Aussehen, wird von zahlreichen Menschen attraktiv gefunden und schmiert sich Gel ins Haar (was gefühlt 80 Prozent aller unter 30-Jährigen Männer und 98 Prozent aller Profifußballer tun, der als besonders unprätentiös geltende Wayne Rooney transplantiert sich sogar Haare – aber egal).</p>
<p>Nun scheint Eitelkeit für viele Leute nicht mit Leistungsfähigkeit vereinbar zu sein. Bei jedem Fehlschuss, jeder Macke in Ronaldos Spiel fühlen sie sich bestätigt: Der Mann ist nichts als Hype. Als wenn Ronaldo nur auf dem Platz stehen würde, weil die Mannschaftsaufstellung von einem Teenagerinnen-Telefonvoting bestimmt wird, und nicht von leistungsorientierten Trainern.</p>
<p>Interessanterweise findet man Ronaldokritiker vor allem unter Menschen, die sich selbst für reflektiert halten. Das funktioniert so: Weil Ronaldo schön sein will, muss er oberflächlich sein. Um zu zeigen, wie unheimlich unoberflächlich man selbst ist, bewertet man Ronaldos Spiel besonders kritisch. Die Beurteilung von Spielfähigkeiten auf der Grundlage von Aussehen wird so zum Ausdruck von Tiefgründigkeit. Bemerkenswert.</p>
<p>Neben der Haargelsache wird übrigens auch Ronaldos Gestik im Allgemeinen und sein Freistoßanlauf im Speziellen gern kritisiert. Hierbei macht er fünf große Schritte rückwärts, um dann breitbeinig wie ein Cowboy stehenzubleiben. Reines Gegockel? Von wegen: Da hat jemand für sich herausgefunden, wie der optimale Bewegungsablauf sein muss und es in ein Ritual zur besseren Konzentration verpackt. Einen Sami Khedira würde man für solche Akribie loben. Ronaldo nicht.</p>
<p>Denn das Narrativ „Ronaldo ist ein überschätzter Schnösel“ hat sich längst so tief in die öffentliche Fußball-Wahrnehmung gebrannt wie „Italiener können nur mauern” (auch wenn Prandelli gerade das Gegenteil veranstaltet), „Deutschland hat immer Losglück” (Todesgruppe, hallo?) und „Engländer können keine Elfer” (obwohl, Moment, das stimmt ja wirklich).</p>
<div>
<p>Und deswegen ist auch egal, dass Ronaldo bei dieser EM in zwei entscheidenden Spielen der beste Mann auf dem Platz war, mit drei Toren und vier Aluminiumtreffern. Es braucht nur eine vergebene Großchance, nur ein in Superzeitlupengroßaufnahme gezeigter hadernder Blick, nur ein Übersehen des besser postierten Nebenmannes von Cristiano Ronaldo – und alle werden es mal wieder schon immer gewusst haben. Der Typ ist ne Wurst!</p>
</div>
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		<title>Der Mann mit der Mütze</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 16:36:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic (aus der taz vom 12. Juni 2012) Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>KOLUMNE B-NOTE über die Stilikone Slaven Bilic <span id="more-900"></span>(aus der <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&amp;dig=2012%2F06%2F12%2Fa0099&amp;cHash=6af9b14977" target="_blank">taz</a> vom 12. Juni 2012)</strong></h3>
<p>Es gibt zwei Sorten Trainer. Die erste steht in Hemd und Anzughose am Spielfeldrand und sieht damit ziemlich seriös aus – wenn es sich um Spanier oder Italiener handelt, sogar elegant, wenn es sich um Pep Guardiola handelt, sogar extremsuperelegant.</p>
<p>Die zweite Sorte setzt auf Trainingskleidung und erklärt damit: Wir sind ganz nah dran am Team. Wir rackern mit! Diese Trainer werden immer seltener, in den ersten sechs Spielen der EM setzte nur Polens Franciszek Smuda auf Polyester. Immerhin ist es überhaupt erlaubt, anders als in den europäischen Vereinswettbewerben, wo selbst Kapuzenpullimaus Thomas Schaaf und Oberkumpel Jürgen Klopp in Anzüge gezwungen werden.</p>
<p>Und dann gibt es noch Slaven Bilic, der im Spiel gegen die von Trapattoni (graues Sakko, blaue Krawatte) trainierten Iren auf eine Kombination setzte: Anzug unten, Mütze oben. Und nicht irgendeine Mütze, sondern das eleganteste Beanie, das sein Kleidungssponsor im Angebot hatte. Andere Trainer wagen höchstens, einen dicken Anorak über das Sakko zu ziehen, Bilic gibt den Business Punk. Slaven Beanic, quasi.</p>
<p>Dabei ist der Move nicht neu, auch vorher trug Bilic schon mal Mütze. Aber er zeigt: Die Kombination aus Business- und Streetwear sorgt immer noch für Irritationen, über 25 Jahre nach Joschka Fischers Turnschuhen, auch nach New Economy und Jahrzehnten des Casual Fridays.</p>
<p>Das erste Style-Ausrufezeichen der EM kommt also aus Kroatien. Herr Löw – kontern Sie!</p>
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		<title>Keine toreschießende Wollmilchsau</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jun 2012 11:58:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Solide Schwarzbrot-Qualität vom kicker, viele bunte Gimmicks beim Testsieger 11 Freunde – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der taz vom 5. Juni 2012) Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Solide Schwarzbrot-Qualität vom <em>kicker</em>, viele bunte Gimmicks beim Testsieger <em>11 Freunde</em> – die Bandbreite der EM-Sonderhefte ist groß. Das perfekte Heft ist nicht dabei. (aus der <a href="https://www.taz.de/Sonderhefte-zur-Fussball-EM/!94447/" target="_blank">taz</a> vom 5. Juni 2012)</h3>
<p><span id="more-709"></span></p>
<p><img class="alignleft" title="kicker-sonderheft" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/kicker-sonderheft.jpg" width="200" height="277" />Man muss sich das wohl so vorstellen: Irgendwo in Nürnberg sitzt in einem alten Bunker, vielleicht unter dem Reichsparteitagsgelände, die <em>kicker</em>-Redaktion, mit der Außenwelt nur mittels eines Telegrafen verbunden. Draußen dreht sich die Welt weiter, einflussreiche Magazindynastien werden gegründet und zerfallen wieder zu Staub, Fußball und Feuilleton nähern sich einander an, <em>11 Freunde</em> revolutioniert die Bildsprache des deutschen Fußballjournalismus. Und der <em>kicker</em> bringt halt ein Sonderheft zur Fußball-Europameisterchaft raus, das exakt so aussieht wie immer: gleiches Layout, gleiche Fotos, gleiche Inhalte.</p>
<p>Erst kommen detaillierte Texte zum deutschen Team inklusive Hotelporträt und Interviews mit Alt-Europameistern. Anschließend werden die restlichen 15 Mannschaften vorgestellt. Mit Texten zu Stärken, Schwächen und Wunschaufstellung, sehr sachlich und souverän, wenngleich ohne den totalen taktischen Tiefgang, sowie mit Mannschaftsfoto, ungefährem Kader (wie in allen Heften lag der Redaktionsschluss vor der Nominierungsfrist) und – das allerdings ist als Handreichung ein echtes Plus – kurzen Steckbriefen aller Spieler. Am Ende folgen noch unfassbar detaillierte Statistiken zur deutschen EM-Historie.</p>
<p>Auch sprachlich finden sich noch viele Reste aus der verblassenden Zeit des Bratwurstjournalismus: Da geht die Post ab, da werden Sachen wie aus dem Eff-eff gekannt, da gibt es Trainerfüchse und robuste Kerle. Nein, man wird beim <em>kicker</em> nicht ästhetisch umschmeichelt. Aber wer eine umfassende, seriöse und ironiefreie Vorbereitung auf die EM sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Achso:  irgendwo verstecken sich auch tatsächlich zwei Gimmicks – die ewige Stecktabelle und eine furchtbar unlustige Kolumne von Django Asül.</p>
<p><img class="alignleft" title="11freunde_05_365711889b" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/11freunde_05_365711889b.jpg" width="200" height="266" />„The icing on the cake“ nennt man im Englischen solche veredelnden Glitzi-Elemente, die nicht lebensnotwendig sind, für die man sich aber ein wenig Zeit und Liebe nehmen sollte. Und der <em>kicker</em> gleicht nunmal einem nahrhaften Kuchentrumm, auf den sich ein paar Puderzuckermoleküle verirrt haben – während umgekehrt die EM-Ausgabe von <em>11 Freunde</em> ein millimeterdünner Tortenboden ist, auf dem mehrere Kubikmeter Glasur thronen.</p>
<h6>Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken</h6>
<p>Unzählige Splitter, Bonbons, Klein- und Kleinstrubriken ziehen sich durch das Heft, darunter viel Fiktives, das meiste lustig, manches eher nicht. Gleichzeitig wird gar nicht erst versucht, alle wichtigen Informationen abzubilden oder alle Teams vorzustellen, auch das beiliegende Miniheft mit den Spielerkadern erfüllt nur eine Alibi-Funktion. Die <em>11 Freunde</em> müssen aufpassen, dass sie sich in ihrer Pose der ironischen Brechung nicht irgendwann komplett verheddern. Auch bei ihren Live-Tickern im Internet ist der Klamaukanteil mitunter nur noch schwer ertragbar.</p>
<p>Abgesehen davon machen sie aber, was sie am besten können: Jeder Turniertag wird zum Anlass für eine hintergründige Geschichte oder eine Bildidee genommen. Seien es Gruppenfotogalerien von polnischen Hooligans mit nackten Muskeloberkörpern, eine grandiose Analyse des Fußballsongs „Three Lions“ oder ein Interview, in dem Dänemarks Ex-Nationaltorwart Peter Schmeichel mit dem Big-Mac-Mythos vom EM-Sieg 1992 aufräumt – journalistisch und gestalterisch ist das <em>11-Freunde</em>-Heft mit Abstand das beste im Feld.</p>
<p>Eine Synthese zwischen beiden Philosophien versucht der österreichische <em>ballesterer</em>, der einen ähnlich kritischen Fankultur- und Lebenswelt-Ansatz wie <em>11 Freunde</em> vertritt. Nach dem klassischen kleinteiligen Magazin-Einstieg hat das Heft eine klare Struktur, jede Mannschaft wird mit einem doppelseitigen Text versehen, nur die Gastgeber Polen und Ukraine haben richtig lange Stücke bekommen.</p>
<p>Über die Details der Transformation des griechischen 4-2-3-1 in ein 4-5-1 beim Gegenpressing erfährt man hier zwar nichts, als geschmeidiger Einstieg ins Turnier aber funktioniert es gut. Und als Bonus gibt es die leicht verschobene Nachbarland-Perspektive und einige schöne Austriazismen.</p>
<h6>Viel Schland-Content bei Sport-Bild</h6>
<p>Mit im Rennen ist natürlich auch die <em>Sport-Bild</em>. Sie informiert ähnlich umfassend wie der <em>kicker</em>, mit vielen Statistiken und viel Schland-Content. Das Layout ist vielseitiger, dafür mit Werbung vollgekleistert, die Teamporträts sind fluffiger geschrieben, dafür taktisch bei weitem nicht so fundiert. Wer es schnell und leicht verdaulich mag – oder ein besonderes Interesse an den Social-Media-Aktivitäten der EM-Stars hat – dürfte das <em>Sport-Bild</em>- dem <em>kicker</em>-Sonderheft vorziehen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-712" title="ballesterer" alt="" src="http://michaelbrake.de/wp-content/uploads/ballesterer.jpg" width="200" height="267" />Das EM-Heft und zugleich die Erstausgabe des neuen, von Egmont Ehapa (<em>Micky Maus</em>) verlegten Magazins <em>Goal</em> dem Rest vorziehen sollte hingegen nur, wer ein Cristiano-Ronaldo-Poster haben will. Ansonsten stimmt hier praktisch nichts, von der kaum lesbaren Schrift und der hölzernen Sprache über den mangelnden taktischen Tiefgang und das wirre (aber sehr bunte!) Layout bis hin zur offenbar nicht vorhandenden Schlusskorrektur.</p>
<p>Echten Fußball-Nerds oder Menschen, die es werden wollen, sei schließlich die nur als E-Book veröffentliche EM-Vorschau des Blogs <a href="http://spielverlagerung.de/" target="_blank">spielverlagerung.de</a> empfohlen – ebenfalls eine Premiere. Wobei Book auch im Wortsinn gemeint ist, denn abgesehen von Mini-Grafiken der Teamaufstellung gibt es hier nur: Text. Seitenlang werden die taktischen Optionen, Stärken und Schwächen der Spieler und Teams analysiert, präziser und tiefgehender findet man das nirgends. Dazu kommen einige Hintergrundtexte und Porträts. Sprachlich ist das zwar manchmal etwas lang und umständlich, aber insgesamt doch ziemlich gefällig.</p>
<p>Kombiniert mit dem <em>11-Freunde-</em>Heft deckt das Spielverlagerungs-Buch dann auch am ehesten alle Wünsche nach Spaß und Ernst in der EM-Vorbereitung ab. Wer alles kompakt in einem Heft haben will, muss sich halt zwischen <em>kicker</em>, <em>Sport-Bild</em> und <em>ballesterer</em> entscheiden.</p>
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		<title>Die halbierte Halbzeitpause</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 17:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Brake</dc:creator>
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		<description><![CDATA[KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor. (aus der taz vom 28. Juni 2012) Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>KOLUMNE B-NOTE Mit Mini-Nachrichten gaukeln ARD und ZDF in den EM-Halbzeitpausen ihre Infokompetenz vor.</h3>
<h3><span id="more-1267"></span> (aus der <a href="http://taz.de/Kolumne-B-Note/!96221/" target="_blank">taz</a> vom 28. Juni 2012)</h3>
<p>Wir müssen uns beeilen, da kommen ja schon die Mannschaften aufs Feld, sagte Reinhold Beckmann bei der Halbzeitanalyse von Spanien gegen Frankreich zu Mehmet Scholl. Huch! Wie konnte denn das passieren? So viele Highlights gab es in diesem Viertelfinalspiel doch gar nicht.</p>
<p>Es war halt wie immer: Statt das Spiel aufzubereiten, zeigt die ARD lieber die „Tagesthemen“. 7:26 Minuten lang durfte ein freundlicher junger Mann namens Ingo Zamperoni ein bisschen Weltgeschehen präsentieren. Rechnet man das ganze Gedöns der Trailer, Sponsorenpresenter und Respect-Clips weg, bleiben dann noch schmale fünf Minuten fürs Sportliche. Die Frage ist: Warum?</p>
<p>Denn natürlich ist es wichtig, was in Syrien und in Ägypten passiert. Und vielleicht auch ein Bericht vom Bundesverband der Deutschen Tafeln aus Suhl. Und mit viel Fantasie sind sogar die Viele-Nackte-Menschen-Skulpturen von Spencer Tunick wichtig. Aber das hätte man ja auch schon vorher in der „Tagesschau“ sehen können. Oder im ZDF. Oder auf dem Digitalkanal – you name it – tagesschau24.</p>
<p>Bei der „Sportschau“ gab es sowas lange Zeit auch, eine Mini-„Tagesschau“ mittendrin, keine zwei Minuten lang, aber die hatte zumindest eine Funktion: Sie teilte die Sendung in zwei Teile, sodass die ARD mehr Werbung schalten konnte. Musste man nicht gut finden, konnte man aber verstehen.</p>
<div>
<p>Bei der EM gibt es keine Gründe. Es gibt auch keine Pflicht: Problemlos könnte man „Tagesthemen“ und „Heute“ einfach im Anschluss und dafür in ganzer Länge zeigen – worauf man aber verzichtet, weil Waldi Hartmann und Markus Lanz mit ihren lustigen Fußballtalkrunden warten und dazwischengeklatschte Nachrichten den Audience Flow kaputt machen würden.</p>
<p>So bleibt es seit Ewigkeiten bei einer Lösung, die in ihrer Kompromisshaftigkeit öffentlich-rechtlicher nicht sein könnte, die weder Fußball- noch Nachrichtenbedürfnisse vernünftig abdeckt und für die es nur zwei Erklärungen gibt:</p>
<p>1. ARD und ZDF wollen den bildungsfernen Massen ihre wahnsinnige Infokompetenz vorgaukeln, während genau diese seit Jahren zusammengekürzt und auf lustige späte Sendeplätze verschoben wird. 2. Die Reduktion der Halbzeitberichterstattung soll den Mangel an Kompetenz in Sachen Fußballfragen bei quasi allen Beteiligten kaschieren. „Wir können ja gar nicht in die Tiefe gehen, in 5 Minuten. Hallo?“</p>
<p>PS: Parallel zum Samstags-Viertelfinale lief im ZDF das „Heute-Journal“ übrigens nicht um 21.45 Uhr, wie fast immer, sondern erst um 23.20 Uhr. Es musste verschoben werden, weil nach dem Krimi „Stubbe – von Fall zu Fall“ erst noch ein ganzer Bella-Block-Krimi laufen musste.</p>
</div>
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